WELT: Sami A muss zurückgeholt werden, denn: Gerechtigkeit ist nur ein Gefühl

Was rauchen die bei der WELT?

Muss ziemlich starker Stoff sein, das, womit sie ihre Sinne benebeln, und am Ende, wenn Sie genug geraucht haben, dann geht der Huth hoch, der Peter Huth. Und wenn der Peter Huth hochgeht, dann schreibt er Texte, denen man ansieht, warum ihm der Hut(h) hochgegangen ist: Weil ihm die Sinne benebelt sind, von was immer die da rauchen, bei der WELT.

2 Minuten Lesezeit steht über dem Artikel von Huth. Wieviel Zeit zum Verfassen des Unsinns, den Huth verbreitet, notwendig war? Im Rausch schreibt man zuweilen schnell … merkt nicht, was man schreibt.

Huth schreibt, wie schnell auch immer, dass Sami al-Aidoudi, der gerade nach Tunesien abgeschobene ehemalige Leibwächter von Osama bin Laden, der sich in Deutschland, wie Huth weiter schreibt, als Hassprediger verdingt hat, finanziert über Sozialhilfe in Höhe von 1.100 Euro, der als gefährlich, als Gefährder galt, der in Deutschland „nichts verloren“ hat, wie Huth goutiert, dennoch nach Deutschland zurückgeholt werden müsse: Denn Gerechtigkeit sei ein Gefühl. „Aber herrscht auch Recht?“ So fragt er, vermutlich sich, denn er gibt die Antwort „Nein“.

Dem Gefühl der Gerechtigkeit stellt Huth in einer Art intellektuellem Husarenstück das Recht als nicht-emotionalen Fels in der Brandung der Gefühle gegenüber. Dieses Recht, es malt in Mühlen und langsam, sehr langsam, schließlich wollen ein Vielzahl von Juristen mit diesem Recht ein Auskommen erwirtschaften. Das Recht, dieser nicht-emotionale Fels, den Huth der Flut empfundener Gerechtigkeit gegenüberstellt, es war noch nicht gesprochen. Also müsse Sami al-Aidoudi nach Deutschland zurückgebracht werden, damit festgestellt werden könne, dass er kein Aufenthaltsrecht in Deutschland habe und wieder abgeschoben werden könne (der Schluss ist von uns!). Das macht immerhin noch drei Prozess- und Gerichtsgebühren für die beteiligten Anwälte und darum geht es letztlich im Recht, nicht um Gerechtigkeit, sondern um Einkommen, Einkommen für diejenigen, die vom Recht leben (Ein beliebter Spruch unter Richtern lauten: Hier bekommen sie kein Recht, sondern ein Urteil).

Doch zurück zu Huth und seiner Ansicht, dem unverrückbaren Recht, das auf uns hernieder gekommen sei, das unveränderlich die Gezeiten des Wandels überstehe, stehe die Gerechtigkeit gegenüber, die nur ein Gefühl sei.

Was für ein Unsinn.

Gerechtigkeit, das wüsste Huth, wenn er eine entsprechende Ausbildung oder den entsprechend gesunden Menschenverstand hätte, mag empfunden oder eben nicht empfunden werden, aber sie ist nicht auf die Emotionen derer, die sie empfinden oder eben nicht, begrenzt. Was für eine irre Vorstellung, Emotionen führten ein Sonderdasein, das keine Verbindung zur Realität hat. Liebe ohne Objekt, Hass ohne Gegenstand, Gerechtigkeit ohne Anlass. Was um aller Götter Willen raucht Huth bis ihm derselbe hochgeht?

Gerechtigkeit hat ganz konkrete Objekte, auf die sie sich bezieht, so wie alle Emotionen. Die Objekte, auf die sich Gerechtigkeit bezieht, sind z.B. Aspekte der Verteilung von Ressourcen. Wieso, so fragen sich manche, erhält jemand, der gegen das Gemeinwesen der Deutschen anpredigt, mehr Geld als jemand, der nach 45 Jahren, die er Steuern in dieses Gemeinwesen bezahlt hat, Rente bezieht. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und wie man sieht, eine Frage, die einen konkreten Gegenstand hat: Die Verteilung von Ressourcen.

John Stacy Adams hat diese Beziehung zwischen dem, was man in etwas an Anstrengung investiert und dem, was man als Belohnung für diese Anstrengung erhält, systematisiert und formuliert, dass immer dann, wenn das Verhältnis der eigenen Anstrengung und Auszahlung dem entsprechenden Verhältnis von Anstrengung und Auszahlung anderer entspricht, Gerechtigkeit vorliegt. A leistet mehr als B und erhält mehr Auszahlung. Gerechtigkeit liegt vor. A leistet weniger als B und erhält dennoch mehr Auszahlung: Gerechtigkeit liegt nicht vor.

Während man eine solche formale Sichtweise auf Gerechtigkeit einnehmen kann, kann man dasselbe mit Recht nicht.

Recht ist einfach eine Ansammlung von Sätzen.

Die Sätze sind von Menschen geschrieben und spiegeln die Machtverteilung in einer Gesellschaft wider.

Menschen und Machtverteilungen ändern sich.

Deshalb ändert sich das Recht.

Recht ist nicht in Stein gemeißelt.

Recht ist veränderlich.

Im Gegensatz zu Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit ist ein formales Prinzip.

Es verhält sich also gerade anders herum als Huth schreibt.

Dass Bürger in Deutschland Ressourcen erwirtschaften müssen, von denen Personen wie Sami A leben, ist entsprechend ungerecht.

Dass Juristen darauf bestehen, selbst in Fällen wie “Sami A” alle Gerichts- und Verhandlungsgebühren einzustreichen und die Kosten des Rechtsweges für die Bürger, die sie erwirtschaften müssen, zu maximieren, ist entsprechend ungerecht.

Dass normale Bürger aus Paragraphenreitern, die sich auch in aussichtslosen Fällen durch alle Instanzen klagen, um so viel wie möglich Gebühren aus den Steuerzahlern, die die Anwalts- und Prozesskosten zu tragen haben, zu pressen, nichts anderes schließen können, als dass das derzeitige Recht es Anwälten ermöglicht, auf Kosten der Allgemeinheit zu leben und sich gewissenlos auf deren Kosten zu bereichern, ist weder gerecht noch Recht, sondern zwangsläufig.

Dass Huth meint, er müsse diejenigen, die wissen, dass Gerechtigkeit ein formales Prinzip ist, während Recht nur ein Kodex ist, den man ändern kann und muss, wenn er nicht mehr zeitgemäß ist, als Hysteriker bezeichnen, zeigt zum einen, dass die Obrigkeit bei manchen – vollkommen unabhängig davon, was sie rauchen – zu etwas wird, was hörig macht, zum anderen, dass Hörigkeit und Andienen nicht weit voneinander entfernt sind.

