Reiner Unsinn: Die Deutschen und ihr Problem mit der Wirtschaft

Wirtschaft, Wirtschaft ist schlecht. An Wirtschaft macht man sich besser nicht die Hände schmutzig. Wirtschaft, das sind Bonzen, egoistische Bonzen, multinationale Konzerne, multinationale Umweltverschmutzer, multinationale Arbeiterausnutzer und egoistisch und nutzenmaximierend sind sie obendrein.

Der Staat und seine Funktionäre, die Parteien, die Gewerrkschaften, das sind die Reinen, die Guten, die Gesegneten, die Wohlwollenden, die, die im Auftrag des Wählers unterwegs sind, um Gutes zu tun, um reine und altruistische Werte in der Gesellschaft durchzusetzen, frei von Eigeninteresse und Nebenwirkungen aller Art.

Deutsche BonzenBildung, Bildung, das ist ein reines Gut. Gute, richtige, politisch korrekte Bildung, wie sie z.B. den Funktionären der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft vorschwebt, das ist …, eben gute, reine, wichtige und richtige Bildung, und Forschung natürlich, und damit die Bildung und die Forschung und die Wissenschaft und alle Bildungsinstitutionen gut und rein und pur und unbeschmutzt sind, damit die Schüler, die Lehrer, die Studenten, die Dozenten und Professoren sich der reinen Verkündung reinen Wissens in einer reinen Umgebung, frei von unreinen egoistischen Interessen und Einflussnahmen schmutziger Art, entfalten und vor allem grundsätzlich und wie immer rein und altruistisch und gesellschaftsdienlich forschen können, deshalb muss man die Wirtschaft aus den heiligen Hallen der Bildung fernhalten; Sie ausschließen vom Zugang zu Schulen, Fachhochschulen und Universitäten.

Es droht das Verderben: die Ökonomisierung!

Diese Gefahr haben schon vor geraumer Zeit die GEW und deren Vize Andreas Keller erkannt. Und mutig, im rein-weißen Hemd des Kämpfers für das deutsche Reinheitsgebot der Bildung, ist Keller dem Wolf der Wirtschaft entgegengetreten und hat gefodert: “Ausverkauf von Forschung und Lehre stoppen“.

Alles, was er sonst noch gefordert hat, findet sich heute in einem Beitrag auf Tagesschau.de, in dem eine Sandra Stalin_ski unter der Überschrift “Die Wirtschaft mischt sich ein”, zunächst das Horrorszenario entwickelt, dass Studenten bald an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena keine vedischen Schriften mehr übersetzen können.

Warum?

Wegen der Ökonomisierung. Die Ökonomisierung verlangt nämlich von Hochschulen, dass an ihnen verwendbares Wissen vermittelt wird, dass das Angebot der Hochschulen auf den Bedarf der Gesellschaft, nein, der Wirtschaft ausgerichtet wird, und dort braucht man keine Veden-Übersetzer – das jedenfalls meint Frau Stalinski – und die muss es wissen.

Der gute Staat1,3 Milliarden kommen aus der Wirtschaft an die Hochschulen, so lamentiert Stalinski weiter, was besonders schlimm ist, denn die Hochschulen sind klamm, will heißen: Die Wirtschaft nutzt es schamlos aus, dass die Hochschulen von ihrem öffentlich-rechtlichen Träger an der kurzen Leine gehalten werden, eine Leine, die so kurz ist, dass die Hochschulen klamm sind, korrumpierbar sind und ein gefundenes Fressen für den wirtschaftlichen Wolf, der nur darauf wartet, Beschäftigte an Hochschulen einvernehmen und für seine Interessen einsetzen zu können.

