Gemeinsame Erkärung 2018: Wenn Professoren zum Boykott aufrufen

Als die Sozialisten die Universitäten in Beschlag genommen haben. Da hat er geschwiegen und dem Treiben zugesehen, das Lehre und Forschung immer schwieriger gemacht hat.

Als die Studentenvertretungen, die zum Hort kommunistischer Kader geworden sind, angefangen haben, Lehrende, die gegen, das, was sie für richtig und wahr halten, die gegen den Glauben der kommunistischen Kader verstoßen haben, anzugreifen, zu diskreditieren und ihre Lehrveranstaltungen erst zu stören und dann zu verunmöglichen, da hat er geschwiegen (so sehr, das nicht einmal wir etwas finden können).

Als die Einschüchterung anderer bis in deren Privatleben getrieben wurde, als Blogwarte das, was andere auf Facebook schreiben, genutzt haben, um diese anderen anzuschwärzen, als die Denunziation gerade an Universitäten ungeahnte Höhen erreicht hat, da hat er geschwiegen.

Als Ministerien damit begonnen haben, Universitäten nach ihren Vorstellungen zu gestalten und die Wissenschaft zum Legitimationsbeschaffer für ihre nicht selten politischen Wahnvorstellungen zu machen, da hat er geschwiegen.

Als immer mehr seiner Kollegen zu Fahnenträgern von Ideologie wurden, da hat er geschwiegen.

Als mit dem Genderismus eine wissenschaftsfeindliche Ideologie an Universitäten implementiert wurde, da hat er geschwiegen und dabei zugesehen, wie noch der letzte Ansatz von Wissenschaftlichkeit vor die Hunde gegangen ist.

Und jetzt, jetzt sitzt er im Trümmerhaufen dessen, was einst höhere Bildung war, und jetzt stört ihn etwas. Nein, zwei Dinge stören ihn. Eine Gemeinsame Erklärung, die magere 33 Worte umfasst, sie stört ihn und ein Verleger, der Verleger Wilhelm Hopf vom LIT-Verlag, der stört ihn auch.

Die Gemeinsame Erklärung 2018, die stört ihn eben und bei Hopf stört ihn, dass er die gemeinsame Erklärung unterschrieben und dann seine Unterschrift zurückgezogen hat, des Geldes wegen, wie Feltes meint. Nicht dass unser Professor, der Kriminologie Thomas Feltes, seinen Beruf wegen des Geldes ausüben würde. NEIN. Das Geld, das er als Beamter monatlich von Steuerzahlern einstreicht, das nimmt er in Kauf, um seiner Berufung nachzugehen. So ist er, der Professor Feltes – immer am Wohl seiner Studenten interessiert, nie am Wohl seines Bankkontos. Er ist eben ein reiner Geist. Selbst wenn er, weil ihn sein Uni-Job nicht ausfüllt, nebenher noch bei Prozessen, wie dem Loveparade-Prozess aktiv ist, hat er nie sein Bankkonto und immer das Wohl seiner Klienten im Blick. So ein Guter ist er, der Thomas Feltes.

Backup falls Feltes seinen Tweet löscht.

Weil er so ein Guter ist, mit anstehender Beamtenpension und obgleich er nie in die Situation gekommen ist, auf einem freien Markt etwas anbieten und von der Nachfrage danach leben zu müssen, verurteilt er den Verleger Wilhelm Hopf. Denn Hopf hat die Gemeinsame Erklärung unterschrieben. Fehler gibt es in der Welt von Feltes offensichtlich nicht. Dort gibt es nur Verurteilung und die Moral von Feltes, die er für die überlegene Moral halten muss, sonst würde er sich nicht über Handlungsentscheidungen anderer ereifern. Sonst würde er nicht einen Mann verurteilen und öffentlich diskreditieren, der sein Recht auf eine private freie Meinung nutzt, was das Recht umfasst, in seiner privaten Meinung von der privaten Meinung abzuweichen, die Thomas Feltes hat, was Feltes wundern mag, aber nichts daran ändert. Sonst würde er sich überhaupt nicht bemüßigt sehen, sich in anderer Menschen Angelegenheiten einzumischen und sich nicht zum Richter über deren private Meinung aufspielen, sonst hätte er Demut ob der eigenen Unzulänglichkeiten.

Aber plötzlich, nach all den Verheerungen, die Bologna Prozess, Bildung für Alle Unsinn, Genderismus, Sozialismus, kommunistische Studentenkader, Astaner, die noch nach ihrer Intelligenz suchen, und Ministerien, die in Universitäten die Erfüllungsgehilfen ihren wirren ideologischen Ideen sehen, angerichtet haben, plötzlich regt sich Widerstand bei Thomas Feltes. Plötzlich agiert und interveniert er, wird er zum Rächer, der nicht vergessen will, dass ein anderer eine aus Feltes Sicht verwerfliche Unterschrift geleistet hat.

DoktorandInnen so schreibt er in angepasstestem Genderdeutsch, DoktorandInnen sollten nicht mehr beim LIT-Verlag veröffentlichen. Man dürfe dem Mann, der nicht aus Überzeugung und innerer Einkehr, sondern wegen schnöden Mammons seinem falschen Glauben abgeschworen hat, nicht vergeben, müsse ihn vielmehr strafen, ihn boykottieren. In der Welt von Thomas Feltes zählt nur die unbedingte Hingabe zur herrschenden Ideologie, unter Zurücklassung aller Moral, allen Anstands, aller beamtenrechtlichen Verpflichtungen, aller Menschlichkeit.

Thomas Feltes ist ein Guter. Das hat er mit seinem Tweet gezeigt, der natürlich kein virtue signalling, sondern die wahre Überzeugung eines modernen Inquisitoren zum Ausdruck bringt, oder?

