Kurswechsel nach Rechts? Deutschland, Deutschland, Dein Stanislaw … Tillich

Es brodelt wieder einmal im hysterischen Deutschland, hat doch Stanislaw Tillich, dem in der Mitte der nächsten Legislaturperiode Neuwahlen ins Haus stehen, etwas gesagt, was gegen die politische Korrektheit verstößt, nämlich:

„Tillich sagte, Merkels Flüchtlingspolitik sei für das starke Abschneiden der AfD mitverantwortlich. Die Union müsse wieder Recht und Ordnung durchsetzen. «Die Leute wollen, dass Deutschland Deutschland bleibt. Sie wollen keine Parallelgesellschaften und keinen Anstieg der Kriminalität. Sie wollen nicht, dass religiöse oder politische Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen hier ausgetragen werden.“

In diesen Äußerungen sehen die WELT, die FAZ, der Tagesspiegel und etliche andere Blätter einen Rechtsschwenk oder den Versuch Tillichs, die CDU nach rechts zu rücken.

Recht, Ordnung und keine Parallelgesellschaften

Wenn das, was Tillich gesagt hat, einen Rechtsschwenk zum Ausdruck bringt, dann muss man feststellen, dass die nicht-rechte Position, die derzeit von all denen als akzeptabel angesehen wird, die sich jetzt empören, wie der MDR titelt, eine Position ist, in der Recht und Ordnung nicht gelten, was für Linksextremisten ja eine normale Situation ist. Es ist eine Position, in der eine Parallelgesellschaft für wünschenswert, zumindest nicht problematisch angesehen wird, in der einem Anstieg der Kriminalität gelassen entgegen gesehen wird und eine Situation, in der Deutschland, wie es sich derzeit darstellt, nicht mehr gewünscht ist. Vielmehr besteht das Ziel wohl darin, Deutschland zu einem Ort zu machen, an dem Flüchtlinge ihre politischen und religiösen Auseinandersetzungen ungehindert führen können.

Welcher geistig normale Mensch kann sich politische und religiöse Auseinandersetzungen, mehr Kriminalität und weder Recht noch Ordnung in Deutschland wünschen?

Offensichtlich all diejenigen, die sich jetzt über Stanislaw Tillich und seinen Anflug von Realismus aufregen.

Eine alternative Erklärung für all diejenigen, die sich in ihrer affektierten Emotionalisierung zu weit aus dem Fenster gelehnt haben, besteht darin, Prototyp des neuen Pawlowschen Hundes zu sein, dem immer schon der Speichel im Mund zusammenläuft, wenn er meint etwas zu vernehmen, was entfernt an eine ideologische Position erinnern könnte, die die Interessen der autochthonen Bevölkerung in Deutschland einklagt, jener autochthonen Bevölkerung, die aus deutschen, türkischen, griechischen usw. Steuerzahlern besteht, die die Kosten für das zu tragen haben, was diejenigen, deren Beitrag verbal, nicht materiell ist, ihnen bescheren.

Wie wir an anderer Stelle dargestellt haben, kann auf Basis der Nebenwahltheorie erwartet werden, dass Stanislaw Tillich bei der nächsten Landtagswahl in Sachsen nicht der Partei angehört, die die meisten Wählerstimmen erringen wird.

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Hamburger Morgenposse: die journalistische Vielfalt hängt an 11 Hanseln

Stellen Sie sich vor, bei der BASF gibt es 11 betriebsbedingte Kündigungen. Lesen Sie davon in der Rheinpfalz? Stellen sich alle Fraktionen des Mainzer Landtags hinter die Gekündigten und fordern die BASF auf, die betriebsbedingten Kündigungen zurückzunehmen?

Oder stellen Sie sich vor, am Standort der US-Army in Ramstein wird 11 deutschen Bediensteten gekündigt. Rheinpfalz Berichterstattung? Landtags-Solidaritätsaktion?

Noch eine Vorstellung:

RWE macht einen Teil seines Braunkohlebergbaus dicht und entlässt 11 Mitarbeiter, die bislang für den Abbau der klimazerstörenden Kohle verantwortlich waren. Solidarität im Nordrhein-Westfälischen Landtag? CDU, SPD, FDP, Grüne und LINKE stellen sich in trauter Eintracht gegen die Kündigungen? Alle Zeitungen im Revier berichten von den geplanten Entlassungen?