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Naidoo gegen AAS-Stiftung II: Codes, Chiffren und Irrsinn

Etliche Leser haben gefragt, wie die Verhandlung vor dem Landgericht Regensburg, ausgegangen ist, ob, die ungenannte Mitarbeiterin der AAS-Stiftung zur strafbewerten Unterlassung der Behauptung verurteilt wurde, dass Xavier Naidoo ein Antisemit sei. Nun, das Urteil ist noch nicht ergangen, aber aus dem, was der Richter den Parteien mit auf den Weg gegeben hat, kann man ableiten, dass er der Klage Naidoos stattgeben und der Mitarbeiterin der AAS-Stiftung auferlegen wird, die Beleidigung Naidoos als Antisemiten in Zukunft zu unterlassen.

Für alle, die im Prozedere an Landgerichten nicht so bewandert sind: Die Verhandlung fand vor einem Einzelrichter statt. In der mündlichen Verhandlung lässt sich der Richter von den Parteien noch einmal ihre Sicht der Dinge vortragen und sagt dann, was er von dem ganzen hält, welches Urteil also zu erwarten wäre, wenn er eines sprechen müsste. Im vorliegenden Fall hat der Richter angeregt, dass die Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung sich verpflichtet, Naidoo nicht mehr als Antisemiten zu bezeichnen. Das hat die Mitarbeiterin, deren Anwaltskosten vermutlich die AAS-Stiftung und somit die Steuerzahler tragen, abgelehnt. Am 17. Juli wird der Richter daher das wenig überraschende Urteil verkünden.

Während wir für diesen Post recherchiert haben, sind wir aus dem Kopfschütteln kaum herausgekommen.

Fangen wir mit dem an, was vor Gericht in Regensburg nach übereinstimmenden Berichten erzählt wurde. Naidoo hat erzählt, dass er kein Antisemit sei, jüdische Freunde habe und ansonsten der Ansicht sei, ein Antisemit sei jemand, der „aktiv Menschen mit semitischer Herkunft diskriminiere“. Damit beweist Naidoo mehr Einsicht in wissenschaftliche Konzepte als die meisten der bezahlten Schergen der Bundesregierung.

Die immer noch namentlich ungenannte Mitarbeiterin der AAS-Stiftung, die durchsetzen will, dass sie Naidoo als Antisemiten bezeichnen darf, hat in der Verhandlung allen Ernstes ausgesagt, dass in der rechtsextremen Szene Codes und Chiffren verwendet würden, die man entziffern könne, wenn man in der Szene sei. Naidoo, so die von Zweifeln nicht zu Plagende, verwende diese Codes und Chiffren. Naidoo selbst sagt, dass er von entsprechenden Codes und Chiffren nichts wisse.

Das ist der Gipfel des Irrsinns.

Fangen wir hinten an.

Eine Mitarbeiterin der AAS-Stiftung behauptet, was X singt seien rechtsextreme Chiffren und Codes. Die logische Konsequenz dieser Behauptung ist, dass außer denen, die die Codes und die Chiffren kennen, niemand versteht, was X da singt, außer denen also, die sich manisch in diese Chiffren und Codes verrannt haben. Es gibt keinerlei Schaden, weil diejenigen, die die angeblichen Chiffren und Codes verstehen, sowieso diejenigen sind, die nicht mehr alle Tassen im Schrank haben und alle anderen, die Codes und Chiffren nicht verstehen.

Dessen ungeachtet will die Mitarbeiterin der AAS-Stiftung allen Ernstes argumentieren, dass die Chiffren und Codes, die nur Eingeweihte verstehen, Antisemitismus darstellen und deshalb derjenige, der sie benutzt, Antisemit sein müsse.

Ein klassischer Fehlschluss (Bejahung des Konsequens, einmal mehr), denn die Verwendung von Worten lässt nicht darauf schließen, dass der Verwender einen geheimen Sinn damit verbindet. Nehmen wir z.B. die AAS-Stiftung, die sich als Stiftung bezeichnet und damit suggeriert, dass ein Stiftungskapital in so großer Höhe vorhanden ist, dass alle Ausgaben der Stiftung daraus gedeckt seien. Manche von uns, die Stiftung noch in der Bedeutung verwenden (oder als die sprachliche Chiffre verstehen), die der Begriff einmal hatte, könnten daraus den Schluss ableiten, dass sich die AAS-Stiftung fälschlicherweise Stiftung nennt, obwohl die meisten Mittel der Stiftung von Steuerzahlern aufgebracht und von Ministerien freigiebig überwiesen werden. Die Bezeichnung Chiffre sei also ein Code, um die Öffentlichkeit zu täuschen. Im Gegensatz zu MitarbeiterINNEN der AAS-Stiftung würden wir einen solchen Fehlschluss jedoch nie begehen.

So wie wir auch davor zurückschrecken, eindeutige Verdikte über Menschen zu verhängen und sie pauschal zu Antisemiten zu erklären. Das, so haben Adorno et al. und nach ihnen Rokeach und viele andere festgestellt, ist Ausdruck von Dogmatismus, wie ihn meist nur eine autoritäre Persönlichkeit aufweist, die ihre Welt in apodiktischer Weise strukturieren muss, in Freund und Feind einteilen muss, um handlungsfähig zu sein und sich nicht vor der Komplexität, die die Welt nun einmal auszeichnet, so zu ängstigen, dass die bereits vorhandene Neurose zur Manie wird.

Wir würden nie soweit gehen zu sagen, Menschen, die sich ein apodiktisches Urteil über andere herausnehmen, ohne dieses Urteil sachlich und prüfbar zu begründen, seien human trash, wie die US-Amerikaner dies tun, aber wir haben Zweifel daran, dass derartige Menschen viel taugen können.

Während wir recherchiert haben, sind wir auf einen Beitrag von Matern Boeselager (nomen est omen) gestoßen, der in Vice veröffentlicht wurde. Wenn man den Beitrag klassifizieren sollte, dann wäre die Bezeichnung Hetz-Journalismus wohl am treffendsten für dieses Machwerk, in dem jeder Versuch zu berichten, aufgegeben wird. Das Ziel, das Boeselager mit seinem Beitrag verfolgt, ist bereits in der Überschrift deutlich: er will Naidoo zum Antisemiten erklären und lächerlich machen. Das scheint manchen, die man widerwillig zur Spezies „Mensch“ zählen muss, wohl etwas zu geben. Wenn sie andere mit Begriffen belegen können und sich schriftlich über diese anderen ereifern können, dann ist dies wahrscheinlich eine Form Surrogat-Orgasmus: Ich beleidige, also bin ich.

