Der gute linke Mensch und das rechte Nazi-Monster: Debattieren in Stereotypen

Linke sind keine Kriminellen. Linke begehen keine Ausschreitungen. Gewalt ist eine Angelegenheit der Rechten. Linke sind friedliebend. Rechte wollen ihren Führer wieder haben. Rechte wollen Ruhe und Ordnung und keine Veränderung. Linke sind offen für Neues. Rechte sind intolerant. Linke sind flexibel.

Die Post-G20-Debatte ist eine Debatte der Stereotype, der liebgewonnenen Stereotype, denn die Linke in Deutschland sonnt sich seit Jahrzehnten in ihrem nach dem Dritten Reich aufgebauten Status als friedliebende Ideologen, die für Gleichheit, gegen Armut, für Homosexualität, gegen Globalisierung, für Reichtum für alle und gegen Kapitalismus eintreten.

Rote Flora, “Kultur” auf links

Der sakrosankte Status, der Linken zugestanden wird, zeigt sich z.B. in Hamburg. Dort hat der Senat über die Johann Daniel Lawaetz-Stiftung, die vom Hamburger Senat gegründet und vermutlich auch weitgehend ausgehalten wird, 820.000 Euro für das „Kulturzentrum Rote Flora“ ausgegeben, um Letzteres zu kaufen und weiterhin den Linken, die es seit Jahrzehnten besetzt halten, unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Welche Kultur aus dem Zentrum verbreitet wird, konnte man während der Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel gut beobachten.

Doch nicht nur in Hamburg, lassen es linke Politiker Linken durchgehen, dass diese gegen Gesetze verstoßen. Nicht nur in Hamburg zeigt sich das zwiespältige Verhältnis das Linke zum Eigentum anderer haben. Auch in Berlin, in der Rigaer Straße, gibt es Häuser, die mit dem Wohlwollen des Berliner Senats besetzt gehalten werden.

Gesetze gelten, wenn es um linke Straftaten geht, nicht in gleicher Weise, wie sie für herkömmliche Straftäter und schon gar nicht für rechte Straftäter zu gelten scheinen.

Der sakrosankte Status Linker, von Linksextremismus findet einen weiteren Ausdruck im weitgehenden Fehlen wissenschaftlicher Studien zum Thema „Linksextremismus“. Während man mit den Blättern, die zum Thema „Rechtsextremismus“ bedruckt wurden, Mülldeponien zu einem beachtlichen Teil füllen könnte, bliebe das Häuflein bedruckter Blätter, die sich dem Thema „Linksextremismus“ gewidmet haben, eher unbemerkt.

Das weitegehende Fehlen wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema „Linksextremismus“ hat seine Entsprechung in den staatlichen Umerziehungsprogrammen, die vornehmlich Rechtsextremismus gelten, während Linksextremismus bislang kein Gegenstand staatlicher Umerziehungsbemühungen ist.

Vor diesem vollkommen uninformierten Hintergrund wird derzeit eine der in Deutschland so häufigen Emotionsdebatten geführt, in der sich vor allem Überzeugungstäter von Links durch allerlei idealistisches Gerede hervortun, das leider jeglicher empirischer Basis entbehrt. Der Glaube an den Linken, das gute Wesen, ist ein Glaube, für den es keinerlei Belege gibt – statt dessen gibt es eine Vielzahl von Belegen, die dafür sprechen, dass Linke, wenn sie die Gelegenheit finden, Macht auszuüben, schlimmer sind als Rechte, eher dazu neigen, z.B. die Gelegenheiten für Korruption, die mit entsprechenden Positionen einhergehen, auch auszunutzen.

Um die Diskussion über den guten Linken auf eine fundierte Basis zu stellen, haben wir auf ScienceFiles bereits vor einiger Zeit eine Reihe gestartet, deren Ziel darin besteht, die wissenschaftlichen Studien, die sich mit Linken und Rechten, mit Links- und Rechtsextremismus beschäftigen, zusammenzutragen. Die Ergebnisse der in diesem Zusammenhang von Dr. habil. Heike Diefenbach besprochenen Untersuchungen kann man wie folgt zusammenfassen.

Es gibt Linksextremismus (was von manchen Zeitgenossen durchaus bestritten wurde).
Linksextreme weisen im Hinblick auf Charaktereigenschaften Gemeinsamkeiten mit Rechtsextremen auf.
Beide zeichnen sich durch eine Rigidität im Denken und eine kognitive Geschlossenheit aus, d.h. Links- wie Rechtsextremisten sind Gläubige, die ihren Glauben durch keinerlei empirische Fakten stören lassen. Mehr dazu gibt es hier.

Weiter Ähnlichkeiten finden sich im Hinblick auf die Art und Weise, in der beide ihren Glauben verteidigen bzw. bereit sind, sich dem Wort von Autoritäten unterzuordnen. Aggressivität und Unterwürfigkeit als geteilte Eigenschaft von Linken und Rechten wurde hier ausführlich dargelegt.

Schließlich hat sich gezeigt, dass Versuche zwischen Linken und Rechten auf Grundlage von Persönlichkeitsmerkmalen oder Einstellungen zu trennen, z.B. im Hinblick auf die Offenheit gegenüber Neuem oder dem Bedürfnis nach Sicherheit, scheitern, denn die entsprechenden Merkmale und Eigenschaften variieren mit dem Kontext. So sind Linke in Osteuropa weniger offen als Rechte, während in Westeuropa keinerlei Unterschied zwischen beiden im Hinblick auf die Offenheit besteht. Mehr zu diesem Thema gibt es hier.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Erzählung vom guten Linken ein linkes Märchen ist. Erzählt wird es von Personen, die sich gerne als gut inszenieren, die gerne für sich in Anspruch nehmen, sie seien die besseren Menschen und diesen Anspruch mit einem dogmatischen Bild von sich und denen verbinden, die sie zu ihren Gegnern stilisieren. Und dass sie das tun, zeigt, wie sehr sie linksextrem und wie wenig gut sie sind.

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Rechte und Linke in Ost- und Westeuropa

Antworten aus neueren empirischen Studien – Teil 3 der Serie: “Eineiige Zwillinge: Was unterscheidet “Rechte” von “Linken?

In Teil 2 unserer Serie hatten wir die Studie von Van Hiel, Duriez und Kossowska (2006) vorgestellt, die anhand flämischer Stichproben von Wahlberechtigten und von politischen Aktivisten die Existenz von Linksextremismus und Rechtsextremismus belegt haben: „It has been shown that LWA [left-wing authoritarianism] does exist and should not be considered a myth, …” (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 789). Darüber hinaus haben die Autoren mit Bezug auf die Stichprobe der flämischen Wahlberechtigten festgestellt: „One of the most disturbing findings in the present voter samples … is the positive correlation between LWA and RWA“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 790; Hervorhebung d.d.A.). LWA [left-wing authoritarianism] und RWA [right-wing authoritarianism] zeigten Ähnlichkeiten nicht nur mit Bezug auf Autoritarismus, sondern auch mit Bezug auf Dogmatismus und allgemeiner Feindseligkeit.

