Es ist ein Todesurteil.
Auf eine Intensivstation verlegt zu werden und dort mechanisch beatmet zu werden, kommt in den meisten Fällen einem Todesurteil gleich.
Darüber haben wir bereits im Juli 2021 auf Basis der folgenden Studie berichtet:
Karagiannidis et al. (2021) zeigen auf Basis der Daten der AOK, dass 73% derjenigen, deren Leben auf einer Intensivstation in Deutschland per ECMO gerettet werden sollte, verstorben sind. Die Wahrscheinlichkeit, durch ECMO zu versterben, ist also höher als die Wahrscheinlichkeit, zu überleben. Ein erschreckendes und erklärungsbedürftiges Ergebnis, aber 2021 hatten Karagiannidis et al. (2021) nicht die Daten zur Verfügung, um dieses Ergebnis zu erklären.
Heute haben Sie diese Daten.
Indes, bevor wir auf die neue Studie von Karagiannidis et al. (2024) zu sprechen kommen, eine kurze Erklärung, was es mit ECMO auf sich hat, weil wir das im weiteren Verlauf benötigen:
ECMO – Extracorporeal membrane-oxigenation sieht so aus:
Im Wesentlichen beschreibt ECMO eine Methode, Blut von Patienten abzulassen, mit Sauerstoff und Heparin (= Blutverdünner, damit es nicht gerinnt), anzureichern und über eine Halsschlagader [oder eine Vene] wieder in den Patienten einzuführen. Auf diese Weise soll die Funktion von Herz und Lunge bei Patienten unterstützt werden, die von einem akuten Lungenversagen bedroht sind. ECMO ist im Rahmen der Behandlung von COVID-19 Patienten auf Intensivstationen weltweit häufig eingesetzt worden.
Die neue Studie von Karagiannidis, deren Ergebnis noch erschreckender ist, als das zuletzt berichtete, wurde gerade im Lancet veröffentlicht:
Das Ergebnis, das die Autoren in dieser Arbeit, Häppchen für Häppchen an den Leser ihres Beitrags füttern, ist so ungeheuerlich, dass man sich erst einmal sammeln muss, wenn man den Beitrag gelesen hat.
Machen wir eine Schocktherapie für unsere Leser und liefern dann die Daten nach:
Verglichen mit Ländern wie dem Vereinigten Königreich oder Kanada werden in Deutschland viel mehr Patienten per Capita auf eine Intensivstation befördert;
Ebenfalls verglichen mit anderen Ländern, ist die Anzahl der über 80jährigen, die auf Intensivstationen final gequält werden, in Deutschland extraorbitant hoch;
Schließlich und abermals verglichen mit anderen Ländern, ist der Anteil der Patienten, die auf deutschen Intensivstationen um die Ecke gebracht werden, viel viel höher:
„In-hospital mortality rates in this unbiased and unselected cohort in Germany exceed most of the data known by far.“
Die Erklärung für diese höhere Tödlichkeit deutscher Intensivärzte ist eine, die die Autoren vorsichtig verpacken. Aber wir haben Ihnen eine Schocktherapie versprochen: Die vielen Betten auf deutschen Intensivstationen werden gefüllt, weil eine der wichtigsten Säulen der Finanzierung von Krankenhäusern die Intensivbehandlung ist. Intensivbehandlung rechnet sich. Deshalb gibt es einen Anreiz, Intensivstationen zu füllen und Leute dort so lange wie nur möglich zu quälen, denn es rechnet sich. Die Anzahl der nutzlosen Behandlungen auf Intensivstationen, die mit einem quälend langsamen Tod für den Betroffenen zum Abschluss gebracht werden, ist in Deutschland viel höher als in anderen Ländern.
Und jetzt der Reihe nach:
Das sind die Grundddaten, auf die die Autoren um Karagiannidis zurückgreifen können: Eine fast-Vollerhebung, die außer den Intensivpatienten, die von einem Krankenhaus in ein anderes verlegt wurden, alle Intensivpatienten der Jahre 2019 bis 2022 umfasst: 1.003.882 an der Zahl. Von diesen 1.003.882 Intensivpatienten haben im Zeitraum von 2019 bis 2022 43,5% (437.031) die Intensivstation nicht mehr lebend verlassen. Wir haben zudem die Ausgangsdaten mit einem blauen Balken versehen, der den Höhepunkt der systematischen Patienteneliminierung im Jahre 2021 deutlich macht. Schon das vermeintliche Pandemiejahr 2020 ist durch einen heftigen Anstieg des Anteils der Patienten, die die Intensivstation nicht mehr lebend verlassen, ausgezeichnet. 2021 setzt in dieser Hinsicht noch einen drauf, und man kann schon hören, wie diejenigen, die immer alles entschuldigen können, von „COVID-19“ schwadronieren. Indes: die häufigsten Diagnosen, die in die Intensivstation führen, sind Herzerkrankungen und Schlaganfälle, gefolgt von Erkrankungen der Atemwege, bakterielle und virale, Influenza und COVID-19 gehören dazu. Die größere Fertigkeit, Patienten im Zuge der Pandemie auf Intensivstationen umzubringen, die sich ab 2020 eingestellt hat, muss somit auf etwas anderes, z.B. darauf zurückgeführt werden, dass Patienten mit künstlicher Beatmung traktiert werden, die das gar nicht benötigen und weil sie es nicht benötigen, an den Folgen sterben.