Ganz im Gegensatz zu staatlichen Institutionen, die natürlich ebenso wenig wie Gewerkschaften oder Parteien versuchen, Einfluss auf Hochschulen zu nehmen. Dass Bundesministerien Professuren mit zweifelhafter Denomination und mehr als zweifelhaftem Wert, z.B. die Professur von Heinz-Jürgen Voss für “die nachhaltige Verankerung und die Fortentwicklung der Forschung zum Thema ‘Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung'” an der Fachhochschule Merseburg finanzieren, ganze Studiengänge wie die Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin eingerichtet haben und mit dem Professorinnenprogramm nicht schamlos einen finanziellen Köder vor die Nase der finanziell klammen Hochschulen halten, den die meisten Rektoren nur zu gerne aportieren, das ist natürlich keine Einflussnahme. Es entspringt einem reinen Geist, einem reinen Interesse, reinen Motiven, die direkt aus dem ministerialen Paradies stammen, kurz: es ist reiner Unsinn.

pure nonsenseEbenso reiner Unsinn, wie die nicht vorhandene Einflussnahme von Parteien und Gewerkschaften, die über ihre politischen Vereine Stipendien vergeben, um Kader zu rekrutieren, Steuergelder aufwenden, um Legitimationsforschung zu beauftragen, Professoren rekrutieren, um in einem wissenschaftlichen Beirat einerseits auf Linie getrimmt zu werden, andererseits für die notwendige wissenschaftliche Legitimation der parteipolitischen oder gewerkschaftlichen Agitation unter dem Deckmantel der Bildung zu sorgen.

Das alles ist vollkommen unbedenklich, denn es ist rein und pur und gut und schön und vor allem nicht Wirtschaft.

Wirtschaft dagegen, Wirtschaft ist schlecht, ist böse. Wenn Unternehmen Stiftungsprofessuren einrichten, um auf die Ausbildung an Hochschulen Einfluss zu nehmen und zu verhindern, dass die Absolventen so gar überhaupt keine Ahnung von dem haben, was in Unternehmen gefodert wird, dann ist das egoistisches Selbstinteresse von Unternehmen und nicht zu vergleichen damit, dass die Netzwerker aus politischen Stiftungen und Genderlehrstühlen sich regelmäßig zum Netzwerken am kalten Buffet der Klageveranstaltung treffen, bei der über den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft lamentiert wird, während das Buffet von Steuerzahlern finanziert ist.

Gleiches gilt für die Unternehmen, die teure Gerätschaften finanzieren und im Gegenzug von Hochschulen erwarten, dass auch Interessen der finanzierenden Unternehmen in den Forschungsgegenstand einfließen. Wie egoistisch und schmutzig, die reine Lehre und Forschung zerstörend diese Unternehmen doch sind.

Ganz anders die Finanzierung von Legitimationsstudien durch öffentlich-rechtliche Institutionen, die bereits durch die Vorgabe der Fragestellung Einfluss auf das Ergebnis nehmen. Natürlich nur, damit die Ergebnisse auch wissenschaftlich rein und richtig und pur und ohne Einflussnahme von außen durch die reinen Mägde der Wissenschaft gewonnen werden können.

Drittmittel an HochschulenDichotome Darstellungen sind der Deutschen Alpha und Omega. Wenn die Welt nicht in Gute und Böse eingeteilt werden kann, dann ist die deutsche Welt nicht in Ordnung. Und weil die Bösen in der Wirtschaft sind, müssen die Guten beim Staat, in Gewerkschaften und in Parteien sein. Eigentlich erstaunlich, dass ein deratiger, reiner Unsinn funktioniert. Aber er tut es.

Sandra Stalinski hat es gerade wieder bewiesen, dass dieser Unsinn funktioniert. “Die Wirtschaft mischt sich ein.” Ja, sowas auch. Die Wirtschaft hat Interessen, eigene Interessen, wirtschaftliche Interessen, egoistische Interessen, pfui. Wie gut, dass es die interesselosen, guten und altruistischen Parteien, Gewerkschaften und staatlichen Institutionen gibt, sonst wäre man als Deutscher den Wölfen aus der Wirtschaft schutzlos ausgeliefert und müsste mit ansehen, wie sie die Hochschulen kapern und das Professorinnenprogramm durch Informatiklehrstühle und Genforschung und Astrophysik-Lehrstühle ersetzen.

