Durch’s neue Jahr mit einem oder zwei Kalendern von ScienceFiles

Wer hat eine international renommierte Wissenschaftlerin, die Statistik, Methoden und Theorie in gleicher Weise beherrscht und zudem eine künstlerische Ader hat, die jeden derer, die heute als Künstler gelten (wenn sie z.B. Schrott willkürlich im öffentlichen Raum verteilen), weit hinter ihr lässt?

Wir.

Dr. habil. Heike Diefenbach!

Wir freuen, dass wir Dr. habil. Heike Diefenbach wieder dazu überreden konnten, einen Kalender für uns zu erstellen.

Nicht nur das, wir haben es geschafft, zwei ganz besondere Kalender zu erheischen.

Mehr noch: Wir haben nicht nur zwei Kalender für uns erheischen können, die schon in unserem Office hängen (wir sind wie immer unserer Zeit voraus …), wir sind sogar befugt, die beiden Kalender, die sich einmal an Realisten und einmal an Phantasiebegabte richten, zu verkaufen – an unsere Leser: Als kleine Geste für solidarische Leserschaft in 2017 und verbunden mit der Hoffnung, dass wir auch 2018 auf die Solidarität unserer Leser bauen können.

Wir haben pro Kalender einen kleinen Zuverdienst von rund 7 Euro.
Unsere Leser erhalten einen oder zwei grandiose Kalender, die nicht nur den Neid der Nachbarn, sondern den Neid all derer wecken, die nicht im Besitz eines entsprechenden Kalenders sind.

Immer noch nicht genug.

Wir haben Dr. Diefenbach dazu überreden können, ihre beiden Kalender zu beschreiben:

Impressionen aus dem Kalender “Wales für Realisten”

„Der erste Kalender ist ein Kalender, der einmal mehr Wales in seiner vielfältigen Schönheit zeigen soll. Er ist ein ehrlicher Kalender in zweifacher Hinsicht: Erstens wurde nicht mit Blaufiltern o.Ä. gearbeitet. Ziel war es, Wales zu zeigen, wie es ist – was den gelegentlichen blauen Himmel aber nicht unbedingt ausschließt. Zweitens sind keinerlei Bilder in ihm enthalten, die gestellt wären oder die nur zustande kommen können, wenn man sich tagelang mit voller Photoausrüstung sozusagen auf die Lauer legt, um genau DEN Moment zu erwischen, die Umstände, die man braucht, um dieses Bild machen zu können. Vielmehr enthält der Kalender Bilder, die sich im Prinzip jedem präsentieren können, der in Wales lebt oder nach Wales zu Besuch kommt.

Ich verbinde mit diesem Kalender die Hoffnung, dass er den Charakter von Wales ahnen läßt, ahnen läßt, wie sich Wales „anfühlt“ und welche wunderbaren Szenerien sich vor dem Wales-Bewohner oder –Besucher unvermutet auftun können.“

Impressionen aus dem Kalender “Wales für Phantasievolle”

„Der zweite Kalender ist ein Kalender für die Träumer, Melancholiker, Phantasiebegabten, wenn man so sagen will: Sensiblen, unter uns.

Er enthält Bilder, die vielleicht am besten dadurch bechrieben werden, dass sie über sich und die abgebildete Realität hinausweisen. Manche sind romantisch, andere präsentieren die Dinge wie in/aus einer anderen Zeit, einige haben eine leicht dunkle, vielleicht sogar morbide, Schönheit. Der Charakter dieser Bilder ist durch – mehrheitlich sehr zurückhaltende – Verwendung technischer Effekte zustandegekommen, aber keines der Bilder ist in irgendeiner Weise gestellt (auch der „Halloween-Baum“ mit der Eule, die den Oktober schmückt, steht so tatsächlich in der Landschaft), und Effekte mit Bezug auf die Belichtung oder den Kontrast o.ä.m. wurden von mir so und nur so weit verwendet, wie und wo sie halfen, den Charakter einer Szenerie, so, wie ich sie empfand, mit dem, was man als hinter ihr stehend fühlen konnte, herauszubringen.“

Wem die Beschreibung und die Impressionen aus den Kalendern Lust auf mehr gemacht haben, der kann mit dem folgenden Formular einen Kalender bei uns bestellen. 

