Die Dummen sterben nicht aus: Sie feiern Genderfeste

Aus der Redaktion:
Heike?
Ja.
Ich habe hier einen Text, in dem wieder eine behauptet, „Sprache beeinflusse unser Denken“.
Arghh – Bumm [Kopf auf Tischplatte aufgeschlagen].

Die Sapir-Whorf-These, sie gehört zu den Lieblingsthesen von Dr. habil. Heike Diefenbach. Die Sapir-Whorf-These hat zwei Varianten, eine starke und eine schwache. Die starke Variante behauptet, dass Menschen so über die Welt denken, wie sie sprechen. Die schwache Variante behauptet, dass die Art, wie Menschen über die Welt denken, von der Sprache, die sie sprechen, beeinflusst wird.

In keiner Variante ist die These je zufriedenstellend belegt worden. Vielmehr häufen sich die Hinweise, die das Gegenteil belegen, die zeigen, dass das Denken der Sprache vorausgeht. Eigentlich selbstverständlich, denn es gibt Stumme und Taubstumme, die dennoch denken können, und es gibt vor allem eine Vielzahl von Lebewesen, die denken, ohne dass sie eine Sprache entwickelt hätten, jedenfalls keine, die Menschen verstünden.

Kurz: Die These, dass die Sprache das Denken beeinflusst, ist vornehm ausgedrückt: nicht belegt, weniger vornehm ausgedrückt: unplausibel, noch weniger vornehm ausgedrückt: Unsinn.

Tu gerecht formulieren 1.JPGFür Genderisten ist dann, wenn sie ihre Ideologie durchsetzen wollen, bekanntlich kein Unsinn unsinnig genug. Und so hat uns heute ein eher entnervt wirkender Leser, der an der TU-Darmstadt seine Brötchen verdient, die neueste Broschüre „Geschlechtergerecht formulieren: Sprechen und Schreiben“, die nicht, wie die Aufmachung nahelegt, im TU-Kindergarten erstellt wurde, sondern von der Gleichstellungsbeauftragten der TU-Darmstadt, Uta Zybell, verbrochen wurde, zugeschickt.

In dieser Broschüre findet sich der folgende Blödsinn:

„Der Gebrauch von verallgemeinernden männlichen Personenbezeichnungen für Männer und Frauen ist geläufig und im Uni-Alltag weit verbreitet. Doch auch wenn es häufig anders gemeint ist, werden Frauen bei solchen Formulierungen oft gedanklich nicht miterfasst und bleiben so in der Vorstellung unsichtbar. Sprache beeinflusst unser Denken. Daher reicht es nicht aus, andere nur mitzumeinen. Es ist gerecht, alle Geschlechter gleichwertig anzusprechen und Frauen in der Sprache sichtbar zu machen“.

Zu diesem Ausbund an Blödsinn haben wir Folgendes festzustellen:

  • Alle Geschlechter sind nicht gleichwertig, wie man schnell bemerkt, wenn ein transsexueller Mann, der sich als Frau fühlt, im 100 Meter Lauf mit Frauen konkurriert.
  • Sprache beeinflusst unser Denken nicht, wie Genderisten das behaupten. Die Sapir-Whorf-These wurde nie ausreichend belegt.
  • Es gibt einen Unterscheid zwischen dem grammatikalischen und dem biologischen Geschlecht. Im Unterschied zu Genderisten sind die meisten normalen Menschen nicht auf die menschlichen Teile, die sich zwischen Beinen befinden, fixiert.
  • Ob Menschen Frauen mitdenken wollen oder nicht, ist deren Sache und geht Genderisten und Gendergleichsteller überhaupt nichts an. Die Gedanken sind nach wie vor frei.
  • Daher reicht es aus, andere mitzumeinen.
  • Man kann Menschen direkt ansprechen, indirekt ansprechen, im Zug oder im Kino ansprechen, aber man kann sie nicht gleichwertig ansprechen. Die entsprechende Floskel hat sich in den falschen Kontext veirrt.
  • Angesichts von Blödsinn wie dem, den Frau Uta Zybell verbreitet, wäre es besser, manche Frauen in der Sprache gerade nicht sichtbar zu machen. Da Gerechtigkeit ein Konzept ist, das Leistung und Ergebnis in Relation zueinander setzt, wäre es geradezu [geschlechter]gerecht, die Nichtleistung mancher, die sich vornehmlich als Geschlecht auffassen, mit Schweigen zu  goutieren.