Nicht auszudenken.

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32 Responses to Reiner Unsinn: Die Deutschen und ihr Problem mit der Wirtschaft

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  3. A.S. says:

    Das liebe Verhältnis zum Staat. Wie sich in Deutschland nach den beiden Weltkriegen und der DDR ein derartiger Staatsglaube halten konnte ist mir völlig schleierhaft. Nahezu jede Schweinerei der deutschen Geschichte ging vom Staat aus, niemals von der Wirtschaft. Staaten erklären Kriege, nicht Konzerne, Staaten begehen Massaker, nicht Konzerne, Staaten stellen Zwangsarbeiter zur Verfügung, nicht Konzerne, Staaten erschießen Andersdenkende, nicht Konzerne, Staaten sperren Menschen nach Gutdünken weg, nicht Konzerne, Staaten gehen plündernd durch die eigene Bevölkerung (genannt als Steuer oder Verkehrsüberwachung), nicht Konzerne. Konzerne treiben Handel miteinander und zwingen Menschen zu nichts. Wenn man von einem Konzern nichts wissen will kann man einfach gehen. Wenn man vom Staat nichts wissen will hat man ein richtiges Problem.
    Und welche Konsequenz zieht man daraus? Mehr Staat…… Eigentlich ein Fall für den Psychologen.

    • Jo Dee Fostar says:

      @A.S.

      Ganz so einfach kann man das leider auch nicht sehen, Konzerne nehmen schon Einfluss auf Staaten um ihre Interessen durch zusetzen. Konzerne profitieren auch im großen Stil von staatlichen Aufträgen. Wenn Konzerne in Monopolen oder Oligopolen auftreten, dann kann man auch nicht so einfach gehen.

      Es ist meiner Meinung nach so dass man einfach beides benötigt, Staat und Konzerne ( Unternehmen ). Es ist die Aufgabe der Gesellschaft die schwarzen Schafe auf beiden Seiten zu identifizieren und öffentlich zu machen.

      Mit der Saatshörigkeit stimme ich ihnen zu, das hat sich leider so in das Bewusstsein eingebrannt.

      Schönen Tag zusammen.

      • A.S. says:

        “Konzerne nehmen schon Einfluss auf Staaten um ihre Interessen durch zusetzen” = Missbrauch von staatlicher Macht, ein Staat hat neutral zu sein.
        “Konzerne profitieren auch im großen Stil von staatlichen Aufträgen” = Möglicherweise ein Missbrauch von staatlicher Macht, ein Staat hat neutral zu sein.
        “Wenn Konzerne in Monopolen oder Oligopolen auftreten” = Versagen von staatlicher Macht. Ein Staat hat Monopole zu verhindern.

        Ergo: Man kann das durchaus so einfach sehen. Das man beides braucht, dem stimme ich zu. Die Frage ist nur wer welche Rolle hat.

        • tuka says:

          Und natürlich ist Monopol nur Stichwort, genauer geht es darum zu verhindern das eine kleine Gruppe Gruppe von Leuten eine Machtposition erhält, die den Bestand des Staates gefährdet. Zum Beispiel auch Gewerkschaften (Meinungskartelle), Arbeitgeberverbände (ökonomische Kartelle) und auch politische Gruppierungen (halt politische Kartelle)

          Der Gegenentwurf ist persönliche Veranwortung. Mir gefällt zum Beispiel der Gedanke, dass Politiker denen ein Gesetzentwurf vom Verfassungsgericht kassiert wurde, im Anschluss für das bestraft werden was sie gemacht haben: Einen organisierten Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung eines Staates, also Hochverrat.

          Wären Politiker persönlich verantwortlich, bräuchte man nicht über Vorratsdatenspeicherung oder NSA-Zulieferung sprechen.

