Terroranschläge in Deutschland seit 1970: Sie werden wieder häufiger

Gestern wurde der Gerüchte-Kampf vor allem darum geführt, welche Nationalität bzw. welchen Glauben der Amokfahrer von Münster hat. Heute ist der Designer Jens R., dessen Identität auch posthum verschwiegen und den selbst die internationale Presse nur als Jens R. kennt, als geistesverwirrter Täter von der Polizei präsentiert worden, der seinen psychischen Schaden auf 18 Textseiten dokumentiert zu haben und zum Anlass genommen zu haben scheint, zwei Menschen zu ermorden und rund 20 zu verletzen.

Der Terroranschlag aus Münster ist somit zur Amokfahrt eines Irren herabgestuft worden.

Wir haben die Amokfahrt, die von manchen der Opfer sicher als Terror empfunden wurde, zum Anlass genommen, um uns mit der Frage zu beschäftigen, wie viele Terroranschläge es in Deutschland tatsächlich gegeben hat. Ein ambitioniertes Unterfangen, das wir auf den Zeitraum 1970 bis 2016 eingeengt haben, immerhin betreiben wir dieses Blog ja nebenbei.

Ohne die Global Terrorism Database wäre unsere Analyse nicht möglich gewesen. Auf ihrer Grundlage haben wir die letzten beiden Tage unsere Computer und Excel zu Höchstleistungen getrieben, denn die Database hat den Umfang von rund 80 Megabyte. Eigentlich ist der Datensatz nicht handhabbar. Eigentlich.

Wie immer, fängt das Datensammeln mit der Definition dessen, was gesammelt werden soll, an. Ein terroristischer Akt oder Anschlag liegt vor, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

wenn eine Tat absichtlich erfolgt;
wenn die Tat unter Einsatz von Gewalt oder Drohung von Gewalt erfolgt;
wenn der Täter nicht erkennbar im Auftrag eines Staates handelt (Staatsterrorismus ist in unseren Analysen nicht enthalten);

Neben diesen Voraussetzungen müssen noch zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sein:

Mit der Tat muss ein politisches, religiöses oder ein soziales Ziel verfolgt werden oder es muss beabsichtigt sein, das ökonomische System zu beseitigen;
Es müssen Indizien dafür vorliegen, dass mit der Tat das Ziel verbunden ist, die Allgemeinheit oder einen größeren Teil der Bevölkerung einzuschüchtern oder eine politische Nachricht an die Bevölkerung auszusenden;
Die Handlung muss außerhalb kriegerischer Auseinandersetzungen stattfinden.

Auf Grundlage dieser Definition und unter Verwendung der Global Terrorism Database haben wir für den Zeitraum von 1970 bis 1990 insgesamt 535 terroristische Anschläge identifiziert, die in der BRD durchgeführt wurden, sowie 38 terroristische Anschläge, die in der DDR erfolgt sind. Für den Zeitraum von 1990 bis 2016 sind 703 terroristische Anschläge auf Grundlage der oben genannten Kriterien nachweisbar.

Die Abbildung zeigt die Verteilung der Anschläge seit 1970 für jedes Jahr. Lediglich für das Jahr 1993 liegen uns keine Daten vor (bislang). Wie man sieht, gibt es nach der Vereinigung einen sprunghaften Anstieg an terroristischen Aktivitäten was vor allem auf kurdische Separatisten und Neo-Nazis zurückzuführen ist. Erstere haben sich türkische Einrichtungen zum Ziel genommen, letztere Asylbewerberunterkünfte. Die Jahre von 2000 bis 2014 stellen die ruhigste Phase in der Geschichte Deutschlands dar. Egal, was der Hype um Rechtsextremisten, der zu Millionenbeträgen in den Taschen derer, die gegen Rechtsextremismus kämpfen wollen (den es nach unseren Daten seit 2000 mit einer Ausnahme, zu der wir gleich kommen, aber nicht mehr gibt), geführt hat.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man die terroristischen Straftaten von der Seite der Mordopfer betrachtet. Wir haben dies in der folgenden Abbildung sehr ausführlich getan.