Die Studie, die wir in Teil 3 unserer Serie vorstellen, stammt von Thorisdottir et al. (2007) und erbringt anhand der Daten des European Social Survey (ESS) aus dem Jahr 2002 weitere Belege dafür, dass Merkmale, die üblicherweise Personen mit linker Orientierung zugeschrieben werden, und Merkmale, die üblicherweise Personen mit rechter Orientierung zugeschrieben werden, Personen aus den beiden Gruppen tatsächlich nicht stabil und zuverlässig voneinander unterscheiden. Im Vergleich von 14 westeuropäischen und vier osteuropäischen Staaten und auf der Basis von Angaben von insgesamt 36.385 Personen hat die Studie von Thorisdottir et al. (2007: 176) nämlich „ … evidence of both universal and context-specific effects in our analysis of the cognitive and motivational antecedents or left-right political orientation” erbracht.

Die Bedeutung dieses Befundes kann man auf der Basis dieser verklausulierten Formulierung kaum würdigen. Vor allem läßt sie nicht die Überraschung (oder gar Verstörung?) erahnen, die die Autoren angesichts der von ihnen erzielten Befunde gefühlt haben müssen, haben sie doch beabsichtigt, verschiedene Zusammenhänge, die traditionell zwischen einer rechten politischen Orientierung und einigen „key components“ (Thorisdottir et al. 2007: 182) hergestellt werden, auf einer stabilen Basis von Daten aus neunzehn europäischen Staaten zu überprüfen oder in diesem Fall vielleicht zutreffender: zu belegen: „… there are two sets of hypotheses under consideration. First, we predict that a positive relationship will emerge between right-wing political orientation and two key components: traditionalism (Hypothesis 1) and acceptance of inequality (Hypothesis 2). Second, we predict that right-wing orientation will be positively associated with needs for order/rule-following (Hypothesis 3) and security (Hypothesis 4) and negatively associated with openness (Hypothesis 5), even after adjusting for quadratic effects associated with ideological extremity and sophistication … It was expected that the hypotheses would receive more consistent support in Western than in Eastern European countries, which are still in transition between “old” and “new” regimes” (Thorisdottir et al. 2007: 182-183).

Angesichts dieser Hypothesen ist deutlich erkennbar, dass das Forschungsinteresse von Thorisdottir et al. bei dem liegt, was sie als typisch rechte Persönlichkeitsstruktur und als typisch rechte Auffassungen betrachten, eben deshalb, weil sie von „key components“ sprechen, die Personen mit rechter politischer Orientierung auszeichnen sollen, während es für Personen mit linker politischer Orientierung keine „key components“ zu geben scheint, die sie auszeichnen; diese Personen bleiben unspezifiziert, sie erscheinen Thorisdottir et al. offensichtlich von vornherein als „Normalvariante“ des Mensch-Seins.

Für die Prüfung der Hypothesen ist es zunächst notwendig, Personen mit politisch rechter Orientierung und solche ohne eine politisch rechte Orientierung zu identifizieren. Zu diesem Zweck verwenden die Autoren eine Links-Rechts-Skala mit zehn Skalenpunkten, wobei „0“ die extreme Linke und „10“ die extreme Rechte definiert. Die Einstufung von Befragten auf dieser Skala erfolgt durch Selbsteinschätzung (Thorisdottir 2007: 185).

Als „Core Aspects of Right-Wing Ideology“ wurden erhoben:

• Traditionalismus:
Er wurde anhand eines einzigen Items gemessen: „Tradition is important to him. He tries to follow the customs handed down by his religion or his family”. Ein Befragter sollte dann auf einer 6-Punkte-Skala, also einer Skala ohne Mittelpunkt, die eine Identifikation als links oder rechts erzwingt, angeben, ob die so beschriebene Person “not like me at all“ (0) oder „very much like me“ (5) sei.

• Akezptanz von Ungleichheit:
Sie wurde ebenfalls anhand eines einzigen (und umgekehrt formulierten) Items gemessen: „He thinks it is important that every person in the world should be treated equally. He believes everyone should have equal opportunities in life”. Wieder sollte ein Befragter auf der 6-Punkte-Skala angeben, ob diese Person so sei wie er oder nicht, wobei er vor einem erheblichen Problem gestanden haben könnte, weil das Item zwei Stimuli enthält, der Befragte in seiner Antwort aber nicht entsprechend differenzieren kann, was einen groben, aber leider ziemlich verbreiteten methodischen Fehler darstellt. Es ist nämlich durchaus möglich, dass man für oder gegen die Gleichbehandlung von Personen, z.B. vor dem Gesetz, ist, aber nicht unbedingt auch für oder gegen Chancengleichheit.

Als „Psychological Predictors of Ideology“ galten den Autoren:

• Das Bedürfnis nach Ordnung/Regelbefolgung:
Es wurde gemessen anhand von zwei Items, die leider wieder mehrere Stimuli umfassen: „It is important to him to behave properly. He wants to avoid doing anything people would say is wrong” und “He believes that people should do what they’re told. He thinks people should follow rules at all times, even when no one is watching”.

• Das Bedürfnis nach Sicherheit:
Es wurde ebenfalls anhand von zwei, mehrere Stimuli umfassenden, Items gemessen: “It is important to him to live in secure surroundings. He avoids anything that might endanger his safety” und “It is important to him that the government ensures safety against all threats. He wants the state to be strong so it can defend its citizens”.

• Offenheit für neue Erfahrungen:
Zu ihrer Messung wurden die Antworten von Befragten auf zwei Items kombiniert: „Thinking up new ideas and being creative is important to him. He likes to do things in his own original way” und “He likes surprises and is always looking for new things to do. He thinks it is important to do lots of different things in life”.

