Daten: Linksextremismus ist größere Gefahr für den Rechtsstaat als Rechtsextremismus

Bund und Länder haben gerade eine Zehn-Punkte-Erklärung verabschiedet, das das eine Zusammenarbeit bei Demokratieförderung und Prävention zwischen Bund und Ländern vorsieht. Die verstärkte Zusammenarbeit ist ein Ergebnis der neuen „Strategie der Bundesregierung zur Extremismusbekämpfung und Demokratieförderung“.

Strategie Extremismus BregWie immer, wenn die Bundesregierung beschließt, ihre Bürger zu erziehen und präventiv tätig zu werden, damit die Bürger auch nichts Falsches denken oder gar tun, ist die Strategie in erster Linie ein Plan dafür, Steuergelder unters vielköpfige Volk derer zu bringen, die nur zu gerne im Auftrag ihrer Regierung und finanziert von ihrer Regierung Richtiges unters Volk bringen und präventiv tätig sind – gegen Extremismus im vorliegenden Fall. 62,5 Millionen Euro lässt die Bundesregierung die Steuerzahler für die Prävention von Extremismus im Jahre 2016 aufbringen, 2015 waren es noch 46,5 Millionen Euro. Professionelle Bekämpfer des Bösen, wie die Amadeu-Antonio-Stiftung, wird der Geldsegen aus den Ministerien für alle außer Männer bzw. des Inneren freuen, sichert er doch die Aufgabe, die immer zahlreicher werdenden Mäuler im „Team“ der Stiftung zu stopfen.

Es sei an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, dass die Bundesregierung über die Ministerien für Inneres und FSFJ Millionen von Euro an die Kämpfer für Demokratie und gegen Extremismus ausschüttet, ohne sich auch nur im mindestens dafür zu interessieren, ob die Millionen von Euros auch gut angelegt sind, ob mit ihnen auch nur ein Extremist davon abgehalten wird, Extremist zu sein oder zu werden. Eine Evaluation des Erfolgs der „Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung“ findet nicht statt. Es handelt sich bei der Strategie also weniger um eine Intervention mit dem Ziel, Extremismus zu verringern, als um eine Intervention mit dem Ziel, Extremismusbekämpfer zu finanzieren. Man kann die Strategie der Bundesregierung somit als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) für die Legionen von Hochschulabsolventen ansehen, die nichts Brauchbares studiert haben und deshalb auf die staatliche Unterstützung in Programmen wie „Demokratie leben!“ oder „Zusammenhalt durch Teilhabe“ angewiesen sind.

Das macht auch die Ausrichtung dieser Programme deutlich. Derzeit ist auf dem Markt für Extremismusprävention ein Überangebot an guten Menschen, die Rechtsextremismus bekämpfen. Entsprechend kommt der Begriff Rechtsextremismus in der Strategie der Bundesregierung 37 Mal vor, während der Begriff Linksextremismus mit schlappen 3 Nennungen im selben Absatz ein Randdasein führt. Wer seine ABM in Extremismusbekämpfung durch die Ministerien des Innern oder für FSFJ finanziert haben will, der bekämpft besser Rechtsextremismus als Linksextremismus, die Förderchancen sind einfach besser.

Und was macht ein rationaler Akteur, der keine Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt hat und dessen finanzielles Überleben von der Gnade der Bundesregierung abhängig ist? Er bekämpft den Rechtsextremismus. Und so schafft die Bundesregierung ein Heer von Bekämpfern des Rechtsextremismus, deren wichtigstes Ansinnen natürlich darin besteht, die Wichtigkeit der eigenen Tätigkeit zu betonen und die Gefahr des Rechtsextremismus in schillernden Farben an die Wand zu malen. Auf diese Weise wird nicht nur ein Markt für Rechtsextremismus-ABM-Kräfte geschaffen, sondern auch die Bedeutung des Rechtsextremismus übertrieben. Leidtragender ist der Linksextremismus, der in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein führt, obwohl sich Linksextremisten alle Mühe geben, als die Kriminellen, die sie nun einmal sind, zu erscheinen.

Umsonst.

Kaum jemand verweist darauf, dass Linksextremisten in den Jahren 2014 und 2015 für deutlich mehr Gewalttaten verantwortlich waren, als Rechtsextremisten. Allein 15 Mordversuche gehen in beiden Jahren auf ihr Konto. Rechtsextremisten bringen es nur auf 9. Auch bei Körperverletzungen haben Linksextremisten deutlich mehr zu bieten: 2.279 in den zwei Jahren gegenüber 2.077 von Rechtsextremisten begangene Körperverletzungen. Ob Brandstiftung, Raub, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder Landfriedensbruch, überall haben Linksextremisten deutlich die Nase vorne, bringen mehr Gewaltkriminalität zu Stande als Rechtsextremisten (siehe Abbildung).

LinksRechtsExtremismusGewalt

Umsonst.

Auf ganze drei Nennungen haben es Linksextremisten in der Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention gebracht. Niemand scheint Linksextremisten als die Kriminellen, die sie sind, ernst zu nehmen, niemand Sozialarbeiter gegen Linksextreme mobilisieren zu wollen (vielleicht deshalb, weil die Schnittmenge zu groß ist). Egal, was Linksextreme tun, ob sie dreimal so viele Sachbeschädigungen ausführen als Rechtsextreme (7.079 gegenüber 2.387 für die Jahre 2014 und 2015), es nutzt nichts. Rechtsextremismus ist das Steckenpferd der Bundesregierung und ihrer beiden Ministerien. Rechtsextremismus ist das, was die Legionen von ABM-Kräften, die am Tropf der Bundesregierung hängen, bekämpfen wollen, und Rechtsextremismus ist entsprechend das, was zur größeren Gefahr aufgebaut wird. Egal, was Linksextremisten sich einfallen lassen, um als Kriminelle endlich wahrgenommen zu werden.

LinksRechtsExtremismusGesamt

Schuld am Misserfolg linksextremer Straftäter, in ihrem Bemühen, ABM-Kräften ein Auskommen zu verschaffen, ist u.a. die Kategorie der Propagandadelikte, die in allen Statistiken, in denen politisch motivierte Straftaten aufgeführt werden, die Waage zu Gunsten der Rechtsextremisten ausschlagen lässt. Es braucht nur einen Überzeugungstäter, der 5000 Hakenkreuze als Aufkleber verkauft, und schon haben die Rechtsextremen einen Vorteil von 5000 Straftaten (Verwenden von verfassungsfeindlichen Kennzeichen). Da muss man schon viele Autos in Berlin anzünden und Häuser zerstören, um diesen Vorsprung aufzuholen und was passiert, wenn man Köperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Brandstiftung im Rahmen einer Demo begeht, um in der Statistik mit Rechtsextremen gleichzuziehen? Es wird als schwerer Landfriedensbruch, als eine Straftat gezählt, nicht als drei. Kein Wunder, dass Linksextreme so unterschätzt werden.


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Erst gehen Rechtsstaat und Glaubwürdigkeit, dann … Bürgerkrieg?

Politische Systeme versuchen, eine politische Ordnung mit mehr oder weniger Gewalt aufrecht zu erhalten. Entsprechend unterscheidet die Politikwissenschaft u.a. zwischen totalitären, autoritären und demokratischen Systemen. Während die beiden ersten mit mehr oder weniger offener und mit einem mehr oder weniger großen Ausmaß an Zwang und Gewalt agieren, um die politische Ordnung aufrecht zu erhalten, wird von einer Demokratie angenommen, dass Zwang und Gewalt von Seiten des Staates nur notwendig sind, um die politische Ordnung gegen Extremisten zu verteidigen.

Das ist dann auch die wichtigste und vielleicht die einzige Aufgabe, die man einem demokratischen Staat zuweisen kann: Die politische Ordnung, für die sich die Bürger, die sein Staatsgebiet umfasst, entschieden haben, zu verteidigen: Nach innen und nach außen. Da die politische Ordnung auf der Garantie einer Reihe von Rechten basiert: im Wesentlichen auf der Garantie von Freiheitsrechten, leitet sich aus dem Gesagten als weitere Aufgabe eines Staates noch die Garantie von Eigentum und von Sicherheit ab.

Mehr nicht. Dass moderne Staaten von einer Kaste bevölkert werden, deren Zeitvertreib darin besteht, immer neue Aufgaben für Staaten zu erfinden, damit zwangsläufig immer mehr Zwang einzuführen und immer mehr Freiheit zu beseitigen, ist insofern in diesem Post von Relevanz, als man vorhersagen kann, dass es einen Tipping Point gibt, ab dem aus dem demokratischen System entweder ein autokratisches oder ein totalitäres System wird oder ab dem es den Bürgern reicht.

Und wann reicht es Bürgern?

Ruhe und Ordnung in einem Land, sollen von den staatlichen Ordnungsmächten, hier im Wesentlichen von der Polizei und vielleicht vom Militär gesichert werden. In einem demokratischen System basiert Ruhe und Ordnung aber auf mehr: Auf einer Übereinkunft zwischen Bürgern und Staat, denn wenn letzterer Eigentum und Sicherheit garantiert, haben erstere kein Interesse daran, den Staat und die politischen Akteure, die sich in ihm eingenistet haben und denen die Arbeit am Staat ein Auskommen verschafft, zu vertreiben.

Dazu bedarf es jedoch dem Glauben an Rechtssicherheit, und es bedarf der Glaubwürdigkeit der Institutionen und Akteure des demokratischen Systems. Wenn beides nicht gegeben ist, hat ein demokratisches System keine Existenzgrundlage mehr, denn was wollen die wenigen Polizisten, was will die Bundeswehr gegen Bürger ausrichten, die den Staat, den Polizisten und Bundeswehr schützen sollen, nicht wollen? Wie wenig Polizisten einem Mob aus Linksextremen entgegen zu setzen wissen, wie anomisch das Rechtssystem in Berlin einem besetzten Haus gegenüber ist, gibt einen Vorgeschmack darauf, was passieren würde, wenn die Mehrheit, die derzeit so häufig geschmähte Mitte der Gesellschaft, entscheiden würde, diesen Staat in seiner derzeitigen Verfassung nicht mehr zu wollen.

Damit die Mehrheit der Gesellschaft weiterhin das politische System stützt, sich weiterhin an Wahlen und an der Legitimation des politischen Systems beteiligt, ist es eminent wichtig, dass die politischen Akteure einerseits zeigen, dass das Rechtssystem intakt ist und alle Angriffe auf bürgerliche Freiheiten entschieden abgewehrt werden, andererseits ist es notwendig, dass die politischen Akteure und die staatlichen Institutionen Glaubwürdigkeit besitzen, dass Bürger sie nicht für Spruchbeutel und Luftnummern halten.

Das es mit der Rechtssicherheit und der Glaubwürdigkeit in Deutschland im Argen liegt, zeigt der Umgang mit denen, deren Ziel darin besteht, die Grundlagen der demokratischen Ordnung, die oben genannten Freiheiten und Garantien zu beseitigen. Sie gibt es am rechten und am linken Rand des politischen Systems. Eine glaubwürdige Politik und eine funktionierende Rechtsordnung würde beide Seiten mit der gleichen Entschlossenheit bekämpfen.

Und gerade das ist nicht der Fall.

Ende der Diktaturen im ostenWährend ein riesen Tamtam um Rechtsextremisten gemacht wird, ein Häuflein von Stiefelträgern, das kaum mehr als 500 Personen auf die Straße bringt, während versucht wird, diesen Mangel an Personal dadurch zu beheben, dass man Bürger, die Kritik an Maßnahmen des Staates, den sie finanzieren, äußern, gleich auch zu Rechtsextremen erklärt und weil dies immer noch nicht reicht, die gesellschaftliche Mitte zu potentiellen Rechtsextremen macht, während gegen vermeintliche rechte Hassmails mit aller Staatsmacht vorgegangen wird, bis hin zu Razzien in Privatwohnungen, während kein Brand in einem Asylbewerberheim ungenutzt bleibt, um, egal, ob der Brand von Bewohnern oder von Rechten oder von Kriminellen gelegt wurde, die angeblich allgegenwärtigen Rechtsextremisten zu einem Monstrum aufzubauen, dem die wenigen Gesellen, die sich finden, wenn man im Verfassungsschutzbericht sucht, kaum gerecht werden können, führt die linke Seite des Extremismus zu einem erstaunlichen Schweigen. Selbst brennendes Privateigentum, zerstörte Privathäuser, die sonst den deutschen Justizministerdarsteller so in Wallung versetzen, wenn die Kriminellen der rechten Seite zugeordnet werden können, werden von ihm, der sich so gerne in der Öffentlichkeit inszeniert, nicht für einen Auftritt genutzt.