Wer sich der Tortur unterzieht, das zu lesen, was man bei Vice für veröffentlichungswürdig hält und was Beleg dafür ist, dass Vice seinen Mitarbeitern einen Hungerlohn bezahlt, dem sei geraten auf die bewertenden Aussagen zu achten, ohne die Boeselager nicht auskommt. Das Böse lagert im Adjektiv, wenn man so will. „Der Sänger“, so urteilt Boeselager, „versteht von Politik ungefähr soviel wie ein 14-Jähriger mit Fieber, der die Nacht auf Verschwörungs-YouTube verbracht hat“. Dieser Satz ist nicht nur deshalb, weil er auf genau einer Beobachtung von Boeselager basiert, obwohl er allgemeine Gültigkeit beansprucht, Unsinn, er ist es auch deshalb, weil Boeselager so jämmerlich wenig stilistische Mittel zur Verfügung hat, um sein Ziel „Naidoo diskreditieren“ zu erreichen. Würden wir jetzt die selbe Logik anlegen, die die Mitarbeiterin der AAS-Stiftung allen Ernstes vor Gericht vertreten hat, dann müssten wir Boeselager zum Rassisten erklären, schließlich ist Naidoo nicht-weißer Hautfarbe und das Bemühen von Boeselager, ihn zu diskreditieren und zu beleidigen, offenkundig.

Aber derartige Fehlschlüsse, die ja Aufschluss über die geistigen Fähigkeiten dessen, der sie macht, geben, überlassen wir lieber den MitarbeiterINNEN der AAS-Stiftung.

Widmen wir uns lieber dieser Aussage:

„Einmal ist die Rede davon, die Politiker ‚mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylons‘ zu trennen, was das Ganze auf jeden Fall in Richtung jüdische Geschichte lenkt.“ Babylon als Begriff sei also ein Beleg für Antisemitismus.

Der Boeselager hat keine Ahnung.

Babylon-System:

Babylon system is the vampire, yea! (vampire)
Suckin’ the children day by day, yeah!
Me say de Babylon system is the vampire, falling empire,
Suckin’ the blood of the sufferers, yeah!
Building church and university, wooh, yeah! 
Deceiving the people continually, yeah!
Me say them graduatin’ thieves and murderers
Look out now they suckin’ the blood of the sufferers (sufferers)
Yea! (sufferers)

Bob Marley war nach der Unlogik, die in der engen Welt von Herrn Boeselager anzutreffen ist, ein Antisemit.

Manche erzählen wirklich jeden Schei… und machen sich wirklich in jeder nur erdenklichen Art und Weise lächerlich, wenn sie die, die sie zu ihren Feinden erklärt haben, diskreditieren wollen.

 

Und so schreibt sich auch der Herr Boeselager in Wut, und Wut, dass wissen wir aus den Veröffentlichungen der AAS-Stiftung führt zu Hate Speech, die, wie uns Forschung zu Hate Speech erklärt, vornehmlich unter Dummen verbreitet ist.

Boeselager im Orginalton:

“Ich verfolge das Politische und mache mir dazu so meine Gedanken”, erklärte Naidoo am Dienstag vor Gericht. “Codes und Chiffren sind mir nicht bekannt.” Für ihn bedeute Antisemitismus, wenn man “aktiv Menschen mit semitischer Herkunft diffamiert”. Das ist schonmal eine ziemlich hinterhältige Definition, denn das würde theoretisch sogar Araber mit einschließen – im Prinzip also dasselbe dämliche Argument, wie zu behaupten, Araber könnten keine Antisemiten sein könnten, weil sie “ja auch Semiten sind“. Genau das bedeutet Antisemitismus aber nicht – der richtet sich ausschließlich gegen Juden.”

Für Boeselager gibt es keinen Zweifel daran, dass der Sänger, dem er oben noch den Verstand eines 14-jährigen attestiert hat, hier Qualitäten offenbart, die weit über die Fähigkeiten besagten firbigen 14jährigen hinausgehen und wissentlich und fälschlicherweise, Antisemitismus auf Semiten ausweitet.

Ein normaler Mensch, der nicht von Hass und Wut zerfressen ist und dem es nicht darum geht, andere, hier Naidoo, zu diskreditieren, der hätte hier Fairness walten lassen. Er hätte sich gesagt, ich weiß nicht, kann nicht wissen, ob Naidoo hier Araber mit einschließen will. Also gehe ich davon aus, dass Naidoo die selbe beschränkte Sichtweise auf Antisemitismus hat, die ich auch habe. Denn natürlich sind Araber auch Semiten und der Begriff „Antisemitismus“ ist mehr als unglücklich, wenn er sich nur auf Juden beziehen soll, denen dadurch die Möglichkeit genommen wird, ihrerseits antisemitisch zu sein.

Wir treffen hier auf das Problem, das wir oben schon angesprochen haben: autoritäre Persönlichkeiten, die ihre Welt nur mit apodiktischer Sprache strukturieren können, sind nicht flexibel genug, um die Moderne in ihrer Komplexität zu verstehen, geschweige denn zu verarbeiten. Sie klammern sich an ihre Sicht der Welt und unterstellen jedem, dessen Aussage sie nicht verstehen, eine böse Absicht.

So verhalten sich nur Manische, Menschen, die die Normalität menschlicher Interaktion, die auf gutem Willen und der Bereitschaft, anderen etwas zu Gute zu halten, basiert, längst verlassen haben und in der Unnormalität ihrer eingebildeten Welten leben.

Früher waren diese Welten geschlossen. Aber vermutlich wäre es für manche Diskriminierung, wenn man versuchte, Irre aus dem öffentlichen Leben zu entfernen. Denn wir sind doch alle gleichwertig – wie wir abermals von der AAS-Stiftung wissen, deren MitarbeiterINNEN nicht müde werden, diesen Unfug zu verbreiten, während sie andere als Antisemit beschimpfen.

Mehr dazu:

https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/xavier-naidoo-erscheint-vor-gericht-21179-art1663152.html

https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Xavier-Naidoo-wehrt-sich-gegen-Antisemitismus-Vorwuerfe-id51482251.html

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Nur Dumme haben Vorurteile? Ende eines linken Mythos

Eine der Lieblingsgeschichten der Linken, die sich für Intellektuelle halten, lautet wie folgt: Vorurteile finden sich vornehmlich bei Menschen mit geringen kognitiven Fähigkeiten und geringem sozialen Status, die in einer prekären Situation leben. Sie begegnen deshalb Menschen aus anderen sozialen Gruppen mit Vorurteilen und Ablehnung, mit Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Sexismus usw.

