Maassches Terroranschlags-Risiko

Es spricht der Bundesjustizminister:

“Deutschland war auch schon vorher ein mögliches Anschlagsziel” […] “Das Risiko kann also gar nicht mehr größer werden.” […] “Im Gegenteil. Uns in Angst und Schrecken zu versetzen, das wollen die Terroristen doch gerade.”

Risiko ToelkeWer erinnert sich noch an Wim Toelke?
RISIKO …, das Studio wird dunkel und der arme Kandidat muss sagen, wie viel seines vorhandenen Guthabens er unter dem Thema “Geschichte” einsetzen will.

Ein rationaler Kandidat wird die Höhe seines Einsatzes, die Höhe des Risikos, das er bereit ist, einzugehen, an seinen Kenntnissen ausrichten. Wer denkt, er wisse über Geschichte Bescheid, der setzt entsprechend mehr Guthaben ein, wer denkt, er wisse nichts von Geschichte, der ist eher zurückhaltend.

Entsprechend ist die Höhe des Einsatzes eigentlich ein Indikator nicht für das Risiko, sondern für die Sicherheit, mit der ein Kandidat erwartet, die Frage beantworten zu können.

Darin eben unterscheidet sich Risiko von Unsicherheit: Ein Risiko kann man bestimmen (berechnen), Unsicherheit bleibt immer Unsicherheit.

Folglich ist Risiko keine absolute, sondern eine relative Größe. Das Ausmaß eines Risikos ist abhängig vom Ausmaß der Informationen über den Gegenstand des Risikos. Risiko ist demnach eine Frage subjektiver Wahrnehmung, subjektiver Einschätzung auf Basis vorhandener Informationen. Und genau in dieser Weise findet man Risiko in sozialpsychologischen Theorien definiert:

Slovic risk„One of the most important assumptions in our approach is that risk is inherently subjective. Risk does not exist ‚out there‘ independent of our minds and culture, waiting to be measured. Human beings invent the concept of ‘risk’ to help them understand and cope with the dangers and uncertainties of life. There is no such thing as ‘real risk’ or ‘objective risk’”(Slovic, 1992, S.119).

Das Risiko, das sich mit einem Verhalten verbindet, kann somit als Ergebnis subjektiver Wahrnehmung des entsprechenden Risikos angesehen werden, wobei diese subjektive Wahrnehmung von einer Reihe von Faktoren beeinflusst wird. Die vollständige Ignoranz von Touristen, die die Umgebung von Neapel heimsuchen, gegenüber der Gefahr eines neuerlichen Ausbruchs des Vesuv ist offensichtlich ein Ergebnis von Wahrnehmung: Die einen haben schlicht keine Wahrnehmung eines vorhandenen Risikos, die anderen haben zwar eine Wahrnehmung vom entsprechenden Risiko schätzen Letzteres aber als sehr gering ein, denn im öffentlichen Diskurs kommt die Gefahr, dass der Vesuv dieses Mal nicht die Einwohner, sondern die Touristen in Pompeji unter seinen Lavamassen begräbt, nicht vor.

Nun zurück Justizminister Maas, der das Risiko, dass Deutschland Ziel eines Terroranschlages durch ISIL/IS wird, als maximal ausgeprägt angibt, so dass ein Einsatz der Bundeswehr das Risiko nicht mehr erhöhen kann.

Heiko MaasWas sagt Maas damit?

Entweder er sagt: (1) Nach seiner Einschätzung sei das Risiko eines Terroranschlages in Deutschland, das er sehe, durch eine Beteiligung der Bundeswehr in welcher Form auch immer an der Bombardierung Syriens nicht zu steigern, denn es sei schon maximal ausgeprägt oder er sagt,

(2) dass er über Informationen verfügt, die zeigen, dass in Deutschland Anschläge durch IS/ISIL 100%ig sicher sind, und dass sie dies auch schon vor dem Syrien-Mandat, das der Bundestag der Bundeswehr erteilt hat, waren.

Bei (1) gibt Maas seine eigene Einschätzung wider, die man teilen kann oder auch nicht, die jedoch keinerlei Anspruch auf Gültigkeit erheben kann, denn sie kommt vollkommen ohne Begründung und Beleg daher.

Bei (2) stellen sich eine Reihe von Fragen:

Wenn Maas so sicher ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlages in Deutschland durch die Beteiligung der Bundeswehr am Krieg in Syrien nicht erhöht wird, dann muss er über Informationen verfügen, die er jedoch scheinbar nicht berichten kann, sondern de-Maizieren muss: denn würde er sie berichten, sie würden die Sicherheit des Landes gefährden.
Wenn er über die entsprechenden Informationen verfügt, dann ist das Risiko “Terroranschlag” dadurch gerade geringer geworden, weil berechenbar und insofern kann es nicht mehr maximal sein, sondern irgendwo zwischen 0 und maximal.
Wenn Mass dennoch behauptet, das Risiko eines Terroranschlages sei maximal, dann muss er entweder lügen oder keine Informationen haben, was es verunmöglicht, das Risiko überhaupt als maximal einzuschätzen und zu (1) zurückführen würde.

Bleibt unterm Stricht die Konklusion, dass Heiko Maas entweder über Informationen verfügen muss, die es ihm ermöglichen, das Risiko “Terroranschlag” zu reduzieren, was es als nicht-maximales Risiko auszeichnet oder er verfügt über keine Informationen und behauptet einfach, das Risiko “Terroranschlag” sei für Deutschland maximal.

Im beiden Fällen stellt sich sodann die Frage, woraus sich das Interesse von Maas ergibt, ein maximales Risiko “Terroranschlag” zu verkünden.

Stellt man dazu seine folgende Aussage in Rechnung:

“Im Gegenteil. Uns in Angst und Schrecken zu versetzen, das wollen die Terroristen doch gerade.”

dann muss man entweder feststellen, dass die Terroristen bei Heiko Maas erfolgreich waren, denn er behauptet ein maximales Terrorrisiko auf Basis von keiner Information oder dass die Terroristen in Heiko Maas einen Verbündeten gefunden haben, der obwohl ihm Informationen über geplante Terroranschläge vorliegen, das Risiko als maximal bezeichnet, was er nur dann kann, wenn er gedenkt, seine Informationen über geplante Terroranschläge nicht zu nutzen, um letztere zu verhindern und das Risiko “Terroranschlag” dadurch zu minimieren.

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