Auch wenn man die Anzahl der Mordopfer berücksichtigt, sind die Jahre von 2000 bis 2014 die Phase der deutschen Geschichte, die man mit Blick auf terroristische Anschläge als die bislang ruhigste bezeichnen muss. Lediglich der Nationalsozialistische Untergrund (NSU), auf den in der Zeit von 2000 bis 2007 9 Morde zurückgehen, ist für diese Zeit hervorzuheben und hervorgehoben wird er ja auch. Wenn man die 9 Morde des NSU gegen die 33 Morde der RAF-Generationen 1 bis 3 stellt und weiterhin betrachtet, welche finanziellen Mittel aufgewendet werden, um die RAF bzw. die NSU aufzuarbeiten, dann muss man neidlos feststellen, dass diejenigen, die rechtsextremistischen Terror ausschlachten, viel versierter sind als diejenigen, die linksextremistischen Terror ausschlachten, wenn es darum geht, an Steuergelder heranzukommen. Gleichzeitig muss man den entsprechenden anti-rechten Aktivisten zugestehen, dass sie aus relativ wenig, sehr viel Nutzen gezogen haben, während aus viel RAF-Terror so gut wie keine Forschungsförderung, geschweige denn Bundesprogramme zur Bekämpfung linksextremistischer Bestrebungen resultiert sind.

Neben den beiden terroristischen Netzwerken, von denen es in Deutschland zu berichten gibt, fallen fünf Gipfel auf, die den Zeitraum von 1970 bis 2016 prägen. Der erste Gipfel ist im Wesentlichen dem Anschlag der Gruppe „Schwarzer September“ auf die Israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München geschuldet, der zweite repräsentiert im Wesentlichen das Bombenattentat während des Oktoberfests 1980 in München. Der dritte Gipfel ist u.a. den Anschlägen von Mölln und Lampertheim (1992) geschuldet, und der kleinere vierte Gipfel geht unter anderem auf den Anschlag auf einen Reisebus in Köln im Jahre 1995 zurück. Die meisten Terroropfer sind 2016 zu verzeichnen. Ursache sind die Anschläge von München (Olympiazentrum) und Berlin (Weihnachtsmarkt). Damit hat, wie die Abbildung zeigt, die lange Phase der Ruhe, die seit 2000 in Deutschland, was Terrorismus angeht, geherrscht hat (trotz NSU und im Vergleich zu den Jahren vor 2000), ein abruptes Ende gefunden. Dass der rasante Anstieg in der Zahl der Mordopfer mit einem rasanten Anstieg der Zuwanderung nach Deutschland einhergeht, ist eine Korrelation, deren Erklärung bislang noch gesucht wird.


Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Dann unterstützen Sie ScienceFiles!

5 Euro

10 Euro

20 Euro

50 Euro

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles
©ScienceFiles

Über 1000 Ermittlungsverfahren wegen eines Terrorverdachts im Jahr 2017

Bis zum 24. November 2017 hat die Generalbundesanwaltschaft insgesamt 1.119 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf terroristische Aktivitäten, in der Regel Mitgliedschaft oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung (§§ 129a, b StGB) gleich welcher Art und Weise eingeleitet. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion „die LINKE“ im Bundestag hervor.

433 der 1.119 Ermittlungsverfahren wurden an die Bundesländer (Landeskriminalämter) abgegeben, weil sie von der Generalbundesanwaltschaft als minder schwere Fälle eingestuft wurden.

Die ideologische Verteilung der Terrorverdächtigen, die im Rahmen der Verfahren ermittelt wurden, ist eindeutig: 85,7% sind dem Islamismus zuzurechnen. 13,5% der Ermittlungsverfahren (151) fallen in die Kategorie des internationalen Terrorismus‘. Links- und Rechtsextremismus spielen im Zusammenhang mit einem Terrorverdacht keine Rolle. 0,5% der Ermittlungsverfahren haben Rechtsterrorismus zum Anlass, 0,2% Linksterrorismus.

Wie man vor diesem Hintergrund weiterhin die mehr als 105 Millionen Euro rechtfertigen will, die in die Bekämpfung von Rechtsextremismus fließen, ist uns ein Rätsel. Fest steht jedenfalls, dass die Gefahr dann, wenn es um Terrorismus geht, eine Gefahr, die greifbarer ist als die amorphe Masse dessen, was als Rechtsextremismus bekämpft wird, vom Islamismus in seinen vielen Schattierungen ausgeht. Die Zahlen machen auch deutlich, dass sich Muslime und ihre Verbände, die am Terrorismus ebenso wenig Interesse haben, wie andere Normalbürger, langsam eine wirksame Methode der Distanzierung von und der Ausgrenzung derjenigen überlegen müssen, die Gewalt im Allgemeinen und Terror im Besonderen als Mittel ansehen, mit dem man den eigenen Irrglauben durchsetzen kann.