Wir leben im Jahr 2018 und weil Personen wie Thomas Feltes nur Reinheit in Glauben und Geiste kenntlich gemacht durch ein tugendhaftes und zweifelsfreies Leben dulden wollen, deshalb sollten wir einfachen Sünder, ihm, den man als neuen Inquisitor einer alten Idee ansehen könnte, seinen Willen lassen und seine reine Welt nicht mit unserer Anwesenheit belasten. Also: all ihr Unreinen im Geiste, die ihr Geld als Austausch für Leistung akzeptiert schon um damit Feltes unterhalten zu können, die ihr Meinungen vertretet, die nicht Feltes‘ sind, die ihr nicht pur seid und von Luft und Liebe zum Nächsten lebt (Rechte, Rechtsextreme, Rechtspopulisten, die 130.000 Unterzeichner und vor allem Wilhelm Hopf ausgenommen, unter anderem), lasst uns seine Bücher, die wir besitzen, in die Mülltonne werfen. Wir sind seiner nicht wert. Lasst und vom Kauf von Büchern, Zeitschriften und Magazinen, die der Name Thomas Feltes in ihrer Bedeutung ins unermessliche verklärt, Abstand nehmen. Lasst uns einen Bogen um Wirkungsstätten machen, an denen der Reine seine Lehre offenbart. Und vor allem, lasst uns einen Brief, fies und unrein wie wir sind, an seinen Dienstherren schreiben, denn, wie Dr. Dr. Marcus Ermler gerade ausgeführt hat: Für Beamte gilt ein Beamtenrecht. Beamte haben sich politischer Agitation dann zu enthalten, wenn sie sich als Inhaber ihrer Beamtenposition gerieren. Und Thomas Feltes legt sehr viel Wert darauf, kund zu tun, dass er als Hochschullehrer eine Anstellung beim Staat gefunden hat und sich deshalb Professor nennen darf.

Geschichte wiederholt sich nicht, so wird oft behauptet. Letztlich ist es aber eine Frage, der Logik, der Kenntnisse der Logik, ob man in der Aufforderung nicht bei Juden zu kaufen, weil diese zum damaligen Zeitpunkt als Volksschädlinge diffamiert wurden, dieselbe formale Struktur sieht, die auch in der Aufforderung, nicht bei LIT zu publizieren, gegeben ist, weil dessen Verleger ein Meinungsabweicher ist.

Aber mit Logik haben es Juristen bekanntlich nicht so, wie Egon Schneider und Friedrich Schnapp Auflage um Auflage aufs Neue feststellen.

Feltes hat seinen Tweet nunmehr gelöscht. Der Tweet ist hier archiviert.


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Mitarbeiter ausspähen: Gewerkschaften heucheln besser

„Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser”

Heinrich Heine ist nicht der erste, der sich über Heuchelei geärgert hat. Die Geschichte der Menschheit ist voll derer, die Heuchelei nicht mehr ertragen wollten. Die Verachtung für Heuchelei, sie findet sich durch die Jahrtausende der Geschichte der Menschheit. Das Verb „predigen“ bei Heinrich Heine, ist kein Zufall. Heuchler, die in Saus und Braus leben, während sie anderen den Verzicht predigen, waren früher Luthers “Pfaffensäcke”, deren Prunk zum Elend, das ihn umgab, in einen erheblichen Missverhältnis stand. Heute finden sich die Heuchler unter anderem in Privatflugzeugen und auf der Reise um die Welt, um den Bevölkerungen diverser Staate den nachhaltigen Verzicht zu Gunsten der Umwelt zu predigen. Oder sie finden sich in Regierungen, die ihre Bevölkerung darüber trösten, dass es keine 100%-Sicherheit gibt. Sie tun das in der Regel umringt von von Steuerzahlern finanzierten Bodyguards oder im Hochsicherheitstrack eines Ministerium.

Heuchelei ist eine Konstante der Menschheitsgeschichte. An Heuchelei kann man die erkennen, die von der Arbeit anderer Leben, die schmarotzen, wie man vor Einführung der politischen Korrektheit gesagt hat (seitdem heißt das “Teilhabe”).

Nehmen wir zum Beispiel die Funktionäre, die bei der Hans-Böckler-Stiftung, dem „Mitbestimmungs-, Studiums- und Forschungsförderungswerk des DGB“, wie es in der Selbstbeschreibung heißt, ein Auskommen gefunden haben. Sie nehmen das „Wissenschaftsjahr“ zum Anlass um vor dem gläsernen Arbeiter und vor allem vor den wissbegierigen Unternehmern zu warnen, die nicht mehr lieben als Daten über ihre Mitarbeiter zu sammeln, die Mitarbeiter zu durchleuchten und einzelne Mitarbeiter bloßzustellen. Auf diese interessante Wortfolge, die im Gehirn eines Gewerkschaftsfunktionärs gewachsen ist, muss man erst einmal kommen.

Wer sich nun fragt, wie Gewerkschaftsfunktionäre auf diese Idee kommen, dem können wir helfen. Ver.di ist eine der Gewerkschaften, die sich unter dem Dach des DGB zusammengeschlossen haben und die Böckler-Stiftung ist bekanntlich das „Mitbestimmungs-, Studiums- und Forschungsförderungswerk des DGB“. Ver.di hat eine gewisse Erfahrung und Routine im Daten sammeln, ausschnüffeln und bloßstellen von Mitarbeitern, wie Stammleser von ScienceFiles wissen, hat doch die Gewerkschaft eine Methode, die der Stasi-Methode der Zersetzung nicht unähnlich ist, angewendet, um unter den Mitarbeitern von Unternehmen AfD-Wähler, -Sympathisanten und Mitglieder aufzuspüren.

 

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verdi ideologische niedertracht 2

So empfiehlt Ver.di in der „Handreichung für den Umgang mit Rechtspopulisten in Betrieb und Verwaltung“ zunächst, den ideologischen Feind anhand der folgenden Verfehlungen zu identifizieren:

• Provokationen gegenüber Linken;
• Lektüre von Junger Freiheit, Pi-News;
• Hören von Rechtsrock,
• Tragen einschlägiger Kleidung;

Wenn das nicht reicht, um den AfDler zu identifizieren, dann – so die weitere Empfehlung – könne man ihm in sozialen Netzwerken nachstellen, überwachen, was er liked und liest und ihn so enttarnen. Ist der AfD-Feind in der Arbeitnehmermitte erst einmal enttarnt, dann empfiehlt Ver.di die folgende Behandlung:

• Gezielte Beobachtung;
• Den AfD-Feind „ins Gespräch ziehen“;
• Ihn in Gremien anschwärzen;
• Ein gemeinsam abgestimmtes Vorgehen absprechen;
• Den AfD-Feind im Unternehmen „isolieren“;
• Ihn im Unternehmen und in der Öffentlichkeit outen, also bloßstellen;
• Den Arbeitgeber unter Druck setzen, so dass der AfDler entlassen wird, denn: „viele Arbeitgeber wollen keine betrieblichen Konflikte“
Usw…

Wem das noch nicht reicht, der kann sich auf der Seite der Böckler-Stiftung vielfältige Informationen dazu holen, wie Mitarbeiter zur Gesinnungsschnüffelei aufgefordert werden, wie unter Schlagzeilen wie „Wer hetzt, der fliegt“ gefeiert wird, dass zwei Mitarbeiter eines Leihunternehmens entlassen wurden, weil sie in sozialen Netzwerken eine Seite mit einem Like beglückt haben, die den Gewerkschaftlern als falsche Seite gilt, oder sich von Samuel Salzborn, der bei politischen Vereinen erfolgreicher zu sein scheint als in universitärer Anstellung, darüber aufklären lassen, dass es im Sinne des Grundgesetzes sein soll, Meinungen, die man nicht hören will, zu verbieten.