    • hope says:

      Das ist schon sehr einfach. Die Einfachheit läßt sich schon mit dem Waffenhandel in Krisengebiete widerlegen.Oder mit dem Wechsel von Politkern in die Wirtschaft.Oder mit den 26 mal mehr Lobbyisten in in Brüssel als EU-Abgeordneten.

      Der Artikel ist aber auch sehr einfach. Sowas einfaches ließt man nicht mal im Mainstream. Oder hat hier jetzt jemand anderes jetzt die Aktienmehrheit?

      • A.S. says:

        Dann widerlegen Sie die Einfachheit doch.
        Und gleich vorneweg: Die Verquickung von staatlicher Macht mit Wirtschaft ist ein Missbrauch von Macht durch den Staat bzw. dir handelnden Politiker.

        • hope says:

          Der Staat ist nachhaltig von Wirtschaftsinteressen korrumpiert worden. Korruptheit bedarf immer eines Gegenparts.
          Wir haben es mit einer Verselbständigung des Eigennutzes zu tun und dieser Eigennutz besteht in sinnloser Kapitalanhäufung. Der Eigennutz wird vollständig ausgeblendet.

          “Wirtschaft, das sind Bonzen, egoistische Bonzen, multinationale Konzerne, multinationale Umweltverschmutzer, multinationale Arbeiterausnutzer und egoistisch und nutzenmaximierend sind sie obendrein.” Dann ist das also nicht so? Die Maximen sind völlig irrig. Der Artikel besteht aus einer Aneinanderreihung von Behauptungen. Praktisch hat sich der Autor mit der Finanzkapitalhegemonie abgefunden, ja, er hat sich ihr unterworfen wie der Christ sich dem lieben Gott unterwirft.Oder der Antichrist dem Teufel.

          Wer auf die falsche Art sucht, der findet nichts.

          • A.S. says:

            Was wollen Sie mitteilen? Wollen Sie jetzt den von Wirtschaftsinteressen korrumpierten Staat verteidigen? Oder behaupten ohne die Wirtschaft wäre der Staat eine Sammlung von selbstlosen Heiligen die nur und ausschließlich das Wohl der anderen im Sinn haben?
            Ich kann dem nur entnehmen, dass Sie die Wirtschaft gleichsetzen mit egoistischen Bonzen mit multinationale Umweltverschmutzern und multinationale Arbeiterausnutzern. Also dass Sie Wirtschaft dermaßen hassen, dass Sie anscheinend nicht mehr in der Lage sind Kritik am Staat auszuhalten ohne dass dabei die Wirtschaft als Quell allen Übels identifiziert wird.
            Auch wenn Leute wie Middelhoff oder aktuell die Deutsche Bank ein schlechtes Licht produzieren: Wir leben alle von der Wirtschaft. Jede Sozialmaßnahme wird von der Wirtschaft finanziert, jede einzelne Unterrichtsstunde an Schulen wird von der Wirtschaft finanziert, Renten werden von der Wirtschaft finanziert usw.

          • Marcel Elsener says:

            @hope

            >Der Staat ist nachhaltig von Wirtschaftsinteressen korrumpiert worden. Korruptheit bedarf immer eines Gegenparts.

            Es fängt schon damit an, dass Sie Wirtschaftsinteressen postulieren, die den Staat angeblich korrumpieren. Das ist aber Unsinn. Es gibt keine Wirtschaftsinteressen, weil die Wirtschaft insgesamt kein zielgerichtet handelnder Akteur ist und somit auch keine eigenen Interessen verfolgen kann. Es gibt lediglich diverse Akteure (Einzelmenschen, zielgerichtete Gruppen und Unternehmen), die ihre jeweils eigenen Interessen verfolgen; und die Wirtschaft wiederum ist das Feld, in dem die Interessenausgleiche und Interaktionen unter diesen Akteuren (vulgo Marktteilnehmer) stattfinden, teilweise kooperativ, teilweise konkurrierend, teilweise vollkommen unabhängig voneinander.

