Lü(g)(ck)enpresse Leipziger Volkszeitung: Geht es um Gender, dann haben Journalisten die Hosen voll

Ein paar Vorbemerkungen.

Die Leipziger Volkszeitung gehört zu großen Teilen der SPD.

LVZDie Zeitung behauptet dennoch von sich „überparteilich und unabhängig“ zu sein.
Wie überparteilich und unabhängig die Zeitung ist, zeigt der folgende Beitrag, der in der LVZ erschienen ist und den uns ein Leser extra eingescannt hat. In ihm geht es um das selbe Urteil, aus dem wir gerade umfassend berichtet haben – für alle diejenigen, die es nicht wiedererkennen.

Welche Tabus es in einer Gesellschaft gibt, das kann man daraus ersehen, worüber nicht berichtet wird.

Eines der größten Tabus, an das sich der neue deutsche Journalist nicht traut, es hat mit Genderismus zu tun, damit, dass Genderisten nicht die Krone der Schöpfung sind, eher das Gegenteil und damit, dass Genderisten offensichtlich auch nicht davor zurückschrecken, andere zu diffamieren und absichtlich zu schädigen, wenn es darum geht, die gute Sache der Frauenförderung voranzutreiben.

Dieses Tabu durchzieht den Beitrag, den Mario Beck für die LVZ und zum Urteil der 7. Kammer des Landgericht Leipzig geschrieben hat:

LVZ Lueckenpresse

Es wird im Beitrag der LVZ nicht darüber berichtet, dass die Bevorzugung der Zweitplatzierten im Rahmen der Frauenförderung erfolgt ist. Statt dessen ist von „sachfremden Erwägungen“ die Rede.

Es wird im Beitrag der LVZ von einem „verleumderischen Gerücht über Ghanbari“, also Dr. G. aus unserem Beitrag, gesprochen, aber das Gerücht nicht benannt. Es ist offenkundig, dass man Leipziger Lesern der Volkzeitung nicht berichten will, wie z.B. der Vorwurf sexueller Nötigung gegenüber Männern eingesetzt werden kann und offensichtlich auch wird, um deren Leumund zu vernichten.

Es findet sich im Beitrag ein Hinweis darauf, dass in der Beweisaufnahme gelogen wurde, aber kein Hinweis darauf, wer gelogen hat. 

Entsprechend findet sich natürlich auch keinerlei Hinweis darauf, dass der Ausgangspunkt des Gerüchts, Ghanbari habe sich der sexuellen Nötigung schuldig gemacht, nach Überzeugung der Richter der Rektor der Universität Leipzig, Beate Schücking, ist, der die drei Richter von der 7. Kammer attestieren, dass ihr „die Behauptung unwahrer Tatsachen zur Durchsetzung ihrer Interessen nicht wesensfremd ist“. Statt dessen heißt es im Artikel der LVZ: „Die Klage gegen Schücking wurde abgewiesen“.

Dass die Klage nur deshalb abgewiesen wurde, weil der Freistaat Sachsen das Pech hat, als Dienstherr für die Leipziger Rektorin einstehen zu müssen, darüber finden sich bei der LVZ kein Wort.

Der Schreiber, Mario Beck, er hat offensichtlich die Hosen voll und bringt es nicht über sich, die Tatsachen zu beschreiben, die da lauten: Der Rektor der Universität Leipzig, Beate Schücking, hat nach der Überzeugung der Leipziger Richter der 7. Kammer einen männlichen Bewerber durch eine Lüge zu diskreditieren versucht, um auf diese Weise einen weniger geeigneten und qualifizierten weiblichen Bewerber im Zuge dessen, was man wohl als Schückingsche Frauenförderung bezeichnen muss, auf die ausgeschriebene Stelle zu hieven.

Wenn Journalisten nicht mehr in der Lage sind, derartige Verfehlungen und Rechtsbrüche beim Namen zu nennen und ordentlich zu berichten, dann sollten sie ihren Hut nehmen – allerdings, was erwartet man von einem Blatt im Eigentum der SPD?

Mobilmachung der Naiven: FAZ macht Wahlwerbung der besonders verlogenen Art

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) will, dass mindestens 80% der Erstwähler zur Wahl gehen. Letztes Mal waren es 64,2%. Das sind der FAZ zu wenig. Deshalb hat man bei der FAZ die Aktion „80 Prozent für Deutschland“ ins Leben gerufen, deshalb und um die Erstwähler als Probeabonnenten für die FAZ zu gewinnen. So eine Zeitung lebt eben nicht von der Wahlwerbung allein.

FAZ 80ProzentUm mindestens 80% Erstwähler an die Wahlurnen zu locken, geben sich die FAZler richtig viel Mühe. Sie versuchen, sich als Experten im Wählen zu gerieren und die möglichen Fragen, die man als Erstwähler so haben kann, zu beantworten. Zum Beispiel die Frage.

Warum ist eine hohe Wahlbeteiligung wichtig?

Die Antwort der FAZ:

Nur wenn möglichst viele Wahlberechtigte abstimmen, repräsentiert der Bundestag auch die gesamte Gesellschaft.

Denn darum geht es in einer Demokratie: Alle Menschen haben das gleiche Recht, gehört zu werden. Dies geschieht über die Wahl des Bundestages. Nur wenn du deine Stimme abgibst, können deine Interessen dort auch vertreten werden.

Das ist nun eine sehr eigenwillige Definition von Repräsentativität, die darauf hinausläuft, dass nur dann, wenn 100% der Wahlberechtigten auch wählen gehen und alle Stimmen gültig sind, der Bundestag die gesamte Gesellschaft repräsentiert. Sind es weniger, dann können die Interessen derer, die nicht gewählt haben, nicht vertreten werden.

Diese naive Sicht von repräsentativer Demokratie, die man als Kaspar Hauser-Demokratie bezeichnen könnte, spottet natürlich jeder Realität. Schon weil Bundestagsabgeordnete nicht die Interessen der Wähler vertreten, sondern bestenfalls die Interessen ihrer Partei, von der sie abhängig sind.

Oder: Wessen Interessen werden mit dem folgenden Gesetzen aus der 18. Legislaturperiode vertreten?

Und so weiter.

politicsInsgesamt wurden in der 18. Legislaturperiode bislang 751 Gesetzentwürfe eingebracht und 447 Gesetze verabschiedet. Alle natürlich im repräsentativen Interesse der repräsentierten Bevölkerung. Offenkundig ist das, was die FAZ Erstwählern erzählen will, grober Unfug, zumal die logische Folge aus der Behauptung, nur die Interessen derer, die wählen gingen, würden im Bundestag berücksichtigt, darin besteht, dass seit der ersten Bundestagswahl zu keinem Zeitpunkt die Bevölkerung durch den Bundestag repräsentiert wurde. Alle Bundestage hätten also mehr oder weniger partikulare Interessen der Klientel der jeweiligen Regierungsparteien vertreten. Und völlig unbeabsichtigt, haben die FAZler hier den Nagel auf den Kopf getroffen.

Tatsächlich werden in Bundestagen immer nur partikulare Interessen berücksichtigt. Nie die Interessen der Gesamtbevölkerung, schon weil das nicht möglich ist. Immerhin gibt es eine Opposition, inner- und außerparlamentarisch. Die Interessengleichschaltung, von der die FAZler den Erstwählern hier vorschwärmen, sie findet also nicht statt.

Es kann auch aus anderen Gründen nicht sein, dass im Bundestag die Interessen derer, die gewählt haben, vertreten werden. Es gibt rund 62 Millionen Wahlberechtigte in Deutschland. Ihnen stehen 630 Abgeordnete gegenüber. Das macht rund 100.000 Wähler mit ihren Interessen pro Abgeordneten. Wollen die FAZler wirklich behaupten, die Interessen von 100.000 Wählern würden durch einen Abgeordneten vertreten?

Schließlich gibt es auch ein logisches Argument, das sich aus dem Fehlschluss der Bejahung des Konsequens ableitet, den die FAZler hier begehen: Es ist durchaus möglich, dass die Interessen von Nichtwählern in Gesetzen, die im Bundestag verabschiedet werden, vertreten werden, z.B. als unbeabsichtigte Folge des Gesetzentwurfs.

In keinem Fall kann man also die Aussage, nur die Interessen dessen, der wähle, würden vertreten, aufrechterhalten. Sie ist schlicht und einfach Quatsch.