Wenn man die Benutzung von Worten wie „gerecht“ oder „gleichwertig“ betrachtet, dann hat man zunehmend den Eindruck, Genderisten seien abgerichtete Floskelnutzer, die keinerlei Begriff von der Bedeutung der Begriffe, die sie benutzen, haben. Sie sind bedeutungsunsensible Phrasendrescher (Dr. Diefenbach nennt sie gewöhnlich semantische Nullen), die es nicht zu einer Benutzung der Sprache bringen, die der eines Normalbürgers gleichwertig ist.

 

Über Michael Klein
... concerned with and about science

24 Responses to Die Dummen sterben nicht aus: Sie feiern Genderfeste

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  2. Hier liegt noch ein grundsätzlicher „Unsinn“ zugrunde: Sprache soll überhaupt nichts „sichtbar“ machen, sie kann das gar nicht. Sprache macht etwas „vorstellbar“. Der Unterschied ist wesentlich: bildhafte Darstellungen sind begrenzt, haben einen Rahmen und liegen außerhalb der Menschen. Sprachliche Vorstellungen sind individuell und im Prinzip unbegrenzt. Wenn ich etwas nicht erwähne, schließe ich es damit nicht aus und mache es vor allem nicht unsichtbar.

    Ich kann sagen: „Eine Frau steht unter einem Baum“. Ich kann auch ein Bild davon machen (Gemälde, Foto), das eine Frau zeigt, die unter einem Baum steht. DasBild macht Festlegungen. Das Wort nicht. Der Bildausschnitt schließt aus. Eine Formulierung tut es nicht. Ich kann im nächsten Satz sagen, dass zu ihren Füßen eine Katze liegt. Das habe ich mit dem ersten Satz von der Frau unter dem Baum nicht ausgeschlossen. Das Bild hat es ausgeschlossen. Auf dem Bild ist keine Katze zu sehen. Vielleicht ist sie sogar unsichtbar gemacht worden. Es war ursprünglich eine Katze im Bild, aber die wurde wegretuschiert. Bei Bildern kann man so reden, bei Sprache nicht.

    Der Vorwurf, dass Sprache (gemeint sind sowieso immer nur Formulierungen) etwas „unsichtbar“ macht, stammt von Leuten, die ein Buch mit einem Flachbildschirm verwechseln. Sie denken in engen, begrenzten Bildern und kommen darüber nicht hinaus. Sie können vermutlich auch schlecht damit leben, dass bei der Vorstellung von der Frau unter dem Baum, wie sie durch Worte hervorgerufen wird, nicht festgelegt ist, wie die Frau aussieht und dass jeder Hörer, der den Satz gehört hat, sich eine eigene Vorstellung von der Frau macht. Auch von dem Baum.

    Meine Tochter wollte, als sie ‚Harry Potter‘ gelesen hatte, den Film gar nicht sehen. Weil die Filmbilder die Bilder in ihrem im Kopf überlagern würden. Bilder schließen andere Bilder aus. Die Filmbilder machen aus den vielen verschiedenen Bildern, die sich die Leser in ihrem eigenen Kopf gemacht haben, ein zusammenfassendes Normbild für das Kino. Bilder können auch Vorstellungen zerstören. Denken wir an Pornos. Denken wir dran, aber gucken wir uns das nicht an.

    Gut, das gehörte jetzt nicht zum Thema – jedenfalls: so viel erst mal.

  3. Andre Zawehn says:

    Ich trau es mich kaum zu sagen: Aber immer wenn in Reden und Texten die Menschen genderistisch in ihre Geschlechter aufgeteilt werden, denke ich genau an diese Geschlechtlichkeit und an die Interaktionen der Geschlechter. Wenn Professorinnen und Professoren, Beamte und Beamtinnen, Mitglieder und Mitgliederinnen (richtiger wäre eigentlich „Mitglieder und Ohneglieder“) genannt werden, trägt mich das in einen sexualisierten Seitenarm der Rede, des Textes, der mich vom roten Faden abkommen läßt. Der mich ablenkt. Was wollte ich gleich schreiben? Ach ja: Und ich WILL nicht über diese Interaktionen der o.g. nachdenken müssen, ich will mich nicht sprachlich im mehrfachen Sinne vergewaltigen lassen. Ich will diese Bilder nicht in meinen Kopf gepflanzt bekommen! Ich will doch nur den Texten folgen!