Die Kalender gibt es im Format 36,2 cm x 27,94 cm auf “festem hochwertigem Papier mit strahlendem ganzflächigem Vollfarbdruck”, so wie es die gewohnt sind, die in den vergangenen Jahren einen Kalender erworben haben. Zu den 12 Bildern pro Monat kommen noch eine Vorder- und Rückseite, also 14 Bilder pro Kalender.

Sie kosten pro Stück 40 Euro; inklusive Versand.

Es gibt zwei Wege, eine Bestellung an uns zu übermitteln.

Der schnelle Weg führt über Paypal. Bei Zweck einfach eintragen, welchen Kalender in welcher Anzahl Sie bestellen wollen, den Preis für die Kalender überweisen – alles andere erledigen wir.

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Der etwas langsamere Weg führt über das folgende Bestellformular.

Sie bestellen bei uns. Wir melden uns bei Ihnen.

Lust an Auseinandersetzung oder Frust durch Auseinandersetzung? – ScienceFiles Primärforschung

Stammleser wissen, auf ScienceFiles gibt es immer einmal wieder die Gelegenheit, an Primärforschung teilzunehmen, dabei mitzumachen, Wissenschaft live zu erleben.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat eine Skala entwickelt, mit der Konfliktorientierung gemessen werden soll, also die Art und Weise des Umgangs mit anderen, der Diskussionsstil, die Form, in der Auseinandersetzungen geführt werden.

Wenn man derzeit verfolgt, in welcher Weise politische Akteure oder Journalisten keine Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner führen, dann muss man feststellen, dass eine Analyse der Konfliktorientierung überfällig ist. Dies insbesondere, weil anzunehmen ist, dass die Unfähigkeit, einen normalen Umgang mit dem politischen Gegner zu pflegen, die politische Akteure oder Journalisten zur Schau stellen, für die Bevölkerung nicht repräsentativ ist.

Vielmehr erwarten wir, dass die, die man gewöhnlich normale Bürger nennt, eine Konfliktorientierung haben, die deutlich von der, der genannten Akteure abweicht.

Wie so oft, wenn es in Deutschland darum geht, wie es sich mit normalen Bürgern verhält oder wenn sich eine Frage auf einen Gegenstand richtet, der nicht im politischen oder ideologischen Mainstream zu finden ist, gibt es keinerlei wissenschaftliche Forschung dazu.

Es gibt nicht einmal ein Messinstrument, mit dem man untersuchen könnte, welche Konfliktorientierungen in Deutschland gegeben sind.

Dr. habil. Heike Diefenbach will dies ändern.
Zu diesem Zweck hat sie eine Skala entwickelt, die aus einer Reihe von Aussagen besteht. Erfahrene ScienceFiles-Befragungsteilnehmer kennen es schon, jede Aussage ist mit einer Reihe von Antwortalternativen versehen, aus allen Aussagen errechnen wir dann nach Abschluss der Befragung eine Skala der Konfliktorientierung.

Wir bitten unsere Leser, zahlreich an der Befragung teilzunehmen und auf diese Weise dabei mitzuwirken, dass eine weitere Lücke der Forschung in Deutschland geschlossen werden kann.

Um an der Befragung teilzunehmen, bitte einfach hier klicken.

Linke und Rechte vereint in Intoleranz und Angst voreinander

Aus unserer Reihe: “Eineiige Zwillinge: Was unterscheidet „Rechte“ von „Linken“?”

Antworten aus neueren empirischen Studien – Teil 4

Im Teil 3 unserer Serie wurden die Befunde aus der auf Daten aus neunzehn europäischen Ländern basierenden Studie von Thorisdottir et al. (2007) besprochen, die gezeigt haben, dass sich Personen mit politisch rechter Orientierung und politisch linker Orientierung nicht auf systematische Weise mit Bezug auf Persönlichkeitsmerkmale, die normalerweise als Dimensionen der so genannten autoritären Persönlichkeit gelten, voneinander unterscheiden. In Teil 4 unserer Serie stellen wir eine Studie vor, die zeigt, dass sich Personen mit politisch rechter und Personen mit politisch linker Orientierung auch nicht mit Bezug auf ihre Intoleranz gegenüber dem politischen Gegner bzw. den typischerweise von ihm bevorzugten Politiken voneinander unterscheiden.

