Parallelen zu Hitler: Der Papst und die Rechtspopulisten

Parallelen zwischen dem Aufstieg Adolf Hitlers und den neuen rechtspopulistischen Bewegungen in Europa hat Papst Franziskus in einem Interview mit der Welt am Sonntag gezogen. Unter anderem hat er darin das Folgende von sich gegeben:

In Krisenzeiten suchten die Menschen “einen Heilsbringer, der uns unsere Identität wiedergibt”, sagte Franziskus. “Wir schützen uns mit Mauern und Stacheldraht vor den anderen Völkern, die uns unsere Identität nehmen könnten.” Das sei “sehr schlimm”.

Das Jahr 1933 in Deutschland sei “typisch”. Deutschland habe sich in einer Krise befunden und seine Identität gesucht. “Da kam dieser charismatische Anführer und versprach, ihnen eine Identität zu geben. Aber er gab ihnen eine verquere Identität, und wir wissen, was dann passiert ist.”

dr-murkes-gesammeltes-schweigenWir denken in letzter Zeit häufig an das einzige Werk von Heinrich Böll, das wir für lesenswert halten: Dr. Murkes gesammeltes Schweigen. Bekanntermaßen ist Dr. Murke darin als Mitarbeiter des Rundfunks mit dem prätentiösen und dummen Geschwätz von Professor Bur-Malottke konfrontiert, der es plötzlich für besonders wichtig hält, das Wort „Gott“ durch die Beschreibung „jenes höhere Wesen, das wir verehren“ zu ersetzen. Murke macht sich einen Spaß daraus, die Sprechpausen des Bur-Malottke zu sammeln und aneinanderzureihen, quasi als einzigen Redebeitrag, den man ertragen kann.

Wir wünschten, die Redebeiträge vermeintlicher Experten in Sachen Extremismus oder Populismus wären in vielen Fällen „gesammeltes Schweigen“. Dann wäre die Welt ein besserer Ort, denn man müsste nicht Tag um Tag den sprachlichen Unrat, den andere über einem ausgießen, aus dem Weg räumen.

Nehmen wir z.B. den sprachlichen Unrat des Papstes, von dem man nicht nur feststellen muss, dass er vollkommener Unsinn ist, schon weil es keinen Automatismus gibt, der die Suche nach einer Identität in Zeiten der Krise bei Hitler oder anderen „charismatischen Führern“ enden sieht, wie man leicht daran feststellen kann, dass dieselbe Krise in anderen Ländern Staatsmänner wie Franklin D. Roosevelt als Nachfolger von Herbert Hoover als US-Präsident oder zwei Radikalsozialisten, nämlich Gaston Doumerge und Paul Doumer als Staatsoberhaupt Frankreichs oder Ramsey MacDonald, von der britischen Labour Partei, an die Macht gebracht oder an der Macht gehalten hat. Wäre also die Krise die Zeit, in der ansonsten brave Bürger nach einer Identität und nach einem charismatischen Führer Ausschau halten, dann müsste man erklären, warum sie das nur in Deutschland zu tun scheinen.

Davon abgesehen ist der Papst offensichtlich der Ansicht, die Welt sei voller suchender Lemminge, die darauf warten, dass ein charismatischer Führer auftaucht, der ihnen einen Lebenssinn und eine Identität gibt. Dieses Menschenbild mag erklären, warum die katholische Kirche es in all den Jahrtausenden ihres Bestehens regelmäßig geschafft hat, mit allen möglichen autoritären und totalitären Herrschaftssystemen ihren Frieden zu machen, es aber bis heute nicht schafft, Menschen als freie Individuen mit einem freien Willen ernst zu nehmen.

