Wissenschaft der Tätowierung

Wenn man so alt ist, wie wir das sind, dann sind Tattoos eher etwas, was man mit ehemaligen Insassen von Gefängnissen in Verbindung bringt. Deviante Graphik, so könnte man diese Form von BodyArt, wie das wohl heute heißt, nennen. Wenn man wie Dr. habil Heike Diefenbach ethnographisch gebildet ist, denkt man an die Maori … Bleiben wir aber in Deutschland: Dass aus dem Erkennungszeichen der Knackis heute eine akzeptierte Form des, je nach Sichtweise Selbstausdrucks oder der Selbstverunstaltung geworden ist, ist wohl das, was man sozialen Wandel nennt.

Indes hat schon William Ogburn auf das cultural lack hingewiesen. Manche Einstellungen halten sich auch nach dem sich sozialer Wandel vollzogen hat. Unsere zum Beispiel, die Tattoos eher als Knastart, denn als Bodyart bewerten. Scheinbar halten sich diese Einstellungen nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen, bei Arbeitgebern zum Beispiel. Eine Reihe von Studien hat zwischenzeitlich gezeigt, dass Tätowierte auf dem Arbeitsmarkt eine geringere Chance auf eine Anstellung haben, als nich-Tätowierte (z.B. Dilllingh & Kooreman, 2016 oder Baumann, Timming & Gollan, 2016).

Eine Tätowierung hat diesen Studien zu Folge einen Effekt, der einem teilweisen Selbstausschluss vom Arbeitsmarkt gleichkommt.

Das ist so nicht richtig, behauptet Andrew Timming von der University of St. Andrews, der seine Ergebnisse gerade (am 7. September) bei einer Konferenz der British Sociological Association vorgestellt hat. Er hat 192 Managern zwei Portraits von potentiellen Bewerbern auf einen Job gezeigt und sie gebeten, den Bewerber auszuwählen, den sie am ehesten einstellen würden. Ein Bewerber hatte einen sichtbaren Tattoo am Hals, einer hatte keinen.

Ergebnis: In einer Studie bevorzugten die Manager tätowierte Bewerber, in einer Studie nicht. Tätowierte wurden eher als Barkeeper akzeptiert und eher als Bedienung abgelehnt.

Aus seinen Ergebnissen schließt Timming, dass Tätowierte nicht generell auf dem Arbeitsmarkt Nachteile hätten, sondern auch Vorteile, was sicher stimmt. Indes muss ergänzt werden, dass sich die Vorteile bislang nur dann materialisieren, wenn sich Tätowierte als Barkeeper bewerben, einfach, um bei Tätowierten keine allzugroßen Hoffnungen zu wecken.

Wer also Barkeeper werden will, der sollte sich tätowieren lassen. Es erhöht seine Chancen auf eine Anstellung. Wie groß die Schnittmenge zwischen Barkeepern und ehemaligen Insassen von Gefängnissen ist, hat Timming übrigens nicht untersucht. Er teilt wohl nicht unserer Einstellung.


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Die Arbeitswelt: Unbekannte Weiten für LINKE

Bei ScienceFiles haben wir, unter anderem zwei Maximen:

1. Was jemand von etwas weiß, kann man auf Basis der Irrtümer erschließen, die er begeht, wenn er über dieses „etwas“ redet.
2. Themen, die in einer Gesellschaft besonders brisant sind, sind die Themen, über die nicht oder nur sehr ungern gesprochen wird (die Nachteile von Jungen in der Schulbildung zum Beispiel).

Dieser Post basiert auf ersterer Maxim und hat einen Beitrag im Neuen Deutschland zum Gegenstand, der wiederum die Welt der Arbeit zum Gegenstand hat, jene Arbeit, die vielen Linken so große Probleme zu bereiten scheint, weil sie sie schlicht nicht kennen. Besonders problematisch wird die Beziehung zur Arbeit dann, wenn Linke Arbeit zum Gegenstand ihrer politischen Propaganda machen wollen, wie dies Katja Kipping, die Co-Vorsitzende der Linkspartei gerade gegenüber dem Neuen Deutschland getan hat.

“Solange die 90-Stunden-Woche“, so hat Kipping gesagt, „solange die 90 Stunden-Woche als Standard in Führungsämtern gilt, geht ein Führungsamt für Frauen in der Regel mit Verlusten im Familienleben einher.“

Oh No!Potzblitz haben wir uns gedacht: Die 90-Stunden-Woche herrscht bei Managern, also in Führungspositionen, 90 Stunden Arbeit in der Woche, bei einer fünf Tage Woche sind das 18 Stunden am Tag, die der arme Tropf da in Führungsposition zubringt. Arbeitet er sechs Tage in der Woche, dann bleiben dem Manager immerhin noch 9 Stunden des Tages, um zu schlafen und zu essen. Eine Verbesserung gegenüber den 6 Stunden der 5-Tage-Woche. Und am siebten Tage wollen wir selbst den deutschen Managern einen Ruhetag gönnen.

Kein Wunder, dass Manager keine Zeit für Familie und Muse haben, wie sie es haben sollten, wenn es nach der Co-Vorsitzenden der Linkspartei geht, und kein Wunder, dass das Familienleben leidet, bei Frauen, nicht bei Männern. Männer können sich offensichtlich auch mit 90-Stunden-Woche noch um alles kümmern, was von ihnen erwartet wird. Aber lassen wir den Gender-Unsinn und wenden uns dem zu, was der Linkspartei und ihrer Co-Vorsitzenden so fremd ist und den Redakteuren des Neuen Deutschlands, die die Standard-90-Stunden-Woche gleich noch zur Schlagzeile gemacht haben, auf dass auch jeder diesen Unsinn mit Sicherheit zur Kenntnis nimmt: Die Arbeit. Denn Unsinn ist es. Manager haben nämlich gar keine 90-Stunden-Woche.

Die 90-Stunden-Woche ist nämlich gar kein Standard. Nicht einmal in Führungspositionen.

Die 90-Stunden-Woche ist eine Phantasie von Kipping, die offensichtlich keinerlei Ahnung hat, wie viele Stunden in einer Woche man arbeiten kann und wie viele Stunden in der Woche andere arbeiten, in Führungspositionen. Also phantasiert sie 90 Stunden.

Denn:
„Deutsche Manager arbeiten im Durchschnitt 70 Stunden pro Woche, so titelte die WELT im Jahre 2000.

infografik-manager-arbeitszeitEtwas detaillierter hat man die Arbeitszeit bei der FAZ im Jahre 2007: „80 Prozent aller deutschen Manager arbeiten mehr als 50 Stunden die Woche, das zeigt eine Kienbaum-Studie zum Thema Work-Life-Balance.“ Aber kaum einer der Manager arbeitet mehr als 70 Stunden die Woche. Selbst die Intensivtäter unter den arbeitenden Führungspersonen, schaffen es nicht auf die 90-Stunden-Woche, die Kipping in ihrer (Wahn-)Vorstellung zum Standard erhoben hat (siehe die Grafik).

Selbst beim Berufsverband der deutschen Führungskräfte kennt man die Standard-90-Stunden Woche, die Kipping, so hat es den Anschein, frei erfunden hat, nicht, das zeigen Daten für das Jahr 2015:

“In Krisenzeiten sind Führungskräfte besonders gefordert. Deshalb ist es wenig überraschend, dass die Arbeitszeit der Manager noch einmal angestiegen ist und jetzt bei durchschnittlich 54 Wochenstunden liegt.
Dies hat der Berufsverband „die Führungskräfte“ (DFK) in seiner aktuellen Studie ermittelt. 25% der Manager arbeiten laut DFK sogar mehr als 56 Stunden in der Woche.