Diese Studie wurde im Jahr 2014 von Jarret T. Crawford und Jane M. Pilanski in der Fachzeitschrift „Political Psychology“ veröffentlicht, und der Ausgangspunkt der Studie ist eine andere Studie, über deren Ergebnisse Nicole M. Lindner und Brian A. Nosek in einem Text berichten, der im Jahr 2009 in der derselben Fachzeitschrift gedruckt wurde. Lindner und Nosek hatten anhand eines experimentellen Designs die Hypothese geprüft, dass Liberale eine größere Toleranz für freie Meinungsäußerung bzw. unzensierte Rede aufweisen als Konservative. Als diesbezügliche Stimuli benutzten die Autoren Poster mit den Aufschriften „Americans are the Problem“ und „Arabs are the Problem“, von denen sie vermuteten, dass Liberale und Konservative ihne mit unterschiedlicher Toleranz begegnen würden [Die Studie stammt aus den USA. In den USA sind “liberals” das, was in Deutschland von der SPD nach links außen zu finden ist.]

„The primary hypothesis was that liberals would be more willing to protect an extreme left-wing statement than an extreme right-wing statement, while conservatives would be more willing to protect an extreme right-wing statement than an extreme left-wing statement. Also, based on prior evidence …, we anticipated a main effect in which liberals would be more likely to protect controversial speech acts in general” (Lindner & Nosek 2009: 75).

Die Hypothese der Autoren wurde bestätigt:

„Political liberalism, whether measured implicitly or explicitly, predicted stronger speech protection overall. Being more politically liberal predicted stronger speech protection for the statement “Americans are the problem,” and both political liberals and conservatives expressed similar protection of the statement “Arabs are the problem” (Lindner & Nosek 2009: 86).

Lindner und Nosek wiesen jedoch darauf hin, dass dieses Ergebnis den Stimuli, die „racially charged“ (Lindner & Nosek 2009: 89; Hervorhebung im Original) gewesen sind, geschuldet sein könnte und sich bei der Verwendung anderer Stimuli andere Ergebnisse einstellen könnten.

Und hieran schließen Crawford und Pilanski an: Sie untersuchen die Frage nach der Toleranz oder Intoleranz von Personen mit rechter und Personen mit linker Orientierung anhand ihrer Zustimmung zu oder Ablehnung von acht Aussagen, die sich auf den Schutz der freien Rede oder auf Gruppenrechte bezogen, wobei die in diesen Aussagen angesprochenen Personen oder Gruppen jeweils unterschiedlich waren. Die Beschränkung auf ein bestimmtes gesellschaftliches Thema oder bestimmte Gruppen wie diejenige auf Amerikaner versus Araber in der Studie von Lindner und Nosek  wurde damit vermieden.

Die acht Aussagen lagen in zwei Varianten vor, in denen entweder die angesprochene soziale Gruppe oder Person variiert wurde oder positive Verben durch negative Verben ersetzt wurden. (Es wurden also tatsächlich sechzehn Aussagen, eben acht in jeweils zwei Varianten, formuliert.) Auf diese  Weise sollte sichergestellt werden, dass die Aussagen einmal auf „left-wing targets“ und einmal auf „right-wing targets“ (Crawford und Pilanski 2014: 843) abzielen. Beispielsweise lautete eine dieser Aussagen in ihren beiden Varianten:

„I think that the Democratic Party should not be allowed to visit college campuses in order to register potential voters”

und

„I think that the Republican Party should not be allowed to visit college campuses in order to register potential voters” (Crawford und Pilanski 2014: 851; Appendix).