Vergelten wir Gleiches nicht alttestamentarisch mit Gleichem: Nehmen wir den Papst kurz Ernst, wenn er behauptet, dass Krisen anfällig machen für charismatische Führer und dazu führen, dass Menschen ihre Identität durch Zuordnung zum charismatischen Führer und der „verqueren Identität“, die er bietet, finden. Dann muss man feststellen, dass die katholische Kirche an erster Stelle der anfälligen Identitätssucher steht, denn nur kurze Zeit nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und nach dem Ermächtigungsgesetz, nach der Zerschlagung der Gewerkschaften und den ersten unverkennbaren Zeichen, mit welchem verqueren charismatischen Führer man es nunmehr in Deutschland zu tun habe, hat die katholische Kirche am 20. Juli mit Nazi-Deutschland das Reichskonkordat geschlossen. Damit hat der Vatikan nicht nur die eigenen Schäfchen ins Trockene gebracht und u.a. dafür gesorgt, dass Eigentum der katholischen Kirche, Eigentum der katholischen Kirche bleibt und nicht etwa wie jüdisches Eigentum enteignet werden kann, er hat auch dafür gesorgt, dass es katholische Geistliche sein werden, die im Kriegsfall den Soldaten der deutschen Wehrmacht spirituellen Trost sprechen.

Natürlich hat der Vatikan durch den Abschluss des Konkordats der Regierung Hitler, also jenen verqueren Identitätsstiftern, Legitimation und Anerkennung verliehen und darüber hinaus deutlich gemacht, dass es die Aufgabe von Katholiken ist, sich der Regierung Hitler, komme, was da wolle, unterzuordnen:

hitler-reichskonkordatjpg“ Artikel 16
Bevor die Bischöfe von ihrer Diözese Besitz ergreifen, leisten sie in die Hand des Reichsstatthalters in dem zuständigen Lande bzw. des Reichspräsidenten einen Treueid nach folgender:

“Vor Gott und auf die heiligen Evangelien schwöre und verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, dem Deutschen Reich und dem Lande… Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen. In der pflichtmäßigen Sorge, um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen geistlichen Amtes jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte.”

Wenn die Parallelen zwischen Rechtspopulisten und den Nazis für den Papst also so offenkundig sind, dann ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es zu Verhandlungen zwischen Vatikan und Rechtspopulisten kommt, um einen Vertrag zu schließen, der dem Vatikan Vorteile gegenüber anderen Religionsgemeinschaften für den Fall verschafft, dass Rechtspopulisten an die Macht gelangen.

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17 Responses to Parallelen zu Hitler: Der Papst und die Rechtspopulisten

  1. Eloman says:

    Wie alle die von den Linken bejubelt werden ist auch dieser Papst eine völlige Fehlbesetzung.

  2. Trizonesier says:

    Wer seine Identität wieder haben will, dem ist sie (die Identität) zunächst mal genommen worden. Vielleicht sollte man (auch der Herr Papst) erstmal darüber nachdenken, wem oder was dieser Umstand zu verdanken ist…

  3. Jürg Rückert says:

    Die Mauer im Kopf abreißen, ein christlicher Slogan, der nach dem Mauerfall aufkam, er machte Karriere!
    In seiner Wutpredigt 2013 auf Lampedusa nannte der Gute Hirte von Rom die Europäer ein Mördergesindel („Soldaten des Herodes“), weil diese keine Reisebüros in den Ländern der Armut einrichten wollten und deshalb so viele Wohlstandssuchende ertranken oder in der Sahara verdursteten.
    Daraufhin versanken die Mauern von Jericho im Mittelmeer, da der Italiener seine Retterflotte aussandte. In der Folge kam auch ein Attentäter aus Libyen ins Grünland Europa und bedankte sich artig auf seine Weise am 19.12.16 in Berlin. Das Heerlager der „Heiligen“ in Aktion!
    Die Anbiederung an den Islam durch diesen Papst ist so einzigartig wie seine Brutalosprache innerhalb der Kurie („Alzheimer-Spiritualität!“). Wir dürfen ihm zutrauen, eine neue Kirche zu erfinden.
    Ja, was für ein Papst! Er reicht uns heiliges Brot, ließ aber Mutterkorn darunter mahlen: Die wahren Sünder müssen eben schwinden. Ich bin nur noch ein daumengroßer Gläubiger!
    Wie ich vernahm, lässt er in einer Seitenkapelle seines Doms dem mächtigen Affengott Hanuman einen kleine Seitenaltar einrichten anstelle von Sant´Egidio.
    Oh, man ist guter Hoffnung in Rom, auf der bunten Soße Europa wie Fettaugen oben auf schwimmen zu können: Der Herr führet uns auf grünen Auen …