Neben Korrelationsanalysen zwischen der politischen Orientierung von Befragten und den genannten unabhängigen Variablen wurde von den Autoren ein Strukturgleichungsmodell berechnet, das getrennt für westeuropäische und für osteuropäische Länder die folgenden Pfadkoeffizienten ergab:

Quelle: Thorisdottir et al. 2007: 195 (Tabelle 6)

Die Koeffizienten für den Zusammenhang zwischen Traditionalismus und politischer Orientierung (zu finden in der ersten Zeile der oben stehenden Tabelle) entsprachen den Erwartungen: „… traditionalism is a positive predictor of right-wing orientation in both Western and Eastern Europe. Acceptance of inequality, however, is a predictor of right-wing orientation only in Western Europe [wie die Koeffizienten in Zeile 2 der Tabelle zeigen). Rule-following exerted both direct and indirect effects on political orientation in both contexts. The indirect effect was much larger through traditionalism than through acceptance of inequality in both the West (.61 versus .05) and the East (1.07 versus -.06) [s. Zeilen 4 und 5 in der Tabelle]; the direct effect of rule-following on left-right orientation was also positive and significant in both contexts [s. Zeile 3]. The relationship between need for security and acceptance of inequality was … contrary to expectations, insofar as the need for security was negatively associated with the acceptance of inequality [s. Zeile 7] … we find that although the direct path from need for security to right-wing orientation is significant and positive in Western Europe as originally predicted, this path is robustly negative in Eastern Europe [s. Zeile 6], where the socialist/communist legacy is especially strong. With regard to openness, a relatively complicated picture again emerged. Its indirect path via acceptance of inequality was negative and significant in both Eastern (b = -.18) and Western (b = -.33) contexts [s. Zeile 10], but its direct effect on right-wing orientation was positive in Eastern Europe (b = .27) and non-significant in Western Europe (its path leading to traditionalism was not significant in either case) [s. Zeilen 9 und 11]. Thus, there was some evidence that openness to experience led people to prefer egalitarianism, and this factor led them away from right-wing conservatism. At the same time, however, openness appears to have led people to be attracted to other aspects of conservatism … and to turn away from the socialist tradition in Eastern Europe“ (Thorisdottir et al. 2007: 196-197).

Zusammengenommen zeigen diese Befunde also, dass es keine allgemein gültige Entsprechung von Persönlichkeitsmerkmalen oder Einstellungen von Personen mit rechter (oder linker) politischer Orientierung gibt: Zum einen bestehen erwartete Zusammenhänge zwar in westeuropäischen Ländern, aber nicht in osteuropäischen, oder es stellten sich unerwartete Ergebnisse ein wie der Zusammenhang zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und einer linken politischen Orientierung (Thorisdottir et al. 2007: 198). Zum anderen hängen Traditionalismus und Akzeptanz von Ungleichheit, die von den Autoren gleichermaßen als mit einer rechten politischen Orientierung verbunden betrachtet werden, untereinander nicht oder nicht in der erwarteten Richtung zusammen. Nach eigener Aussage der Autoren waren die Befunde zur Variable „Offenheit für neue Erfahrungen“ die größte Überraschung für sie: In den osteuropäischen Ländern bestand ein positiver Zusammenhang von Offenheit mit einer rechten politischen Orientierung, und für die Befragten in den westeuropäischen Ländern ließ sich kein (statistisch signifikanter) direkter Effekt von Offenheit auf die politische Orientierung beobachten (Thorisdottir et al. 2007: 198). Die Hypothesen, die Thorisdottir prüfen oder vermutlich eher: belegen wollten, konnten also weitgehend nicht bestätigt werden.

Man hätte im Schlusskapitel dieses Textes einige Überlegungen dazu erwartet, wie genau west- und osteuropäische Länder bzw. die gesellschaftspolitische Situation in ihnen und ihre diesbezügliche Geschichte als Kontextfaktoren auf die diversen Zusammenhänge zwischen den berücksichtigten Variablen und der politischen Orientierung der Befragten aus diesen Ländern wirken könnten. Solche Überlegungen stellen die Autoren im Schlussteil ihres Textes aber nicht an (und an anderen Stellen im Text auch nicht in nennenswerter Weise). Statt dessen findet man – neben einer Zusammenfassung der Befunde und Hinweisen auf mögliche Beschränkungen der Studie – die folgende Passage, anhand derer deutlich wird, wie die Autoren ihre durch die Daten nicht bestätigten Vorurteile über die Persönlichkeitsunterschiede zwischen „Rechten“ und „Linken“ zu verarbeiten versuchten:

„Virtually no evidence was obtained for the commonly held hypothesis that an authoritarian personality style characterizes left-wing extremists just as well as right-wing extremists … With regard to traditionalism and rule-following, we found that a linear pattern characterizes most nations, indicating that these needs are consistently stronger among right-wing than left-wing adherents, even in formerly communist countries” (Thorisdottir et al. 2007: 199).

Dieser Absatz mutet einigermaßen seltsam an, und zwar deshalb, weil in der Studie überhaupt keine Skala zur Feststellung der sogenannten autoritären Persönlichkeit zur Verfügung steht, die hätte ausgewertet werden können. Man muss den Absatz deshalb wohl so interpretieren, dass die Autoren meinen, dass ein Item, das „Traditionalismus“ messen soll, und zwei Items, die „Regelbefolgung“ messen sollen, hinreichen, um eine autoritäre Persönlichkeit zu identifizieren. Selbst dann, wenn man dies guten Gewissens akzeptieren könnte, würde der Befund, dass „Traditionalismus“ und „Regelbefolgung“ in den „meisten“ Ländern „stärker“ mit rechten politischen Einstellungen zusammenhängen als mit linken, die starke Aussage, mit der der Absatz beginnt, in keiner Weise überzeugend stützen, besonders nicht angesichts der vielen unerwarteten Zusammenhänge bzw. Nicht-Zusammenhänge, die die Studie ergeben hat: Man erinnere sich z.B. daran, dass das Bedürfnis nach Sicherheit als ein wichtiges Merkmal einer autoritären Persönlichkeit(sstruktur) gilt (s. z.B. Milburn 1991: 43). In der Studie von Thorisdottir et al. konnte aber nur für Befragte in westeuropäischen Ländern ein direkter positiver Zusammenhang zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und rechter politischer Orientierung festgestellt werden, während der Zusammenhang für Befragte in den osteuropäischen Ländern „robustly negative“ (Thorisdottir et al. 2007: 196) war. D.h. Befragte, die keine rechte politische Orientierung haben, haben dort ein größeres Bedürfnis nach Sicherheit, und wenn man als Indikator für eine autoritäre Persönlichkeit nicht z.B. die Variable „Traditionalismus“ heranzieht, sondern „Bedürfnis nach Sicherheit“ und eine allgemeine Aussage treffen will, die nicht nach west- und osteuropäischen Ländern differenziert, muss man hieraus schließen, dass Personen, die keine rechte politische Orientierung haben, in dieser Studie definitionsgemäß also eine linke politische Orientierung haben, eher autoritäre Persönlichkeiten haben als Personen, die eine rechte politische Orientierung haben.

Stellt man – korrekterweise – sowohl die Befunde für Traditionalismus und Regelbefolgung als auch für das Bedürfnis nach Sicherheit (und die Akzeptanz von Ungleichheit) in Rechnung, muss man auf der Basis dieser Befunde mindestens festhalten: Some evidence was obtained for the commonly held hypothesis that an authoritarian personality style characterizes left-wing extremists just as well as right-wing extremists – und damit das Gegenteil von dem aus den Befunden schließen, was die Autoren geschlossen haben!