Es sind schon ganz besondere Herzchen die Gewerkschaftsfunktionäre, die sich gerade über die Unternehmen ereifern, die so viele Daten sammeln, einzig um Mitarbeiter bloßzustellen.

Was ist eigentlich die Steigerung von Heuchelei?

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Prof. Richard J. Evans: Mord verjährt nicht. Anklage gegen KZ-Wächter nach mehr als 70 Jahren

Heute ist Holocaust-Memorial Day.

Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit.

Letzte Woche war in der ARD-Tagesschau ein Beitrag zu lesen, in dem es um die Anklage gegen zwei heute 93 und 94jährige Männer geht, die als SS-Wachmänner ihren Dienst im Konzentrationslager Stutthof in Polen verrichtet haben. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat eine entsprechende Anklage erhoben,

„Im November 2017 hat die Staatsanwaltschaft Dortmund Anklage gegen zwei ehemalige SS-Wachmänner wegen der Beihilfe zum hundertfachen Mord erhoben. Die beiden aus Wuppertal und dem Münsterland stammenden Rentner waren als junge Männer im Konzentrationslager Stutthof im Norden Polens eingesetzt.“

Wir haben vor diesem Hintergrund Prof. Richard J. Evans, den wohl renommiertesten Historiker in Sachen “Drittes Reich”, eine Reihe von Fragen gestellt.

Wir geben seine Antwort hier im Wortlaut wieder.

Wir haben Richard Evans gefragt, (1) ob es für einen SS-Mann möglich gewesen wäre, um eine Versetzung von seinem Posten als Wachmann im Konzentrationslager zu bitten, ohne mit erheblichen Konsequenzen rechnen zu müssen. (2) Wir haben zudem gefragt, ob man Wachmänner in einem KZ grundsätzlich wegen Beihilfe zum Mord anklagen kann und ob aus der entsprechenden Argumentation nicht zwangsläufig resultieren würde, dass man auch die Lokführer, die Züge voller Häftlinge nach Stutthof oder in andere Konzentrationslager gefahren haben, wegen Beihilfe zum Mord anklagen müsste. (3) Schließlich haben wir ihn um eine grundsätzliche Stellungnahme dazu gebeten, dass zwei 93 und 94 Jahre alte Männer nach nunmehr 71 Jahren wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden.

Thank you for putting these interesting questions to me. The locus classicus for discussion of these issues is the essay on “Command and Compliances” in “The Anatomy of the SS State”, published decades ago and originating in expert witness reports from the Frankfurt Auschwitz trials in 1964.

Concentration camp guards were not ordinary soldiers doing their compulsory military service. They were members of the SS, which means they were volunteers and had been through ideological training.

Nevertheless, if they asked to be transferred from camp duties they could do so. Indeed, since the camps were a bit of a backwater in the SS as a whole, they could have gained some prestige by asking to fight at the front in the Waffen-SS. That wasn’t the only option, of course, and it wasn’t a safe one either; death rates from combat in the SS were very high.

The SS men in the camps were all involved in the brutal and sometimes lethal maltreatment of prisoners, as a series of trials of Stutthof guards showed after the war (up to 1953). It was not of course an extermination camp with gas chambers but a regular concentration camp. However, over 60,000 inmates, half of them Jewish, died in Stutthof and its many subcamps, mainly from raging typhus epidemics which the staff made no attempt to control, from beatings, shootings, malnutrition and overwork (“extermination through labour”).

Train drivers who took prisoners to the camps are in a different category. So far as I am aware, they did not beat or maltreat the people they transported. At Stutthof the prisoners were routinely savagely beaten when they arrived. Almost all of them were Poles and Russians until 1944, when transports began arriving from Auschwitz, which was under threat of conquest by the advancing Red Army.

I don’t think there’s anything wrong with prosecuting people for crimes allegedly committed 70 years ago. A murder is a murder and the culprits should be brought to justice, however long it takes.

Hope this helps.
Kind regards

Richard J Evans

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BINGO! Im Seniorenheim herrschen Recht und Ordnung!

Gesetze sind keine, im Gegensatz zu dem, was manche denken, Ordnungsvorstellungen, die von Gott gesandt und von Politikern umgesetzt werden. Gesetze sind auch nicht als Verdienstmöglichkeiten für drittklassige Juristen gedacht, die sich dazu hergeben, Dritte abzumahnen. Gesetze sind auch nicht dazu da, dem Staat eine Möglichkeit einzuräumen, seine Bürger zu schröpfen, obwohl sie immer mehr dazu gemacht werden. Gesetze sind nicht einmal dazu da, Menschen zum richtigen Leben zu zwingen, obwohl manche dieser Ansicht zu sein scheinen.

Bürgerliche Gesetze, wie es noch bei den alten Moralphilosophen geheißen hat, dienen dem Zusammenleben in einer Gesellschaft. Sie haben einen einzigen Zweck: Das Zusammenleben in einer Gesellschaft zu ermöglichen, und zwar durch den Schutz von Grundrechten, Eigentum, Freiheit und die Gewährleistung von Sicherheit. Alles, was darüber hinausgeht, kann man als einen Missbrauch der Gesetzgebungsfunktion ansehen.

Die Gesetzgebungsfunktion ist in Demokratien in der Regel entweder beim Parlament oder beim Präsidenten oder bei beiden verankert, und sie ist mit einer Vielzahl von Kontrollmechanismen versehen.