    • Dagmar Lorenz says:

      Bitte trauen Sie sich auch weiterhin! Denn Sie erwähnen hier eine weitere höchst problematische Konsequenz des ideologisierten Genderunsinns-Sprech. Hier findet tatsächlich eine völlig unangemessene Sexualisierung statt, die einen rationalen Diskurs jenseits des Geschlechtlichen erschwert, wenn nicht gar vorsätzlich behindert.
      Die Nennung des Geschlechtlichen in Kontexten, in denen dieser Aspekt völlig irrelevant zu sein hat („Lehrer“, Wähler, Autoren,Autofahrer – Bezeichnungen, die, sofern sie als Berufs- und Funktionsbeschreibungen benutzt werden, eben nicht „männlich“ sind sondern sich im Verlaufe der Sprachgeschichte als verallgemeinernde Hinweise auf Gruppen und Berufe herausgebildet haben), mündet in eben das, was unsere Sprachpolizei doch angeblich gerade verhindern will, nämlich in Hierarchisierung (eine Geschlechtsbezeichnung steht ja dann immer am Anfang der pc-Formel von den „Lehrerinnen und Lehrern“) und krudem Biologismus.
      In diesen Zusammenhang passt, dass die bevormundenden Sprechgebote dieser Lobbygruppen historische, komplexe Zusammenhänge unserer Sprache vorsätzlich missachten, ja sogar auslöschen wollen (vgl. die Diskussionen um Kinderbuchklassiker oder Schillers „Ode an die Freude“, die Frau Pusch mal im feministischen Sinne redigieren wollte).

      • JuergenK says:

        So wie alles was diese Femi.tsombies da betreiben. Sie spalten die Gesellschaft, polarisieren und entfremden uns voneinander. Wir fangen an völlig belanglose, unsinnige und kindische Dinge wichtig zu nehmen, wichtiger als unser aller Wohl und weil wir sie wichtig nehmen auch zu vertreten. Und da fängt der Streit an der wütend macht und in Hass, sprich Separation endet. Siehe USA, völlige Spaltung wegen femi.tsombies und Antirassisten und eingebildete Gerechtigkeitsfanatikern.

        Ohne diese seltsamen verkehrtherum denken Menschen hätten wir uns längst daran gewöhnt, dass die Menschen bunt sind und Rassisten gäbe es nur noch in Büchern. Aber weil man alles „rassistisch“ sieht, beginnt man einen großen Keil zwischen bunte Menschen und Bleichgesichter zu treiben und schlägt mehr und mehr auf diesen Keil um ihn immer tiefer zu treiben – siehe USA. Die waren doch beinahe über ihre Apartheid hinweg in den späten 80 Jahren nur um heute umso tiefer hineinzurutschen.

        Egal was diese hirnlosen Menschen tun, es führt immer zum genauen Gegenteil von dem was sie (angeblich) beabsichtigen. Man könnte auf die Idee kommen, dass Krieg wirklich Frieden ist … ts,ts,ts.

        • merxdunix says:

          Spaltung ist die Grundlage der Zuhälterei. Dafür ist jedes Mittel recht, ob Rassismus oder Religion. Aus rechts- und sozialstaatlicher Sicht ist der Idealzustand erst dann erreicht, wenn zwischen zwei Menschen immer ein Zuhälter resp. Politiker oder Anwalt steht.

  4. Man kann sein Gegenüber blöd ansprechen. Spreche ich es gleichwertig an, spreche ich es blöd an.

  5. Und noch eine Marginalie:
    Die Gorilla Koko beherrscht 1000 Gebärdenzeichen und versteht 2000 englische Wörter. Koko erzählte ihrem Wärter auch via Gebärde, was sie über den Tod denkt: „Gemütlich – Höhle – Auf Wiedersehen.“ Ohne vorherige Begabung zum Denken, wäre das nicht möglich.

    Interessant finde ich daran vor allem, dass eine Gorilla unsere Sprache versteht, wir aber nicht gorillisch. Ähnlich ist es mit Delphinen. Angeblich besitzen sie eine komplexe Sprache. Sie können unsere Kommandos verstehen und sogar mit ihrer Stimme unsere Sprache nachbilden und auch sinngerecht einsetzen. Nur habe ich noch nicht von einem Menschen gehört, der ein Wort delphinisch verstanden hätte.

    Ja, und letztlich weiß ich, dass Katzen mit Zeichen und Mauzen Menschen dressieren.
    Gegen all diese tierischen Leistungen ist Gendersprech nur ein gequälter Furz.