P.S.

Dass sich die Zahlen in der Antwort der Bundesregierung nur auf 1.118 und nicht auf 1.119 Ermittlungsverfahren addieren, ist uns bewusst. Wohin das eine Ermittlungsverfahren verschwunden ist, ist eine Frage, die vielleicht im Rahmen einer nächsten kleinen Anfrage von wem auch immer gestellt werden kann.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Deutsche Welle: Journalisten sind Killer

Berlin, 1. September 2017.
Deutsche Welle.
Themen: Wissen und Umwelt
Psychologie.

Journalisten sind Killer – Journalism kills!
Wir zitieren aus dem Beitrag der Deutschen Welle:

“Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Wir Journalisten haben mit unserer Berichterstattung die Macht, über das Leben von Menschen zu entscheiden. Genauer: Unsere Beiträge können töten. Und zwar dann, wenn es sich um Berichte über Terroranschläge handelt, mit Aufmacher auf der Titelseite“.

Wir wissen nicht, mit welchem Journalisten der Deutschen Welle hier seine Phantasie durchgegangen ist, aber wir wissen: Dieses Ausmaß an selbstzugeschriebener Grandeur, an Realitätsverlust und an Projektion eigener Wünsche und Begierden, ist erschreckend und nicht normal. Insofern wäre der Artikel besser in der Kategorie „Psychiatrie“ anstelle von „Psychologie“ aufgehoben.

Die Erkenntnis, dass Journalisten mit ihren Beiträgen zu Killern werden (können) und die Hoffnung, dass man in Zukunft Terroranschläge verschweigen kann, sie werden von einem Beitrag ausgelöst, den Michael Jetter gerade im Journal of Public Economics veröffentlicht hat: „The effect of media attention on terrorism“. In diesem Beitrag kommt Jetter zu der Einschätzung, dass „media coverage may encourage further terrorist attacks“ (46). Dieses Ergebnis basiert auf der Analyse von 43 Jahren terroristischer Aktivität in 201 Ländern der Erde.

Das Ergebnis ist offenkundig der Stoff, aus dem die Träume von so manchem Redaktionshocker bei der Deutschen Welle sind. Aber ist es auch fundiert? Im Gegensatz zum Träumer der Deutschen Welle haben wir uns die Daten und die Methode angesehen, die Jetter zu seinem Ergebnis führen.

Terroranschläge werden höchst akribisch in der Global Terrorism Database (GTD) gesammelt. Jetter benutzt diese Daten. Seine Fragestellung zielt auf die Anschläge, die in Folge eines Anschlages verübt werden. Die GTB zeigt, dass in der Woche direkt nach einem Anschlag im Durchschnitt weitere 5,01 Anschläge verübt werden. Ob diese Nachfolgeanschläge in geographischer Nähe, in ideologischer Näher oder in irgendeinem anderen Zusammenhang mit dem Ausgangsanschlag stehen, das zeigt die GTD nicht und Jetter untersucht es auch nicht.

Um einen Zusammenhang zwischen der Medienberichterstattung und Terroranschlägen untersuchen zu können, benötigt man auch Daten zur Medienberichterstattung. Jetter entnimmt die Daten, mit denen er internationale Aufmerksamkeit für Terroranschläge operationalisieren will, der Publikationsdatenbank der New York Times. Er berücksichtigt also nur Beiträge, die in der New York Times erschienen sind und begründet dies damit, dass die New York Times von 4imn an erster Stelle gerankt wird, und zwar mit Blick auf die weltweite Leserschaft (unter der sich hoffentlich auch des Englischen mächtige Terroristen befinden, aber dazu kommen wir noch), außerdem, so Jetter, hätten auch andere Forscher die New York Times benutzt, um Medieneinflüsse zu messen.

Eine mehr als lahme Begründung, schon weil man damit, dass es andere bereits vorher gemacht haben, vom Mord bis zum Abendessen im Dorchester in London alles begründen kann.