Dass die Autoren den oben zitierten, fragwürdigen Absatz dennoch meinten, in den Text aufnehmen zu müssen – einen Text, der sich ansonsten um Wissenschaftlichkeit bemüht – , läßt ahnen, wie stark die Enttäuschung der Autoren darüber gewesen sein muss, dass die Daten nicht mit ihren vorgefassten Meinungen über „Rechte“ und „Linke“ konform gegangen sind. Die Enttäuschung muss hinreichend stark gewesen sein, dass die Autoren mit ihrer trotzig anmutenden allgemeinen Aussage über das Nicht-Vorhandensein autoritärer Persönlichkeitsstrukturen unter Personen mit linker politischer Orientierung den eigenen in Koeffizienten und in Worten berichteten Befunden widersprechen.

Einmal mehr wird erkennbar, wie wichtig es ist, dass man sich bei der Lektüre von Texten, die Studienergebnisse berichten, nicht mit der Lektüre von Einleitung und Schluss begnügt, sondern die Richtigkeit der dort formulierten Schlussfolgerungen möglichst anhand der berichteten statistischen Befunde selbst überprüft. Nur dann kann der Konsum eines wissenschaftlichen Textes als eine kritische Lektüre, eine Lektüre im Sinn und im Interesse kritischer Wissenschaft, gelten. Unterbleibt eine solche kritische Lektüre, ist die Rezeption von Studienergebnissen keine wissenschaftliche Betätigung, sondern lediglich eine Übung im Dienst eines ideologisch motivierten oder vielleicht nur eines sehr naiven Multiplikatoren-Daseins.

Literatur:

Milburn, Michael A., 1991: Persuasion and Politics: The Social Psychology of Public Opinion. Pacific-Grove: Brooks-Cole.

Thorisdottir, Hulda, Jost, John T., Liviatan, Ido & Shrout, Patrick E., 2007: Psychological Needs and Values Underlying Left-Right Political Orientation: Cross-National Evidence from Eastern and Western Europe. The Public Opinion Quarterly 71(2): 175-203.

Van Hiel, Alain, Duriez, Bart & Kossowska, Malgorzata, 2006: The Presence of Left-Wing Authoritarianism in Western Europe and Its Relationship with Conservative Ideology. Political Psychology 27(5): 769-293.

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Eineiige Zwillinge: Was unterscheidet „Rechte“ von „Linken“?

Antworten aus neueren empirischen Studien – Teil 1

Sowohl in den Medien als auch bei vielen Sozialwissenschaftlern ist es derzeit üblich, zwischen „Rechten“ und „Linken“ zu unterscheiden und ihnen jeweils unterschiedliche Einstellungen u.a. zur Zuwanderung, zur Demokratie und zur Gewalt zu unterstellen. Es gibt aber auch Menschen, die meinen, dass dann, wenn „Linke“ und „Rechte“ dieselbe Verhaltensweise zeigen, sie bei „Linken“ anders zu bewerten wäre als bei „Rechten“.

Blockupy1So hat sich beispielsweise Jan Rübel, der sich als Journalist geriert, im Juli 2016 auf dem HUFFPOST, dem blog der (deutschen Ausgabe der) Huffington Post, bei der denkenden Leserschaft mit der folgenden Aussage diskreditiert: „Natürlich müssen die Medien der rechten Gewalt mehr Raum einräumen – denn sie ist gefährlicher. Straf- und Gewalttaten von rechts haben für Deutschland eine größere Bedeutung als jene von links. Mit Relativierung und Verharmlosung hat das nichts zu tun”[1] – und dafür im Kommentarbereich beruhigenderweise verbale Prügel bezogen, wobei es allerdings der Erwähnung wert ist, dass bei einer Kommentatorin die Sinnentleerung der Begriffe „Linke“ und „Rechte“ soweit ging, dass sie „Linke“ mit „Guten“ gleichgesetzt hat (und anscheinend „Rechte“ mit „Schlechten“), denn sie meinte bemerken zu müssen, dass Stalin kein Linker gewesen sei, und dass dies „… schon lange als bewiesen [gelte]“, so dass der Betrieb der Gulags nicht als Beispiel stark ausgeprägter linker Gewalt gelten könne.

Während die Anti- bzw. Sympathien für „Rechte“ oder „Linke“ also je nach der eigenen Weltanschauung oder institutionellen Anbindung klar verteilt sind, ist die Frage, was „Rechte“ und „Linke“ denn nun tatsächlich voneinander unterscheidet, weitgehend ungeklärt, jedenfalls dann, wenn man diese Frage nicht als Frage nach den eigenen stereotypen Vorstellungen, den eigenen Assoziationen oder dem persönlichen Geschmack auffasst und sich nicht mit dementsprechenden Antworten begnügt, die lauten mögen: “Rechte“ haben Glatzen, tragen Springerstiefel und Bomberjacken und zünden Asylbewerberheime an“ oder „Linke tragen schwarz, hoodies und Turnschuhe, studieren irgendein Laberfach, schwätzen pseudointellektuell daher und zünden anderer Leute Autos an“.

Will man herausfinden, ob und inwieweit und wie sich „Rechte“ und „Linke“ tatsächlich voneinander unterscheiden, muss man die Frage als eine sozialwissenschaftliche Frage stellen, also danach fragen, ob und inwieweit und wie sich Personen, die aufgrund abgebbarer Kriterien als „Linke“ oder „Rechte“ bezeichnet werden, mit Bezug auf ihre Einstellungen, ihre Handlungsbereitschaften und ihre Persönlichkeiten voneinander unterscheiden, und diese Frage unter Verwendung eines methodisch „sauberen“ Forschungsdesigns empirisch untersuchen.

Entsprechende Forschung, die man meist im englischsprachigen Ausland und im Feld der Sozialpsychologie oder der Politikwissenschaft und unter dem Stichwort „political psychology“ bzw. politische Psychologie findet, gibt es, obwohl sie (noch) ziemlich selten ist. Zwar gibt es Legionen von Texten, in denen sich die Autoren zu Einstellungen, Handlungsbereitschaften und Persönlichkeiten von „Rechten“ äußern, aber diese zeichnen sich gewöhnlich durch grundlegende methodologische Fehler aus, allen voran der Abwesenheit einer Vergleichsgruppe von „Linken“ im Forschungsdesign, so dass über die Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen „Rechten“ und „Linken“ keinerlei Aussagen gemacht werden können. (Wir ersparen uns an dieser Stelle ellenlange Zitationen; von der Richtigkeit der Aussagen kann sich jeder selbst überzeugen, wenn er eine entsprechende Recherche in Google oder in Google Scholar durchführt.)

