Ethnische Diversität reduziert Wahlbeteiligung! Wirklich? Tales of misery and imagination

Je höher die Ausländerquote in unmittelbarer Nachbarschaft, desto geringer die Wahlbeteiligung. Dieses Ergebnis hat André Förster gerade in der Zeitschrift „Electoral Studies“ veröffentlicht. Das Ergebnis ist auch dann stabil, wenn nach Bildung und Beruf kontrolliert wird.

Angesichts der erhöhten Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland hält Förster dieses Ergebnis für ein bedeutendes Ergebnis.

Produziert hat er es auf Grundlage von Aggregatdaten. Er hat also nicht die Wahlbeteiligung für einzelne Individuen, sondern nur für räumliche Strukturen, in seinem Fall für alle, die innerhalb eines Quadratkilometers wohnen im Aggregat. Diese „Grid-Daten“ des Statistischen Bundesamts teilen Deutschland in Quadrate zu einem Quadratkilometer ein, denen man dann Daten zuspielen kann: Die Arbeitslosenquote, den Ausländeranteil, die Wahlbeteiligung usw.

Entsprechend hat Förster keinen Zusammenhang auf individueller Ebene gemessen, sondern einen auf räumlicher Ebene. Damit aus einem solchen Zusammenhang etwas Sinnvolles wird, muss man ihn theoretisch unterfüttern, eine Theorie finden, die angibt, warum Wahlberechtigte, die mit proportional mehr Ausländern in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind, seltener wählen gehen sollten als Wahlberechtigte, die mit proportional weniger Ausländern in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind.

Eine solche Erklärung haben wir bei Förster, der den gerade veröffentlichten Beitrag als Teil seiner kumulativen Dissertation an der Universität Köln eingereicht hat, nicht gefunden. Das macht den Zusammenhang zu einem, der keine sozialwissenschaftliche Relevanz hat, denn man weiß nicht, ob es sich bei dem Zusammenhang um einen willkürlichen oder einen systematischen Zusammenhang handelt. Anders formuliert: Wenn Förster nach dem Rotweinverbrauch pro Kopf kontrolliert hätte, wären vermutlich ganz anderer Ergebnisse herausgekommen.

Dass gerade für Aggregatdaten häufig Korrelationen gefunden werden können, das zeigt Tyler Vigen seit Jahren mit Bravour. Dass diese Korrelationen häufig sinnlos sind, zeigt er ebenso. Deshalb ist eine theoretische Fundierung so wichtig. Leider fehlt sie bei Förster.

Norwegian Crude Oil kills! Tyler Vigen

Statt dessen finden wir in der Pressemeldung der Universität Trier einige Schlüsse, die Förster aus seiner Studie gezogen hat und die wir dann auch wirklich in seiner Dissertation wiederfinden.

„Es sei wichtig, ethnische Diversität als Faktor für politische Beteiligung in zukünftigen Studien zu berücksichtigen und langfristig zu beobachten“, so wird Förster zitiert.

Ein schlichtes „Warum“ macht diese Schlussfolgerung zunichte. Denn dass Förster einen Zusammenhang gefunden hat, das sagt als solches überhaupt nichts aus. Es sagt erst dann etwas aus, wenn Förster einen Grund dafür angegeben kann, dass Wahlberechtigte, die in einer Nachbarschaft leben, in der es viele Ausländer gibt, seltener wählen gehen als Wahlberechtigte, die in einer Nachbarschaft mit wenigen Ausländern wohnen. Tatsächlich spekulieren z.B. Anderson und Paskeviciute (2006), dass gerade Menschen, die mit viel ethnischer Diversität konfrontiert sind, eine höhere politische Mobilität aufweisen und entsprechend häufiger politisch partizipieren und wählen als Menschen, für die das nicht der Fall ist.

Wer nun recht hat, lässt sich leider im theorielosen Raum nicht entscheiden.

Aber vermutlich haben die Autoren viel Spaß mit ihren Spekulationen.

