Ringelblume (Calendula officinalis), Mariendistel (Silybum marianum), Ginseng – asiatischer Ginseng (Panax ginseng oder panax notoginseng), amerikanischer (Panax quinquefollius), Eleuthero (Eleutherococcus senticosus; eine Pflanze, die oft sibirischer Ginseng genannt wird, obwohl es sich nicht um einen Ginseng handelt, sondern die Pflanze lediglich wie der „echte“ Ginseng zur Familie der Araliengewächse gehört), Rhodiola (rosea), Withania somnifera, besser bekannt unter dem aus dem Sanskrit stammenden Namen Ashwagandha, Astragalus mebranaceus, Indisches Basilikum (Ocimum tenuifloru), auch als Tulsi bekannt, sie alle und viele andere Pflanzen (oder bestimmte Bestandteile dieser Pflanzen) gelten als sogenannte Adaptogene. Als Adaptogene werden im Anschluss an den russischen Wissenschaftler Nikolay Lazarev, der die Bezeichnung im Jahr 1957 eingeführt hat, pflanzliche Substanzen bezeichnet, die die Widerstandskraft lebender Organismen auf unspezifische Weise stärken (Lazarev 1958; Lazarev et al. 1959, zitiert nach Panossian & Wagner 2011: 53).
Genauer: Adaptogene
„… are traditionally understood to help maintain health and vitality by increasing resilience and resistance to infection and stress, while discouraging the development of chronic disease“ (Ganora 2021: 125), d.h.
„[Von Adaptogenen] wird traditionell angenommen, dass sie zum Erhalt von Gesundheit und Vitalität beitragen, indem sie die Widerstandsfähigkeit und Resistenz gegen Infektionen und Stress erhöhen und gleichzeitig die Entwicklung chronischer Krankheiten verhindern“ (Ganora 2021: 125).
Dass Adaptogene die Widerstandsfähigkeit gegen „Stress“ erhöhen sollen und dies außerdem auf „unspezifische“ Weise tun sollen, hat ihre behaupteten positiven Wirkungen für einige Wissenschaftler ebenso wie interessierte Laien einigermaßen suspekt gemacht. Im Jahr 2011 haben Panossian und Wagner (2011: 54) in ihrem oben bereits zitierten Artikel festgehalten:
„It is not easy to find true scientific information about adaptogens on the Internet, since original scientific data and articles are significantly diluted by the plethora of pseudo-scientific compilations, deliberately used by opponents of adaptogens in order to criticize and discredit the entire adaptogenic concept and the large body of research that has been conducted during last the 50 years“,
d.h.
„Es ist nicht einfach, zutreffende wissenschaftliche Informationen über Adaptogene im Internet zu finden, da die wissenschaftlichen Originaldaten und -artikel durch eine Vielzahl pseudowissenschaftlicher Zusammenstellungen verwässert werden, die von den Gegnern der Adaptogene absichtlich verwendet werden, um das gesamte adaptogene Konzept und die umfangreichen Forschungsarbeiten, die in den letzten 50 Jahren durchgeführt wurden, zu kritisieren und zu diskreditieren“.
An den zugrundeliegenden Interessenkonstellationen dürfte sich inzwischen wenig verändert haben, aber das wissenschaftliche Interesse an Adaptogenen ist seit dem Jahr 2011 stark gestiegen, wenn man als Maßstab hierfür die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen die in pubmed erfasst sind, heranzieht: Im Zeitraum von 1967 bis 2010 ergibt die Suche nach wissenschaftlichen Publikationen, deren Gegenstand „Adaptogens“ sind, 405 Publikationen, im Zeitraum von 2011 bis einschließlich 2024, soweit das Jahr gediehen ist, 519 Publikationen. Und sicher nicht zufällig ist die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen, die in pubmed zum Thema „Adaptogens“ geführt werden, seit 2020 sprunghaft gestiegen. Für den Zeitraum von 2020 bis einschließlich Anfang 2024 weist pubmed 223 Ergebnisse für die Suche nach wissenschaftlichen Publikationen über Adaptogene aus.