Alles unwahrscheinlich.

Nichts davon wird sich ereignen, würde sich ereignen.
Und doch gibt es derzeit eine Posse in Hamburg, in deren Zentrum 11 Personen stehen, denen gekündigt wurde. Die 11 sind derzeit noch Beschäftigte bei der Hamburger Morgenpost, könnten aber morgen auf der Straße stehen, wenn es nach DuMont, dem Eigentümer der Hamburger Morgenpost geht.

HAMBURG taz | Eine breitere Koalition hat es im Hamburger Rathaus selten gegeben. Gemeinsam verfassten die Fraktionvorsitzenden aller Parteien außer der AfD einen Brandbrief, ausgerechnet um eine Hamburger Institution zu retten, die ihnen selbst oft auf die Füße getreten war: Die Hamburger Morgenpost (Mopo).

Die FraktionschefInnen von SPD, CDU, Grünen, Linken und FDP appellierten an das Kölner Verlagshaus DuMont, die angedrohte Entlassung von elf MitarbeiterInnen zurückzunehmen. Die „angekündigten Kürzungen“ seien nicht nur „ein schwerer Schlag für den Medienstandort Hamburg“, sie gefährdeten auch „die journalistische Vielfalt der Stadt“.

[weiter]

Der hat ein Problem mit der Morgenpost: Die Abonnentenzahlen und die Leserzahlen gehen zurück. Die Werbeinnahmen folgen. Das derzeitige Unternehmens-Konzept, es droht in den Bereich roter Zahlen abzurutschen. Eine Situation, die in jedem Unternehmen die Alarmglocken klingeln lässt und in jedem Unternehmen dazu führt, dass nach Alternativen gesucht wird, nach Möglichkeiten, Kosten zu sparen und Einnahmen zu erhöhen. In der Regel enden die Überlegungen damit, dass Unternehmenssparten, die mit zu viel Mitarbeitern besetzt sind oder sich nicht mehr rentieren, umgestaltet oder geschlossen werden.

Bei DuMont hat man sich dazu entschlossen, 11 von 65 Mitarbeitern der Hamburger Morgenpost zu entlassen, eine Maßnahme, die in keinem normalen Unternehmen dazu geführt hätte, dass sich die Landesregierung, die Fraktionen des Landtags mit den Gekündigten solidarisch erklären, dass lokale und überregionale Zeitungen darüber berichten.

In Hamburg ist das anders.
In Hamburg hängt der ganze Medienstandort und die journalistische Vielfalt der Stadt an den 11 Personen, die bei DuMont entlassen werden sollen, Mitarbeitern, die im Layout, der Fotoredaktion, beim Sport und in der für Kultur zuständigen Abteilung tätig waren.

Und weil der Medienstandort und die journalistische Vielfalt der Stadt Hamburg von nur 11 Personen bei der Morgenpost abhängig ist, deshalb haben die Fraktionen von SPD, CDU, Grünen, LINKE und FDP an DuMont appelliert die Kündigungen zurückzunehmen.

Ei der Daus.

Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, was so symbolisch, was so wichtig ist, als dass es diese politische Hysterie rechtfertigen könnte. Was bringt Politiker dazu, ihre Nasen in die inneren Angelegenheiten von Unternehmen zu stecken? Was lässt sie glauben, es ginge sie etwas an, welche betrieblichen Entscheidungen ein Unternehmen fällt?

Die einzige Antwort, die man sich auf diese Fragen geben kann, ist eine Antwort, die die symbolische und die fast schon extraordinäre Wichtigkeit betont, die Politiker Medien, auf die sie Einfluss zu haben glauben, zuschreiben. Die Friedrich-Ebert-Stiftung will demnächst Ergebnisse einer „Studie“ zum Thema „politische Inszenierung“ vorstellen. In der Ankündigung heißt es mit Bezug auf soziale Netzwerke:

„Eine direkte Zielgruppenansprache ist möglich geworden, Themen können unabhängig von journalistischen Filtern gesetzt werden.“

Die „journalistischen Filter“ sind das interessante an der formulierten Passage. Offensichtlich ist es in den Kreisen von Alt-Parteien normal geworden, Journalismus als Informationsfilter zu betrachten, als Filter, der genehme Informationen durchlässt und nicht genehme ausfiltert, kurz: Ein Filter mit dem sich die Konsumenten der entsprechenden Medien nach Lust und Laune manipulieren lassen.

