Brüssel, Terrortainment, Terroranschläge: Fakten und Ursachen

31 Tote und rund 200 Verletzte, das ist die bisherige Bilanz der Terroranschläge von Brüssel. Und die Medien, sie haben wieder einen Höhepunkt im Terrortainment erreicht. Jedes Medium, jeder Sender hat seinen einen Live-Blog, – Feed, berichtet hautnah von Opfern, zeigt Trümmer und Fahndungsfotos.

Politiker in allen Hauptstädten der EU und darüber hinaus, sind im Betroffenheitsmodus, “großes Entsetzen”, “große Entschlossenheit”, und alle sind in Gedanken bei den Opfern, was schwierig sein dürfte, da die Opfer tot sind, natürlich bei deren Angehörigen und den “vielen Verletzten”.

Und während die Polizei in Belgien noch nach den Tätern fahndet, wissen andere schon, dass sie das Ziel der Attentäter waren, denn, wenn in Brüssel eine Bombe explodiert, dann kann das Ziel nur die EU, EU-Bürokraten, EU-Abgeordnete, EU-Kommissare und – jetzt kommt’s – das “offene demokratische System der EU” sein!

Was sonst?

EU leaders have released a statement:

“The European Union mourns the victims of today’s terrorist attacks in Brussels. It was an attack on our open democratic society.

Our common European institutions are hosted in Brussels, thanks to the generosity of the government of Belgium and the Belgian people. The European Union and its member states stand firm with Belgium in solidarity and are determined to face this threat together with all necessary means.

This latest attack only strengthens our resolve to defend the European values and tolerance from the attacks of the intolerant. We will be united and firm in the fight against hatred, violent extremism and terrorism.”

Und während sich in Medien die Sondersendungen, betroffenen Kommentatoren, die Analysten und angeblichen Experten um die Sendezeit balgen, wollen wir ein paar Fakten anfüttern, Fakten zum weltweiten Terror, der weitgehend ignoriert von deutschen Medien tagtäglich in anderen Ländern der Erde stattfindet.

Die beste Quelle für diejenigen, die auf der Suche nach Informationen zum weltweiten Terrorismus sind, ist das Institute for Economics and Peace, das jährlich einen Global Terrorism Index erstellt. Der neueste, aus dem November 2015, stellt alle verfügbaren Informationen zum Terrorismus des Jahres 2014 zusammen, Informationen wie die folgenden:

  • Im Jahr 2014 kamen 32.685 Menschen durch einen Terroranschlag ums Leben. 18.111 mehr als im Jahr 2013.
  • ISIL (der Islamische Staat) und Boko Haram sind die aktivsten Terrorgruppen: Auf Boko Haram gehen 6.644 Anschläge im Jahr 2014 zurück, ISIL hat es auf 6.073 Anschläge gebracht.
  • ISIL und Boko Haram sind für die Hälfte der Opfer terroristischer Anschläge verantwortlich.
  • 75% der Anschläge und 78% der Toten sind in fünf Ländern, nämlich im Irak, in Nigeria, in Afghanistan, in Pakistan und in Syrien erfolgt bzw. zu finden.

Wenn sich ISIL tatsächlich zum Anschlag in Brüssel bekannt hat, ein Umstand, an dem Charlie Winter von der Georgia State University, einer der führenden Experten, wenn es um ISIL und Terrorismus geht, so seine Zweifel hat:

 

dann ist dies nur für diejenigen überraschend, die keinerlei Ahnung davon haben, welches Ausmaß die Terroraktionen, die ISIL-Kommandos ausführen, angenommen hat. Also für all diejenigen, die ihre Informationen aus deutschen Medien beziehen, die ihre Aufregung über Terroranschläge geographisch ausrichten. Je näher die Anschläge zum eigenen Wohnort erfolgen, desto größer die Aufregung. Je weiter entfernt sie sind, desto uninteressanter die Toten, denen weder ein Life-Feed noch eine Sondersendung gegönnt wird.

Von den vielen interessanten Informationen, die sich im Global Terrorism Index finden, haben wir uns ein paar  herausgegriffen, die das, was in Brüssel geschehen ist, das, was Politiker und Aktivisten und alle, die Terror-Tote nur dann zur Kenntnis nehmen, wenn sie eine europäische Nationalität haben und für politische Zwecke missbraucht werden können, in den Kontext des internationalen Terrorismus rückt.

Zunächst: Weltweit werden 13 Mal so viele Menschen ermordet als einem Terroranschlag zum Opfer fallen. Rund 437.000 Menschen wurden 2014 nicht von Terroristen ermordet.

Seit 2011 ist der Terrorismus weltweit auf dem Vormarsch, und zwar sprunghaft.

Die Städte, in denen es am wahrscheinlichsten ist, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen waren 2014:

  1. Bagdad (Irak): 2.464 Tote
  2. Mosul (Irak): 510 Tote
  3. Maiduguri (Nigeria): 431 Tote
  4. Karachi (Pakistan): 374 Tote
  5. Peshawar (Pakistan): 304 Tote
  6. Kabul (Afghanistan): 206 Tote
  7. Kano (Nigeria): 184 Tote
  8. Donetsk (Ukraine): 102 Tote
  9. Odessa (Ukraine): 46 Tote
  10. Kaduna (Nigeria): 46 Tote

An wieviele Life-Feeds, Sondersendungen oder Betroffenheitskundgebungen “Je suis Bagdad” oder “Pray for Nigeria” können Sie sich erinnern?

Terroranschläge zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit einer Absicht ausgeführt werden, die nicht in erster Linie darin besteht, dass Menschen umgebracht werden. Die Toten sind lediglich Mittel, um den Zweck, der in der Regel in medialer Aufmerksamkeit besteht, zu erreichen. Welchem Zweck die mediale Aufmerksamkeit dient, die mit den Anschlägen in Brüssel hergestellt wurde und welchen Nutzen sich ISIL, so ISIL denn hinter den Anschlägen stecken sollte, verspricht, ist eine Frage, die wir nicht beantworten können. Stellt man jedoch in Rechnung, wer regelmäßig von Terroranschlägen in Europa profitiert und welche Rechte regelmäßig von Bürgern als Folge von Anschlägen preisgegeben werden, weil sie ängstlich sind, dann kann man sich etliche Gruppen neben ISIL vorstellen, die einen Nutzen aus den Terroranschlägen von Brüssel ziehen.

ISIL ist übrigens ein globales Unternehmen mit Kämpfern aus aller Herren Länder. Eine kleine Zusammenstellung der Herkunftsländer der ISIL-Kämpfer soll daher diesen Blick in die Realität des Terrorismus abschließen.

ISIL Foreign fighters

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