Wie dem auch sei. Jetter benutzt die Berichterstattung der New York Times, um die Intensität der internationalen Berichterstattung über Terroranschläge zu operationalisieren und die Daten der GTD, in denen die Terroranschläge von 1970 bis 2012 aufgeschlüsselt sind. Und dann berechnet er eine Regression, um den Einfluss von Ersterem auf Letzteres herauszufinden. Und?

Nichts.
Keine Korrelation.
Die Intensität der Berichterstattung in der New York Times hat keinen Effekt auf die Häufigkeit von Terroranschlägen, die dem Terroranschlag, über den berichtet wird, nachfolgen.

Bad Luck.
Was tun?
Nun, hat sich Jetter gedacht, es könnte doch sein, dass da beide, also die Anzahl der Anschläge nach einer Berichterstattung und die Intensität der Berichterstattung über einen Anschlag, da sie endogene Variablen sind, mit einander so konfundiert sind, dass nichts herauskommt, wenn man eine Regression rechnet. Deshalb rechnet Jetter mit der Berichterstattung über Naturkatastrophen in den USA.

Diese Berichterstattung, so seine Überlegung, wenn sie gleichzeitig erfolgt, wird die Intensität der Berichterstattung über Terroranschläge reduzieren, so dass dann, wenn trotz Berichterstattung über Katastrophen in den USA dennoch eine erhöhte Berichterstattung über Terrorismus vorhanden ist und daraus ein Effekt auf die Nachfolgeanschläge ausgeht, er als Forscher davon ausgehen könne, dass es einen Effekt der Berichterstattung auf die Anschläge, die dem Anschlag, über den berichtet wird, nachfolgen, gebe. Potzblitz, der Effekt stellt sich ein. Und weil sich dieser Effekt einstellt, deshalb kommt Jetter zu dem Schluss, dass die Intensität der Medienberichterstattung sich auf die Häufigkeit von Nachfolgeanschlägen auswirkt.

Welche Phantasien dies bei einem Redakteur der Deutschen Welle ausgelöst hat, das wissen wir bereits.

Kommen wir daher zur Kritik:
Eine Anzahl von Terrorismusforschern ist der Ansicht, dass Terrorismus eine Kommunikationsstrategie ist. Nicht die Opfer sind das Ziel von Terrorismus, vielmehr wollen Terroristen eine Message transportieren, sie wollen eine Regierung unter Druck setzen oder sie wollen eine Verunsicherung der Öffentlichkeit herbeiführen, um eine Regierung zu bestimmten Handlungen zu zwingen. Insofern macht es Sinn anzunehmen, dass Terroristen darauf aus sind, in der New York Times und der London Times Schlagzeilen zu machen.

Damit endet der Sinn bereits, denn: Aus dieser Annahme lässt sich zum einen Ableiten, dass Terroristen über erfolgte Berichterstattung zufrieden sind und Nachfolge-Anschläge aus Zufriedenheit entstehen oder man kann ableiten, dass Terroristen über eine NICHT erfolgte Berichterstattung oder eine zu geringe Berichterstattung erbost sind und nachfolgende Anschläge die Reaktion darauf sind.

Damit ist die Studie von Jetter bereits zerstört, denn er ist nicht einmal auf die Idee gekommen, danach zu prüfen, ob sein ursprüngliches Ergebnis, das keinen Zusammenhang zwischen Intensität der Berichterstattung und Häufigkeit von Nachfolgeanschlägen zeigte auf den zuletzt genannten Effekt zurückzuführen ist. Er hat also etwas finden wollen.

Zudem gibt es bei Zeitreihen, die irgendwo anfangen, das Problem, die Richtung des Zusammenhangs zu bestimmen. Einerseits können Terroranschläge eine Reaktion auf Berichterstattung sein, andererseits ist Berichterstattung über Terroranschläge immer eine Reaktion auf erfolgte Terroranschläge. Die Terroranschläge können aber vollkommen unabhängig voneinander sein. In der Tat legt der Datensatz von Jetter, der den Zeitraum von 1970 bis 2012 umfasst und in dem somit Anschläge der IRA und der RAF, neben denen von FARC, ISIL und Al-Kaida oder von Timothy McVeigh enthalten sind, den Schluss nahe, dass hier ein Ergebnis herbei gerechnet wurde, das keiner näheren Betrachtung standhält, weil man selbst die Idee, dass Terrorismus eine Kommunikationsstrategie darstellt, weit dehnen muss, um einen Zusammenhang zwischen der Berichterstattung über das Oklahoma Bombing am 19. April 1995 und dem Abschuss einer Regierungsmaschine durch die Tamil Tigers in Sri Lanka am 22. April 1995 oder dem Bombenanschlag vom 7. Juni in Ankara herzustellen.

