Wer ist ScienceFiles? Nemesis der Junk Science

In unserem beruflichen Alltag sind wir regelmäßig mit Akademikern oder angehenden Akademikern konfrontiert, die verlernt oder nie gelernt haben, was die Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit ausmacht: Recherche, zur Kenntnisnahme des Forschungsstands, methodische Versiertheit im Umgang mit Daten und mit Literatur und – last but not least: Wissen, dass Wissenschaft der Gewinnung von Erkenntnis dient. Wissenschaft ist kein Vehikel, das von Steuerzahlern finanziert wird, damit sich Möchtegern-Forscher bei denen, die sie für die politischen Herren über Drittmittel halten, andienen können. Wissenschaft ist kein Vehikel, das benutzt werden kann, um Legitimität für Ideologen zu beschaffen, Wissenschaft ist kein Mittel, das man benutzen kann, um auf Kosten der Steuerzahler seinen Hobbies zu frönen, und Wissenschaft ist schon gar kein Vehikel, das die Rechtfertigng dafür bereitstellen kann, dass man bürgerliche Freiheiten beschneidet, wie dies die Gender Studies und andere Sozialisten so gerne tun würden, die an Hochschulen installiert wurden.

Der Rubikon zwischen Wissenschaft und Metaphysik, in der gewählten Sprache von Karl Raimund Popper, bzw. Junk Science in unserer zeitgenössischen Anpassung, ist leicht auszumachen. Diejenigen, die ins Lager der Junk Science gehören, wissen nichts von wissenschaftlichen Methoden, nichts von wissenschaftlichen Standards, legen die Stirn in tiefe Falten, wenn man sie mit der Frage nach dem Nutzen dessen, was sie tun, konfrontiert, sind schnell bei der Hand, Kritik als ideologisch, von rechts oder neoliberal zu denunzieren und reagieren äußert empfindlich, wenn man sie darauf hinweist, dass ihre Tätigkeit, deren Nutzen sie in der Regel nicht benennen können, von Steuerzahlern finanziert werden muss, Steuerzahlern, die häufig nicht das Privileg haben, nach 9 Uhr am Arbeitsplatz erscheinen zu können, dort ein paar Stunden in behaglicher Wärme vor einem Computer zuzubringen, sich mit Kollegen zu unterhalten, sich Tee zu kochen, sich mit anderen Kollegen zu unterhalten und schließlich nach Hause zu fahren, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen.

Und so hat uns heute eine Nachricht von Dirk Gansefort erreicht. Gansefort ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Prävention und Evaluation, Fachgruppe Sozialepidemiologie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie und offensichtlich auf uns aufmerksam geworden, weil wir gestern eine Arbeit aus dem BIPS, wie die Herrschaften ihr Institut „liebevoll-infantil“ abkürzen, geschreddert haben, weil es sich um eine ideologisch verquaste Studie handelt, die der Anbiederung dient, keinen erkennbaren wissenschaftlichen Nutzen hat und darüber hinaus einen grundlegenden Fehler beinhaltet, den man nicht einmal von einem Studenten im ersten Semester erwarten würde. Auf Grundlage dieser Kritik, die jeder, der denken kann, einfach auf Basis der gemachten Aussagen nachvollziehen kann, haben wir die Studie als Junk Science eingeordnet [Bislang haben wir das British Medical Journal nicht aufgefordert, den Beitrag zurückzuziehen oder Retraction Watch auf die Fehler im Beitrag aufmerksam gemacht … ].

Heute also hat sich Herr Gansefort bei uns gemeldet, und zwar damit:

“Guten Tag, ich bin heute auf Ihre Website aufmerksam geworden und frage mich, wer denn hier genau schreibt und mit welcher Expertise Sie die Artikel kritisch beurteilen? Es scheint, dass Sie von dem, was Sie hier schreiben wenig Verständnis haben und es eher auf ideologischen Grundsätzen bzw. Ablehnungen beruht als auf wissenschaftlicher Expertise bzw. Evidenz. Haben Sie vielleicht auch selber Forschung betrieben, die Ihre Expertise nachweist? Wenn ja, hätte ich Interesse an dieser Arbeit. Mit freundlichen Grüßen, Dirk Gansefort”

Woran erkennt man, dass Herr Gansefort kein Wissenschaftler ist?

Es wäre leicht möglich, unserer Kritik zu begegnen, in dem man zeigt, wo sie nicht zutrifft. Ein Wissenschaftlter täte das. Gansefort tut es nicht.

Offensichtlich kann er es nicht.

