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Wahlnachtreten, Ergebniskosmetik und Experten, bei denen ein Satz reicht, um sich lächerlich zu machen

Kennen Sie die Magie der Wahlergebnisse?
Diese Magie:

Zwischen der linken und der rechten Abbildung liegen gut neun Stunden.
Und in diesen neun Stunden hat sich der Stimmanteil der AfD bei 16 bis 24jährigen um ein Prozent verringert, der der FDP um ein Prozent erhöht.
Das ist Magie.
Denn beide Abbildungen basieren auf DENSELBEN Daten.
Daten, die im Rahmen einer Nachwahlumfrage [Interviewer lauern Wählern vor Wahllokalen auf] erhoben wurden.
Diese Daten lagen um 18:27 Uhr  in genau derselben Weise vor, in der sie um 02:49 Uhr vorlagen.
Und dennoch: In neun Stunden verändert sich das Ergebnis, obschon die Daten identisch sind.

Was tut man in öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht alles, damit man nicht sagen muss, die AfD habe bei 16 bis 24jährigen gemeinsam mit der CDU/CSU den höchsten Stimmenanteil erzielt. Ein wenig im Rahmen des Rundungsfehlers manipulieren, die AfD herunterrunden, die FDP nach oben, bei keiner anderen Partei gibt es eine Veränderung, und schon ist die kleine Redakteurswelt in Ordnung und man kann schreiben:

„CDU und CSU haben dazugewonnen und führen das Ranking an. 17 Prozent haben bei der Union ihr Kreuz gemacht …“.

Und die AfD weglassen.

Es sind solche kleinen Betrügereien, die den Wahlverlierer neue Hoffnung schöpfen lassen, Hoffnung, die von „Experten“ bestärkt wird, die sich bei näherem Hinsehen und ob des Bemühens, die vielen Stimmen, die die AfD von jungen Menschen erhalten hat, zu relativieren, als Ahnungslose, wenn nicht Scharlatane erweisen:

„Die Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen hat ihre eigenen Favoriten: Die meisten Stimmen bekamen Union und AfD, aber fast ein Drittel aller Stimmen ging auch an Kleinstparteien. Was steckt dahinter?

Von Torben Ostermann, ARD Berlin

Wenn man sich anguckt, wie Menschen zwischen 16 und 24 Jahren bei der Europawahl abgestimmt haben, wird eins schon auf den ersten Blick deutlich: „Die eine Partei, die man ein Leben lang wählt, das ist etwas, das sich bei jungen Menschen überhaupt nicht abzeichnet als ein Muster für ihre Wahlbiografie“, sagt Torsten Faas, Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin.

Tatsächlich haben junge Menschen dieses Mal ganz anders gewählt als noch 2019. CDU und CSU haben dazugewonnen und führen das Ranking an. 17 Prozent haben bei der Union ihr Kreuz gemacht, …

Wenn man sich ansieht, was Torsten Fass, Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, hier von sich gibt, wird eines auf den ersten Blick deutlich: Der „Politikwissenschaftler“ hat keine Ahnung und erzählt Unsinn.

Leicht aufzuzeigen.

Dass sich „die eine Partei, die man ein Leben lang wählt“, bei jungen Menschen überhaupt nicht abzeichnet, ist eine Behauptung, die Fass einfach so aus der ihn umgebenden Luft entnimmt. Denn um festzustellen, ob Leute ÜBER ZEIT dieselbe Partei wählen, benötigt man Längsschnittdaten: Wie hat X 2014 gewählt, wie hat X 2019 gewählt, wie hat X 2024 gewählt…? Damit kann man einen Anhaltspunkt gewinnen, ob er immer dieselbe Partei gewählt hat und vielleicht zu denen gehören wird, wenn er einst abtritt, die das ihr Leben lang getan haben, dieselbe Partei zu wählen.

Fass hat aber nur Daten für EINE Europawahl und auf deren Grundlage kann er seine umfassende Behauptung nicht aufstellen. Er erzählt Mist.

Und mit der Bemerkung „Tatsächlich haben junge Menschen dieses Mal ganz anders gewählt als noch 2019“, macht er alles noch schlimmer, und zwar deshalb, weil zwischen 2019 und 2024 fünf Jahre vergangen sind, und die jungen Menschen älter geworden sind, nicht mehr in die Klasse fallen, die Fass hier vergleicht, auf Basis von Ergebnissen, die aus Nachwahl-Umfragen stammen und somit ohnehin nur eine Stichprobe aller Wähler umfassen. Die „jungen Menschen“, die 2019 gewählt haben, haben mit den „jungen Menschen“, die 2024 ganz anders gewählt haben, ÜBERHAUPT nichts zu tun. Es sind ganz andere junge Menschen, die ganz anders gewählt haben, was die Tatsache, dass die „jungen Menschen“ 2024 ganz anders gewählt haben, erklärbar macht: Es waren ganz andere junge Menschen.

Warum sollten jungen Menschen 2024 genau so wählen wie junge Menschen 2019 gewählt haben?

Indes, die Frage, ob junge Menschen im Verlauf ihres Lebens immer dieselbe Partei wählen, bleibt davon vollkommen unberührt. Derzeit sind sie noch junge Menschen. Woher will Fass wissen, wen diese jungen Menschen, die 2024 ganz anders gewählt haben als junge Menschen 2019 gewählt haben, in dreißig Jahren, wenn sie dann noch leben, wählen werden?

Die Ausbildung an der FU-Berlin im Fach Politikwissenschaft umfasst offenkundig keinerlei Logik, keinerlei statistische Grundausbildung und vermeidet den Umgang mit zeitabhängigen Variablen, die natürlich jeder Ideologie im Weg stehen.

Und das Beste sind die Widersprüche, die Experte Fass fabriziert. Am Anfang des Textes war er ganz sicher, dass es die konstante Wahl bestimmter Parteien durch junge Menschen nicht geben wird. Am Ende hat er das vergessen:

„Fast jede dritte Stimme der jungen Wählenden ging an Kleinstparteien, die in Deutschland sonst kaum eine Rolle spielen. Das sei „außergewöhnlich in der Größenordnung“, urteilt Politikwissenschaftler Faas. … Viele Experten gehen davon aus, dass das in Zukunft so bleiben könnte.“

Es lebe der Qualitätsjournalismus, der zu Beginn eines Textes A behauptet und ein Ende aufweist, das dem Anfang  und seiner Behauptung widerspricht.


 

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