Wenn man diese Manipulation gewohnt ist und feststellen muss, dass nicht nur soziale Medien, sondern auch Verlage, die man bislang dem eigenen Lager zugeordnet hat, die gewohnte Manipulationsmöglichkeit in Frage stellen, dann erklärt das vermutlich viel von der politischen Hysterie, die man derzeit in Hamburg beobachten kann.

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Früchte des Wahnsinns: Rassismusjäger im Kindergarten

Dass die Hysterie der Gutmenschen bereits im Kindergarten beginnt, haben wir gerade im letzten Post geschrieben, da erreicht uns ein Hinweis auf einen Beitrag, den Frank Cebulla in seinem SchreibBlog veröffentlicht hat. Frank ist nämlich der Vater einer Tochter, die es mit ihren drei Jahren bereits zum Rassisten und Ausländerfeind gebracht hat. 

Wer den in Deutschland grassierenden Wahnsinn am aktuellen Beispiel erleben will, der klicke am Ende dieses einführenden Textes auf den Link zu Franks Blog:

“Wer es noch nicht weiß, ich habe eine kleine Tochter. Sie lebt in Berlin. Vor kurzem trat die Erzieherin ihrer Kita-Gruppe ganz besorgt an die Mutter heran. Es ging um ein brisantes Thema. Sie möchte keine Probleme mit Ausländerfeindlichkeit in ihrer Gruppe haben. Das Problem verortete sie bei meiner Tochter. Ihr politisch inkorrektes Fehlverhalten besteht darin, dass sie beim Singen nicht neben Ayman stehen möchte, einem syrischen Jungen. Boah Leute, da bleibt einem echt die Spucke weg und mein Blutdruck steigert sich in ungeahnte Höhen. Mein Töchterchen ist drei Jahre alt und weiß nicht, was überhaupt ein Ausländer, Migrant, Flüchtling, Asylant oder was auch immer sein soll. Auf die Frage, warum sie beim Singen nicht neben Ayman stehen möchte, gab es von ihr allerdings eine klare Antwort: Der haut die anderen Kinder und ich habe Angst vor ihm. Ein Interview mit ihrer besten Freundin aus derselben Gruppe ergab das gleiche Ergebnis: Der ist nicht mein Freund. Außerdem erfährt man, dass er kaum deutsch spricht und daher die anderen Kinder nicht versteht. [Hier weiterlesen]”

Wollt Ihr den totalen Irrsinn? Wir sind auf dem besten Weg dahin

Jede Gesellschaft hat Tabus.

Die meisten Tabus beziehen sich auf verbotene Handlungen, eigentlich verbotene Handlungen.

In vermeintlich modernen Gesellschaften wurde die Klasse der Tabus ausgeweitet. Nun gibt es Aussagen, die man nicht machen darf, die nicht verbreitet werden dürfen, die dann, wenn sie Verbreitung finden, ungeachtet der Antwort auf die Frage, ob sie denn zutreffen, zu einem hysterischen Aufschrei führen.

Der Aufschrei stammt von denjenigen, die ihre naive Weltsicht anderen nicht nur ständig zumuten, sondern oktroyieren wollen.

Der totale Staat, der sich vor allem dadurch auszeichnet, den totalen Irrsinn zur Ideologie erhoben zu haben, er zeigt an vielen Stellen seine Fratze. Die einen wollen Straßennahmen abschaffen, weil sie angeblich auf Kolonialismus verweisen und Rassismus verbreiten. Die anderen springen im Kreis, wenn man darauf hinweist, dass es Gender Studies es bis heute nicht geschafft haben, auch nur eine Aussage zu produzieren, die originär Gender Studies ist, als wissenschaftlich durchgeht und einen Erkenntnisgewinn mit sich bringt. Wieder andere heulen laut auf, wenn ein Hauch von Zweifel daran auftaucht, dass LSBT usw. gar nicht das höchste an Entwicklung sind, das menschliche Lebensformen aufweisen, dass sie gar genau wie alle anderen Lebensformen mit Vor- und Nachteilen verbunden sind.

Schließlich gibt es diejenigen, die vor lauter Hysterie nicht mehr ein noch aus wissen und es zum Anlass nehmen, dass die aus ihrer Sicht Falschen eine wissenschaftliche Arbeit zitieren, um diese wissenschaftliche Arbeit mit ihren Bedenken zu verunstalten.