Statt dessen will er suggerieren, dass Kritik an dem BIPS-Pamphlet nur dann möglich sei, wenn sie von ihm namentlich bekannten Autoren durchgeführt wird. Ein Wissenschaftler tut das nicht, denn Wissenschaftler begehen keine Fehlschlüsse ad auctoritatem. Wissenschaftler wissen, dass die Gültigkeit eines Arguments nicht davon abhängt, wer es vorbringt, sondern davon, ob es zutriftt oder nicht, ob es mit der Realität übereinstimmt oder nicht.

Damit wären wir wieder bei der Frage, warum Gansefort unserer Kritik nicht mit Argumenten begegnet, wenn er sie schon für falsch zu halten scheint. Abermals müssen wir feststellen, dass er es wohl nicht kann, man kann Junk eben nicht verteidigen.

Schließlich will er suggerieren, dass unsere Kritik auf ideologischer Grundlage basiere, was wirklich ärmlich ist, denn die Frage, ob in einer Studie, die angeblich wissenschaftlich ist, Variablen, von denen das Ergebnis abhängt, kontrolliert wurden oder nicht, hat nichts mit Ideologie, aber viel mit wissenschaftlichem Können zu tun, das im vorliegenden Fall nicht vorhanden ist. Wenn man Behauptungen über die Fairness der Verteilung von Hausarbeit zwischen weiblichen und männlichen Rentnern aufstellen will, meint, man sei dazu befugt, dann muss man zumindest sicherstellen, dass man nicht Kartoffeln mit Blindschleichen vergleicht, dann muss man wissenschaftliche Mindeststandards einhalten. Das ist bei der von uns kritisierten Studie nicht der Fall, wie jeder hier nachlesen kann.

Warum also schreibt uns Herr Gansefort? Warum begeht er Fehlschlüsse, ist unanständig und suggeriert hier hätten sich dunkle Mächte verschworen, Mächte ohne Expertise mit nur einem Ziel, das BIPS, Gansefort und Adjei zu zerstören?

Entweder Gansefort hat zuviel öffentlich-rechtliche Nachrichten gesehen oder er ist affektiv überlastet ob der Öffentlichkeit, die Junk Science plötzlich dadurch erfährt, dass wir sie bloßstellen. Was auch immer die Ursache sein mag, fest steht, wir haben klare und nachvollziehbare Argumente, Argumente, die man kritisieren könnte, wären sie nicht fundiert, sondern falsch, vorgetragen, um unsere Einordnung der Studie als Junk zu belegen. Gansefort ist uns mit Unterstellungen und Fehlschlüssen begegnet.

Auf welcher Seite die wissenschaftliche Expertise zu finden ist, ist somit offensichtlich, und es ist immer noch so, dass die Gültigkeit von Kritik unabhängig von der Person dessen ist, der die Kritik vorbringt . Dass die nicht vorhandene Expertise auch mit einem Unvermögen der Recherche einhergeht, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass wir nicht mehr tun können, als unsere Grundsätze in ein Grundsatzprogramm zu packen und zu veröffentlichen, nicht mehr tun können, als im Internet bekannt zu sein, wie bunte Hunde. Letztlich wüsste Gansefort, wer wir sind, hätter er nur entfernt das in Sicht, was Wissenschaft ist. Offensichtlich hat er noch nie vom Who is Who in der Wissenschaft gehört, so dass wir uns fragen, auf Grundlage welcher Expertise er sich traut, bei uns nachzufragen. 

Wenn das nicht reicht, um auch Herrn Gansefort eine Sternstunde geistiger Klarheit, vielleicht eher eine Sternminute, zu verpassen, dann … nun ja, man kann uns beauftragen: Wir recherchieren, stellen zusammen, bewerten und beurteilen wissenschaftliche Arbeiten, schreiben Gutachten und empfehlen Texte zur Veröffentlichung in wissenschaftlichen Zeitschriften. Und den Text von Nicholas Adjei, den hätten wir mit Sicherheit nicht empfohlen.

Wir empfehlen dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des BIPS somit, sich in wissenschaftlichen Quellen kundig zu machen, mit wem er es zu tun hat und sich dann wieder an uns zu wenden, wenn er die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens, die unter anderem darin bestehen, Fehlschlüsse zu erkennen und vor allem nicht selbst zu begehen, bewältigt hat.

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Alte faule Männer … Die Gesinnungsforschung ist wieder Junk Science geworden

Wie kommt man auf die Idee, die Frage, wer bei Rentnern, also bei Personen über 65 Jahren wie viel Hausarbeit macht zu untersuchen? Welche wissenschaftliche Erkenntnis kann man aus einer solchen Forschung gewinnen?

