Witold Pilecki ist eine historische Persönlichkeit, die man in Schulen außerhalb und vermutlich auch innerhalb Polens nur selten, wenn überhaupt antrifft. Das mag seine Ursache unter anderem darin haben, dass er zu denen gehört, die machen, während Geschichte die Angewohnheit hat, heute jedenfalls, diejenigen in Erinnerung zu behalten, die in Wort und Schrift darüber schwätzen, was andere dann machen sollen.
Pilecki wurde am heutigen Tag und im Jahre 1940 im Rahmen einer Razzia im Warschauer Stadteil Zoliborz festgenommen und in das damals noch recht neue Konzentrationslager von Auschwitz verbracht.
Das Besondere an Pilecki: Er hatte sich absichtlich und mit dem Ziel, nach Auschwitz zu kommen, festnehmen lassen. Pilecki, ein Kavallerieoffizier der Polnischen Armee, war zu diesem Zeitpunkt Mitbegründer der Tajna Armia Polska, der geheimen polnischen Armee (später dann: Armia Krajova), Teil des polnischen Widerstands und war Freiwilliger, um eine Art Fact Finding Mission in Auschwitz durchzuführen.
947 Tage hat Pilecki in Auschwitz verbracht, in dieser Zeit eine Häftlingshilfsorganisation geschaffen und Berichte und Informationen aus dem Lager nach Warschau geschmuggelt. Von dort gelangten die meisten Berichte nach London. Pilecki ist es zu verdanken, dass die Vorgänge im Konzentrationslager Auschwitz der Außenwelt bekannt wurden. Er berichtete von Folter, Hunger und Tod, von medizinischen Experimenten und später von den Gaskammern in Birkenau.
In der Nacht vom 26. auf den 27. April ist Pilecki aus Auschwitz geflohen und hat sich nach Warschau durchgeschlagen. 1944 war er am Warschauer Aufstand beteiligt, geriet in Deutsche Kriegsgefangenschaft, von dort nach Italien und über London zurück nach Polen, um nunmehr darüber zu berichten, wie es Polen unter sowjetischer Besatzung erging.
In Polen wurde er verhaftet, und zum Angeklagten in einem Schauprozess gemacht, der nach Maßgabe der sowjetischen Schauprozesse öffentlichkeitswirksam inszeniert wurde, auf unter Folter erpressten Aussagen basierte, keinerlei Verteidigung zuließ und ohnehin ein Urteil am Ende sah, das politisch vorgegeben war.
Am 25. Mai 1948 wurde Pilecki per Genickschuss hingerichtet. Er wurde von Richterattrappen der Bildung eines Spionagenetzwerkes, der Vorbereitung eines bewaffeten Anschlags, der Bestechlichkeit (mit US-Dollar), des illegalen Grenzübertritts mit gefälschten Dokumenten und des illegalen Besitzes von Schußwaffen für schuldig erklärt.
Pilecki wurde 1990 in Polen rehabilitiert.
Die Welt ist arm an wirklichen Helden.
Witold Pilecki wäre einer, dem dieser Titel passen würde.
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