Adaptogene erfreuen sich auch unter den Konsumenten großer Beliebtheit, besonders seit 2020: Der weltweite Verkauf von Adaptogenen ist im Jahr 2020 um 10 Prozent und im Jahr 2021 um 14 Prozent gewachsen. Im Jahr 2023 hat er 10,67 Billionen US-Dollar umfasst, wobei Nordamerika der größte Markt für Adaptogene im Jahr 2023 gewesen ist. Für 2024 wird ein Wachstum dieses Marktes auf 11,67 Billionen US-Dollar erwartet.
„The normal therapeutic medical paradigm – one drug for one disease – is not appropriate for adaptogens as they can have numerous pharmacological effects and indications … all of these pharmacological effects [of adaptogens] can be combined into the groups associated with stimulating and stress-protective effects in the central nervous system (CNS) and vegetative nervous systems, the endocrine system, and the immune system, comprising by definition the parts of a neuroendocrine-immune complex-stress-system“ (Panossian & Wagner 2011: 55).
D.h.
„Das normale therapeutische medizinische Paradigma – ein Medikament für eine Krankheit – ist für Adaptogene nicht geeignet, da sie zahlreiche pharmakologische Wirkungen und Indikationen haben können … alle diese pharmakologischen Wirkungen [von Adaptogenen] können in die Gruppen zusammengefasst werden, die mit stimulierenden und stressschützenden Wirkungen im zentralen Nervensystem (ZNS) und im vegetativen Nervensystem, im endokrinen System und im Immunsystem verbunden sind, die per Definition die Teile eines Neuroendokrin-Immun-Komplex-Stress-Systems umfassen“ (Panossian & Wagner 2011: 55).
Beispielsweise sind Entzündungen für die Wiederherstellung der Gewebehomöostase unerlässlich und können schwere Krankheiten auslösen, wenn sie nicht ausreichend reguliert sind. Adaptogene enthalten Komponenten, die auf verschiedenen Wegen regulierend auf das Immunsystem wirken.
Mit Bezug auf Panax ginseng, das vielleicht bekannteste Adaptogen, das zu den bislang am besten erforschten Adaptogenen gehört und das Gegenstand einer eigens ihm gewidmeten wissenschaftlichen Zeitschrift mit dem Namen „Journal of Ginseng Research“ ist, halten Ratan et al. (2021: 35) fest:
„Five classes of antibodies, including immunoglobulin (Ig) A, IgD, IgE, IgG, and IgM, are derived from B cells [eine Art weißer Blutkörperchen vom Subtyp der Lymphozyten; sie sind Teil der humoralen adaptiven Immunantwort]. Alteration of the antibodies, or the organs from which they are produced, affects the humoral immune reactions and the interconnected defense system of the body. Several in vitro as well as in vivo studies and clinical trials have evaluated the effects of ginseng and its compounds on humoral immune responses … The signature compounds of this herb, ginsenosides [eine Art von steroid-artigen Saponinen], can affect B-cell proliferation and antibody production“.
D.h.:
„Fünf Klassen von Antikörpern, darunter Immunoglobulin (Ig) A, IgD, IgE, IgG und IgM, stammen von B-Zellen [eine Art weißer Blutkörperchen vom Subtyp der Lymphozyten; sie sind Teil der humoralen adaptiven Immunantwort]. Eine Veränderung der Antikörper oder der Organe, aus denen sie gebildet werden, beeinträchtigt die humoralen Immunreaktionen und das vernetzte Abwehrsystem des Körpers. In mehreren in-vitro- und in-vivo-Studien und klinischen Versuchen wurden die Auswirkungen von Ginseng und seinen Bestandteilen auf die humoralen Immunreaktionen untersucht … Die charakteristischen Verbindungen dieses Krauts, die Ginsenoside [eine Art von steroidartigen Saponinen], können die Vermehrung von B-Zellen und die Antikörperproduktion beeinflussen.