Warum? Weil Gesetze es ermöglichen, Macht über Bürger auszuüben und Letzteren Verpflichtungen aufzuerlegen. Und wie immer, wenn Möglichkeiten geschaffen werden, steht der Missbrauch schon Gewehr bei Fuss. Wenn man z.B. ein Parlament als Gesetzgeber einsetzt, muss man damit rechnen, dass die Mitglieder des Parlaments Koalitionen bilden, um ihre Interessen oder die Interessen von Gruppen, die sich politische Gefallen erkaufen, der Bevölkerung aufzuzwingen. Um dies zumindest zu erschweren, haben demokratische Verfassungen mehr oder minder funktionale Kontrollmechanismen ersonnen, die zunächst einmal darauf beruhen, dass es im Parlament eine funktionierende Opposition gibt. Eine fromme Hoffnung, wie ein Blick auf Merkel-Deutschland zeigt. Die nächste Stufe der Kontrolle stellen unabhängige Gerichte dar, die jedoch in der Regel erst tätig werden, wenn sie angerufen werden. Das Bundesverfassungsgericht ist ein solches Gericht. Ob es ein unabhängiges Gericht sein kann, wenn Parteien die Hälfte der Richter unter sich auskungeln, ist eher eine negativ zu beantwortende Frage.

Medien und die Öffentlichkeit stellen eine weitere Stufe der Kontrolle dar. Gut. Sie sollen eine weitere Ebene der Kontrolle darstellen. Auf Linie getrimmte Massenmedien sind natürlich alles andere als eine Kontrollinstanz. Sie sind ein Propagandainstrument.

Was bleibt?
Bürger!
Jeder Einzelne.

Das klingt für manche sicher überraschend. Für Philosophen im 16., 17. und 18. Jahrhundert war es jedoch eine ganz normale Sache anzunehmen, dass Bürger, die durch ihren Staat gegängelt (oder genudged) werden, sich das nur bedingt gefallen lassen und über kurz oder lang aufbegehren: Entweder gegen einzelne Gesetze oder gegen den gesamten Staatsapparat. Deshalb hat es z.B. Thomas Hobbes, der seinem Leviathan weitreichende Befugnisse in der bürgerlichen Gesetzgebung eingeräumt hat, für ganz natürlich gehalten, dass der Leviathan seine Gesetze nicht gegen den Willen der Mehrheit seiner Bevölkerung durchzusetzen versucht.

Die Herrscher, die Hobbes im Sinne hatte, waren auch Parlamente, seine Sympathie war jedoch eindeutig bei Monarchen angesiedelt. Das macht die Sache noch interessanter: Für Hobbes lag die Annahme, dass Bürger, die von ihrem Monarchen mit Gesetzen gegängelt werden, gegen diesen aufbegehren, weil sie ein natürliches Recht auf Freiheit haben, eine ganz normale und naheliegende Annahme.

Wie viel normaler sollte diese Annahme im heutigen Deutschland sein, das eine moderne parlamentarische Demokratie sein will. Zur Erinnerung: Das Zentrum der Macht in einer parlamentarischen Demokratie ist das Parlament, nicht die Regierung. Das scheint vergessen worden zu sein.

Doch zurück zu Deutschland und dem Aufbegehren gegen Gesetze.
Eine Voraussetzung dafür, gegen Gesetze aufzubegehren, seinen Mißmut öffentlich zu machen, besteht darin, sich als souveräne Entität, als Bürger, der selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelt, zu verstehen. Dass Bürger sich so verstehen, war für Hobbes selbstverständlich.

Für den modernen deutschen Staatsbürger ist es nicht mehr selbstverständlich. Die Konformität mit Gesetzen, die Unterordnung unter das, was staatlich vorgegeben wurde, die Einordnung in das Korsett der Regeln, Normen und Verhaltensvorschriften, es ist fast die natürliche Verhaltensweise des deutschen Menschen. Der erste Impuls des Untertanen ist es, dem Gesetz, das ihm gerade mit vielen Paragraphenzeichen, die Ehrfurcht erheischen sollen, auf einem Blatt Papier geschickt wurde, um eine angebliche Verpflichtung, von der ein Bürokrat irgendwo denkt, man könne sie dem jeweiligen Bürger einmal probeweise aufhalsen, zu legitimieren, Folge zu leisten. Keine Irritation, kein Widerstand, kein Gedanke von: Halt! Ich bin mein eigener Herr, hier kann nicht einfach über meinen Kopf hinweg bestimmt werden, wenn ich das nicht will!

Nein, Konformität, Anpassung und Unterordnung sind erste Bürgerpflicht.

Wie weit das Bedürfnis selbst den aberwitzigsten Vorstellungen darüber, dass es ein Gesetz geben könnte, das bestimmte Verhaltensweisen untersagen oder mit Bußgeld bedrohen könnte, geht, zeigt ein Fall aus Köln.

Dort haben die Senioren bis vor Kurzem noch BINGO gespielt. Einsatz: 50 bis 125 Cent. Hauptgewinn: eine Tafel Schokolade. Zwischenzeitlich spielen die Senioren nicht mehr BINGO, denn das Spiel, es könnte illegales Glücksspiel sein.

Wie kommt man auf eine derart verschrobene Idee?

So:
Bei einer Rechnungsprüfung hat ein Rechnungsprüfer bei einer Quittung für eine Schachtel Pralinen, die mit „Bingo-Preis“ verbucht war, gestutzt. Nachdem er genug gestutzt hatte, ist ihm die absurde Idee gekommen, dass es sich beim BINGO der Senioren um „illegales Glücksspiel“ handeln könnte. Treuer Staatsdiener, der er nun einmal ist, hat er die SBK-Juristin Anna Margarete Seelentag über seine Befürchtung unterrichtet, dass dann, wenn jemand davon erfahren würde, dass im Seniorenheim BINGO gespielt wird und dieser jemand den Gedanken fassen würde, dieses Spiel zu beanstanden und darüber hinaus den Entschluss fassen würde, das BINGO-Spiel bei der zuständigen Finanzbehörde anzuzeigen, dort jemand auf die Idee kommen könnte, dass BINGO-Spiel der Senioren, das einmal die Woche stattfindet, als einer Untersuchung würdig zu finden und am Ende dieser Untersuchung könnte dann herauskommen, dass das BINGO im Seniorenheim illegales Glücksspiel darstellt.