Tatsächlich sieht es so aus, dass die Interessen von Einzelnen in der Masse von 62 Millionen Wahlberechtigten untergehen und keine Rolle spielen, dass Abgeordnete in Bundestagen ihre und die Interessen ihrer Partei und manchmal, eher zufällig auch die Interessen mancher Wähler vertreten, zufällig schon deshalb, weil Abgeordnete die Interessen ihrer Wähler in der Regel nicht kennen. Möglicherweise kennen sie die Interessen mancher Wähler, die ihres Spezies zum Beispiel, aber sicher nicht die Interessen der Wähler.

Die FAZler erzählen also vollkommenen Unsinn.

Warum?

Diese Frage kann man auf zwei Arten zu beantworten versuchen.

SPD WahlplakatZum einen, in dem man die Frage nach der Motivation ergänzt. Was macht die FAZ plötzlich so an Erstwählern interessiert? Die Frage kann man transformieren, da die FAZ ein Wirtschaftsunternehmen ist, das auf Gewinn ausgerichtet ist: Was verspricht sich die FAZ von ihrer Erstwähler-Aktion? Sicher versprechen sich die FAZler keine Explosion der Abonnentenzahlen. So naiv sind nicht einmal die FAZler. Und so kommt man bei der Frage an: Wer bezahlt die FAZ dafür, dass sie sich besonders um die Erstwähler bemüht – was ja nicht unbedingt dem Geschäftsmodell einer Tageszeitung entspricht?

Weiß jemand eine Antwort?

Zum anderen kann man auch nach Indizien suchen, die sich auf der 80Prozent-Seite der FAZ verbergen, etwa solche:

„Was passiert bei einer geringen Wahlbeteiligung?

Wenige Stimmen können nur die Meinung derer wiedergeben, die zu den Wahlen gehen. Sind diese Meinungen extrem, scheint es so, als wären sehr viele Menschen in diesem Land der gleichen extremen Ansicht – obwohl das vielleicht gar nicht der Fall ist.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass eine geringe Wahlbeteiligung die soziale Ungerechtigkeit in einem Staat verstärkt. Das heißt, je weniger Bürger wählen gehen, umso ungerechter geht es in deinem Land zu. Es liegt also an dir, dies durch dein Kreuz auf dem Wahlzettel zu verhindern.“

Abermals wird hier kompletter Unsinn verbreitet. Dass eine geringe Wahlbeteiligung nicht in Extremismus endet, zeigen Kommunalwahlen, bei denen die Wahlbeteiligung in der Regel mindestens 20% unter der Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen liegt. Wer hätte je vom extremistischen Stadtparlament in Wanne Eickel oder Brunsbüttel gehört?

Wissenschaftler haben mit Sicherheit nicht herausgefunden, was die FAZ hier als Kausalität verkaufen will. Ein Wissenschaftler würde nie so weit gehen, die Korrelation, die er im besten Fall zwischen der Höhe der Wahlbeteiligung und der sozialen Gerechtigkeit in einem Land findet, als Kausalität auszugeben. Das machen nur Journalisten, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. FAZler zum Beispiel. Aber soweit kommen wir gar nicht, da es keine uns bekannten Untersuchungen gibt, in denen das herausgefunden worden wäre, was die FAZler hier OHNE QUELLENANGABE behaupten.

Dass es diese Ergebnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gibt, lässt sich schon daraus ableiten, dass es nahezu unmöglich ist, Gerechtigkeit oder soziale Gerechtigkeit so zu operationalisieren, dass man die behaupteten Ergebnisse erzielen kann. Letzteres ist ein ideologisches Konzept und entzieht sich folglich jeder wissenschaftlichen Behandlung. Ersteres ist ein relationales Konzept: Gerechtigkeit gibt es nicht an sich, sondern nur im Bezug auf etwas. Entsprechend müsste man Gerechtigkeit operationalisieren, z.B. als Wahrscheinlichkeit, mit guten Noten eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium zu erhalten. Man hätte somit Individualdaten. Das ist noch so eine Eigenschaft von Gerechtigkeit: Es gibt sie nicht nur nicht als absolutes Konzept, es gibt sie auch nur auf der individuellen Ebene. Ein bestimmter Schüler wird Opfer von Ungerechtigkeit. Und nun überlege man, wie es ein Wissenschaftler anstellen soll, die gesammelten Daten der Grundschüler des Jahres 2016/17 dahingehend zu operationalisieren, dass das Ausmaß von Ungerechtigkeit, die sich darin zeigt, dass Schüler mit besseren Leistungen z.B. schlechtere Grundschulempfehlungen erhalten haben als andere Schüler mit schlechteren Leistungen, erfasst werden kann. Möglicherweise gelingt es unserem Wissenschaftler, diese Leistung zu vollbringen. Und dann? Was macht er dann? Die Wahlbeteiligung gibt es auf der Aggregatebene. Sie ist ein kollektives Maß, das mit Gerechtigkeit erst einmal nichts zu tun hat.

Wahlbeteiligung bezieht sich auf alle Wähler, unser Maß für Gerechtigkeit nur auf einen kleinen gesellschaftlichen Bereich. Wollte man beides zusammenbringen, dann müsste man die Hypothese aufstellen, dass Bundestage, deren Abgeordnete von wenigen Wählern gewählt werden, bewusst Gesetze erlassen, um bestimmte Schüler zu schädigen. Um von hier umfassende Aussagen über Gerechtigkeit machen zu können, müsste man das Verfahren, das wir für den Bereich der allgemeinen Schulbildung dargestellt haben, auf alle anderen gesellschaftlichen Bereiche, die für Gerechtigkeit relevant sind, ausdehnen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb gibt es keine wissenschaftliche Arbeit, die das je versucht geschweige denn erreicht hätte.

Die FAZler lügen.

Warum lügen Sie?

Weil Sie Panik vor Extremismus verbreiten wollen. Extremismus meint natürlich die AfD. Die FAZ will Erstwähler, von denen bekannt ist, dass sie vornehmlich CDU/CSU, SPD oder Grüne wählen, zur Wahl motivieren, um die AfD zu verhindern. Wahlhilfe für die SPD oder für die CDU oder die Grünen? Finanziert von einer der Parteistiftungen oder einer der Bundesparteien?

Wahlen haben natürlich nichts damit zu tun, dass man als einzelner Wähler sichern könnte, dass die eigenen Interessen durch die Abgeordneten vertreten werden. Zum einen ist der Gedanke angesichts des Verhältnisses von einem Wähler unter 60 Millionen Wahlberechtigten schlicht lächerlich. Zum anderen ist die Annahme, dass Abgeordnete sich um die Interessen ihrer Wähler kümmerten, sich nur um diese Interessen kümmern würden, ein Mythos, der dazu beitragen soll, die Legitimation des politischen Systems zu beschaffen, um die es bei Wahlen eigentlich geht. Nicht die Einbringung der eigenen Interessen durch Wahl ist Gegenstand von Wahlen, sondern die Legitimation des politischen Systems im Allgemeinen, der Legislative, die der Bundestag darstellt, der Regierung, die von ihm gewählt wird, und letztlich all der Gesetze und Resolutionen, die innerhalb der folgenden Legislaturperiode getroffen bzw. verabschiedet werden. Deshalb ist eine hohe Wahlbeteiligung wichtig, denn je mehr Wahlberechtigte auch zur Wahl gehen für umso mehr Wähler können Parlamentarier und Regierungsmitglieder nachträglich behaupten, sie wären durch sie legitimiert und würden deren Interessen vertreten.

Warum sich die FAZ 80 Prozent bei Erstwählern zum Ziel gesetzt hat, wo die FAZler doch selbst argumentieren, dass ein Bundestag, der nur von 80% gewählt wurde, die Bevölkerung nicht repräsentiert, ist eine Frage. Eine andere Frage ist, wieso die FAZler bei Erstwählern eine Wahlbeteiligung anstreben, die es in keiner anderen Altersgruppe gibt. Wollen Sie den Grundstein dafür legen, dass irgend ein Politiker nach der Wahl behaupten kann, man müsse die Interessen der Erstwähler mehr als die Interessen aller anderen Wähler berücksichtigen, weil die Wahlbeteiligung unter Erstwählern höher gewesen sei, etwa so, wie uns das nach dem BREXIT vorexerziert wurde, als Journalisten in Deutschland sich nicht entblödet haben, davon zu schwadronieren, dass die Mehrheit der Alten, die gegen einen Verbleib in der EU gestimmt hat, angeblich die Zukunft der Jungen verspielt, die mehrheitlich nicht zur Wahl gegangen sind und wenn sie zur Wahl gegangen sind, mehrheitlich für einen Verbleib in der EU gestimmt haben?