Die bislang vorliegenden Untersuchungen der Wirkungen von Panax ginseng – ebenso wie die anderer Adaptogene – wurden weit überwiegend an Tieren oder in vitro durchgeführt (mit Bezug auf Panax ginseng geben o Valdés-González et al. 2023, Tabelle 1, einen Überblick). Es liegen inzwischen aber auch einige Studien vor, die an Menschen durchgeführt wurden, wenn auch mit niedrigen Probandenzahlen. So haben Kim et al. (2021) an 26 Patienten mit Gallengangs- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, die sich einer Resektion mit anschließender Chemotherapie unterzogen, in zwei gleich große Gruppen geteilt:
„The ginseng group received 3 g of Korean Red ginseng … daily as a pill. The dosage of 3 g/day was decided based on the safety dose from previous reports … Peripheral blood sampling was performed thrice during the study period: before the initiation of adjuvant chemotherapy, during chemotherapy, and after the end of chemotherapy … Immune-related markers including CD4+ T lymphocytes; CD8+ T lymphocytes; immunoglobulins G, A, and M; absolute neutrophil count; and total lymphocyte count were evaluated“ (Kim et al. 2021: 1896).
D.h.
„Die Ginseng-Gruppe erhielt 3 g koreanischen roten Ginseng … täglich als Pille. Die Dosierung von 3 g/Tag wurde auf der Grundlage der Sicherheitsdosis aus früheren Berichten festgelegt … Während des Studienzeitraums wurden dreimal periphere Blutproben entnommen: vor Beginn der adjuvanten Chemotherapie, während der Chemotherapie und nach Beendigung der Chemotherapie … Immunbezogene Marker wie CD4+ T-Lymphozyten, CD8+ T-Lymphozyten, Immunglobuline G, A und M, die absolute Neutrophilenzahl und die Gesamtlymphozytenzahl wurden untersucht“ (Kim et al. 2021: 1896).
SciFi-Support
Das Ergebnis:
„Compared to the control group, the ginseng group showed a higher percentage of CD4+ T lymphocytes after chemotherapy. Furthermore, the ratio of CD4+/CD8+ T lymphocytes after chemotherapy was higher in the ginseng group“ (Kim et al. 2021: 1897),
d.h.
„Im Vergleich zur Kontrollgruppe wies die Ginseng-Gruppe nach der Chemotherapie einen höheren Anteil an CD4+ T-Lymphozyten auf. Außerdem war das Verhältnis von CD4+/CD8+ T-Lymphozyten nach der Chemotherapie in der Ginseng-Gruppe höher“ (Kim et al. 2021: 1897).
Zhang et al. (2007) haben eine Studie durchgeführt mit 84 Personen mit rheutmatischer Arthritis, einer Autoimmunerkrankung, die vor allem die Gelenke betrifft. Diese Personen wurden routinemäßig mit Diclofenac-Natrium (einem Schmerzmittel und Entzündungshemmer), Leflunomiden (zur Unterdrückung der Aktivität des Immunssystems) und Prednisonen (Kortisonpräparate, die ebenfalls der Unterdrückung des Immunsystems dienen und entzündungshemmend wirken) behandelt. 43 dieser Personen erhielten im Rahmen der Studie zusätzlich PNS, d.h. Saponine des Chinesischen Ginseng (Panax notoginseng), verabreicht. Nach 28-tägiger Behandlungsdauer stellten Zhang et al. fest:
„Significant improvement of clinical symptoms, including the joint swelling index, joint tenderness index, joint pain index, time of morning stiffness and VAS revealed in both groups after treatment, and the effect in the treatment group was better (P<0.05 or P<0.01). PLT, CER, AAG, HPT, CRP, IgG, IgA, IgM, C3 and RF were lowered in both groups (P<0.01), but the lowering in PLT, CER, AAG and CRP in the treatment group was more significant than that in the control group respectively (P < 0.05 or P < 0.01) Conclusion: PNS can significantly improve the condition of patients, enhance the therapeutic effect in treating RA, through regulating the disordered immunity and improving the effect of anti-inflammatory and analgesia“ (Zhang et al. 2007: 589).