Bei so viel Konjunktiv muss man erst einmal durchatmen.
Wir gehören zu denen, die die Freiheit von Menschen verteidigen und annehmen, dass Menschen einen freien Willen haben. Angesichts dieser Posse aus Köln muss man zumindest bei manchen im Hinblick auf den freien Willen Abstriche machen. Manche scheinen wandelnde Handlanger des Staates zu sein, die jedes Maß und jeden Menschenverstand verloren haben, deren Leben von der Hysterie, bloß gegen keine Regel zu verstoßen, getrieben ist.

Was wäre passiert, wenn der Rechnungsprüfer seinen Mund gehalten und die entsprechende Quittung ignoriert hätte?
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nichts.
Aber der Rechnungsprüfer hätte sich im Nachhinein in die Hosen gemacht, weil ihn der Gedanke, sich in einem Punkt für seine Mitbürger und gegen seinen Staat und die Regeln, von denen er annimmt, dass sie zutreffen könnten, entschieden hat. Man könnte ihn für einen eigenständigen Akteur halten, der für seine Entscheidungen gerade stehen will. Horror.

Was wäre passiert, wenn der Hinweis des Rechnungsprüfers bei der „Juristin“ versandet wäre (vielleicht auch kein Zufall, dass es eine Juristin ist, die besonders gesetzestreu sein will. Zu einer der wichtigsten Arbeiten, die Horkheimer et al. in ihrem damaligen Frankfurter Institut für Sozialforschung geleistet haben, gehört eine Studie über die Autorität in der Familie, die zeigt, dass es vor allem Frauen waren, die mit den Regeln des Staates konform gehen wollten und ihre Männer dazu gedrängt haben, keine „Probleme“ zu machen. Staatsbürgerliches Andienen ist weiblich, wie man bis auf weiteres empirisch begründet feststellen kann.).

Doch zurück zur Frage: Was wäre passiert, wenn die Juristin der Sozialbetriebe Köln oder deren ganze Juristerei, einmal im Leben Rückgrat bewiesen hätte und sich für die eigenen Senioren und gegen eine wilde Spekulation darüber, mit welchem Gesetz das wöchentliche BINGO-Spiel in Konflikt geraten könnte, entschieden hätte?
Vermutlich abermals nichts.
Aber die Juristerei der Sozialbetriebe hätte gezeigt, dass ihre Loyalität bei den alten Menschen liegt, die in den Seniorenheimen der Sozialbetriebe leben und nicht mit Phantasien über Gesetze, die vielleicht etwas verbieten könnten – oder auch nicht. Statt dessen haben es die Juristen vorgezogen, sich anzubiedern und das eigene Rückgrat weiterhin als Illusion anzusehen.

Und selbst wenn eine Prüfung ergeben hätte, dass das wöchentliche BINGO-Spiel im Seniorenheim illegales Glücksspiel darstellt: Wäre es dann nicht an der Zeit, ein solches Gesetz, das offensichtlich dazu benutzt werden kann, Menschen, alte Menschen in diesem Fall, in vollkommen übertriebener Weise und in vollkommen unangemessener Weise an der Ausübung der wenigen Freiheit zu hindern, die ihnen im Seniorenheim noch geblieben ist, zu beseitigen?

Aber das ist Häresie.

Ein guter deutscher Staatsbürger zweifelt nicht an den Gesetzen, die auf ihn kommen.
Ein guter deutscher Rechungsprüfer ist mehr darauf aus, vermuteten Gesetzen gefällig zu sein, als dass er fünf gerade sein lässt, also seinen Menschenverstand einsetzt.
Ein guter deutscher Jurist bei den Sozialbetrieben ist mehr darauf aus, vermuteten Gesetzen gerecht zu werden, als dass er sich vor die Menschen stellt, die ihm und seiner Einrichtung anvertraut sind.
Und allen liegt es näher, sich präventiv bei staatlichen Stellen anzubiedern, ja einzuschleimen, als eine persönliche Haltung einzunehmen und für sich zu sagen, dass dann, wenn sie zwischen den Konsequenzen eines aberwitzigen Gesetzes und den alten Menschen, die ihnen anvertraut sind, entscheiden müssen, sie immer die Seite der alten Menschen beziehen werden.
Wie man sieht, trifft die Annahme, dass Menschen dann, wenn Gesetze zu Konsequenzen führen, die sie nicht mittragen wollen, gegen diese Gesetze aufbegehren, nicht zu. Die Voraussetzung für dieses Aufbegehren ist eine eigenständige Persönlichkeit und ein Bewusstsein dafür, dass man als Bürger ein vom Staat unabhängiges, eigenständiges Lebens- und Handlungsrecht hat, ja geradezu eine Handlungspflicht, die es – wie Kant formulieren würde: vorschreibt, gegen einen Staat, der unsinnige Gesetze durchdrücken will, Stellung zu beziehen.

Man muss in Rechnung stellen, dass es im vorliegenden Fall um keinerlei harte Konsequenzen gegangen wäre. Niemand hat den Rechnungsprüfer oder die Juristin bedroht. Niemand hat ihnen Konsequenzen angekündigt. Sie haben freiwillig die Handlungsfreiheit von vielen Senioren beeinträchtigt, um einer Phantasie, nach der es ein Gesetz geben könnte, das die Handlungsfreiheit der Senioren einschränkt, gerecht zu werden. Es lag ihnen näher, sich mit einer Institution zu solidarisieren als die Interessen der alten Menschen in Rechnung zu stellen, die sich in die Obhut der Kölner Sozialbetriebe begeben haben. Ob ein derartiges Verhalten einfach nur schändlich, ärmlich oder irrsinnig ist, ist nicht die Frage, die wir hier beantworten wollen. Wir wollen nur darauf hinweisen, dass die Banalität des Bösen und der Untertanengeist, die/den Hannah Arendt und Heinrich Mann beschrieben haben, kaum besser zum Ausdruck gebracht werden können als in dieser Posse aus Köln.

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Max(imilian) = Nazi-Vorname, deshalb: verbieten. Keine Ahnung, große Klappe – debile Mischung

Zusammen gegen Intoleranz heißt eine Aktion auf Facebook, an der unter anderem die Grünen/Bündnis90 und Pro-Asyl beteiligt sind. Der Kampf gegen Intoleranz nimmt auf dieser Seite in der Regel eine Form an, die man nicht anders als Intoleranz gegen alles und jeden, der nicht die Meinung derer, die die Seite betreiben, teilt, bezeichnen kann.