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Flüchtlingskriminalität und ARD-Manipulateure: Wenn aus einer Zunahme ein Rückgang wird

Wie dumm muss man sein, um dem neuerlichen Manipulations-Versuch der ARD auf den Leim zu gehen?

Weil Flüchtlinge bei der ARD nicht besonders kriminell sein dürfen und die Redakteure bei der ARD sich immer noch Augen und Ohren zuhalten, wenn einfache kriminologische Erkenntnisse ausgesprochen werden wie die, dass Kriminalität durch Zuwanderung steigt und dass dann, wenn vornehmlich junge Männer zuwandern, die Kriminalität stärker steigt, einfach nur deshalb, weil junge Männer, ob Flüchtlinge oder Deutsche, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, sich kriminell zu verhalten, als der Rest der Bevölkerung, versuchen sie, ihre Leser auf das Primitivste zu manipulieren:

ARD Manipulation Fluechtlinge„Ein Kapitel der Kriminaltstistik befasst sich auch mit dem Zusammenhang zwischen Kriminalität und Zuwanderung. Die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer ist demnach im vergangenen Jahr um 52,7 Prozent gestiegen – auf 174.438. Die Zahl ist damit deutlich weniger stark gestiegen als im Vorjahr, als der Anstieg gemäß dem Jahreslagebild des Bundeskriminalamts noch 91 Prozent betragen hatte.“

Die ARD will also suggerieren, dass die Kriminalität bei Flüchtlingen – gemessen an den ermittelten Tatverdächtigen – geringer geworden sei. Interessant sind hier die Daten, die die ARD verschweigt.
Rechnen wir also ein wenig.

In 174.438 tatverdächtigen Flüchtlingen des Jahres 2016 ist eine Steigerung von 52,7% enthalten, so die ARD. Eine Steigerung von 52,7% entspricht 60.202 tatverdächtigen Flüchtlingen, die im Jahr 2016 mehr in der Kriminalstatistik erfasst wurden als 2015. Dementsprechend müssen 2015 114.236 tatverdächtige Flüchtlinge erfasst worden sein. Wenn 114.236 tatverdächtige Flüchtlinge im Jahr 2015 eine Steigerung um 91% im Vergleich zu 2014 darstellen, dann müssen im Jahr 2014 59.809 tatverdächtige Flüchtlinge erfasst worden sein. Die Steigerung um 91%, die 2015 im Vergleich zu 2014 gegeben war, entspricht somit 54.427 tatverdächtigen Flüchtlingen, während die Steigerung um 52,7% im Vergleich der Jahre 2016 und 2015, die die ARD als Rückgang verkaufen will, 60.202 tatverdächtigen Flüchtlingen entspricht.

Die Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge hat also im Vergleich der Jahre 2016 und 2015 abermals zugenommen von 54.427 im Vergleich der Jahre 2015 und 2014 auf 60.202 im Vergleich der Jahre 2016 und 2015, obwohl die Steigerungsrate für das Jahr 2016 im Vergleich zum Jahr 2015 mit 52,7% geringer ausgefallen ist als im Vergleich der Jahre 2015 und 2014, für die sie 91% betragen hat. Des Rätsels Lösung besteht in der Basis der Prozentuierung, die für die Steigerung von 91% eine geringere ist als für die Steigerung von 52,7% [Bei 10 Tatverdächtigen stellen 9 mehr einen Zuwachs um 90% dar, bei 20 Tatverdächtigen sind 10 mehr ein Zuwachs um 50%).

Die ARD versucht also mit einem Trick aus dem Schmierenjournalismus, ihre Leser hinters Licht zu führen, in dem sie einen geringeren Anstieg in der Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge zu suggerieren versucht, den es nicht gibt, denn tatsächlich verstecken sich hinter den 52,7% 60.202 tatverdächtige Flüchtlinge und somit mehr als hinter den 91%, denen 54.427 Flüchtlingen entsprechen.

Abermals wird auf einem öffentlich-rechtlichen Sender versucht, die Leser in den Glauben zu manipulieren, die Kriminalität unter Flüchtlingen gehe, gemessen an den ermittelten Tatverdächtigen, zurück. Tatsächlich nimmt die Kriminalität – gemessen an ermittelten tatverdächtigen Flüchtlingen aber zu.

Für ARD-Faktenfinder sind Diffamierungsversuche offenbar Fakten

Die ARD tut etwas.

Sie geht gegen FakeNews vor.

Die Faktenfinder sollen Fakten finden und damit FakeNews entlarven.

Nicht bei der ARD.

Nein, bei anderen, bei den Nachdenkseiten zum Beispiel.

nds_logo_neuLinke Medien machen mobil gegen linke Medien, so könnte man formulieren und sich zurücklehnen, wäre es nicht so, dass der ARD-Faktenfinder Patrick Gensing, der eine gewisse Geschichte hat, wenn es darum geht, Problembürger, worunter wohl auch Albrecht Müller, der Betreiber der Nachdenkseiten für ihn fällt, zu bekämpfen, in seinem Versuch, mit der Zurückhaltung eines Schlagbohrers subtile Hinweise darauf zu verbreiten, dass alternative Medien generell schlecht sind und täte er dies nicht auf eine so unterirdisch dumme Art und Weise.

Nämlich so:

(1) Die NachDenkSeiten bezeichnen sich selbst als „Die kritische Website“. Es handelt sich dabei um ein Projekt, das 2003 von dem ehemaligen SPD-Politiker Albrecht Müller gegründet wurde. (2) Mitherausgeber Wolfgang Lieb, ebenfalls Ex-SPD-Politiker, zog sich 2015 von dem Projekt zurück. Er kritisierte in einer Erklärung die Methoden der Kritik und die Art der Auseinandersetzung auf der Seite. (3) Die „Frankfurter Rundschau“ zählte die NachDenkSeiten zu einer neuen Gegenöffentlichkeit, die gegen eine vermeintliche Gleichschaltung der deutschen Medien anschreibe und dabei (4) keine Berührungsängste mit rechten Personen und Positionen und Verschwörungstheorien habe.

Soll das subtile Diffamierung sein? Es wirkt eher, wie der müde Versuch eines in schlechter Management-Literatur (Wie man seinen Gegner fertig macht Oder: Sich auch ohne jedes Argument durchsetzen) Belesenen, seinen Lesern Unvermögen als herausragende Leistung zu verkaufen.

Wir haben den Diffamierungs-Versuch von Gensing aus Sicht von Manipulation und Logik analysiert und die wichtigsten Absätze nummeriert.

(1) und (2): Holzhammermanipulationsversuche:

DilbertClichesSpitze Finger zeichnen den Diffamator aus der Mittelschicht aus. Der ehemalige SPD-Politiker, Albrecht Müller, der das übrigens immer noch ist, SPD-Politiker, er betreibe seit 2003 eine Seite, die sich selbst als „kritische Website“ bezeichne. Man selbst, also Gensing, käme natürlich nie auf die Idee, diese Seite als „kritische Website“ zu bezeichnen, schon weil Personen wie Gensing keine Ahnung haben, was Kritik eigentlich ist. Als öffentlich-rechtlicher Jasager hat Gensing schon bei Eintritt in den Claqueur-Dienst das Kritik-Zölibat, das allein zum öffentlich-rechtlichen Journalismus qualifiziert, abgelegt.

Nachdem Gensing seinen Lesern also nahegelegt hat, die Seite, die sich als „kritische Website“ bezeichnet, nicht als „kritische Website“ zu sehen, legt er noch nach, dass Mitherausgeber Wolfgang Lieb sich 2015 zurückgezogen habe: Mit Kritik an der Art der Auseinandersetzung auf der Seite habe er das getan (das ist offensichtlich alles, was es für die Zeit von 2003 bis 2015 über die Nachdenkseiten zu sagen gibt – in der Sozialforschung spricht man hier von einem Selektionsbias, ein Euphemismus für krude Manipulation).

Aus dem, was Gensing hier zusammenklaubt, kann man schließen, dass die kritische Website, erst als Lieb sich mit Kritik zurückgezogen hat, nicht mehr kritisch war und dem Teufel verfallen ist (zu dem wir unten noch kommen und der natürlich rechts wohnt). Man kann daraus auch schließen, dass die kritische Website schon immer „Methoden der Kritik und der Auseinandersetzung“ verwendet hat, die Lieb kritisierbar gesehen hat. Man muss daraus schließen, dass die Seite Kritik benutzt und entsprechend „kritisch“ ist.