Der Irrsinn nimmt Formen an, die man noch vor 25 Jahren nicht für möglich gehalten hat. Die Ursache für diesen Irrsinn, sie findet sich im politischen Spektrum auf der linken Seite.

Hindawi ist ein Verleger, der u.a. die Zeitschrift Depression Research and Treatment herausgibt. In dieser Zeitschrit, wurde 2016 ein Beitrag von D. Paul Sullins ,mit dem Titel „Invisible Victims Delayed Onset of Depression Among Adults with Same Sex Parents“ veröffentlicht, in dem Sullins eine für Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachen, mehrheitlich bei lesbischen Eltern in seinem Fall, ein erhöhtes Risiko aufzeigt, im späteren Leben an Depression zu erkranken, als für Kinder, die bei gegengeschlechtlichen Eltern aufwachsen. Die Ergebnisse von Sullins basieren letztlich auf 17 lesbischen und 3 schwulen Elternpaaren, was selbst für eine logistische Regression ein Problem darstellt. Aber: Die Ausführung der Studie ist sauber, wenngleich man mit den Ergebnissen nicht viel anfangen kann, da der Autor keinerlei Gütekriterien für seine Logistische Regression angibt. Wie viel Varianz er mit seinem Modell erklärt, ist letztlich sein Geheimnis. Seltsamerweise ist keinem seiner Kritiker dieser Mangel aufgefallen. Wie dem auch sei, egal ob er 2% oder 20% der Varianz erklärt, der erklärte Teil der Varianz beinhaltet den beschriebenen Effekt: Kinder von vornehmlich lesbischen Eltern haben ein höheres Risiko depressiv zu werden.

Soweit, so gut.
Viel Aufmerksamkeit ist dem Beitrag von Sullins zunächst nicht zuteil geworden.

Aber dann geschah das Schreckliche, das Monumentale, das absolut Kataklysmische: in Australien sind Plakate aufgetaucht, die sich gegen homosexuelle Paare richten und die Ergebnisse von Sullins für sich reklamieren. Die Huffington Post Australien hat viel Aufwand betrieben, um die Urheber der Plakate (siehe links) als Neo-Nazi-Gruppe dingfest zu machen, wobei es sich wohl eher um ein Forum als eine Gruppe handelt. Geschenkt.

Hindawi, der Verleger des Beitrags, dessen Ergebnisse nun benutzt werden, um vor den Folgen gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften für deren Kinder zu warnen, und zwar in der selben logisch falschen Art und Weise, in der die Ergebnisse empirischer Forschung häufig missbraucht werden und beileibe nicht nur von Nazis, ist als Folge der Nutzung publizierter Ergebnisse durch die Falschen in den Hysterie-Modus gegangen und hat ein neues Kapital von Irrsinn aufgeschlagen.

Nachdem die Versuche, Fehler oder Mängel in der Studie von Sullins zu finden, die es ermöglichen, den Beitrag zurückzuziehen, gescheitert sind, weil der Herausgeber der Zeitschrift „Depression Research and Treatment“ sie auch nach Überprüfung des Peer-Review Prozesses und nochmaliger Prüfung des Beitrags nicht gefunden hat, erscheint nun eine „Expression of Concern“ am Kopfende des Beitrags. Man sei besorgt, dass die Ergebnisse des Beitrags von Sullins im Zusammenhang mit Argumenten zitiert würden, die voller Hass und falsch seinen. Man habe damit als Verleger nichts zu tun. Der Verleger und seine Angestellten hätten ganz andere, richtig Ansichten und würden jeden Versuch, Hate Speech durch Verweis auf einen Beitrag, der von Hindawi publiziert wurde, zu legitimieren, auf das Schärfte verurteilen.

Soweit ist die allgemeine Hilflosigkeit schon geraten, dass selbst Verlegern wissenschaftlicher Zeitschriften kein ARGUMENT mehr einfällt, mit dem sie die angebliche Hate Speech widerlegen können, was – da es doch angeblich Hate Speech ist – eigentlich kein Problem darstellen sollte. Aber offensichtlich kommen nicht einmal Verleger von Zeitschriften mehr auf die Idee, Argumente aufzufahren. Vor lauter Angst davor, aus dem, was im Mainstream toleriert wird, herauszufallen, distanzieren sie sich in aller Eile von einer Studie, an der es fachlich nur auszusetzen gibt, dass man gerne gewusst hätte, welche Reichweite die Ergebnisse denn nun haben, ein Wissen, das mit einem Verweis auf die durch das Modell erklärte Varianz leicht zu beschaffen wäre und wegen der Fallzahl mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen würde, dass man die Studie als eine eher spezielle Studie, deren Ergebnisse, wie dies der Autor auch anregt, geprüft und zum Anlass für weitere Forschung genommen werden müssen, einzustufen hätte.