    Psalm 24 wie er uns heute zuteil wird:
    Ja, unserer Hirten und Ältesten sind viele.
    Sie versprechen fast alles,
    aber lagern uns auf öder Steppe
    oder führen uns an bittere Wasser.
    Sie reizen unsere Begierden,
    Aber füttern unsere Bäuche mit leeren Speisen.
    Sie leiten uns auf linken Pfaden,
    treu ihrem Schicksal.
    Wandern wir in glitzernden Schluchten aus Stein,
    So fürchtet wir alles,
    denn uns treiben zahllose Stöcke
    und Irrlichter leuchten uns.
    Sie decken unseren Tisch ab
    und zechen mit unseren „Freunden“.
    Sie leeren unsere Becher,
    scheren unser Haupt
    und verteilen unser Gewand an andere.
    Auflösung und Ablösung
    ereilen uns in ihrem Haus in kurzer Frist
    bis zum Letzten des Stammes!

  4. corvusalbusberlin says:

    Gibt es noch jemanden, der den Blödsinn dieses Mannes(Papst)glaubt?

  5. merxdunix says:

    Es steht zu befürchten, dass Sie den Papst hier falsch verstanden haben. Die Parallelen bestehen möglicherweise darin, dass er die heutigen Rechtspopulisten mit den deutschen Juden in der Weimarer Republik gleichsetzt und das Auftreten eines neuen Hitlers unter den Linksgrünen erwartet, so wie auch die NSDAP eine linke extremistische Partei war.
    Ein Verlust der Identität ist sicher nicht bei den Rechtspopulisten anzutreffen, wohl aber bei den bis zur Nutz- und Ziellosigkeit ausgehöhlten Linksgrünen und ihrem Beamten- und Verwaltungsapparat. Zudem besteht die Gefahr, dass aufgrund der aktuellen Bildungsprämissen die heutigen Kinder und Jugendlichen dieses Kriterium erfüllen werden und daher ein geeigneter Rattenfänger sehr wahrscheinlich am anderen Ufer wartet.

    • corvusalbusberlin says:

      Den Papst kann man gar nicht falsch verstehen, weil er das, was er sagt falsch (heuchlerisch) ist.
      Allein sich als Christi Stellvertreter auszugeben, ist ungeheuerlich. Und dann die “Petri-Kirche”…. et cetera …..

      Diese Organisation und die meisten ihrer Anhänger haben mit Christi nichts – aber gar nichts – gemeinsam.
      Sie würden ihm die Stalltür vor der Nase zuschlagen.

      Und was wollen Sie? Ein neuer Hitler würde doch von der Kirche genauso begrüßt werden, wie der alte.

      Die heutigen Kinder mit ihrer staatlichen Verblödung werden in Zukunft jedem Rattenfänger, gleich welcher Couleur folgen – wohin auch immer.

      • merxdunix says:

        Wenn der Papst nicht falsch zu verstehen ist, dann auch nicht richtig. Also hat er nichts gesagt und ScienceFiles hat nichts, worüber sie schreiben könnten, das der Papst gesagt hätte. Demnach habe ich auch nichts an ScienceFiles Artikel zu kritisieren, weil da nichts steht, was der Papst gesagt haben könnte. Somit sind wir wieder beim wortgewaltigen Schweigen eines Dr. Murkes.