Kurz: Die Ereignisse, die Jetter in der Datenbank alle als homogene Ereignisse behandelt, zeichnen sich dadurch aus, dass sie alles andere als homogen sind. Deshalb muss er annehmen, dass kolumbianische Terroristen oder Terroristen in Sri Lanka oder in den USA alle durch die Berichterstattung der New York Times motiviert wurden. Eine Annahme, die sehr weit hergeholt, ja fast lächerlich ist.

Aber nichts ist so lächerlich, als dass die Lächerlichkeit nicht von denen, die bei der Deutschen Welle ausgerechnet die Kategorie „Wissen“ bestücken wollen, übertroffen werden könnte:

“Es gibt erste Untersuchungen, die darauf schließen lassen, dass auch Terroranschläge imitiert werden. Wenn in den Medien also intensiv über Terroranschläge oder auch Amokläufe berichtet wird, führt das zu weiteren Anschlägen”, sagt Till. Wie beim Suizid auch, können Medienberichte für bereits radikalisierte, aber bisher ambivalente Menschen der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.“

Der zitierte Till, heißt mit vollem Namen Benedikt Till und soll Psychologe an der Medizinischen Universität in Wien sein. Wiener haben es auch nicht leicht.

Wir haben somit einen Bogen von einem Anschlag in, sagen wir London am 7. Juli 2005, über die Berichterstattung in der New York Times zu einem Anschlag am 12. Juli in Natanya in Israel geschlagen. Letzterer ist nach Ansicht der sorry: Spinner bei der Deutschen Welle eine Imitation von ersterem, denn, wie wir alle wissen, gibt es eine Vielzahl von Terroristen, die mit Rucksäcken voller Sprengstoff unterwegs sind und nur darauf warten, dass sie in der New York Times von einem Anschlag lesen, der sich wo auch immer, mit welcher Motivation, welcher Zielsetzung und welchem Erfolg auch immer ereignet hat, um sich selbst und möglichst viele andere in die Luft zu sprengen. Oder, um den Irrsinn auf die Spitze zu treiben: Hätten die Medien nicht über den Anschlag auf das Federal Building in Oklahoma berichtet, dann hätten die Tamil Tigers kein Flugzeug abgeschossen und einen Monat später kein Massaker unter der Zivilbevölkerung angerichtet, die IRA hätte ihre Waffen schon vor 2000 abgegeben, al-Kaida hätte sich aufgelöst und Osama bin Laden könnte heute noch leben.

Die schöne neue Welt der Deutschen Welle. Es geht das Gerücht, dass Menschen mit Intelligenz begabte Wesen sein sollen. Wir haben begründete und ernsthafte Zweifel, dass diese Aussage in dieser Allgemeinheit zutrifft.

Jetter, Michael (2017). The Effect of Media Attention on Terrorism. Journal of Public Economics 153(1): 32-48.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

„Haftanstalten sind Fachhochschulen für [islamistische] Terroristen“ – Uninformiertes Gutmenschen Geschwätz

Zwei Bedingungen vorweg: Sie dürfen keine Ahnung und keine Scheu davor haben, ihre Ahnungslosigkeit in die Welt zu posaunen.
Dann steht ihrer Karriere als Journalist scheinbar nichts mehr im Weg.

Die derzeit drängendste Frage, die u.a. beim Tagesspiegel und beim Deutschlandfunk diskutiert wird, lautet: Meinen islamistische Terroristen es ernst mit ihrer Ideologie oder bringen sie andere Menschen „nur“ deshalb um, weil sie gestörte Persönlichkeiten sind, die in eine Therapie gehören, nicht so sehr ins Gefängnis?