  6. luisman says:

    Prof. Jordan B Peterson meint, dass wirkliches Denken (also das mit den Frontallappen) nur stattfindet, wenn man die Gedanken artikuliert (verbal oder schriftlich). Lachen oder Emojis posten ist z.B. eher eine Reaktion des limbischen Systems, ohne wesentliche Grosshirn-Beteiligung. Das reine Nachplappern oder Mitschreien von Parolen und auch das Phrasendreschen findet wohl auch unter Auslassung des präfrontalen Cortex statt. Was meint ihr Spezialisten dazu?

    2. Ist Sprache nicht auch die Faehigkeit zur Konzeptualisierung, d.h. sie wirkt auf das Denken vor allem wenn Begriffe fehlen (Bsp. Die Goetter muessen verrueckt sein)?

    3. Ich waere dankbar fuer etwas Hintergrundliteratur. Welche Werke von Psychologen u/o Neurowissenschaftlern sind empfehlenswert fuer einen guten Ueberblick?

    • Heike Diefenbach says:

      @luisman

      wir Spezialisten meinen:

      1.
      wenn man Denken so definiert, dass „wirkliches“ Denken dasjenige sein soll, das stattfindet, wenn man „Gedanken artikuliert“, dann ist so definiertes Denken tatsächlich von Sprache abhängig! Wow – wer hätte das gedacht!?! :-))

      Solche Tautologien und sonstige Denk- und Argumentationsfehler bringen aber niemanden weiter, also lassen wir diesen Unsinn!

      2.
      nein, Sprache ist nicht die FÄHIGKEIT zur Konzeptualisierung; diese Fähigkeit ist Sache des Gehirns und nicht der Stimmbänder oder des Kehlkofes. Sprache erlaubt es lediglich, Konzepten einen Namen zu geben und sie damit (hoffentlich) leichter mitteilbar zu machen.

      Gewöhnlich macht der Mensch im Verlauf seines Lebens selbst früher oder später die Erfahrung, dass Dinge, die er erfahren hat, anderen Menschen nicht oder schwerlich mitteilbar sind. Sie werden vielleicht denen mitteilbar, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben, und für diese Leute ist die Verständigung über ihre Erfahrungen untereinander mehr oder weniger gut möglich. Fast jede Sprachphilosophie, u.a. die buddhistische, weist auf die Grenzen der Mitteilbarkeit von Erfahrenem, Visionären oder Vorgestelltem hin ….

      Begriffe „fehlen“ niemals. Jemand macht eine Erfahrung und versucht, sie in seiner Sprache auszudrücken. Sie mögen den Begriff „Telefonhörer“ haben, aber Catweazle, der nicht weiß, was ein Telefon ist, hat einen „Zauberknochen“, aus dem Stimmen kommen. Mit welchem Recht wollen Sie behaupten, dass Catweazle ein Begriff „fehlt“? Fehlt nicht vielleicht – umgekehrt – Ihnen der Begriff „Zauberknochen“? Wie gesagt: m.E. fehlt weder Catweazle noch Ihnen ein Begriff. Sie beide können mit der Realität, die Sie umgibt, interagieren, Ihre Erfahrungen machen, sie konzeptualisieren, sie benennen.

      3.
      Stichwort: Hintergrundliteratur

      Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass der Gender-Neusprech theoretisch völlig unfundiert ist und einfach nur Ausdruck von „Wie-kommt-mir-das-jetzt-gerade-vor“-Gefühlen. Deshalb ist von der folgenden Literatur, die ich nennen werde, überaus zweifelhaft, ob sie überhaupt etwas mit Gender-Neusprech zu tun hat.

      Die Sapir-Whorf-Hypothese ist in einem ganz spezifischen Kontext entstanden, nämlich dem kulturanthropologischen Kontext der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wenn man sie nicht in diesem Kontext liest, kann man sie eigentlich nur missverstehen (schon, weil die Idee von einem Zusammenhang zwischen Denken und Sprache nicht neu war, aber eben in einen neuen Kontext gestellt wurde).

      Damals war der sog. Kulturvergleich en vogue, und man beobachtete die Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Lebensweisen von Gesellschaften oder ethnischen Gruppen und wollte sie durch unterschiedliche zugrunde liegende Symbolsysteme erklären, die man „Kulturen“ nannte. Ein zentrales Symbolsystem einer „Kultur“ ist die Sprache, und Leute, die sich besonders für Sprache interessierten, haben deshalb „Kultur“ auf Sprache – mit dem Umweg über das Denken bzw. Konzeotualisieren – zurückführen wollen (zur etwa selben Zeit hat Ruth Benedict ihre „Patterns of Culture“ geschrieben, die schwerlich als Reduktionismus auf Sprachliches interpretiert werden können).