Nationalsozialistischer_Untergrund_-_Explosion_in_Zwickau_2011_3_(aka)Studien, die tatsächlich „Linke“ und „Rechte“ in ihrem Forschungsdesign berücksichtigen und auf diese Weise einen Vergleich zwischen ihnen ermöglichen, kommen zu dem Ergebnis, dass sie sich durchaus nicht so stark oder in der Weise voneinander unterscheiden, wie viele Menschen – und Medien! – es gerne hätten oder darstellen würden.

Wir stellen heute die erste einer Reihe dieser Studien vor, und zwar die Studie von Arlin James Benjamin, Jr. Aus dem Jahr 2014. In dieser Studie wurde 220 Studenten im Alter zwischen 18 und 59 Jahren ein Fragebogen vorgelegt, der verschiedene Mess-Skalen enthielt. Diese Skalen waren entwickelt worden, um

  1. Einstellungen zu Gewalt zu messen,
  2. das Ausmaß, in dem Befragte die zukünftigen Folgen ihrer Handlungen in Rechnung stellen,
  3. das Ausmaß, in dem Befragte über Dinge nachdenken und es ihnen Freude macht, über Dinge nachzudenken, und
  4. das Ausmaß des Autoritarismus in der Persönlichkeit der  Befragten,

wobei diese Skala aus zwei Subskalen bestand, eine zur Messung von Rechtsautoritarismus und eine zur Messung von Linksautoritarismus. Die erste enthielt u.a. die Items „Gehorsam und Respekt vor Autoritäten sind die wichtigsten Tugenden, die Kinder lernen sollten“ und „Gesetze müssen strikt befolgt werden, wenn wir unseren Lebensstil erhalten wollen“, die zweite u.a. die Items „Eine linke revolutionäre Bewegung darf das Establishment angreifen und Gehorsam und Konformität von ihren Mitgliedern einfordern“ und „Die Angehörigen des Establishments verdienen eine harte Behandlung ohne Gnade, nachdem das Establishment beseitigt ist“.

Die Befragten wurden anhand der Testscores, die sie auf den Autoritarismus-Subskalen erzielt hatten, in vier Gruppen unterteilt:

(A) Nicht-Autoritäre („non-authoritarians“), die auf beiden Subskalen niedrige Punktwerte erzielt hatten,

(B) „Linke“ („Left-wingers“), die niedrige Werte auf der Skala zur Messung von Rechtsautoritarismus, aber hohe Werte zur Messung von Linksautoritarismus erzielt hatten,

(C) „Rechte“ („Right-wingers“), die niedrige Werte auf der Skala zur Messung von Linksautoritarismus, aber hohe Werte zur Messung von Rechtsautoritarismus erzielt hatten, und

(D) Platzhalter-Autoritäre („wild-card authoritarians“), die auf beiden Subskalen zur Messung von Autoritarismus hohe Werte erzielt hatten.

Die Zugehörigkeit der Befragten zu einer dieser vier Gruppen wurde als unabhängige Variable zur Vorhersage/Erklärung der folgenden abhängigen Variablen benutzt:

(i)  Einstellungen zu Krieg,
(ii) Einstellungen zu durch das Strafgesetz legitimierter Gewalt,
(iii)Einstellungen zur körperlichen Züchtigung,
(iv) Gewalt in intimen Beziehungen und
(v) das Ausmaß, in dem Befragte über Dinge nachdenken und es ihnen Freude macht, über Dinge nachzudenken sowie das Ausmaß, in dem Befragte zukünftige Folgen des Handelns in Rechnung stellen.

Die Zusammenhänge zwischen der unabhängigen und den abhängigen Variablen wurden mittels Varianzanalysen geklärt. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Analysen waren mit Bezug auf den Vergleich zwischen „Rechten“ und „Linken“:

(I) Die Personen, die den „Rechten“ zugeordnet wurden, hatten auf der Skala zur Messung von Rechtsautoritarismus durchschnittlich höhere Punktzahlen erreicht als die Personen, die den „Linken“ zugeordnet wurden, auf der Skala zur Messung von Linksautoritarismus erreicht hatten.

(II) “Linke” hatten signifikant negativere Einstellungen zu Krieg als “Rechte.

(III) Platzhalter-Autoritäre und „Rechte“ hatten signifikant positivere Einstellungen zu körperlicher Züchtigung als Nicht-Autoritäre und „Linke“.

(IV) „Linke“ hatten signifikant positivere Einstellungen zu Gewalt in intimen Beziehungen als „Rechte“.

Wie der Autor selbst bemerkt stehen diese Ergebnisse – außer dem zuletzt genannten – im Einklang mit älterer Forschung, und der Autor schließt hieraus, dass „[i]n general, right-wingers and left-wingers may very well operate from different sets of cognitive schemas or frames … when it comes to their acceptance toward violence” (Benjamin 2014: 11). Er ist also der Auffassung, dass die Ergebnisse dafür sprächen, dass „linker“ und „rechter“ Autoritarismus unterschiedlichen „kognitiven Schemata oder Rahmen“ entstammen.

Wenn man bedenkt, dass der Autor diese Schlussfolgerung auf der Grundlage von nur wenigen Variablen trifft, von denen eine, die Einstellungen zu Gewalt in intimen Beziehungen, „Linke“ und „Rechte“ statistisch signifikant voneinander unterscheidet, scheint seine Schlussfolgerung eher zweifelhaft.

Benjamin TableZweifelhaft erscheint sie auch insofern als statistisch signifikante negative Zusammenhänge sowohl bei „Rechten“ als auch bei „Linken“ mit dem Ausmaß bestanden, in dem Befragte die zukünftigen Folgen ihrer Handlungen in Rechnung stellen, und mit dem Ausmaß, in dem Befragte über Dinge nachdenken und es ihnen Freude macht, über Dinge nachzudenken (s. Table 1 in Benjamin 2014: 13). „Rechte“ und „Linke“ teilten in dieser Studie also Rigidität im Denken oder kognitive Geschlossenheit. Am Beginn seines Textes hatte Benjamin dieselbe allein mit „Rechten“ in Verbindung gebracht:

„Right-wing authoritarians are not known for their cognitive complexity. Rightwing
authoritarians, according to Altemeyer (1981, 1988, 1996) tend to see the world in black and white, in terms of absolutes. They are not generally interested in looking for the nuances in an argument, or for handling the ambiguities that characterize life in a diverse democratic republic” (Benjamin 2014: 8).