Kein Wort hat der deutsche Justizminister zu den Vorgängen in Berlin zu sagen. Kein Hinweis darauf, dass der Rechtsstaat mit allen Mitteln gegen die Linksextremen, die ihre Umgebung terrorisieren und nach eigenen Aussagen die Grundlagen der deutschen Demokratie beseitigen wollen, mit aller Härte und allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorgehen wird.

Heiko Maas schweigt am ersten Tag nach dem Berliner Straßenterror.
Heiko Maas schweigt am zweiten Tag nach dem Berliner Straßenterror;
Heiko Maas hat am dritten Tag nach dem Berliner Straßenterror nichts dazu zu sagen.
Und am vierten Tag, am vierten Tag hat Heiko Maas etwas zu sagen.
Das hier:

 
Heiko the Great.jpgEs sind Laiendarsteller wie Heiko Maas, die einem politischen System, das ohnehin schon angeschlagen ist, den Rest geben. Mit seiner privaten Vendetta gegen Hasskommentare im Internet macht er den Rechtsstaat lächerlich (sich kann er nicht mehr lächerlich machen). Ein Rechtsstaat, der mit aller Gewalt, mit Razzien und Strafgesetzen gegen Leute vorgeht, die Sprache benutzen, um Hasskommentare zu verbreiten (gehen wir einmal davon aus, sie verbreiten tatsächlich Hasskommentare und nicht nur Kommentare, die ideologisch Andersgepolten nicht passen), während derselbe Rechtsstaat in keiner Weise, schon gar nicht mit Razzien oder Räumung gegen Leute vorgeht, die angekündigt haben, Berlin ins Chaos stürzen zu wollen, die mit Steinen und Flaschen auf Menschen werfen, die ihnen als Schweine gelten, die keinerlei Respekt vor Privateigentum oder der körperlichen Unversehrtheit anderer haben, ein solcher Rechtsstaat macht sich lächerlich, wird zunehmend unglaubwürdig, und entsprechend wird sich über kurz oder lang die Frage stellen, wie in Deutschland der wachsende Unmut bei Bürgern, ob der Heuchelei der politischen Akteure, ob der Einseitigkeit, mit der sie den Rechtsstaat in Bewegung setzen, kanalisiert werden wird. Es gibt zwei Möglichkeiten: Deutschland wird zum totalitären Staat, der den Unmut der Bürger über die Willkür der Anwendung staatlicher Rechtsordnung mit Zwang und Gewalt niederzuhalten versucht oder der Unmut der Bürger ist so groß, dass sie die politischen Akteure und die politischen Institutionen, die diese Akteure lächerlich gemacht haben, im Handstreich beseitigen.

Es ist erschreckend, dabei zusehen zu müssen, wie kleine Männer wie Heiko Maas mit der Sicherheit der Deutschen und dem öffentlichen Frieden spielen.

 


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Vorsicht: Deutschlandfahnen machen nationalistisch – es geht immer noch dümmer

In der Neuen Osnabrücker Zeitung warnt eine Osnabrücker Psychologin vor Jubel in Schwarz-Rot-Gold. Vor allem beim Public Viewing, „bei dem sehr viel schwarz-rot-goldene Fahnen im Spiel seien, könne die Vaterlandsliebe bei manchen Menschen in Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit umschlagen“. Das hat Julia Becker, die Sozialpsychologin sein soll, dem evangelischen Pressedienst erzählt. Dort fand man es opportun, das Gerücht weiter zu verbreiten, und so ist es auch einem Mitarbeiter der Neuen Osnabrücker Zeitung zu Ohren gekommen.

Von Gerüchten ist bekannt, dass sie sich in Windeseile verbreiten. Sie verbreiten sich umso schneller, wenn es mit den Gerüchten möglich ist, anderen zu schaden. Jeder kennt die innerörtliche Gerüchteküche, in der die neusten Halbwahrheiten mit Lügen verrührt werden. Das Kommunikationsmodell der Klatschweiber, es hat sich zwischenzeitlich und offensichtlich auch regional und überregional etabliert.

Deshalb wissen Leser der NOZ nun, dass Julia Weber davor warnt, Fahnen zu schwenken, schwarz-rot-goldene Fahnen, keine anderen. Fahnen der Antifa gelten ihr vermutlich als im Hinblick auf Nationalismus unbedenklich. Doch der Reihe nach.

German flag

Deutsche Fahne mit Gegenwind

Becker will nach eigener Aussage, niemandem das Public Viewing vermiesen, es sei denn, die Niemande bringen Fahnen mit zum Public Viewing (schwarz-rot-goldene), denn erstens kann man auch „ohne schwarz-rot-goldene Fahnen feiern“ und zweites können schwarz-rot-goldene Fahnen bei sehr „nationalstolzen Personen Ressentiments gegenüber Migranten erhöhen“ (nicht etwa schaffen, was zeigt, dass für Becker Nationalstolz und Ressentiments gegen Migranten ein und dasselbe sind. Nicht unbedingt eine wissenschaftliche Ansicht, aber bei den Grünen wird sie damit sicher offene Türen einrennen, vor allem bei den Kindern der Grünen in Rheinland-Pfalz.).

Woher weiß Becker, was sie so ohne Zweifel und im Ton inbrünstiger Überzeugung, ja fast könnte man von einem Überzeugungssstolz gepaart mit einem tiefen Ressentiment gegen schwarz-rot-goldene Fahnen sprechen, verkündet? Aus der eigenen Forschung, die Becker „gemeinsam mit Studierenden bereits seit der Fußball-WM 2006“ ausführen will. 2006, so Becker, „wurde erstmals Flagge gezeigt“ und 2006 habe sich gezeigt, dass „Menschen mit einem ausgeprägten Nationalstolz eher Vorurteile gegen Ausländer hätten“. Die Forschung von Becker, sie folgt dem Muster, Kaffeekanne, Latzhose, grüne Wahlentscheidung: Irgend etwas wird willkürlich in Zusammenhang gebracht. Es gibt keinerlei theoretische Fundierung dafür, was denn Kaffeekanne, Latzhose und grüne Wahlentscheidung mit einander zu tun haben sollen, aber dennoch warnen Forscher wie Becker vor dem Genuss von Kaffee, denn er ist dem Tragen von Latzhosen und der grünen Wahlentscheidung nicht förderlich, jedenfalls dann, wenn er in Tassen genossen wird, die mehr als 250 ml Inhalt zulassen.

Über all dem Spaß den man aus der Tatsache ableiten kann, dass hier wieder ein vermeintlicher Wissenschaftler durch öffentliche Medien wandert, der keinerlei Idee vom Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation hat, darf man nicht vergessen, dass Becker mit Konzepten hantiert, die man nicht direkt messen kann. Nationalismus kann man nicht abwiegen: „Wie viel Kilo Nationalismus dürfen es den sein?“ und für Fremdenfeindlichkeit gilt dasselbe. Beide Konzepte muss man operationalisieren.

Wie operationalisiert Becker „Nationalismus“? So; „Politiker sollen aufhören, immer wieder die negative deutsche Geschichte auszupacken“ und „Deutschland ist das beste Land der Welt“. Wer beiden Aussagen zustimmt, der ist Nationalist. Und unter Fahnenträgern (schwarz-rot-goldenen) finden sich etwas mehr, die diesen Aussagen zustimmen. Und weil dem so ist, deshalb besteht die Gefahr, dass beim Public Viewing der Virus des Nationalismus überspringt. Denn einen Virus des Nationalismus muss man annehmen, wenn man das, was Becker von sich gibt, nicht gleich als Monster-Unsinn bezeichnen will.

Aber das wollen wir (noch) nicht.

Deshalb stellen wir uns vor, Karl, Frank und Peter gehen zum Public Viewing. Peter hat eine Fahne dabei (vermutlich weil er seine Zugehörigkeit ausdrücken will, denn Fahnen sind in erster Linie ein Mittel, Zugehörigkeit auszudrücken). Die deutsche Nationalmannschaft, sie schießt ein Tor. Peter schwenkt die Fahne. Peter ist sowieso schon ein Nationalist, sonst hätte er keine Fahne dabei. Karl und Frank sind mit Peter unterwegs und somit in unmittelbarer Gefahr vom Nationalismus inkubiert zu werden. Peter schwenkt und Karl und Frank fallen dem Nationalismus anheim. Die Fahne ist der Träger des Virus. Mehr noch, Peter schwenkt sich in einen Schwenkrausch, einen Fahnenschwenkrausch in Schwarz-Rot-Gold und wird zum Fremdenfeind, vor allem nach dem Ausgleichstor der Polen wird er zu einem Fremdenfeind, der auf Polen schimpft.

Monster-Unsinn eben.

facepalm-GodzillaJetzt kommt wieder der Es-ist-Satz: Es ist erschreckend, was derzeit in Deutschland als Wissenschaft verkauft werden soll. Hanebüchene Operationalisierungen, theorielose Forschung (Warum führen Fahnen zu Nationalismus?), keinerlei Idee vom Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation usw. So wäre es naheliegend, wenn man schon Fahnen als Untersuchungsgegenstand wählt, anzunehmen, dass diejenigen, die Fahnen mitnehmen, dies auf Basis von Nationalstolz tun. Die Fahnen wären entsprechend Ausdruck, nicht Verbreiter von Nationalstolz. Aber auf derart komplexe Ideen kommt eine Psychologin, die offensichtlich in einem geistigen Tunnel unterwegs ist, nicht. Dass sie in einem Tunnel unterwegs sein muss, zeigt sich schon daran, dass ihr die zweite naheliegende Idee, dass nämlich Fahnen nichts mit Nationalismus, sondern mit Gruppenzugehörigkeit zu tun haben, nicht einmal einfällt. Dabei will sie Sozialpsychologin sein. Nun, Sozialpsychologie beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Gruppenprozessen. Die Gruppenidentität und die Bildung von „temporären Gruppen“, der Ausdruck von Zugehörigkeit zu temporären Gruppen, sie sind Forschungsgegenstände, die schon Legionen sozialpsychologischer Bücher zum Ergebnis hatten. Entsprechend hätte ein Sozialpsychologe, der sein Fach kennt, auf die Idee kommen können, dass Fahnen eine Zugehörigkeit ausdrücken sollen, ein gemeinsames Happening und nicht mehr, etwa in der Weise, wie die Fahnen, die bei Gewerkschaftsstreiks mitgenommen werden oder die Fahnen, die die LGBTI-Bewegung durch die Lande hisst (Ob Becker als nächstes untersucht, wie die LGBTI-Fahnen sich auf die Diskriminierung Herterosexueller auswirken? Wir haben dahingehend eine (netzwerk-)theoretisch begründbare und eindeutige Erwartung.), ein Zugehörigkeitsgefühl und darüber hinaus einen Marker darstellen: Hier bin ich: Seht Ihr mich!. Mit Nationalstolz oder Fremdenfeindlichkeit hat das überhaupt nichts zu tun. Und dass es etwas mit dem einen oder dem anderen zu tun hat, das wäre erst noch zu belegen. Julia Becker belegt es mit Sicherheit nicht, schon deshalb nicht, weil sie keinerlei Theorie anzubieten hat, die die Verbreitung des Virus „Nationalismus“, der sich in schwarz-rot-goldenen Fahnen eingenistet hat, erklären könnte. Somit muss man wohl feststellen, dass Becker ein Miespeter, sorry, eine Mieseliesel ist, die nicht mit ansehen kann, dass sich Menschen beim Public Viewing verhalten, als wäre es der Kölner Karneval und einfach nur Spaß haben.