            Wenn aber die Wirtschaft keine eigenen Interessen verfolgen kann, kann sie logischerweise auch nicht den Staat korrumpieren. Allenfalls können einzelne Wirtschaftsakteure versuchen, den Staat in ihrem Sinne zu korrumpieren; das passende Gegenstück sind dann korrupte Repräsentanten des Staates, die bei der Korrumpierung mitmachen und ihren eigenen Nutzen daraus ziehen. Diese Korrumpierung/Korruption kann aber nicht der Wirtschaft insgesamt angelastet werden sondern nur jenen, die direkt daran beteiligt sind und vielleicht noch jenen, die davon wissen und sie dulden, obwohl sie sie beenden könnten.

            >Wir haben es mit einer Verselbständigung des Eigennutzes zu tun und dieser Eigennutz besteht in sinnloser Kapitalanhäufung. Der Eigennutz wird vollständig ausgeblendet.

            Eigennutz ist dem Menschen selbst innewohnend. Jedes Individuum ist sozusagen eine fleischgewordene Ausprägung des verselbständigten Eigennutzes. Der Eigennutz wird in der Wirtschaft keineswegs ausgeblendet sondern ist DIE Triebfeder jeder wirtschaftlichen Tätigkeit. Der pure Eigennutz treibt uns an, einem Unternehmen unsere Arbeitskraft zu verkaufen. Der pure Eigennutz treibt den Unternehmer an, den Kunden seine Produkte zu verkaufen. Und der pure Eigennutz treibt die Kunden an, diverse Produkte zu kaufen, von denen sie sich einen Gewinn oder einen Nutzen versprechen.

            Dass dieser in der Wirtschaft ausgelebte Eigennutz in einer ‘sinnlosen Kapitalanhäufung’ besteht, ist wohl Ihr Dogma, hope, das wir hier einfach glauben sollen. Die blosse Kapitalanhäufung mag für einige wenige Wirtschaftsteilnehmer tatsächlich wichtig sein; für die meisten ist das aber kein Selbstzweck, d.h. sie geben das angehäufte Kapital auch wieder aus für Dinge, die ihnen wichtiger sind als angehäuftes Kapital, das ja nichts anderes als einen völlig abstrakten Wert darstellt. Den Typen des Geld in einem Geldspeicher hortenden und darin badenden Kapitalisten gibt es ausserhalb der Disney-Comics nirgends.

            >“Wirtschaft, das sind Bonzen, egoistische Bonzen, multinationale Konzerne, multinationale Umweltverschmutzer, multinationale Arbeiterausnutzer und egoistisch und nutzenmaximierend sind sie obendrein.” Dann ist das also nicht so?

            Nein, das ist nicht so. Die Wirtschaftsteilnehmer sind darauf angewiesen, dass das, was sie anbieten, ihnen auch freiwillig abgekauft wird. Deswegen können sie keineswegs völlig egoistisch im Markt agieren sondern müssen die Bedürfnisse ihrer potentiellen Kunden kennen. Der erfolgreiche Unternehmer ist derjenige, der seinen Kunden etwas verkauft, womit diese zufrieden sind, und er selbst dabei mit einem konkurrenzfähigen Produktpreis noch einen Gewinn erzielt. Der ausbeuterische Unternehmer hingegen, der minderwertige Ware zu überhöhten Preisen verkauft in der Hoffnung einen maximalen Profit einzustreichen, wird im freien Markt schnell untergehen.

            Das gilt übrigens auch in Bezug auf den Arbeiter, der seine Arbeitskraft einem Wirtschaftsunternehmen feilbietet. Wenn er einen marktwirtschaftlich überhöhten Lohn fordert, dann ist er schnell weg vom Arbeitsmarkt. Er sollte sich dann schon aus purem Eigennutz überlegen, ob er in seiner Lohnforderung entweder bescheidener wird, damit seine Arbeitskraft konkurrenzfähig wird und dann abgekauft wird, oder ob er alternativ eine andere Arbeitsdienstleistung anbietet, für die er einen höheren Lohn fordern kann – beispielsweise indem er den Beruf wechselt oder sich in seinem angestammten Beruf auf eine höherbezahlte Position mit Führungsverantwortung hocharbeitet oder Überstunden leistet.