Und zu guter letzt belegt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung mit seinen Daten, wie groß der Unsinn ist, den Kipping geredet hat: 1.550 Führungskräfte haben die DIWler im Rahmen des SOEP befragt, unter anderem zu ihrer Arbeitszeit, ganze 7% der Männer und 5% der Frauen in Führungspositionen gaben im Jahr 2013 an, 60 oder mehr Wochenstunden zu arbeiten. Für beide, Männer wie Frauen, liegt der Modus der Arbeitszeit zwischen 41 und 50 Wochenstunden. Der Standard liegt somit bei der Hälfte der Kippingschen Phantasie.

Man soll eben nicht über Dinge reden, von denen man keine Ahnung hat. Und Kipping hat nachweislich keine Ahnung davon, wie viele Stunden Führungskräfte im Durchschnitt arbeiten und aus der Tatsache, dass sie eine 90-Stunden-Woche zum Standard erhebt, kann man schließen, dass sie auch ansonsten von Arbeit nicht allzu viel Ahnung hat.


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Universität Duisburg-Essen: Letzte Zuckungen eines kümmerlichen Genderismus

Bei uns häuft sich die Junk-Science von der Universität Duisburg-Essen. Scheinbar wird dort rausgehauen, was geht, eine richtige fiesta bobada. Das neueste Beispiel kommt von Kümmerling, von Dr. Angelika Kümmerling und bejammert das Gender Time Gap. Ja, das gibt es auch. Das Gender Time Gap. Es besteht darin, dass Frauen seit Jahrzenten deutlich weniger arbeiten als Männer: 8,2 Arbeitsstunden weniger in der Woche und im Durchschnitt waren es 2015, so hat Kümmerling in ihrer Arbeitszeit herausgefunden.

Damit haben wir ein deskriptives Ergebnis: „abhängig beschäftigte Frauen arbeiteten im Jahr 2016 durchschnittlich 30,1 Stunden in der Woche“, während „abhängig beschäftigte Männer im Durchschnitt 38,3 Stunden pro Woche“ gearbeitet haben. Der Unterschied ergibt sich daraus, dass Männer in der Regel Vollzeit arbeiten, während viele Frauen Teilzeit arbeiten.

Was macht man mit einem solchen deskriptiven Ergebnis?
Man kann versuchen, es zu erklären.
Das jedenfalls würde man tun, wenn man ein Wissenschaftler wäre.
Kümmerling ist kein Wissenschaftler, denn sie versucht nicht, das deskriptive Ergebnis zu erklären.
Kümmerling ist Ideologe. Und im Gegensatz zu Wissenschaftlern bewerten Ideologen alles Deskriptive. Ideologen sind nicht glücklich, wenn sie nicht bewerten können, sie sind getrieben von einer Bewertungs-Manie. Die Manie äußert sich wie folgt:

facepalm-Godzilla“Männer sind nach wie vor nahezu ausschließlich in Vollzeit erwerbstätig, während Frauen zumindest in bestimmten Lebensphasen auf Beschäftigungsverhältnisse mit einer geringeren Stundenanzahl setzen, z.B. um sich verstärkt der Kinderbetreuung widmen zu können. Diese Teilzeitstrategie, mit den bekannten Auswirkungen eines geringeren Einkommens und schlechteren Karriereaussichten, führt zu einer nicht ausreichenden eigenständigen sozialen Absicherung der Frauen sowohl in der Erwerbsphase als auch bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder im Alter. Damit wird der Preis für eine bessere Vereinbarkeit und ein entspannteres Familienleben von den Frauen gezahlt, indem sie nicht über die Rolle der Hinzuverdienerinnen im Haushalt hinaus kommen.“

Wenn man den ideologischen Unsinn, den wir gerade zitiert haben, auf seine Prämissen reduziert, dann ergibt sich ein Terrorgebilde. Der Terror wird von der Fortpflanzung ausgeübt. Sie zwingt Frauen gleich zu zwei Opfern. Einmal müssen sie ihre Karriere, ihr Einkommen und ihre Rente ihrer Funktion des Kindergebärens opfern, um die Familie, wie sie sich Kümmerling vorstellt, ins Leben zu rufen. Ist die Familie erst einmal ins Leben gerufen, dann folgt auch gleich das zweite Frauenopfer, dieses Mal in Form von Teilzeit, die Frauen auf sich nehmen, um ein „entspanntes Familienleben“ zu garantieren.

Eigentlich ist das nicht nur ideologischer Unsinn, eigentlich ist es mehr als kümmerlich, schon weil es kümmerlich ist, anzunehmen, dass Frauen Wesen ohne einen eigenen Willen sind, der sie Beruf vor Familie und Kindern wählen lässt. Man könnte fast sagen, dass niemand, nicht einmal Frauen, dazu gezwungen werden, Kinder in die Welt zu setzen. Ja die philosophische Tradition der Willensfreiheit geht geradezu davon aus, dass auch Frauen, sofern man sie in der Klasse des homo sapiens verortet, das tun können, was Menschen auszeichnen soll: Eine Wahl treffen und im vorliegenden Fall z.B. nein sagen. Das nun wieder, dass Frauen nein sagen könnten, sich gegen Kinder und für Beruf entscheiden könnten, kann sich Kümmerling in ihrer kümmerlichen Welt gar nicht vorstellen. Sie ist der Ansicht, dass Frauen keinen eigenen Willen haben und entsprechend auch nicht zur Gattung des homo sapiens zu rechnen sind.

junk_scienceUnd wegen dieses kümmerlichen Blicks auf Frauen, entgeht Kümmerling auch, dass Frauen, würde man ihnen ein eigenes Urteil oder gar eine eigene Entscheidungsfähigkeit zugestehen, tatsächlich Kinder einem Beruf vorziehen können und Kinder dazu nutzen können, um der Vollzeit zu entgehen und über die Elternzeit in die Teilzeit oder gleich ganz in die Freizeit zu flüchten. Eine Arbeitsminimierungsstrategie kann man das nennen, oder besser könnte man das nennen, wenn man denken würde, auch Frauen können denken. Aber so lange es die Universität Duisburg-Essen und die dortige Kaderschmiede, die kognitiv doch arg kümmerliche Wesen hervorbringt, gibt, scheint es von dort keine Zugeständnisse an die Ratio von Frauen zu geben.

Entsprechend raten wir Frau Kümmerling, einen weiten Bogen um Wales zu machen, denn die Frauen in Wales, wie im Vereinigten Königreich im Allgemeinen, aber in Wales im ganz Besonderen, nehmen es nicht locker, wenn man ihnen die eigene Fähigkeit zu Entscheidungen abspricht, auch oder besonders die Frauen in der ScienceFiles-Redaktion nicht, die über schlagfertige Argumente in jeder Form verfügen, um kümmerliches Denken aus der Welt der normalen Menschen zu entsorgen.

P.S.

Kann jemand diese Kümmerlinge ruhig stellen, denn sie sind nur noch mit Kümmerling zu ertragen und wir fürchten, angesichts der kümmerlichen Qualität der Kümmerlingschen Elaborate, dass wir unsere recommended daily allowance an Kümmerling überschreiten.


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Das Sein bestimmt die Moral

Marx hatte in Teilen mit seiner Behauptung, das Sein bestimme das Bewusstsein, Recht. Jedenfalls deuten Ergebnisse einer Studie, die Abigail Barr, Luis Miller und Paloma Ubeda in Spanien durchgeführt haben, darauf hin.

Die drei Forscher haben 151 Probanden zunächst in Gruppen geteilt und eine Gruppe arbeiten lassen und sie dann vor die Aufgabe gestellt, die Höhe der Entlohnung von sich und je drei weiteren Gruppenmitgliedern zu bestimmen. Dazu wurden ihnen Vorgaben gemacht, einmal mit dem Verweis, die Vorgabe repräsentiere das Ausmaß der jeweils geleisteten Arbeit, einmal mit dem Verweis, die Vorgabe sei zufällig zustande gekommen.