Was jedoch nicht geht, sind Spekulationen wie die folgende:

„Förster kommt anhand der Ergebnisse unter anderem zu dem Schluss, dass mehr Wahlrechte für Migranten auch die Einheimischen wieder verstärkt zurück an die Wahlurne bringen könnten. Deswegen sieht der Wahlforscher die Politik in der Pflicht, Formen der politischen Partizipation für Migranten zu prüfen“.

Diese Verbeugung vor der politischen Korrektheit, die auf keinerlei empirischer Basis steht, findet sich in der Dissertation von Förster in folgender Variante:

„However, it is also conceivable that ‚policies aimed at promoting the integration of immigrants might also succeed in bringing natives back to polling places” (Förster 2017: 93).

Warum sollte das so sein?

Wir wissen es nicht. Förster weiß es nicht, sonst hätte er es geschrieben. Er hat es nicht geschrieben, also weiß er es vermutlich auch nicht. Aber natürlich bringen derart unfundierte Behauptungen Browniepoints bei denen, die die Drittmittel an Universitäten in Ministerien vergeben. Das mag die Erklärung für eine Aussage sein, die auf einem Zusammenhang basiert (Wahlbeteiligung und Ausländeranteil), von dem wir (1) nicht wissen, welche Bedeutung er hat, weil es (2) keinerlei theoretische Erklärung für diesen Zusammenhang gibt, die zeigt, WARUM Wahlberechtigte mit vielen Ausländern in der Nachbarschaft seltener wählen sollten als Wahlberechtigte mit wenigen Ausländern in der Nachbarschaft. Uns fällt das ein oder andere an Theorie ein, aber das ist hier unerheblich: Förster ist nichts eingefallen. Das ist alleine entscheidend und weil ihm nichts eingefallen ist, kann er (3) daraus nicht den Schluss ziehen, dass deutsche Wahlberechtigte, die nicht wählen, häufiger wählen, wenn Ausländer ein Wahlrecht erhalten. Tatsächlich ist dieser Schluss so abwegig, dass man ihm nicht einmal mit gutem Willen folgen kann.

Die logische Struktur lautet:

  • Wahlberechtigte, in deren Nachbarschaft viele Ausländer leben, gehen seltener zur Wahl als Wahlberechtigte, in deren Nachbarschaft wenige Ausländer leben.
  • Daraus folgt für Förster: Wenn man den Ausländern ein Wahlrecht gibt, dann gehen die deutschen Wahlberechtigten, in deren Nachbarschaft viele Ausländer wohnen, häufiger wählen als bisher.

Das ist so großer logischer Unsinn, dass sich jeder Versuch, daraus Sinn zu machen, von selbst verbietet.

Leider sind Arbeiten wie die von Förster, in denen ein Datenfuzzi versucht, die Welt auf Grundlage von Korrelationen zu verändern, keine Seltenheit. Sie werden immer mehr zur Regel. Man erhält sogar einen Doktortitel dafür.

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Datenfuzzis: Über den Zusammenhang zwischen Quatsch und Unsinn

Nach einem langen Arbeitstag, der schon mit der Mondfinsternis begonnen hat, hat man etwas Ruhe und Erholung verdient – so meint man. Jedenfalls hat man nicht die Studie von Chan, Ghose und Seamans mit dem Titel “The Internet and Racial Hate Crime” verdient.

junk_scienceChan, Ghose und Seamans wissen, wie man Wissenschaftler zur Verzweiflung treibt, wie man Blogbetreiber dazu bringt, ein Post zu schreiben, ein Post über den Zusammenhang zwischen Quatsch und Unsinn.

Der wichtigste Satz der Studie von Chan, Ghose und Seamans findet sich auf Seite 29 und lautet: “This paper has several limitations”.

Ihre Studie sie hat in der Tat viele Beschränkungen. Die ganze Studie ist eine einzige Beschränkung.

Chan, Ghose und Seamans betreiben eine Form von Forschung, die man als Suche von Regressionsanwendern nach passenden Daten beschreiben kann. Auf ihrer Suche nach Daten, mit denen sie ihre Regressiongleichung füllen können, sind sie über die Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen ins Internet (broadband im Englischen) und die Zahl so genannter Hate Crimes, also Hasskriminalität gestolpert.

