… so lautet der Titel eines Buches, das gerade bei Velbrück Wissenschaft erschienen ist. Auf 276 Seiten, zum Preis von 34,90 Euro, das macht rund 13 Cent pro Seite, präsentieren Nico Stehr und Marian Adolf alles, was man über Wissen, Macht, Wissen als Macht und Macht durch Wissen oder Wissen zur Macht oder was Wissen zur Macht macht wissen muss, oder so.
Aber urteilen Sie selbst:
„Die Allgegenwart des Begriffes verhindert nicht, dass Wissen doch ein weitgehend rätselhaftes Phänomen bleibt. Beladen mit philosophischer Schwere, zugleich gekennzeichnet von lästiger Flüchtigkeit, bekommen auch die Sozial- und Kulturwissenschaften Wissen nur schwer zu fassen. Als gesellschaftliche Größe wiederum wird Wissen stets hofiert, selten jedoch expliziert. Wir unterscheiden selten zwischem dem Wissen von und dem Wissen wie und überlassen Wissen der Wissenschaft und Technik. Was aber passiert, wenn man Wissen als soziales Geschehen begreift?
Wissen Sie, wir wissen ja nicht was Sie wissen, und vermutlich macht das nichts, denn Wissen ist ein rätselhaftes Phänomen, das mit einer lästigen Flüchtigkeit beladen ist, die dazu führt, dass man gestern noch wusste und heute schon nicht mehr, geschweige denn, das man heute weiß, was man morgen weiß oder je wissen wird, was man wissen könnte, wenn man es denn wissen wollte oder auch nur Wissen hätte.
Ja, die philosophische Schwere des Wissens, sie wiegt schwer auf denen, die wissen oder zu wissen glauben oder dem flüchtigen Wissen hinterherflüchten, immer auf der Flucht vor dem Nichtwissen, jenem Nichtwissen, das nicht nach dem Wissen von fragt oder dem Wissen wie oder dem Wissen um oder dem Wissen zu, nein, jenes Nichtwissen, das Wissenschaft und Technik walten lässt, obwohl zumindest die Sozial- und Kulturwissenschaften auch nicht wissen und voller lästiger Flüchtigkeit sind, die so flüchtig ist, dass man fast schon wieder das Wissen von und um und über diese Flüchtigkeit haben könnte, was wir aber ob der Lästigkeit, mit der das Wissen flüchtet, just in dem Moment, in dem wir die Seife des Wissens in der Badewanne der Erkenntnis greifen, aus dem Griff verlieren.
Wir wissen entsprechend mit Sokrates, dass wir nichts wissen, und weil wir nichts wissen, wissen wir zumindest das, dass wir nichts wissen, was ja auch ein Wissen ist.
Und weil wir zumindest dieses Wissen um das Nichtwissen haben, wissen wir – im Gegensatz zu Stehr und Adolf -, dass nicht Wissen von der Gesellschaft hofiert wird, sondern formale Bildung, Bildungstitel, die sich in Status oder Geld transferieren lassen. Dass viele formal Gebildete nichts wissen, dass nichts zu wissen kein Hinderungsgrund ist, um der Wissenschaft zugemutet zu werden, dass Nicht-Wissen somit nicht Nicht-Macht und Wissen entsprechend nur dann Macht ist, wenn es mit einer gesellschaftlichen Position verbunden ist, weshalb Position und Wissen nichts direkt miteinander zu tun haben, ist eine weitere, jener philosophisch schwer konklusiven Erkenntnisse, mit denen wir geschlagen sind, die wir wissen.
Ist also Wissen Macht?
Blick in die Runde.
Blick in den Bundestag.
Blick in die Medien.
Blick in den Fernseher …
Blick in den Fernseher…
Ja.
Wissen ist eindeutig Macht, die Macht, den Fernseher abzustellen, die Macht die Medien Medien sein zu lassen, die Macht, Bundestagsabgeordnete zu belächeln und sich ansonsten mit interessanteren Fragen zu beschäftigen oder intelligente Bücher zu lesen, in denen Autoren wissen, was sie wozu wie und warum sagen wollen, trotz aller lästiger Flüchtigkeit und intellektueller Schwere, die manches Wissen nun einmal mit sich bringt.
