Kleidung diskriminiert: Die Kölner Uni im freien intellektuellen Fall

Mit der Wahrnehmung ist das so eine Sache.

Man nimmt nicht einfach wahr. Uns umgeben Unmengen von Reizen. Wer durch eine beliebige Straße geht, erhält eine Unzahl von Wahrnehmungsangeboten. Indes, niemand nimmt alles wahr. Wahrnehmung ist ein selektiver Prozess, einer, der durch Interesse und Aufmerksamkeit gesteuert wird. Wenn es hinter uns knallt, dann drehen wir uns automatisch um. Wenn uns eine beliebige Auslage in einem Schaufenster interessiert, dann betrachten wir sie, wenn nicht, dann gehen wir vorbei. Kurz: Es muss entweder ein Interesse bestehen, Dinge wahrzunehmen oder die Aufmerksamkeit durch einen Reiz erregt werden.

Stellen Sie sich vor, Sie laufen über den Campus der Universität Köln. Sie studieren an dieser Uni. Sie sind vielleicht auf dem Weg zu einer Veranstaltung, wahrscheinlicher auf dem Weg in die Mensa. Am Rand ihres Weges ist eine Baustelle. An der Uni Köln wird gebaut. Bauarbeiter gehen dort ihrer Arbeit nach. Wie wahrscheinlich ist es, dass sie die Marke des t-Shirts oder des Pullovers zweier beliebiger unter den Bauarbeitern wahrnehmen?

Es mag Studenten geben, die ein Forschungsprojekt durchführen, in dem die Kleidung von Bauarbeitern eine zentrale Rolle spielt. Obgleich, das ist unwahrscheinlich. Heutige Studenten interessieren sich nur noch für ihre Mitmenschen, wenn sie diese benutzen können, um sich selbst in irgendeiner Weise besser zu stellen.

Abgesehen von diesem sehr unwahrscheinlichen Typ von Student, gibt es kaum eine Begründung dafür, die Kleidung von Bauarbeitern zu inspizieren.

Noch eine Frage: Wer von Ihnen würde Kleidung von Thor Steinar erkennen? Wer weiß, dass „Landser“ nicht nur die Bezeichnung für einen normalen deutschen Soldaten im Ersten und mehr noch im Zweiten Weltkrieg ist, sondern auch der Name einer Neo-Nazi-Band, die es seit mehr als 15 Jahren nicht mehr gibt?`

Man muss schon sehr spezielles Wissen und eigenartige Interessen haben und beides mit einem unglaublichen, einem psychotischen Hang, andere zu überwachen, kombinieren, um zu bemerken, dass zwei Bauarbeiter, die auf dem Gelände der Universität Köln beschäftigt sind, Kleidung mit der Aufschrift “Landser” und von Thor Steinar tragen.

So unwahrscheinlich wie es klingt: In Köln gibt es die entsprechenden Exemplare, Studenten (hier die sozialpsychologische Erklärung:) die, weil sie keinerlei Leistung in ihren Leben erbracht haben, versuchen, sich ideologisch von denen zu differenzieren, die ganz offensichtlich eine Leistung erbringen, die eine Bauleistung erbringen, und die diese Differenzierung mit einer Hierarchisierung verbinden, in der sie oben zu finden sind. Diese Studenten, die offensichtlich nichts Besseres zu tun haben als über ihren Campus zu laufen und sich als Kleidungsblockwart zu fühlen, immer auf der Suche nach einem Verstoß gegen die Kleidungsordnng, die sie für die richtige halten, sie haben zwei Bauarbeiter erspäht, die ideologisch unzüchtige Kleidung tragen, aus der Sicht ihrer zur Religion verabsolutierten Ideologie versteht sich.