Probanden, die gearbeitet hatten, bevor sie die Zuteilung durchführten, hielten sich im ersten Fall an die Vorgabe, d.h. sie verteilten nach Leistung. Im zweiten Fall, wenn ihnen gesagt wurde, die Vorgabe sei zufällig bestimmt worden, verteilten sie die Auszahlungen unter den vier Probanden, deren Entlohnung ihnen oblag, gleich.

Personen, die arbeiten, votieren also für eine Entlohnung, die der Leistung dessen entspricht, der sie erhält.

Das spannende an der Arbeit von Barr, Miller und Ubeda besteht nun darin, dass sie ein Jahr später alle 151 Probanden noch einmal zusammen getrommelt haben. Dieses Mal haben sie die Probanden nach ihrem Erwerbsstatus in zwei Gruppen unterteilt: Solche, die eine Arbeit hatte und solche, die arbeitslos geworden waren. Abermals wurde das oben dargestellte Experiment mit den Probanden durchgeführt. Das Ergebnis dieses Mal: Bei den Probanden, die einer Beschäftigung nachgingen, erfolgte die Verteilung der Entlohnung wiederum nach Leistung, aber die Probanden, die arbeitslos waren, votierten für eine Gleichverteilung der Entlohnung unabhängig von der Leistung.

„The study presented here … shows that a change in one important dimension of an individual’s context – whether they are employed or not – directly affects the extent to which they acknowledge earned entitlement, a key moral value underpinning market-driven societies“ (5)

Überspitzt könnte man formulieren, dass Forderungen nach gleicher Einkommensverteilung und nach hohen Steuern für Personen, die arbeiten und gut verdienen, vor allem bei Arbeitslosen populär sind oder Sozialismus mit seiner Forderung nach Umverteilung und Gleichverteilung von Einkommen die Ideologie ist, die diejenigen anspricht, die selbst keiner Arbeit nachgehen. Sozialismus gibt ihnen quasi die Legitimation in die Tasche derer zu greifen, die arbeiten und Leistung erbringen.

Barr, Miller und Ubeda haben die folgende Erklärung für ihre Ergebnisse:

„The finding that becoming unemployed erodes individual acknowledgment of earned entitlement can be explained with reference to dissonance reduction. On becoming unemployed, individuals who previously adhered to the value of earned entitlement let go of the value instead of either: enduring a decline in material well-being; or receiving resources to which they do not feel entitled and enduring the psychological effects of the resulting dissonance.“ (5)

Barr, Miller und Ubeda glauben also noch an das Gute im Menschen und gehen davon aus, dass ein Übergang von Arbeit zu Arbeitslosigkeit dazu führt, dass ein Rückgang von Wohlstand oder der Bezug von Transferleistungen, die man nicht verdient (in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes) hat, zu kognitiven Dissonanzen führt, die dadurch abgebaut werden, dass die entsprechend arbeitslos Gewordenen, eine Umverteilung als legitim darstellen – um das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen.

Professional spongerDies setzt jedoch ein schlechtes Gewissen voraus. Sicher haben viele Arbeitslose und viele, die nicht oder nie erwerbstätig waren oder sind, ein schlechtes Gewissen, wenn sie Transferleistungen, für die andere hart arbeiten müssen, in Anspruch nehmen. Aber sicher nicht alle. Bei Berufsprotestierern aus der linken Szene, bei ewigen Studenten oder bei ideologischen Überzeugungstätern hat man eher den Eindruck, der Neid auf die Leistungsfähigkeit anderer sei Triebkraft hinter ihrer Forderung, Einkommen gleich zu verteilen und keinen Unterschied zwischen dem zu machen, der 40 Stunden in der Woche Mülleimer leert und dem, der 40 Stunden in der Woche vor der Fernseher sitzt. Neid kann auch als Erklärung für diejenigen dienen, die nachdem sie arbeitslos geworden sind von ihrer ursprünglichen Überzeugung, Leistung sei die Grundlage von Entlohnung, abrücken und nunmehr nach Nicht-Leistung also gleich verteilen: Warum sollte es anderen besser gehen als einem selbst.

In jedem Fall zeigen die Ergebnisse von Barr, Miller und Ubeda, dass moralische Überzeugungen von der Situation dessen, der sie trifft, abzuhängen scheinen. Wenn dies stimmt, dann muss man kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, wohin die Umverteilung auf Basis von willkürlich zugewiesenen Rechten in Gesellschaften wie der deutschen führt und welche Klientel Personen wie Sigmar Gabriel anvisieren, wenn sie höhere Steuern fordern und einen Sozialpakt anbieten, der darin besteht, Geld nach Nichtleistung umzuverteilen. Ganz davon abgesehen, welche moralischen Meldungen in einer Gesellschaft verteilt werden, in der es möglich ist, sich von Ministerien und mit dem Geld von Steuerzahlern für ideologische Dienste finanzieren zu lassen.

Karl Marx hat in seinen Arbeiten eine Unterscheidung zwischen Arbeitern, also denen, die arbeiten, und denen, die von der Arbeit der Arbeiter leben, aber nicht zu den Besitzern der Produktionsmittel, zur Klasse der Kapitalisten gehören, getroffen. Er hat sie Lumpenproletariat genannt und irgendwie fällt einem dieser Begriff ein, wenn man sich vorstellt, wen die SPD gerade in Person ihres Vorsitzenden umwirbt.

Barr, Abigail, Miller, Luis & Ubeda, Paloma (2016). Moral Consequences of Becoming Unemployed. Proceedings of the National Academy of Science of the United States. (Early Edition).

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Die Flüchtlinge und der Arbeitsmarkt

Es ist schon erstaunlich, wie viele ökonomische Modelle es mittlerweile dazu gibt, welchen Effekt die Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt in Deutschland haben. Noch erstaunlicher ist die große Zahl derjenigen, die genau zu wissen scheinen, welches Bildungsniveau die Flüchtlinge haben, die nach Deutschland kommen, welche Berufserfahrung, wenn überhaupt, sie mitbringen und wie einfach bzw. wie schwer es sein wird, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren und von Nettobeziehern von Transferleistungen zu Nettoerbringern von Transferleistungen zu machen.

Um so wichtiger sind die wenigen Stimmen, die regelmäßig darauf hinweisen, dass über die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ihre Verbleibeabsichten, ihre Ausbildung, ihren soziodemographischen Hintergrund schlicht ganz wenig bis nichts bekannt ist. Wir sind eine dieser wenigen Stimmen und haben schon vor Monaten die Frage gestellt: Wer kommt da eigentlich? Bis heute hat sich kein Ministerium oder keiner derjenigen, die Flüchtlinge so unbedingt und schnell wie möglich integrieren wollen, bei uns gemeldet, um entweder die Ergebnisse unserer Befragung von Flüchtlingen zu erfragen oder sich anzubieten, die Befragung weiter unter Flüchtlingen zu verbreiten.

ScienceFiles-Umfrage-refugeesFast, dass man den Eindruck gewinnen könnte, dass Flüchtlinge Allzweck-Mittel für die unterschiedlichsten Bedürfnisse darstellen. Politiker können sie benutzen, um sich abwechselnd als großer Humanist oder intensiver Warner vor den Folgen unkontrollierter Einwanderung zu produzieren. Andere können sie nutzen, um dies und jenes zu fordern, und zwar für sich und unter dem Vorwand, dass man Flüchtlingen helfen wolle. Wieder anderer können Flüchtlinge nutzen, um sie alle unter einen Hut zu stopfen und den Hut auf einen Strohmann zu setzen, der genutzt werden soll, um Deutsche zu erschrecken.

Um so wichtiger sind, wie gesagt, Stimmen, die darauf hinweisen, dass wir nichts über die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland  kommen bzw. kürzlich gekommen sind, wissen und es deshalb notwendig wäre, etwas über Flüchtlinge in Erfahrung zu bringen.

Und jetzt kommt’s: Wir loben das DIW in Berlin, nicht das ganze DIW, sondern Julia Schmieder, die sich mit dem Stand der Erkenntnis zu den Arbeitsmarkt- und Beschäftigungseffekten beschäftigt hat, die Flüchtlinge haben können oder auch nicht.