      Was genau Sapir und Whorf damit meinten, dass Sprache das Denken beeinflusst, ist eine umstrittene Frage. Wenn Sie Sapir und/oder Whorf lesen, wird Ihnen auffallen, dass derselbe Autor an verschiedenen Stellen verschiedene Vorstellungen vom Verhältnis zw. Sprache und Denken präsentiert. U.a. hat z.B. Sapir (1949) einfach nur postuliert, dass Menschen die Realität nicht als solche wahrnehmen sondern nur diejenigen Ausschnitte der Realität, die sozusagen durch den sprachlichen Scheinwerfer angeleuchtet werden. Alles andere bleibt zunächst dunkel, was aber nicht heißt, dass es nicht ins Licht tritt, wenn eine entsprechende Erfahrung gemacht wird (und notfalls wird dann halt ein Begriff für das Erfahrene gefunden werden müssen, oder das Erfahrende wird mit den bereits verfügbaren sprachlichen Mitteln umschrieben). Und es ist auch nicht klar, welche Elemente der Sprache genau das Denken wie beeinflussen sollen: Whorf selbst hat der Grammatik den Vorzug gegeben, während andere Aspekte der Sprache für ihn (meistens) in den Hintergrund traten.

      Wenn es also um die Frage geht, kann die Sapir-Whorf-These belegt werden oder nicht, dann ist ggf. all das oben Gesagte zu berücksichtigen, d.h.: welcher Zusammenhang genau wurde in einer Studie postuliert, welcher getestet, und welche Schlussfolgerungen wurden darauf gezogen.

      Nun ja, jedenfalls hat sich die Beschäftigung mit der These vom Zusammenhang zwischen Denken und Sprechen (bzw. umgekehrt) in der kognitiven Anthropologie und der sog. ethno science fortgesetzt, und von dort haben sich relativ moderne sprachphilosophische Vorstellungen wie die „metaphors we live by“ (Lakoff) entwickelt.

      Grundsätzlich festgehalten werden muss, dass Denkakte lebendiger Wesen in der Regel in Abwesenheit von Sprache erfolgen – und effizient sind. Man denke nur an die Problemlösefähigkeiten von Tieren, insbesondere (aber keineswegs nur) Primaten. Und man denke an Säuglinge, die induktive Schlüsse ziehen, lange, bevor sie sprechen lernen.

      Das haben Sapir und Whorf auch gewusst, und dies zu bestreiten, war höchstwahrscheinlich nicht das Ziel von Sapir oder Whorf, auch nicht in deren dunkelsten Momenten (von denen sich eine Reihe in ihren Schriften identifzieren lassen),

      Zuallererst ist es immer angezeigt, die Originale zu lesen und einfach zu testen, was das Gelesene einem selbst sagt – ohne sekundärliterarischen Ballast, also vor allem:

      Sapir, E., 1949: Culture, Language, and Personality: Selected Essays, hrsgg. v. D. G. Mandelbaum. Berkeley: University of California Press.

      Whorf B. L.,1956: Language, Thought, and Reality: Selected Writings of Benjamin Lee Whorf, hrsgg. v. J. B. Carroll. Cambridge: MIT Press.

      Vielleicht lesen Sie anschließend, um einen Eindruck von den Komplexitäten zu bekommen, die ich schon angesprochen habe,

      Werner, O., 1997: Sapir-Whorf Hypothesis, pp. 76-83 in: Lamarque, P. V. (eds.): Concise Encyclopedia of Philosophy of Language. Oxford: Pergamon.

      Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie Sapir-Whorf interpretiert und zu testen versucht worden sind, können Sie z.B. lesen:

      Bright, J. O. & Bright, W., 1965: Semantic Structures in Northwestern California and the Sapir-Whorf Hypothesis. American Anthropologist 67, 5: 249-258.

      Zur Kritik der These könnten Sie lesen:

      Alford, D. K. H., 1978: The Demise of the Whorf Hypothesis (A Major Revision in the History of Linguistics), pp. 485-499 in: Proceedings of the Fourth Annual Meeting of the Berkeley Linguistics Society. Berkeley: Berkeley Linguistics Society.

      oder:

      Scovel, Th., 1991: Why Languages Do Not Shape Cognition: Psycho- and Neurolinguistic Evidence. JALT Journal 13, 1: 43-56.