D.h.
Eine signifikante Verbesserung der klinischen Symptome, einschließlich des Index der Gelenkschwellung, des Index der Gelenkbeweglichkeit, des Index der Gelenkschmerzen, der Zeit der Morgensteifigkeit und der VAS, zeigte sich in beiden Gruppen nach der Behandlung, wobei die Wirkung in der Behandlungsgruppe besser war (P<0,05 oder P<0,01). [Die Blutserumproteine] PLT, CER, AAG, HPT, CRP, IgG, IgA, IgM, C3 und RF wurden in beiden Gruppen gesenkt (P<0,01), aber die Senkung von PLT, CER, AAG und CRP hatte in der Behandlungsgruppe eine größere Signifikanz als in der Kontrollgruppe (P < 0,05 bzw. P < 0,01). Schlussfolgerung: PNS kann den Zustand der Patienten deutlich verbessern und die therapeutische Wirkung bei der Behandlung von RA [rheumatischer Arthritis] durch die Regulierung der gestörten Immunität und die Verbesserung der entzündungshemmenden und schmerzlindernden Wirkung erhöhen“ (Zhang et al. 2007: 589).
In einer randomisierten, plazebo-kontrollierten, parallelen, doppelt-blinden Studie von Cho et al. (2014) mit 72 gesunden Freiwilligen im Alter von 50 bis 75 Jahren, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden, wobei eine Gruppe zweimal täglich 3g saures Polysaccharid aus Panax ginseng namens Ginsan (Y-75) einnahm, die andere ein Plazebo, stellten die Forscher fest, dass nach jeweils acht und vierzehn Wochen die Aktivität der natürlichen Killerzellen – das sind Lymphozyten, die zum angeborenen Immunsystem gehören – bei den Personen, die Y-75 einnahmen im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Behandlung statistisch signifikant erhöht waren. Im Vergleich zu den Personen, die ein Plazebo einnahmen, war die Aktivität der natürlichen Killerzellen sowohl nach acht Wochen als auch nach vierzehn Wochen Einnahme statistisch signifikant erhöht (mit 52.0 ± 13.7% vs. 40.8 ± 14.6%; P = 0.0012 nach acht Wochen und 53.9 ± 13.0% vs. 41.6 ± 15.5%; P = 0.0005 nach vierzehn Wochen (Cho et al. 2014: S. 4 von 7). Die Aktivität der Phagozyten – sogenannter Fresszellen, die extrazelluläre Partikel oder Flüssigkeiten aufnehmen – war in der Gruppe derer, die Y-75 einnahmen, im Vergleich zum Ausgangswert vor der Behandlung nach acht Wochen Einnahme statistisch signifkant um 25.2% (P = 0.0018) erhöht und nach vierzehn Wochen statistisch signifikant um 39.4% (P ≤0.0001), und diese Erhöhung der Aktivität der Phagozyten war zu beiden Zeitpunkten statistisch signifikant höher als in der Plazebo-Gruppe (Cho et al,. 2014: S. 4 von 7), dies alles, ohne Auswirkungen auf die Anzahl der weißen Blutkörperchen zu haben (Cho et al. 2014: S. 6 von 7).