Beide Aussagen sollen Intoleranz messen, aber in der ersten Formulierung soll Intoleranz gegenüber einem „left-wing target“ gemessen werden, in der zweiten Intoleranz gegenüber einem „right-wing target“.

Die Aussagen wurden insgesamt 160 Personen vorgelegt, wobei jede der beiden Varianten einer Aussage der Hälfte der Befragten vorgelegt wurde. Die Befragten wurden durch Amazon Mechanical Turk (MTurk) rekrutiert, einer Art Arbeitsplatzbörse, die von Amazon bereitgestellt wird (Crawford und Pilanski 2014: 843). Weil den Befragten nicht nur die acht Aussagen zur Beurteilung vorgelegt wurden, sondern sie auch nach ihrer politischen Orientierung (von 1 „extremely liberal“ bis 7 „extremely conservative“)[1] und ihrer Parteipräferenz gefragt wurden, konnten Crawford und Pilanski ihre Hypothese testen, nach der Personen mit linker politischer Orientierung und Personen mit rechter politischer Orientierung gleichermaßen Intoleranz gegenüber „targets“ des jeweiligen politischen Gegners aufweisen:

“From our perspective, those on the political right and left should be just as likely to express intolerance of targets with ideologically opposing positions“ (Crawford und Pilanski 2014: 842).

Darüber hinaus wurde von den Befragten

  • ihre Sympathie für die in den acht Aussagen angesprochenen Gruppen oder Politiken („warmth ratings“),
  • das Ausmaß der Internalisierung demokratischer Werte (anhand von sechs Items),
  • das Ausmaß, in dem sie die in den acht Aussagen angesprochenen Gruppen oder Politiken als Gefahr für das gesamte Land wahrnehmen, erfragt sowie
  • ihr politisches Wissen. Letzteres wurde erhoben, indem gefragt wurde, ob Liberale oder Konservative die in den acht Aussagen angesprochenen Gruppen oder Politiken unterstützen oder sie bekämpfen. Schließlich wurden die Befragten nach Angaben zu ihren
  • demographischen Merkmalen (Alter, Geschlecht und „race“/Ethnizität) gebeten.

Die Daten wurden von Crawford und Pilanski anhand zweistufiger hierarchischer Regressionen ausgewertet. In der unten abgebildeten Tabelle haben die Autoren die Ergebnisse für die Korrelationen zwischen den oben genannten Variablen zusammengestellt. Gleichzeitig kann man der Tabelle entnehmen, welche Gruppen und Politiken in den acht Aussagen angesprochen waren:

Wie man der Tabelle (genau: den t-Werten in den mit „Ideology x Condition“ betitelten Zeilen entnehmen kann, sind die Zusammenhänge zwischen der politischen Orientierung der Befragten („ideology“) und ihrer Zustimmung oder Ablehnung der acht Aussagen in einer der beiden Varianten (s.o.) („condition“) mit einer Ausnahme („Immigration“) statistisch signifikant. D.h. mit einer Ausnahme korreliert eine politisch linke Orientierung („liberalism“) statistisch signifikant mit Intoleranz gegenüber allen „right-wing targets“ und eine politisch rechte Orientierung („conservatism“) mit Intoleranz gegen alle „left-wing targets“. Damit ist die Hypothese von Crawford und Pilanski bestätigt; Personen mit linker politischer Orientierung und Personen mit rechter politischer Orientierung sind gleichermaßen intolerant gegenüber „targets“ des jeweiligen politischen Gegners.

Von den weiteren Ergebnissen der statistischen Analysen ist das Ergebnis, das Crawford und Pilanski für die Bedeutung der Gefahrenwahrnehmung erzielten, sicherlich das wichtigste. Oben wurde bereits berichtet, dass die Befragten auch nach dem Ausmaß gefragt wurden, in dem sie die in den acht Aussagen angesprochenen Gruppen oder Politiken als Bedrohung für das gesamte Land wahrnehmen. Die Autoren bildeten für jeden Befragten einen Durchschnittswert für die wahrgenommene Bedrohung über die in den verschiedenen Aussagen angesprochenen Gruppen oder Politiken hinweg, und die Analysen zeigten, dass es sowohl bei Personen mit linker politischer Orientierung als auch bei Personen mit rechter politischer Orientierung diese Größe, also das Ausmaß der  wahrgenommenen Bedrohung, ist, die die Intoleranz gegenüber Gruppen oder Politiken, die mit dem politischen Gegner assoziiert sind, erklären:

„As expected, the effect of conservatism on intolerance of leftwing targets was fully mediated by perceived threat from those targets, as the relationship between conservatism and intolerance of left-wing targets … was reduced to nonsignificance when controlling for perceived threat … Likewise, the effect of liberalism on intolerance of right-wing targets was fully mediated by perceived threat from those targets …” (Crawford & Pilanski 2014: 847).

Dieses Ergebnis ist deshalb wichtig, weil die wahrgenommene Bedrohung der Gesellschaft durch bestimmte soziale Gruppen oder (liberale oder progressive) Politiken in der Literatur häufig als zentrales Merkmal des intoleranten „Right-Wing Authoritarianism“ wie z.B. bei Dallago & Roccato (2010) angesehen wird. Wenn Bedrohungsgefühle durch bestimmte soziale Gruppen oder Politiken als eine, vielleicht zentrale, Dimension von Autoritarismus oder als eine Variable, die positiv mit Autoritarismus zusammenhängt, angesehen werden muss, muss man aufgrund der Befunde von Crawford und Pilanski davon ausgehen, dass Autoritarismus unter Personen mit linker politischer Orientierung ebenso verbreitet ist wie unter Personen mit rechter politischer Orientierung.

Wie in Teil 2 unserer Reihe mit Bezug auf die Studie von Van Hiel et al. (2006) gezeigt wurde, gibt es tatsächlich autoritäre Persönlichkeiten sowohl unter Personen mit rechter politischer Orientierung als auch unter Personen mit linker politischer Orientierung. Festhalten lässt sich jedenfalls, dass Personen mit linker politischer Orientierung nicht als „Komplementäre“ zu Personen mit rechter politischer Orientierung gelten können, sondern sich die Forschungslage dahingehend verdichtet, dass sich die Persönlichkeiten von Personen mit linker und rechter Orientierung weit weniger stark voneinander unterscheiden als die insbesondere Personen mit linker Orientierung gerne behaupten.

Literatur:

Crawford, Jarret T. & Pilanski, Jane M., 2014: Political Intolerance, Right and Left. Political Psychology 35(6): 841-851.

Dallago, Francesca & Roccato, Michele, 2010: Right-Wing Authoritarianism, Big Five, and Perceived Threat to Savety. European Journal of Personality  24(2): 106-122.

Lindner, Nicole M. & Nosek, Brian A., 2009: Alienable Speech: Ideological Variations in the Application of Free-Speech Principles. Political Psychology 30(1): 67-92.

Thorisdottir, Hulda, Jost, John T., Liviatan, Ido & Shrout, Patrick E., 2007: Psychological Needs and Values Underlying Left-Right Political Orientation: Cross-National Evidence from Eastern and Western Europe. The Public Opinion Quarterly 71(2): 175-203.

Van Hiel, Alain, Duriez, Bart & Kossowska, Malgorzata, 2006: The Presence of Left-Wing Authoritarianism in Western Europe and Its Relationship with Conservative Ideology. Political Psychology 27(5): 769-293.


[1] 55% der Befragten gaben an, „Extremely liberal, Liberal, or Somewhat liberal“ zu sein, 24% identifizierten sich als „Moderate/middle of the road“, und 21% gaben an, „Extremely Conservative, Conservative or Somewhat conservative“ zu sein (Crawford & Pilanski 2014: 843; Kursivsetzungen im Original), so dass eine Verteilung der Daten auf der Variable „politische Orientierung“ bzw. „Ideology“ vorlag, die für statistische Analysen geeignet ist.