Aber derart normale Reaktionen sind offensichtlich in einer Zeit, in der es der Häresie gleichkommt, wissenschaftliche Ergebnisse zu veröffentlichen, die für LSBT usw. unvorteilhaft sind, nicht mehr im Angebot, was darauf hinweist, dass wir dabei sind, in eine totale Gesellschaft einzutreten, in der jeder jederzeit dafür belangt werden kann, dass er von Falschen in einer Weise zitiert wird, die seinen Ergebnissen nicht gerecht wird, wobei die Falschen immer diejenigen sind, die gegen die Tabus der derzeitigen Gesellschaft verstoßen. Und eines der Tabus hat fast schon einen Status der Heiligkeit für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften zum Gegenstand.

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Induzierte Massenpanik? Deutsche Atomhysteriker sind in Fahrt

Belgien erlaubt es sich, Atomkraftwerke zu betreiben. Allein drei Reaktoren stehen im Belgischen Tihange: Tihange 1, 2 und 3, die in den Jahren 1975, 1982 und 1985 ans Netz gegangen sind. Wie so viele europäische Kernkraftwerke, so sind auch die drei Reaktoren in Tihange in die Jahre gekommen. Deshalb sollen sie nach dem geeinten Willen von Greenpeace und deutscher Regierung abgeschaltet werden. Denn Kernenergie ist bekanntlich gefährlich, fast so gefährlich wie eine Computertomographie oder das Röntgen der Lunge oder des Brustbereichs und außerdem sind Risse in der Außenhülle aufgetaucht.

Gegen den Willen der deutschen, hat die belgische Regierung beschlossen, von ihrer nationalen Souveränität Gebrauch zu machen und die drei Reaktoren weiter zu betreiben. Ein Schritt, der die Nuklear-Unfall-Hysteriker in Deutschland in Wallung versetzt und nun dazu geführt hat, dass die Stadt Aachen mit der freien, naja, fast freien Verteilung von Jodtabletten an besonders wertvolle Aachener, die unter 45 Jahren und am besten schwanger sind, versucht, vorhandenes Hysteriepotential auszunutzen und die öffentliche Meinung, die sowieso schon trotz allen Klimaschutzes lieber mit Kohle Strom erzeugt, weiter gegen Kernenergie aufzubringen und die Belgier mit ihren drei Reaktoren in Tihange und ihren vier Reaktoren in Doel zu isolieren. Vielleicht bricht die Regierung des kleinen Landes ja unter dem Druck des großen Nachbarn zusammen. Geschichtliche Vorbilder dafür, dass Belgien Deutschland nichts entgegen zu setzen weiß, gibt es genug. Nur gibt es derzeit keine Bestandsgarantie für Belgien, die von Frankreich und dem Vereinigten Königreich ausgesprochen wurde.

Um der Hysterie ein wenig die Luft abzulassen: Die Wahrscheinlichkeit eines Atomunfalles, der so ernst ist, dass die Umgebung in Mitleidenschaft gezogen wird, ist immer noch 1:1.000.000.

Quelle. IAEA

Wem das nicht genügt, dem seien ein paar Daten bereitgestellt.
Seit 1975 wurden im Zusammenhang mit der Erzeugung konventioneller Energie 65 Unfälle verzeichnet, die von Methangas-Explosionen in Kohlebergwerken über einen Dammbruch (z.B.: 1991, Rumänien) bis zur Explosion einer Ölquelle (Deep Water Horizon, 2010) reichen. Im gleichen Zeitraum gab es genau zwei ernsthafte Unfälle mit Kernenergie (Tschernobyl, 1986 und Fukushima, 2011). Als direkte Folge des Unfalls in Tschernobyl sind 47 Menschen gestorben. Als direkte Folge des Reaktorunfalls von Fukushima sind keine Menschen gestorben. Die Herstellung konventioneller Energie hat seit 1975 242.685 Menschenleben gefordert. Wenn man die Einschätzung der Gefahr, die mit der Herstellung von Energie verbunden ist, auf tatsächliche und nicht auf mögliche Folgen bezieht, dann kommt man nicht um die Feststellung herum, dass die Herstellung von Energie mit konventionellen Methoden mit einem viel höheren Risiko verbunden ist.