Und sie haben Alarm geschlagen; Darüber debattiert in ihrem Studentenparlament. Ganz viel Betroffenheit und Reaktanz ausgelöst. Sie haben sich die Köpfe über die beiden Bauarbeiter heiß geredet, sich echauffiert und die Universitätsleitung unter Druck gesetzt. Nur eines haben sie nicht getan: Sie haben nicht MIT den Bauarbeitern gesprochen, nicht untersucht, wie es sich für einen Studenten geziemen würde, ob die Bauarbeiter überhaupt wissen, was sie da anhaben, ob sie die hysterische Deutung, die die Studenten vornehmen, teilen, ob sie das mit ihrer Kleidung verbinden, was die Kölner Studenten offensichtlich damit verbinden. Die Kölner Studenten haben ÜBER die Bauarbeiter gesprochen, sie für ihre ideologischen Phantasien benutzt, weil sie offensichtlich zu feige sind, MIT den Bauarbeitern zu sprechen. Sie haben ihre Interpretation der Bedeutung der Kleidung verabsolutiert, so wie jedes Sektenmitglied die Bedeutungszuschreibung zu empirischen Dingen, die seine Religion vorschreibt, verabsolutiert. Und dann sind sie zum Pater Familias gelaufen und haben darum gebettelt, dass er die studentische Welt wieder heil macht.

Als Studenten sind sie durchgefallen. Als Priester ihrer eigenen Ideologie haben sie sich bewährt.

Es ist natürlich immer leichter, anderen die eigenen Deutungen unterzuschieben und nicht zu prüfen, ob diese Vorurteile auch empirisch zutreffen. Das macht den Unterschied zwischen legitimen Stereotypen und Vorurteilen und zwischen Menschen, die empirischen Daten zugänglich sind und denen, die es nicht sind. Die Kölner Studenten sind es nicht.

Sie haben auf dem Kölner Campus eine Kleiderordnung durchgesetzt, die, wie es der Uni-Sprecher Patrick Honecker formuliert hat, das „Neutralitätsgebot“ von Universitäten, also die Abwesenheit politischer Betätigung auf dem Campus, in Kraft und umgesetzt hat. Damit entfallen sicher auch alle Kleidungsstücke, die das Konterfei von Che Guevarra (marxistischer Serienkiller) und Fidel Castro (sozialistischer Massenmörder) zu Schau stellen oder auf denen Insignien zu sehen sind, die mit der Sowjetunion Stalins, dem China Maos, der DDR oder anderen Volksgefängnissen, in denen Folter, Terror und Mord an der Tagesordnung waren, in Zusammenhang gebracht werden können.

Die Uni Köln meint es sicher ernst mit dem Neutralitätsgebot.

Denn: Kleidung ist ein Diskriminierer. In den Verlautbarungen der Kölner Studenten findet sich regelmäßig das Motiv des „diskriminierungsfreien Orts“, der die Kölner Uni sein soll. Wenn Thor Steinar Kleidung und ein t-Shirt mit dem Aufdruck „Landser“ diesen diskriminierungsfreien Ort beseitigen, dann gilt dies, unsinnig wie es ist, auch für Insignien anderer politischer Provenienz, die nicht von jedem geteilt werden und somit diskriminierend sind. Der Verdacht genügt. Ob jemand weiß, dass sein roter Stern auf der Mütze aus dem russischen Bürgerkrieg stammt, ist belanglos. Wer ihn trägt, wird sanktioniert. Verdacht ist Verurteilung. Wir reden über, nicht mit Angeklagten.

Dass man es in Köln nicht mit einem normalen Vorgang, an dem normale Menschen beteiligt sind, sondern mit dem verzweifelten Versuch eines akademischen Prekariats zu tun hat, einen eigenen Wert unabhängig von Leistung zu etablieren, ist nach dem Berichteten bereits deutlich, Dass die Kölner tatsächlich unter einer Form der geistigen Umnachtung leiden, macht ein Zitat von Theodor Jost, dem Vorsitzenden des Kölner AStA in der WELT deutlich:

„Es ist nicht nur mir, sondern dem gesamten AStA ein persönliches Anliegen, dass die Universität ein diskriminierungsfreier Ort bleibt. Dazu gehört auch, dass wir es nicht tolerieren werden, wenn rechtsradikale Symbolik auf dem Campus getragen wird“.