Agentin.org: Die verlorene Ehre des Heinrich Böll

Nachdem die Denunziationsplattformen der Amadeu-Antonio-Stiftung alle miteinander baden gegangen sind, versucht sich nun die Heinrich-Böll-Stiftung an der Denunziation von all denen, die den Katechismus der Böll-Stiftung nicht teilen und der Heilsverkündung des Genderismus nicht folgen wollen.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat dort einen Eintrag, in dem sie als dem „Maskulismus“ nahestehdende Soziologin und Bloggerin bezeichnet wird.
Michael Klein hat dort einen Eintrag, in dem er als am Antifeminismus und Maskulismus orientierter Blogger bezeichnet wird.
ScienceFiles hat dort einen Eintrag, der derzeit nicht erreichbar ist.
SurveyNet hat dort den folgenden Eintrag: „Umfrageseite der Internetpräsenz ScienceFiles, die dem Maskulismus nahesteht“

Verantwortlich für Agentin.org ist die Heinrich-Böll-Stiftung, die wieder einmal einen Weg gefunden hat, um das Geld von Steuerzahlern, das ihr über die Bundestagsparteien zugeschustert wird, zu veruntreuen. Verantwortlich für die Inhalte von Agentin.org ist die Redaktion, die sich aus Andreas Kemper, Henning Bargen und Elisabeth Tuider zusammensetzt. Alle drei scheinen auf eine neue Form des Gelderwerbs angewiesen zu sein und haben offensichtlich wenig andere Qualifikation als den Aufbau von Denunziationsplattformen.

Agentin.org ist die letzten Tage durch die Medien gegangen und wurde mehrheitlich gar nicht positiv aufgenommen.

Es ist an der Zeit, dass wir Stellung zu dieser neuen Form von Zeitvertreib für Schmalspur-Denunzianten nehmen, deren Mut nur dazu reicht, die schwarze Feder in die Hand zu nehmen und aus dem Hinterhalt eines anonymen Computers andere – wie sie meinen – zu diffamieren.

Nun, damit eine Diffamierung klappt gehören immer mindestens drei dazu: Einer der diffamiert, einer, der sich diffamieren lässt und einer der die Diffamierung glaubt.

Mit der Glaubwürdigkeit der Diffamierung ist es nicht weit her, wie die negative Berichterstattung über Agentin.org zeigt.
Mit der Bereitschaft, sich diffamieren zu lassen, ist es auch nicht weit her, wie wir nun demonstrieren werden, in unseren beiden kurzen Statements zeigen:

Michael Klein:

Heinrich Böll hat seine Ehre verloren, seit er von der grünen Stiftung als Namensgeber missbraucht wird. Erinnert sich noch jemand an das Buch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“? Darin beschreibt Böll – ich zitiere Wikipedia, „wie eine bisher unbescholtene Frau wegen ihrer Freundschaft zu einem Straftäter Opfer der menschenverachtenden Berichterstattung der Boulevardpresse wird, besonders eines bestimmten Blattes, das nur „ZEITUNG“ genannt wird“. Fügt man nun noch das Vorwort, das Böll seiner Erzählung gegeben hat, an, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Heinrich-Böll-Stiftung Heinrich Böll in einer Weise pervertiert hat, die man nur widerlich nennen kann:

„Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Wie Heinrich Böll wohl reagieren würde, wenn er wüsste, dass die Praktiken, die er damals der Bild-Zeitung zugeschrieben hat, heute von der Stiftung praktiziert werden, die seinen Namen trägt?

Heike Diefenbachs Statement ist in Reaktion auf die Anfrage eines Medienvertreters geschrieben wurde, die sie heute erreicht hat und in der sie gefragt wird, was sie davon “denkt”, in der Liste von Agentin.org geführt zu werden.

Hier die Antwort von Dr. habil. Heike Diefenbach:

Hallo …

schön, dass Sie das interessiert, obwohl ich nicht weiß, warum!

Was glauben Sie, was ich darüber denke?

Ich denke erstens, dass das Führen von Listen mit Personen, die als Gefahr für irgendeine Ideologie betrachtet werden, für diese Personen mehr oder weniger ehrenhaft ist, weil es zeigt, dass diese Personen eigenständig denken können und über Urteilsfähigkeit verfügen.

