In den MS-Medien liest und hört man nur sporadisch von einem militärischen Erfolg, der sich bereits in erhöhten Kosten für westliche Konsumenten niedergeschlagen hat:
Wie gewöhnlich nutzen Spekulanten jeden Hauch von Möglichkeit, um die Ölpreise künstlich zu verteuern, ein Wirken, das von den meisten westlichen Regierungen durch ihre meist idiotischen Energiepolitiken im derzeitigen Ausmaß erst möglich gemacht wird.
Die Ölpreise steigen wieder.
Die Preise für Düngemittel werden absehbar folgen.
Die Preise für Nahrungsmittel zwangsläufig nachziehen.
Die nächste “Cost of Living”-Crisis für die von inepten Regierungen gebeutelten Europäer steht ins Haus.
Die Ursache trägt den Namen: Bab al-Mandab.
Bab al-Mandab ist eines der wichtigsten Nadelöhre weltweit: Die Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, dem Zugang zum Suezkanal. Durch die Enge fließt ein großer Teil des weltweiten Containerverkehrs, große Ölmengen werden hier transportiert. Seit der Schließung bzw. starken Einschränkung der Straße von Hormuz durch den Iran-Konflikt 2026 hat Saudi-Arabien einen großen Teil seiner Exporte (zeitweise mehrere Millionen Barrel täglich) über die Ost-West-Pipeline nach Yanbu am Roten Meer umgeleitet. Das ist einer der Umwege, der jetzt gefährdet ist, vor allem, wenn das Öl nach Asien transportiert werden soll.
The island of Perim across the 3-km wide Bab Iskender (also known as the Small Strait, the Small Pass, the Narrow Pass), seen from the heights of Ras Meheli (also known as Cape Bab-el-Mandeb, the Bab-el-Mandeb Peninsula, Sheikh Said, Sheikh Siyed) on the Yemeni mainland. The tip of the peninsula is made of a number of rocky promontories. Ras Sheikh Said is the westernmost of those promontories but the whole area is often called Sheikh Said. The Perim Lighthouse and associate buildings can be seen faintly towards the left of the photograph. By Unknown – , Public Domain.
Das Nadelöhr der Weltwirtschaft befindet sich seit wenigen Tagen unter der Kontrolle der Houthis, die im Rahmen einer Offensive, die am 3. September ihren Anfang genommen hat, nicht nur die strategisch wichtige Hafestadt Mokha eingenommen haben, sondern zudem die Inseln Zuqur, Hanish und Perim unter ihre Kontrolle gebracht haben. Damit kontrollieren sie das, was die Ägypter unter Einschluss des von ihnen kontrollierten Suezkanals als “zusammenhängende Lebensader” beschreiben.
Außer Schiffen aus Saudi-Arabien, so haben die Houthis verkündet, könne der Schiffsverkehr weiterhin ohne Probleme passieren. Eine Verlautbarung die viele Reeder so ernst nehmen, dass sie ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung umleiten. Eine weitere Quelle für höhere Kosten die Verbraucher in den nächsten Wochen treffen werden, zu all den Steuererhöhungen, die die nationalen Gelddiebe, die sich als Regierung ausgeben, planen.
Die Geschichte dieser plötzlichen Einnahme der Rotmeerküste des Jemen durch die Milizen der Houthis ist eine dieser Geschichten aus 1001 Nacht, bei denen man nicht weiß, wer im Hintergrund die Fäden und mit welcher Motivation zieht.
Die folgende Karte zeigt die tagesaktuelle Situation im Jemen. Blau sind die Gegenaktionen von Regierungstruppen und Saudischer Luftwaffe verzeichnet. Rot, die Angriffe, die Houthi-Einheiten derzeit ausführen.
Die Frontlinie, an der der 2022 ausgehandelte Waffenstillstand mittlerweile Makulatur geworden ist, ist erheblich und ergänzt ein weiteres der Mysterien der beschriebenen Entwicklung, denn: Die Streitkräfte der Houthis haben bislang und vor allem in Gebirgen bzw. gebirgigem Gelände ausgehaart. Höhlen, enge Wege und unzugängliches Gelände bieten erheblichen Schutz vor Luftangriffen, machen die Luftüberlegenheit der vor allem saudischen Luftwaffe weitgehend nutzlos. Das Gelände, in dem sich die Houthi-Milizen bislang aufgehalten haben, sieht im Wesentlichen so aus:
Seit der Konflikt zwischen Houthis und Regierungstruppen wieder aufgeflammt ist, sind die Truppen der Houthis an vielen Frontabschnitten aktiv und entsprechend sind ihre Kapazitäten gedehnt und man würde denken, gerade in einer solchen Situation sind die Houthi-Verantwortlichen um Abdulmalik al-Houthi sehr zurückhaltend, um ihre Kämpfer nicht allzusehr zu exponieren.
Indes: Sie haben sie in einer bislang nicht dagewesenen Weise gedehnt, in ein Gebiet geschickt, das keinerlei Deckung gegen Luftangriffe bietet, in dem es genau eine Straße gibt, die z.B. die Versorgung der eroberten Stadt Mokha sicherstellt und die große Zahl der Kämpfer, die an den Bab al-Mandab vorgerückt sind, wird mit Sicherheit mit etlichen exponierten Stellen an den bisher bereits vorhandenen Frontabschnitten bezahlt werden, was, wenn man in Rechnung stellt, dass Regierungstruppen im Bereich von al-Jawf und in Richtung auf die Hauptstadt Sanaa einige Geländegewinne in den letzten Wochen zu verzeichnen haben, das Mysterium verstärkt.