            Umgekehrt wird der Unternehmer, der seinen Arbeitern viel zu tiefe Löhne zahlt, schon bald ohne Arbeiter dastehen, da diese andernorts für die gleiche Arbeit besser bezahlt werden und deswegen den Arbeitgeber wechseln. Ein Streik des Arbeiters ist nicht einmal notwendig, ein blosser Stellenwechsel genügt. Die Abstimmung mit den Füssen funktioniert immer.

            >Die Maximen sind völlig irrig. Der Artikel besteht aus einer Aneinanderreihung von Behauptungen. Praktisch hat sich der Autor mit der Finanzkapitalhegemonie abgefunden, ja, er hat sich ihr unterworfen wie der Christ sich dem lieben Gott unterwirft.Oder der Antichrist dem Teufel.

            Womit sich der Autor abgefunden hat, weiss ich nicht. Er beschreibt aber zutreffend die bizarren Vorurteile, die bei Exponenten diverser marktfeindlicher Ideologien vorherrschen. Normalerweise handelt es sich um Ideologen, die sich nie den harten Erfordernissen eines freien Marktes stellen mussten sondern es sich in privilegierten geschützten Biotopen (z.B. der staatlichen Bürokratie, der staatlichen Wohlfahrt oder einer staatlich subventionierten Institution) gemütlich einrichten konnten. Abgesehen von Mafiabanden ist nur der Staat in der Lage mittels Ausübung von nackter Gewalt die Wirtschaftsteilnehmer zu zwingen, einen Teil ihrer erarbeiteten Wertschöpfung ohne adäquate Gegenleistung abzugeben und so diesen unproduktiven Wasserkopf der Staatsgünstlinge zu subventionieren.

            Die sogenannte Finanzkapitalhegemonie ist nichts anderes als ein marktfeindliches Kartell zwischen Staat, Zentralbank und bestimmten Geschäftsbanken, das sich an allen übrigen Wirtschaftsteilnehmern bereichert. Wer in einer solchen Situation dem Staat noch mehr Macht zuschanzen will, wird das Kartell nur noch mehr damit stärken – eine völlig unlogische Vorgehensweise, die aber bei jenen Leuten, die von Marktwirtschaft keine Ahnung haben und/oder marktfeindlichen Affekten unterworfen sind, sehr beliebt ist.

            Freier Markt heisst also die beste Lösung gegen Ausbeutungsverhältnisse. Denn in einem freien Markt kann jeder seiner Ausbeutung entgehen, indem er seine eigenen Freiheiten nutzt. Freilich bei einem ausbeuterischen Territorialstaat ist das ungleich schwieriger, weil dieser eben Macht in einem mehr oder weniger grossen Territorium ausübt und dabei auch den freien Markt unterdrückt.

            BTW: Der Antichrist ist nach christlicher Theologie der Teufel und kann sich damit nicht sich selbst unterwerfen.

            >Wer auf die falsche Art sucht, der findet nichts.

            Nichtssagender Satz.

            • hope says:

              “Der Staat ist nachhaltig von Wirtschaftsinteressen korrumpiert worden. Korruptheit bedarf immer eines Gegenparts.

              Es fängt schon damit an, dass Sie Wirtschaftsinteressen postulieren, die den Staat angeblich korrumpieren. Das ist aber Unsinn. ”

              Ich postuliere keine Wirtschaftsinteressen, die Wirtschaft hat aus ihrer Natur ein bestimmtes Interesse und das heißt in unserer kapitalistischen Welt: Wachstum! Das ist also kein Unsinn. Sie postulieren einfach, das sei Unsinn. Oder wollen Sie mir auch weismachen, daß wir keinen Kapitalismus hätten und Gewinne und Umsätze keine Rolle spielen in den Manageretagen?