      Der zuletztgenannte Text ist insofern sehr informativ als er u.a. auf verschiedene Varianten dessen eingeht, was die S-W-These bedeuten könnte, und auf vermeintliche Belege für die die S-W-Hypothese eingeht und bemerkt, warum sie tatsächlich keine sind.

      Viel Spaß beim Lesen!

      • Heike Diefenbach says:

        … irgendwie hätte ich gedacht, „luisman“ würde die Informationen, die ich auf seinen expliziten Wunsch hin gegeben habe, schätzen und sich kurz für sie bedanken.

        Naja, vielleicht gehört er zu der Art von Leuten, die sich nur für Informationen bedanken, die die vorgefassten Meinungen bestätigen, und dann gelte ich ihm nur als Überbringer schlechter Nachrichten – und so weit käm’s, dass man sich noch bei den Überbringern der schlechten Nachrichten für die schlechten Nachrichten bedankt!

        Das eben ist das Problem mit Informationen: sie können grundsätzlich liebgewonnene – oder auch nur politisch korrekte – Vorstellungen gefährden.

  7. David says:

    Sprache beeinflußt nicht das Denken? Das erstaunt mich aber. Da werden Millionen in Deutschland jahrzehntelang rotlinksgrün berieselt, über die GEZ-Medien, über die Zeitungen – und wenn man heute mit vielen Zeitgenossen spricht, dann wundert man sich über deren Denken. Hakt man nach, hat das natürlich auch viel mit dem Sprechen-dürfen oder Nicht-mehr-sprechen-dürfen zu tun, mit durch äußere Einflüsse deformiertem Denken und mit schlechter Sprache. Unsaubere Sprache, unsauberes Formulieren, systematische Nachlässigkeiten schon in der Schule haben natürlich auch Auswirkungen auf das Denken, allein die Feststellung „ist ja nicht so wichtig“ belegt das schon.

    Erinnern möchte ich auch Orwells Newspeak.

    Gerade die Genderisten zeigen, wie schlechte, völlig sinnfreie und auch widersinnige Sprachmanipulationen zu Denkverirrungen führen. Vor einiger Zeit haben Sie die in sog. „leichter Sprache“ abgefaßten Pamphlete der Frau Schwesig zu Recht zerrissen – und das soll keinen Einfluß auf das Denken haben?

    • Na erzählen Sie uns doch einmal, wie die Kausalitäten verlaufen, die dazu führen, dass die Sprache, die jemand spricht, sich auf sein Denken auswirkt. Ich bin gespannt.

      • Heiner says:

        Das hat Victor Klemperer in seiner LTI dargestellt, Herr Klein.
        Denken formt die Sprache und Sprache formt das Denken.
        Es ist ein Wechselspiel.

        • Das Verhältnis zwischen Sprache und Denken ist komplizierter – keine Frage, aber Sprache kann Denken nicht ersetzen und Denken geht Sprache voraus. Was Klemperer in LTI beschreibt, sind Strategien, das Denken über die Sprache zu beseitigen und durch einen Automatismus der eingeübten Floskeln zu ersetzen, wie wir das heute bei Genderisten und anderen selbsternannten Gutmenschen sehen. Deutlich z.B. in dem, was Klemperer zu Beginn seines Buches schreibt:


          Was war das stärkste Propagandamittel der Hitlerei? Waren es Hitlers und Goebbels Einzelreden, ihre Ausführungen zu dem und jenem Gegenstand, ihre Hetze gegen das Judentum, gegen den Bolschewismus?

          Fraglos nicht, denn vieles blieb von der Masse unverstanden oder langweilte sie in seinen ewigen Wiederholungen. Wie oft in Gasthäusern, als ich noch sternlos ein Gasthaus betreten durfte, wie oft später in der Fabrik während der Luftwache, wo die Arier ihr Zimmer für sich hatten und die Juden ihr Zimmer für sich, und im arischen Raum befand sich das Radio (und die Heizung und das Essen) – wie oft habe ich die Spielkarten auf den Tisch klatschen und laute Gespräche über Fleisch- und Tabakrationen und über das Kino führen hören, während der Führer oder einer seiner Paladine langatmig sprachen, und nachher hieß es in den Zeitungen, das ganze Volk habe ihnen gelauscht.
          Nein, die stärkste Wirkung wurde nicht durch Einzelreden ausgeübt, auch nicht durch Artikel oder Flugblätter, durch Plakate oder Fahnen, sie wurde durch nichts erzielt, was man mit bewußtem Denken oder bewußtem Fühlen in sich aufnehmen mußte.