Darauf, dass seine Daten auch für „Linke“ kognitive Geschlossenheit gezeigt haben, und man aus dieser Gemeinsamkeit die Schlussfolgerung hätte ziehen können, dass trotz einiger Unterschiede bezüglich einzelner Felder oder Kontexte der Gewaltanwendung „rechter“ und „linker“ Autoritarismus durchaus dieselben Grundlagen hat, nämlich Rigidität im Denken oder kognitive Geschlossenheit, geht der Autor nicht ein.

Er geht auch nicht darauf ein, dass man über die Qualität der von ihm verwendeten Skalen zur Messung von Links- und Rechtsautoritarismus bzw. der in ihnen enthaltenen Items trefflich streiten könnte. So fällt auf, dass die Items zur Messung von Linksautoritarismus „härter“ sind als diejenigen zur Messung von Rechtsautoritarismus. Erstere stellen u.a. auf harte Bestrafung ganzer Bevölkerungsgruppen ab, während Letztere u.a. auf die Erziehung von Kindern zur Gehorsam und Respekt vor Autoritäten abstellen. Zweifellos ist es für einen Menschen mit Gewissen einfacher, den letzteren Items zuzustimmen als den ersteren. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die befragten Personen, die überhaupt als „Linke“ identifiziert wurden, auf der Skala zu Linksautoritarismus niedrigere Punktwerte erzielten als die Personen, die als „Rechte“ identizifiert wurden, auf der Skala zu Rechtsautoritarismus erzielten.

Die in mancher Hinsicht tendenziöse (Interpretation der) Studie verwundert denjenigen nicht, der die Veröffentlichungen von Benjamin kennt: Sie handeln fast alle von Gewalt, die mehr oder weniger deutlich mit „right-wing authoritarianism“ in Verbindung gebracht wird.[2] Es ist Benjamin gegenüber wohl keine Ungerechtigkeit, wenn man vermutet, dass er sich Links-Autoritarismus nur ausnahmsweise mit der Absicht oder Erwartung gewidmet hat, dass sich Links-Autoritarismus als nicht existent oder zumindest als gänzlich anderes Phänomen als Rechts-Autoritarismus erweisen würde. Aufgrund der Ergebnisse der Studie von Benjamin, die er wie gesagt nur teilweise in Worten berichtet, während andere nur als statistische Zusammenhangsmaße in Tabellen berichtet werden, muss man festhalten, dass diese Erwartung enttäuscht wurde.

Unabhängig von der inhaltlichen Fragestellung, die uns hier beschäftigt, kann auch das Folgende als Merksatz festgehalten werden:

Bei der Lektüre von Texten, die über empirische Forschungsergebnisse berichten, genügt es nicht die Darstellung in Worten zu lesen. Oft stehen die wichtigsten oder interessantesten Ergebnisse in den dem Text beigegebenen Tabellen!

Literatur:

Benjamin, Arlin James, Jr., 2014: Chasing the Elusive Left-wing Authoritarianism: An Examination of Altemeyer’s Right-Wing Authoritarianism and Left-Wing Authoritarianism Scales. National Social Science Journal 43(1): 7-13.

Endnotes:

[1] http://www.huffingtonpost.de/jan-ruebel/linke-gewalt-extremismus-_b_10988732.html

[2] Wer sich hiervon selbst überzeugen will, sei auf die folgende Liste der Publikationen von Benjamin verwiesen: https://scholar.google.com/citations?user=bNJlMYsAAAAJ


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Wissenschaft oder Ideologie: Hygienemaßnahmen

Warum ist Erich von Däniken eher ein Wissenschaftler als viele, die auf Lehrstühlen für Gender Studies, aber auch für Medienwissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, Kulturwissenschaft oder Pädagogik an Universitäten und Fachhochschulen sitzen?

Der gesammelte Däniken

Weil man die Ideen von Däniken und seine Aussagen über Besuche von Aliens auf der Erde prüfen kann bzw. Däniken sich bemüht, Belege für seine Behauptungen anzuführen, die man prüfen kann.

Bei vielen derjenigen, die Lehrstühle der genannten Fachbereiche besetzen und bei vielen, deren Fachbereich wir nicht direkt benannt haben, ist das nicht so. Sie verkünden und behaupten vieles, nutzen ihre Lehrstühle als Kanzel und predigen ihren Studenten das Heil.

Sie sind keine Wissenschaftler, sie sind Ideologen.

Die Unterschiede zwischen Wissenschaft und Ideologie, zwischen Wissenschaftlern und Ideologen, sie sind schnell benannt:

  • Wissenschaftler suchen nach Erkenntnis.
    Ideologen sind der Überzeugung, bereits alle Erkenntnis zu besitzen.
  • Wissenschaftler bringen Studenten Methoden bei, die zur Erkenntnisgewinnung notwendig sind.
    Ideologen erwarten von Studenten, dass sie die Heilslehre, die ihnen im Studium verkündet wird, auswendig lernen und nacherzählen können.
  • Wissenschaftler sind bemüht, Wissenschaft als kumulativen Prozess zu betreiben.
    Ideologen benötigen keinen kumulativen Prozess, da sie sich im Besitz der Wahrheit wähnen.
  • Wissenschaftler schätzen Kritik, denn durch Kritik werden Schwächen der eigenen Argumentation und Theorie aufgedeckt und können beseitigt werden.
    Ideologen fürchten Kritik, denn Kritik ist Indikator dafür, dass es Menschen gibt, die die Heilslehre der Ideologen nicht auswendig gelernt und internalisiert haben.
  • Wissenschaftler sind an Menschen interessiert, die zu eigenständigen intellektuellen Leistungen in der Lage sind.
    Ideologen sind an Menschen interessiert, die sich anbiedern und einordnen wollen, aus Angst davor, eine eigene Meinung formulieren zu müssen.
  • Wissenschaftler formulieren Aussagen, die an der Wirklichkeit scheitern können.
    Ideologen formulieren metaphysische Behauptungen, die sie als Gewissheit ausgeben.
  • Wissenschaftler sprechen eine deskriptive Sprache, die der Verständigung und dem wissenschaftlichen Streit zuträglich ist.
    Ideologen sprechen eine evaluative Sprache, zu der sie Zustimmung erwarten.
  • Wissenschaftler wollen sich mit anderen verständigen.
    Ideologen wollen andere belehren.
  • Wissenschaftler teilen die Welt in Menschen, die etwas zum wissenschaftlichen Fortschritt beitragen und solche, die das nicht tun.
    Ideologen teilen die Welt in Freunde und Feinde.