Aber wenn es um Kernenergie geht, dann ist nicht das tatsächliche, sondern das befürchtete Risiko von Bedeutung, dann malen NGOs und Kernkraftgegner die Strahlengefahr an die Wand, um die weitverbreitete Unkenntnis über die mit radioaktiver Strahlung verbundenen Risiken für die eigenen Zwecke auszunutzen.

Doch verbleiben wir zunächst bei den Störfällen, die es in den 449 Kernkraftwerken weltweit seit 1952 gegeben hat. In 11 Störfällen, die als erheblich zu betrachten sind, darunter Three Mile Island in den USA (1979) und Tschernobyl sind 47 Menschen ums Leben gekommen, alle als Folge des Reaktorunfalls in Tschernobyl, alle waren sie Beschäftigte oder Feuerwehrmänner.

Abermals müsste man feststellen, dass Kernenergie viel ungefährlicher ist als andere Formen der Energiegewinnung. Aber das wird in Deutschland natürlich bestritten, schon wegen dem Hysterie-Faktor, und zwar mit Verweis auf die Strahlung, die schreckliche Strahlung, die von Kernkraftwerken ausgehen kann, jedenfalls dann, wenn der Stahlmantel des inneren Reaktors und die ihn umgebende luftdichte Strahlhülle zerstört werden und die Hülle des äußeren Reaktors, die in der Regel aus einer Mischung aus Stahl und Beton besteht, penetriert wird. Die beschriebene Sicherheitsbauweise soll gewährleisten, dass radioaktives Material, das sich im Kernreaktor befindet, dort auf unbestimmte Zeit eingeschlossen werden kann. Der Reaktor in Tschernobyl hatte keine entsprechende Sicherheitsbauweise. Deshalb ist der Reaktorunfall in Tschernobyl der Unfall, der die weitreichendsten Schäden angerichtet hat.

Damit sind wir zurück bei der Strahlung. Von Reaktoren kann im Wesentlichen Beta- und Gamma-Strahlung ausgehen. Erstere hat nur eine kurze Reichweite und kann nur wenig mehr als die Haut im direkten Kontakt penetrieren, Letztere ist in der Lage, tief in einen menschlichen Körper einzudringen, was uns zur Art der Kontamination mit Radioaktivität bringt. Die Kontamination kann auf drei wegen erfolgen: Vollständige Kontamination des Körpers bei direkter Nähe zur radioaktiven Quelle, externe und interne Kontamination.

Die Gefahr einer Ganzkörper-Kontamination besteht nur für Personen, die sich in unmittelbarer Nähe zum Kernreaktor aufhalten. Externe Kontamination durch Strahlung bedroht Menschen, die in unmittelbarer Nähe zu einem Kernkraftwerk leben und interne Kontamination setzt voraus, dass radioaktive Partikel oder radioaktiv belastete Nahrungsmittel zu sich genommen werden.

Aus dem Tschernobyl-Unfall ist bekannt, welche radioaktiven Isotope in die Umwelt gelangen, wenn ein Reaktorkern schmilzt. Die entsprechende Aufstellung umfasst (geordnet nach Halbwertzeit):

  • Neptunium-239
  • Molybdän-99
  • Tellurium-132
  • Xenon-133
  • Jod-131
  • Barium-140
  • Cäsium-141
  • Ruthenium-103
  • Strontium-89
  • Zirconium-95
  • Curium-242
  • Cerium-144
  • Ruthenium-106
  • Cäsium-134
  • Plutonium-241
  • Strontium-90
  • Cäsium-137
  • Plutonium-238
  • Plutonium-240
  • Plutonium-239

Radioaktive Gase (Xenonß133) oder Isotope mit kurzer (Neptunium-239; Halbwertzeit: 58 Stunden; Molybdän-99; Halbwertzeit: 67 Stunden) oder sehr langer Halbwertzeit (Plutonium-239: 24.400 Jahre) sind für Menschen weitgehend ungefährlich. Gefährlich für Menschen ist vor allem Jod-131, dann, wenn es direkt eingeatmet oder über die Nahrung aufgenommen wird. Jod-131 hat eine Halbwertzeit von 8 Tagen, d.h. das Isotop zerfällt im Laufe von 8 Tagen zu 50% und stellt danach nur noch eine geringe radioaktive Gefahr dar. Das Problem mit der Aufnahme von Jod-131 ergibt sich aus der Emission von Beta-Strahlung durch Jod-131, die die Schilddrüse in Mitleidenschaft ziehen kann.