Dies gesagt denke ich zweitens, dass das Führen von Listen mit Personen, die als Gefahr für eine Ideologie betrachtet werden, als solches eine Praxis ist, die man mit totalitären Staaten und deren Helfershelfern und Wasserträgern in Verbindung bringt, mit demokratischen Spielregeln jedoch nicht vereinbar ist, denn in Demokratien ist es normal und wird akzeptiert, dass Menschen mit Bezug auf gesellschaftspolitische Fragen unterschiedlicher Auffassungen sind (wie z.B. im Vereinigten Königreich, in dem ich seit mehr als 10 Jahren nicht ohne Grund lebe und arbeite).

Drittens ist es zutreffend, dass ich der Genderideologie nichts abgewinnen kann; ich bin kein Ideologe, sondern Wissenschaftler.

Viertens ist es gerade deshalb aber nicht zutreffend, mich als “anti-gender” einzuordnen insofern mich die Gender-ideologie als solche genauso wenig interessiert wie irgendeine andere Ideologie. Ich würde angemessenerweise bestenfalls als “anti-Ideologie” und “pro-Wissenschaft” geführt.

Fünftens und vor allem denke ich darüber, dass es schwerlich weniger in diesem Universum gibt, was mir gleichgültiger wäre und was ich lächerlicher fände.

Und zwar deshalb, weil ich sechstens darüber denke, dass die Zeit, die mit Listen, auf denen ideologisch “böse” Zeitgenossen zusammengestellt werden, besser dazu genutzt wäre, zu versuchen, POSITIV für die Genderideologie und deren Relevanz zu argumentieren,

weshalb ich wiederum siebtens denke, dass das anscheinend selbst in den Augen derer, die sich so gerne als pro-gender inszentieren, nicht möglich ist.

Quod erat demonstrandum!

Mit freundlichen Grüßen,

__________________________
Dr. phil. habil. Heike Diefenbach
– Consulting Social Scientist, Researcher, Author and Educator –

Mehr haben wir zu diesem Thema nicht zu sagen.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Der gute linke Mensch und das rechte Nazi-Monster: Debattieren in Stereotypen

Linke sind keine Kriminellen. Linke begehen keine Ausschreitungen. Gewalt ist eine Angelegenheit der Rechten. Linke sind friedliebend. Rechte wollen ihren Führer wieder haben. Rechte wollen Ruhe und Ordnung und keine Veränderung. Linke sind offen für Neues. Rechte sind intolerant. Linke sind flexibel.

Die Post-G20-Debatte ist eine Debatte der Stereotype, der liebgewonnenen Stereotype, denn die Linke in Deutschland sonnt sich seit Jahrzehnten in ihrem nach dem Dritten Reich aufgebauten Status als friedliebende Ideologen, die für Gleichheit, gegen Armut, für Homosexualität, gegen Globalisierung, für Reichtum für alle und gegen Kapitalismus eintreten.

Rote Flora, “Kultur” auf links

Der sakrosankte Status, der Linken zugestanden wird, zeigt sich z.B. in Hamburg. Dort hat der Senat über die Johann Daniel Lawaetz-Stiftung, die vom Hamburger Senat gegründet und vermutlich auch weitgehend ausgehalten wird, 820.000 Euro für das „Kulturzentrum Rote Flora“ ausgegeben, um Letzteres zu kaufen und weiterhin den Linken, die es seit Jahrzehnten besetzt halten, unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Welche Kultur aus dem Zentrum verbreitet wird, konnte man während der Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel gut beobachten.

Doch nicht nur in Hamburg, lassen es linke Politiker Linken durchgehen, dass diese gegen Gesetze verstoßen. Nicht nur in Hamburg zeigt sich das zwiespältige Verhältnis das Linke zum Eigentum anderer haben. Auch in Berlin, in der Rigaer Straße, gibt es Häuser, die mit dem Wohlwollen des Berliner Senats besetzt gehalten werden.

Gesetze gelten, wenn es um linke Straftaten geht, nicht in gleicher Weise, wie sie für herkömmliche Straftäter und schon gar nicht für rechte Straftäter zu gelten scheinen.

