Als Oberhaupt der Katholiken weltweit, sollte man denken, habe der Papst genug damit zu tun, für die religiöse Hygiene seiner Schäfchen zu sorgen. Entsprechend verwundert es, wenn er sich neuerdings als Chef-Ökonom des Vatikan geriert und z.B. vor rund 20.000 Sardiniern erklärt:
„We don’t want this globalized economic system that does us so much harm. At its center there should be man and women, as God wants, and not money.“
Der Papst hat also beschlossen, dass „wir“ kein globales Wirtschaftssystem wollen. „Wir“ wollen keinen weitgehend freien Handel, keine billigen Computer, Handys, Kühlschränke, Waschmaschinen aus asiatischer, Textilien aus türkischer oder Schuhe aus äthiopischer Produktion. „Wir“ wollen den Schumacher um die Ecke und Fernseher, die in deutscher Produktion hergestellt werden, ohne dass notwendige Teile global beschafft werden. So hat es der Papst für „uns“ beschlossen.
Oder meint der Papst mit „wir“, nicht uns, sondern sich und seine päpstlichen Untertanen, die sich im Vatikanstaat zusammengefunden haben? Meint er mit „wir“, den Vatikan und seine Besitztümer? Nun, die Frage hat mich dazu veranlasst, ein wenig zu recherchieren und dabei bin ich auf einen Beitrag von Kevin Roose im New York Magazin gestoßen und auf etwas, das man mit viel gutem Willen, aber wirklich mit viel gutem Willen, als eine Form der Gewinn- und Verlustrechnung des Vatikans bezeichnen kann.
Nun könnte man meinen, die Investitionen die der Vatikan über einen eigenen kleinen Hedge-Fund in Immobilien und Aktien vornimmt, hätten dabei geholfen, die Verluste über die letzten Jahre, in denen die Aktienmärkte sich wieder erholt haben, auszugleichen, aber das war nicht der Fall, denn der Hedge-Fond des Vatikans wird konservativ geführt. Man kann sich die Investitionsstrategie des Vatikans entsprechend einer Constant Proportion Portfolio Insurance (CPPI) vorstellen, bei der ein Höchstwert an Verlust festgelegt wird, der nicht überschritten werden kann. Entsprechend sind die Verluste gedeckelt, aber auch die Gewinne, denn die entsprechende Investment-Strategie reagiert eher schleppend auf eine Erholung der Märkte. Eine Entlastung der strapazierten Vatikan-Finanzen durch den eigenen Hedge-Fund ist also eher unwahrscheinlich.
Aber: weit gefehlt. Die Milliarden, auf denen der Papst sitzt, gelten ihm als Menschheitserbe. Entsprechend wird der Reichtum gehortet und verwaltet, jedenfalls nicht eingesetzt, um realen Menschen zu helfen, und z.B. die Folgen von Arbeitslosigkeit und Armut zu lindern. Und so erklärt sich der päpstliche Ärger über die Folgen des globalen Kapitalismus wohl weitgehend daraus, dass sich der cash flow des Vatikan in Zeiten der Krise verringert hat, und am Ende hatte dies Auswirkungen auf den gewohnten Lebensstil im Vatikan …