        Zu Ihrer Frage, was ich will: Nur deutlich machen, dass wenn man den Papst schon falsch versteht, ihn auch richtig verstehen sollte. 😉

        • Roland says:

          Brillianter Sophismus. Ich bin entzückt!

        • corvusalbusberlin says:

          Klemmen Sie sich Ihren “Trugschluss ” ans Auto, gut sichtbar, damit der Papst in Zukunft richtig verstanden wird.

          • merxdunix says:

            “Der Papst – keiner versteht ihn, doch alle wissen, was er meint.” Würde das gehen?

            • corvusalbusberlin says:

              Ne, geht gar nicht.
              Abgesehen von unserem Vorgeplänkel: Die meisten verstehen diesen Stellvertreter sehr gut und wissen auch sehr gut was er meint. Darum fallen ja auch so viele “vom Glauben ” ab.
              Auf einen Nenner gebracht:
              Er ist ein Heuchler – predigt Wasser und säuft selbst Wein.
              Würde das gehen?
              Ist auf jeden Fall weniger sophistisch.

  6. Jürg Rückert says:

    Die folgende Anekdote soll wahr sein, ich hörte sie noch in den 60iger Jahren:
    Eine Gruppe von Nazis, auf der Suche nach dem 1000jährigen Reich, fragten in einem Domkapitel an, wie es die katholische Kirche geschafft habe, 2000 Jahre zu überdauern.
    Damit endet die Geschichte, die Antwort ist leider verschollen. Aber offenkundig haben die braunen Sucher den Gral nicht gefunden …

    Wahr ist, dass die katholische Kirche ein Anachronismus in der westlichen Hemisphäre darstellt: Eine stramm durchorganisierte Truppe. An der Spitze ein Kaiser Kephas, dann kommen die purpurnen Fürstbischöfe (mein Gott, was bin ich froh, dass ich nie Kardinal wurde!), dann die weiteren Offiziersgrade, die Unteroffiziere (auch Diakone genannt), die einfachen Knechte und Mägde.
    Die Hierarchie ist gesichert durch Salbungen und Segnungen. So wie der König kraft einer Salbung Gottes nicht hinterfragbarer Vertreter in weltlichen Dingen war, so ist es der Klerus in geistlichen bis heute.

    Berührungspunkte zwischen Kirche und Hitler (wie auch bei Stalin!) gibt es durchaus aufgrund dessen christlicher Sozialisierung.
    So geriet der „Führer“ in einer Rede ins Schwärmen und entlieh in kindlichen Erinnerungen dem katholischen Kult kraftvolle Worte: „mit der Kraft und der Macht und der Herrlichkeit …“
    Ein Gnadenbild wurde vom Papst gesegnet und geht seither Gnaden bringend auf Reisen, ein altes Ritual (habe persönlich nichts dagegen). Hitler weihte mittels Berührung seiner Hand und einer „Blutfahne“ (benetzt mit dem Blut eines gefallenden Nazistraßenkämpfers) weitere Fahnen, die dann wie Fetische in den Kampf getragen wurden.
    Wer hier Grabungen vornimmt, wird rasch fündig.

    Mein hauptsächliche Dissonanz mit diesem Papst beruht auf dessen Blindheit in Bezug auf den anstürmenden Islam. Die Parole in Rom lautet: „Assisi statt Lepanto“. Was aber folgt heißt dann „Mekka statt Rom“.

    • merxdunix says:

      @ Jürg
      So wie ich die katholische Kirche kenne, lautet die Parole “Assimilation statt Segregation” und daraus folgt dann “Mekka in Rom”. Somit sind auch 2500 Jahre locker drin.

  7. altermann says:

    Ich erwarte stündlich das Vorpreschen des Vatikans um das Reichskonkordat mit Adolf Hitler als faschistisches Unrecht abzuschaffen.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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