Womit wir zur letzten Frage kommen, die sich stellt: Wie kommt man überhaupt auf die Idee, den Zusammenhang zwischen bestimmten Fahnen und Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit zu untersuchen. Die Fragestellung ist nicht unbedingt naheliegend, denn eine schwarz-rot-goldene Fahne ist ein Hoheitszeichen von Deutschland, nicht mehr. Sie hängt in manchen Gerichten, vor Ministerien, vor diplomatischen Vertretungen im Ausland, ja selbst im Bundestag. Hängt sie dort, um den Virus des deutschen Nationalismus zu verbreiten? Sicher nicht.

social psychology for dummiesWie also kommt man auf diese abwegige Forschungsidee. Man muss, so die erste Annahme, in einem Netzwerk unterwegs sein, in dem schwarz-rot-goldene Fahnen negativ konnotiert sind, in dem ihnen vielleicht sogar Verachtung entgegengebracht wird. Die grüne Jugend in Rheinland-Pfalz scheint auch in diesem Netzwerk zu sein. Darüber hinaus muss die Vorstellung herrschen, dass Forschung eine ideologische, keine wissenschaftliche Tätigkeit ist. Schließlich muss man sich zum Wasserträger von denen machen, denen plötzlich eingefallen ist, man könne die deutsche Fahne als nationalistisches Ungetüm lancieren, das den Virus des Nationalismus verbreitet, von dem im übrigen auch noch zu zeigen wäre, dass er sich negativ auswirkt, worauf auch immer. Einstellungen und Überzeugungen sind übrigens bislang gesetzlich noch nicht verboten. Und ob nationalistische Einstellungen zu Handlungen führen und zu welchen Handlungen sie führen, wenn sie zu Handlungen führen, ist eine weitere Frage, die man noch stellen und beantworten müsste – jedenfalls dann, wenn man Wissenschaftler sein und nicht nur markieren will.


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Ferndiagnostischer Wutakademikertherapeut beleidigt Politiker

Wir haben uns schon gefragt, wo die Wutakademiker bleiben, die den BREXIT nutzen, um sich in akademisierter Beleidigung zu üben. Das Warten ist vorbei. Hans-Jürgen Wirth, Professor für Sozialspychologie an der Universität Frankfurt hat sich erleichtert: Im Cicero und als „Psychoanalytiker“ (Was ein Psychoanalytiker auf einem ordentlichen Lehrstuhl für Sozialpsychologie zu suchen hat, ist eine Frage, die wohl nur die Verantwortlichen der Universität Frankfurt beantworten können).

Karl Raimund Popper hat den größten Teil seines philosophischen Lebens der Aufgabe gewidmet, Wissenschaft von Humbug oder Metaphysik, wie er es genannt hat, zu trennen. Das war Popper unter anderem deshalb ein Anliegen, weil er Scharlatanen wie Hegel, die sich als Wissenschaftler ausgeben, und aufgeblasene Sätze voller heißer Luft als solche verkaufen, das Handwerk legen wollte.

Popper GrundproblemeDie Hauptunterschiede zwischen einem Wissenschaftler und einem Scharlatan, der vorgibt, Wissenschaftler zu sein, lassen sich wie folgt zusammenstellen: Ein Wissenschaftler hat ein Erkenntnisinteresse. Er will ein empirisches Faktum erklären. Ein Scharlatan will nichts erklären, er hat auch kein Erkenntnisinteresse, er hat ein Indoktrinations-, Manipulations- je nach psychologischer Befindlichkeit auch ein Selbstdarstellungsinteresse.

Ein Wissenschaftler beginnt mit der Beschreibung des Faktums, das er erklären will, dem Explanandum. Ein Scharlatan beginnt mit der Bewertung dessen, was er vermeintlich wissenschaftliche bearbeiten will.

Ein Wissenschaftler ist bemüht, die Erklärung seines Phänomens nicht nur aus einer Theorie abzuleiten, sondern auch an den vorhandenen Fakten und unabhängig von Explanandum zu prüfen. Ein Scharlatan ist nicht darum bemüht, etwas zu prüfen. Sein Ansinnen ist es, seine Überzeugung als richtig darzustellen. Entsprechend scheut ein Scharlatan empirische Fakten und ersetzt jeden Bezug zur Empirie mit Behauptungen und Bewertungen, die seiner Überzeugung entsprechen.

Ein Wissenschaftler nimmt Kontakt mit der Außenwelt, mit der Realität auf und ist jederzeit bereit, seine Erklärung zu falsifizieren, also zu verwerfen, wenn sie nicht mit den Fakten übereinstimmt. Ein Scharlatan ist bemüht, seine Behauptungen gegen jede Kritik und von der Empirie abzuschirmen.

Ein Wissenschaftler wird andere Wissenschaftler mit den Ergebnissen ihrer Forschung insofern zitieren, als sie entweder seine Ergebnisse durch ihre Ergebnisse bestätigen oder seine Ergebnisse widerlegen, was letztlich die Erklärung notwendig macht, warum unterschiedliche Wissenschaftler zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen sind. Ein Scharlatan wird die Ergebnisse oder Aussagen von Wissenschaftlern auszugsweise und so benutzen, das sie als Stütze für seine Überzeugung angesehen werden können oder er wird sie schlicht dazu benutzen, sich in ihrem Namen zu sonnen, um für sich über ihre Gesellschaft reklamieren zu können, auch ein Wissenschaftler zu sein.

Soweit die Beschreibung dessen, was Popper als Lösung auf sein Abgrenzungsproblem bereitgestellt hat: Die Kriterien, die Wissenschaft von Scharlatanerie trennen.

Es gibt also Wissenschaftler, Scharlatane, es gibt Wutakademiker und es gibt Hans-Jürgen Wirth, der im Cicero als „Psychoanalytiker“ bezeichnet und dann als „Professor für Sozialpsychologie“ verkauft wird. Wirth schreibt einen Text über David Cameron und Boris Johnson, und er tut dies unter der Überschrift „Zwei extreme Fälle von Narzissmus“.

Der Beginn des Textes ist eine einzige Aneinanderreihung von Beleidigungen, damit die Leser auch gleich sehen, wer die Bösen sind und den psychotherapeutischen Sozialpsychologenprofessor als Vertreter des Guten erkennen:

evil-gnome“Englische Politiker“ [also keine Waliser oder Schotten oder Nordiren] gefielen sich, so Wirth, schon seit Jahrzehnten [was die Frage nach dem Beobachtungszeitraum, Wirths Alter und nach der Wahrscheinlichkeit von Senilität aufwirft] darin „Stimmung gegen die Europäische Union zu machen“ [Unverzeihlich, wo die Europäische Union doch sakrosankt ist]. „Cameron“, so schreibt er weiter, „war ganz groß darin, Ressentiments gegen ‚die Eurokraten in Brüssel‘“ zu schüren“ [Noch ein Sakrileg, das von einem Europäische-Union-Gläubigen, wie Wirth, der jede Häresie an seinem Heiligtum mit dem Feuerschwert verfolgt, nicht hingenommen wird. Entsprechend dreht er jetzt richtig auf und lässt seinem Fundus an Beleidigungen und Derogationen freie Lauf:]

Cameron nutze die „selbst angefachte EU-Feindlichkeit“ um bei der EU „in erpresserischer Manier Sonderbedingungen … herauszuschlagen“, betreibe „ein zynisches Spiel“, obwohl er selbst, also Cameron, nicht an die „boshaften Schmähungen“ glaubte … Er [Cameron] gebe sich „der narzisstischen Illusion hin, seine Landsleute würden seine taktischen Winkelzüge mitmachen … Aber zu diesem Zeitpunkt war der giftige Geist des Ressentiments schon aus der Flasche“.

Wir fassen zusammen: Cameron ist ein zynischer Erpresser, der mit taktischen Winkelzügen versucht, seine Landsleute zu manipulieren, und zwar mit Dingen, an die er selbst nicht glaubt. Dazu spielt er mit dem Gift des Ressentiments. Der psychotherapeutische Sozialpsychologieprofessor, ein gedankenlesender Rächer der geschändeten EU. Ob Wirth studentische Arbeiten auf Grundlage dessen, was die Studenten geschrieben haben oder auf Grundlage dessen, was er glaubt, was seine Studenten glauben, beurteilt, ist eine spannende Frage, der wir hier leider nicht nachgehen können, aber jetzt kommt Wirth zu Boris Johnson:

Johnson sei der „schillernde Narzisst, dem jedes Mittel recht ist, wenn es nur seinen ehrgeizigen Zielen und seinem Machtstreben dient und sein Bedürfnis, im Scheinwerferlicht zu stehen, befriedigt. Chamäleonartig wandelte er sich vom leutseligen … Bürgermeister Londons zum manipulativen Demagogen, der ganz offen Ressentiments und Hass sät, gegen besseres Wissen Lügen verbreitet, Unsicherheit und paranoide Ängste“. Dazu bediene sich Johnson, wie Wirth wohl abermals durch Einsichtnahme in dessen Gedankengänge weiß, der „maßlosen Übertreibung“, verbreite „Unwahrheiten“, „reine Erfindungen“ und tue dies alles aus seiner „Lust, Krawall und Chaos zu veranstalten und sich damit in den Mittelpunkt zu stellen. Er spielt noch immer den Klassenclown, der scheinbar keine Angst davor hat, dass man auch über ihn lacht, dessen Ziel aber darin besteht, andere zum Opfer von Spott, Hohn und Häme zu machen“.

Soweit die Abrechnung Wirths mit Johnson, von der man annehmen muss, dass Wirth diese Abrechung vornimmt, weil ihm das „Gift des Ressentiments“ zu Kopfe gestiegen ist und dort alle Achtung vor einer demokratischen Entscheidung und alle Fähigkeit, Anstand und Haltung zu bewahren, zerstört hat. Entsprechend gefällt sich Wirth darin, Stimmung für die Europäische Union zu machen und Ressentiments gegen Cameron, Johnson und weiter unten in seinem Text, gegen so ziemlich jeden Einwohner des Vereinigten Königreiches zu schüren. Auch vor boshaften Schmähungen, mit denen er Johnson z.B. zum Klassenclown erklärt, schreckt Wirth nicht zurück. Er gibt sich vielmehr der narzisstischen Illusion hin, keiner seiner Leser würde ihn als den „Typus des schillernden Narzissten“ durchschauen, „dem jedes Mittel recht ist“, wenn er es nur in die Medien schafft und sein Konterfei an öffentlicher Stelle zu sehen ist. Dann versucht sich Wirth als „manipulativer Demagoge“, der aufgrund seiner „Lust, Krawall und Chaos zu verbreiten und sich damit in den Mittelpunkt zu stellen“, zum Wutakademiker degeneriert, dessen einziges Ziel darin besteht „andere zum Opfer von Spott, Hohn und Häme“ zu machen.

Man sieht, warum sich Wirth nicht zum Wissenschaftler eignet. Er ist nicht in der Lage, Inhalte anzubieten, die man nicht in gleicher Weise auf ihn anwenden könnte. Er zeichnet sich somit durch dieselbe inhaltliche Leere, das selbe bedeutungslose Geschwätz aus, das die Scharlatane in der Wissenschaft auszeichnet, die vorgeben, sie hätten etwas Gelehrtes zu sagen und doch nichts anderes von sich zu geben wissen, als Bewertungen, Schmähungen, im besten Fall Trivialitäten und Belanglosigkeiten. Wie armselig das, was Wirth anzubieten hat, ist, zeigt sich nicht nur darin, dass er keinerlei Argument vorzuweisen hat, warum die Behauptungen, die er aufstellt, zutreffen sollen. Alles, was er anzubieten hat, sind Beleidigungen: Kritik an der EU, wird bei ihm zum „Stimmung gegen die EU Machen“, was allein schon sein gestörtes Verhältnis zur Realität ausweist. Menschen, die Kritik an der EU üben, Häretiker aus seiner Couchsicht, sie werden zu boshaften und verschlagenen Demagogen. Früher brachte man diejenigen, die am Status Quo kratzten, mit Dämonen in Verbindung. Die Analogie mit der Ikonographie des katholischen Mittelalters bei Wirth, sie ist sicher kein Zufall.

Diese Armseligkeit und Hilflosigkeit dessen, dem man sein Heiligtum besudelt hat, denn dass jemand die EU nicht anbeten könnte, das ist Wirth schlicht nicht nachvollziehbar, sie werden besonders im Abschnitt deutlich, der mit „Brexit zutiefst irrational“ überschrieben ist.