Der Kern dieser Erzählung lautet: Vorurteile haben nur Dumme. Vorurteile richten sich in dieser Erzählung vornehmlich gegen Gruppen, deren Mitglieder keine Möglichkeit haben, ihre Gruppenzugehörigkeit abzulegen (man ist entweder schwarz oder man ist es nicht). Und weil Vorurteile und Dummheit für Linke zueinander gehören, deshalb muss man „die Menschen“, wie es dann gewöhnlich heißt, erziehen. Deshalb haben sich Linke im Fettgürtel um diverse Ministerien angelagert, die nur zu gerne das Geld der dummen Steuerzahler ausgeben, um die dummen und vorurteilsvollen Steuerzahler (um-) zu erziehen und von Vorurteilen zu befreien.

So lautet die linke Erzählung.

Diese linke Erzählung wurde in einer Reihe von Studien bestätigt, die zeigten, dass Rassismus, Antisemitismus und Homophobie in mehr oder weniger geringem Ausmaß mit geringen kognitiven Fähigkeiten einhergehen, sich also bei eher Dummen eher finden lassen.

Solche Ergebnisse wurden als Beleg dafür genommen, dass Vorurteile und Dummheit zusammengehören.

Und damit sind diese Ergebnisse und die zugehörige Forschung ein Beispiel für ideologisch oder von Vorurteilen getragene Forschung, die die, die sie durchgeführt haben, zumindest als nicht sonderlich gescheit erscheinen lässt.

Denn: Sowohl die Lieblingserzählung der Linken als auch die zugehörige Forschung ist falsch.

Vorurteile haben mit Dummheit nichts zu tun.

Vorurteile finden sich nicht nur bei Menschen mit geringer kognitiver Kompetenz, sie finden sich auch bei Menschen mit hoher kognitiver Kompetenz. Die Vorurteile als „negative Bewertung eines Menschen aufgrund seiner Gruppenzugehörigkeit“, sie sind die selben, nur die Ziele der Vorurteile, die Gruppen, gegen die sie sich richten, sind andere.

Dieses Ergebnis steht am Ende einer Untersuchung von Mark J. Brandt und Jarret T. Crawford, die in der Zeitschrift „Social Psychology and Personality Science“ veröffentlicht wurde. Brandt und Crawford haben sich zunächst einmal von der politisch-korrekten Konvention gelöst, Vorurteile nur im Hinblick auf Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und wie die Modethemen der Mode-Wissenschaft alle lauten, zu untersuchen. Wer seine Forschung gleich auf das einschränkt, was er zeigen will, der wird kaum etwas anderes finden als das, was er sucht. Quasi im Nebensatz attestieren Brandt und Crawford den meisten Forschern, die sich mit den Modethemen von Rassismus, Sexismus usw. beschäftigen, einen Bias, ein Vorurteil, das dazu geführt hat, dass sich in der Forschung lange Jahre ein Irrtum halten konnte:

„These findings suggest that the consensus in the literature that cognitive ability is associated with prejudice (…) is a consequence of previous research primarily examining prejudice towards more liberal and pro-choice groups and not conservative and high-choice groups” (Brandt & Crawford 2016: 888).

Mit anderen Worten, wer nur nach bestimmten Vorurteilen und nur bei Personen mit geringer kognitiver Fähigkeit sucht, der findet auch nur bestimmte Vorurteile bei bestimmten Personen und übersieht „the bigger picture“. Und das „bigger picture“ lautet: Vorurteile sind unabhängig von kognitiven Fähigkeiten.

Brandt und Crawford haben diese Unabhängigkeit auf Basis eines großen Samples mit 5.914 US-amerikanischen Befragten gezeigt. Die Befragten wurden gebeten, für insgesamt 24 Gruppen anzugeben, ob sie sie positiv oder negativ bewerten. Die kognitiven Fähigkeiten der Befragten wurden über den sogenannten Wordsum-Test, für den sich hier ein recht gutes Beispiel findet, erhoben. Ob mit dem Wordsum-Text „Intelligenz“ gemessen wird, ist eine andere Frage, was damit in jedem Fall gemessen wird, ist die Zeit, die ein Befragter im institutionellen Bildungssystem verbracht hat, denn ein Akademiker sollte den Wordsum-Test besser absolvieren als jemand, in dessen Beruf Sprache nicht den Stellenwert hat, den sie für Akademiker haben sollte.

Die wichtigsten Ergebnisse, die Brandt und Crawford mit ihrer Untersuchungsanlage erzielt haben, lauten:

Vorurteile sind unabhängig von kognitiven Fähigkeiten, d.h. hier im Wesentlichen von der Zeit, die jemand im Bildungssystem zugebracht hat. Personen, die auf dem Wordsum-Test besser abschneiden als andere, deren Vorurteile sind einfach auf andere Gruppen gerichtet. Die folgende Abbildung aus dem Text von Brandt und Crawford zeigt, dass sich mit zunehmender Fähigkeit, den Wordsum-Test zu absolvieren, einfach die Ziele der Vorurteile ändern, sie wandern von Atheisten, Schwulen, Schwarzen und Muslimen über Feministen, Gewerkschaftler und Arme zu Reichen, Konservativen, dem Militär, Christen und Großkonzernen.

Lässt man diese Ergebnisse auf sich wirken, dann sieht man etwas klarer, worum es im täglichen medialen Kampf wirklich geht, darum durchzusetzen, wessen Vorurteile nun die legitimen Vorurteile sind. Richten sich korrekte Vorurteile gegen Schwarze oder gegen Weiße, gegen Unternehmer oder gegen Hartz-IV-Empfänger, gegen Christen oder gegen Muslime, gegen Konservative oder gegen Homosexuelle? In der gesellschaftlichen Arena der Medien streiten die jeweiligen Vorurteilsvertreter um die Vorherrschaft, wobei derzeit die Karten eindeutig verteilt sind, denn die von Journalisten und vom politischen Mainstream für korrekt gehaltenen Vorurteile richten sich gegen Unternehmen und Konservative und das Militär, die für falsch gehaltenen Vorurteile haben Homosexuelle und Schwarze oder Asiaten oder illegale Immigranten zum Ziel.