Das ist gewöhnlich das Problem von insinuativer Manipulation: Man muss sie anwenden können. Wer dilettiert wie Gensing, der widerspricht sich innerhalb von nur weniger Zeilen, und bestätigt der „kritischen Website“, von der er seinen Lesern suggerieren wollte, dass sie keine „kritische Website“ ist, ein kritische Website zu sein, auf der sogar die Herausgeber miteinander streiten. Demokratie live, wie man sagen könnte.

(3) und (4): logische Fehler/Fehlschlüsse

Logik f dummiesArgumentum ad auctoritatem: Ausgerechnet die Frankfurter Rundschau, von der nun wirklich nicht bekannt ist, dass sie ein Monolith der Wahrheit sei, wird als Autorität von Gensing angeführt, um die Nachdenkseite als Seite zu charakterisieren, die Affinität zur politischen Rechten hat. Das hat schon etwas von einem argumentum ad ridiculum, denn aus Sicht der Frankfurter Rundschau haben vermutlich 90% der Bundesbürger eine Affinität nach Rechts, einfach deshalb, weil von Linksaußen so ziemlich alles rechts ist. In jedem Fall zeigt sich schon eine gewisse Verzweiflung, wenn man den eigenen Versuch der Diffamierung auf die Autorität der Frankfurter Rundschau stützen muss. Es ist, als hätte Osama Bin Laden Carlos als sein Alibi dafür anführen wollen, dass er mit Terrorismus nichts am Hut hat oder als wollte Patrick Gensing Konrad Kujau dafür ins Feld führen, dass Berichte in den Medien immer richtig und wahr sind.

Schließlich findet sich das, was wir zwischenzeitlich als den Fehlschluss durch Assoziation bezeichnen. Er ist eine Variante des genetischen Fehlschlusses und unterstellt eine Art Bazillus, das sich über Kontakt verbreitet. Wer demnach „keine Berührungsängste mit rechten Personen und Positionen“ hat, der ist infiziert, so will uns Gensing mitteilen, der offensichtlich Berührungsängste hat, was misslich ist.

Warum? Nun, Demokratien basieren auf dem Wettstreit von Ideen. Um diesen Wettstreit abhalten zu können, muss man neue Ideen, andere Ideen, selbst radikale Ideen und solche, die aus dem anderen politischen Lager kommen, zulassen. Denn Demokratie ist als Gegenteil zu intellektueller Inzucht konzipiert, wie sie heute in öffentlich-rechtlichen Medien und in weiten Teilen der politische Kaste praktiziert zu werden scheint. Der frische Wind in Demokratien kommt von den neuen Ideen und deshalb kann man dann, wenn man Demokrat sein will, weder Ideen ausschließen noch Berührungsängste mit ihnen haben. Also hat sich Gensing hier zum Opfer seiner Reductio ad absurdum gemacht: Er ist es, der Berührungsängste hat. Er ist es, der sich in seinem Echozimmer einschließt und sich die Ohren verstopft, um nichts hören zu müssen, was er nicht hören mag. Und damit macht er sich zu einem totalitären Geist, der alles niederschreiben will, was nicht seiner ideologischen Vorstellung entspricht. Er ist eben kein Demokrat. Er ist ein ARD-Faktenfinder, der nur dort nach vermeintlichen Fakten sucht, wo er mit Sicherheit keine Fakten findet, die seiner Ideologie widersprechen.

Auf uns machen die Faktenfinder der ARD den Eindruck als hätten sich hier Analphabeten zusammengetan, um den Duden neu zu schreiben.

Das sagen die Nachdenker auf ihren Seiten zu den Diffamierungsversuchen der ARD.

Mitläufereffekt: Plötzlich ist eine Mehrheit für Zensur

Schon 1975 hat Kurt Holm in seinem Standardwerk über die Befragung den Mitläufereffekt als Mittel der Meinungsmanipulation in Umfragen beschrieben. Den Befragten wird suggeriert, dass zu einer bestimmten Frage bereits eine Mehrheit oder eine Obrigkeit oder eine Autorität zu einem bestimmten Urteil gekommen ist und dann werden die Befragten gefragt, zu welchem Urteil sie denn kommen: „Dieser Appell an den Mitläufereffekt“, so schreibt Holm, hat „natürlich nur einen Sinn, wenn der Befragte auch tatsächlich unter dem Eindruck steht, dass so wie er denkt und handelt, auch viele andere denken und handeln, ohne offen darüber zu sprechen“ (Holm, 1983: 63).

Holm_Entsprechend kann der Mitläufereffekt auch als Variante sozialer Erwünschtheit angesehen werden, soziale Erwünschtheit, die darin besteht, mit seiner Meinung die Mehrheitsmeinung zu repräsentieren, sich als Mitglied der Mehrheit, der In-Group darzustellen, nicht als Außenseiter mit abweichender Meinung.

In jedem Fall führen Mitläufereffekt und soziale Erwünschtheit dazu, dass Befragte den Befragern nach dem Mund reden, was Letztere leidlich ausnutzen, wenn es darum geht, eine bestimmte Verteilung von Antworten in angeblich repräsentativen Befragungen herbei zu manipulieren.

YouGov leistet dies seit neuestem sogar in besonders innovativer Weise und in eigenen Worten dadurch, dass „1036 Personen ab 18 Jahren im Zeitraum vom 7. bis 11. April repräsentativ befragt“ wurden. Wie man repräsentativ befragt, ist eine Frage, die mit Sicherheit niemand bei YouGov beantworten kann, einfach deshalb nicht, weil die Formulierung vollkommener Unsinn ist.

Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, mit dem Wörtchen „repräsentativ“ jenen Köder zu legen, den Journalisten gerne fressen, so dass die Ergebnisse von YouGov ihren Weg in die Medien Deutschlands finden, sich dort in Schlagzeilen wie: „Mehrheit der Deutschen finden Gesetzentwurf gegen Hasskommentare sinnvoll“ niederschlagen.

Die Mehrheit der Deutschen hat mit Sicherheit keine Ahnung, was in dem Gesetzentwurf, den sie nach den Ergebnissen, die YouGov verkaufen will, „sinnvoll finden“, steht. Entsprechend muss diese Mehrheit, nicht der Deutschen, sondern der 1036 Befragten, die YouGOV zusammenbekommen hat, auf das Vertrauen, was YouGOV an Informationen über den Gesetzentwurf bereitstellt.

YouGov Stellt diese Informationen bereit:

You Gov Hasskomentare Grafik 1„Die Bundesregierung will stärker gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorgehen. Sie stimmte dem Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas zu. Dieser sieht vor, dass Betreiber sozialer Netzwerke innerhalb von 24 Stunden strafbare Inhalte löschen müssen. Sonst drohen im Extremfall bis zu 50 Millionen Euro Bußgeld. Sind Sie der Meinung, dass dieses Vorgehen sinnvoll ist, um gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorzugehen?“

Die Mehrheit der Befragten, die nicht wissen, was im Gesetzentwurf steht, erfährt von YouGov, dass das, was sie nicht kennen, von der Bundesregierung bereits abgesegnet wurde, dass Betreiber sozialer Netzwerke strafbare Inhalte löschen müssen, die zwar wenig mit Hasskommentaren und gar nichts mit FakeNews zu tun haben, aber dennoch mit beidem in Verbindung gebracht werden. Sie werden dann gebeten, anzugeben, ob das Gesetz, mit dem gegen strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken vorgegangen werden soll, ein Vorgehen, von dem sie zwar nicht wissen, wie es aussieht, so dass sie es auch nicht beurteilen können, von dem ihnen aber gesagt wurde, dass es gegen strafbare Inhalte gerichtet sei, also gegen Kriminalität und dass es die Bundesregierung bereits abgesegnet habe, auf jeden Fall sinnvoll ist, eher sinnvoll ist, eher nicht sinnvoll ist oder auf keinen Fall sinnvoll ist.

Und als wäre der Aberwitz nicht bereits auf die Spitze getrieben, geben nunmehr die Befragten, zu dem, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, weil es noch niemand weiß, nicht einmal Heiko Maas weiß es, eine Beurteilung darüber ab, ob das, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, sinnvoll ist.

Letztlich misst die Frage von YouGov, die man nicht anders als als vollkommenen Blödsinn bezeichnen kann, Blödsinn, der mit Manipulationsabsicht in die Welt gesetzt wird, nichts, gar nichts.

Das hindert YouGov natürlich nicht daran, reißerische Schlagzeilen zu formulieren und das Ergebnis den Pressevertretern anzudienen, die gerne auf solche Ergebnisse zurückgreifen, um ihre eigene Ideologie bestätigt zu finden.