Der Brexit sei zutiefst irrational, so liest man. „Er dient weder dem Wohl Großbritanniens, noch dem der Europäischen Union … Den Brexit leichtfertig in Kauf zu nehmen, war destruktiv und selbstdestruktiv zugleich und damit Kennzeichen eines krankhaften Narzissmus. Auf absehbare Zeit werden alle Beteiligten unter dem Brexit und seinen Folgen wirtschaftlich zu leiden haben.“ Man hat den Eindruck, einem Prediger zuzuhören, der sich gegen eine neue Religion ereifert. Denn der Übertritt zum Protestantismus, er ist zutiefst irrational und mit allen nur denkbaren Nachteilen und schrecklichen Konsequenzen verbunden. Protestant zu werden, das ist destruktiv und selbstdestruktiv. Es schadet dem Konvertiten, den Protestanten und der katholischen Kirche, und deshalb ist es Kennzeichen eines krankhaften Narzissmus. Konvertiten werden auf absehbare Zeit unter den Folgen ihrer Handlung zu leiden haben.

Und so weiter und so fort.

Was hier fehlt, ist leicht benennbar: Der Beleg. Die Empirie. Die Begründung. Wie immer, wenn sich religiöse Menschen in Rage reden, wird dabei deutlich, dass sie nur negative Konsequenzen an die Ausgangstür von ihrem Himmel schreiben können, aber keinerlei konkretes Faktum anzugeben wissen: Was passiert? Warum passiert es? Auf Grundlage von welchen empirischen Belegen kann behauptet werden, dass das, was passieren soll, passieren wird? Leute wie Wirth, sie leben davon, viel Schreckliches an die Wand zu malen und jeden Bezug zur Wirklichkeit zu vermeiden (Das nennen die Briten „project fear“). Haben sie erst einmal das Schreckliche aus den Windungen der eigenen Phantasie geholt, dann kann man anderen unterstellen, sie würden das, was doch Ausgeburt der eigenen Phantasie ist, in Kauf nehmen und deshalb seien sie Narzissten.

„Herr Wirth“, so kann man in Abwandlung eines Zitats von René König nur sagen, „das ist keine Wissenschaft“. Es ist nicht einmal entfernt Wissenschaft. Es ist bestenfalls die öffentliche Ausbreitung und versuchte Verarbeitung der eigenen Dissonanzen, die daraus entstanden sind, dass das Wirthsche Heiligtum „EU“ von den Briten schlicht abgewählt wurde. Wo kommen wir hin, wenn Götter oder gottgleiche Institutionen einfach abgewählt werden können?

In die Freiheit!

Wirth gebraucht in seinem Text Max Weber und dessen Vortrag „Politik als Beruf“ als Verbündeten, denn Max Weber hat darauf hingewiesen, dass die Eitelkeit eine Berufskrankheit von Politikern ist. Die Verbindung zwischen Webers Aussage und seinen eigenen Einlassungen bleibt Wirth zwar schuldig, wir wollen seine Hingabe zu Max Weber jedoch zum Anlass nehmen, um auf einen zweiten Vortrag zu sprechen zu kommen, den Weber gehalten hat. Dieser Vortrag trägt den Titel „Wissenschaft als Beruf“ und ist unter Ideologen beileibe nicht so beliebt, wie der von Wirth genannte. In Wissenschaft als Beruf beschäftigt sich Weber nicht nur mit wissenschaftlicher Lauterkeit, Aufrichtigkeit und der wissenschaftlichen Methode, er beschäftigt sich auch mit dem Werturteil in der Wissenschaft. Dazu hat er Folgendes zu sagen:

Wissenschaft als Beruf“Dem Propheten wie dem Demagogen ist gesagt: ‚Gehe hinaus auf die Gassen und rede öffentlich.‘ da, heißt das, wo Kritik möglich ist. Im Hörsaal, wo man seinen Zuhörern gegenübersitzt, haben sie zu schweigen und der Lehrer zu reden [Die Analogie zum Psychotherapeuten auf dem Sozialpsychologie-Lehrstuhl, der sich in einer schriftlichen Vorlesung an die richtet, die ihn studieren wollen, drängt sich auf.], und ich halte es für unverantwortlich, diesen Umstand …, dass dort niemand zugegen ist, der diesem mit Kritik entgegentritt, auszunützen, um den Hörern nicht, wie es seine Aufgabe ist, mit seinen Kenntnissen und wissenschaftlichen Erfahrungen nützlich zu sein, sondern sie zu stempeln nach seiner persönlichen politischen Anschauung. Es ist gewiss möglich, dass es dem einzelnen nur ungenügend gelingt, seine subjektive Sympathie auszuschalten. Dann setzt er sich der schärfsten Kritik vor dem Forum seines Gewissens aus [Sofern er ein Gewissen hat.]. Und es beweist nichts, denn auch andere, rein tatsächliche Irrtümer sind möglich und beweisen doch nichts gegen die Pflicht: die Wahrheit zu suchen. Auch und gerade im rein wissenschaftlichen Interesse lehne ich es ab. Ich erbiete mich, an den Werken unserer Historiker den Nachweis zu führen, dass, wo immer der Mann der Wissenschaft mit seinem eigenen Werturteil kommt, dass volle Verstehen der Tatsachen aufhört“ (Weber, 1994: 15).


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Bundesministerium finanziert Anleitung zur Denunziation

Hetze gegen Flüchtlinge in Sozialen Medien„, so ist Agitprop-Material aus der Amadeu-Antonio-Stiftung überschrieben. Das Agitprop-Material wurde vom Bundesministerium für FSFJ (alle außer Männer) finanziert. Es ist eine Anleitung zur Denunziation.

Es ist also wieder soweit, dass deutsche Ministerien einen Teil der Bevölkerung dafür bezahlen, gegen einen anderen Teil der Bevölkerung vorzugehen. Und es ist wieder soweit, dass diejenigen, die dafür bezahlt werden, andere gegen wieder andere aufzuhetzen, dafür das Mittel der Denunziation zur Bürgerpflicht erklären.

Es ist wieder soweit, dass der öffentliche Diskurs in einer desinfizierten Dunstglocke stattfinden soll, aus der alles entfernt wurde, was den Reinigern des deutschen Gedankenguts nicht passt, was dem korrekten deutschen Wesen fremd ist, was entartet ist, wie man früher gesagt hat.

Amadeu Hetze 1Der Begriff der Hetze hat sich zwischenzeitlich eingebürgert, um in schöner DDR-Tradition alles unter ihm zu subsumieren, was aus dem öffentlichen Diskurs verbannt werden soll und dennoch den Anschein aufrecht erhalten zu können, in Deutschland gäbe es auch nur annähern etwas wie Demokratie und Meinungsfreiheit. Demokratie kann es schon deshalb nicht geben, weil die Angst vor abweichenden Meinungen so groß ist, dass man sie aus der Öffentlichkeit zu beseitigen müssen glaubt, um sich dann einbilden zu können, die Meinungen seien verschwunden. So wie sich ein kleines Kind, das sich die Ohren zuhält, einbilden kann, es habe vermieden, ausgeschimpft zu werden. Meinungsfreiheit kann es deshalb nicht geben, weil es dazu der Einsicht bedarf, dass manche Meinungen tatsächlich extrem sind, so extrem, dass es die Fußnägel ringelt. Aber das macht nichts, denn in Demokratien kann man auch mit extremen Meinungen umgehen, deren Inhaber mit Fakten konfrontieren, sie als irrig oder als Ideologen überführen, in öffentlicher Auseinandersetzung. Nicht so in Deutschland.

In Deutschland suhlen sich politische Aktivisten in von Steuerzahler finanzierten Institutionen und leben dort ihren eigenen Extremismus aus, einen Extremismus, der so weit geht, Denunziation zum normalen Mittel der Umgangs zu erklären, um damit das, was man als so undeutsche oder so entartete Formen von Meinung ansieht, zu beseitigen.

Wie gesagt, das alles gab es schon einmal.

Nicht akzeptable Meinungen, die nach Ansicht von Christina Dinar, Theresa Mair, Simone Rafael, Jan Rathje, Julia Schramm, Timo Reinfrank und Johannes Baldauf (den Autoren des Agitprop-Materials), Anlass zur Denunziation geben, zeichnen sich durch folgende Merkmale aus [Man sieht an dem Beispiel des rund 20seitigen Agitprop-Materials, wie viele Mäuler bei einer Stiftung man auf einmal damit stopfen kann.]:

  • Eine Gegenüberstellung „wir“ und „die“ zeichne die rassistische Hetze aus, so schreiben sie in ihrem Agitprop-Material, das der Gegenüberstellung von „wir“, die Guten und „die“, die rassistischen Hetzer dient. Rassistische Hetzer, die über rassistische Hetzer herziehen?
  • Verallgemeinerungen (alle Flüchtlinge) und Gleichsetzungen (z.B. Flüchtling = Muslim) zeichneten rassistische Hetze aus, so schreiben sie in ihrem Agitprop-Material, dessen Ziel darin besteht, kritische Äußerungen gegenüber dem Zuzug von Flüchtlingen durch eine generelle Gleichsetzung von kritischer Äußerung = rassistische Hetze zu unterbinden.
  • Dass es darum geht, jegliche Form der kritischen Äußerung gegenüber Flüchtlingen zu unterbinden, zeigt sich eben daran, dass nahezu jede Form von kritischer Aussage über Flüchtlinge als rassistische Hetze klassifiziert werden soll:
    • Aussagen über Geflüchtete und „angebliche Kriminalität“, die häufig als „eigenes Erleben“ ausgegeben werden, werden generell als Lügen über Geflüchtet deklariert, denn merke: Unter Flüchtlingen finden sich keine Kriminellen. Anders als Deutsche sind Flüchtlinge eine positive Selektion der Menschheit.
    • Wenn jemand meint, Flüchtlinge würden nicht zu Deutschland oder zu uns passen, dann gilt dies als Kulturrassismus, denn natürlich passt jeder zu Deutschland. Das ist der Grund dafür, dass in der Amadeu-Antonio-Stiftung regelmäßig Obdachlose und Rechtsextreme verköstigt werden: Denn die Amadeu-Antonio-Stiftung betreibt keinen Kulturrassismus und lebt vor, was ihre Mitarbeiter, die von Steuerzahlern ausgehalten werden, verkünden – oder nicht?
    • Der Hinweis, dass die Welt durch knappe Ressourcen gekennzeichnet ist, dass Ressourcen, die für Flüchtlinge ausgegeben werden, notwendig an anderer Stelle fehlen, z.B. als „was ist mit unseren Kindern?“, gilt als „nationalistische Relativierung“ und stellt ebenfalls rassistische Hetze dar.
    • Wer von der Lügenpresse spricht, ist ein rassistischer Hetzer.
    • Wer Flüchtlingshelfer als Gutmenschen bezeichnet, ist ein rassistischer Hetzer.

Kritische Aussagen über Flüchtlinge sind nach Ansicht der Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung als rassistische Hetze zu werten. Und im ersten Schritt zu melden. Falls es unter unseren Lesern welche gibt, die die Amadeu-Antonio Stiftung melden wollen, als Feinde von Demokratie, die nicht auf Grundlage von Fakten beurteilen wollen, ob Aussagen zutreffen oder nicht, sondern auf Grundlage kruder Verallgemeierung und des als ideologisch zulässig Erklärten, vielleicht nimmt der Verfassungsschutz die entsprechende Meldung ja ernst – vielleicht auch nicht.

Sie wissen nicht, wie man Meldung erstattet? Der gute Staatsbürger von heute, der Denunziant in zivil, er ist geschult, im Denunziantentum. Besonders geschult, kadergeschult, sind die Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung, und sie erklären, wie es geht.

Meldungen bei Facebook sind ganz einfach und ungefährlich, denn die „gemeldete Person wird nie erfahren, wer sie gemeldet hat“ (6). Denunziation ist also gefahrlos möglich. Dabei ist es „erfolgreicher … spezielle Inhalte direkt zu melden“ als die „gesamte Seite“. Und weiter: „Den Status der Meldung kannst Du im Support-Postfach überprüfen. Dort hast du auch die Möglichkeit, die Bearbeitung deiner Meldung zu bewerten. Sollte eine Löschung des entsprechenden Inhalts abgelehnt werden, kannst du die Bearbeitung negativ bewerten“ (6). Die zitierte Sequenz aus dem Agitprop-Material der Amadeu-Antonio-Stiftung zeigt: Ziel ist der kleine, der junge Denunziant, der erst an die hohe Kunst der Denunziation, die man in der DDR so beherrscht hat und manche IMs offensichtlich auch nach dem Ende der DDR noch hegen und pflegen, herangeführt werden muss.