Dass Jost den AStA zu einer Person erklärt und ihr eine Persönlichkeit zuschreibt, mag noch auf den Egozentrismus, der seine Aussage ziert, attribuiert werden. Dass er die Universität jedoch zum diskriminierungsfreien Ort erklärt und im gleichen Atemzug verkündet, dass man an diesem Ort heftig diskriminieren werde, wann immer man der Ansicht sei, es mit rechtsradikaler Symbolik zu tun zu haben, das lässt keine Chance auf eine eventuelle wissenschaftliche Karriere zu, diese setzt voraus, dass man Widersprüche erkennt.

Wissenschaft ist u.a. die Arbeit mit Konzepten. Diskriminierung ist ein solches Konzept. Es beschreibt, die positive oder negative Besserstellung oder Beschreibung oder Hervorhebung von bestimmten Objekten oder Personen. Wer nicht toleriert, der diskriminiert. Das ist nun einmal so, in einer normalen, einer logischen Welt, in der Sprache noch der Verständigung und nicht der Signalisierung eigener Gutheit dient.

In Köln ist das wohl anders.

Früher waren Universitäten Orte, an denen die intellektuelle Herausforderung, der abweichende Gedanke, die andere Idee Wertschätzung erfahren haben. Heute werden Universitäten immer mehr zu Orten, an denen sich ideologische Kleingeister vor der Welt abschotten und an denen sie versuchen, ihr kleines Ego dadurch zu pflegen, dass sie anderen vorschreiben wollen, was sie zu tun und neuerdings auch zu tragen haben.

Wie wäre es, wenn sich Bauarbeiter in Zukunft weigern würden, an Universitäten zu arbeiten, an denen linke Studenten den Müsiggang von den Steuern üben, die den Bauarbeitern abgezogen werden und sich ansonsten dadurch auszeichnen, dass sie die Zeit, in der sie von Steuerzahlern ausgehalten werden, nicht dazu nutzen, zu lernen, sondern dazu, zu schnüffeln, politisch zu predigen, Unsinn zu verbreiten, sich zum politischen Aktivisten schulen zu lassen uvm.? Sicher sind die heutigen Studenten bereit, selbst Hand am Bau ihrer Universität anzulegen. Im Sozialismus macht man das so.

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Deutschland 2016: Unter manisch oder bösartig Dummen

So, wir hatten jetzt alle viel Spaß mit den Nazi-Codes, die sich überall finden lassen. Da wir ein Wissenschaftsblog sind, wollen wir nunmehr zur Arbeit schreiten und die Systematik, die Struktur hinter der manischen oder bösartigen Dummheit derer darstellen, die meinen HH 88 müsse mehr bedeuten als HH 88.

Die Struktur hat zwei Ebenen, eine kognitive und eine logische.

Um einen Nazi-Code zu erkennen, muss man danach suchen.

Choice Values FramesWahrnehmung passiert nicht einfach so. Wir gehen nicht durch die Welt und die Dinge in der Welt drängen sich in unsere Wahrnehmung. Menschen wählen aktiv aus, d.h. sie suchen sich aus dem Meer der Informationen, die sie täglich umgeben, diejenigen aus, die ihnen etwas sagen. Wer also Nazi-Codes findet, der sucht nach Nazi-Codes. Das HH 88 ist dem Eimsbütteler nicht einfach so erschienen, er hat gezielt danach gesucht. In seinem Gehirn gibt es eine Schublade, einen Frame mit Nazi-Codes, die er offensichtlich alle parat hat.

Wer sich derart intensiv mit einem so abseitigen Thema wie Nazi-Codes auseinandersetzt, der muss entweder denken, er können daraus einen Nutzen ziehen oder verrückt sein. Ein Nutzen kann sich in Form von anbiedernder Unterordnung unter das, was als Staatsmacht wahrgenommen wird, einstellen, er kann sich einfach dadurch einstellen, dass es als befriedigend empfunden wird, Anderen aus der Anonymität heraus geschadet zu haben oder er kann sich daraus ergeben, dass der Nazi-Code-Spezialist in der kleinen sozialen Gruppe, in der er sich bewegt, durch das Anschwärzen von angeblichen Nazis einen Statusgewinn erzielt, etwa in der Weise, wie der entsprechende Statusgewinn am Beispiel der „Gang“ von Frederic M. Trasher beschrieben wurde.

