HITZEREKORD.
Das bringt das Herz der Shitstreamer in Wallung.
Zwei Dinge bewegen sie: viele Tote, Hitzetote im Moment und Rekorde, Hitzerekorde.
Morbidität ausleben, steht heute hoch im Kurs:
Seit Jahrzehnten hat die sykophantische Daseinsform den kritischen Journalisten ersetzt, und desshalb fragt niemand, wo dieser Hitzerekord eigentlich gemessen wurde. Obschon die Frage sehr einfach zu beantworten ist. Man besorgt sich die Koordinaten der Messstation beim DWD, gibt sie in Google Maps ein, eh voilá: Saarbrücken Burbach:
Schon die Draufsicht auf den Lattenverschlag lässt Bedenken aufkommen.
Herauszoomen aus der Karte macht die Bedenken nicht geringer – im Gegenteil: Die Messstation weist alle Insignien einer Hitzeinsel auf, eines Ortes, an dem man aufgrund von versiegelter Fläche, Autobahn in der Nähe, Klärwerk um die Ecke und ansonsten viel Haus und Stein, sehr leicht hohe Temperaturen messen kann, besser: viel zu hohe Temperaturen:
Nur die Messstationen der britischen MET direkt auf dem Runway von Heathrow bzw. in der Anflugschneise zu Gatwick, zwei der Hauptliferanten der britischen Hitzerekorde sind noch schlechter, auf den ersten Blick.
Um die Qualität einer Messstation bestimmen zu können, hat die World Meteorological Organisation, Kriterien aufgestellt, die Messstationen wie die in Saarbrücken Burbach in fünf Kategorien einteilen. Je weiter weg von der 1 die Einteilung der Messstation, desto mehr Junk die Station.
Die Kriterien, zu deren Einhalt sich auch der Deutsche Wetterdienst verpflichtet hat, können hier nachgelesen werden.
Wir wenden diese Kriterien auf Saarbrücken Burbach an:
Klasse 1 (ideale Bedingungen):
Freie, ebene, grasbewachsene Fläche. Keine Hindernisse im Umkreis von >100 m (für Temperatur). Keine künstlichen Wärmequellen, Asphalt oder Gebäude. Sehr repräsentativ für die weitere Umgebung.
Die Messstation, Saarbrücken Burbach, liegt auf einem kargen Stück Land, das von Asphalt eingefasst ist, wenige Meter von Gebäuden, einer Kläranlage sowie einer Staustufe platziert, die mit viel Beton errichtet wurde.
Sie liegt in unmittelbarer Nähe zur A620.
Sie liegt in unmittelbarer Nähe zu Hindernissen.
Sie liegt in unmittelbarer Nähe zu künstlichen Wärmequellen, Asphalt und Gebäuden.
Ihr Standort ist überhaupt nicht repräsentativ für die weitere Umgebung.
Klasse 1 scheidet aus.
Klasse 2 (gut):
Kleinere Hindernisse erlaubt (z. B. einzelne Bäume oder Gebäude weiter entfernt). Geringe Beeinträchtigung (>10–20 m Abstand zu niedrigen Hindernissen). Noch sehr gute Repräsentativität.
Die Hindernisse sind nicht klein, sondern massiv, die Gebäude nicht einzeln, sondern, nun ja: Stadt…
Nach wie vor ist der Fleck Brachland nicht für die Umgebung repräsentativ.
Klasse 2 scheidet aus.
Klasse 3 (akzeptabel/mittelmäßig):
Mäßige Beeinträchtigung durch nahe Hindernisse oder versiegelte Flächen. Abstände zu Gebäuden oder Wärmequellen nicht im kritischen Bereich. Geeignet für operationelle Zwecke, aber mit Einschränkungen für Klimatrends.
Der Kritische Bereich wird definiert durch Gebäude oder Straßen, die im unmittelbaren Einflussbereich (unter 30–50 m) liegen, eine Station, die sich in einem Innenhof, Gewerbegebiet oder stark urbanisierten Bereich befindet. Ein Bereich, in dem es künstliche Wärmequellen (z. B. Lüftungsauslässe, Industrie) gibt.
Alle Boxen für den kritischen Bereich sind abgehakt.
Klasse 3 schadet aus
Klasse 4 (schlecht):
Starke lokale Einflüsse (z. B. Nähe zu Gebäuden, Straßen, Industrie, Asphalt). Deutliche Verfälschung durch Urban Heat Island oder andere Wärmequellen. Nur bedingt repräsentativ.
Klasse 5 (sehr schlecht):
Starke Störungen (Sensor fast direkt an Gebäuden, stark versiegelte Flächen, Abwärme etc.). Die Messung repräsentiert hauptsächlich die lokale Mikroumgebung, nicht die Region.
Letztlich ist es nicht notwendig, zwischen Klasse 4 und 5 zu unterscheiden. Saarbrücken Burbach gehört in eine der beiden Klassen. Die Messstation ist also entweder schlecht und somit nicht zur Bestimmung von „Rekordwerten“ geeignet oder ganz schlecht und somit für nix geeignet.
Aber für eine Meldung in den Shitstream-Medien war die Messstation gut.
Soll niemand sagen, dass Shitstream-Medien nicht versuchen, selbst Mist noch als Errungenschaft zu verkaufen.
Update:
2004 wurde die Messstation in das Gelände der Kläranlage umgezogen. Offenkundig sind die Koordinaten, die der DWD auf seiner eigenen Seite als Standort der Messstation angibt, nicht mit umgezogen.
Die Situation und die Bewertung des Messstation hat sich allerdings nicht verändert, eher im Gegenteil, die Daten sind noch größerer Junk als zuvor, immer an den Kriterien der WMO und damit den Kriterien bemessen, denen sich der DWD verpflichtet sieht.
Danke an einen Leser von ScienceFiles.