Schrittweise. Und mit kleinen Zuckerstückchen. So kann der kleine Denunziant sich dennoch gut fühlen, wenn seine Meldung nicht zur Löschung geführt hat, dann kann er den Support negativ bewerten und denken: Denen habe ich es gegeben. Das ist doch auch schon was, oder?

Schritt zwei der Anleitung zum Denunziantentum umfasst die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die Anzeige ist nun etwas heikel, denn „Meinungsfreiheit wird in diesem Land durch Artikel 5 des Grundgesetzes besonders geschützt“. Zu dumm auch. Nicht alles, was man bei der Amadeu-Antonio-Stiftung gerne als rassistische Hetze beseitigen würde, kann verboten werden. Schuld ist dieser lästige Artikel 5 des Grundgesetzes, diese lästige Meinungsfreiheit, die „in diesem Land … besonders geschützt wird“.

Amadeu Hetze 2

Denunziation leicht gemacht mit der Amadeu-Antonio-Stiftung

Also kann man bei der Staatsanwaltschaft nicht alles anzeigen, womit man Facebook zuschüttet. Eigentlich kann man nicht alles anzeigen. Tatsächlich gilt: „Eine Anzeige zu viel, ist besser als eine zu wenig“ (7). Der Zweifel für den Angeklagten, er wird mit einem unscheinbaren Satz ausgehebelt, einem Satz der deutlich macht, dass bei der Amadeu-Antonio-Stiftung nicht nur keinerlei Respekt vor Meinungsfreiheit herrscht, sondern auch keinerlei Respekt vor dem Rechtssystem. Es ist geradezu das Ziel, Staatsanwaltschaften mit unsinnigen Anzeigen zu zu müllen und handlungsunfähig zu machen. Wie sonst sollte man den zitierten und im Agitprop-Material fett gedruckten Satz interpretieren? Und damit auch kein Zweifel daran besteht, dass dieser Aufruf, alles zur Anzeige zu bringen, was Hinz und Kunz für rassistische Hetze halten, ernst gemeint ist, findet sich auf Seite 8 des Agitprop-Materials eine Musteranzeige an die Staatsanwaltschaft.

Man kann es gar nicht oft genug betonen. Das Agitprop-Material, es wurde vom Ministerium für FSFJ finanziert. Das Ministerium für FSFJ finanziert eine Anleitung zur Denunziation, mit der vor allem Jugendliche dazu animiert werden sollen, alles, was ihnen vorkommt wie rassistische Hetze bei Facebook zu melden und bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen.

Ein Ministerium nutzt Steuergelder, um eine Organisation dafür zu bezahlen, dass die entsprechende Organisation Bürger dazu aufhetzt, andere Bürger zu melden, die einen Kommentar oder einen Aussage getätigt haben, die nach Ansicht der Organisation, die weder über eine demokratische Legitimation noch über rechtlichen Sachverstand verfügt, als rassistische Hetze zu werten ist. Die letzte Organisation, an die wir uns erinnern können, die keinerlei demokratische Legitimation hatte und sich zu einer Art zweiter Ordnungsmacht neben Polizei und Staatsanwaltschaft aufgeschwungen hat, mit dem Ziel, Bürger gegen andere Bürger in Stellung zu bringen, war die SA.

Im Amtseid verpflichten sich Minister, Schaden von Deutschland abzuwenden und den Nutzen des deutschen Volkes zu mehren. Die Finanzierung von Organisationen wie der Amadeu-Antonio-Stiftung erbringt keinen Nutzen und richtet Schaden an. Zum einen sind die Steuergelder, die die Amadeu-Antonio-Stiftung verschlingt, einer sinnvollen Verwendung entzogen, zum anderen nutzt die Stiftung die Steuergelder, um Meinungsfreiheit zu beseitigen und ein Spitzelsystem in Deutschland zu etablieren, das dem System der Stasi nachempfunden zu sein scheint. Damit zerstört die Amadeu-Antonio-Stiftung jede politische Kultur, sorgt für Unfrieden in der Bevökerung und macht ein demokratisches Miteinander unmöglich. Minister, die derartiges finanzieren, sind untragbar und müssten dann, wäre Deutschland einer demokratischen Kultur verpflichtet, zurücktreten.


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Die nächste Lüge fällt: Weder Hass- noch Rassismuswelle nach dem Brexit

Die deutschen Qualitäts- oder waren es doch eher Lügenmedien in Hochform:

Die Welt: Aggression nach dem BREXIT. Rassismus-Welle in Großbritannien

Handelsblatt: Rassismus-Welle in Großbritannien: Der Hass nach dem BREXIT

Focus: Nach dem BREXIT: Rassismus-Welle überspült Großbritannien

Neues Deutschland: Mit dem BREXIT kommt der Rassismus

Deutsche Welle: Der Hass nach dem BREXIT

Ze.tt Nach dem Referendum nehmen rassistische Vorfälle in Großbritannien zu.

Die Meldung, die in die Köpfe der Leser gehämmert werden soll, ist deutlich: Der BREXIT geht auf eine nationalistische, chauvinistische und rassistische Kampagne zurück, die von entsprechenden Nationalisten und Rassisten losgetreten wurde und jetzt machen Briten Jagd auf Polen, wie die Morgenpost titel. Die Saat der Hetze, so frohlockt die hetzende Zeitung, sie geht in Großbritannien auf, denn der BREXIT, er ist das Ergebnis von Hetze.

Dabei folgen alle Berichte dem selben Muster. Ein Einzelfall wird berichtet und auf Großbritannien übertragen. Die Inderin am Postschalter (es gibt im UK kaum mehr „Postschalter“) sie ist ein beliebtes Opfer deutscher Medien, sie steht stellvertretend für den Hass im Land, in dem Jagd auf Polen gemacht wird, wie die Morgenpost behauptet. Außer ein paar Anekdoten haben alle Berichte jedoch überhaupt nichts zu bieten. Da wird in einem Supermarkt angeblich jemand angeschrien und ein elfjähriger Junge hat Angst. Die Beleg dafür, dass ganz Großbritannien in einem Meer von Hass und Rassismus versinkt, sie sind mehr als dürftig.

Und einmal mehr und wie so oft, wenn die Medien Kampagnen starten, um die Verderbtheit derer, gegen die sich ihre Kampagnen richten, zu zeigen, stellen sich die Kampagnen bei genauerem Hinsehen, als Lügenkampagnen heraus. Spätestens seit das National Police Chefs‘ Council die folgende Pressemeldung veröffentlich hat, ist die Kampagne als Lügenkampagne entlarvt:

The vast majority of people are continuing to go about their lives in safety and security and there have been no major spikes in tensions reported but we are monitoring an increase in reports to our online reporting website.

Die Realität des Vereinigten Königreiches, sie weicht erheblich von dem ab, was deutsche Medien behaupten: Keine Hass- und Rassismuswelle, keine Hetzjagden auf Polen, lediglich eine Zunahme der Meldungen über eine Online-Seite. Ob die Meldungen auch tatsächliche Kriminalität darstellen, das weiß derzeit niemand. Was man weiß ist, dass die Zunahme von Meldungen über Online-Seiten nach nationalen Ereignissen normal ist:

“However, we are seeing an increase in reports of hate crime incidents to True Vision, the police online hate crime reporting site. This is similar to the trends following other major national or international events. In previous instances, crime levels returned to normal relatively quickly but we are monitoring the situation closely.

Und schließlich:

“There has been an of 57% increase in reporting to True Vision since Friday compared to this time last month (85 reports between Thursday 23 –Sunday 26 June compared with 54 reports the corresponding 4 days four weeks ago.) … This should not be read as a national increase in hate crime of 57% but an increase in reporting through one mechanism.”

Es gibt demnach keinerlei Anhaltspunkte, die es erlauben würden, von einer Welle des Hasses oder des Rassismus zu schreiben (und 85 Anzeigen über eine Webseite stellen kaum eine rassistische Welle dar). Entsprechende Berichte in den deutschen Medien basieren auf reiner Erfindung und der Phantasie derer, die sie zu verantworten haben, und entsprechend muss man fragen, welche kranken Gehirne Spaß daran haben können, sich Hass- und Rassismuswellen vorzustellen, die über ein Land „schwappen“, dessen Bürger es gewagt haben, die nationale Freiheit der europäischen Zwangsunion vorzuziehen.


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Datenfälscher? Süddeutsche verbreitet Rassismus

„Wer Ungleichwertigkeit zur eigenen Haltung macht oder gar zur Ideologie erhebt, lehnt die Grundlage der Demokratie ab, dass alle Menschen gleichwertig sind. … Je stärker Menschen eine Ideologie der Ungleichwertigkeit annehmen, desto stärker werten sie eine Reihe von schwachen Gruppen ab. … Rassismus … ist eine … Ideologie der Ungleichwertigkeit“.

Das Zitierte stammt aus einer Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung. Demnach ist, wer eine Ideologie der Ungleichwertigkeit vertritt, ein Feind der Demokratie und ein Rassist. Entsprechend dieser Definition, sind bei der Süddeutschen Zeitung Rassisten und Feinde der Demokratie beschäftigt, wie wir nun zeigen werden.

Alpen prawadaDer folgende Post ist das Ergebnis eines kurzen Mailwechsels mit dem Alten Mann aus dem gleichnamigen Block, in dem uns deutlich geworden ist, in welchem Ausmaß bei der Süddeutschen Zeitung versucht wird, mit falschen Behauptungen Stimmung zu machen (zu welchem Zweck auf immer) und die falschen Behauptungen auch noch mit Daten belegen zu wollen, die diesen Beleg nicht einmal im Entferntesten hergeben. Die Erkenntnis, dass bei der Süddeutschen Zeitung Daten nach Lust und Laune missbraucht werden, um Leser zu täuschen, ist dabei schnell der Einsicht gewichen, dass dort Menschen beschäftigt sind, die man nach der Definition der Amadeu-Antonio-Stiftung als Demokratiefeinde und Rassisten ansehen muss.

Paul Munzinger und Katharina Brunner sind für einen Beitrag verantwortlich, den man wohl nicht nur als den Tiefpunkt der Lauterkeit in der Süddeutschen Zeitung ansehen muss. In ihrem Beitrag sind Munzinger und Brunner bemüht, den BREXIT als Beispiel dafür aufzubauen, wie die ältere Generation der jüngeren Generation die Zukunft in der EU nimmt.

Einmal davon abgesehen, dass Munzinger und Brunner sich perfekt nach allen Definitionen, die man bei der Amadeu-Antonio-Stiftung findet, als Rassisten und Rechtsextremisten zu erkennen geben, da sie eine Ideologie der Ungleichwertigkeit vertreten, ist es schon erschrecken, wie offen in deutschen Zeitungen antidemokratisches Gedankengut wieder verbreitet werden kann. Wahlen, wir erinnern uns kurz, zeichnen sich dadurch aus, dass sie allgemein, gleich und frei sind: Jeder (ab 18 Jahre) hat das Recht an Wahlen teilzunehmen, jede Stimme ist gleich viel wert. Diese Grundsätze der Demokratie werfen Munzinger und Brunner über Bord, wenn es ihnen gerade in den Kram passt und behaupten, dass eine Stimme nicht gleich einer Stimme ist:

“Das Brexit-Referendum hat nun aber ein Ergebnis hervorgebracht, das über die normalen Härten des demokratischen Mehrheitsprinzips hinausgeht. Hätten nur die unter 50-Jährigen abgestimmt, wäre Großbritannien in der EUgeblieben. Unter den 18- bis 24-Jährigen haben sich am Donnerstag 75 Prozent dafür ausgesprochen, in der EU zu bleiben. Drei von vier jungen Briten hätten sich eine Zukunft in der Staatengemeinschaft gewünscht. Ein klares Votum, eine überwältigende Mehrheit.”

Von einer nicht normalen Härte kann man nur fabulieren, wenn man der Ansicht ist, dass die vielen Alten, die anders abgestimmt haben als die Jungen dies mit Stimmen getan haben, die den Stimmen der Jungen nicht gleichwertig sind. Damit outen sich Munzinger und Brunner als Rassisten, die der Ansicht sind, Alte und ihre Stimmen sind nicht so viel wert wie Junge und ihre Stimmen.