Fragt man nun, wie es dazu kommt, dass Meinungsforscher ihre Aufgabe vor allem darin sehen, Zustimmung zu dem herbei zu manipulieren, was als politisch Korrekt angesehen wird, dann bieten sich eine Reihe von Erklärungen an:

Die Erklärung durch Opportunismus: Meinungsforscher finden, was der, der die Meinungsforscher bezahlt, gerne erfunden hätte.

Die Erklärung durch Inkompetenz: Mit dem Advent des Genderismus an Hochschulen sind Methoden der empirischen Sozialforschung und die dazu gehörigen Kenntnisse weitgehend verschwunden. Die meisten Absolventen haben keine Ahnung mehr von Reliabilität und Validität und kennen auch die Kunst des Frageformulierens nicht einmal mehr vom Hörensagen.

Die Erklärung durch Isomorphie: Meinungsforscher rekrutieren sich alle aus dem selben Meinungssumpf, zeichnen sich alle durch die selbe Unkenntnis im Hinblick auf die Methoden empirischer Sozialforschung aus und sind entsprechend darauf angewiesen, Fragen zu kopieren und zu verwenden, die andere Meinungsforscher, die genauso inkompetent sind, aber nicht so zögerlich, bereits formuliert haben.

Welche Erklärung zutrifft, ist anyones guess.


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Schulzens strömende Jungwähler: Humbug aus der Hexenküche der Meinungsforschung

Spiegel Online behauptet, Martin Schulz würden die Jungwähler zuströmen. Wird SPD-Schulz tatsächlich von Jungwählern überflutet?

Etwas Technik zu Beginn.

Der neueste Stern am Himmel der Meinungsforschung ist Civey. Civey hat den statistischen Fehler, der u.a. die Umfrageforschung daran hindert, repräsentativ zu sein, auf eine neue Ebene gestellt. Er heißt jetzt „Bayesianisches Kredibilitätsintervall“ und basiert nicht mehr auf einer Normal-, sondern auf einer Binominalverteilung. Und man muss zugeben, es sieht beeindruckend aus (mehr aber nicht), was die Civeys da in ihrem White Paper darstellen:

Civez Bias

Fortgeschrittener Humbug von Civey

Nur, es bedeutet eben keine Verbesserung. Nach wie vor haben Umfrageinstitute das Problem, dass ihre Verteilung kein Abbild der Grundgesamtheit ist, und nach wie vor können sie nur auf Basis von ausgewählten Merkmalen versuchen, ihre schiefe Verteilung der zu Grunde liegenden Grundgesamtheit anzupassen, bei der es sich in der Regel um die deutsche Wohnbevölkerung oder die deutsche Wahlbevölkerung, wie im vorliegenden Fall, handelt. Unter Meinungsforschern heißt diese Anpassung Gewichtung, was im Wesentlichen elaborierter Humbug ist, wie wir bereits an anderer Stelle dargestellt haben.

random sampleDas neue an Civey ist demnach, dass der Humbug der repräsentativen Meinungsforschung zu einem binominalen Humbug gemacht wird, der das grundlegende Problem nicht löst, dass nämlich die Verteilung (z.B. im Hinblick auf die Wahlabsicht) in der Grundgesamtheit unbekannt ist und entsprechend geschätzt werden muss. Ob man mit einfachen statistischen Mitteln, mit einer Monte Carlo Simulation oder mit Beta-binominalen Modellen, wie Civey zu schätzen versucht, ändert nichts daran, dass die Schätzung eine solche bleibt, und im Fall von Civey ist die Schätzung eine wirklich grobe Schätzung wie am Beispiel der Jungwählerflut, die derzeit die SPD nach dem Willen von Spiegel Online erreichen soll, deutlich gemacht werden kann.

Angeblich würden im März 38% der 18- bis 29-jährigen Wähler die SPD wählen. Im Januar seien es nur 23% gewesen, so heißt es im Spiegel Onlinetrend, den Civey errechnet. Die Ergebnisse beruhen auf den Angaben von 5000 Befragten, wieviele davon in die Altergruppe von 18 bis 29 Jahre fallen, darüber schweigt sich die Spiegel-Redaktion aus.

Das ist schlechter Stil und ein Verstoß gegen die Standards der empirischen Sozialforschung und es deutet darauf hin, dass hier gemauschelt wurde. Verteilten sich die Befragten in etwa gleich auf Altersgruppen, dann könnte man daraus folgern, dass rund 1000 der 5000 Befragten in die Gruppe der 18- bis 29-jährigen fallen. Nun verteilen sich die Befragten aber nicht gleich auf die Altersgruppen. Vielmehr macht die Altersverteilung einen Buckel in der Mitte, der von Anfang 30 bis Ende 40 reicht. Dort finden sich regelmäßig rund 2/3 der Befragten, so dass für die 18- bis 29-jährigen vielleicht noch ein Neuntel der Befragten bleibt. Das wären dann gut 550 Befragte, zu wenig, um sinnvolle Aussagen, die Repräsentativität beanspruchen können, zu machen.

Dass Civey zu wenige Befragte hat, um sinnvolle und angeblich repräsentative Aussagen zu machen, zeigt sich auch am statistischen Fehler, der mit 3,8% bis 5,5% für 18- bis 29-jährige Befragte angegeben wird und somit rund das Doppelte des Normalen beträgt. Geht man von den 23% aus, die sich im Januar für die SPD entscheiden wollten, dann ergibt sich auf Basis des statistischen Fehlers ein oberer Wertebereich (wir gehen von einem Fehler von 5,5% aus, das scheint bei der kleinen Fallzahl die realistische Annahme) von 17,5% bis 28,5%. Die selbe Berechnung für den neuen Wert von 38% der 18- bis 29-jährigen Wähler, die Schulz angeblich im März wählen wollen, ergibt einen oberen Wertebereich von 32,5% bis 43,5%. Ausgehend von der wohlwollenden Schätzung, dass die Ergebnisse von Civey auf den Angaben von 550 Wählern im Alter von 18 bis 29-Jahren basieren, haben somit im Januar zwischen 96 und 157 der „Jungwähler“ für die SPD stimmen wollen, im März waren es zwischen 178 und 239 der „Jungwähler“.

Der Zustrom von Jungwählern zu Martin Schulz, den der Spiegel unbedingt verkünden will, er basiert somit im günstigsten Fall auf 143 „Jungwählern“, die dazu gekommen sind, im ungünstigsten Fall basiert er auf 21 „Jungwählern“. Beides hat dieselbe Wahrscheinlichkeit und je nachdem, was man aus dem Ergebnis herauslesen will, wird man den einen oder den anderen Wert benutzen.

Dass man beim Spiegel und bei Civey ein Interesse daran hat, Martin Schulz hochzuschreiben und die SPD in Umfragen als neuen Hoffnungsträger zu verkaufen, dem die Scharen zulaufen, ist offenkundig. Und während man sich beim Spiegel aufgrund der ideologischen Ausrichtung seiner Redaktion nicht fragen muss, warum das so ist, ist die Antwort auf die entsprechende Frage bei Civey zunächst einmal offen – schließlich ist Civey nicht Forsa. Wer ist Civey, oder wie es bei Spiegel Online heißt: „Wer steckt hinter Civey“.

„Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der „Tagesspiegel“, „Cicero“, der „Freitag“ und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.“

Wir haben zwar nicht erfahren, wer hinter Civey steckt [Man hat fast den Eindruck, beim Spiegel wolle man verschweigen, wer hinter Civey steckt), aber wir können dieser Darstellung beim Spiegel entnehmen, dass man uns weismachen will, dass Civey ein ganz toller Laden ist, der mit „unterschiedlichen Partnern“ zusammenarbeitet.

Nun, wir haben etwas gegraben und aus dem Wenigen, das man bei Civey erfahren kann, entnommen, dass Civey es in den nicht einmal zwei Jahren, die das Umfrageinstitut besteht, geschafft hat, eine beachtliche Reihe von Kunden anzusammeln, so viele, dass man sich fragt, mit welchen Dingen dies zugegangen ist.

Ein Blick auf das „Team“ führt zu Gerrit. Gerrit, der bei Civey eben Gerrit ist, ist eigentlich Gerrit Richter. Gerrit Richter war bis 2009 Vorsitzender im SPD-Unterbezirk Main-Taunus, zuvor hat er 2005 versucht, als Kandidat des Wahlkreises Main-Taunus, in den Bundestag einzuziehen und er war Mitarbeiter beim ehemaligen Finanzminister Hans Eichel. In welchem Zusammenhang diese Anbindung an die SPD mit der Geschwindigkeit steht, mit der es Civey geschafft hat, als Umfrageinstitut Fuss zu fassen, ist eine Frage, eine andere Frage, die durch diese Anbindung geklärt zu sein scheint, ist die, wieso man, wenn ein Vergleich von Umfragen aus März und Januar im März 21 bis 143 Befragte mehr erbringt, die SPD wählen zu wollen, den Maximalwert von 143 wählt und als „Zustrom“ qualifiziert.