Für Sozialpsychologen interessant dabei ist, dass sich die Autoren von ZGI „Zusammen gegen Intoleranz“ alle durch eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Ahnungslosigkeit, eine große Klappe, durch keinerlei Empirie zu erschütternde falsche Überzeugungen und somit durch etwas auszeichnen, was man nur als Grenzdebilität, wie sie durch Lernresistenz entsteht, bezeichnen kann.

Ein besonders gutes Beispiel ist „Joyce“:

„Joyce ist 29, studiert Sozialpädagogik und ist eine Aktivistin“.

Wir haben schon wiederholt geschrieben, dass der Status eines Studenten und der eines Aktivisten nicht zusammenpassen. Man ist entweder an Wissen interessiert oder an politischem Aktivismus. Und wenn man liest, was Joyce an Blödsinn von sich gibt, dann wird einem richtig übel bei dem Gedanken, dass Joyce am Ende einen Abschluss in Sozialpädagogik erhalten wird, schon weil es so gut wie unmöglich ist, keinen Abschluss in Sozialpädagogik zu erhalten. Aus diesem Abschluss wird sie den Schluss ziehen, sie habe auch nur entfernt von irgend etwas Ahnung. Und jede Wette: Diese falsche Überzeugung wird dazu führen, dass Joyce sich berufen fühlt, andere zu belehren. Weil es ein fast schon ehernes Gesetz ist, dass die, die andere demonstrativ belehren wollen, keine Ahnung, aber ganz viel Überzeugung haben. Die Katastrophen, die derartige ahnungslose Spinner anrichten, hat Dietrich Dörner in seinem Buch „Die Logik des Misslingens“ beschrieben.

Doch geben wir Joyce die Gelegenheit, ihre gesammelte Ahnungslosigkeit für alle Welt sichtbar auszubreiten und auf Basis von völligem Blödsinn, den Joyce für die Wahrheit hält, weitreichende Forderungen zu erheben, die natürlich in die Freiheit anderer Menschen eingreifen. Das ist noch ein ehernes Gesetz: Je dümmer die Aktivisten, desto mehr wollen sie die Freiheit anderer beschneiden.

Let’s rejoice in the stupidity of Joyce.

„Es ist an der Zeit, dass Kinder bei der Geburt zeitgemäße Vornamen erhalten. Zu viele “deutsche” Namen sind vorbelastet und erinnern an die Gräueltaten der Nazis. Ob Max, Franz, Jakob, Julian, Philipp oder Martin, so wurden Kinder in der düsteren Zeit des dritten Reichs zuhauf in Anlehnung an Nazi-Größen wie Max Amann, Jakob Sprenger, Julian Scherner oder Martin Sandberger genannt. Zudem stecken diese Vornamen Kinder von ihrer Geburt an in die Schublade Mann oder Frau, alle anderen Geschlechter werden sowieso ignoriert; um zu verhindern, dass sich das Kind im späteren Verlauf des Lebens in einer Geschlechtsidentitätskrise wiederfindet, weil es beispielsweise annimmt, es müsse ein Junge sein, weil es Lukas heißt, müssen geschlechtsneutrale Vornamen endlich zur Pflicht werden. Jeder Mensch kennt nur selbst sein wahres Geschlecht. Es gibt so schöne Vornamen, beispielsweise Abrar, Quinn, Abeer, Cameron, Taylor, Alim, Sidney und Kim, um nur einige zu nennen. Daher fordere ich: Schluss mit stigmatisierenden Nazi-Namen! Ja zu modernen Vornamen, die keinen Spielraum für Rassismus und Vorurteile lassen!“

Wenn Joyce tatsächlich Sozialpädagogik studiert, dann wohl in einem Asyl für geistig Demente oder ideologisch Verblödete. Beides dürfte sich kaum unterscheiden. Die Frage, auf Grundlage welchen Rechts, solche kleinen Spinner ihre Forderungen dahingehend, wie sich andere verhalten sollen, stellen, lassen wir einmal links liegen.

Widmen wir uns der Behauptung, Max, Franz, Jakob, Julian, Philipp oder Martin wären Nazi-Namen.

Im Jahre 1938 hat das Reichsministerium des Innern eine Richtline über die Führung von Vornamen veröffentlicht. Die Richtline war im Wesentlichen darauf gerichtet, Juden zu schikanieren, enthält aber zudem einige Passagen, die die nationalsozialistischen Vorlieben für Vornamen beschreiben, darunter Absatz A.3:

„Kinder deutscher Staatsangehöriger sollen grundsätzlich nur deutsche Vornamen erhalten. Es dient der Förderung des Sippengedankens, wenn bei der Wahl der Vornamen auf in der Sippe früher verwendete Vornamen zurückgegriffen wird. Dabei werden besonders auch solche Vornamen in Frage kommen, die einem bestimmten deutschen Landesteil, aus dem die Sippe stammt, eigentümlich sind (z. B. Dierk, Meinert, Uwe, Wiebke).“

Ziel der Nazis war es, nordische Vornamen zu verbreiten, nicht alte deutsche Namen wie Max(imilian – der größte unter den Habsburgern) oder Jakob (im Übrigen ein hebräischer Name, der u.a. Israel bedeutet). Von Namen wie Julian (Abwandlung von Julius, der kein bekannter Nazi-Feldherr war), Philipp (unser griechischer Pferdefreund) oder Martin (Sohn des Mars) ganz zu schweigen.

Wir haben uns an dieser Stelle gefragt, ob es sich vielleicht um eine Satire handeln könnte, diese Idee aber schnell wieder verworfen. Zum einen vermittelt die Seite von ZGI keinerlei Anzeichen der Satire. Die meinen, was sie schreiben. Zum anderen haben wir in den letzten Jahren gelernt, dass Dummheit und Ahnungslosigkeit politische Aktivisten in keiner Weise davon abhalten, ihre Klappe aufzureißen und auf Grundlage ihrer Nichtkenntnis für andere etwas zu fordern.