Um diesen Unsinn zu belegen, verwenden die Autoren Daten, die sie YouGov zuschreiben. Mehr erfährt man nicht über die entsprechenden Daten. Wo die Daten herkommen? Wann sie erhoben wurden? Wie sie erhoben wurden? Munzinger und Brunner verraten es nicht. Vielmehr erwecken sie in ihrem Beitrag wohl mit Absicht den Eindruck, die Daten seien im Zuge der Abstimmung am 23. Juni 2016 im Vereinigten Königreich gewonnen worden, entsprächen also dem tatsächlichen Geschehen.Dass sie ihre Leser absichtlich darüber im Unklaren lassen, dass es sich bei den präsentierten Daten um die Ergebnisse einer YouGov-Umfrage und eben nicht um Daten des Referendums handelt, wird an ihrem sprachlichen Duktus überdeutlich, in dem klare Aussagen getroffen werden: „Briten jenseits der 50 haben sich mehrheitlich für den Brexit entschieden“. „Hätten nur die unter 50-jährigen abgestimmt, wäre Großbritannien in der EU geblieben“.

Das sind eindeutige Aussagen, die man nur treffen kann, wenn man verlässliche Daten hat. Aber Munzinger und Brunner haben keine verlässlichen Daten. Sie täuschen ihre Leser absichtlich oder fahrlässig darüber, dass ihre Aussagen lediglich auf einer Befragung basieren, noch dazu auf einer Befragung, die nicht einmal annähernd an die Realität heranreicht. Um dies zu sehen, genügt ein Blick auf die folgende Abbildung:

SZ_faelschung

Die SZ steht nicht mehr vor dem intellektuellen Zerfall…

Angeblich haben 10% der 18 bis 24jährigen, 7% der 25 bis 49jährigen, 5% der 50 bis 64jährigen und 2% der über 65jährigen nicht am britischen Referendum teilgenommen (Kategorie „nicht gewählt“).

An ihren Lügen sollt Ihr sie erkennen.

Die Wahlbeteiligung am Referendum über den BREXIT muss, wenn die Daten, die Munzinger und Brunner präsentieren das wären, was sie vorgeben, bei mindestens 92% gelegen haben. Tatsächlich betrug die Wahlbeteiligung 72,2%. Die beiden Redakteure der Süddeutschen Zeitung versuchen also ihre Leser zu täuschen. Sie versuchen ihre Leser darüber zu täuschen, dass die von ihnen präsentierten Daten nicht auf Grundlage des Referendums gewonnen wurden, sondern einer Befragung entstammen, von der wir nur wissen, dass sie die Wahlbeteiligung um rund 20% zu hoch eingeschätzt hat, was einer Fehlerquote von 20% entspricht und somit weit mehr als den 5%, die noch als vertretbar angesehen werden. Wir wissen zudem, aus seriösen Quellen, dass die Wahlbeteiligung bei 18 bis 24jährigen gerade einmal 36% betragen hat, so dass letztlich tatsächlich mehr Alte als Junge für Remain gestimmt haben. Auch der gesellschaftliche Graben zwischen Alten und Jungen, den Munzinger und Brunner konstruieren wollen, vermutlich um Unfrieden in Gesellschaften zu schaffen, die immer älter werden, denn: „Die Älteren haben somit über die Zukunft der Jungen bestimmt – ein Phänomen, das in allen überalterten Gesellschaften zum Problem werden kann“, ist schlicht nicht vorhanden.

Munzinger und Brunner haben offensichtlich ein Interesse daran, nicht nur rassistische Inhalte dergestalt, dass Stimmen nicht mehr gleich viel wert sind, an ihre Leser weiterzugeben, sie haben auch ein Interesse daran, mit falschen Behauptungen, wie der, dass mehr Junge als Alte für Remain gestimmt hätten, Unfrieden oder Hass zwischen Generationen zu schüren. Nach allen Maßstäben, die an so genannte Hate Speech angelegt werden, ist der Beitrag von Munzinger und Brunner ein Fall für Heiko Maas und seine Task Force, die gegen Hate Speech vorgehen will.

Bis Maas tätig wird, muss man wohl eine Warnung am Mantel der Süddeutschen anbringen: Warnung: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet rassistische Inhalte. Das Lesen der Süddeutschen Zeitung kann sie um den Verstand bringen.

Nachtrag:

Auch die Behauptung „Hätten nur unter 50jährige abgestimmt, wäre Großbritannien in der EU geblieben“ ist falsch. Von den 45 bis 54jährigen haben nämlich 56% für Leave gestimmt. Die Lügen und Fehler im Beitrag von Munzinger und Brunner zeigen nicht nur, was passiert, wenn statistische Illiteraten mit Daten kämpfen, sie zeigen auch was passiert, wenn Vertreter einer Ideologie des Kollektivismus auf die Menschheit losgelassen werden: Plötzlich sind alle gleich. Eben noch haben 73% der Jungen für Remain gestimmt, jetzt sind es schon die Jungen. Kollektivisten wie Munzinger und Brunner sind nicht in der Lage individuelle Unterschiede in Rechnung zu stellen, was noch ein Beleg dafür ist, dass sie dem Rassismus zugeneigt sind, denn auch Rassisten sehen nur einheitliche Gruppen, Gruppen von Syrern oder Gruppen von Polen, Russen oder Chinesen und keinerlei Unterschiede zwischen den Mitgliedern der entsprechenden Gruppen.


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Die Süddeutsche: Deutsche Kleingeistigkeit gepaart mit rechtem Extremismus

Die Mehrheit der Bürger des Vereinigten Königreichs hat dafür gestimmt, aus der EU auszutreten: 17.410.742 Briten wollen die EU lieber von außen sehen, als von innen. Man nennt so etwas den aggregierten Willen der Wähler und jener Wille der Wähler er ist das, was die höchste Instanz in einer Demokratie ist, was zu akzeptieren ist, von denen, denen er mitgeteilt wird – so wie das David Cameron unmissverständlich getan hat.

Nun haben bestimmte Typen von Persönlichkeiten, ein Problem mit der Akzeptanz von Meinungen, Aussagen und Verhaltensweisen, die dem widersprechen, was sie für richtig halten. Wilhelm Heitmeyer hat diese Unfähigkeit, andere Meinungen und andere Überzeugungen und Verhalten zu akzeptieren, als mangelnde Ambiguitätstoleranz bezeichnet. Menschen, die mit diesem Mangel geschlagen sind, reagieren wütend und in Teile extrem, aggressiv oder gar gewalttätig und in keinem Fall überlegt, besonnen und mit Abstand auf die abweichenden Meinungen, die sie nicht zu tolerieren bereit sind.

Man findet derartige Menschen derzeit überzufällig häufig unter deutschen Medienschaffenden Hier schießen die Intoleranten, denen es an jeder Art von Ambiguitätstoleranz fehlt, wie die Pilze aus dem Boden und versprühen ihr Gift unter ihren Lesern. Besondere Giftpilze wachsen bei der Süddeutschen Zeitung, zu der wir noch kommen.

Bevor wir zur Süddeutschen Zeitung und zu Stefan Kornelius kommen, kommen wir jedoch zu einer erstaunlichen Beobachtung.

In Europa gibt es das Heil, das organisationale Gute, das organisationale Gute, das eine strahlende, blendende eine überragende Zukunft verspricht, das organisationale Gute, zu dem man gehören muss, wenn man fortschrittlich sein will und in Glanz und Gloria leben will. Für alle, die es immer noch nicht wissen. Das organisationale Gute ist die Europäische Union. Sie allein sorgt für Prosperität. Sie allein erlaubt Menschen ein lebenswertes Leben. Sie allein ist der Hort aller gesammelten Weis- und Gutheit, und sie allein ist die Zukunft. Brüder zur Sonne zur EU, könnte man in leichter Abwandlung des alten sozialistischen Schlagers singen und mit Sicherheit würde Stefan Kornelius mit einstimmen, hat er doch in der Süddeutschen das an verbaler Rohheit reichste Pamphlet zum BREXIT verfasst. Und er hat nicht an expletiven Inhalten gespart:

Der BREXIT schrumpfe die Briten in die Bedeutungslosigkeit, so behauptet er. Den Briten fehle der Instinkt der eigenen Größe, statt dessen frönten sie populistischen Ressentiments und Ängsten und ließen sich von Lügen anfeuern. Voller ureigener Ängste seien die Briten, Rückzug in das Häusliche werde der offensiven Veränderung vorgezogen. Die Gefahren der globalisierten Welt würden sie in ihrer Provinzialität ignorieren und selbst in Syrien, sei man entsetzt, ob dieser Weltabgewandtheit, ob diesen freiwilligen Verzicht auf das gemeinsame Heil in der EU, das sich die Syrer so sehr wünschen. Die historische Katastrophe „BREXIT“, sie habe der EU das Schwächesiegel auf die Stirn gestempelt. Sie wecke die historischen (vermutlich nationalen) Geister und die Angst vor der deutschen Dominanz, deren Ziel doch nur darin besteht, zu geben, anders als die Briten, die für sich behalten wollen, was sie erwirtschaften – was für eine „geschichtsfremde britische Entscheidung“, so Kornelius.

evil-gnomeWas zunächst erstaunt, ist die Wiederkehr der immer gleichen Deutungsmuster: Wer gegen die EU ist, der kann dies nur sein, weil er Angst hat, der muss rückwärtsgewandt sein, egoistisch und bieder, der lässt sich belügen und von Populisten verführen, die es natürlich nicht bei der Süddeutschen Zeitung geben kann, denn für Populismus benötigt man ein Mindestmaß an Intelligenz, sondern nur bei denen, die ihn Ressentiments handeln. Dieselben Deutungsmuster bieten Journalisten an, wenn es um die Pegida geht, wenn es um die AfD geht, um TTIP, um Bildungspläne, Schwule, Lesben und Frauen, schlicht, sie singen den selben Refrain zu ganz unterschiedlichen Strophen des Lebens – vermutlich weil sie intellektuell mit der Komplexität der Welt, die sie umgibt, so überfordert sind, dass sie nur ein Reaktionsmuster haben.

So wie die Jugendlichen, die Heitmeyer untersucht hat, nur ein Reaktionsmuster hatten, mit dem sie ihre fehlende Ambiguitätstoleranz überdecken konnten. Die Abwehr alles Neuen und neu ist die Idee, man können in eine Union nicht nur ein-, sondern auch austreten für deutsche Journalisten allemal, nein – nicht neu: revolutionär, geradezu anarchisch. Daher ist es kein Wunder, wenn Kornelius von jenem „simplen In- oder Out-Votum“ schreibt, das „ehrlich gesagt, eine Spur zu einfach ist, um der Größe und Komplexität dieses Themas gerecht zu werden“. Ob es Kornelius im alltäglichen Leben gelingt, eine Fahrkarte für den ÖPNV zu lösen, ist eine offene Frage. Angesichts der Komplexität der Frage „Wollen Sie erster oder zweiter Klasse fahren“, die eine Vielzahl von zu berücksichtigenden Variablen wie Preis, Komfort, potentielle Mitreisende, Anzahl der potentiellen Mitreisenden usw. auslöst, scheint es uns eher wahrscheinlich, dass Kornelius mit dem Fahrrad unterwegs ist. Per Radfahren durch das Leben zu kommen, ist vergleichsweise einfach.

Aber nicht nur die Einfalt der Deutungsmuster ist auffällig, auch die großdeutsche Prämisse, die hinter allem lugt: Schrumpfen ist Machtverlust. Wichtige Nationen gibt es nur in Verbänden. Veränderungen, wie der BREXIT, sind Zeichen der Schwäche, und die deutsche Dominanz ist die graue Eminenz, die alles durch „Geben“ richten kann. Viel näher an der Vorstellungswelt eines Arthur Moeller van den Bruck mit seinen großdeutschen Phantasien kann man kaum sein. Und wieder schließt sich der Kreis zu den Jugendlichen von Heitmeyer, denen es an Ambiguitätstoleranz fehlt, so dass sie unfähig sind, Veränderungen von dem Status Quo, der ihnen heilig ist, zu akzeptieren. So wie Stefan Kornelius unfähig ist, die Veränderung zu akzeptieren, die darin besteht, dass 17.410.742 Briten der Meinung sind, außerhalb der EU ginge es ihnen besser, ganz so als hätten sie sich an den Rat von Winston Churchill erinnert, für sich zu bleiben und transatlantische Brücken dem kontinental-europäischen Tollhaus vorzuziehen –

Und ein Tollhaus scheint in Bereichen von Kontinentaleuropa ausgebrochen zu sein, in Bereichen, in denen man die Welt nur noch aus der eigenen Kleingeistigkeit heraus betrachten kann, eine Kleingeistigkeit, die mit der EU marschiert und mit der EU untergeht und wehe dem, der das sinkende Schiff verlässt, bevor ihm das Wasser über die Nasenspitze reicht: Diese Kleingeistigkeit, sie versteigt sich zu Ansichten wie der, wer den Status Quo seiner Mitgliedschaft in der EU ändere, der ziehe in sein nationales Haus zurück und verweigere die „offensive Veränderung“.