Selbst am DIW findet sich ab und zu ein Ansatz von wissen wollen, von Wissenschaft – erstaunlich.

Die Ergebnisse, zu denen Schmieder gelangt, sind – wie es beim DIW nun einmal notwendig ist, geschmeidig gemacht, damit sie politisch erträglich sind und nicht am Ende der Eindruck entsteht, das DIW beherberge kritische Wissenschaftler. Deshalb haben wir uns die Freiheit genommen, die Ergebnisse in deutliche Sprache zu übersetzen:

DIW-Original ScienceFiles-Klartext
„In der kurzen Frist können Gruppen von einheimischen Arbeitnehmern vorübergehend negativ, andere positiv durch Einwanderung betroffen sein. Die Effekte sind heterogen und werden durch die Eigenschaften der Einwanderer relativ zu denen der Einheimischen bestimmt.“ Da wir nicht wissen, wer kommt (welche Eigenschaften Flüchtlinge mitbringen, also welche Bildung, Kenntnisse, Fähigkeiten), ist alles möglich: Bringen Flüchtlinge wenig Bildung mit, haben sie Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen und wenn sie es schaffen, dann verdrängen Sie Geringgebildete in Deutschland vom Arbeitsmarkt, bringen sie viel Bildung mit, dann integrieren sie sich relativ schnell in den Arbeitsmarkt.
„Die Flexibilität der Löhne bestimmt ob der einheimische Markt über Löhne oder Beschäftigung reagiert. Die relativ starren Löhne im deutschen Arbeitsmarkt können sich nur begrenzt anpassen. Durch den 2014 eingeführten Mindestlohn sind Löhne im unteren Einkommensbereich noch weniger flexibel geworden. Dies macht Verdrängungseffekte durch Einwanderung in diesen Lohnsegmenten wahrscheinlicher und gleichzeitig Lohneffekte unwahrscheinlicher.“ Weil Gewerkschaften durch ihr Tarifdiktat es verunmöglicht haben, dass der Preis für Arbeitskraft einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herstellt und vor allem der Mindestlohn dazu geführt hat, dass es für Unternehmen nicht nur unrentabel, sondern schlicht unmöglich ist, Arbeitsplätze für Geringqualifizierte zu schaffen, werden Flüchtlinge, wenn sie vornehmlich aus Geringqualifizierten bestehen, die einheimischen Geringqualifizierten verdrängen. Auswirkungen auf das Lohnniveau haben Zuwanderer nicht, können sie schlicht nicht haben, denn Gewerkschaften sehen lieber die Arbeitslosigkeit steigen als das Lohnniveau sinken.
„Die langfristigen Effekte von Einwanderung sind theoretisch unklar und konnten bisher empirisch nicht überzeugend untersucht werden. Genau dies sind jedoch die Effekte, die in der öffentlichen Debatte von Bedeutung sein sollten.“ Wie sich Flüchtlinge langfristig auf den Arbeitsmarkt auswirken, das weiß niemand, will auch derzeit niemand wissen, weil Politiker und Verantwortliche sich lieber als Pro- oder Contra-Flüchtlinge produzieren, anstatt eine Bestandsaufnahme von Bildungsniveau und Qualifikation der Flüchtlinge zu machen und auf dieser Basis konkret zu planen.

Schließlich verweist Schmieder noch auf Studien aus dem Ausland, wo man nicht in vollem Gottvertrauen eine Katastrophe, die in die Richtung des Blickenden zieht, auf sich zukommen lässt, sondern versucht, über die Gewinnung von Erkenntnis Katastrophenreduzierung zu betreiben. So haben Foged und Peri (2015) für Dänemark gezeigt, dass Flüchtlinge in das untere Arbeitsmarktsegment integriert wurden, also den Markt für Geringqualifizierte, während die dänischen Geringqualifizierten in das nächst höhere Arbeitsmarktsegment übergewechselt sind. Aber natürlich hat Dänemark eine rigidere Arbeitsmarktpolitik als Deutschland und keine großzügigen Zahlungen an Arbeitslose.

Kurz: Während in Deutschland hitzig über alles Mögliche diskutiert wird, was mit Flüchtlingen zu tun hat, vergeht weiter Zeit, wandern weiter Flüchtlinge zu, gibt es weiterhin keine Informationen, die Institutionen des Arbeitsmarkt Hinweise dazu geben könnten, wo Bedarfe und wo Überschuss zu erwarten sind, der deutsche Dampfer ist weiterhin führerlos im Atlantik des Arbeitsmarktes unterwegs. Bleibt zu hoffen, dass das Wetter nicht schlechter wird.

Literatur:

Foged, Mette & Peri, Giovanni (2015) Immigrants‘ Effect on Native Workers: New Analysis on Longitudinal Data.

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Factsheet: Kosten für Asyl

Zu einem informierten Diskurs über Flüchtlinge und das Recht auf Asyl gehört auch eine offene Darstellung der Kosten, die damit verbunden sind. In einer ersten Näherung haben wir die Kosten zusammengestellt, die dem Bund durch die Zuwanderung von Flüchtlingen entstehen.

asylAusgangspunkt ist der so genannte Konnexitätsgrundsatz, formuliert in Artikel 104a Abs. 1 des Grundgesetzes. Darin wird im Wesentlichen gesagt, dass Gebietskörperschaften die Kosten zu tragen haben, die durch die Aufgaben entstehen, die ihnen aufgegeben sind. Anders formuliert: Der Bund darf nicht Aufgaben finanzieren, die Ländern aufgegeben sind und umgekehrt.

Die Kosten, die aus Asylpolitik entstehen, werden entsprechend nach Zuständigkeit geteilt. Der Bund trägt die Kosten der Asylverfahren. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird u.a. zum Zwecke der Durchführung von Asylverfahren vom Bund unterhaltzen. Unterbringung und Existenzsicherung von Asylbewerbern ist dagegen Aufgabe der Länder.

Somit können wir in einem ersten Schritt die Kosten zusammenstellen, die dem Bund durch die Wahrnehmung seiner Aufgaben im Bereich der Asylpolitik entstehen.

Es sind dies:

  • Mit 6.060.065.000 Euro soziale Leistungen nach SGB XII und dem Asylbewerberleistungsgesetz stehen im Nachtragshaushalt 2015, 114.000.000 Euro mehr als im Haushaltplan 2015. Die Mehrausgaben können auf die Zuwanderung von Flüchtlingen zurückgeführt werden.
  • 338.000 Euro als Beitrag an die Koordinierungsstelle zur regionalen Zusammenarbeit in Asyl-, Flüchlings- und Migrationsfragen (Bundeshaushalt 2015);
  • 200.928.000 Euro für den Unterhalt des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.
  • Die Summe der regulären Kosten im Zusammenhang mit dem Recht auf Asyl beläuft sich entsprechend auf: 315.266.000 Euro.

Aufgrund der besonderen Situation, die durch die verstärkte Zuwanderung von Flüchtlingen entstanden ist, hat der Bund darüber hinaus eine Rücklage „Asylbewerber und Flüchtlinge“ von 5.000.000.000 Euro im Nachtragshaushalt für das Jahr 2015 gebildet.

Dazu heißt es:Nachtragshaushaupt Asyl

„Die Mittel dienen dazu, die Belastungen des Bundes im Zusammenhang mit der Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den kommenden Jahren, die durch die strukturelle, dauerhafte und dynamische Beteiligung des Bundes an den Kosten der Länder und Kommunen und durch die Aufwendungen im Bundesbereich entstehen, anteilig zu finanzieren. Die Höhe der Entnahme aus der Rücklage ist im jeweiligen Haushaltsgesetz festzusetzen.“

Die Beteiligung des Bundes stellt eigentlich einen Verstoß gegen den Konnexitätsgrundsatz dar, aber das soll hier nicht weiter ausgeführt werden.