Es geht also darum, die eigene Erzählung und damit die eigenen Vorurteile als legitim durchzusetzen und die Vorurteile der anderen als illegitim darzustellen. Letzteres hat zudem und in seiner Verbindung damit, dass behauptet wird, wer z.B. Schwule nicht mag, müsse dumm sein, den Vorteil, dass man sich als Retter vor Vorurteilen anderer aufspielen und von Steuerzahlern durchfüttern lassen kann, wenn man behauptet, man würde die Welt von Vorurteilen befreien, freilich um den Preis, die eigenen Vorurteile zu etablieren und zu legitimieren.

Brandt, Mark J. & Crawford, Jarret T. (2016). Answering Unresolved Questions About the Relationship Between Cognitive Ability and Prejudice. Social Psychological and Personality Science 7(8): 884-892.

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Unbewusste Vorurteile: der neueste Diversity-Unsinn

Er ist uns in letzter Zeit häufiger begegnet: Der Begriff der „unbewussten Vorurteile“. Diese neueste Verballhornung wissenschaftlicher Konzepte zu einem Brei aus Psychoanalyse und Brachial-Psychologie findet sich zunehmend bei denen, die der Diversität das Wort reden oder gegen „Rassismus“ oder andere Dinge, die sie meist nur halb, wenn überhaupt verstanden haben (um nicht zu sagen, von denen sie ein sehr vorurteilsbehaftetes Bild haben), vorgehen wollen.

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass diejenigen, die am lautesten von Diversität tönen, diejenigen sind, die am wenigsten divers denken können? Sie reduzieren die große Vielfalt, die eine Menschenmenge auszeichnet, weil sie eben aus einzelnen Individuen besteht, zunächst auf Gruppen, um diesen Gruppen dann genau ein Merkmal, Geschlecht, Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder was gerade in Mode ist, zuzuschreiben. Das hat mit Diversität überhaupt nichts zu tun. Es beschreibt eher eine Denkbehinderung, die man wohl als Vorurteil bezeichnen muss.

Wer für mehr Diversität ist, der hebe die Hand.

Damit sind wir zurück beim Thema. Sozialpsychologen haben seit der Grundlegung durch Gordon Allport (und vermutlich schon zuvor, aber nicht mit dem Impact), zwischen Stereotypen und Vorurteilen unterschieden. Erstere sind nützliche Abkürzungen, die es Menschen erlauben, schnell und zumeist auch erfolgreich Handlungsentscheidungen zu treffen. Stereoytpe sind das Ergebnis von Handlungserfahrungen, und deshalb haben Stereotype auch Handlungserwartungen zur Folge. Manche von uns sind immer noch der Ansicht, dass Kinder in Schulen rechnen und schreiben lernen und nicht, was politisch gerade als korrekt angesehen wird. Das ist ein Stereotyp. So wie es ein Stereotyp ist anzunehmen, dass ein Mann eher in der Lage ist, einen Kasten Bier fünf Etagen zu schleppen als eine Frau.

Das Besondere an Stereotypen ist, dass sie an konkreten Situationen scheitern können, weil Stereotype „typische Aussagen“ sind, können sie im konkreten Fall falsch sein, dann, wenn Lehrer mehr damit beschäftigt sind, Kinder ideologisch zu indoktrinieren oder man auf eine Gewichtheberin getroffen ist, die einen Kasten Bier in den sechsten Stock schleppt und dort alleine trinkt.

Was Stereotype auszeichnet, ist: Sie sind veränderlich. Erfahrungen, die man macht, schlagen sich auf die Stereotype nieder, führen zu einer Anpassung.

Das unterscheidet sie von Vorurteilen. Vorurteile sind nicht veränderlich. Sie basieren auf Werten oder Normen, auf Erwartungen, was richtig und was gut ist und sie werden gegen die Realität verteidigt. Widerstreitende Informationen können ihnen nichts anhaben. Sie bestehen unverändert, auch im Angesicht widersprechender Erfahrungen weiter. Assmann hat dies gut auf den Punkt gebracht:

„Prejudice cannot be explained – as stereotype can – on a cognitive basis alone; it is charged with collective emotions together with norms that are hidden behind values and taboos. It is not a tool for understanding the world, but a weapon in power and identity politics. This explains one characteristic of the prejudice: It is incorrigible. It can, on the contrary, be defined as a mental strategy to block the process of learning, which involves constant readjustment and reconstruction of preconceived ideas in the light of new experience and information. Instead of reconstructing the stereotype to accommodate the new evidence, the prejudice is constructed to block and destroy evidence. While the stereotype is adapted to the world, prejudice adapts the world to itself” (Assmann, 2009, S.9).

Szenenwechsel

Daniel Kahneman, der es noch erlebt, und Amos Tversky, der schon verstorben ist, gehören zu den derzeit am meisten missbrauchten Forschern. Jeder Halbgebildete meint, er könne sich die Arbeiten der beiden zu nutze machen und seine Verballhornung der Ergebnisse nutzen, um sich selbst und auf deren Kosten zu profilieren.

Unbewusste Vorurteile sind ein Beispiel dafür.

Unbewusste Vorurteile, so lesen wir auf einer Seite, die dem Bemühen gewidmet ist, Profit aus kognitiven Schwächen anderer zu schlagen, seien tief in unseren Gehirnen gespeichert und würden von dort aus unser Handeln „unbewusst“ steuern, ohne dass wir uns dagegen wehren könnten. Wir sind, so die Idee, die hinter den unbewussten Vorurteilen steckt, Automatons, die von ihrem Gehirn, das ein unbewusstes Eigenleben führt, gesteuert werden, ohne dass wir das merken. Wenn Unsinn wie „unbewusste Vorurteile“ verbreitet wird, dann sind in der Regel alle Schleusen geöffnet, dann findet keinerlei rationale Kontrolle dessen, was geäußert wird, mehr statt. So finden wir auf der bereits oben zitierten Seite, die Diversität durch die Bekämpfung „unbewusster Vorurteile“ herstellen will, die folgende Aussage:

„In der Regel ist der automatische Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozess richtig, doch manchmal kann er auch fehlerhaft oder entgegen unserer bewussten Überzeugungen und Werte ablaufen. So wird unser Unbewusstes eher für Menschen aus unserem Kulturkreis präferieren als für andere, weil es mit diesen bereits Erfahrungen gemacht hat – ob wir das wollen oder nicht. In diesen Fällen sprechen wir von kognitiven Wahrnehmungsverzerrungen oder Unconscious Biases.“

Derartiger Blödsinn, der aus einer geistigen Verwirrung, in der Sigmund Freud mit Daniel Kahneman und Amos Tversky in Verbindung gebracht wird, resultiert und in dem die Arbeit von Sozialpsychologen, die sich jahrzehntelang bemüht haben, Stereotype und Vorurteile von einander zu trennen, mit wenigen Worten vom Tisch gewischt wird, wird in den Kreisen derer, die Diversität im Munde führen, ohne zu wissen, was Diversität ist oder sein soll, eifrig aufgenommen.

