„Im Widerspruch zur eigenen Vernunft zu leben, ist der unhaltbarste aller Zustände“. Das soll Leo Tolstoj gesagt haben. Ob er es gesagt hat oder nicht, ist unerheblich. Wichtig ist einzig die Ansicht, dass es Menschen nicht zuträglich sein kann, wenn sie wider ihre Vernunft handeln.
Es ist in diesem Sinne, dass wir von einer Hypokrisie sprechen und damit das deutsche politische System meinen, wobei zum politischen System nicht nur diejenigen gehören, die direkt daran verdienen, sondern auch oder gerade das Meer der Aktivisten, die bereits vom politischen System profitieren oder hoffen, dass sie in Zukunft davon profitieren werden. Wir folgen also dem, was Anthony Downs in seiner Darstellung politischer Systeme bereits vor 60 Jahren festgestellt hat.
Wir sind, das soll an dieser Stelle vorweggeschickt werden, noch nicht sicher, ob man das politische System Deutschlands eher als Hypokrisie oder als Form organisierter Nutznießung beschreiben kann. Wir werden die Frage der organisierten Nutznießung, die ja nicht unabhängig von der Hypokrisie ist, in einem weiteren Beitrag erörtern.
An dieser Stelle geht es um die Darstellung der Hypokrisie, anhand der Formen, in denen sie sich äußert.
Einige Beispiele von Hypokrisie haben wir zusammengestellt, die verdeutlichen, wie offen der Widerspruch, den man als Heuchelei qualifizieren muss, von den Mitgliedern der politischen Klasse und ihren Anhängseln in Medien und im Multiplikatoren- bzw. Nutznießer-Netzwerk ist.
Gestern hat die Antidiskriminierungsstelle (ADS) Ergebnisse einer Umfrage zu „Diskriminierung in Deutschland 2015“ veröffentlicht. Seither jammern die Medien, dass 31,4% der Deutschen schon einmal Diskriminierung erlebt hätten. Was von der Umfrage der ADS zu halten ist und warum es sich dabei um eine Junk-Umfrage handelt, das haben wir an anderer Stelle beschrieben. An dieser Stelle geht es um die Hypokrisie, die endemische Heuchelei in den Medien, die nur die Heuchelei durchwinkt, die in der politischen Klasse vorhanden ist.
I
Nehmen wir z.B. den Spiegel und die folgenden beiden Beiträge:
- Roman Reusch: AfD-Politiker zum leitenden Oberstaatsanwalt in Berlin befördert.
Im zweiten Beitrag wird im Spiegel darüber geklagt, dass „Sexismus, Rassismus, Intoleranz in jeder Form“ in Deutschland vorzufinden sei und: „Viele Menschen in Deutschland fühlen sich herabgewürdigt, vor allem im Job. Eine groß angelegte Umfrage hat nun herausgefunden, wer besonders betroffen ist“.
Nebenbei bemerkt folgt nun eine echte Spiegel-Falschmeldung, denn dem verantwortlichen Redakteur ist nicht aufgefallen, dass das Ergebnis von den 31,4%, die davon berichten, in den letzten 24 Monaten einmal diskriminiert worden zu sein, auf Grundlage von 992 Befragten gewonnen wurde. Die 18.000 Befragten, die der Spiegel geortet hat, gehören in eine andere Befragung, die die ADS mit eingewoben hat, um kognitiv oder motivational unterdurchschnittlich Ausgestattete in Redaktionen, die nicht lesen können oder nebenbei schreiben, zu täuschen. Es ist nichts einfacher als das, wie sich zeigt.
Dasselbe Blatt, das auf einer Seite krude diskriminiert und alle Kriterien erfüllt, um als rassistisch durchzugehen, beklagt eine Seite weiter, dass in Deutschland so viel diskriminiert werde. Einmal ist es politisch opportun, den Mann mit der falschen Gesinnung zu diskriminieren, einmal ist es politisch opportun, die furchtbare Diskriminierung, die sich Spiegel-Redakteure nur von einer politischen Seite vorstellen können, anzuprangern und sich darüber zu ereifern. Eifern scheint überhaupt das Hauptausdrucksmittel in der Hypokrisie zu sein. Vermutlich verspricht man sich vom Eifern, die Widersprüche im eigenen Denken unbemerkt zu lassen.
Was käme wohl dabei heraus, wenn Roman Reusch gefragt würde, ob er in den letzten 24 Monaten schon einmal wegen seiner Weltanschauung oder wegen seiner politischen Meinung diskriminiert wurde? Etwas, was sich Redakteure beim Spiegel so wenig vorstellen können, wie die Antidiskriminierer bei der ADS, deren beste Rolle darin besteht, zu heucheln, wie das nächste Beispiel zeigt:
II
Sie haben die Umfrage noch in Erinnerung? 31,4% der 992 Befragten geben an, sie hätten in den letzten 24 Monaten eine Diskriminierungserfahrung gemacht. Manche sind z.B. der Ansicht, sie seien wegen ihres Geschlechts diskriminiert worden. Ein Umstand, der im Pamphlet der ADS hinreichende Würdigung erfährt und der natürlich zu Gunsten der armen Frauen, denn nur Frauen sind für die ADS geborene Opfer, beklagt wird. Da Diskriminierung sowohl positive als auch negative Formen haben kann, stellt sich die Frage, wo das Vorurteil der ADSler denn herkommt, dass Frauen unter Diskriminierung leiden und nicht von Diskriminierung profitieren, also dass sie positiv diskriminiert werden.
Abermals denkt man, dass der entsprechende Widerspruch, die Vernunft derer, die ihn begehen, hier der ADSler und ihrer Helfershelfer in den Hochschulen, auf den Plan rufen müsste. Abermals tritt die Vernunft zurück, wenn es darum geht, sich einen Vorteil zu verschaffen und den eigenen Opportunismus auszuleben. Abermals kann man also konstatieren, dass eine Hypokrisie vorhanden ist.
Die Beispiele der Heuchelei, sie lassen sich beliebig fortsetzen. Sie umfassen einen Justizminister-Darsteller, der wie ein Proband von Burrhus Skinner auf bestimmte Reize reagiert und als Reaktion immer Gesetze verschärfen will. Er verfolgt Personen, die aus seiner Sicht Hasskommentare verfassen, mit einem mindestens ebenso großen Hass, macht sich mit Ex-Stasi-Spitzeln gemein und sieht geistige Brandstifter, die die für das Gesetze-Verschärfen so wichtigen Hasskommentare verfassen, und natürlich geht sein Hass soweit, dass er die Hasskommentierer aus seiner Demokratie ausschließen will, kurz, er ist in jedem Punkt das, was er angeblich bekämpft.
Ein würdiger Vertreter der Hypokrisie, dessen Ziel vornehmlich darin besteht, sich selbst zu bereichern und dazu Dinge zu erzählen, die dem eigenen Verstand, sofern er denn am Denken und Sprechen beteiligt ist, als Widerspruch auffallen müssten.
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