Als Einschub: In der Logik gibt es eine große Fraktion, die vor den Problemen, die sich mit Analogieschlüssen verbinden, warnen. Die Probleme resultieren vor allem daraus, dass man mit einem willkürlich gezogenen Analogieschluss massiv auf die Nase fallen kann, dann nämlich, wenn sich der Schluss als absurd und grottenfalsch erweist (d.h. man muss, um Analogieschlüsse ziehen zu können, viel über den Kontext, in dem z.B. Beobachtungen oder Erfahrungen gemacht wurden, wissen).

Joyce meint auf verbreitete Nazi-Namen schließen zu können, weil sie schon einmal etwas von „Nazi -Größen wie Max Amann, Jakob Sprenger, Julian Scherner oder Martin Sandberger“ gehört haben will.

Max Amann war eher einer der Mitläufer, ein untalentierter Redner, dem zudem jegliche Fähigkeit, sich zu profilieren gefehlt hat. Ihm wurde der Titel eines SS-Obersturmführers verliehen. Ein kleines (oder großes) Vermögen hat Amann als Verleger von Mein Kampf und anderen Nazi-Schriften verdient. Er wurde zum Präsidenten der Reichspressekammer und Vorsitzenden des Vereins Deutscher Zeitungsverleger ernannt und von den Alliierten als Hauptschuldiger in Nürnberg verurteilt.

Auch Jakob Sprenger ist einer der Nazis, die in der mittleren Staatshierarchie ihr Dasein gefristet haben – als Reichsstatthalter des Volksstaates Hessen, dann Reichsverteidigungskommissar des Wehrkreises XII und Oberpräsident der preußischen Provinz Nassau. Er hat am 7. Mai 1945 Selbstmord verübt.

Julian Scherner war SS-Polizeiführer in Krakau und hat das Kriegsende nicht erlebt.

Martin Sandberger war SS-Standartenführer und Verantwortlicher für die Ermordung von Juden in Estland.

Alle vier, deren Vornamen Joyce verbieten will, sind nicht unbedingt Nazis, die eine hohe Bekanntheit genießen, so dass man sich fragt, wo Joyce ihre Namen aufgeschnappt hat. Was sie in jedem Fall nicht sind, ist repräsentativ für die Vornamen ihrer Zeit oder Vorbild für die Vornamensgebung im Dritten Reich. Die Liste der Vornamen, die Nazis Eltern im Dritten Reich vorgegeben haben, enthält keinen einzigen der von Joyce genannten Namen. Das genau ist das Problem mit Analogieschlüssen: man kann sich leicht als ahnungsloser Depp entpuppen.

Weibliche Namen Männliche Namen
Ada
Adda
Adele
Adelgard
Adelgund
Adelheid
Adeltraut
Adolfine
Alberta
Albertine
Aloisia
Alrun
Altrud
Alwine
Amalie
AnselmaBernhild
Bernhilde
Berta
Berthild
Berthilde
Bertraud
Borghild
Brita
Brunhild
BrunhildeDagmarEdelburg
Edelgard
Edeltraud
Edeltrud
Edith
Ehrengard
Eiltraut
Elfride
Ella
Ellengard
Elvira
Elvire
Emma
Engelberta
Engelgard
Erdmute
Erika
Erna
ErnestineFerdinande
Frieda
Friedegard
Friedgard
Friedegund
Friederike
Friderun
FriggaGenoveva
Gelmut
Gerburg
Gerda
Gerharde
Gerhild
Gerhilde
Gerlind
Gerlinde
Gesine
Gertraud
Gertrud
Gisa
Gisela
Giseltraud
Giseltrud
Giesinde
Gudrun
Gunhild
Gunthild
GunthildeHadmut
Hedda
Hedwig
Heide
Heilburg
Helga
Helgard
Helma
Hemtraud
Helmtrud
Henrike
Herma
Hermine
Herta
Hertraud
Hertrud
Hilde
Hildegard
Hildegund
Hiltraud
Hiltrud
Hulda

Ida
Ise
Inge
Ingeborg
Ingried
Irma
Irmela
Irmfriede
Irmgard
Irmhild
Irmlind
Irmlinde
Irmtraud
Irmtrud
Ilsa
Ishild
Ishilde
Isolde

Karla
Karoline
Klothild
Klothilde
Kriemhild
Kriemhilde
Kunigund
Kunigunde

Leopolda
Leopoldine
Liebgunde
Lina
Ludwiga

Malwine
Mathild
Mathilde
Mechthild
Mechthilde
Miltrud
Minna

Northild
Northilde
Nortrud
Notburg
Notburga

Olga
Ortraud
Ortrud
Ortrun
Oslinde
Oswine
Otilde
Ottilie

Reimunde
Reinhild
Reinhilde
Richarda
Roberta
Rosa
Rosamund
Rosamunde
Roswitha
Rotraut
Rotrud
Rudolfine
Runfrid
Runhilde
Ruperta

Selma
Senta
Siegberta
Sighild
Sieghilde
Sieglinde
Siegrun
Sigburg
Sigrun
Sigmut
Solweig
Swanhild

Thekla
Theodelinde
Thusnelda
Tilla
Traudlind
Traudlinde
Trude

Udalberta
Ulberta
Ulla
Ulrike
Undine
Ute

Walburg
Walfriede
Walpurga
Waltraud
Waltrud
Wanda
Werngard
Wilfriede
Wilhelma
Wilhelmine
Wilma
Wildrud
Wiltrudt
Winfriede
Wunhild

Adalbert
Adelbert
Adolf
Alarich
Albert
Albrecht
Alfons
Alfred
Alois
Alwin
Anselm
Armin
Arnold
ArnulfBalduin
Baldur
Baldwin
Benno
Bernd
Bernhard
Bertold
Bertram
Bodo
Bruno
BurckhardDagobert
Detlef
Dietger
Dietmar
DietrichEberhard
Eckhard
Edgar
Edmund
Eduard
Edward
Edwin
Egbert
Eginhard
Egon
Einhard
Eisenhard
Emmerich
Engelbert
Erdmann
Erhard
Erich
Ernst
Erwin
EwaldFalk
Falko
Ferdinand
Frank
Franz
Friedel
Friedolin
Freidrich
Fritz
Frowein
FürchtegottGebhard
Gerald
Gerd
Gerfried
Gerhard
Gero
Gisbert
Godecke
Gottfried
Gotthard
Gotthelf
Gotthold
Gottlieb
Gottwald
Götz
Guido
Gundolf
Günter
Guntram
GustavHagen
Harald
Harro
Hartmann
Hartmut
Hartwig
Heinrich
Heinz
Helmuth
Henning
Herbert
Hermann
Hildebrand
Hilmar
Hinz
Horst
Hubert
Hugo
Humbert