Das muss man sich wirklich mehrfach zu Gemüte führen: Stefan Kornelius, ein Journalist, von dem wir einmal annehmen wollen, dass er bisher nicht weiter aufgefallen ist, er ist der Ansicht, die Europäische Union, sie stehe für eine „offensive Veränderung“. Die EU! Die „offensive Veränderung“, von der Kornelius fabuliert, es muss die „offensive Veränderung“ sein, die den Agrarmarkt revolutioniert hat, die für Ordnung im Dschungel der Regulativen und Direktiven gesorgt hat. Dieselbe offensive Veränderung, sie muss am Werk sein, wenn Politiken aus Brüssel propagiert werden, deren Bart tatsächlich ins letzte Jahrhundert zurückreicht: Vom Protektionismus bis zur Gleichstellung von Frauen und allen sonstigen gesellschaftlichen Gruppen, die es geschafft haben, bei der EU-Kommission eine Lobbygruppe zu etablieren. Die offensive Veränderung, sie schlägt sich im regulierten Krümmungsgrad europäischer Bananen nieder und im Verbot leistungsstarker Staubsauger. Die offensive Veränderung, sie ist so offensiv, dass man sich fragt, was für Stefan Kornelius eine defensive Veränderung wäre. Aber diese Frage würde ihn überfordern. Sie wäre nicht prozessierbar von einem Gehirn, in dem alles schön geordnet ist, in dem es eine Schublade für alles und keinerlei Ambiguitätstoleranz gibt, genauso wie bei den Jugendlichen von Heitmeyer.

Es waren übrigens rechtsextreme Jugendliche, die Heitmeyer untersucht hat.
Heitmeyer rechtsextreme Jugendliche
P.S.
Unter deutschen Journalisten scheint sich die Meinung zu verbreiten, ein Kommentar sei ein journalistisches Genre, in dem es darum gehe, der eigenen Kleingeistigkeit durch die Beschimpfung anderer Luft zu verschaffen. Dies wird der Größe und Komplexität der Gattung „Kommentar“ nicht gerecht, in der es darum geht, eine begründete Meinung, witzig und pointiert und auf Basis von Faktenwissen vorzutragen, eine Tätigkeit, zu der ein Mindestmaß an Intelligenz notwendig ist. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass der Kommentar in deutschen Medien weitgehend von der Beschimpfung ersetzt wurde. Sollten Personen wie Kornelius für die kontinentaleuropäische Bevölkerung und nicht nur für die Süddeutsche repräsentativ sein, dann kann man daraus nur den Schluss ziehen, dass es ein Gebot der Vernunft war, der Europäischen Union den Rücken zu kehren.

 


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Junk Science: Enthemmte Mitte oder enthemmte Akademiker?

Alle zwei Jahre wieder, kommt sie auf uns nieder: die Mitte-Studie, in der sich Medizin- und Patchworksoziologen der Universität Leipzig, um Elmar Brähler an empirischer Sozialforschung versuchen. Die Mitte-Studie des Jahres 2012 haben wir bereits unter der Überschrift „Die Konstruktion des Rechtsextremismus“ analysiert. Die 2014-Auflage der Mitte-Studie haben wir uns erspart. Die 2016-Auflage müssen wir wieder zur Kenntnis nehmen, als Reaktion auf sozialen Druck, der über unsere Mailbox ausgeübt wird. Ok. Wir analysieren die Mitte-Studie!

junk_scienceEine Veränderung vorweg: Nicht mehr die Friedrich-Ebert-Stiftung, sondern ein Konglomerat aus Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne), Otto-Brenner-Stiftung (Gewerkschaft) und Rosa-Luxemburg-Stiftung (LINKE) hat sich dieses Jahr bereiterklärt, die Kosten der Mitte-Studie zu übernehmen. Die Kosten allein für die Durchführung der Befragung, die zu 2.420 verwertbaren Interviews geführt hat, dürften bereits mehrere 100.000 Euro betragen. Es ist also auch 2016 wieder sichergestellt, dass Steuermittel in großem Umfang für die Mitte-Studie verbrannt werden, verbrannt deshalb, weil mit der Studie keinerlei wissenschaftlicher, sondern ausschließlich ideologischer Nutzen verbunden ist (Sofern man im Zusammenhang mit Ideologien überhaupt von Nutzen sprechen kann). Ideologischer Nutzen muss damit verbunden sein, sonst würden ihn nicht die drei linken Vereine von Parteien und Gewerkschaft mit den Steuergeldern bezahlen, die ihnen zugeschustert werden – oder handelt es sich hier nur um eine schlechte Angewohnheit?

Erhebungsmethoden

Die Mitte-Studie ist eine der Studien, die von sich behaupten, sie seien repräsentativ. Das an sich, ist bereits Unsinn, wie wir an anderer Stelle gezeigt haben. Im vorliegenden Fall kommen noch einige Irrtümer hinzu, die die Autoren wie folgt darlegen:

“Je größer die Stichprobe, desto geringer ist die Fehlerwahrscheinlichkeit. Das wichtigste Merkmal einer repräsentativen Erhebung ist allerdings, dass jedes relevante Merkmal in der Bevölkerung die gleiche Chance hat, in die Stichprobe einzugehen.“ (Decker et al., 2016: 25).

Enthemmte AkademikerZwei Sätze, zwei Fehler. Mit zunehmender Größe einer Stichprobe sinkt die Fehlerwahrscheinlichkeit nicht, denn die Fehlerwahrscheinlichkeit hat zunächst einmal nichts mit dem Umfang der Stichprobe, sondern mit der Qualität der Stichprobe zu tun: Wenn es gelingt, drei Deutsche zu finden, die so mittelmäßig sind, dass sie regelmäßig genau die Angaben zu Fragen machen, die die Mehrheit der Bevölkerung macht, dann ist die Fehlerwahrscheinlichkeit, also die Wahrscheinlichkeit, dass die Stichprobe die zugrundeliegende Population nicht abbildet, sehr gering. Wenn ich dagegen 5000 Mitglieder der Antifa zu Fragen des Anstands und der Moral befrage, werden am Ende der Befragung Ergebnisse stehen, die sehr weit von dem abweichen, was in der Mehrheit der Bevölkerung mit Anstand und Moral verbunden wird. Die Fehlerwahrscheinlichkeit ist also hoch. Kurz: Die Leipziger Mediziner haben nicht viel Ahnung von empirischer Sozialforschung.

Das macht auch der Folgesatz deutlich, der von „relevanten soziodemographischen Merkmalen“ spricht. Dummerweise weiß man immer erst hinterher, welche Merkmale relevant für eine bestimmte Fragestellung sind. Wüsste man es bereits vorher, man müsste gar keine Befragungen durchführen. Abermals erzählen die Autoren Unsinn. Die Mär der Repräsentativität, sie behauptet, dass jedes Element der Grundgesamtheit, also im vorliegenden Fall, jeder, der in Deutschland lebt, die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, in die Mitte-Befragung zu gelangen.

Auch hinter dem eigenen Anspruch, eine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung gezogen zu haben, bleiben die Autoren und USUMA, ihr Umfrageinstitut aus alter Verbundenheit, zurück: Ihre Stichprobe hat verhältnismäßig zu viele junge (unter 45 Jahre) und alte (über 65 Jahre) Befragte, zu viele Frauen (55,3%), zu viele Geschiedene und zu wenige Befragte ohne einen Schulabschluss, gemessen an der Verteilung der entsprechenden Gruppen in der Gesamtbevölkerung. Und dies ist nur das Ergebnis einer kursorischen Prüfung.

Fazit zu den Erhebungsmethoden: Dilettantismus.

Befragungsmethoden

Die Mitte-Studie will vornehmlich „Rechtsextremismus“ messen. Rechtsextremismus ist der Verkaufsanker, der Köder, an dem sich die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten mit Sicherheit festbeißen, und der Köder, der öffentlich-rechtliche Medienanstalten wie die ARD, die Ergebnisse der Mitte-Studie nur zu gerne und ohne Prüfung übernehmen sieht (immer vorausgesetzt, Journalisten bei öffentlich-rechtlichen Medien stellen keine Negativauswahl dar, die zur Prüfung der entsprechenden Ergebnisse gar nicht in der Lage sind.).

Rechtsextremismus wird in der Mitte-Studie völlig ungewöhnlich und wie folgt definiert:

“Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische
Einstellungen. (Decker & Brähler, 2006)“(Decker et al., 2016: 29)

Die angeblichen Wissenschaftler sind nicht einmal in der Lage, sich selbst korrekt zu zitieren. Da es sich um ein wörtliches Zitat handelt, ist eine Seitenangabe aus Decker und Brähler zwingend notwendig. In jedem Einführungskurs in die Quellenkunde wären die Autoren durchgefallen, und Friedrich Kahlenberg würde in seinem Bundesarchiv rotieren, wenn er noch in seinem Bundesarchiv wäre.

Abgesehen davon wird Rechtsextremismus also als Oberismus einer Reihe von Unterismen definiert. Jeder der Unterismen wird sodann gemessen, und zwar anhand von je drei Items.

Die hohe Kunst der Befragung, sie hat eine Reihe von No-Goes definiert, d.h. von Arten und Weisen des Vorgehens und der Formulierung von Fragen, die ein lauterer Wissenschaftler vermeidet. Decker et al. meiden die entsprechenden Vorgehensweisen nicht. Man findet sie fast alle versammelt.

Holm_Alle Aussagen, denen die Befragten zustimmen können oder nicht, werden mit fünf Antwortoptionen präsentiert: „lehne völlig ab“, „lehne überwiegend ab“, „stimme teils zu teils nicht zu“, „stimme überwiegend zu“, „stimme voll und ganz zu“. Sobald es an die Auswertung geht, sind drei der fünf Antwortoptionen verschwunden, die Ergebnisdarstellung beschränkt sich weitgehend auf die Optionen „stimme überwiegend zu“ und „stimme voll und ganz zu“ und beide Optionen werden der Einfachheit halber zusammengefasst. Das ist eine der Unsitten der empirischen Sozialforschung, die häufig durch zu geringe Fallzahlen bedingt ist. Warum, so muss man fragen, wird mit „Likert-Skalen“ erhoben, wenn das erste, was bei der Auswertung verschwindet, eben jene Likert-Skala ist? Zur Erinnerung: Likert-Skalen sind mit Blick auf die Auswertung der Daten entwickelt worden, nicht mit Blick auf die Erhebung der Daten. Aber das wissen die Mannen um Brählert offensichtlich nicht.

Grundsätzlich ist das Zusammenfassen von Antwortkategorien ein zulässiges Verfahren, jedenfalls dann, wenn die Aussagen, denen Befragte zustimmen oder die sie ablehnen sollen, entsprechend eindeutig formuliert sind. Das sind sie im vorliegenden Fall aber nicht.

  • „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“
    „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.“

Beide Aussagen sollen Ausländerfeindlichkeit messen. Wenn ein Befragter nun „stimme überwiegend zu“ zur ersten Aussagen als seine Antwortoption angibt, dann kann hinter dieser Angabe die Überlegung stehen, dass nicht alle Ausländer nach Deutschland kommen, um „unseren Sozialstaat auszunutzen“. Der entsprechende Befragte hätte sich somit an dem Wörtchen „nur“ gestört und mit Recht so, denn das Wörtchen „nur“ macht aus der Frage eine eine unzulässige Suggestivfrage, die darauf abzielt, entsprechende „affektuelle Reaktionen hervorzurufen“, wie Kurt Holm (1986: 64) das nennt. Man muss also annehmen, dass Befragte, die „überwiegend zustimmen“, die suggestive Ladung der Frage erkannt haben und ablehnen. Sie mit Befragten, die affektuell im vollen Umfang und damit so, wie suggeriert reagieren und „voll und ganz zustimmen“ zusammenzuwerfen, ist eine Manipulation der Ergebnisse, die den Ethikkrat der Profession beschäftigen müsste, wenn der entsprechende Ethikrat ein Ethikrat und kein Feigenblatt wäre.