Die Strahlendosis wird gewöhnlich in Gray (Gy) und in Sievert (Sv) gemessen, wobei Gray die Einheit für aufgenommene Strahlung darstellt, Sievert die Einheit für die effektive Dosis. Wenn der ganze Körper eines Menschen Strahlung ausgesetzt ist, entspricht 1Gy einem Sv.

Wer mit dem Flugzeug von New York nach Japan fliegt, nimmt eine effektive Strahlung von 0.07 mSv auf, eine Dosis, die jeder Mensch aus der natürlich vorhandenen Strahlung auf der Erde, der er jeden Tag ausgesetzt ist, in 7 Tagen aufgenommen hat. Eine Computertomographie ist mit der Aufnahme von 7 mSv verbunden, 6 Monate natürlicher Strahlung auf der Erde sind das Äquivalent dazu. Ein Mensch, der den Reaktorunfall von Three Mile Island an der Grenze des Kernkraftwerkes verfolgt hat, hat dort 1 mSv aufgenommen, 3 Monate natürliche Strahlung. Die Bewohner der Gebiete, die mit einer niedrigen Strahlenbelastung nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl kontaminiert waren, haben 10-20 mSv aufgenommen, das entspricht drei bis sechs Jahren natürlicher Strahlung. Die Bewohner der Gebiete, die mit einer hohen Strahlenbelastung durch den Unfall kontaminiert wurden, haben rund 50 mSv aufgenommen, was der Aufnahme natürlicher Strahlung über 17 Jahre auf der Erde entspricht.

Im Zusammenhang mit dem Reaktorunfall in Tschernobyl sind auch die bislang einzigen Fälle von Strahlenkrankheit berichtet worden: 134 Arbeiter und Feuerwehrmänner, die kurz nach dem Unfall am Reaktor gearbeitet haben, wurden mit Strahlenkrankheit diagnostiziert. Es gibt keinen einzigen bekannten Fall von Strahlenkrankheit in der weiteren Bevölkerung.

Die Hauptgefahr durch Strahlung geht wie gesagt von Jod-131 aus. Es steht im Verdacht, die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung zu erhöhen. Die folgenden Studien, die das Risiko an Leukämie oder an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, für Menschen, die in der Umgebung von Tschernobyl zur Zeit des Unfalls gelebt haben, untersucht haben, kommen alle zu dem Ergebnis, dass es keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für weder Leukämie noch Schilddrüsenkrebs als Folge des bislang schwersten Reaktorunfalls weltweit gegeben habe:

  • Petridou E, Trichopoulos D, Dessypris N, et al. Infant leukaemia after in utero exposure to radiation from Chernobyl. Nature 1996;382:352-3.
  • Steiner M, Burkart W, Grosche B, Kaletsch U, Michaelis J. Trends in infant leukaemia in West Germany in relation to in utero exposure due to Chernobyl accident. Radiat Environ Biophys 1998;37:87-93.
  • Parkin DM, Clayton D, Black RJ, et al. Childhood leukaemia in Europe after Chernobyl: 5 year follow-up. Br J Cancer 1996;73:1006-12.
  • Noshchenko AG, Zamostyan PV, Bondar OY, Drozdova VD. Radiation-induced leukemia risk among those aged 0-20 at the time of the Chernobyl accident: a casecontrol study in the Ukraine. Int J Cancer 2002;99:609-18.
  • Konogorov AP, Ivanov VK, Chekin SY, Khait SE. A case-control analysis of leukemia in accident emergency workers of Chernobyl. J Environ Pathol Toxicol Oncol 2000;19:143-51.
  • Romanenko AY, Finch SC, Hatch M, et al. The Ukrainian-American study of leukemia and related disorders among Chornobyl cleanup workers from Ukraine: III. Radiation risks. Radiat Res 2008;170: 711-20.
  • Kesminiene A, Evrard AS, Ivanov VK, et al. Risk of hematological malignancies among Chernobyl liquidators. Radiat Res 2008;170:721-35.
  • Ivanov V, Ilyin L, Gorski A, Tukov A, Naumenko R. Radiation and epidemiological analysis for solid cancer incidence among nuclear workers who participated in recovery operations following the accident at the Chernobyl NPP. J Radiat Res (Tokyo) 2004;45:41-4.
  • Ivanov VK, Gorski AI, Tsyb AF, Ivanov SI, Naumenko RN, Ivanova LV. Solid cancer incidence among the Chernobyl emergency workers residing in Russia: estimation of radiation risks. Radiat Environ Biophys 2004;43:35-42.
  • Pukkala E, Kesminiene A, Poliakov S, et al. Breast cancer in Belarus and Ukraine after the Chernobyl accident. Int J Cancer 2006;119:651-8.
  • Bogdanova NV, Antonenkova NN, Rogov YI, Karstens JH, Hillemanns P, Dörk T. High frequency and allele-specific differences of BRCA1 founder mutations in breast cancer and ovarian cancer patients from Belarus. Clin Genet 2010;78: 364-72.