Am 24. September 2015 haben sich Bund und Länder auf eine erste Abschlagszahlung des Bundes an die Ländern geeinigt, mit denen der Bund sich an den Kosten der Unterbringung von Flüchtlingen beteiligt.

Angenommen wurden 800.000 Flüchtlinge und eine Dauer von 5 Monaten bis zum Ende des Asylverfahrens. Daraus ergibt sich eine Abschlagszahlung von 2.680.000.000 Euro, was einer Kostenbeteiligung des Bundes von 670 Euro pro Ayslbewerber und Monat entspricht.

Hinzu kommen die folgenden Kostenbeteiligungen des Bundes:

  • 268.000.000 Euro für abgelehnte Asylbewerber;
  • 1.400.000.000 Euro bis 2019 für unbegleitete Minderjährige;
  • 1.283.000.000 Euro bis 2018 für die Verbesserung der Kinderbetreuung;
  • Insgesamt 2015: 3.637.000.000 Euro;
  • Insgesamt bis 2019: 6.331.000.000 Euro;

Für das Jahr 2015 ergeben sich somit für den Bundeshaushalt (also ohne den Kostenanteil der Länder) Asylkosten in Höhe von: 3.952.266.000 Euro, also knapp 4 Milliarden Euro.

Um die Kosten in Realtion zu bringen. Der Bund lässt sich „Wissenschaft, Forschung, Entwicklung außerhalb der Hochschulen
(ohne Wehrforschung und wehrtechnische Entwicklung, vgl. Funktion 036)“ 11.1 Milliarden Euro kosten, investiert 7,6 Milliarden Euro in den Unterhalt von Straßen und gibt für „Soziale Sicherung, Familie und Jugend, Arbeitsmarktpolitik“ 155.3 Milliarden Euro aus (Angaben für 2015).

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Heidenau und die besseren Deutschen der Bundeskanzlerin

In Heidenau in Sachsen herrscht derzeit Ausnahmezustand. Für Rechte ist Heidenau der Aufmarschort, an dem sie ihrem Hass gegenüber Flüchtlingen freien Lauf lassen können. Für Linke ist Heidenau der Aufmarschort, an dem sie ihren Hass gegenüber rechten Deutschen demonstrieren können.

HeidenauPolitikwissenschaftlich ist daran interessant, dass der demokratische Konsens in Deutschland, sofern er denn je vorhanden war, der Konsens, der die Achtung vor den Menschenrechten anderer als Kern umfasst, derzeit von rechts und links aufgelöst wird.

Soziologisch ist daran interessant, dass es viele sich offensichtlich so sehr durch soziale Strukturen determiniert sehen, dass es für sie keinerlei Möglichkeit mehr zu geben scheint, ihren Frust anders als durch Gewalt kund zu tun.

Psychologisch ist daran interessant, dass Gewalt eigentlich das Eskalationsmittel am Ende einer Vielzahl von anderen Mitteln der Umweltpenetration ist, so dass man sich entweder fragen muss, ob die Gewalttäter als pathologische Fälle anzusehen und zu internieren sind oder zu fragen ist, wie lange sie schon vergeblich mit anderen Mitteln versucht haben, Aufmerksamkeit zu erregen.

Philosophisch ist daran interessant, dass es für manche keinerlei Moral oder keinerlei Anstand gibt, der es verhindert, Dritte, in diesem Fall Flüchtlinge, zu instrumentalisieren und auf ihrem Rücken die Kämpfe auszutragen, die man schon immer einmal austragen wollte.

Aus Sicht der Ökonomie ist daran interessant, dass vielen in Deutschland das Wasser durch Steuern und Abgaben und die eigene Unfähigkeit, mehr oder überhaupt den Unterhalt zu sichern, so sehr bis zum Hals zu stehen scheint, dass sie zu Gewalt greifen, die sie noch dazu gegen die Falschen richten.

Dies wiederum ist sozialpsychologisch interessant, denn offensichtlich trauen sich die entsprechenden Deutschen nicht, ihren Ärger bei der für den Ärger verantwortlichen Stelle anzubringen.

Wie dem auch sei, die Größen der deutschen Politk haben reagiert und deutlich gemacht, was in Deutschland im Argen liegt, warum man sich nicht wundern muss, dass der öffentliche Dikurs verroht und auch die Wahl der Mittel aus den Fugen gerät.

„Keinen Millimeter dem rechtsradikalen Pack“, so Vizekanzler Gabriel, der sich offensichtlich bemüht, noch Öl ins Feuer zu gießen, denn die Bezeichnung „rechtsradikales Pack“ ist kaum dazu geeignet, Wogen zu glätten. An die Stelle der Staatsmänner von früher, sind Personen getreten, die in ihrer Fähigkeit, zum Pöbeln, denen, die sie anpöbeln, in nichts nachstehen.

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Ob Gabriel auch demnächst nach Leipzig reist, um dort die Polizei gegen die in seiner Sprache dann als „linksradikales Pack“ zu bezeichnenden Autonomen zu verteidigen, die Polizeistationen überfallen?

Die Kanzlerin schweigt bislang bzw. sie schickt ihren Pressesprecher vor:

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Steffen Seibert wäre besser ruhig gewesen. Aber er hat sich geäußert. Er hat seine Wertehierarchie deutlich gemacht, die des besseren Deutschen. Vom normalen Deutschen vom Single, vom unverheirateten, vom Kinderfreien, von ihnen allen hätte Seibert also Randale erwartet, von ihnen allen denkt er, dass sie zum Hasserfüllten taugen und das Potential zur Randale in sich tragen.

Vom höchsten Seibertschen Gut, der höchsten Weihe, die man Deutschen als Regierungssprecher verleihen kann, von der Familie mit Kind, hätte er nicht gedacht, dass sie aus Hasserfüllten besteht, die sich an Randale beteiligen, die Hass verbreiten und ihn beschämen.

Nun, jeder bekommt, was er verdient. Und wer derart beschämende Meldungen absetzt, eine derartige Wertehierarchie über seine Bürger stülpt, der muss sich nicht wundern, wenn er von seinen Bürgern als beschämend empfunden wird, so sehr, dass ihn selbst die Bürger, die er so viel höher als andere schätzt, beschämen.

Ob die Meldung so mit Frau Merkel abgesprochen war? Ob die kinderfreie Merkel auch denkt, die Familie mit Kind sei die höchste moralische Entwicklungsform, die man als Deutscher annehmen kann? Wir wissen es nicht.

Anyway, wir sind Waliser…

Bundesdaten zeigen einmal mehr: Der Staatsfeminismus ist komplett gescheitert

Wir sind auf eine sehr nützliche Statistik des Bundes gestoßen. Sie wird beim IAB in Nürnberg geführt und nennt sich eher nichtssagend: Berufe im Spiegel der Statistik.

Die statistischen Daten sind eine Fundgrube für alle, die sich mit z.B. Arbeitsmarktforschung beschäftigen, und sie sind eine Fundgrube für Soziologen, die noch an Daten interessiert sind und die Hypothesen testen wollen …

… zum Beispiel die Hypothese, dass die vielen Programme des Bundes, die der Förderung von Frauen vor allem in MINT-Fächern dienen, etwas gebracht haben.

Professorinnenprogramm, MINT-Förderung, Girls-Day, all die unzähligen Programme, die einer großen Anzahl von Förderen ein Einkommen verschaffen, damit sie zunächst einmal Netzwerktreffen organisieren können, um dann zu überlegen, wie man Mädchen zum Studium von MINT-Fächern und dazu bewegen kann, dass sie sich in gesellschaftlich nützlicher Weise engagieren, sie dienen eigentlich einem Zweck. Nur: Wird dieser Zweck eigentlich erreicht?

Wenn die vielen Programme und Maßnahmen der Frauenförderung erfolgreich wären, dann müsste über die letzten Jahre die Anzahl z.B. weiblicher Ingenieure größer geworden sein, und zwar überproportional zur Anzahl männlicher.