Die ganze Angelegenheit wird zudem noch mysteriöser, wenn man in Rechnung stellt, dass die Eroberung von Mokha, Zuqur, Hanish und Perim und großer Küstenabschnitte zum Roten Meer mehr oder weniger kampflos vonstatten gegangen ist, weil sich die Nationalen Resistance Forces, die das Gebiet bisher kontrollierten, zurückgezogen haben. Warum sie sich zurückgezogen haben, das ist eine Frage, die in Spekulationen beantwortet wird, die vom Überlaufen großer Truppenteile, über eine gelungene Überraschung durch die Houthis, die zu weiträumiger Flucht in Form von chaotischem Davonlaufen geführt hat, bis zu einer Falle für die Houthis reichen, die nun in exponierter Position den bislang erfolglosen Luftangriffen ausgesetzt sind.
Aber: Bislang gibt es nur sporadisch den ein oder anderen Luftangriff, im Wesentlichen auf den Hafen von Mokha.
Der Geländegewinn, der internationale Schiffstransporte gefährdet, der Öllieferungen vor allem wenn sie aus Saudi Arabien kommen, weitgehend abgeschnitten hat und der zeitgleich mit einem Angriff auf die Petroline, eine Pipeline, die die Ölfelder bei Abqaiq im Osten von Saudi Arabien mit dem Hafen von Yanbu am Roten Meer verbindet, erfolgt ist, haben Saudi Arabien weitgehend als Öllieferanten aus dem Spiel genommen. Der Angriff auf die Pipeline wurde von Shiitischen Milizen aus dem Irak und mit Drohnen vorgenommen, die Milizen stehen ebenso wie die Houthis unter Kontrolle und in finanzieller Abhängigkeit der Mullahs in Teheran.
Einstweilen kontrollieren die Houthis den südlichen Zugang zum Roten Meer.
Houthi geht übrigens auf die Familie “al-Houthi” aus Saada im Norden des Jemen zurück, den Gründern der Houthi-Milizen, die sich Ansar Allah, Helfer Gottes, nennen und einer Variante von Shia-Islam anhängen, die sie den Mullahs im Iran nahebringt, wenngleich beider Varianten von Islam unterschiedlich sind. [Wenn europäische Ahnungslose von “dem Islam” sprechen, dann fragen wir uns immer, welche der vielen sich gegenseitig bekriegenden und hassenden Fraktionen des Islam sie eigentlich meinen].
Ansar Allah gehört zur Fraktion der Zayditischen Shiiten, aus deren Reihen heraus sich die Houthis als eine besondere Form des religiös-nationalistischen Extremismus, antiwestlicher Prägung und mit einem messianischen Anspruch entwickelt haben. Houthis treten mit einem Absolutheitsanspruch auf, dulden keine religiösen Abweichungen, schon gar keine “Ungläubigen” und sind in ihren militärischen Anstrengungen in erheblichem Ausmaß von Kindersoldaten und der Mobilisierung von Jugendlichen abhängig. Und gerade auf diesem Gebiet hakt es in den letzten Jahren. Der Nachschub für die Miliz wird geringer, die Personaldecke dünner. Ausgerechnet in dieser Situation dehnen die Houthis ihre militärischen Kapazitäten ins Extrem und exponieren die Kämpfer, die ihnen verblieben sind, im Rotmeer-Küstengebiet von Jemen und … nichts passiert. Bislang gibt es keine Luftwaffe, die die sich bietende Gelegenheit nutzt.
Es ist alles so mysteriös und seltsam … aber bislang unbestreitbar ein taktischer Erfolg für Houthis, ein iranischer Coup ergänzt um den Eindruck umfangreichen Versagens der anti-Houthi Koalition.
Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die Situation vor Ort entwickelt.
Was nicht spannend ist, weil vorhersehbar: Die Preise für Europäer werden auf breiter Front steigen, die Energiekosten durch die Decke gehen, Nahrungsmittel nachziehen und all das in einer Situation, in der nationale Regierungen ihre Bevölkerung in einer Weise ausgenommen haben, die eigentlich keinerlei Spielraum mehr für weitere Preissteigerungen lässt…
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Auf der anderen Seite des Roten Meeres, in Djibouti, betreiben US-Amerikaner, Japaner, Chinesen, Franzosen und Italiener Militärbasen. Wenn die Amerikaner dort aktiv werden wollen, wäre das eine weitere Front. Und Europa könnte auch genötigt sein einzugreifen… plus Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran/Irak…
Für die Amerikanter ein Gesichtsverlust, weil Iran mal wieder die Initiative hat und siegreich ist. Gleichzeitig wird das Öl in Europa und China teurer, was den Amerikanern hilft. Alles sehr seltsam.
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Für die Amerikanter ein Gesichtsverlust, weil Iran mal wieder die Initiative hat und siegreich ist. Gleichzeitig wird das Öl in Europa und China teurer, was den Amerikanern hilft. Alles sehr seltsam.
Übel, alles sehr übel (Jemen, Saudi, Iran, VAE..). Die Weltwirtschaft wird in die Knie gehen, und wir mit.