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Karagiannidis et al. (2024) unterscheiden insgesamt sechs Arten von künstlicher Beatmung, die von einer normalen Beatmung, für die gemeinhin nur eine Sauerstoffmaske notwendig ist, über Intubierung und invasive Arten, die Schläuche in Atemwegen beinhalten bis zum oben bereits angeführtem ECMO reichen. Und sie finden Erschreckendes, denn: je intensiver der Eingriff, den Ärzte im Hinblick auf die mechanische Beatmung vornehmen können, desto mehr Patienten bringen sie damit um die Ecke:
Wer Opfer einer invasiven Beatmung wird, der hat eine Sterbewahrscheinlichkeit von zwischen 53% und 80%, eine Wahrscheinlichkeit, die mit dem Alter steigt, so dass man sich fragt, was sich ein Arzt denkt, der einen Patienten, der sein 80. Lebensjahr überschritten hat, künstlich beatmen lässt, wohlwissend, sein Patient hat eine größere Wahrscheinlichkeit, an der künstlichen Beatmung zu versterben als sie zu überleben (sie die Tabelle oben).
Nun, die Antwort findet sich in der nächsten Abbildung:
Mit invasiveren Formen der künstlichen Beatmung geht eine längere Dauer der künstlichen Beatmung einher [kurz zur Legend: NIV: Nicht invasive künstliche Beatmung, unterschieden nach frühem oder spätem Versagen, IMV = Invasive künstliche Beatmung VA/VV-ECMO [vene – arterie, vene – vene ECMO].
Warum sollte man Patienten, die höhere Sterbewahrscheinlichkeit als Überlebenswahrscheinlichkeit durch künstliche Beatmung haben, dennoch künstlich beatmen?
Weil es dafür Geld gibt:
„ICU medicine and in particular mechanical ventilation is one of the main pillars of hospital reimbursement in Germany, as ventilated patients are grouped, independent of their diagnosis, into specific “ventilation DRGs”, based on the duration of MV. Of note, CPAP is not reimbursed in Germany, therefore NIV is the first treatment of choice, even for patients with congestive heart failure“.
Die Rahmenverträge, die zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern ausgehandelt werden, um die Behandlungskosten im Rahmen gesetzlicher Krankenversicherung festzulegen, setzen perverse Anreize, führen dazu, dass Patienten, denen eine einfache Sauerstoffmaske (CPAP) gesundheitlichen Nutzen gebracht hätte, mechanisch beatmet werden, denn für mechanische Beatmung gibt es Geld, für CPAP nicht. 22.000 Euro lassen sich pro Patient im Durchschnitt mit mechanischer Beatmung verdienen. 5,7 Milliarden Euro an Behandlungskosten sind 2019, 5.9 Milliarden Euro 2020, 6,3 Milliarden Euro 2021 und 6,2 Milliarden Euro 2022 von Krankenhäusern durch mechanische Beatmung verdient worden. Das addiert sich auf rund 0,17% des deutschen Bruttosozialprodukts.
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Die treibende Kraft hinter den vielen, den vielen unnützen mechanischen Beatmungen in Deutschland ist damit nicht das Patientenwohl oder die medizinische Notwendigkeit, sondern das Geld, das sich mit der künstlichen Beatmung verdienen lässt. Dies führt soweit, dass alte Menschen, die eher sterben als das sei eine künstliche Beatmung überleben, in Krankenhäusern offenkundig als Cash Cow gesehen werden, als Einkommensquelle, die man vor ihrem Exitus noch melken kann, bzw. die man in den Exitus melken kann. Das trifft es wohl eher.
Es liegt vieles im Argen mit dem deutschen Gesundheitssystem. Aber die moralischen und ethischen Probleme, die das Gesundheitssystem belasten, befinden sich in einem unfassbaren Bereich. Karagiannidis et al. (2024) fassen dieses Ergebnis etwas diplomatischer zusammen:
„These findings and in particular the high in-hospital mortality rate raises several questions. It may be explained in several ways: the decision for ventilation therapy may be taken too generously even in patients with a poor prognosis and/or treatment quality may be lacking. The data presented here suggests medically futile treatment choices
[…]
The high reimbursement rate and the high number of intensive care beds seem to encourage futile treatment, clearly supply-dependent. However, the strongest predictor for death remains the high rate of older patients, who are treated on German ICUs. Compared to the UK, 5–10 times as many patients per 100,000 inhabitants are treated in intensive care, depending on the age group, and at least twice as many compared to Canada.“
Im Gegensatz zu anderen Ländern werden alte Menschen in Deutschland aus dem Leben beatmet, denn die meisten benötigen die unsinnige künstliche Beatmung, die sie dann um die Ecke bringen wird, nicht, aber die Krankenhäuser benötigen die künstliche Beatmung, um Umsatz zu machen. Und so werden alte Menschen in Deutschland einer finalen Verwendung als Auslaster mechanischer Beatmungsgeräte zugeführt.
Die Grenze zum Todschlag ist fließend.
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Nichts ist unbeliebter als ein mündiger Patient, der zudem ein gutes Gedächtnis hat und dann auch noch nachrechnen kann.
Man könnte fast meinen, die Nationalsozialisten sind immer noch an der Macht und machen ihre medizinischen Grausamkeiten.
Abgesehen vom sinnlosen Leid der Betroffenen treibt das auch die Krankenkassenkosten in lichte Höhen….
[…] Intensivkiller bei Altenverwertung: 11% der 2019 bis 2022 Verstorbenen wurden auf Intensivstationen … […]
Es gab auch kritische Mediziner bezüglich Beatmung von Covid-Patienten:
https://www.merkur.de/welt/coronavirus-beatmung-intubation-lungenarzt-intensivstation-kapazitaet-deutschland-fehler-90150840.html
Thomas Voshaar ist jetzt aber nicht mehr Chefarzt der Lungenklinik in Moers!
Das Vergütungssystem der DRGs in den KH hat übrigens Lauterbach federführend mit eingeführt.