Keine. Und weil man keine wissenschaftliche Erkenntnis daraus gewinnen kann, deshalb ist es keine wissenschaftliche Forschung, sondern Gesinnungsforschung, mit der sich wissenschaftlicher Nachwuchs, im vorliegenden Fall der Doktorand Nicholas Adjei, dem man beim Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) einen Doktortitel verschaffen will, hofft andienen zu können. Er versucht, die armen Frauen, die selbst im Alter noch mit der Hausarbeit von ihren Männern alleine gelassen werden, wie er suggerieren will, politisch-korrekt und vor allem verbal zu retten und sich damit einen Karrieredienst zu erweisen. Wenn Andienen, das Verbreiten von Langeweile und vollständige Phantasielosigkeit die Eigenschaften sind, die eine Karriere befördern, dann ist Adjei ein „high fligher“.

Hat er doch Folgendes entdeckt:

„Bei der Auswertung zeigte sich ein deutliches Bild. Während die Frauen im Schnitt etwa fünf Stunden mit Hausarbeit verbrachten, hielten sich die Männer zurück. Sie arbeiteten im Schnitt nur drei Stunden im Haushalt“, sagt Nicholas Adjei, Doktorand in der Abteilung Prävention und Evaluation am BIPS und Erstautor der Studie. „Bei der Art der Hausarbeit gibt es deutliche Unterschiede. Frauen beschäftigen sich im Schnitt fast 220 Minuten täglich mit Kochen, Einkaufen und Putzen – Männer dagegen nur knapp 90 Minuten. Bei Gartenarbeiten und handwerklichen Tätigkeiten zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Hier sind Männer fast 70 Minuten täglich aktiv, Frauen dagegen nur knapp 40 Minuten.“

Der politische Andienschluss, von dem sich Adjei Brownie-Punkte erhofft, er lautet:

„Eine gleichmäßigere Verteilung aller Hausarbeiten auf Frau und Mann könnte also durchaus sinnvoll und fair sein.“

Es gibt vermeintliche Forschungen, die kann man mit einem einzigen Blick auf die Verteilung der verwendeten Variablen als Junk Science entlarven. Das, was aus dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in die wissenschaftliche Welt emittiert wird und die wissenschaftliche Luft belastet, es hat diese Qualität.

Jeder Leser wird uns sicherlich zustimmen, dass Arbeit dann, wenn man sie teilen kann, schneller erledigt ist. Weil zwei vergleichbare Arbeit schneller erledigt haben als einer kann man annehmen, dass in einem Einpersonenhaushalt die eine Person mehr Zeit für Kochen, Reinigen und Einkaufen (das zählt Adjei als Hausarbeit) aufwenden muss, als zwei Personen, die sich diese Arbeit teilen können. Einer reinigt, während der andere einkauft, beide kochen zusammen.

Zustimmung allenthalben?

Gut.

41,6% der Frauen im Sample von Adjei leben alleine, aber nur 18,2% der Männer. D.h. gut ein Viertel mehr Frauen als Männer muss die gesamte Arbeit alleine erledigen, weil ihr Mann schon verstorben ist oder sie aus anderen Gründen alleine sind. Entsprechend ist es kein Wunder, wenn Frauen insgesamt mehr Zeit für Kochen, Reinigen und Einkaufen aufwenden als Männer, weil viel mehr Frauen als Männer diese Tätigkeiten alleine erledigen müssen, weil sie nämlich alleine leben.

Damit ist das Ergebnis, das Adjei so großspurig verkündet und der Schluss, den er mit Blick auf die Fairness zu ziehen können glaubt, gerade geplatzt wie eine Seifenblase, so dass man die Frage, wie es sich denn mit der Lebensarbeitszeit im Hinblick auf Fairness verhält, gar nicht stellen muss. Die Frage, wie Hausarbeit zwischen zwei Partnern verteilt wird, hat übrigens gar nichts mit der Frage zu tun, ob eine gleiche Verteilung fair ist (Die Vorstellung, dass etwas, das gleichverteilt ist, damit automatisch fair verteilt wurde, ist an Dummheit kaum zu überbieten). Aber diese Feststellung überfordert Adjei vermutlich. Bei ihm reicht es allen Anscheins nach nur dazu, sich als Trittbrett-Genderlamentierer zu verdingen und viel Geld für keine Erkenntnis zu verschwenden.

Wie lebt man eigentlich in dem Bewusstsein, Geld von Steuerzahlern zu verschwenden, um sich anzudienen? Wie steht es hier mit der Fairness? Ist es fair, Steuergeld für sinnlose Forschung zu verschwenden, für das normale Bürger zuweilen in Nachtschicht arbeiten müssen oder für das sie Tätigkeiten ausführen müssen, die dazu führen, dass Adjei sie nicht mehr befragen kann, weil sie nämlich bereits und infolge eines anstrengenden Arbeitslebens verstorben sind. Kann man es rechtfertigen, Junk wie den von Adjei auf dem Rücken dieser Menschen zu finanzieren?

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