Beim Deutschlandfunk hat gerade Caroline Fetscher, von der wir nicht wissen, was, wenn es etwas gibt, sie dazu befähigt, Aussagen darüber zu machen, was man mit Straftätern (Terroristen zählen als solche) tun soll, ihre entsprechende Meinung kund getan und damit gezeigt, dass Sie nicht weiß, wovon sie spricht.

O-Ton Deutschlandfunk:

“Wenn man jetzt alle inhaftiert, hat man gemerkt, die Haftanstalten sind Fachhochschulen für Terroristen. Die kommen dann irgendwann raus und haben sich noch mehr radikalisiert.” Fetscher zufolge kann man zum Beispiel über Therapien in der Haft gegensteuern, indem man “anders arbeitet, anders nachfragt und die nach der Haftentlassung entstehende Phase dadurch deradikalisieren kann”.

Seit mehreren Jahrzehnten gibt es die Kriminologie als wissenschaftliches Fach. Warum eigentlich, wenn jeder Redakteur des Tagesspiegels meint, er könne einfach seinen uninformierten Senf zu Dingen verbreiten, von denen er keine Ahnung hat.

Zunächst einmal: Die Inhaftierung von Straftätern dient nicht in erster Linie dazu, ein Heer von sozialen Aktivisten auf die entsprechenden Straftäter loszulassen, um ihre Haftbedingungen erträglicher zu machen, sondern dazu, diejenigen, die nicht in Haftanstalten sind, vor denen, die drinnen sind, zu schützen. Bei Terroristen macht das einigen Sinn, da deren Bemühen darauf ausgerichtet ist, so viele Menschen wie nur möglich über den Jordan zu befördern. Sitzen Sie im Knast, können sie ihrer Mordlust nicht frönen. Man nennt das Spezialprävention.

Der Versuch Inhaftierte zu resozialisieren ist eine Zugabe, die man bei den Straftätern in Angriff nehmen kann, bei denen eine Aussicht auf Erfolg besteht (Das sind in der Regel Jugendliche, die ihren Schulabschluss nachholen und ggf. eine Berufsausbildung absolvieren, je nach Haftdauer). Resozialisierung setzt übrigens voraus, dass vor dem delinquenten Verhalten eine irgend geartete sozialverträgliche Form von Sozialisierung stattgefunden hat. Bei Terroristen muss man eine entsprechende, normale Form von Sozialisierung eher bezweifeln als annehmen.

Nun weiß niemand, ob bei islamistischen Terroristen überhaupt eine Chance besteht, sie zum mordlosen Leben zu bekehren. Und niemand weiß, ob sich Terroristen in Haft weiter radikalisieren, ob sie im Gefängnis zu noch besseren Terroristen werden als sie das außerhalb von Haftanstalten bislang waren. Dazu gibt es einfach keine Daten. Man fragt sich auch, worin die Veredelung terroristischer Kenntnisse besteht, die Fetscher für Terroristen in Haftanstalten vorschwebt, damit Letztere als „Fachhochschulen für Terroristen“ durchgehen können. Worin soll die zusätzliche Radikalisierung von Terroristen bestehen? Nehmen wir Anders Breivig, um nicht immer auf Islamisten herumzuhacken. Worin bestünde seine weitere Radikalisierung? Kann man sich eine Radikalisierung eines Massenmörders vorstellen?

Wir nicht.
Caroline Fetscher schon. Sie kann sich sogar vorstellen, dass man Terroristen therapieren kann. Es gibt nicht eine einzige Studie, die belegen würde, dass das funktioniert, aber Fetscher glaubt, dass das geht. Sie „findet“ es „völlig legitim“ bei islamistischen Terroristen, „nach psychischen Ursachen genauso wie nach ideologischen zu suchen“.

Manchmal weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.
Wenn ein Bankräuber einen Bankangestellten erschießt, um schneller an das Geld, wegen dem er in erster Linie die Filiale aufgesucht hat, zu kommen, dann ist dies für ihn eine rationale Handlung, die man auch als Außenstehender rational erklären kann.