Unbewusste Vorurteile …

Machen wir einmal die Probe aufs Exempel.

A geht in die Bäckerei um Brötchen zu kaufen. Der Verkäufer ist ein Asiate. A mag keine Asiaten und kauft keine Brötchen. Was meinen Sie, sind A seine Vorurteile bewusst oder unbewusst?

B geht in die Bäckerei um Brötchen zu kaufen. Er telefoniert, gibt das bereits abgezählte Geld dem asiatischen Verkäufer und verlässt die Bäckerei. Hat B unbewusste Vorurteile, und wenn ja: who cares?

Der Witz an Vorurteilen ist, dass man sich ihrer sehr bewusst ist. Denn Vorurteile müssen aktiviert werden. In Handlungssituationen. Durch Unerwartetes. Um relevant zu sein. X hasst Genderisten. Deshalb hat sich X einer Männergruppe angeschlossen, die ihre Entsorgung als Väter bejammert. Eines Tages taucht Y, eine Genderistin auf, um mit zu jammern. Wie reagiert X? Geht er nicht mehr in seine Männergruppe, dann hat er auf Grundlage seines Vorurteils, dass er Genderisten hasst, eine Entscheidung getroffen, und zwar unabhängig von der konkreten Person Y. Aber niemand wird behaupten, dass X seine Entscheidung aufgrund eines unbewussten Vorurteils getroffen hat. X ist sich sehr bewusst darüber, dass er Genderisten hasst.

Es zeichnet übrigens Menschen aus, die Vorurteile zur Grundlage ihrer Handlungsentscheidungen machen, dass sie zum einen Individuen (oder konkrete Situationen) ignorieren und zum anderen ihre Entscheidungen auf Basis von Affekten treffen.

Unbewusste Vorurteile ist also Unsinn, der nur im Gehirn von Verwirrten entstehen kann.

Was den Unsinn zur (unbewusst) kalkulierten Verleumdung macht, ist, dass er Daniel Kahneman untergeschoben wird, um das „unbewusste Vorurteil“ in der Aura des Nobelpreisträgers zu suhlen.

So bezieht sich ein Manfred Wondrak, der auf der Seite „anti-bias“ allgegenwärtig ist, explizit auf Daniel Kahneman und erklärt, dieser habe zwischen zwei Denksystemen unterschieden, System 1 sei das Unbewusste und System 2 sei das Bewusste. Ersteres sei automatisch, schnell, intuitiv, Letzeres langsam und rational. Unbewusste Vorurteile würden in System 1 geformt. Sie seien ein „unbewusster Bias“, der aufgrund von Erfahrungen (sic!) entwickelt worden sei, Erfahrungen, die nicht anders als kulturell zentriert und entsprechend „rassistisch“ sein können, wie man anfügen kann.

Das setzt dem Unsinn die Krone auf.
Machen wir doch einmal einen Schnellkurs in Kahneman und Tversky. Beide haben sich jahrzehntelang mit der Frage beschäftigt, warum Handlungsentscheidungen, die Menschen treffen, von dem abweichen, was man als die in einer konkreten Situation rational richtige Entscheidung ansehen muss. In einer Vielzahl von sozialpsychologischen Experimenten haben die beiden gezeigt, dass die Annahmen, die in der neoklassischen Ökonomie über den homo oeconomicus gemacht werden, ein Idealtypus, den es in der realen Welt nicht gibt, so weit von der empirischen Realität abweichen, dass man sich fragen muss, ob es noch sinnvoll ist, diese Annahmen zu machen. Sodann haben Kahneman und Tversky untersucht, warum Entscheidungen von Akteuren nicht entsprechend den Annahmen einer objektiv-rationalen Handlungstheorie getroffen werden. Die Antwort auf diese Frage sind die berühmten Heuristics and Biases, die Kahneman und Tversky zusammengetragen haben, Shortcuts im Denken, die in konkreten Situationen zu falschen Entscheidungen führen können. Mit Vorurteilen oder Unbewusstem hat dies alles überhaupt nichts zu tun.

Zum Beispiel die Ankerheuristik:

Versuchspersonen, denen die folgende Reihe gezeigt wurde

1*2*3*4*5*6*7*8

und die das Ergebnis der Multiplikation schätzen sollten (40320) blieben deutlich unter diesem Ergebnis und schätzten es viel geringer ein als Versuchspersonen, denen die folgende Reihe gezeigt wurde:

8*7*6*5*4*3*2*1

Die Anker „1“ bzw. „8“ determinieren offensichtlich den Raum möglicher Schätzergebnisse.

Eine andere Heuristik ist die fehlerhafte Mustererkennung. Versuchspersonen, denen die folgenden Reihen als Ergebnis wiederholter Münzwürfe gezeigt wurden:

1. K(opf) K K K Z(ahl) Z Z Z
2. K Z Z Z Z Z Z Z
3. Z K Z K Z K Z K
4. K Z Z K K K Z K
5. Z Z K Z K Z K K
6. K Z K Z Z K K Z

hielten die Reihen 5 und 6 für wahrscheinlicher gehalten, obwohl alle sechs Reihen dieselbe Wahrscheinlichkeit haben.

Das soll als Beispiel dafür genügen, dass Kahneman und Tversky keine verkappten Psychoanalytiker sind, sondern Sozialpsychologen, die Fehler im Denken aufdecken wollen, die Akteure daran hindern, objektiv-richtige Entscheidungen zu treffen.

Mit unbewussten Vorurteilen hat dies überhaupt nichts zu tun und tatsächlich kommt der Begriff „unconscious bias“ in den Arbeiten von Kahneman und Tversky an keiner Stelle vor. Das kann er auch nicht. Denn im Gegensatz zu all denen, die mit unbewussten Vorurteilen hantieren, sind Kahneman und Tversky der Ansicht, dass Menschen rationale Akteure sind, deren Rationalität zuweilen durch geronnene Erfahrung und fehlerhafte Wahrnehmung ein Streich gespielt wird.

Das führt zurück zu den beiden kognitiven Systemen, von denen Wondrak und andere Diversitäts- und anti-Bias-Profiteure behaupten, Kahneman habe sie in ein Unbewusstes (System 1) und ein Bewusstes (System 2) unterschieden. Kahneman hat nichts dergleichen getan. Er und Tversky haben das folgende Modell der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung durch Akteure aufgestellt, in dem sich System 1 und 2 nicht dadurch entscheiden, dass die Prozesse bewusst bzw. unbewusst ablaufen, sondern in erster Linie durch die Geschwindigkeit und die Menge an Hirnschmalz, die investiert wird, um eine Handlungsentscheidung zu treffen. Denn Kahneman und Tversky geht es in ihrer Forschung darum, Handlungsentscheidungen zu erklären, nicht darum, anderen mit Anti-bias-Kursen Geld aus der Tasche zu ziehen.