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Eine indirekte Messung der Wirkung von Amerikanischem Ginseng (Panax quinquefolium) auf das Immunsystem haben Predy et al. (2005) vorgenommen. Sie haben eine randomisierte, doppelt-blinde, plazebo-kontrollierte Studie am Beginn der Grippe-Saison mit 323 Teilnehmern aus Edmonton, im kanadischen Alberta, zwischen 18 und 65 Jahren, die im vorhergehenden Jahr mindestens zweimal die Grippe hatten, durchgeführt. Die Autoren haben festgestellt, dass
„[a] moderate dose of a poly-furanosyl-pyranosyl-saccharide–rich extract of the root of North American ginseng (P. quinquefolium) was associated with an absolute risk reduction of recurrent colds meeting the Jackson criteria of 12.8% as well with as a reduction in the mean number of colds per person. A similar effect was also observed for all colds reported. The ginseng extract was also found to be effective in reducing the severity of symptoms and the number of days symptoms related to all colds were reported. The total symptom score was 31.0% lower and the total number of days symptoms were reported 34.5% less in the ginseng group than in the placebo group over the 4-month intervention period. A similar effect was observed when the severity of symptoms was analyzed for individual colds: the prophylactic, lowdose treatment with the extract reduced the total symptom score of individual colds by 15.4%“ (Predy et al. 2005: 1047),
d.h. dass
„eine mäßige Dosis eines an Polyfuranosyl-Pyranosyl-Sacchariden reichen Extrakts aus der Wurzel des nordamerikanischen Ginsengs (P. quinquefolium) […] mit einer absoluten Verringerung des Risikos wiederkehrender Erkältungen, die den Jackson-Kriterien entsprachen, um 12,8 % sowie mit einer Verringerung der durchschnittlichen Anzahl von Erkältungen pro Person verbunden [war]. Eine ähnliche Wirkung wurde auch für alle berichteten Erkältungen beobachtet. Der Ginsengextrakt erwies sich auch als wirksam bei der Verringerung der Schwere der Symptome und der Anzahl der Tage, an denen Symptome im Zusammenhang mit allen Erkältungen gemeldet wurden. Der Gesamtsymptomwert war in der Ginsenggruppe um 31,0 % niedriger und die Gesamtzahl der Tage, an denen über Symptome berichtet wurde, war in der Ginsenggruppe um 34,5 % niedriger als in der Plazebogruppe während des viermonatigen Interventionszeitraums. Ein ähnlicher Effekt wurde beobachtet, wenn die Schwere der Symptome für einzelne Erkältungen analysiert wurde: Die prophylaktische, niedrig dosierte Behandlung mit dem Extrakt verringerte den Gesamtsymptomwert der einzelnen Erkältungen um 15,4 %“ (Predy et al. 2005: 1047).
Wie Turner (2005) zutreffend bemerkt hat, bleibt bei dieser Studie der Mechanismus, der zu diesem Ergebnis geführt hat, unklar. Aber vor dem Hintergrund – und wohlgemerkt nur vor dem Hintergrund – der Ergebnisse anderer in vivo- und in vitro-Studien zur Wirkung von Ginseng auf das Immunsystem wie die oben angesprochenen von Kim et al. (2021) Zhang et al. (2007) und Cho (2014) dürfen die Ergebnisse von Predy et al. m.E. durchaus als – indirekte – Belege für die das Immunsystem stärkende Wirkung von Ginseng gelten.
Die oben stehenden Befunde werden hier nicht berichtet, um die positive Wirkung von Ginseng auf das menschliche (und tierische) Immunsystem als solche zu belegen, sondern vor allem deshalb, weil die skizzierte Forschungslage zu Ginseng typisch ist für die Forschungslage zu Adaptogenen, auch, wenn die Forschungslage zu Ginseng im Vergleich zu anderne Adaptogenen (teilweise deutlich) besser ist:
-
Ginseng, Von FloraFarm GmbH / Katharina Lohrie – CC BY 3.0, Link Typischerweise sind die Effekte von Adaptogenen auf lebende Organismen bislang untererforscht, insbesondere was klinische randomisierte Kontrollstudien am Menschen betrifft;
- Typischerweise (aber nicht immer) kann die Mehrheit der vorliegenden Studien – seien es in vitro oder in vivo-Studien an Tieren oder an Menschen, – eine statistisch signifikante positive Wirkung von Adaptogenen auf verschiedene Ergebnisgrößen feststellen;
- Typischerweise werden die Wirkungen von Adaptogenen auf bestimmte einzelne Ungleichgewichte, Beschwerden oder Erkrankungen hin untersucht – wie z.B. Diabetes oder Krebs –, in der Annahme, dass sie, eben weil sie Adaptogene sind (oder sein sollen), auf eine ganze Reihe von Ungleichgewichten, Beschwerden oder Erkrankungen eine positive Wirkung haben sollten. Dabei können die jeweiligen Wirkungsmechanismus aber sehr unterschiedlich sein, so dass der Vergleich von Studien zu Wirkungen von Adaptogenen sehr schwierig sein kann, wenn die jeweiligen Wirkungsmechanismen nicht untersucht oder nicht angegeben werden (ganz zu schweigen von sonstigen Unterschieden in der Konzeption der Untersuchung).