Empirische WahlforschungDavon bleibt natürlich die Tatsache unberührt, dass es nicht möglich ist, auf Basis der Befragten, die Civey zusammenbekommen hat, Aussagen über die Grundgesamtheit der 18- bis 29-jährigen zu machen (weil man nicht von Bekanntem auf Unbekanntes schließen kann). Wir sehen abermals den Versuch, Meinungsforschung als Instrument der Meinungsmache und Manipulation zu missbrauchen, um Lesern vorzugaukeln, es gebe einen Zustrom der Jungwähler zur SPD. Jungwähler sind scheinbar ein Wert an sich bzw. sie werden von Journalien wie dem Spiegel als Antipode zu älteren Wählern aufgebaut, mit dem Ziel, die Gesellschaft zu spalten.

Ein letztes Argument unterstreicht, dass es diesen Zustrom nicht gibt: Die Altersgruppe  der 18- bis 29-jährigen kann man kaum als Gruppe der „Jungwähler“ bezeichnen. In den amtlichen Veröffentlichungen des Bundeswahlleiters umfasst die Gruppe der Jungwähler die unter 21-Jährigen und wenn man wohlwollend ist, noch die 21- bis 25-Jährigen. Dass man sich bei Civey genötigt sieht, die Jungwähler bis zum fortgeschrittenen Alter von 29 Jahren zu kodieren, also Wähler, die mindestens an zwei und in manchen Fällen an drei Bundestageswahlen teilgenommen haben, als Jungwähler zu bezeichnen, zeigt, dass hier auf Teufel komm‘ raus manipuliert und getäuscht werden soll oder in technisch: Die Fallzahlen für die eigentlichen Jungwähler von 18 bis 21 Jahren sind so gering, dass nicht einmal Civey sich draut, Ergebnisse für sie zu veröffentlichen, und so kommt es, dass Wahlmethusalems als Jungwähler verkauft werden.

Zur Einordnung: Im Jahre 1972 als Willy Brand zur Wahl stand, hatte die SPD einen tatsächlichen Anteil unter den 18- bis 25-Jährigen von 54,7%. Martin Schulz bringt es selbst dann, wenn er mit Hilfe statistischer Tricks und in einer konzertierten Aktion der Medien hochgejubelt wird, nur auf 38%. Zum SPD-Gott fehlen somit noch viele Prozente.

 

Krieg in Deutschland: Der Kampf um die Definitionsgewalt

Es herrscht Krieg in Deutschland – Krieg in Worten, noch nicht in Taten. Ziel des Wortkriegs ist es, die Gegner mundtot zu machen. Ziel des Wortkrieges ist es auch, die Definitionsgewalt über die Wirklichkeit zu erreichen. Denn: Diskutiert wird in Deutschland schon lange nicht mehr darüber, was ist, sondern darüber, wie es erscheinen soll.

In diesem Sinne wurde mit den Gender Studies ein Projekt, das sich gegensätzlicher von Wissenschaft nicht mehr unterscheiden könnte, zu Wissenschaft erklärt, Vorteile von Frauen werden regelmäßig als Nachteilen gedeutet (z.B. der Vorteil Kinder für Arbeit zu substituieren). Weil das nicht reicht, werden Nachteile erfunden, wie z.B. das Gender Pay Gap, die Gesellschaft wird in Gute und in Böse geteilt, die Bösen finden sich ausschließlich rechts und sind gewalttätig, die Gewalttäter auf der linken Seite werden entsprechend zu Aktivisten erklärt. Politiker, die von einer Mehrheit gewählt werden, werden als Populisten bezeichnet, dann, wenn sie nicht dem Establishment angehören, gehören sie ihm an, dann sind sie strahlende Wahlsieger. Verluste bei Wahlen werden zu Siegen umgedeutet, ehemalige Stasi-Mitarbeiter werden zu Freiheitskämpfern und Streitern für die Toleranz, Gewalt zum legitimen Mittel, die eigene, natürlich richtige Meinung durchzusetzen, erklärt und vieles mehr.

Deutschland 2017 ist eine postfaktische Gesellschaft, in der ein Teil der Medienschaffenden gemeinsam mit einem Teil des politischen Establishments versucht, die Bevölkerung um Wahrnehmung und Verstand zu reden. Die Mittel, die dabei zum Einsatz kommen, sind immer dieselben: Die Realität wird verdreht und fast schon kunstvoll zu einem Gewirr aus Lügen und falschen Behauptungen verwoben.

Die Wahlen in den Niederlanden sind ein Beispiel dafür.
Geert Wilders, der Chef der PVV wurde sorgfältig zur rechtspopulistischen Gefahr, wenn nicht rechtsextremen Gefahr für die Demokratie aufgebaut, dessen Wahlsieg´ den nächsten Untergang des Abendlands einläuten würde, ähnlich dem BREXIT und dem Wahlsieg von Donald Trump.

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Die heraufbeschworene Gefahr einer Machtübernahme von Wilders im Vielparteiensystem der Niederlande, ist natürlich eine rhetorische Finte, denn in den Niederlanden hat noch nie eine Partei alleine regiert. Koalitionsregierungen sind Normalität. Ausgerechnet Wilders und seine PVV sollte das ändern, von einem Ausgangsniveau von 10,1% bei den Wahlen 2012. Gelänge ihm das, es wäre ein wahres Husarenstück, eine Verfünfachung des Stimmenanteils, ein Zugewinn von 40% an Wählerstimmen, es wäre ein Ereignis ohne Parallele in der Geschichte politischer Systeme.

Kurz: Die Gefahr, dass Geert Wilders zum Alleinherrscher wird und tun und lassen kann, was er will, sie war nie vorhanden. Sie wurde von Politikern und ihren Helfershelfern in den Medien inszeniert.

Strohmanntechnik, nennt man diese Form der Manipulation, bei der ein Strohmann aufgebaut wird, um ihn anschließend zu verbrennen.

Und Wilders wurde nun feierlich verbrannt. Er hat die Wahl verloren, obwohl die PVV 3% dazu gewonnen hat. Er hat sie verloren, weil er die Ziele, die für ihn gesteckt wurden, die unrealistischen Ziele, die er nie erreichen konnte, auch nicht erreicht hat. So einfach ist es, Wahlergebnisse umzudeuten und dabei zu unterschlagen, dass es in den Niederlanden ein historisches Beben gegeben hat: Das Pendant zur SPD, die Niederländische Arbeitspartei, sie wurde so gut wie ausgelöscht. Der Juniorpartner in der letzten Regierung ist von 24,8% der Stimmen auf 5,7% reduziert worden. Für Sozialdemokraten gibt es in den Niederlanden keinen Bedarf mehr. Auch die Partei von Regierungschef Mark Rutte musste Federn lassen. Ihr Anteil ist von 26,5% auf 21,3% zurückgegangen. Die Regierungsbildung im neuen Parlament der 11 Fraktionen, sie wird nicht einfach.

Und doch ist die Niederlage der beiden Regierungsparteien, die ein Minus von 24,3% zu verzeichnen haben, zu einem Sieg für die Demokratie umgedeutet worden. Es geht eben nicht um die Wirklichkeit, sondern um die Deutung der Wirklichkeit. Einer, der sich um die Missdeutung der Wirklichkeit sehr verdient macht, ist Ralf Stegner, der Vize-Vorsitzende der SPD. Er ist ein Lehrling der Verdrehung: In einem Zugewinn von 3% sieht er Anzeichen dafür, dass den „Rechtspopulisten die Luft ausgeht“. Das Wahlergebnis ist für Stegner, der bewandert ist in der Sprache des Krieges und des Kampfes, den er wohl notfalls auch mit Waffengewalt führen würde, „ein Signal, dass sich die demokratischen Kräfte gegen den Feind von rechts mobilisieren“. Josef Goebbels hätte das vermutlich nicht viel anders formuliert.“

Offensichtlich glaubt Stegner, mit seinen Verdrehungen einen Blumentopf außerhalb der ideologischen Blase zu gewinnen, in der er sich aufhält. So sicher ist er sich seiner Sache, dass er nicht einmal darauf achtet, sich nicht innerhalb von wenigen Sätzen kategorisch zu widersprechen.