Alle genannten Motive stellen niedere Motive dar, denn Ziel ist es, einen eigenen Nutzen aus einem anderen verursachten Schaden zu gewinnen.

Die Verrückten unter denen, die überall Nazi-Codes sehen, zeichnen sich genau dadurch aus, dass sie überall Nazi-Codes sehen und wahrnehmen. Sie sind auf Nazi-Codes geeicht und können gar nichts anderes mehr wahrnehmen als Nazi-Codes. Sie sind kaum mehr zu einem normalen Leben fähig und müssten eigentlich in ein Irrenhaus überstellt werden.

Zusammenfassend:
Um einen Nazi-Code zu erkennen, muss man (1) einen Nazi-Code bereits im Kopf haben und (2) die wahrnehmbare Welt nach Nazi-Codes durchsuchen (oder wie bemerkt man sonst das Nummernschild eines Feuerwehrautos auf einem Kinderkarussell?). Letzteres kann manisch erfolgen oder dem Motiv folgen, sich selbst einen Nutzen durch das Entdecken von Nazi-Codes zu verschaffen. Die Grenze zwischen Manie und Nutzen ist fließend, schon weil die Motive, die hinter dem Versuch, sich einen Nutzen zu verschaffen, stehen, in dem man vermeintliche Nazi-Codes meldet, allesamt niedere Motive sind.

Der logische Fehlschluss hinter den Nazi-Codes

Nach unserer Ansicht ist der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens der Fehlschluss, der in Deutschland am weitesten verbreitet ist. Er liegt vor, wenn man von einer Wirkung auf die Ursache zurückschließt, so als bestünde zwischen beiden eine Äquivalenz.

Logik fuer DummiesDas Schulbeispiel beschreibt die nasse Straße, die nicht den Schluss zulässt, dass es geregnet hat, weil es noch andere Möglichkeiten gibt, um eine Straße zu befeuchten.

Die Menge der möglichen Ursachen verhält sich also nicht äquivalent zur Menge der Wirkungen. 

Wenn Nazis also tatsächlich Codes benutzen wie z.B. HH 88, dann kann man daraus, dass man einem Kennzeichen HH 88 gegenübersteht, nicht schließen, dass es sich um einen Nazi-Code handelt, denn nicht jedes HH 88 ist ein Nazicode.

Oder:
Manche HH 88 sind Nazi-Code.
Das Auto hat HH 88 im Kennzeichen.
Das Auto hat einen Nazi-Code.

Das ist ein klassischer Fehlschluss.

Damit es auch der Letzte versteht, hier ein paar Beispiele, die auf den begriffsstutzigen Teil der Bevölkerung zugeschnitten sind.

Fehlschluss:
Manche Massenmörder waren linke Politiker.
X ist ein Massenmörder.
X ist ein linker Politiker.

Fehlschluss:
Manche Wissenschaftler finden sich an Universitäten
Genderisten sind an Universitäten.
Genderisten sind Wissenschaftler.

Fehlschluss:
Wenn man mit einem Maschinengewehr auf einen Menschen schießt, dann ist der Mensch tot.
Ein Mensch ist tot.
Es wurde mit einem Maschinengewehr auf ihn geschossen.

Fehlschluss:
Wenn Nazis mit einander kommunizieren, dann benutzen sie einen Geheimcode.
Xsf21 ist ein Geheimcode.
Nazis müssen kommuniziert haben.

Fehlschluss:
Manche Politiker haben ihre Doktorarbeit selbst geschrieben.
Politiker X hat einen Doktortitel.
Politiker X hat seine Doktorarbeit selbst geschrieben.

Fehlschluss:
Manche Kinder kümmern sich im Alter um ihre Eltern.
X hat Kinder.
Die Kinder von X kümmern sich im Alter um ihn.

Wer demnach behauptet, er habe HH 88 eindeutig als einen Nazi-Code identifiziert, zeigt zum einen, dass er entweder von niedrigen Motiven geleitet oder irrsinnig ist und zum anderen, dass er nicht zum logischen Denken in der Lage ist. Wie man es dreht und wendet, es kommt immer ein kognitiv beeinträchtigter Zeitgenosse dabei heraus.


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