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„Was aber passiert, wenn man Wissen als soziales Geschehen begreift?“
Diese Frage macht keinen Sinn, denn Wissen ist entweder welches oder nicht. Die Frage klingt verdächtig nach einer Spätanwendung des Konstuktivismus aus den 60er-Jahren, der inzwischen so viele Male (z.B-von Paul Boghossian in „Fear of Knowledge“) als Unsinn erwiesen wurde, dass man sich fragt, wie das noch jemand ernst nehmen kann. Oder vielleicht ist das eine Übung in Extrem-Relativismus, der ebenso wenig haltbar ist, denn wie gesagt:
„Wissen“ ist weder welches oder nicht, d.h. eine Aussage oder ein Phänomen steht im Einklang mit der beobachtbaren Realität oder nicht. Manchmal hält man etwas für Wissen, was sich bei Überprüfung aber als falsch erweist. Dann verliert das vermeintliche Wissen seinen Status als Wissen und wandert in die Kategorie des Irrtums. Was mehr gibt es dazu zu sagen?!?
So funktioniert nicht nur Wissenschaft. So funktionieren wir alle auch im Alltag. Wenn das Licht nicht angeht, obwohl ich auf den Lichtschalter gedrückt habe, und ich daraufhin sozial mit jemand anderem als meinem Elektriker (oder selbst mit meinem Sicherungskasten) interagiere, habe ich kaum Chancen, mein in der realen Welt vorhandenes Problem zu beheben. Manche Dinge sind eben richtig und andere falsch. Da gibt es kein „soziales Geschehen“, das hieran etwas ändert.
Es würde also höchstens Sinn machen, zu fragen:
Wie kann der Erwerb von Wissen im Zuge eines spezifischen sozialen Geschehens, sagen wir z.B.: der Ausbildung zum Elektriker, erleichtert werden?
Das wäre eine pädagogische Fragestellung.
Oder:
Wie kann durch soziale Interaktion, z.B. in der blogosphäre, Aufklärung darüber betrieben werden, was Wissen ist und was aufgrund bestimmter Interessen nur als Wissen ausgegeben wird, tatsächlich bis auf Weiteres aber nur eine Behauptung ist?
Das wäre eine soziologisch interessante und zivilgesellschaftlich relevante Fragestellung.
Jedenfalls kann WISSEN kein „soziales Geschehen“ sein, ja,nicht einmal der WissensERWERB kann ein soziales Geschen sein, weil Wissen immer nur von Individuen erworben werden kann. Er ist daher notwendigerweise ein kognitives Geschehen. Erworbenes (tatsächliches oder vermeintliches) Wissen können Individuen anderen Personen mitteilen, und hier beginnt das „soziale Geschehen“ mit Bezug auf Wissen und die Prüfung der Frage, ob es sich tatsächlich um Wissen handelt oder nicht, und es soll ja Leute geben, die so sehr an Ideen hängen, dass sie sie unbedingt als Wissen darstellen wollen, obwohl es keines ist (mangels Prüfung desselben oder aufgrund gelungener Falsifikation). Das ist aber, glaube ich, wieder eher ein psychologisches oder kognitives Problem als ein soziales …
Naja, festgehalten werden kann, dass die Frage keinen Sinn macht.
Bleibt also zu hoffen, dass sie nicht von den Autoren gestellt wurde, sondern zum Reklametext auf dem Buchdeckel gehört, der von jemandem beim Verlag verfasst wurde. Aber wenn das so ist, dann sollten sich die Autoren beschweren, denn welche Leser werden denn durch so einen Unsinnstext angeworben? Und es wäre doch schade, wenn ein sinnreiches Buch keine entsprechende Leserschaft fände?
Aber wie gesagt: vielleicht ist das Buch auch kein sinnreiches, sondern irgendeine Übung im Sich-Ausdenken von logischen Widersprüchen, d.h. in Konstruktivismus (nur kurz angemerkt für alle, denen das nicht klar ist: schon wegen des Lügnerparadoxes!).
Ich weiß es nicht. Hoffen wir das Beste! Und die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ich vermute, daß den Autoren des Buches Sokrates unbekannt ist.
Und hier der Spruch von Heinz Erhardt in Abwandlung gilt: Noch ein Buch.
Ich benötige zumindest nun, um die philosophische Schwere zu erreichen, ein gutes Glas Rotwein, wobei die Flüchtigkeit des Letzteren eine Lästigkeit ist, die immer vom Rätsel des Standortes der nächsten Flasche umwabert ist.