So macht er die Wahl in den Niederlanden zum universellen Wahlakt gegen die rechtspopulistische Weltverschwörung, eine Wahl, die zeige, dass Trump der Höhepunkt eines rechtspopulistischen Höhenfluges gewesen sei, der nun durch die Generalmobilmachung der „demokratischen Kräfte“ zurückgeschlagen werden konnte.

Doch universell ist ihm die Holland-Wahl nur da, wo es ihm in den Kampfplan passt. Dass die Sozialdemokraten in den Niederlanden von der politischen Bühne verschwunden sind, das ist kein universelles Phänomen, obwohl es sich in Großbritannien und Frankreich in ähnlicher Weise beobachten lässt. Nein, die Konsequenz aus den eigenen Prämissen verweigert der Verdrehungs-Lehrling dann, wenn es an die eigene Kappe geht. Natürlich ist die SPD in Deutschland nicht vom europaweiten Abwärtstrend der Sozialisten betroffen. Die SPD habe „eine Vitaminspritze“ bekommen, so Stegner.

Er meint damit Martin Schulz, bei dem sich jedoch die Frage stellt, ob er nicht eine Überdosis an Vitamin für die alte SPD ist, die dadurch künstlich am Leben erhalten wird. Ein Zuviel an Vitaminen führt bekanntlich zu Durchfall, Erbrechen und letztlich dem Tod … dass manche SPD-Politiker bereits an sprachlichem Durchfall leiden und sich des Öfteren verbal erbrechen, kann man nicht leugnen.

Holzhammer-Manipulation: Von der Schlafstörung zur Wahrnehmungsstörung mit der ARD

Haben Sie Lust auf eine kleine Reise in die Welt der ideologisch veränderten Wahrnehmung, die Welt, in der alles rosarot oder dunkelbraun ist, die Welt, in der schreckliche neoliberale Menschenschinder ihre Arbeitssklaven um den Schlaf bringen?

Dann los.

Unser Reiseführer ist Christoph Scheld aus dem ARD-Hauptstadtstudio. Natürlich ist die Reise nur figurativ, nicht wirklich. Sagen wir lieber, Scheld hält uns einen Vortrag mit dem Titel:

„Deutschland schläft schlecht“.

study_sleepless_01Ein missglückter Titel, den Scheld hier gewählt hat, denn Deutschland schläft gar nicht, weil es Deutschland in keiner materiellen und schlaffähigen Form gibt. Seien wir nachsichtig, schließlich bemerkt Scheld schon im dritten Satz seines öffentlich-rechtlichen Vortrags, dass er Unsinn gesprochen hat. Natürlich schläft nicht Deutschland schlecht: „Vier von fünf Berufstätigen schlafen schlecht“. Und diese Zahlen, so lesen wir in Satz 2, sie seien „alarmierend“.

Mehr als 3.500 ihrer berufstätigen Versicherten, so versichert Scheld, habe die DAK befragt. Vier von fünf hätten zumindest gelegentlich Störungen beim Einschlafen oder Durchschlafen…“

Gelegentlich. Haken wir hier doch einmal nach, und zwar bei der DAK und dem Gesundheitsreport, den die DAK auf Grundlage der Daten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten und einer Befragung von 5.200 Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 66 Jahren durchgeführt hat bzw. hat durchführen lassen, u.a. von Forsa, was das Vertrauen in die Daten nicht unbedingt erhöht.

Aufmerksame Leser werden festgestellt haben: die „mehr als 3.500 Befragten“, von denen Scheld weiß, tauchen bei der DAK nicht wirklich auf oder sollte Scheld mit seinen „mehr als 3.500 Befragten“ die 5.200 von Forsa Befragten oder die 2,6 Millionen Versicherten, deren Daten analysiert wurden, gemeint haben?

Er wird es wissen. So wie wir wissen, dass die 3.500 Befragten von Scheld bei der DAK zu 5.200 von Forsa Befragten bzw. zu 2,6 Millionen Versicherten geworden sind.

Von den 5.200 Befragten geben 80% an, dass sie mindestens gelegentlich Schlafprobleme haben. Was damit genau gemeint ist: Niemand außer Forsa weiß es. Vermutlich haben die Forsierer von Forsa gefragt: Wie oft im vergangenen Monat (oder Woche, oder 14 Tagen) hatten Sie Probleme beim Einschlafen: Oft, selten, gelegentlich, nie. Alle, die nicht nie sagen, haben dann Schlafprobleme. Vielleicht hat Forsa auch gefragt: Wie sehr stimmen sie der folgenden Aussage zu: „Ich habe Schlafproblem“ – voll und ganz, eher, eher nicht, ganz und gar nicht. Alle bis eher nicht haben gelegentlich Schlafprobleme.

Für Schlafprobleme: x files

Was genau gefragt wurde. Was genau „gelegentliche Schlafprobleme“ sind, niemand sagt es uns und deshalb ist Vorsicht geboten: Wenn nicht mitgeteilt wird, was genau sich hinter einer schwammigen Formulierung wie „gelegentlich“ verbirgt, dann haben die, die es verschweigen, in der Regel einen Grund, es zu verschweigen, z.B. Belanglosigkeit von Ergebnissen. Und sind Ergebnisse belanglos, dann kann man nicht die ganze Bevölkerung in Schlafprobleme reden.

Und man kann Journalisten, wie Christoph Scheld nicht dazu veranlassen, Unsinn zu schreiben, wie er das tut.

Denn: Scheld, immer unter Berufung auf die Studie der DAK oder die Autorität von Ingo Fietze (Schlafforscher) und Andreas Storm (Vorsitzender der DAK), behauptet nicht nur, dass 80% der Berufstätigen Schlafprobleme haben, er behauptet auch, dass diese Schlafprobleme, sich aus den folgenden Ursachen speisen:

“Die Gründe hängen bei den meisten Betroffenen mit dem Berufsleben zusammen. Nachtschichten, starker Termin- und Leistungsdruck gelten als Risikofaktoren. Und wer von sich sagt, häufig an der Grenze der Leistungsfähigkeit zu arbeiten, ist prädestiniert für ernsthafte Schlafprobleme.“

Sind sie jetzt erschrocken, weil sie ein Workaholic sind, der derzeit noch keine Schlafprobleme hat? Dann geben wir Entwarnung, denn entweder Scheld schreibt Quatsch, weil er intellektuell überfordert ist, oder er lügt bewusst.

Alles beginnt damit, dass bei der DAK jemand Fracksausen bekommen hat. Es mag ja noch angehen, Journalisten, die es einem auch wirklich leicht machen, aufs Glatteis zu führen und sie schreiben zu lassen, 80% der berufstätigen Bevölkerung hätten Schlafstörungen, für die letztlich die fiesen und miesen Arbeitgeber verantwortlich sind, aber natürlich kann man derartigen Unsinn nicht als DAK schreiben.

Entsprechend haben sich die DAKler auf ihre Daten besonnen. In diesen Daten finden sich 9,4% mit Schlafstörungen, die Arztbekannt sind und den Tatbestand der Insomnie erfüllen. Für diese 9,4 Prozent werden die Gründe angeführt, die Scheld oben nennt, nicht für die 80% derjenigen, die gelegentlich von Problemen beim Einschlafen oder Durchschlafen berichten: „Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, die schwere Schlafstörung Insomnie zu entwickeln. Auch starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten in diesem Zusammenhang als wichtige Risikofaktoren“.

Ob Scheld seine Leser absichtlich täuschen will, um seinen Impuls auszuleben und die bösen Kapitalisten an den Pranger zu stellen, die ihre armen Arbeitnehmer bis ins Privatleben, ja bis in den Schlaf verfolgen? Nun, die Antwort auf diese Frage lautet nach unserer Ansicht: Ja. Denn Scheld schreibt nicht nur die falschen Ursachen der falschen Gruppe von Berufstätigen zu, er verschweigt auch die Gründe, die von der DAK für gelegentliche Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen genannt werden:

“Viele Arbeitnehmer sorgen aber auch selbst für einen schlechten Schlaf. Nach der Studie der DAK-Gesundheit schauen 83 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 68 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone.“

Ganz zu schweigen von dem Säugling in der Nachbarwohnung, der einem den Schlaf raubt, weil er ständig schreit.

Unser Fazit lautet somit:

  • Deceibe infeigle obfuscateScheld täuscht seine Leser über die Prävalenz von Schlafstörungen.
  • Er täuscht seine Leser über die Ursachen von Schlafstörung.
  • Er unterschlägt Ursachen für Schlafstörungen.
  • Und er verbreitet Alarmismus, so wie dies auch die DAK tut.