Die oben genannten Daten machen es möglich, diese Hypothese zu testen.

Mehr noch: Sie erlauben es, den Einfluss von Förderprogrammen wie dem Professorinnenprogramm auf Hochschulen und den Effekt, den der Staatsfeminismus auf die Wahl von Berufen hat, auszuweisen …

… und zwar mit folgenden Ergebnissen:

  • IngenieureDie ganzen MINT-Anstrengungen, vom Girls-Day über spezifische Förderprogramme, mit denen Mädchen in ein MINT-Studium getragen werden sollen, haben keinen erkennbaren Effekt. Die Anzahl weiblicher Ingenieure wächst im Vergleich zu männlichen Ingenieuren nicht überproportional.
  • Programme wie das Professorinnenprogramm und die vielen Förderprogramme, die Hochschulen für weibliche Studenten, Dozenten und Professoren ersonnen haben, haben dazu geführt, dass der Anteil der weiblichen Dozenten und Hochschullehrer mittlerweile schneller wächst als der Anteil der männlichen Dozenten und Hochschullehrer: Im Zeitraum von 1999 bis 2011 wächst die Anzahl weiblicher Dozenten und Hochschullehrer um 43,2% schneller als die der männlichen Dozenten und Hochschulehrer.
  • Am höchsten ist das Wachstum in kunst-, medien-, geistes- und sozialwissenschaftlichen Berufen. Von 1999 bis 2011 ist die Anzahl der Beschäftigten um 87.322 gestiegen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum ist die Anzahl der Ingenieure um 72.152 Beschäftgte, die der Hochschullehrer und Dozenten um 21.728 Beschäftigte gewachsen. Dies entspricht einem Wachstum von 27,7% für Beschäftigte in kunst-, medien-, geistes- und sozialwissenschaftlichen Berufen, von 11,5% für Ingenieure und von 50,7% für Dozenten und Hochschullehrer.

Man sieht anhand dieser Daten deutlich, was die Maßnahmen von Bund und Ländern tatsächlich befördern: Sie blähen den Hochschulbereich durch Addition von wenig relevanten Fächern und entsprechenden Hochschullehrern und Dozenten auf und haben die Anzahl derjenigen, die sich in kunst-, medien-, geistes- oder sozialwissenschaftliche Berufe flüchten, um 27,7% erhöht. In beiden Fällen ist der Zuwachs durch ein überproportionales Wachstum von weiblichen Beschäftigen verursacht.

HochschulllehrerEntsprechend kann man davon ausgehen, dass die Förderprogramme, mit denen Bund und Länder den Anteil von Frauen in MINT-Fächern und Berufen fördern wollen, eine interessante Konsequenz mit sich gebracht haben, indem sie den Anteil derjenigen, die durch das Ergreifen eines kunst-, medien-, geistes- oder sozialwissenschaftlichen Berufes in das Lamento derer einstimmen wollen, die beklagen, dass zu wenige Frauen z.B. den Beruf des Ingenieurs ergreifen und die entsprechend an der darauf aufbauenden Förderindustrie partizipieren wollen, erheblich angewachsen ist. Und mit ihnen ist die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu sein, gewachsen: Sie liegt für die entsprechenden Berufe 21% über dem Ausgangswert von 1999.

Im Gegensatz dazu hat sich bei Ingenieuren nichts verändert. Der Anteil von Frauen ist zwar seit 1999 gewachsen. Dies ist jedoch nur eine Zahlenspielerei, denn der Anteil von 12, 7% weiblicher Ingenieure im Jahr 2011 und im Vergleich zu 9,5% im Jahr 1999 entspricht einem Zuwachs um 29.238 weibliche Ingenieure. Im selben Zeitraum ist die Anzahl männlicher Ingenieure um 42.914 gestiegen.

Kurz: Man kann ein Scheitern auf der ganzen Linie vermelden.

geistessozialberufeAlles, was mit der Förderung von Frauen erreicht wurde, ist dass immer mehr Frauen an dieser Förderung partizipieren wollen, nicht jedoch, in dem sie wie intendiert einen der Berufe ergreifen, den die Bundesregierung mit so großer Anstrengung anpreist wie Sauerbier, sondern indem sie sich ihrerseits daran beteiligen wollen, die entsprechenden Berufe des Ingenieurs oder Informatikers Frauen anzupreisen.

Die derzeitige Entwicklung ist als Ausbildung eines weiblichen Wasserkopfes bestens beschrieben, schon weil die Entwicklung nicht, wie es so schön heißt, nachhaltig ist. Mal schauen, wann der Wasserkopf platzt.

Mit Korbflechten zurück auf den Arbeitsmarkt: Wie Bildungsträger Langzeitarbeitslose missbrauchen

Arbeitslosigkeit ist teuer, kostet Steuerzahler viel Geld. 20,1 Milliarden Euro sind im Haushalt von 2015 für Ausgaben im Rahmen der Erstattung von Arbeitslosengeld II vorgesehen. 19,2 Milliarden Euro waren es im Haushalt 2014, 18,9 Milliarden im Jahr davor. Die Tendenz ist demnach steigend. Um die Kosten der Arbeitslosigkeit dadurch zu senken, dass Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden, gibt es sogenannte „Maßnahmen im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik“.

Statistik ArbeitsloseDabei handelt es sich im Wesentlichen um Maßnahmen, die sogenannte Bildungsträger anbieten. Deren Ziel besteht darin, Langzeitarbeitslose in eine Anstellung und aus der Arbeitslosigkeit zu bringen. Entsprechend entstehen im Bemühen, die Kosten der Langezeitarbeitslosigkeit zu reduzieren, zunächst weitere Kosten: 7,2 Milliarden Euro waren im Haushalt 2012 für damals „Arbeitsförderung“ vorgesehen. Seit 2013 stehen jährlich 3,9 Milliarden für nunmehr „Eingliederung in Arbeit“ bereit.

Ob diese jährlich 3,9 Milliarden Euro sinnvoll eingesetzt sind, daran gibt es erhebliche Zweifel. So kommt eine Untersuchung von Mitarbeitern des IAB in Nürnberg zu dem Ergebnis, dass Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik nur dann einen positiven Effekt auf die Arbeitsmarktchancen von Langzeitarbeitslosen haben, wenn das Klima auf dem Arbeitsmarkt positiv ist und wenn die Langzeitarbeitslosen es schaffen, eine Weiterbildung in Unternehmen oder in Anbindung an ein Unternehmen zu erreichen (betriebliche Weiterbildung).

Das Gros der Bildungsmaßnahmen, die von sogenannten Bildungsträgern angeboten werden, hat dagegen keinen bzw. einen negativen Effekt auf die Arbeitsmarktchancen von Langzeitarbeitslosen.

Überträgt man die vorsichtigen Formulierungen, die Mitarbeiter des IAB in der Regel wählen, in Klartext, dann folgt aus dem Ergebnis, dass die meisten Maßnahmen zur Weiterbildung bzw. zur beruflichen Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen nicht dazu dienen, die Langzeitarbeitslosen wieder in „Lohn und Arbeit“ zu bringen, sondern den Anbietern der entsprechenden Maßnahmen und ihren Beschäftigten üppigen Lohn und Arbeit zu verschaffen. Anders formuliert, die gut 19 Milliarden Euro, die seit 2012 ausgegeben wurden, um Maßnahmen von Bildungsträgern zu finanzieren, wurden vornehmlich dafür ausgegeben, die Bildungsträger zu finanzieren. Wollte man demnach die Kosten von Arbeitslosigkeit senken oder Hartz-IV-Empfänger finanziell besser stellen, dann wäre die erste Maßnahme: Die Finanzierung von Maßnahmen durch Bildungsträger, die der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt diesen sollen, zu streichen.

Dann wäre auch gewährleistet, dass Maßnahmen, wie die folgende, nicht von Steuerzahlern finanziert werden müssen.