          Sondern der Nazismus glitt in Fleisch und Blut der Menge über durch die Einzelworte, die Redewendungen, die Satzformen, die er ihr in millionenfachen Wiederholungen aufzwang, und die mechanisch und unbewußt übernommen wurden. Man pflegt das Schiller-Distichon von der „gebildeten Sprache, die für dich dichtet und denkt“, rein ästhetisch und sozusagen harmlos aufzufassen. Ein gelungener Vers in einer „gebildeten Sprache“ beweist noch nichts für die dichterische Kraft seines Finders; es ist nicht allzu schwer, sich in einer hochkultivierten Sprache das Air eines Dichters und Denkers zu geben.

          Aber Sprache dichtet und denkt nicht nur für mich, sie lenkt auch mein Gefühl, sie steuert mein ganzes seelisches Wesen, je selbstverständlicher, je unbewußter ich mich ihr überlasse.“

          • Roland says:

            Ich halte diese Position für falsch. Ohne irgendeine durch Sensomotorik erzwungene Impression kann man keinen Gedanken produzieren. Das Sprechen ist eine der Möglichkeiten wodurch der Gedanke ein Medium findet. Wenngleich es freilich viele weitere Verhaltensformen gäbe, mit denen man denkt auch ohne zu sprechen, kommt man niemals umhin irgendeine Artikulation zu koordinieren.

            Ich halte es in diesem Zusammenhang für wahr, dass „genau dann wenn man mittels der Sprache denkt, dann ist Sprache und Denken nicht getrennt“.

            Es mag zwar zum Zwecke der Betrachtung sinnvoll sein Beides von einander getrennt anzuschauen, aber in Realität gehören sie untrennbar zusammen. Da gibt es keine Kausalität. Sprache und Denken stehen in keiner vor- und nachgeordneten Beziehung zueinander.

            Daraus folgt, dass nicht alles Sprechen Denken ist und auch nicht alles Denken Sprechen. Es kann aber eine Schnittmenge geben.

            Die Nazis haben mit ihrem Sprach-Drusch dazu beigetragen, dass sich zu viele Menschen von dieser Schnittmenge wegbewegten und die wenigen verbliebenen Denkfähigen (aus Desinteresse, Oberflächlichkeit oder gutem Willen) den Denkabtrünnigen ihrer Einbildung überließen, solange sie sprächen, denken sie auch.

            Ein großer, großer Fehler von beiden Seiten…

            PS. diese Antwort war nicht an Sie gerichtet Herr Klein. Ich habe die Vermutung das wollten sie mit der Klemperer-passage so oder so ähnlich mitteilen?

            • Heike Diefenbach says:

              @Roland

              Sie schreiben:

              „Das Sprechen ist eine der Möglichkeiten wodurch der Gedanke ein Medium findet“

              – genauso sehen wir das auch: ein MEDIUM findet! Und das bedeutet notwendigerweise: der Gedanke ist der Gedanke, die Sprache bloß das Medium, durch das sich jemand erhofft, den Gedanken für andere verständlich auszudrücken.

              Wir bestreiten nicht, dass Sprache DANN, WENN sie auf den Gesetzen der Logik beruhend benutzt wird, zu korrekten Schlussfolgerungen führen kann (wenn man Aussagen sozusagen einfach geistig folgt), was zu – für die betreffende Person – neuen Erkenntnissen/Gedanken führen kann. Aber ohne die Fähigkeiten zum Denken, ohne Denkprozess, kann man nicht einmal die Aussagen in ihrem Bedeutungsgehalt richtig analysieren …

    • Heike Diefenbach says:

      @David

      Was Sie beschreiben, ist m.E. die Unfähigkeit oder Unwilligkeit zum Denken. „Unsaubere“ Sprache, „unsauberes“ Formulieren etc. ist das Ergebnis von Denkfaulheit. Mir erscheint es durchaus plausibel, dass dieselbe durch Sprechen kaschiert wird, sozusagen Sprechen Denken ersetzen soll.

      Und wenn Sie schreiben:
      „Vor einiger Zeit haben Sie die in sog. „leichter Sprache“ abgefaßten Pamphlete der Frau Schwesig zu Recht zerrissen – und das soll keinen Einfluß auf das Denken haben?“

      dann muss ich zurückfragen:
      Wenn das einen Einfluss z.B. auf unser Denken hätte, dann müssten wir komplett unfähig sein, ScienceFiles zu betreiben, oder!?! Anscheinend beeinflussen uns sprachliche Floskeln nur in einer Weise: sie erregen bei uns Abscheu und wecken den Wunsch nach Widerspruch.