Fehler im Denken sind für Kahneman und Tversky darauf zurückzuführen, dass System 2 seine Überwachungsfunktion über System 1 nicht korrekt ausführen kann.

„The judgements that people express, the actions they take, and the mistakes they commit depend on the monitoring and corrective functions of System 2, as well as on the impressions and tendencies generated in System 1“ (Kahneman 2003: 1467)

Die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Handlungsentscheidung zu treffen, steigt entsprechend, wenn Handlungen unter Zeitdruck erfolgen, wenn ein Akteur mehrere Entscheidungen zur selben Zeit treffen soll oder abgelenkt wird usw. Mit Unterbewusstem hat dies abermals überhaupt nichts zu tun. Die Fähigkeit eines Akteurs, System 2 zum Einsatz zu bringen, ist wiederum eine Funktion seiner Intelligenz, seiner statistischen Kenntnisse, seines Bedürfnisses, Dinge auch wahrzunehmen usw.

Gefallene Kulturgüter stellen einst wertvolle und wichtige kulturelle Errungenschaften dar, die in den Hände von Dilettanten zur Travestie ihrer selbst geworden sind. Wissenschaftliche Konzepte und Ergebnisse sind kulturelle Errungenschaften. Sie teilen dieses Schicksal und in keinem Bereich sind Dilettanten und Scharlatane häufiger zu finden als im Bereich der sogenannten Diversität, einer Spielwiese der Genderista.

Literatur

Assmann, Aleida (2009). Introduction. In: Pelinka, Anton, Bischof, Karin & Stögner, Karin (eds.). Handbook of Prejudice. Amherst: Cambria Press, pp.1-34.

Kahneman, Daniel (2003). Maps of Bounded Rationality: Psychology for Behavioral Economics. American Economic Review 93(5): 1449-1475.

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Politiker lieben mehr Risiko als Wähler – behauptet eine Studie

RISIKO!


Mit diesen Fragen wird im Sozioökonomischen Panel die Risikobereitschaft von Befragten gemessen. Risikobereitschaft ist hier als Einstellung konzipiert, d.h. ob sich die Befragten tatsächlich so verhalten, wie sie behaupten, also mit Risiko 6 beim Autofahren und Risiko 7 bei der beruflichen Karriere, das ist eine vollkommen andere Frage, wenngleich es die entscheidende Frage ist, denn wenn Einstellungen mit Verhalten nichts zu tun haben, dann sind sie im Leben irrelevant und muss man sie auch nicht messen.

Vier Mitarbeiter aus dem DIW in Berlin und ein Gerontologe aus Dortmund haben die oben dargestellten Fragen, d.h. die Antworten auf die entsprechenden Fragen, wie sie in den Jahren 2009 und 2012 von SOEP-Befragten gegeben wurden, genommen und mit den Antworten von Bundes- und Landtagsabgeordneten (letztere aus Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen) verglichen. Um die Risikobereitschaft von Bundes- und Landtagsabgeordneten zu erfragen, haben die fünf Autoren schriftliche Fragebögen an 1132 Bundes- und Landtagsabgeordnete verschickt. Ein Sample von 298 ausgefüllten Fragebögen (26,3% Rücklaufquote) ist dabei herausgekommen. Die Rücklaufquote, die vergleichsweise gut ist, ist jedoch mit einem Problem behaftet, wie die vier aus Berlin und der Gerontologe aus Dortmund eingestehen, denn sie wissen nicht, wer den schriftlichen Fragebogen tatsächlich ausgefüllt hat, der angeschriebene Abgeordnete in Bundes- oder Landtag oder einer seiner Mitarbeiter.

Eigentlich ist die Forschung hier beendet. Denn wenn man, wie Heß und die anderen eingestehen, nicht sicherstellen kann, dass Abgeordnete die Fragebögen ausgefüllt haben, dann kann man auch keine Angaben über Abgeordnete machen. Die fünf Autoren haben den entsprechenden Mut zur Lücke, eine sehr hohe Risikobereitschaft und machen die Angaben dennoch.

Die ganze Forschung ist natürlich dazu gedacht, die Risikobereitschaft von Abgeordneten und ihren Wählern zu vergleichen. Um dies zu tun, müsste man sicherstellen, dass die 298 Antworten, die eingegangen sind, eine so genannte Quotenstichprobe darstellen, d.h. den Parteiproporz abbilden. Leider haben die fünf vom DIW die Parteizugehörigkeit des Abgeordneten oder seines Mitarbeiters oder wer auch immer den Fragebogen ausgefüllt hat, nicht erfragt. Noch ein Grund, die Befragung in den Mülleimer zu werfen.

Auch das tun Heß und die anderen nicht. Sie beweisen eine unglaubliche Flexibilität, wenn es um Reliabilität von Ergebnissen geht. Wozu sich mit derartigen methodischen Standards belasten, wenn man gerade dabei ist, Geschichte zu schreiben, naja, die ersten Ergebnisse zur Risikobereitschaft von Abgeordneten zu präsentieren. Denn das tun Heß et al., obwohl sie nicht wissen, ob Abgeordnete ihren Fragebogen ausgefüllt haben und obwohl sie keine Idee davon haben, ob ihr Sample von Abgeordneten verzerrt oder sehr verzerrt ist. Heß und seine vier Mitstreiter beweisen das, was man als sozialwissenschaftliche Risikobereitschaft bezeichnen muss, sie sind fast schon quantitative Hazardeure, die das Risiko, Unsinn, weil Ergebnisse zu erzählen, die durch die Daten nicht gedeckt sind, freudig eingehen. „10“ auf der Skala nach der Frage. Wie risikobereit sind Sie im Bezug auf wissenschaftliche Lauterkeit?

Aufwendiges Matching, das sicherstellen soll, dass Abgeordnete mit einem bestimmten sozialen Profil (Einkommen, Alter, Geschlecht etc.) mit vergleichbaren Wahlberechtigten aus dem SOEP gepaart werden, wird sodann eingesetzt, um dem Leser vorzugaukeln, die im folgenden präsentierten Ergebnisse ließen einen Vergleich zwischen Bundes- und Landtagsabgeordneten auf der einen Seite und Wahlberechtigten auf der anderen Seite zu. Sie lassen es nicht zu, wie wir oben bereits ausgeführt haben. Heß et al., hoch risikobereit auch was den Fehlschluss der falschen Verallgemeinerung angeht, vergleichen die Ergebnisse dennoch.