Die Situation ist also die, dass es eine ganze Reihe von Belegen dafür gibt, dass Adaptogene positive Wirkungen im lebenden Organismus, auch im menschlichen Körper, entfalten (und sehr weitgehend ungefährlich für ihn sind), aber die Forschung hierzu erst in den letzten Jahren begonnen hat, eine Systematik anzunehmen. Kurz und zugegebenermaßen vereinfacht gesagt: Adaptogene wirken positiv auf das Immunsystem, aber oft ist nach wir vor unklar, wie und warum.
So mag dem aufmerksamen Leser nicht nur aufgefallen sein, dass die Forschung über die Wirkungen von Ginseng nicht nur auf verschiedenen Arten von Ginseng – panax ginseng oder panax notoginseng – beruht und bislang niemand mit Sicherheit sagen kann, welche Wirkungen verschiedene Ginseng-Arten miteinander teilen und welche nicht, sondern auch, dass verschiedene Sekundärmetaboliten von Pflanzen(bestanteilen), die für die adaptogene Wirkung der Pflanzen(bestandteile) verantwortlich sein sollen, untersucht werden, so z.B. ein Saponin bei Zhang et al. 2007), ein Polysaccharid bei Cho et al. (2014).
In einer sehr verdienstvollen Arbeit – sie ist m.W. die bislang einzige ihrer Art in Bezug auf Adaptogene – haben Liu et al. (2020) die in panax ginseng oder panax notoginseng enthaltenen Sekundärmetaboliten sowie die in Studien beobachteten pharmakologischen Wirkungen beider zusammengestellt.
Liu et al. halten fest:
„P. notoginseng and P. ginseng belong to the family Araliaceae but the position of them in traditional Chinese medicine is different … Saponins are considered the main active ingredients of these herbs, and the content of saponins in notoginseng is almost three times higher than that in ginseng. Conversely, the content of polysaccharides in ginseng is higher than that in notoginseng … Saponins have demonstrated an important role in CCVDs [cerebrovascular diseases], neurodegenerative diseases, cancer, diabetes, and other diseases. The polysaccharides have demonstrated antitumor, anti-aging, neuroprotective, and, immunoregulatory effects. In summary, some of the activities of saponins and polysaccharides overlap. Nevertheless, there has been no research directly comparing the effects of saponins and polysaccharides in different diseases. Interestingly, the therapeutic effect of notoginseng, which contains many saponins, including a high amount of unique ones, is not better than that of ginseng in areas such as antitumor and neuroprotection … Conversely, ginseng with a high polysaccharide content has shown improved therapeutic effects in some fields … Only a few studies have investigated the differences between ginsenoside and notoginsenoside and addressed whether they could be interchangeably used. Based on the summary, it might be a promising research direction if researchers return to the whole-organism level and consider the impact of components on the disease itself on the basis of network pharmacology research … (Liu et al. 2020:13).
D.h.
