Teil 100+ der Serie, wie konnte es dazu kommen…
Falls Sie noch nie von Fritz Perls gehört haben, bringen wir Sie ein wenig auf den Stand:
Perls forschte im Neurotischen, an der neurotischen Gesellschaft:
Perls sieht in einer Neurose eine „Desorganisation des richtigen Funktionierens der Persönlichkeit in ihrer Umwelt“ – eine dysfunktionale Beziehung zwischen Akteur und Unwelt, eine Art misslungener Stoffwechsel, bei dem die (nicht nur psychisch gesunden) Grenzen des Organismus (das Ich) nach innen oder außen verschoben werden.
Wenn die Umwelt selbst Träger von „Neurose“ ist, ein Akteur in einer neurotischen Kultur lebt, dann ist es für Perls „nicht wahrscheinlich, daß die Persönlichkeit irgendeines Menschen keine Beeinträchtigung erlitten hat“. Den meisten Menschen in neurotischer Gesellschaft bleibt nur die Wahl zwischen individueller und kollektiver Neurose.
Wie es der Anschein so will, lösen die Meisten in Deutschland, die vor dieses Wahlproblem gestellt sind, die Sache zugunsten einer kollektiven Neurose. Deren Symptomatik beschreibt Perls in der folgenden Weise:
- Die „Gemeinschaft“ verhält sich aggressiv gegenüber jedem, der ihre Ideologie anzweifelt, und tut „das Äußerste, um ihm zu schaden“ – Wer denkt gerade an die Plandemie, als es zum Sport unter den Sykophanten geworden ist, Ungeimpfte zu verfolgen, wer das Beispiel nicht mag, der befasse sich mit der Geschichte des Begriffs „Klimaleugner“.
- Die selben Leute, die Meinungsfreiheit unterdrücken, werden nicht müde, die Bedeutung von Kritik und Diskussion zu betonen. Offenkundig ein Widerspruch und ein Ergebnis gesellschaftlicher Neurose, denn in neurotischen Gesellschaften wie sie Perls beschreibt, werden Konflikte nicht ausgetragen, diejenigen, die abweichen, mit anderer Meinung vorgegebene Narrative in Frage stellen, werden geächtet und ausgegrenzt.
- Die Angst vor Abweichung wird zu einem beherrschenden Moment in der Gesellschaft. Das, was eine Demokratie auszeichnet: Eigeninitiative und die Bereitschaft, Kritik zu äußern und Prozesse zu verbessern, wird immer seltener, eine aussterbende Verhaltensspezies, die dem unhinterfragten Erfüllen des Erwarteten weicht. Bürger sind keine Bürger mehr, sie sind Erfüllungsgehilfen und Werkzeug eines totalitären Staates (also der Bande, die ihn sich zur Beute genommen hat), der sie nach belieben manipuliert und benutzt.
- Das öffentliche Leben wird fortan beherrscht von der Jagd auf ideologisch Abweichende, bereits der Verdacht, nicht stromlinienförmig zu schwimmen, reicht, um der Gefahr einer Ausgrenzung anheim gestellt zu werden. Das öffentliche Leben stirbt, wird zum Tummelplatz der Sykophanten, die darum streiten, wer von ihnen der größere Arschkriecher ist. Demokratie ist tot, Gesellschaft ist neurotisch.
Text, dem nun ein Beispiel folgt, wie es nur aus einer neurotischen Gesellschaft, deren Regeln von ideologischen Idioten gesetzt werden, stammen kann. Eine Gesellschaft, in der die Symbolik längst an die Stelle der Realität getreten ist, in der nicht gelebt, sondern funktioniert wird, eine durch und durch kranke Gesellschaft:
Ein Land, in dem öffentlich Bedienstete selbst den größten Blödsinn, der ihnen vorgegeben ist, ohne auch nur zu überlegen, was dahinter stehen könnte, umsetzen, ist nicht demokratiefähig.
Es fehlt die grundlegende Einheit eines kritischen Bürgers.
Wer es nachlesen will:
Perls, Fritz, Goodman Hefferline, and Paul Goodman (1951). Gestalt therapy. In: Nelson-Jones, Richard (ed.) Six Approaches to Counceling and Therapy. New York Continuum, pp. 142-180.
Perls, Fritz S. (1969). Das Ich, der Hunger und Seelenlust. Frankfurt: S. Fischer.