Die selbe Argumentation kann im Hinblick auf die zweite Aussage anhand der Qualifikation „gefährlich“ vorgenommen werden. Wieder kommt man zu dem Ergebnis, dass die Daten von Decker et al. mit ihrer Zusammenfassung in einem nicht zulässigen Maß manipuliert wurden.

Noch ein paar Beispiele aus dem Schattenreich der suggestiven Fragen:

  • „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“:
    Setzt voraus, dass der Einfluss der Juden einst zu groß war.
  • “Es gibt wertvolles und unwertes Leben.“Formuliert eine Bigotterie, wie sich nicht zuletzt daran zeigt, dass viele Menschen kein Problem damit haben, Tiere zu fressen und damit tierisches Leben zu vernichten, das sie wohl als unwert zu weiterem Leben angesehen haben.
  • “Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen sich nicht an“: Aus der Trickkiste der mehrfachen Stimuli, aus denen sich der Forscher aussuchen kann, was er gerne hätte. Sind die Befragten, die hier zustimmen, nun der Ansicht, Juden hätten etwas Besonderes an sich oder etwas Eigentümliches oder etwas Besonderes und etwas Eigentümliches? Sind die Befragten der Ansicht, sie würden sich wegen diesem Besonderen oder wegen diesem Eigentümlichen oder wegen beiden nicht anpassen oder der Ansicht, dass sich Juden unabhängig von Besonderem und Eigentümlichem nicht anpassen?

Jedem Methodenlehrer an einer Universität, der sich mit Frageformulierungen befasst, müssen angesichts dieser kategorialen Fehler bzw. dieser angewendeten Manipulationstechniken die Haare zu Berge stehen. Bei Decker et al. stehen die Haare sicher nicht zu Berge, nicht einmal die Schamesröte wird sie ereilen – das ist eine Prognose mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von weniger als 5% (auf eine F-Verteilung bezogen).

Der größte Hammer, der letztlich ganz deutlich zeigt, dass es bei der sogenannten Mitte-Studie einzig darum geht, Daten zur ideologischen Verwendung zusammenzustellen und damit die Befragten, die bereitwillig an der Befragung teilgenommen haben, zu missbrauchen, findet sich in den Tabellen 3 bis 8. Sie alle stellen Ergebnisse für Ost und West, für Abitur oder kein Abitur, für Altersgruppen oder letzte Partiwahl etc. dar, und zwar für „Befürwortung Diktatur“, „Chauvinismus“, „Ausländerfeindlichkeit“, „Antisemitismus“, „Sozialdarwinismus“, „Verharmlosung Nationalsozialismus“.

Wie sich vielleicht der ein oder andere Leser noch erinnert, definieren Decker und Brähler Rechtsextremismus als Oberismus über den hier genannten Unterismen. Rechtsextremismus setzt sich also nach ihrer eigenen Definition aus den sechs Unterismen zusammen, ist eine Kombination aus ihnen.

Ihre eigene Definition haben sie offensichtlich vergessen, wenn es darum geht, die Ergebnisse mit dem, was man wissenschaftliche Lauterkeit nennt, darzustellen. Statt Rechtsextremismus als Kombination der sechs Unterismen darzustellen, erwecken die Autoren den Eindruck, Rechtsextremismus ergebe sich schlicht durch Addition der sechs Ismen. Sie suggerieren ihren Lesern, es seien im Kern immer die gleichen Befragten, die den Unterismen von Rechtsextremismus zustimmen (oder schlimmer noch, man könne die Unterismen addieren, um zum Ausmaß an Rechtsextremismu zu gelangen). In Tabelle 3 wird z.B. von 2.1% der Befragten behauptet, dass sie den Nationalsozialismus verharmlosen würden. Die Darstellung suggeriert, dass sich diese 2.1% auch unter denen finden, die Sozialdarwinismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Chauvinismus und Diktatur befürworten. Und das ist falsch. Würden die Autoren ihren eigenen Anspruch einlösen und die sechs Unterismen zu Rechtsextremismus zusammenfassen, es gingen Ihnen reihenweise Befragte verloren, d.h., sie stünden am Ende mit vielleicht 2% Rechtsextremen nach ihrer eigenen Definition da und mit vielleicht 5%, die man mit viel gutem Willen als dem, was Decker et al. als Rechtsextremismus gemessen zu haben glauben, nahe stehend ansehen könnte. Immer vorausgesetzt, man kann die Zusammenfassung der Antwortkategorien und die Art und Weise der Formulierung der Aussagen rechtfertigen. Das kann man aber nicht, wie wir bereits dargelegt haben.

Ganz nebenbei ist es in der empirischen Sozialforschung ein Muss, für die Skalen, von denen man behauptet, man habe sie gemessen, auch zu prüfen, ob man sie tatsächlich gemessen hat. Entsprechende Methoden finden sich unter dem Stichwort „Reliabilität“. Wenig verwunderlich finden sich in der Mitte-Studie, der anscheinend völlig enthemmten Leipziger Akademiker, keinerlei Hinweise darauf, dass ein Reliabilitätstest durchgeführt worden wäre, so dass man davon ausgehen muss, dass die Autoren zwar behaupten, z.B. Chauvinismus gemessen zu haben, ihre Operationalisierung der latenten Variable „Chauvinismus“ aber nicht reliabel ist, d.h. sie haben irgend etwas gemessen.

Schnell hill esserDie neue Mitte-Studie ist somit ein weiteres Beispiel dafür, dass angebliche Wissenschaftler gerne bereit sind, die ideologische Schmutzarbeit für ihre Auftraggeber zu erledigen bzw. dass sie so mit Ideologie angefüllt sind, dass sie gar nicht merken, wem sie freudig zu Willen sind. Es finden sich so ziemlich alle Techniken der suggestiven und manipulativen Befragung, die lautere Wissenschaftler meiden wie die Pest, es findet sich eine unlautere Zusammenfassung der Antworten, die Befragte gegeben haben und somit ein Missbrauch der Befragten und es finden sich suggestive Darstellungsweisen, die das Phänomen, das man angeblich gemessen haben will, aufblasen wie einen Luftballon auf dem Jahrmarkt. Nur eines findet sich in der gesamten „Mitte-Studie“ nicht: Eine Operationalisierung von Mitte und eine enthemmte Mitte findet sich auch nicht. Der Begriff, ist wohl dazu gedacht, die Naiven in den Redaktionen der Medien zu ködern. Mit Erfolg wie sich zeigt. Auf den gesamten mehr als 200 Seiten des Machwerks findet sich der Begriff der „enthemmten Mitte“ nicht ein einziges Mal. Er findet sich ausschließlich in der Überschrift des Machwerks und in den Medien.

In der DDR war es üblich, Wissenschaft daran zu identifizieren, dass sie im ideologischen Einklang mit dem herrschenden Marxismus-Leninismus steht. Da einige der Autoren der Mitte Studie eine DDR-Sozialisation erfahren haben, hat sich bei Ihnen offensichtilch noch nicht der mit dem Ende der DDR verbundene soziale Wandel in der Wissenschaft herumgesprochen, der es unnötig macht, die eigenen Ergebnisse anhand von ideologischen Vorgaben aufzubügeln, um dann ein Fleißkärtchen von seinen Auftraggebern zu erhalten.

Der Alte Mann hat sich in seinem Blog auch zum Thema geäußert.

 


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AfD, Hitlergruß, Lügenpresse – Funkes Kausalkette

Ein Beispiel für Hauruck-Suggestion aus dem Tagesspiegel:

facepalm-Godzilla„Angebliche Fußballfans, die den Hitlergruß zeigen, die erste Strophe der Nationalhymne singen und „Lügenpresse“ rufen: Die fremdenfeindlichen Gesten von mutmaßlich Rechtsextremen auf der Fanmeile am Brandenburger Tor am Sonntag haben nach dem Sieg der DFB-Elf gegen die Ukraine einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Nach Einschätzung von Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke sind die Vorfälle ohne Zweifel auf die rechten und islamfeindlichen Parolen von AfD und Pegida zurückzuführen. „Wir erleben seit knapp zwei Jahren eine Entfesselung der Ressentiments“, sagte der Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Der radikale Flügel der AfD um Alexander Gauland und Björn Höcke sowie die Pegida-Bewegung hätten einen „ethnozentrischen und rassistischen Nährboden geschaffen“, der Fremdenfeindlichkeit ein stückweit salonfähig gemacht habe, so Funke weiter.“

Zunächst die Haurucksuggestion zur instrumentellen Konditierung der Empörungsbereiten:

  • Logik f dummiesKonditionierter Stimulus: Rechte zeigen Hitlergruß. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Konditionierter Stimulus: Rechte singen die erste Strophe der Nationalhymne. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Instrumenteller Stimulus: Rechte rufen: Lügenpresse.
  • Reaktion, die konditioniert werden soll: Das macht man nicht. Das ist böse.

Nach dem Stück Dachlatten-Behaviorismus dessen Abschluss aus einem satten Fehlschluss der Bejahung des Konsequens besteht, denn nicht jeder, der den Begriff Lügenpresse benutzt, ist ein Nazi, wäre dem so, der Tagesspiegel wäre ein Nazi-Blatt, kommt der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke mit seinem Anschlag auf alles, was Wissenschaftlichkeit darstellt, zu Wort.

Wissenschaft, das zur Erinnerung, hat zum Ziel fundiertes Wissen zu erreichen. Fundiertes Wissen besteht aus Aussagen über die Empirie, die empirisch geprüft wurden und sich dabei bestätigt haben. In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen Aussagen, die einen Zusammenhang ausdrücken und solchen, die eine Kausalität beschreiben. Eine Zusammenhangsaussage wäre z.B.: Zwischen einem Interview von Hajo Funk im Tagesspiegel und einem Herzinfarkt bei einem Wissenschaftstheoretiker besteht ein Zusammenhang von r = .65. Ob Funke für den Herzinfrakt kausal ist, kann posthum nicht mehr festgestellt werden.

Um die Annahme einer Kausalität zwischen dem Interview von Funke und dem Herzinfarkt des Wissenschaftstheoretikers zu rechtfertigen, benötigt man eine theoretische Grundlage, z.B.: Der Wissenschaftstheoretiker hat sich immer sehr stark über angebliche Wissenschaftler, die in aller Öffentlichkeit ihre Ahnungslosigkeit über wissenschaftliche Methoden blosstellen, aufgeregt. Zuletzt hat er sich über Hajo Funke, der bar jeder methodischen Kenntnisse zu sein scheint, aufgeregt. Das war zuviel. Bestätigt sich die Kausalkette, dann hat Funke den Herzinfarkt zu verantworten, aber nur dann.

Schauen wir uns nun an, was Funke behauptet.

In Berlin haben Personen, die Funke nicht kennt, von denen er nichts weiß und von denen er nichts wissen kann und will, den Hitlergruß gezeigt, die falsche Strophe der Nationalhymne gesungen und Lügenpresse gesagt.

Dass sie das getan haben, hat seine Ursache nach Funke darin, dass es in Deutschland die AfD, Alexander Gauland, Björn Höcke und Pegida gibt. Sie alle haben mit „rechten und islamfeindlichen Parolen“ einen „ethnozentristischen und rassistischen Nährboden geschaffen.“

Die Kausalkette, die Funke da allen Erstes behauptet, sie lautet:

Gauland, Höcke, die AfD und Pegida skandieren rechte und islamfeindliche Parolen. Wenn Gauland, Höcke, die AfD und Pegida rechte und islamfeindliche Parolen skandieren, dann fallen die Parolen zu Boden und schaffen einen ethnozentrischen und rassistischen Nährboden, an dem sich wiederum Dritte gütlich tun, die Funke nicht kennt und nicht kennen will, die aber in Berlin den Hitlergruß zeigen und die falsche Strophe der deutschen Nationalhymne singen. Ach ja, und vor allem: Lügenpresse rufen.

Wer diesen Unsinn glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und unserem Wissenschaftstheoretiker ist auch nicht mehr zu helfen, er ist am Unsinn verendet.

Er hat den Funke hinter sich.

Vielleicht sogar die bessere Option.


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