              Der Artikel ist unter aller Kanone. Banal, realitätsverzerrend, ja regelrecht realitätsblind. Und daß sowas Weltfremdes verteidigt wird, das erschüttert mich nun doch. Die Alphabetisierungsquote scheint hier nicht sehr hoch.

              Wahrscheinlich müßte ich was Nettes sagen, denn schließlich ist das hier betreutes Schreiben. Da scheiße ich drauf!

      • Enrico says:

        Woran machen Sie denn die Einschätzung fest, dass der Artikel sehr einfach ist?

        • hope says:

          Gestern hat mich ein Kunde angemacht. Ich sagte, dafür bin ich nicht zuständig gewesen, ich bin noch nicht mal Teil dieser Firma. Er sagte, das sei ihm egal, er wollte das einfach mal loswerden.

          s.o.

    • Roland says:

      “Das liebe Verhältnis zum Staat. Wie sich in Deutschland nach den beiden Weltkriegen und der DDR ein derartiger Staatsglaube halten konnte ist mir völlig schleierhaft”

      Ich versuche mich mal an einer Entschleierung und behaupte, dass die beiden Weltkriege und die DDR Symptome für eine kulturelle, identitätsstiftende Staatshörigkeit sind. Schrebergarten Fritz schafft sich sein eigenes kleines Deutschland innerhalb von Deutschland, gerade weil ihm das große Deutschland noch nicht reguliert genug ist. 😀

    • Waffenstudent says:

      Mit Verlaub mein Herr, das sehe ich ganz anders; denn gerade die privaten Companies betrieben den Sklavenhandel, rotteten die nord-amerikanischen Steppenindianer samt Bisons aus. Alle niederländischen Kolonien sind praktisch mit privatem Geld und Gewalt erworben worden. Als die Investoren alles hatten, aber pleite waren, da durfte dann die Krone ran, und ihre Seewege sichern. http://de.wikipedia.org/wiki/Ostindien-Kompanie Die Finanziers von Vasco da Gama, Columbus und Marco Polo waren alle Privatinvestoren. Die erste deutsche Kolonie in Südamerika finanzierten die Fuggers.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Klein-Venedig_%28Venezuela%29 Auch Deutsch-Ost-Afrika wurde als private Kolonie gegründet. http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Ostafrika Und ebenso war es in Deutsch-Südwest Kamerun und Togo. Heute befinden Banken darüber, ob es zum Krieg kommt: Der Bau der Bagdad-Bahn veranlaßte Banken 1914 zum Krieg gegen das Deutsche Reich. Staaten sind meist immer derart pleite, daß sie die Vorfinanzierung eines Krieges gar nicht stemmen können! Wer finanziert heute die Kriege im Morgenland, der Ukraine und Rumänien, richtig, die Banken! Ohne die Abhängigkeit des russischen Adels von US-Banken, dort waren Rußlands Oligarchen bis zum Stehkragen verschuldet, wär der Erste Weltkrieg 1914 gar nicht ausgebrochen. – Und zur DDR/SBZ, Banken rafften und machten Reibach!

      • A.S. says:

        Den ersten Weltkrieg haben Banken entschieden? Und Wilhelm II war dann hilfloses Opfer des Finanzkapitals und konnte gar nicht anders? Und welcher Konzern hat dann Hitler zum zweiten Weltkrieg gezwungen und soweit unter Druck gesetzt, dass er sogar Massenmord begehen musste?

        Ich fasse die Logik mal zusammen:
        Staaten sind dermaßen Pleite, dass sie sich Geld leihen müssen für Kriege. Und daraus folgern Sie, dass Banken entscheiden können, dass Staaten Krieg führe müssen?

        Bitte nicht böse sein, aber das ist nicht ernst zu nehmen.

  4. Habnix says:

    Wo Reichtum ist, da ist auch Armut.