Wenn ein Islamist oder ein anderer Überzeugter zum – um einmal die ZEIT zu zitieren – fanatischen Lieferwagenfahrer wird und mehr als ein Dutzend Menschen tötet, dann ist das nichts, was man rational erklären kann. Ein solcher Mensch ist qua definitionem nicht normal und eine Gefahr für andere. Deshalb muss man ihn aus dem öffentlichen Leben entfernen. Die Frage, ob er psychisch oder ideologisch gestört ist, stellt sich entsprechend nicht, denn die Antwort ist offensichtlich. Wäre er es nicht, er hätte nicht mehr als ein Dutzend Menschen getötet. Und noch einmal, ein solcher Mensch ist eine Gefahr für andere Menschen. Entsprechend ist es das wichtigste, andere Menschen vor ihm zu schützen, im Zweifel durch Sicherheitsverwahrung im Anschluss an eine verbüßte Haftstrafe.

Solange kein Therapeut die Garantie dafür übernimmt, dass von ihm therapierte Terroristen zu Gesundheitsaktivisten geworden sind, so lange sollten die entsprechenden und für Steuerzahler sehr teuren Versuche, Islamisten auf die Couch zu legen und über die Erlebnisse ihrer Kindheit erzählen zu lassen, unterbleiben. Selbst Fetscher wird irgendwann einsehen müssen, dass man nicht jeden Menschen zum Guten bekehren kann, oder wie Fox Mulder sagt:

Some killers are products of society. Some act out past abuses. Boggs kills because he likes it.

Ob Caroline Fetscher auch dafür plädiert hätte, die psychischen und ideologischen Ursachen zu erkunden, die Heinrich Himmler oder Reinhard Heydrich zu Massenmördern haben werden lassen. Oder hätten die beiden die falsche Ideologie gehabt?

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Fanatische Lieferwagenfahrer: Das I-Wort und die deutsche Debiligentia

Alle Kommentare aus der ScienceFiles-Redaktion zum Text, den Vanessa Vu in der ZEIT veröffentlicht hat, mussten an dieser Stelle zensiert werden.

Die Antwort ist Europa“, so der Titel des Textes von Vanessa Vu.
Was war noch einmal die Frage?
Die europäische Antwort steht in der ZEIT-Kategorie: „Terrorismus in Europa“.
Für uns steht der Text von Vu unter den Kategorien „Deutsche Debiligentia“ und „I-Wort“.

Zunächst zur deutschen Debiligentia:

„Nizza, London, Berlin – und jetzt auch Barcelona: die Zahl der europäischen Länder, die zum Angriffsziel fanatischer Lieferwagenfahrer geworden sind, wird immer größer. Glaubt man der Propaganda, die die ideologischen Hintermänner der Attentäter verbreiten, dann galt der Angriff Europa – und zwar nicht dem Europa der Banken- und Währungsunion, dem Europa der vielen Nationalstaaten oder dem Brexit-Europa. Sie griffen das Europa an, das demokratisch, pluralistisch, offen und tolerant sein will. Das Europa, das gerade in seinen großen Städten diese Werte offensiv lebt. Das Fundament Europas.”

1)
Fanatische Lieferwagenfahrer sind Fahrer von Lieferwagen, die nichts lieber tun als Lieferwagen zu fahren. Zeitweise fahren sie dann, vor lauter Begeisterung, in Menschenmengen. So Vu.

2)
Wenn das Angriffsziel, wie es Vu von den „ideologischen Hintermännern der fanatischen Lieferwagenfahrer“ erfahren haben will, NICHT das Europa „der Banken- und Währungsunion … der vielen Nationalstaaten oder das „Brexit-Europa“ ist, sondern …, dann folgt daraus:
2a) Richtete es sich gegen das Europa der Bankenunion, das Brexit-Europa usw., dann wäre das für Vu in Ordnung.
2b) Die Hintermänner wären keine Hintermänner, denn Vu kennt sie angeblich.
2c) Wir müssen ein Europa der Bankenunion bilden, denn bislang gibt es noch kein Europa der Bankenunion, nur eine Bankenunion in der EU.
2d) Wir müssen ein Europa der Währungsunion gründen, denn bislang gibt es nur die kleine Eurozone.

Die DDR hatte Deutschland etwas voraus: Dort gab es angeblich eine „Intelligentia“. In Deutschland gibt es scheinbar nur noch eine Debiligentia.

Diese Debiligentia hat ein Problem mit dem I-Wort, nein, nicht mit Idiot, mit Islamismus.