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[…] http://sciencefiles.org/2015/09/15/ist-wissen-macht/ […]
„Was aber passiert, wenn man Wissen als soziales Geschehen begreift?“
Diese Frage macht keinen Sinn, denn Wissen ist entweder welches oder nicht. Die Frage klingt verdächtig nach einer Spätanwendung des Konstuktivismus aus den 60er-Jahren, der inzwischen so viele Male (z.B-von Paul Boghossian in „Fear of Knowledge“) als Unsinn erwiesen wurde, dass man sich fragt, wie das noch jemand ernst nehmen kann. Oder vielleicht ist das eine Übung in Extrem-Relativismus, der ebenso wenig haltbar ist, denn wie gesagt:
„Wissen“ ist weder welches oder nicht, d.h. eine Aussage oder ein Phänomen steht im Einklang mit der beobachtbaren Realität oder nicht. Manchmal hält man etwas für Wissen, was sich bei Überprüfung aber als falsch erweist. Dann verliert das vermeintliche Wissen seinen Status als Wissen und wandert in die Kategorie des Irrtums. Was mehr gibt es dazu zu sagen?!?
So funktioniert nicht nur Wissenschaft. So funktionieren wir alle auch im Alltag. Wenn das Licht nicht angeht, obwohl ich auf den Lichtschalter gedrückt habe, und ich daraufhin sozial mit jemand anderem als meinem Elektriker (oder selbst mit meinem Sicherungskasten) interagiere, habe ich kaum Chancen, mein in der realen Welt vorhandenes Problem zu beheben. Manche Dinge sind eben richtig und andere falsch. Da gibt es kein „soziales Geschehen“, das hieran etwas ändert.
Es würde also höchstens Sinn machen, zu fragen:
Wie kann der Erwerb von Wissen im Zuge eines spezifischen sozialen Geschehens, sagen wir z.B.: der Ausbildung zum Elektriker, erleichtert werden?
Das wäre eine pädagogische Fragestellung.
Oder:
Wie kann durch soziale Interaktion, z.B. in der blogosphäre, Aufklärung darüber betrieben werden, was Wissen ist und was aufgrund bestimmter Interessen nur als Wissen ausgegeben wird, tatsächlich bis auf Weiteres aber nur eine Behauptung ist?
Das wäre eine soziologisch interessante und zivilgesellschaftlich relevante Fragestellung.
Jedenfalls kann WISSEN kein „soziales Geschehen“ sein, ja,nicht einmal der WissensERWERB kann ein soziales Geschen sein, weil Wissen immer nur von Individuen erworben werden kann. Er ist daher notwendigerweise ein kognitives Geschehen. Erworbenes (tatsächliches oder vermeintliches) Wissen können Individuen anderen Personen mitteilen, und hier beginnt das „soziale Geschehen“ mit Bezug auf Wissen und die Prüfung der Frage, ob es sich tatsächlich um Wissen handelt oder nicht, und es soll ja Leute geben, die so sehr an Ideen hängen, dass sie sie unbedingt als Wissen darstellen wollen, obwohl es keines ist (mangels Prüfung desselben oder aufgrund gelungener Falsifikation). Das ist aber, glaube ich, wieder eher ein psychologisches oder kognitives Problem als ein soziales …
Naja, festgehalten werden kann, dass die Frage keinen Sinn macht.
Bleibt also zu hoffen, dass sie nicht von den Autoren gestellt wurde, sondern zum Reklametext auf dem Buchdeckel gehört, der von jemandem beim Verlag verfasst wurde. Aber wenn das so ist, dann sollten sich die Autoren beschweren, denn welche Leser werden denn durch so einen Unsinnstext angeworben? Und es wäre doch schade, wenn ein sinnreiches Buch keine entsprechende Leserschaft fände?
Aber wie gesagt: vielleicht ist das Buch auch kein sinnreiches, sondern irgendeine Übung im Sich-Ausdenken von logischen Widersprüchen, d.h. in Konstruktivismus (nur kurz angemerkt für alle, denen das nicht klar ist: schon wegen des Lügnerparadoxes!).
Ich weiß es nicht. Hoffen wir das Beste! Und die Hoffnung stirbt zuletzt.
Klar ist Wissen Macht, mit irgendwas muss man unsere Politiker doch erpressen, so dumm können die gar nicht sein.
Ich weiß nichts. Entweder: macht nichts, oder: Macht nichts. 😉
„Die Dummheit ist die sonderbarste aller Krankheiten. Der Kranke leidet niemals unter ihr. Aber die anderen leiden.“ – Paul-Henri Spaak
Ich vermute, daß den Autoren des Buches Sokrates unbekannt ist.
Und hier der Spruch von Heinz Erhardt in Abwandlung gilt: Noch ein Buch.
Ich benötige zumindest nun, um die philosophische Schwere zu erreichen, ein gutes Glas Rotwein, wobei die Flüchtigkeit des Letzteren eine Lästigkeit ist, die immer vom Rätsel des Standortes der nächsten Flasche umwabert ist.