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Im Rückblick: „Frauenemanzipation“: was hat sie uns (Frauen) gebracht?

Viele von uns, die in einem, sagen wir: reiferen, Alter angekommen sind, werden sich an eine Kindheit erinnern, die nicht mehr oder weniger vollumfänglich in Betreuungs- und später in Bildungseinrichtungen zugebracht wurde.

Manche von uns „reiferen“ im Westen Aufgewachsenen haben niemals einen Kindergarten besucht (wie ich z.B.), und nach der Schule nach Hause zu kommen, bedeutete für viele von uns, eine Mutter vorzufinden, die schon ein warmes Essen zubereitet hatte, sich an den Tisch zu setzen und Mutter von dem zu erzählen, was man in der Schule oder auf dem Schulweg, d.h. in der Regel im Bus oder auf dem Weg mit dem Fahrrad, erlebt hatte, während man Vater normalerweise abends sah, wenn er von der Arbeit nach Hause kam, und Zeit mit ihm vor allem am Wochenende verbrachte.

Das dürfte ein statistisch normales Aufwachsen in Westeuropa bis in die 1980er-Jahre hinein gewesen sein – mit abnehmender Tendenz: Der Anteil der erwerbstätigen Frauen im erwerbstätigen Alter (15 bis 65 Jahre) in Westdeutschland betrug bereits im Jahr 1970 46,2 Prozent, und zehn Jahre später ging mit 50,2 Prozent gut die Hälfte der Frauen im erwerbstätigen Alter arbeiten.

Frauen, die ihre Jugend in den 1980er-Jahren verbracht haben, waren Botschaften ins „Buch des Lebens“ geschrieben worden, die ihnen Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung als Leitbilder präsentierten, vor allem finanzielle Unabhängigkeit durch eigene Erwerbstätigkeit, am besten in Form einer „Karriere“, wobei diese Unabhängigkeit als Unabhängigkeit von Männern und damit verbunden vom Lebensentwurf, der Ehe und Gründung einer eigenen Familie vorsah, gedacht war. Damals lautete das Stichwort, unter dem all dies zusammengefasst wurde, „Frauenemanzipation“ oder – bereits damals in entindividualisierender Art und Weise – „Emanzipation der Frau“.

Viele von uns Frauen, die ihre Jugend in den 1980er-Jahren erlebten, sind diesem Leitbild gefolgt, zumindest teilweise: sie haben eine solide Ausbildung vorzuweisen, lange Phasen der, wenn nicht eine kontinuierliche, Erwerbstätigkeit, die nicht selten in eine „Karriere“ gemündet ist, wärend Kinderlosigkeit unter uns keine Seltenheit ist. Von den im Zeitraum 1963-1967 geborenen Frauen in Westdeutschland sind rund 21 Prozent kinderlos geblieben, von den im Zeitraum 1968-1972 sogar noch etwas mehr.

Ich vermute, dass die meisten von uns die Wahlen, die sie in jüngeren Jahren getroffen haben, nicht bereuen.

Aber ich vermute ebenfalls, dass viele von uns inzwischen durchschauen, dass das Leitbild eines selbstbestimmten Frauenleben, das sie in ihrer Jugend präsentiert bekommen haben und wohl oft als eine Form des Erreichens persönlicher Freiheit verinnerlicht haben, sein Versprechen nicht unbedingt eingelöst hat, ein Leben gemäß dieses Leitbild zumindest – wie jedes andere auch, wenn es tatsächlich gelebt wird – seinen Preis hat.

Zum einen hat sich die Emanzipation bzw. Unabhängigkeit, die uns als Leitbild mitgegeben wurde, für diejenigen von uns, die keine „Karriere“ (aus welchen Gründen auch immer) gemacht haben, bestenfalls als eine Emanzipation bzw. Unabhängigkeit von Männern in unserem Leben entpuppt, die wir aber mit einer zunehmenden Abhängigkeit vom Steuerzahler oder der Regierung „bezahlt“ haben, darunter in Form von Steuerzahlungen, auf deren Höhe wir keinen Einfluss haben, in Form von ggf. beantragtem oder bezogenem Arbeitslosengeld oder ggf. in Form von Unterhalt für Alleinerziehende, sofern wir Kinder geboren und erzogen haben, oder in Form der Abhängigkeit von dem, was eine Regierung, die Altersrenten wie mehr oder weniger willkürlich zu spendende Almosen behandelt, uns als Rentenzahlungen im Alter zukommen zu lassen gedenkt.