Weil man in der Debiligentia nicht schreiben darf, dass es Muslime gibt, die sich in Lieferwagen oder Lkws setzen und Menschen, die sie nicht kennen, niedermähen, deshalb kommen so idiotische Aussagen zustande wie: „fanatische Lieferwagenfahrer“. Deshalb werden „ideologische Hintermänner“ ins Spiel gebracht, ohne deren „Ideologie“ beim Namen zu nennen. Deshalb kommen Islamisten nur ein einziges Mal, und zwar als „nicht gewaltbereite Islamisten“ in einem Text vor, in dem es um einen islamistischen Terroranschlag geht.

Die deutsche Debiligentia hat ein Problem mit der Wirklichkeit. In der Wirklichkeit gibt es Muslime, die den Islam dafür missbrauchen, eine Legitimation für ihre eigene Mordlust zu schaffen. Ja tatsächlich: Es gibt schlechte Muslime. Schlimmer noch: Etliche dieser mordlustigen Muslime sind als Flüchtlinge in Europa verteilt worden. Es gibt nicht nur schlechte Muslime, gefährliche Muslime, es gibt sie auch unter Flüchtlingen. 

Ganze linke Lebenslügen stürzen zusammen, wenn sie gezwungen sind, diese Realität anzuerkennen. Dabei waren sie gerade so sehr im Geiste des Orientalismus und der Verherrlichung des edlen Wilden unterwegs. Nun, edle Wilde setzen sich nicht in Lieferwagen und fahren ihnen unbekannte Menschen über den Haufen. Das machen nur Kriminelle, das machen Mörder. Es gibt auch, selbst unter Muslimen Mörder – und unter Flüchtlingen.

Islamismus ist die Ideologie, unter deren Dach diese Mörder ihre Legitimation finden. Da hilft es nichts, wenn man wie Vu versucht, das I-Wort zu vermeiden und so zu tun als würden urplötzlich Menschen radikalisiert, von irgendeiner Ideologie und in Lieferwägen steigen, um von „ideologischen Hintermännern“ gesteuert, Menschen nieder zu mähen.

Der Kollateralschaden dieser linken Lebenslüge, die tatsächlich glaubt, man könne mit Integration und „Anti-Radikalisierungsprogrammen“ „fanatische Lieferwagenfahrer“ verhindern, ist beträchtlich.

Weil die Debiligentia sich dagegen sperrt, die Diskussion über die relevanten Dinge zu führen, nämlich darüber, dass man „fanatische islamistische Lieferwagenfahrer“ als Flüchtlinge nach Europa gekommen sind und nun darauf warten, einen Lieferwagen mieten zu können, ausfindig machen und daran hindern muss, fanatisch Lieferwagen zu fahren, deshalb fahren weiterhin “fanatische Lieferwagenfahrer” Lieferwagen und berufen sich dabei auf den Islam.

Weil die deutsche Debiligentia diese Diskussion verweigert, ist es Muslimen, die nichts mit „fanatischen Lieferwagenfahrern“ gemeinsam haben, unmöglich sich voN Gewalt und Mord angeblich im Namen von Allah zu distanzieren, eine Grenze zwischen sich und denen zu ziehen, die den Islam für ihre Zwecke missbrauchen.

Weil die deutsche Debiligentia diese Diskussion verweigert, bleiben die Opfer der fanatischen Lieferwagenfahrer anonym, wird ihnen jede Empathie verweigert, werden sie zu den Objekten die im Kampf “fanatischer Lieferwagenfahrer” gegen das freie Europa auf der Strecke, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, auf der Strecke geblieben sind.

Von Leuten wie Vu haben diese Kollateralschäden am Rande der Fahrstrecke “fanatischer Lieferwagenfahrer” sicher kein Mitgefühl zu erwarten. Leute wie Vu sorgen vielmehr dafür, dass man ein Deja Vu hat, denn Zeiten, in denen die Realität nicht als solche benannt werden durfte, in denen man sich öffentlich gescheut hat, Dinge beim Namen zu nennen und es eine Debiligentia gab, die sich darin gefallen hat, alles Mögliche ideologisch auszuschlachten, um nur nicht über die Realität sprechen zu müssen, sind in Deutschland nicht neu.

Dass Vu glaubt, ausgerechnet Hannah Arendt in ihrem Artikel missbrauchen zu können, ist dann wohl auch nur eine Wiederkehr der Banalität des Bösen.

Translate »
error: Content is protected !!