FAB-LogoVorab: Was nun kommt, ist keine Satire. Die FAB gGmbH, die „Kompetenz aus Leidenschaft“ sucht, bietet oder schätzt, was auch immer, die FAB, die einen Geschäftsbericht vorlegt, bei dem man denkt, es handle sich um ein Kinderbuch, das keinerlei Inhalt, dafür ganz viel heile Welt vorführt, sie hatte 2013, wie der einzigen verwertbaren Seite des Geschäftsberichts entnommen werden kann, 252 Mitarbeiter und 5 Auszubildende. Im Bereich Bildung bietet die FAB 30 „zertifizierte Maßnahmen“ und 27 Kurse mit 831 Teilnehmern. 4 erfolgreiche „Abschlüsse Ausbildung“ sind im Jahr 2013 Frucht der Bemühungen der FAB, 53 erfolgreiche Vermittlungen aus Kursen (wohin auch immer) und 105 erfolgreich abgelegte Prüfungen „Deutsch für Zuwanderer“.

Informationen dazu, welchen Umsatz das Unternehmen generiert, welche Mittel eingesetzt werden, um Bildungsangebote zu machen, sucht man im Geschäftsbericht 2013 vergeblich. Die gGmbH ist eben eine Ansammlung guter Menschen, und die sprechen bekanntlich nicht über Geld, sie kassieren es nur – gemeinnütziges Kassieren ohne Rechenschaftspflicht.

Eine der zertifizierten Maßnahmen, deren Ziel darin besteht, Langzeitarbeitslose wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen, nennt sich:

Abenteuer Korbflechten:

FAB korbflechtenDas Projekt „Men Fit For Work“ bei FAB gGmbH für Frauen Arbeit Bildung (FAB) ist ein gemeinsames Projekt mit dem Jobcenter Wetterau für langzeitarbeitslose Männer im Alter über 50 Jahre.

Damit werden seit Beginn des Jahres 2014 neue Akzente gesetzt: In diesem Projekt sind „Männer unter sich“. Sie planen und organisieren weitestgehend eigenständig die Themen und setzen ihre individuellen und unterschiedlichen Ressourcen ein: Jeder Teilnehmer bringt das ein, was er kann und will. Die Männer aktivieren verborgene Kompetenzen und steigern mit ihrem Können und „Know how“ ihr Selbstwertgefühl.“

Die Maßnahme ist also eine Form der Tiefenpsychotherapie, deren Ziel nicht etwa darin besteht, denn langzeitarbeitslosen Männern Kompetenzen zu vermitteln, die sie auf dem Arbeitsmarkt benötigen, sondern darin, sie etwas bei sich entdecken zu lassen und ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Und wie könnte man das Selbstwertgefühl besser steigern als mit einem „Werkserlebnis“?

„Das wichtigste Element dieses Projektes ist ein Werkserlebnis, das die Kursteilnehmer durch eine selbstbestimmte Arbeitsweise wieder näher an den Arbeitsmarkt bringen soll. So haben die Teilnehmer bereits mit Kreativität und Freude das Gelände der Kinderfarm Jimbala in Friedberg baulich gestaltet.

Nun wurde ein weiteres Werkserlebnis von der FAB-Projektleiterin, Monika Schamberger organisiert, einen Besuch der staatlich geprüften Korbmacherin Katja Schyrer aus Ranstadt. Sie stellte den Teilnehmern ein traditionelles, heute rar gewordenes Handwerk vor.

Schyrer brachte Bündel ungeschälter, eingeweichter Weide in den Kurs mit. Jeder in der Gruppe war eingeladen mitzumachen und sich an etwas so Neues und Komplexes wie das Flechten eines Korbes heranzuwagen. Das Flechten von Weiden war für die Gruppe eine interessante und anspruchsvolle Aufgabe. Einige Teilnehmer beschwerten sich über „zwei linke Daumen“. Schyrer übernahm nun die fachliche Anleitung und gab Unterstützung beim Flechten, die gern angenommen wurden. [Fehler im Original]“

Ist es nicht erstaunlich, dass die „weitestgehende“, „eigenständige“ Planung der Männer dennoch organisatorischer Unterstützung durch die „FAB-Projektleiterin“ benötigt?

To be fair, auf die Idee, der staatlich geprüften Korbmacherin Katja Schyrer, vermutlich eine Bekannte der FAB-Projektleiterin Monika Schamberger, einen Besuch abzustatten, vermutlich einen kostenpflichtigen Besuch, was zeigt wie breit der Kreis derer ist, die an „Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt“ profitieren, wären die Männer über 50, die an der Maßnahme teilnehmen, vermutlich nicht gekommen.

Wer kommt auf eine solche Idee, wenn es darum geht, einem Langzeitarbeitslosen der mehr als 12 Monate arbeitslos ist, dabei zu helfen, einen Arbeitsplatz zu finden? Beim FAB kommt Monika Schamberger auf die Idee, einen Korb zu flechten und die Vermittlungschancen der Männer ab 50, die nunmehr in ihre Bewerbungen schreiben können, sie hätten schon einmal in ihrem Leben einen Korb geflochten, damit zu erhöhen.

Wie gesagt, das ist keine Satire.

Es ist vielmehr Alltag deutscher Bildungsträger, die sich mit mehr oder weniger sinnlosen Angeboten, mit mehr oder weniger Häme oder Zynismus auf dem Rücken von Langzeitarbeitlosen ein üppiges Auskommen verschaffen.

Die FAB gGmbH ist hier nur ein Beispiel unter vielen.

Aber, wir wollen die folgende Meldung nicht unterschlagen:

„Das Konzept von Men Fit For Work hat sich auch als „Türöffner zum ersten Arbeitsmarkt“ bewährt. Jüngstes Beispiel: Einer der Teilnehmer hat aus dem Kurs heraus eine 3-monatige Qualifizierung zum Lageristen aufgenommen und ist inzwischen in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen worden.“

Vielleicht haben die Kurse bei der FAB gGmbH ja den Effekt, dass die Teilnehmer die entwürdigende Art und Weise, in der sie gezwungen werden, auch noch den letzten Unsinn, der in diesem Fall Monika Schamberger eingefallen ist, mitzumachen, sich flux nach einer Arbeit umsehen, schon um dem Kurs „Men Fit For Work“ zu entkommen und wieder in der normalen Welt, der Welt sinnvoller Betätigung, Fuss zu fassen.

Junk Science: Homosexuelle werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert

Nick Drydakis wird langsam zu einem Dauergast auf ScienceFiles.

In der Vergangenheit hat er bereits herausgefunden, dass die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr das Verdienst in die Höhe treibt. Warum das so sein soll? Niemand weiß es.

Dann hat Drydakis herausgefunden, dass Homosexuelle weniger mit ihrer Arbeit zufrieden sind als Heterosexuelle, umso weniger, wenn sie sich geoutet haben, und – schlimmer noch – dass Homosexuelle schlechter bezahlt werden als Heterosexuelle.

Drydakis ist „A Man on a Mission“ wie es scheint.

junk_scienceNun hat Nick Drydakis die Reihe der Junk Science um einen weiteren Beitrag bereichert, in dem er aus seiner Sicht nachweist, dass Homosexuelle auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Der Beitrag ist in Human Relations erschienen und wird von Sage umsonst feil geboten. Wer ihn haben will: Hier ist der Link.

Die Schlussfolgerungen im Beitrag, sie sind voller Generalisierungen:

Sexuelle Minderheiten sind mit schwerwiegenden Fehlwahrnehmungen und Hürden auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert.

Schwule werden beim Versuch, einen männerdominierten Berufe zu ergreifen, diskriminiert, Lesben beim Versuch, einen frauendominierten Beruf zu ergreifen.

Es gibt einen statistisch signifikanten und negativen Effekt, der von einer homosexuellen Orientierung auf die Berufschancen ausgeht.

