Deutschland 2016: Unter manisch oder bösartig Dummen

So, wir hatten jetzt alle viel Spaß mit den Nazi-Codes, die sich überall finden lassen. Da wir ein Wissenschaftsblog sind, wollen wir nunmehr zur Arbeit schreiten und die Systematik, die Struktur hinter der manischen oder bösartigen Dummheit derer darstellen, die meinen HH 88 müsse mehr bedeuten als HH 88.

Die Struktur hat zwei Ebenen, eine kognitive und eine logische.

Um einen Nazi-Code zu erkennen, muss man danach suchen.

Choice Values FramesWahrnehmung passiert nicht einfach so. Wir gehen nicht durch die Welt und die Dinge in der Welt drängen sich in unsere Wahrnehmung. Menschen wählen aktiv aus, d.h. sie suchen sich aus dem Meer der Informationen, die sie täglich umgeben, diejenigen aus, die ihnen etwas sagen. Wer also Nazi-Codes findet, der sucht nach Nazi-Codes. Das HH 88 ist dem Eimsbütteler nicht einfach so erschienen, er hat gezielt danach gesucht. In seinem Gehirn gibt es eine Schublade, einen Frame mit Nazi-Codes, die er offensichtlich alle parat hat.

Wer sich derart intensiv mit einem so abseitigen Thema wie Nazi-Codes auseinandersetzt, der muss entweder denken, er können daraus einen Nutzen ziehen oder verrückt sein. Ein Nutzen kann sich in Form von anbiedernder Unterordnung unter das, was als Staatsmacht wahrgenommen wird, einstellen, er kann sich einfach dadurch einstellen, dass es als befriedigend empfunden wird, Anderen aus der Anonymität heraus geschadet zu haben oder er kann sich daraus ergeben, dass der Nazi-Code-Spezialist in der kleinen sozialen Gruppe, in der er sich bewegt, durch das Anschwärzen von angeblichen Nazis einen Statusgewinn erzielt, etwa in der Weise, wie der entsprechende Statusgewinn am Beispiel der „Gang“ von Frederic M. Trasher beschrieben wurde.

Alle genannten Motive stellen niedere Motive dar, denn Ziel ist es, einen eigenen Nutzen aus einem anderen verursachten Schaden zu gewinnen.

Die Verrückten unter denen, die überall Nazi-Codes sehen, zeichnen sich genau dadurch aus, dass sie überall Nazi-Codes sehen und wahrnehmen. Sie sind auf Nazi-Codes geeicht und können gar nichts anderes mehr wahrnehmen als Nazi-Codes. Sie sind kaum mehr zu einem normalen Leben fähig und müssten eigentlich in ein Irrenhaus überstellt werden.

Zusammenfassend:
Um einen Nazi-Code zu erkennen, muss man (1) einen Nazi-Code bereits im Kopf haben und (2) die wahrnehmbare Welt nach Nazi-Codes durchsuchen (oder wie bemerkt man sonst das Nummernschild eines Feuerwehrautos auf einem Kinderkarussell?). Letzteres kann manisch erfolgen oder dem Motiv folgen, sich selbst einen Nutzen durch das Entdecken von Nazi-Codes zu verschaffen. Die Grenze zwischen Manie und Nutzen ist fließend, schon weil die Motive, die hinter dem Versuch, sich einen Nutzen zu verschaffen, stehen, in dem man vermeintliche Nazi-Codes meldet, allesamt niedere Motive sind.

Der logische Fehlschluss hinter den Nazi-Codes

Nach unserer Ansicht ist der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens der Fehlschluss, der in Deutschland am weitesten verbreitet ist. Er liegt vor, wenn man von einer Wirkung auf die Ursache zurückschließt, so als bestünde zwischen beiden eine Äquivalenz.

Logik fuer DummiesDas Schulbeispiel beschreibt die nasse Straße, die nicht den Schluss zulässt, dass es geregnet hat, weil es noch andere Möglichkeiten gibt, um eine Straße zu befeuchten.

Die Menge der möglichen Ursachen verhält sich also nicht äquivalent zur Menge der Wirkungen. 

Wenn Nazis also tatsächlich Codes benutzen wie z.B. HH 88, dann kann man daraus, dass man einem Kennzeichen HH 88 gegenübersteht, nicht schließen, dass es sich um einen Nazi-Code handelt, denn nicht jedes HH 88 ist ein Nazicode.

Oder:
Manche HH 88 sind Nazi-Code.
Das Auto hat HH 88 im Kennzeichen.
Das Auto hat einen Nazi-Code.

Das ist ein klassischer Fehlschluss.

Damit es auch der Letzte versteht, hier ein paar Beispiele, die auf den begriffsstutzigen Teil der Bevölkerung zugeschnitten sind.

Fehlschluss:
Manche Massenmörder waren linke Politiker.
X ist ein Massenmörder.
X ist ein linker Politiker.

Fehlschluss:
Manche Wissenschaftler finden sich an Universitäten
Genderisten sind an Universitäten.
Genderisten sind Wissenschaftler.

Fehlschluss:
Wenn man mit einem Maschinengewehr auf einen Menschen schießt, dann ist der Mensch tot.
Ein Mensch ist tot.
Es wurde mit einem Maschinengewehr auf ihn geschossen.

Fehlschluss:
Wenn Nazis mit einander kommunizieren, dann benutzen sie einen Geheimcode.
Xsf21 ist ein Geheimcode.
Nazis müssen kommuniziert haben.

Fehlschluss:
Manche Politiker haben ihre Doktorarbeit selbst geschrieben.
Politiker X hat einen Doktortitel.
Politiker X hat seine Doktorarbeit selbst geschrieben.

Fehlschluss:
Manche Kinder kümmern sich im Alter um ihre Eltern.
X hat Kinder.
Die Kinder von X kümmern sich im Alter um ihn.

Wer demnach behauptet, er habe HH 88 eindeutig als einen Nazi-Code identifiziert, zeigt zum einen, dass er entweder von niedrigen Motiven geleitet oder irrsinnig ist und zum anderen, dass er nicht zum logischen Denken in der Lage ist. Wie man es dreht und wendet, es kommt immer ein kognitiv beeinträchtigter Zeitgenosse dabei heraus.

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