Die einzige Bevölkerungsgruppe, für die ein um 2-5% pro 1 Gv aufgenommenes Jod-131 erhöhtes Risiko an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, gefunden wurde, waren Kinder, die Jod-131 inhaliert oder über die Nahrung aufgenommen haben. Da Jod-131 nach acht Tagen zerfallen ist, besteht die entsprechende Gefahr der Aufnahme nur, wenn die Kinder Jod-131 direkt ausgesetzt waren oder es über die Nahrung aufgenommen haben. Jod-131 hält sich maximal 3 Monate in der Nahrungskette.

Um die Gefahr, die von Jod-131 ausgeht, eine Gefahr, die bislang ausschließlich in Tschernobyl, also einem Reaktor, dessen Sicherheits-Bauweise nicht einmal ansatzweise der Bauweise heutiger Reaktoren auch der belgischen Reaktoren entspricht, in erheblichem Maße aufgetreten ist (in Fukushima war das Ausmaß emittierten Jod-131 in der höchsten Schätzung knapp 40% des Niveaus von Tschernobyl, in der geringsten Schätzung 5%), zu reduzieren, kann eine Mischung von Kalium und Jod verabreicht werden, eben jene Mischung, die in den Tabletten enthalten ist, die in Aachen an alle Aachener unter 45 Jahren und natürlich an Mütter verteilt werden sollen. Neben der Antwort auf die Frage, welche Aachener von den dortigen Stadträten als besonders wertvoll und welche als verzichtbar angesehen werden, eine direkte logische Folge, die sich dann ergibt, wenn man die Gefahr eines Reaktorunfalls und einer Verbreitung von Jod-131 für so imminent ansieht, wie die Stadträte, wird diese Maßnahme vor allem einen Publicity Effect haben, der auch nicht dadurch getrübt wird, dass die Aufnahme von Kalium-Jodid nicht ungefährlich ist. Allerdings zeigt eine Studie aus Polen, dass die Todesfälle infolge der Aufnahme von Kalium-Jodid nicht so häufig waren, wenngleich etwas häufiger als bei einer normalen Schutzimpfung.

  • Nauman J, Wolff J. Iodide prophylaxis in Poland after the Chernobyl reactor accident: benefits and risks. Am J Med 1993; 94:524-32.

Wer sich vergewissern will, dass wir nichts geschrieben haben, was nicht tatsächlich dem Stand der wissenschaftlichen Forschung entspricht, der kann dies hier tun: Christodoulas, John, Forrest; Robert D., Ainsley, Christopher G., Tochner, Zelig, Hahn, Stephen M. & Glatstein, Eli (2011). Short-Term and Long-Term Health Risks of Nuclear-Power-Plant Accidents. New England Journal of Medicine 364(24): 2334-2341.

Wer sich seine Kernkraft-Hysterie lieber nicht durch Fakten verderben lässt, der darf diesen Text nicht lesen und muss unseren Text schnell vergessen. Am besten über einem Rotwein. Die Wahrscheinlichkeit, beim Trinken zu ersticken, ist übrigens um ein Vielfaches höher als die Wahrscheinlichkeit, Jod-131 ausgesetzt zu werden.

 

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