Der sakrosankte Status Linker, von Linksextremismus findet einen weiteren Ausdruck im weitgehenden Fehlen wissenschaftlicher Studien zum Thema „Linksextremismus“. Während man mit den Blättern, die zum Thema „Rechtsextremismus“ bedruckt wurden, Mülldeponien zu einem beachtlichen Teil füllen könnte, bliebe das Häuflein bedruckter Blätter, die sich dem Thema „Linksextremismus“ gewidmet haben, eher unbemerkt.

Das weitegehende Fehlen wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema „Linksextremismus“ hat seine Entsprechung in den staatlichen Umerziehungsprogrammen, die vornehmlich Rechtsextremismus gelten, während Linksextremismus bislang kein Gegenstand staatlicher Umerziehungsbemühungen ist.

Vor diesem vollkommen uninformierten Hintergrund wird derzeit eine der in Deutschland so häufigen Emotionsdebatten geführt, in der sich vor allem Überzeugungstäter von Links durch allerlei idealistisches Gerede hervortun, das leider jeglicher empirischer Basis entbehrt. Der Glaube an den Linken, das gute Wesen, ist ein Glaube, für den es keinerlei Belege gibt – statt dessen gibt es eine Vielzahl von Belegen, die dafür sprechen, dass Linke, wenn sie die Gelegenheit finden, Macht auszuüben, schlimmer sind als Rechte, eher dazu neigen, z.B. die Gelegenheiten für Korruption, die mit entsprechenden Positionen einhergehen, auch auszunutzen.

Um die Diskussion über den guten Linken auf eine fundierte Basis zu stellen, haben wir auf ScienceFiles bereits vor einiger Zeit eine Reihe gestartet, deren Ziel darin besteht, die wissenschaftlichen Studien, die sich mit Linken und Rechten, mit Links- und Rechtsextremismus beschäftigen, zusammenzutragen. Die Ergebnisse der in diesem Zusammenhang von Dr. habil. Heike Diefenbach besprochenen Untersuchungen kann man wie folgt zusammenfassen.

Es gibt Linksextremismus (was von manchen Zeitgenossen durchaus bestritten wurde).
Linksextreme weisen im Hinblick auf Charaktereigenschaften Gemeinsamkeiten mit Rechtsextremen auf.
Beide zeichnen sich durch eine Rigidität im Denken und eine kognitive Geschlossenheit aus, d.h. Links- wie Rechtsextremisten sind Gläubige, die ihren Glauben durch keinerlei empirische Fakten stören lassen. Mehr dazu gibt es hier.

Weiter Ähnlichkeiten finden sich im Hinblick auf die Art und Weise, in der beide ihren Glauben verteidigen bzw. bereit sind, sich dem Wort von Autoritäten unterzuordnen. Aggressivität und Unterwürfigkeit als geteilte Eigenschaft von Linken und Rechten wurde hier ausführlich dargelegt.

Schließlich hat sich gezeigt, dass Versuche zwischen Linken und Rechten auf Grundlage von Persönlichkeitsmerkmalen oder Einstellungen zu trennen, z.B. im Hinblick auf die Offenheit gegenüber Neuem oder dem Bedürfnis nach Sicherheit, scheitern, denn die entsprechenden Merkmale und Eigenschaften variieren mit dem Kontext. So sind Linke in Osteuropa weniger offen als Rechte, während in Westeuropa keinerlei Unterschied zwischen beiden im Hinblick auf die Offenheit besteht. Mehr zu diesem Thema gibt es hier.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Erzählung vom guten Linken ein linkes Märchen ist. Erzählt wird es von Personen, die sich gerne als gut inszenieren, die gerne für sich in Anspruch nehmen, sie seien die besseren Menschen und diesen Anspruch mit einem dogmatischen Bild von sich und denen verbinden, die sie zu ihren Gegnern stilisieren. Und dass sie das tun, zeigt, wie sehr sie linksextrem und wie wenig gut sie sind.

Anregungen? Kontaktieren Sie ScienceFiles

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