“ Die DAK-Analyse zeigt, dass sich dieser Trend auch bei den Krankmeldungen auswirkt. Die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen stiegen um rund 70 Prozent auf jetzt 3,86 Tage je 100 Versicherte. „

Alarmierend, alarmierend wie einfach es ist, Journalisten durch Grundrechenarten zu überfordern. Wenn 3,68 Fehltage je 100 Versicherte zu verzeichnen sind, dann heißt das, jeder Versicherte, der von der DAK untersucht wurde (vielleicht 2,9 Millionen, vielleicht 5.200 – wer weiß), fehlt im Durchschnitt 0,04 Tage am Arbeitsplatz und in einem Jahr. Alarmierend. Und die Steigerung, wie alarmierend die Steigerung erst ist: 0,016 Tage pro Versichertem und Jahr.

Alarmierend.
Fast, dass diese alarmierenden Zahlen uns den Schlaf rauben könnten.

FakeNews, FakeUmfragen, FakeVerstand: dpa verbreitet Datenjunk

Ein große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist überzeugt, durch Fake News könnten Wahlen beeinflusst werden“.

YouGov hat es angeblich ermittelt.

dpa verbreitet es.

Wir fragen: Was wäre wohl herausgekommen, wenn man die Frage anders gestellt hätte?

Nicht:

Survey ResearchWie sehr stimmen Sie der Aussage zu, „dass Populisten aufgrund von FakeNews an Zustimmung gewinnen“?

sondern:

Wie sehr stimmen Sie der Aussage nicht zu, „dass Populisten aufgrund von FakeNews an Zustimmung gewinnen“?

Dass Befragte gerne zustimmen, ist ein bekanntes Phänomen. Dass man sie durch positive Formulierungen zur Zustimmung bewegen kann, ist noch bekannter, hat gar einen eigenen Namen: „affirmation bias“. Und dass dieser „affirmation bias“ besonders bei Fragen zu Themen, deren richtige Bewertung die Medien Tag und Nacht in die Hirne ihrer Konsumenten zu trommeln versuchen, vorhanden ist, ist noch bekannter.

Kennt man diese Möglichkeit, Umfragen zu manipulieren, bei YouGov nicht oder setzt man sie bewusst ein?

Wie auch immer, dass die Ergebnisse Unsinn sind, kann man auch anders argumentieren, nämlich mit Bezug auf diejenigen, die die Antworten gegeben haben:

84% der 1017 Befragten sind der Ansicht, dass Populisten aufgrund von FakeNews an Zustimmung gewinnen können. Natürlich sind diese 84% der Ansicht, dass der Versuch, mit FakeNews Zustimmung zu erheischen, bei ihnen erfolglos wäre, denn anfällig sind immer die anderen, nie man selbst. Entsprechend bleiben 16%, die nach Ansicht von 84% der 1017 YouGov-Befragten für FakeNews anfällig sind. Indes, 14% sind der Ansicht, dass FakeNews eher oder ganz und gar nicht zu Gunsten von Populisten wirken. Bleiben noch 2% die vielleicht anfällig sind, aber die fallen unter den statistischen Fehler. Die Frage, die man bei YouGov gestellt hat, ist schlichter Blödsinn, produziert kein verwertbares Ergebnis, sondern Datenjunk. Das hindert dpa natürlich nicht daran, den Datenjunk zu verbreiten.

Das gleiche trifft auf die Feststellung zu, dass 90% der 1017 YouGov-Befragten voll und ganz oder eher der Ansicht sind, FakeNews könnten zur Diskriminierung einzelner Personen führen.

Ein Tag ohne dpa und YouGov könnte dazu führen, dass sich der Verstand einzelner Personen wieder aus dem Wahnsinn in die Normalität rettet.

Nun, wer stimmt dieser Aussage zu? Voll und ganz oder eher?

Kann im Konjunktiv als „könnte, macht die You-Gov Frage zunichte, denn könnte kann viel. Z.B:

Könnte das Treffen zwischen Merkel und Trump dazu führen, dass Ralf Stegner einen seiner Beleidigungstweets absetzt.

Der Neumond von heute, könnte dazu führen, dass in Wanne Eickel ein Mensch nicht diskriminiert wird, der bei Vollmond noch diskriminiert worden wäre.

Und die Befragung von 1017 Deutschen durch YouGov könnte dazu führen, dass die Bereitschaft, sich von YouGov in Zukunft befragen zu lassen, erheblich sinkt.

Zustimmung?
Voll und ganz?
Oder eher eher?

Manipulation der Leser durch die ARD – heute: Die Schläger verschweigen

Aus dem Einmaleins der Informationsmanipulation haben wir heute ein schönes Beispiel, das uns ein Leser zugeschickt hat. Es zeigt, wie die ARD oder dpa oder beide versuchen, zu berichten, ohne zu berichten.

Anlass sind Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Donald Trump und seinen Gegnern u.a. in Berkeley, Kalifornien. Dort und an anderen Plätzen ist es zu Schlägereien gekommen, wie im Beitrag der ARD zu lesen ist. Der Beitrag ist in einem Tenor geschrieben, dass man denken kann, der (ungenannte) Autor wünscht sich einen Bürgerkrieg in den USA herbei: „Beide Lager stehen sich zunehmend feindselig gegenüber“, so weiß er zu berichten – auf welcher Datengrundlage auch immer.

Ansonsten zeichnet sich der Bericht durch den fast schon virtuosen Versuch aus, nicht zu schreiben, von wem die Gewalt ausgegangen ist. Das an sich ist schon ein Indikator dafür, dass die Gewalt nicht von den Trump-Fans ausgegangen ist. Wäre sie es, die Schreiber bei dpa und ARD hätten mit Sicherheit nicht vergessen darauf hinzuweisen. Da die Gewalt aber offensichtlich von Trump Gegnern ausgegangen ist, müssen sich die dpa/ARD-Schreiber zum Teil unsinnige Formulierungen überlegen, um die Wahrheit zu verschleiern:

“Am Regierungssitz von Tennessee in Nashville wurden zwei Menschen in Gewahrsam genommen, nachdem sie mit Trump-Unterstützern aneinandergeraten waren.“

Offensichtlich hat die Polizei hier eine andere Lesart der Vorgänge als die Schreiber von dpa/ARD, die es nicht über sich bringen zu berichten, dass diejenigen, die mit „Trump-Unterstützern aneinandergeraten waren“ offensichtlich diejenigen, sind, von denen die Gewalt ausging, sonst wären sie nicht diejenigen, die festgenommen wurden. Entsprechend kann man auch nicht von „mit Trump-Anhängern aneinandergeraten“ reden, sondern müsste, wollte man über die Realität berichten, schreiben, dass die Festgenommenen Trump-Anhängern mit Gewalt begegnet sind und nicht umgekehrt.

Der Höhepunkt des Versuchs, die Realität anders darzustellen als sie sich dargestellt hat, findet sich in einem Bild, auf dem ein Mann mit blutverschmiertem Gesicht zu sehen ist. Offensichtlich haben die dpa/ARD-Schreiber nicht der Versuchung widerstehen können, Blut zu zeigen, um den entsprechend morbiden Trieb bei manchen ihrer Leser, aber vor allem bei sich zu befriedigen. Dummerweise wäre durch die korrekte Darstellung des Mannes mit dem blutverschmierten Gesicht, wie er durch das Internet gegangen ist, aber die ganze Mimikry des Artikels, der mehr oder weniger kunstvolle Versuche, die Wirklichkeit dahingehend zu manipulieren, dass nicht bekannt sei, von wem die Aggression und Gewalt in den USA ausgegangen ist, vernichtet worden, denn:

Urteilen Sie selbst:
Hier das Bild, das die dpa/ARD-Schreiber sich nicht wegdrücken konnten.

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Quelle: Screenshot tageschau.de

Und hier das ganze Bild, das den Mann mit dem blutverschmierten Gesicht mit seinem Pro-Trump-t-Shirt zeigt, das bei ARD und dpa abgeschnitten wurde.

trump-schlaegerei

Die angeblichen Journalisten bei ARD und dpa sind offensichtlich der Ansicht, sie hätten es bei ihrem Publikum durchweg mit leichtgläubigen Narren zu tun, denen man jede Form von Manipulation unterschieben kann. Entsprechend muss man feststellen, dass die Schreiber keinerlei Respekt für ihre Leser haben.