Warum auch nicht. Warum, das ist so ein Schlüsselwort, zu dem wir noch kommen.

Also haben sich Chan, Ghose und Seamans gedacht, bringen wir die Regressionsgleichung zur Anwendung, y(Hasskriminalität) = b0 + b1(DSL-Anschluss)+ b2(Sonstiges – was so anfällt) [Wer es mag, kann die Werte auch logarithmieren.]. Und natürlich ist etwas dabei herausgekommen: Mit einem zusätzlichen DSL-Anbieter steigt die Häufigkeit von Hasskriminalität um 1200 bis 4800 Fälle (in den USA). Und wenn der DSL-Anbieter in einem Gebiet anbietet, in dem es schon viel Rassismus gibt, dann wird alles noch schlimmer, was für die Autoren zeigt, dass Individuen online gehen, “um sich dort eine Rassenidentität zu konstruieren” (das ist unsere Übersetzung dessen, was im Text mit den Limitations tatsächlich steht, auf Seite 27 im zweiten Absatz, für alle, die es nachlesen wollen).

Was meinen Sie zu dieser Studie?

Nun, was uns angeht, wir haben sofort gedacht, warum nicht Mikrowelle? Wir sind der Überzeugung, dass mit der Verbreitung von Mikrowellen mit mindestens 800 Watt die Häufigkeit von Hasskriminalität steigt, weil die Anwender von Mikrowellen offensichtlich durch die Mikrowellen in ihrem Rassismus bestärkt werden.

Natürlich wirken sich Tiefkühlgeräte reduzierend auf die Anzahl der Fälle von Hasskriminalität aus, da man sich in einer Tiefkühltruhe sein Mütchen kühlen kann.

Wenn jedoch Mikrowellen und Tiefkühlgeräte in Gebieten aufeinander treffen, die sowieso schon durch Rassismus geprägt sind, dann steht zu befürchten, dass die Konstruktion einer rassistischen Identität gestört ist – vielleicht auch nicht.

Ganz davon abgesehen hängt die Häufigkeit von Hasskriminalität natürlich mit der Anzahl der roten Ampeln zusammen, schon weil durch rote Ampeln die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, rot zu sehen.

Das war der kathartische und destruktive Teil.

Why god has no phdNun zurück zum Wörtchen “warum”.
Was ist so besonders am Wörtchen, “warum”?
Nun, “warum” ist so etwas wie der Nukleus der Wissenschaft.

Es kann in destruktiver Absicht genutzt werden, um Junk Science wie die von Chan, Ghose und Seamans produzierte mit genau einem Wort, nämlich: “Warum?” zu zerstören. In der langen Version: Warum sollte es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen und der Häufigkeit von Hasskriminalität geben?

Und warum kann konstruktiv verwendet werden: Warum sollte es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen und der Häufigkeit von Hasskriminalität geben?

Hmm, mal überlegen.

Und wenn dieses Überlegen zu einem Ergebnis kommt, z.B: weil die Anbieter von DSL-Verbindungen ihren Kunden ohne deren Wissen Hasskriminalität fördernde Sequenzen auf den Monitor bringen, die deren Hasskriminalität steigern, dann hat man nicht nur ein Antwort, sondern eine Hypothese, die man PRÜFEN muss.

Denn Wissenschaft besteht nicht darin, Regressionsgleichungen mit wild zusammengeklaubten Daten zu füllen, sondern darin, Zusammenhänge zu erklären und diese Erklärung zu prüfen. Damit aus dem “paper” von Chan, Ghose und Seamans Wissenschaft wird, müssen sie also nicht nur Hypothesen darüber aufstellen, warum die Anzahl der DSL-Anbieter einen Einfluss auf die Häufigkeit von Hasskriminalität haben soll, nein, sie müssen diese Hypothesen auch prüfen.

Nur so wird Wissenschaft daraus.

Und nur dieses Vorgehen unterscheidet Wissenschaft von Hirngespinsten und, nun ja, Chan, Ghose und Seamans sind bislang bei Hirngespinnsten stehen geblieben – bei Hirngespinnsten in Form einer Regressionsgleichung.

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