Ergebnis in ihrer Diktion: Bundes- und Landtagsabgeordnete schätzen sich in allen Bereichen, aber vor allem bei „Karriere“ und „Vertrauen in andere Menschen“ als risikobereiter ein als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Die Formulierung der Ergebnisse, die mit dem Anspruch auf wissenschaftliche Lauterkeit erfolgt, lautet: Diejenigen, die die Fragebögen beantwortet haben, die an Bundestagsabgeordnete und Landtagsabgeordnete in vier Bundesländern verschickt wurden, schätzen ihre Risikobereitschaft in allen erfragten Bereichen höher ein als die SOEP-Befragten, mit denen sie gepaart wurden.

Dieses bescheidene Ergebnis, das die wissenschaftliche Lauterkeit nahelegt, lässt natürlich keine umfangreichen und weitreichenden Schlüsse zu. Deshalb ignorieren Heß et al. die wissenschaftliche Lauterkeit und begeben sich auf den riskanten Pfad des sozialwissenschaftlichen Hazardeurtums, das darin besteht, Ergebnisse mit einer Mischung unterschiedlichster Fehlschlüsse, von falscher Verallgemeinerung bis zu genetischem Fehlschluss aufzubauschen und daraus die folgende, weitgehend erfundene Erzählung zu weben:

Politiker, so die fünf Auguren, seien häufig mit riskanten Entscheidungen konfrontiert, die sie unter Unsicherheit treffen müssen, nicht nur häufig, nein auch häufiger als Normalbürger, denn Normalbürger, die träfen seltener riskante Entscheidungen, so die Autoren. [Einschub: Deshalb gibt es in Deutschland kaum Unfälle auf den Straßen, niemanden, der Pleite macht oder ein Unternehmen begründet und auch ansonsten nur Sicherheitsapostel, die im grellgelben Hemdchen mit Blaulicht auf dem Sturzhelm auch bei gleisender Sonne durch die Straßen laufen, um in jedem Fall erkannt zu werden.] Politiker, wie gesagt, sind hier anders. Sie lieben das Risiko. Heß und die vier anderen sind gar der Meinung, Politiker seien eine eigene Spezies, die sich durch genetische Faktoren und ihre Sozialisation von der normalen Bevölkerung unterscheide (Seite 5). Sie gingen Risiken ein, wo der Normalbürger davor zurückschrecke. Und weil diese Risikobereitschaft im Blut der Politiker liege, deshalb würden die besonders Risikofreudigen vom Fach des Politikers angezogen.

Wir ergänzen hier die Tautologie zur Reihe der Fehlschlüsse.

Warum nun aber ist die Tätigkeit eines „Politikers“ so mit Risikofreude assoziiert? Auch hier sind Heß und die anderen nicht um eine Antwort verlegen, auch hier gehen sie das hohe Risiko, sich lächerlich zu machen, mit Freude ein. Politische Entscheidungen, so ihre Ansicht, seien mit viel mehr Unsicherheit verbunden als andere Entscheidungen. Politiker hätten, im Gegensatz zu anderen Werktätigen, ständig die Gefahr, im Beruf zu scheitern, vor Augen. Das Risiko, nicht gewählt zu werden, abgewählt zu werden, die Notwendigkeit mit Konkurrenten zu wetteifern, das zeichne Politiker aus, übe seine Anziehung auf die genetisch für Risiko Prädisponierten und für Risiko Sozialisierten, die dann, wenn sie erst einmal Politiker sind, auch eine höhere Bereitschaft haben, ein Risiko einzugehen.

Der Bundestag besteht derzeit in seiner Mehrheit aus Personen, die im Vorberuf Lehrer, Rechtsanwalt, Verwaltungsangestellter, Gewerkschaftssekretär, wissenschaftlicher Mitarbeiter usw. waren. Das sind kaum die Berufe, von denen man erwarten würde, dass sie von Menschen, denen Risiko im Blut liegt, wie Heß et al. behaupten, aufgenommen werden. Risiken gehen Selbständige ein, Freiberufler, die sich nicht an den Staat und die Beamtenhoffnung der sicheren Pension verkaufen.

Die ganze Geschichte der Politiker und des für sie angeblich gegebenen höheren Risikos, im Beruf „Politiker“ zu scheitern, trägt nicht weit, wie jeder weiß, der jemals anwesend war, wenn der Landeslistenproporz, der letztlich über den Einzug von Kandidat X in den Bundestag entscheidet, zwischen den Bezirken und Unterbezirken der SPD ausgekungelt wurde. Die Tätigkeit „Politiker“ zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass sie weitgehend ohne Risiko auskommt, denn Risiko, vor allem Risikobereitschaft ist etwas Individuelles. Risiko ist nur dann ein Risiko, wenn der, der es eingeht, auch die Folgen eines eventuellen Scheiterns zu tragen hat. Welcher Politiker ist in letzter Zeit mit den Folgen seiner Entscheidungen konfrontiert worden? Politiker zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie keinerlei Risiko eingehen. Sie gehen Risiken für andere ein, haben keine Kosten, wenn sich eine Entscheidung als falsch herausstellen sollte. Kein Wunder, dass sie oder ihre Mitarbeiter risikobereiter sind. Sie zocken mit dem Geld der Steuerzahler, nicht mit ihrem eigenen Geld.

Und sie treffen keine Entscheidungen. Fraktionen treffen Entscheidungen, wie hinlänglich bekannt sein dürfte. Die Zeiten, in denen Abgeordnete das Risiko einer von der Fraktionsrichtlinie abweichenden Meinung eingegangen sind, die sind lange vorbei. Der heutige Abgeordnete ist risikoavers und angepasst. Er stimmt mit der Meute und hat nicht den Mut, das Risiko einer eigenen Meinung einzugehen, die sich am Ende als nicht im Einklang mit der vorgegebenen Fraktions-Meinung herausstellen könnte.

Nein, die Geschichte von Heß und den vier anderen, die Politiker als risikobereite Entscheider, die über ihre Genetik von der Normalbevölkerung unterschieden werden können, stilisieren wollen, ist eben das: Eine Geschichte. Keine aus 1001 Nacht, aber eine aus Berlin.

Das ist fast so gut. Der Unterschied ist kaum vorhanden.

Heß, Moritz, von Scheve, Christian, Schupp, Jürgen, Wagner, Aiko & Wagner, Gerd G. (2018). Are Political Representatives More Risk-Loving Than the Electorate? Evidence From German Federal and State Parliaments. Palgrave Communications.

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