Die List der Unterschiede zwischen Wissenschaft und Ideologie, zwischen Wissenschaftlern und Ideologen, sie könnte an dieser Stelle noch fortgesetzt werden. Wir wollen es jedoch bei diesen Unterschieden, die wir für die wichtigsten halten, belassen und uns der Frage widmen: Woran erkennt man, dass man es mit Ideologen, die sich an einer Hochschule eingeschlichen haben, zu tun hat?

damonisierung-der-anderen_coverDie Antwort auf diese Frage werden wir in einer kleinen Miniserie geben, die sich entlang des Beitrags: „Die Dämonisierung der Anderen und die Inszenierung von Kritik als Häresie – Eine Replik auf die Abwertung von wissenschaftlicher Kritik an der so genannten Rassismuskritik durch Rassismuskritiker“ (Band 5 unserer Blauen Reihe) von Dr. habil. Heike Diefenbach entwickelt.

Ziel der Miniserie ist es, die Kriterien herauszuarbeiten, anhand derer man eindeutig feststellen kann, dass derjenige, der sich als Wissenschaftler ausgibt, keiner, sondern ein Ideologe ist.

Der Inhalt in kurzer Zusammenfassung:

Ideologen sind nicht an Themen oder an Erkenntnis interessiert. Sie verwenden den Forschungsbereich, in dem sie sich tummeln, lediglich als Etikett, um Wissenschaftlichkeit vorzutäuschen. Dass sie nicht an Themen interessiert sind, zeigt sich daran, dass sie keinerlei inhaltliche Aussagen machen. Ihre Einlassungen haben alle einen evaluativen Charakter, weshalb man ihnen glauben kann oder eben nicht. So wie das bei Religionen der Fall ist, und Ideologie ist nichts anderes als eine Spielart von Religion (Thema in Teil 1).

Also weichen Ideologen inhaltlichen Diskussionen aus und versuchen, Kritik als solche zu diskreditieren.

Ideologen benutzen ein Freund-Feind-Schema, um von ihrer Unfähigkeit, inhaltlich zu argumentieren, abzulenken. Anstelle sich mit einer Thematik und mit Kritik auseinanderzusetzen, greifen sie diejenigen an, die Kritik äußern oder ihre Thematik wissenschaftlich und eben nicht ideologisch behandeln (Thema in Teil 2)

Weil Ideologen denken, sie wüssten bereits alles, ein Gedanke, den man nur haben kann, wenn Dummheit in ausreichendem Maße vorhanden ist, deshalb lernen sie nichts hinzu und sind entsprechend unfähig, wissenschaftliche Argumentationen und Diskussionen zu führen. Diese Unfähigkeit wird deutlich in geradezu erschreckenden Missverständnissen und Fehleinschätzungen über Grundbestände wissenschaftlicher Tätigkeit, seien sie inhaltlicher oder methodischer Art (Thema in Teil 3).

Schließlich sind Ideologen so in ihrer eigenen Welt gefangen, dass sie nicht anders können, als alle Informationen, die von außen in ihr Echochamber gelangen, vor dem Hintergrund ihrer Heilsvorstellung zu rahmen. Deshalb ist es möglich, Ideologen anhand ihrer eigenen Vorurteile bloßzustellen (Thema in Teil 4).

„Das Schmollen der Weiber“

Das Schmollen der Weiber, so hat Ludwig Börne im Jahr 1823 die Übernahme einer pauschalen Opferrolle genannt, mit der die Weiber versuchten, ihren Willen auch wider die besseren Argumenten oder die überhaupt vorhandenen Argumente rationaler Zeitgenossen durchzusetzen.

damonisierung-der-anderen_coverDr. habil. Heike Diefenbach hat das Buch von Börne ausgegraben als sie mit dem Text beschäftigt war, den wir heute als neuesten Zugang in der Blauen Reihe von ScienceFiles veröffentlichen: „Die Dämonisierung der Anderen und die Inszenierung von Kritik als Häresie. Eine Replik auf die Abwertung von wissenschaftlicher Kritik an der so genannten Rassismuskritik durch Rassismuskritiker.“

Der neue Text ist einerseits eine Fortschreibung, andererseits eine Reaktion. Er ist eine Fortschreibung des als Band 2 der Blauen Reihe erschienenen Textes „Rassismus und Rassismuskritik. Kritische Anmerkungen zum neuen Rassismusdiskurs in der deutschsprachigen Öffentlichkeit und Sozialwissenschaft“, in dem sich Dr. habil. Heike Diefenbach konstruktiv mit Rassismuskritik auseinandersetzt, um durch Kritik zu einer Verbesserung des derzeitigen Zustands der Rassismuskritik beizutragen. Derzeit ist Rassismuskritik nämlich wenig mehr als eine vor-wissenschaftliche Disziplin im Sinne von Thomas Kuhn, in der es noch keine epistemologische Basis gibt und deren Vertreter sich durch das auszeichnen, was man den methodischen Turm zu Babel nennen könnte, auf dem Wie-kommt-mir-die-Welt-vor-Einfältige, Weltverbesserungsbedürftige, Opportunisten, Spinner und Ideologen einen solchen Lärm veranstalten, dass die wenigen Versuche, Wissenschaft zu betreiben, von den wenigen, die außerhalb der Rassismuskritik eine wissenschaftliche Ausbildung erfahren haben, niedergeschrien werden.

Entsprechend musste man annehmen, dass ein Text wie „Rassismus und Rassismuskritik“, in dem ein Weg in die Normalwissenschaft gewiesen und gezeigt wird, wie man die vielen Scharlatane, die sich in der Rassismuskritik tummeln, nicht nur ausmachen, sondern auch loswerden kann, dazu führt, dass sich die Spreu der Ideologen vom Weizen der Wissenschaftler trennt.

Und so ist es auch gekommen.

Der Text hat eine weite Verbreitung gefunden, und er wird breit diskutiert, von denen, die Wissenschaftler sind und daran interessiert sind, Erkenntnis zu gewinnen und Wissenschaft zu betreiben.

Mit dem Text ist es Dr. habil. Heike Diefenbach auch gelungen, in das Echo-Chamber einzudringen, in dem die gedroschene Spreu versammelt ist. Nun war vorherzusehen, dass der Text für manche, die es bislang nur zur Spreu gebracht haben, die Möglichkeit der Metamorphose eröffnet, um von der Spreu zur Wissenschaft zu gelangen, um Wissenschaftler zu werden, so wie es vorherzusehen war, dass der harte Kern, um mit Imre Lakatos zu sprechen, der harte Kern jener Unbeirrbaren, die sich lieber eine blutige Stirn holen, als dass sie einsehen, dass sie eine Mauer nicht mit dem Kopf einschlagen können, auf den Text so reagieren würde, wie Weiber auf etwas reagieren, das ihre Opferrolle in Zweifel zieht: Mit Gift und Galle.

Und Mangels entsprechender Kompetenzen bleibt den Unintelligenten nur Beleidigung und Diffamierung und das Schmollen der Weiber.