Ingbert
Ingo
Iwein

Karl
Knut
Konrad
Kraft
Kunibert
Kuno
Kurt

Lambrecht
Landhelm
Landolf
Lebrecht
Leonhard
Leopold
Leuthold
Lienhard
Lothar
Ludolf
Ludwig
Luitpold
Lutz

Manfred
Markward
Meinhard
Meinrad

Neithard
Norbert
Norfried
Notker

Odo
Odilo
Olaf
Ortwin
Oskar
Oswald
Oswin
Otmar
Otto
Ottokar
Ottomar

Rainer
Ralf
Randolf
Reimund
Reiner
Reinhard
Reinhold
Richard
Robert
Roderich
Roger
Roland
Rolf
Rudolf
Rupert
Ruprecht

Schwerthelm
Sebald
Siegbert
Siegfried
Siegmar
Siegmund
Siegward
Sigisbert
Sigismund
Sigurd
Sturmhard
Swen

Tassilo
Tasso
Tejo
Theodebald
Theoderich
Timm
Traugott
Tuisko

Udo
Ulrich
Utz

Volkbert
Volker
Volkhard
Volkmar
Volkrad
Volkwin

Waldemar
Walter
Warmund
Werner
Widukind
Wieland
Wilfried
Wilhelm
Willi
Willibald
Winfried
Wolf
Wolfgang
Wolfhard
Wolfram
Wittich
Wulf

Die Liste der Namen entstammt dem deutschen Familenstammbuch von 1937. Neben diesen Namen, die als Vornamen deutschen oder germanischen Ursprungs klassifiziert sind, gibt es noch eine Liste „fremder Vornamen“, die zwar nicht gerne gesehen, aber dennoch geduldet wurden:

Weibliche Namen Männliche Namen
Agathe
Agnes
Alice
Alma
Angela
Angelika
Anna
Anneliese
Annemarie
AugusteBabette
Barbara
Beate
Bettin
Bettina
BrigitteCäcilie
Charlotte
Christel
Christine
CrescentiaDora
Dorothea
DörtheElisabeth
Elise
Elsa
Elsbeth
Else
Emilie
Eugenie
EvaFanni
Florentine
FranziskaGabriele
Grete
Gretel

Hanna
Helene
Henriette

Irene
Isabella

Johanna
Josefa
Josephine
Julie
Jutta

Katharina
Käthe
Kathrein
Kathrine
Klara
Kreszenz

Laura
Lene
Leonore
Liesbeth
Liese
Lieselotte
Lilli
Lore
Lotte
Luise

Magdalene
Margarete
Marianne
Marie
Marie-Luise
Martha

Paula
Pauline

Renate
Ruth

Sophie
Stefanie
Susanne
Suse

Therese
Tine
Toni
Trine

Ursel
Ursula

Valeria
Veronika
Viktoria

Achim
Alexander
Andreas
Anton
Artur
AugustBartel
BenediktChristian
ChristophEmilFelix
FlorianGeorg
GregorHans

Ignatz
Immanuel

Jakob
Joachim
Jobst
Jochem
Jochen
Johann
Johannes
Jörg
Josef
Julius
Jürgen

Karsten
Kaspar
Klaus
Klemens

Leo
Lorenz

Martin
Matthias
Max
Merten
Michael
Moritz

Paul
Peter
Philipp

Sebastian
Sepp
Simon
Stefan

Theo
Theodor
Thomas

Veit
Viktor
Vinzenz

Der beliebteste männliche Vorname im Dritten Reich war übrigens Horst, gefolgt von Otto. Auch Ludwig, Mathias, Peter, Johann oder Nikolaus standen hoch im Kurs. Etwas weniger häufig war Adolph. Beliebte weibliche Vornamen (die gab es auch) waren, Edeltraud, Ingrid, Uta, Ingeborg, Erika, Helga, Gertrude, Ursula oder Sieglinde.

In welcher Zeit leben wir eigentlich, wenn Namen wie Max(imilian), also Namen, die lange bevor es die Nazis gab, beliebt waren, Namen wie Jakob, der hebräischen Ursprungs ist, als Nazi-Vornamen diffamiert werden, in der Irre durch die Gegend laufen, die denken, ein Vorname sei etwas, das ein Wesen in sich trage, ein Nazi-Wesen. Dass solche Spinner auch noch an Fachhochschulen studieren können, frei herumlaufen dürfen, macht die Sache nur noch schlimmer. Wesen wie Joyce sind tickende Zeitbomben. Sie denken Begriffe wären Wesenheiten, Vornamen würden etwas über die Person aussagen oder wären ideologisch inkubiert. Derartiger Geisterglaube, derartige Unkenntnis über den Ursprung und den Sinn von Bezeichnungen, sind erschreckend, fast so erschreckend wie die Tatsache, dass Wesen, die mit 29 Jahren immer noch Sozialpädagogik studieren, meinen, sich in aller Öffentlichkeit als Vertreter abstruser esoterischer Lehren erkennen geben zu können und denken, sie hätten auch nur einen Funken einer Berechtigung, anderen etwas vorschreiben zu können.

Wenn jemand einen Zweifel daran hatte, dass Totalitarismus, Dummheit, die an Debilität grenzt und religiöses Sendungsbewusstsein Hand in Hand geben, das Beispiel von Joyce ist ein weiterer Beleg dafür, dass sie es tun.

Ein paar Fragen an all diejenigen, die der Ansicht sind, ZGI sei eine Satireseite:

  1. Was wäre der Zwecke dieser Art von Satire?
  2. Welches Zeil verfolgen die vermeintlichen ZGI-Satiriker?
  3. Woran erkennt man diese Art der Satire bzw. was macht Sie so sicher, dass es sich dabei um Satire handelt?
  4. Welcher Satiriker ist darauf aus, seine Leser konsequent und dauerhaft zu belügen und sich ihren Ärger dauerhaft zuzuziehen?

Komische Satire:

 
Wenn das Satire ist, dann wird dem Leser unter dem Deckmantel der Satire Queer.de untergeschoben.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

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