    • hgb says:

      Und wo kein Reichtum ist, da ist nur Armut.

      • Habnix says:

        Und wo keine Armut ist, da ist nur Reichtum.

        Minus mal Minus ergibt Plus Minus mal Plus ergibt Minus Plus

      • hope says:

        Der Umkehrschluß stimmt nicht. Konrad Adenauer hatte den Spitzensteuersatz bei 250.000 DM Jahreseinkommen auf 96% festgesetzt. Die Börse war streng reguliert und die Kapitalertragssteuer hoch.

        Der Wohlstand ging in die Breite, weil die Gewinne sofort reinvestiert worden sind. Anfang der 70er Jahre war die Arbeitslosigkeit auf 300.000 gesunken. Bettelei und Armut waren nahezu unbekannt.

        Das Grundgesetz enthält die bemerkenswerte Aufforderung: Eigentum verpflichtet.

        • Waffenstudent says:

          @ hope

          Sehr Gut! Vor allem wurden die Gewinne damals in der Region reinvestiert. Und diese Investitionen führten zu einer greifbaren Verbesserung der Lebensumstände. Was hat heute der Schlossergeselle davon, wenn sein Chef den satten Firmengewinn in eine Kokosnußplantage auf den Seyschellen investiert?

  5. Habnix says:

    Die GDL ist scheinbar die einzige Freie Gewerkschaft.Warum sind die Konzern-Medien blos so ein Blasrohr für Politiker und Unternehmer und kämpfen damit gegen die GDL?

    Die Verdi und wie sie alle im Dachverband des Deutschen Gewerkschaftsbund alle heisen,sind mir leider ein wenig zu nah an der Politik und die wiederum zu nah an der Wirtschaft mittels Konzern-Lobbyisten.

    Ein kurzer Einblick hinter dem Vorhang.

    • Das kann man jetzt glauben, oder man kann es lassen.

    • Roland says:

      Die Konzern-Medien…

      Interessant. Jeder kaffeesatzliest das aus dem Rundfunk heraus, was ihm gerade nicht passt und jeder sieht in den Medien gerade das Propaganda-Sprachrohr wovor er sich am meisten fürchtet. Aber was heißt schon fürchten. Man sorgt sich ja mehr um das ideologische Wohl aller anderen Rundfunknutzer, die Gefahr laufen nicht mehr den eigenen Überzeugungen zu entsprechen. Nicht wahr?

      Warum kratzt sich diesbezüglich eigentlich niemand am Kopf?

  6. Waffenstudent says:

    Von Hitler, Henkel, Scheel und Contergan, sowie der ungezügelten singulären Freiheit unserer Professoren und Richter in der BRDDR – Peter Plichta berichtet aus der Praxis:

    http://www.plichta.de/plichta/home/persoenlicher-lebenslauf

  7. Chris4You says:

    Da zu gibt es einen interessanten Artikel hier:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rot-gruene-hochschulgesetze-sie-sagen-zukunft-sie-meinen-steuerung-12703603.html
    Zitat: “Was das heißen soll, daran lässt der Entwurf keinen Zweifel. Man möchte die Hochschulen eng an die Kandare der Politik nehmen. In Hochschulverträgen sollen für jede einzelne von ihnen „messbare“ Entwicklungsziele sowie Maßnahmen für den Fall festgelegt werden, dass sie nicht erreicht werden. Darüber hinaus behält sich das Ministerium vor, fast jedwedes Strukturelement einer Hochschule selbst in seinen Entwicklungsplan aufzunehmen: Die Zahl und Art der Fächer an einem Standort, wie viele Studenten zugelassen werden sollen, sogar das Recht, einem Fachbereich die Promotionserlaubnis zu entziehen, will sich das Ministerium vorbehalten.”.
    Und nimmst Du nicht das Gendern auf, dann nimmt das Ende seinen Lauf. Die Lehre nimmer frei, geht damit auch gleich entzwei… oder so ähnlich …

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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