„P. notoginseng und P. ginseng gehören zur Familie der Araliengewächse (Araliaceae), aber ihre Stellung in der traditionellen chinesischen Medizin ist unterschiedlich … Saponine gelten als die Hauptwirkstoffe dieser Kräuter, und der Gehalt an Saponinen in Notoginseng ist fast dreimal so hoch wie der in Ginseng. Umgekehrt ist der Gehalt an Polysacchariden in Ginseng höher als in Notoginseng … Saponine spielen nachweislich eine wichtige Rolle bei CCVDs [zerebrovaskulären Erkrankungen], neurodegenerativen Erkrankungen, Krebs, Diabetes und anderen Krankheiten. Die Polysaccharide haben Antitumor-, Anti-Aging-, neuroprotektive und immunregulierende Wirkungen gezeigt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich einige der Aktivitäten von Saponinen und Polysacchariden überschneiden. Dennoch gibt es keine Forschungsarbeiten, die die Wirkungen von Saponinen und Polysacchariden bei verschiedenen Krankheiten direkt vergleichen. Interessanterweise ist die therapeutische Wirkung von Notoginseng, der viele Saponine enthält, darunter eine große Menge einzigartiger Saponine, nicht besser als die von Ginseng in Bereichen wie Antitumor und Neuroprotektion … Umgekehrt hat Ginseng mit einem hohen Polysaccharidgehalt in einigen Bereichen eine bessere therapeutische Wirkung gezeigt … Nur wenige Studien haben die Unterschiede zwischen Ginsenosid und Notoginsenosid untersucht und sich mit der Frage beschäftigt, ob sie austauschbar verwendet werden können. … Ausgehend von d[ies]er Zusammenfassung könnte es eine vielversprechende Forschungsrichtung sein, auf die Ebene des Gesamtorganismus zurückzukehren und die Auswirkungen der Komponenten auf die Krankheit selbst auf der Grundlage der netzwerkpharmakologischen Forschung zu berücksichtigen … (Liu et al. 2020:13).
So wichtig die Untersuchung der Wirkungsweise der Sekundärmetaboliten nicht nur für die Pharma-Industrie, sondern auch für die Wissenschaft ist, um sie möglichst effizient nutzbar zu machen, so wichtig ist es, nicht zu vergessen, dass die Kenntnis der Wirkungsweise für den Konsumenten nicht unbedingt relevant ist: wenn jemand weiß, dass ein Adaptogen deshalb auf diese Weise auf etwas wirkt, mag das sein Vertrauen in das Adaptogen erhöhen; aber letztlich wird es seine eigene Erfahrung sein, vielleicht gestützt durch objektive Daten, z.B. veränderte Blutwerte, die einen Zusammenhang mit dem Adaptogen aufweisen, die ihn das Adaptogen (weiterhin) nutzen lassen (oder nicht). Diejenigen Leser, die meinen vor Kurzem auf Sciencefiles veröffentlichten Artikel über die aristotelische Phronesis gelesen haben, werden sich an dieser Stelle an den Hinweis von Aristoteles auf die Wichtigkeit von Erfahrungswissen erinnert fühlen. Aristoteles schreibt:
„Denn wenn jemand wissen sollte, dass leichtes Fleisch leicht verdaulich und gesund ist, aber nicht weiß, welche Arten [von Fleisch] leicht sind, wird er keine Gesundheit produzieren; vielmehr wird derjenige, der weiß, dass Geflügel leicht und gesund ist, zu einem größeren Grad Gesundheit produzieren. (Aristoteles, Buch 6, Kapitel 7, die letzten Zeilen des Kapitels; Übersetzung aus der englischen Übersetzung d.d.A.).
Geben Sie Adaptogenen (bei Vorliegen von Erkrankungen oder regelmäßiger Einnahme von Medikamenten am besten nach Rücksprache mit dem Arzt) also eine Chance, für Sie persönlich Gesundheit zu produzieren!
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Liu, Hanbing, Lu, Xiaoyan, Hu, Yang, & Fan, Xiaohui, 2020: Chemical Constituents of Panax ginseng and Panax notoginseng Explain Why They Differ in Therapeutic Efficacy. Pharmacological Research161:105263. doi: 10.1016/j.phrs.2020.105263.
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