Damit sind wir bei

  • facepalm-GodzillaInci Dirim,
  • Maria do Mar Castro Varela,
  • Alisha M. B. Heinemann,
  • Natascha Khakpour,
  • Doris Pokitsch und
  • Hannes Schweiger

die bis auf eine Ausnahme, Castro Varela hat eine Quotenprofessur an der Alice Solomon Fachhochschule Berlin, an der Universität Wien beschäftigt sind.

Sie haben das verfasst, was wir einen Rudeltext nennen, ein gemeinsames Pamphlet, in dem es vornehmlich darum geht, Dritte zu diffamieren, zu verleumden oder zu beleidigen und gegen alle Regeln und jede Ethik der Wissenschaft zu verstoßen. Der Zweck ihres Rudeltextes „Nichts als Ideologie? Eine Replik auf die Abwertung rassismuskrititscher Arbeitsweisen“ ist es, Kritiker an der Rassismuskritik zu dämonisieren. Dass der Text keinem anderen Zweck dient, das kann man leicht anhand der vielen Fehler und Unzulänglichkeiten darlegen, die Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer Replik aufzeigt und behandelt (im doppelten Sinne gemeint):

Die Rudelautoren, Dirim et al., haben keinerlei Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung, wie daran deutlich wird, dass sie auf kein einziges der Argumente eingehen, die Dr. habil. Heike Diefenbach gemacht hat, um Rassismuskritik zu einer Wissenschaft zu machen. Ihr Interesse besteht von der ersten bis zur letzten Seite darin, Kritik an der Rassismuskritik zur Häresie zu erklären. Kritiker werden ausgegrenzt und zu Feinden erklärt, die vom „wir“ derjenigen, die in die Religion der Rassismuskritik wie sie an der Universität Wien als Eucharistie-Feier mit Studenten zelebriert werden soll, abweichen. Die Systematik folgt dabei der Systematik, die die Amadeu-Antonio-Stiftung als Indikator für eine rechtsextreme Orientierung ansieht. Entsprechend haben wir es wohl mit Rechtsextremen zu tun (und wer würde an den Kriterien der Amadeu-Antonio-Stiftung zweifeln?).

Nun haben wir oben geschrieben, dass diejenigen Beleidigung und Diffamierung zum Mittel ihrer Wahl erklären, deren Intelligenz nicht ausreicht, um mit Argumenten auf Kritik zu reagieren. Als weitere Indizien dafür, dass diese Hypothese über die Ursache der Beleidigung und Diffamierung, die Dirim et al. als Mittel der Wahl ansehen, zutrifft, können die folgenden Punkte angeführt werden, die wir im Verlauf der nächsten Wochen mit den jeweiligen Stellen aus dem Text von Dr. habil. Heike Diefenbach unterfüttern werden.

Die Liste der Fehler im Text von Dirim et al., an dem sechs Autoren, zwei Herausgeber und ein Lektor gewurschtelt haben, sind ein herausragender Beleg dafür, dass die Genannten nicht in der Lage sind, eine wissenschaftliche Position zu füllen, denn: Es fehlen ihnen schlicht die dazu notwendigen Kenntnisse, kein Wunder, dass Dr. habil. Heike Diefenbach zu dem Schluss kommt, die Kritikfeindlichkeit der genannten Rassismuskritiker sei Ergebnis des Versuches, sich an Universitäten einzunisten und im „warm glow“ der Wissenschaft zu sonnen, obwohl man keinerlei Ahnung und Fähigkeiten zum Betreiben von Wissenschaft hat.

Die Liste der Mängel im 11 Seiten Text der sechs Autoren des Rudeltextes (Dirim et al.), sie ist beeindruckend:

  • boerne-schmollenEs wimmelt von unbelegten Behauptungen: Wissenschaftler zitieren und belegen Behauptungen, insbesondere dann, wenn sie behaupten, dass die Behauptungen, die sie vorbringen, von anderen vorgebracht worden wären.
  • Im Text finden sich eine Reihe von Beleidigungen und Diffamierungen und somit eine Textart, die in wissenschaftlichen Texten gänzlich unbekannt ist.
  • Die Autoren gefallen sich darin, unzählige Fehlschlüsse zu begehen. Häufig finden sich Fehlschlüsse ad auctoritatem und ad hominem. Ergänzt werden diese Fehlschlüsse durch die im Text allgegenwärtige petitio principi, ebenfalls ein logischer Fehler und abgerundet wird die Fehlerorgie, die als wissenschaftlicher Text verkauft werden soll, durch genetische Fehlschlüsse.
     
  • Dirim et al. sitzen einer Vielzahl von Irrungen und Wirrungen auf, die in der Wissenschaft schon vor Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten ausgeräumt wurden
    • Sie glauben, es gäbe in der Wissenschaft jemanden, der an absolute Objektivität glaube.
    • Sie glauben, es gäbe in der Wissenschaft jemanden, der verifizieren wolle.
    • Sie glauben, es gäbe in der Wissenschaft jemanden, der Werturteile verbieten wolle.
    • Mehr randständig zu dem, was Wissenschaft ist, als die Autoren es sind, kann man wirklich nicht sein.
  • Dirim et al. sind Anhänger einer Verschwörungstheorie, bei der sie sich von Feinden umstellt sehen, die ihre Rassismuskritik und die damit verbundene politische Korrektheit, wie sie schreiben, delegitimieren und in Misskredit bringen wollen. Wer genau die Bösen sind, die versuchen, das nicht legitimierte zu delegitimieren, ist ein Geheimnis, das nur im Kreise der Sektenmitglieder, denn um solche handelt es sich hier, gelüftet werden darf.
  • Schließlich zeichnen sich Dirim et al durch eine unglaubliche Hilflosigkeit und Unbedarftheit aus, die sich nicht nur darin äußert, dass sie das Ergebnis wissenschaftlicher Debatten, die vor mehreren Jahrzehnten beendet wurden, nicht kennen oder darin, dass sie Fehler über Fehler begehen. Nein, am deutlichsten zeigt sich ihre Unbedarftheit und Hilflosigkeit darin, dass es keinerlei positiven Teil gibt. An keiner Stelle kommen die Autoren auf die Idee, der Kritik mit Argumenten zu begegnen. An keiner Stelle kommt ihnen der Gedanke, man müsse, wenn man behauptet, eine Kritik sei unzutreffend, angeben, warum die Kritik nicht zutreffend ist.
  • Die Fähigkeiten von Dirim et al. beschränken sich darauf, zu unterstellen, zu behaupten, zu beleidigen und sich ansonsten als Opfer zu inszenieren.

Deshalb: Das Schmollen der Weiber.

Die oben genannten Facetten des Schmollens werden wir in den nächsten Wochen im Einzelnen beleuchten. Wer nicht so lange warten will, kann hier bereits den gesamten Text von Dr. habil. Heike Diefenbach lesen.

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