      Das ist übrigens einer der ungeklärten Aspekte der „Sprache beeinflusst Denken“-Behauptung: ist denn irgendwie vorhersagbar, in welcher Richtung sich dieser Einfluss bemerkbar macht?

  8. Doch auch wenn es häufig anders gemeint ist, werden Frauen bei solchen Formulierungen oft gedanklich nicht miterfaßt und bleiben so in der Vorstellung unsichtbar.

    Dem Genderismus huldigende Menschen scheinen unter einer Aufmerksamkeitsdefizitneurose, und in der Folge einem übersteigerten Inszenierungsdrang, der früher auf der Bühne oder in Saloons ausgelebt werden konnte, zu leiden. Seitdem von neusprechlichen Sprachbuchhaltern political correctness installiert und heute oft zwingend (Rassismusgesetz) in gewissen Kreisen angewandt werden muß, sollen wir Menschen, Mann und Frau, immerhin mit rund zwei Prozent genetisch differierend, so wie der Schimpanse zum Menschen auch, zu Neutren ohne eigene Persönlichkeit degradiert werden.

    Frauen und Männer können sich entweder mit Charme, Empathie, Witz und Intelligenz positiv in den Gedanken und Phantasien des andern manifestieren, resp. „sichtbar machen“. Auf keinen Fall aber mit hanebüchenen Sprachregulierungsübungen, die so sexy sind wie ein ausgelutscher Turnschuh und gleich die gesamte deutschsprachige Bevölkerung nur am Lesen (be)hindern.

    Es soll eine Studie geben, die in etwa besagt, daß der Mann täglich alle zehn Minuten an Sex denkt, die Frau alle 20 Minuten. Zur Bekämpfung dieser „sichtbaren“ Ungleichheit mittels der Sapir Whorf-These könnten Genderisten den Erfolg dieser These bestätigen. Dumm nur, daß sie sich dann selbst bekämpfen müßten, sähe man beim Mann vom Einsatz chemischer Keulen ab.

    Die Sprache ist etwas im Hier und Jetzt lebendig stattfindendes, das die Gedanken, Gefühle und den Charakter eines jedes einzelnen, einmaligen Menschen in einer bestimmten Epoche offenbart und deshalb nie, wie uns die Schlechtschreibereform von 1996 anschaulich vor Augen führt, erfolgreich dekretiert werden kann, es sei denn, Orwells, Huxleys und Bradburys Werke waren keine Warnungen, sondern Gebrauchsanleitungen.

    Carolus Magnus

    • Roland says:

      Die Schlechtschreibreform betrifft Orthographieregeln und kein Denkdiktat. Wenn Fluss nun mit ss anstelle eines ß geschrieben wird, dann tangiert das in keinster Weise eine beiden Sprachtheoretikerseiten.

      Aber Hut ab für ihre Rhetorikkünste. Ein Strohmannargument mit einem argumentum ad oculus zu verquicken sieht man nicht alle Tage 😉

      • Thx for HT! Die Erwähnung der Schlechtschreibereform bezieht sich auf die Unmöglichkeit des staatlichen Dekretierens bezüglich Sprachregulierungen, zumindest solange die Gedankenfreiheit noch gewährleistet ist. Schon MaoTseTung – oder neusprachlich MaoZeDong – ist daran kläglich gescheitert.

        Aber Hut ab für Ihre gut verpackte Tangentialtransaktion.

        Carolus Magnus

  9. Pingback: Widerspruch aus Köln: Die TU-Darmstadt hat die Dummheit nicht gepachtet… | ScienceFiles

  10. Tom says:

    So wie ich die vorhergehenden Beiträge deute, müsste es zum besseren Verständnis so formuliert werden: Denken – Sprechen – Hören – Nachdenken, dann beeinflusst Sprache die Gedanken (oder Denken – Schreiben – Lesen – Nachdenken).

    • Heike Diefenbach says:

      @Tom,

      ja, genau! Es ist, glaube ich, klar, dass die „nudger“ und (Um-/)Erzieher der Nationen insbesondere etwas gegen Nachdenken haben, aber mir persönlich scheint, dass bei ihnen weder Denken noch Nachdenken gewünscht ist, sondern einfach nur Nach-/Sprechen als ERSATZhandlung für Denken oder Nachdenken.

      In jedem Fall: Danke für den konstruktiven Kommentar!

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