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Kurz: Unabhängigkeit von „dem“ Mann hat nicht Unabhängigkeit gebracht, sondern zunehmende Abhängigkeit von der öffentlichen Hand bzw. dem Steuerzahler, und zumindest ein Teil von uns dürfte in der Rückschau meinen, dass eine Aushandlung mit Bezug auf Finanzen mit einem Ehemann um einiges einfacher und für beide deutlich vorteilhafter ausgefallen sein dürfte als Verhandlungen über finanzielle Verpflichtungen gegenüber dem und Ansprüche an den „Staat“.

Aber wahrscheinlich sind es vor allem Fragen nach der Qualität unseres täglichen Lebens, die wir uns in der Rückschau stellen wie z.B. war das Gehalt bzw. die „Karriere“ das jahreslange beruflich bedingte Pendeln, das u.U. eine Beziehung zerstört hat, wert?

War es/sie eine jahrelange suboptimale, wenn nicht ungesunde, Ernährung, vielleicht in Form des abendlichen raschen Aufwärmens von Fertiggerichten, für die man im fortgeschrittenen Alter „die Quittung“ erhält, wert?

War es/sie es wert, dass ein guter Teil der Freizeit in öffentlichen Verkehrsmitteln (ggf. wegen der Notwendigkeit des Pendelns) oder mit Fortbildungskursen oder Arbeit zur Erreichung zusätzlicher Qualifikationen verbracht wurde? Hat uns ggf. der Verzicht auf Kinder finanziell reicher gemacht, oder eher im Gegenteil? Und haben wir durch unsere große Bereitschaft, unser Leben mehr oder weniger vollständig der Erwerbstätigkeit zu verschreiben, nicht selbst dazu beigetragen, dass unsere Reallöhne oder Gehälter relativ besehen eher niedrig (während Personalkosten, die an „den Staat“ zu zahlen sind, erheblich gestiegen sind), die Bildungsrenditen für alle gefallen sind, so dass sich Investitionen in die eigene „Karriere“ (finanziell) immer weniger gelohnt haben?

Für Genderisten besonders zu empfehlen!

Es geht hier nicht darum, den „richtigen“ Lebensentwurf von dem „falschen“ zu unterscheiden, und die Wenigsten von uns dürften der Meinung sein, dass sie ihr Leben „falsch“ gelebt haben. Die Dinge sind relativ, und jeder Lebensentwurf hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Eben darum geht es: um die Tatsache, dass Leitbilder, die jungen Menschen in schönen Begriffen wie „Emanzipation“, „Selbstbestimmung“, „Selbstverwirklichung“ oder „Unabhängigkeit“ präsentiert werden, ebenso wie alle anderen, die oft genug und je nach ideologischem Zeitgeist mit eher hässlichen Begriffen wie „reaktionär“, „überholt“ u.ä.m. qualifiziert werden, ihren Preis haben – einen Preis, der bei der Einkleidung in die schönen Worte unter den Tisch fällt und den viele Eltern, die den Kindern „nicht hineinreden“ wollen, nicht benennen wollen, auch dann, wenn sie ihn (inzwischen) kennen.

Aber ohne die jeweiligen Preise zu kennen, wenigstens grob erahnen zu können, kann man keine vernünftige Entscheidung zwischen alternativen Angeboten treffen. Und in diesem Sinn hat die Frauenbewegung bzw. der Feminismus junge Frauen systematisch getäuscht und ihnen Möglichkeiten hinsichtlich der Entscheidung für einen Lebensentwurf, den sie leben möchten, der ihnen als für sich richtig erscheint, nicht eröffnet, sondern verstellt; den Preis dafür zahlen die jungen Frauen, aber nicht nur sie, sondern auch die Männer in deren Leben und ggf. ihre Kinder.


 

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