Kurz: Homosexuelle werden am Arbeitsmarkt diskriminiert, und zwar alle.

Diese allgemeinen und weitreichenden und hoch generalisierten Schlussfolgerungen basieren auf 5549 Bewerbungsschreiben, die 144 Studenten von 12 Universitäten im Vereinigten Königreich an potentielle Arbeitgeber verschickt haben. Dabei haben sich immer Paare von Studenten auf dieselbe Stelle beworben, Paare, die sich durch eine Angabe im Lebenslauf unterschieden haben: Einer, der beiden Studenten hatte in seinem Lebenslauf den Hinweis, er habe Fähigkeiten (finanzielle und organisationale) im Rahmen seiner Tätigkeit für die Schwulen und Lesben Union an seiner Hochschule erworben, der andere hatte entweder einen Hinweis auf die entsprechende Tätigkeit im Rahmen einer Studenten-Union, die mit Menschenrechten befasst ist oder keinen entsprechenden Hinweis, das geht aus dem Text von Drydakis nicht genau hervor.

Wie dem auch sei, Schwule und Lesben (die sind für Drydakis mit den Aktivisten in schwulen und lesbischen Studenten-Unionen identisch) werden seltener zu Job-Interviews eingeladen als die Vergleichsgruppe (wer auch immer die Vergleichsgruppe sein mag). Und dieses Ergebnis ist die Grundlage, auf der die oben zitierten weitreichenden Aussagen basieren.

Eine ziemlich dünne Grundlage.

Setzt die entsprechende Interpretation doch eine Reihe von Annahmen voraus.

Versetzen wir uns in die Rolle eines Angestellten einer Personalabteilung, denn es sind Angestellte in der Personalabteilung, im HR-Management, die die Bewerbungen lesen und nicht „Unternehmen“, wie Drydakis meint.

Dieser Angestellte ist mit einer Reihe von Bewerbungen auf Stellen konfrontiert, darunter zwei, die Herr Drydakis lanciert hat. Angesichts der Arbeitsmarktlage sind es vermutlich zwei Bewerbungen unter mindestens 50 Bewerbungen.

Unser Angestellter ist also mit in jedem Fall mehr als zwei Bewerbungen konfrontiert.

Er beginnt den Filterprozess.

Er sucht nach geeigneten Kandidaten anhand einer Kriterienliste, die er hoffentlich vorliegen hat, die er aber nicht immer anwenden kann, weil die Anschreiben und Lebensläufe, die er erhält, unterschiedlich sind, weil manche Lebensläufe Angaben, die er bräuchte, nicht enthalten, während andere die entsprechenden Angaben und noch mehr Angaben enthalten, die er für relevant und wichtig erachtet.

DrydakisIIIIrgendwann während er die Bewerbungen durchsieht, stolpert er über die beiden Bewerbungen der Drydakis-Dummies, die sich nach Ansicht von Drydakis nur darin unterscheiden, dass eine der beiden Bewerbungen, den Hinweis auf den Aktivismus in einer Schwulen und Lesben Union enthält (woraus der Personaler dann schließen muss, dass der entsprechende Bewerber schwul oder lesbisch ist).

Dass die beiden Bewerbungen zudem Lichtbilder enthalten, die nicht identisch sind, lassen wir außen vor, und dass belegte Kurse, Ethnizität und Familienstand, selbstberichtete Persönlichkeitscharakteristiken, Fähigkeiten und Freizeitaktivitäten ausreichende Kriterien sind, um zwei Studenten als gleich bis auf den schwulen oder lesbischen Aktivismus anzusehen, das wollen wir auch mit ihm zusammen annehmen.

Machen wir alle diese sehr großzügigen Annahmen, dann müssen wir für unseren Angestellten in der Personalabteilung annehmen, dass ihm diese Gleichheit im Bewerberprofil auffällt.

Wir müssen ferner annehmen, dass ihm nicht nur diese Gleichheit auffällt, sondern auch der für Drydakis entscheidende Unterschied, der in der sexuellen Orientierung, also im schwul-lesbischen Aktivismus bestehen soll.

Zudem müssen wir annehmen, dass dieser Unterschied und nur dieser Unterschied dazu führt, dass die Bewerbung des schwulen und lesbischen Aktivisten ausgesondert wird, während die des Bewerbungs-Partners nicht ausgesondert wird.

Wir müssen darüber hinaus annehmen, dass es keine anderen Gründe für diese Aussonderung gibt, dass der Angestellte in der Personalabteilung also in ähnlicher Weise auf die sexuelle Orientierung fixiert ist, wie Herr Drydakis.

Ziemlich viele Annahmen, wie wir finden.

Geht man seinen Analysen vor diesem Hintergrund etwas auf den Grund, dann ergeben sich folgende Zusammenhänge:

Für männliche Bewerber:

  • In 64,5% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 58,7% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 8,6% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Für weibliche Bewerber:

  • In 65,9% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 60,1% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 5,7% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Es sind die 8,6% bzw. die 5,7%, die Drydakis stören. Sie sind der Ausdruck von Diskriminierung, so meint er.

Nun muss man bedenken, dass die 5549 Bewerbungsschreiben von nur 144 Studenten, darunter 72 heterosexuelle und 72 homosexuell aktivistische Studenten verschickt wurden.

knoweldge gapJeder Student hat somit bis zu 39 Bewerbungen verschickt. Jeder Bewerber geht mit maximal 39 Bewerbungen in die Berechnungen von Nick Drydakis ein. Rechnerisch wäre es daher möglich, dass die insgesamt 312 Fälle, in denen kein homosexuell-aktivistischer Bewerber zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, immer die selben 8 Bewerber betroffen hat, denn 312 / 39 = 8.

Ob dem so ist, könnte man leicht prüfen, hätte Drydakis seine Ergebnisse im Hinblick darauf dokumentiert, ob sich die Einladungen über die Bewerber gleich verteilen. Das hat er aber nicht getan. Das an sich ist schon erstaunlich, denn eine Angabe der Verteilung des Einladungserfolgs über die Bewerber, z.B. als Mittelwert mit Standardabweichung, ist eigentlich Standard. Fehlt die Angabe, dann muss man Schlimmes befürchten.

Aber selbst wenn eine Gleichverteilung der Einladungen bzw. Ablehnungen über die Bewerber zu beobachten wäre, so ist die Annahme, dass es ausgerechnet der homosexuelle Aktivismus gewesen sein soll, auf den Angestellte in Personalabteilungen fixiert sind, doch eine eher gewagte Annahme.

Aber selbst wenn die Angestellten in Personalabteilungen die Fixierung von Drydakis auf die sexuelle Orientierung teilen und nicht etwa negativ auf studentische Aktivisten reagieren, dann wäre noch zu zeigen, dass Diskriminierung und nicht andere Erwägungen hinter ihrer Entscheidung stehen, vermeintlich homosexuelle Bewerber nicht einzuladen.

Möglicherweise hat man im Unternehmen negative Erfahrungen mit homosexuellen Bewerbern gemacht, negative Erfahrungen, die man nie und nimmer der sexuellen Orientierung zugeschrieben hätte. Aber seit es Aktivisten wie Drydakis gibt, haben die entsprechenden Orientierungen eine Prominenz erreicht, die für sich schon dafür sorgt, dass die Anti-Diskriminierungs-Aktivisten das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen wollen.

Und um den Reigen zu schließen: Wenn manche Homosexuelle nicht mögen, dann ist auch das zu akzeptieren. Man kann freie Bürger ebenso wenig dazu zwingen, einem homosexuellen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben, wie man sie dazu zwingen kann, einem feministischen, sozialistischen, rechtsextremen oder natonalistischen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben. Eine Demokratie muss das aushalten und sich damit abfinden, dass für viele z.B. Personalverantwortliche bereits das Bekenntnis eines Bewerbers zu einem beliebigen Aktivismus ausreicht, um sich für andere Bewerber zu entscheiden.