Diese Ergebnisse stehen u.a. am Ende einer Untersuchung, die Robert Dur und Robin Zoutenbier auf Grundlage der Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und somit auf Grundlage deutscher Daten durchgeführt haben. Wer nun seine Meinung, dass staatliche Bedienstete in Schulen (Lehrer mit den vielen freien Tagen), in Ämtern (Verwaltungsbeamte mit der Gleitzeit), an Gerichten (Berobte mit eigener Zeiteinteilung) oder Ministerien (wichtige Beamte mit eigener Zuständigkeit) faul seien, äußern will, darf dies nunmehr wissenschaftlich fundiert und belegt behaupten.
Kennst Du den Unterschied zwischen einem Beamten und einem Arbeitslosen?
Der Arbeitslose hat schon einmal gearbeitet.
Wie lautet das Morgengebet eines Beamten?
Lieber Gott, mach‘ mich nicht zuständig!
Bei uns am Finanzamt hängt ein Schild: „Geöffnet- wir bitten um Verständnis!“
Und so könnte man Seiten und Bücher mit entsprechenden Weisheiten füllen, die bislang nur belacht wurden, doch nun, seit Dur und Zoutenbier es wissenschaftlich untersucht haben, Gewissheit sind: In den öffentlichen Dienst verirren sich nur Personen, die sich selbst als „faul“ bezeichnen (Die entsprechenden Personen stimmen der Aussage „Ich tendiere dazu, faul zu sein“ zu). Einmal im El-Dorado des öffentlichen Dienst angekommen, gleichen sich dann selbst die weniger Faulen mit zunehmenden Dienstjahren dem Faulheitsstandard ihrer jeweiligen Behörde an.
Doch Dur und Zoutenbier finden nicht nur, dass in öffentlichen Verwaltungen die Faulen klumpen, nein, sie benennen auch Merkmale, an denen man die besonders Faulen erkennen kann:
- Wer das Risiko scheut, findet sich eher unter faulen öffentlichen Bediensteten.
- Frauen finden sich häufiger unter den faulen öffentlichen Bediensteten.
- Kinderlose finden sich seltener unter den faulen öffentlichen Bediensteten.
- Hauptschüler und Personen aus den so gerne als bildungsfern bezeichneten Schichten finden sich kaum unter faulen öffentlichen Bediensteten.
Obschon die im öffentlichen Dienst praktizierte leistungsunabhängige Bezahlung von öffentlich Bediensteten, die den schlechten Teilzeitlehrer, der in wenigen Stunden mehr Schaden bei Schülern anrichtet als der gute Vollzeitlehrer im Rahmen seines Deputats richten könnte, wenn er denn wollte, der Traum aller Sozialististen sein sollte und das ist, was uns Staatsfeministen schmackhaft machen wollen, wenn sie Gleichstellung fordern, scheint Volkes Stimme doch nicht so richtig davon überzeugt zu sein, dass man auch mit minderer Leistung dasselbe Gehalt, die selben Bezüge erhalten soll. So wartet die Studie „Einkommensgerechtigkeit in Deutschland“ mit dem Ergebnis auf, dass gefragt danach, was für sie die Hauptkriterien sind, anhand derer sich ein gerechtes Bruttoeinkommen berechne, Deutsche an erster Stelle Leistung nennen (Hinz & Liebig, 2010). Folglich steht das Ergebnis von Dur und Zoutenbier, das ja auf der Selbsteinschätzung der Befragten als „tendenziell faul“ beruht, im Gegensatz zu dem, was die Mehrheit der Deutschen als fair empfindet.
Das kann natürlich nicht so bleiben. Man kann nicht öffentlich zeigen, öffentlich Bedienstete seien faul und nichts Positives folgen lassen, das öffentlich Bedienstete rehabilitiert. Im Falle von Dur und Zoutenbier beginnt die Rehabilitation mit der folgenden Frage:
Wie wichtig ist es für Sie, für andere da zu sein?
Wer auf diese Frage angibt, es sei ihm wichtig oder sehr wichtig für andere da zu sein, dem wird von Dur und Zoutenbier Altruismus unterstellt. Und ausgehend von dieser Unterstellung geben die Autoren Anschauungsunterricht darin, wie man Fakten so verdrehen kann, dass Faule zu heiligen Samaritern werden. Dass in öffentlichen Verwaltungen kein leistungsgerechtes Gehalt bezahlt wird, sondern Bezüge unabhängig von Leistung sind, bedeutet für die selben Autoren, die beim Zusammenhang zwischen faulen Personen und der Beschäftigung im öffentlichen Dienst noch das Fehlen einer leistungsgerechten Entlohnung beklagt haben, nunmehr, dass der öffentliche Dienst vornehmlich Altruisten anzieht, solche nämlich, die intrinsisch belohnt werden wollen, durch das Gute, das sie anderen tun und nicht extrinsisch mit Geld und für das, was sie wirklich tun. Ich habe schon einige verquere Darstellungen gelesen, aber diese schlägt wirklich alles.
Wer nun denkt, mit dieser schrägen Altruismus-Interpretation hätten die Autoren den Olymp der Absurdität erklommen, der sieht sich getäuscht. Einmal mehr wird bestätigt, dass der Rahmen, aus dem heraus man die Welt sieht, bei manchen Forschern auch durch noch so absurde Ergebnisinterpretationen nicht zerstört werden kann: „Together these results imply that workers who are both highly altruistic and lazy have the highest liklihood of sorting to the public sector“ (15). Den hatten wir noch nicht, den faulen Altruisten! Bleibt nur zu hoffen, dass er nicht gerade dann, wenn es darum geht, für andere da zu sein, das was den vermeintlichen „Altruisten“ von Dur und Zoutenbier auszeichnet, nicht gerade zu faul ist, um altruistisch zu sein.
Dur, Robert & Zoutenbier, Robin (2012). Intrinsic Motivation of Public Sector Employees: Evidence for Germany. Rotterdam: Tinbergen Institute Discussion Paper, TI 2012-135/VII.
Hinz, Thomas & Liebig, Stefan (2010). Bericht zur Studie „Einkommensgerechtigkeit in Deutschland“. Ein Forschungsprojekt der Universitäten Bielefeld und Konstanz.
