Endlich: Die deutsche Soziologie hat sich gespalten

Es liest sich, wie unser Grundsatzprogramm, was die Gründungsmitglieder der Akademie für Soziologie in ihren Gründungsaufruf geschrieben haben. Nennen wir es ein Ergebnis kultureller Diffusion oder ein Spillover, dass sich nun all das, was wir seit 2011 als Kern soziologischer und sozialwissenschaftlicher Analyse verteidigen, in einem Gründungsaufruf und in den Grundsätzen der neuen Akademie der Soziologie findet.

Also freut es uns zwar nicht, unzitiert geblieben zu sein, aber wir trösten uns damit, dass auch Max Weber, der im Gründungsaufruf wörtlich zitiert wird, nicht namentlich genannt ist. Insofern sind wir in guter Gesellschaft und freuen uns, dass wir diejenigen sind, die der institutionellen Soziologie und ihren Vertretern nicht nur intellektuell auf die Sprünge geholfen haben. Und wir hoffen, wir hoffen, dass das Auslassen der Quellenangabe kein Dauerzustand ist und dass die Akademie der Soziologie, die sich von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie abgespalten hat, nun auch zu dem steht, was sie als ihre Ziele verkündet.

Denn diese Ziele lassen kein nebeneinander von Soziologen und Gender Studierten zu. Konsequenter Weise müssen die Mitglieder der Akademie nun das Verschwinden der Gender Studies aus der Soziologie betreiben.

Die Ziele lassen sich auch nicht mit den Weltbetrachtungen der sozialistischen Soziologen vereinbaren, die Heilsanalysen durchführen, um ihre ideologischen Vorstellungen in passende Gefäße füllen und unter den Naiven vertreiben zu können.

Last but not least lassen sich die Ziele der Akademie der Soziologie auch nicht mit Legitimationsstudien für Ministerien vereinbaren, wie sie regelmäßig von Ministerien bestellt und von institutionellen Soziologen geliefert werden.

Wir werden die Akademie und ihre Mitglieder an ihren Zielen messen und auf diese Weise entscheiden, ob wir es mit heißer Luft, Trittbrettfahrern oder einem soziologischen Aufbruch zu tun haben.

Aber das ist Zukunft. Derzeit sind wir zufrieden damit, dass viele Soziologen nach Jahrzehnten des Schweigens nunmehr eine Stimme gefunden haben, um die folgenden Grundsätze, die wie gesagt inkompatibel mit Gender Studies, Whiteness-Studies, Post-Colonial-Studies, Betroffenheits-Studies und all den Formen der Beförderungs-Studies für Sozialismus sind, zu verkünden.

Nun müssen sie nur noch entsprechend handeln.

“Nachfolgend finden sich die zentralen Grundsätze empirisch-analytischer Soziologie im Detail:

  • “Die soziale Realität ist grundsätzlich erkennbar und besteht von Einzelansichten und Hypothesen unabhängig. Dass gleichwohl jede soziale Realität von Subjekten konstruiert wird, widerspricht dem nicht, sondern weist auf die Bedeutung von Theorien und Paradigmen für jede Wissenschaft hin. Deshalb kann auch die soziale Realität mit wissenschaftlichen Verfahren – wie sie für alle Wissenschaften gelten – beschrieben, theoretisch erfasst und erklärt werden.

  • Die Soziologie ist daher – auch vor dem Hintergrund ihrer Besonderheiten – eine Realwissenschaft, welche die gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse intersubjektiv nachvollziehbar beschreiben und in ihrem Ablauf und ihren Zusammenhängen verstehen und erklären will.

  • Alle deskriptiven Aussagen, Hypothesen und Ergebnisse – auch die aus eigener Forschung – sind – wie in jeder Wissenschaft – einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Methodische Annahmen sind offenzulegen und selbstkritisch zu reflektieren.

  • Normative Überzeugungen und Aussagen sind ein wichtiger Teil der sozialen Realität und bilden daher einen zentralen Gegenstand gerade der soziologischen Forschung. Normative Positionen spielen im Entstehungs- und Verwertungszusammenhang wissenschaftlicher Erkenntnisse ohne Zweifel ebenfalls eine große Rolle. Sie sollten allerdings die soziologische Analyse möglichst nicht beeinflussen: Für die Geltung von Aussagen, Hypothesen oder Ergebnissen ist es unerheblich, ob sie jeweils für wünschenswert angesehen werden oder nicht. Die Deklaration und möglichst weitgehende Kontrolle von Werturteilen und anderen Verzerrungen, etwa aus Interessen, modischen Strömungen oder politischer Korrektheit ist daher ein wichtiger Bestandteil der soziologischen Arbeit. Dies schließt einen Rückbezug auf die gesellschaftliche Wirklichkeit durch praktische und politische Anwendungen und deren Folgen keineswegs aus.

  • Ausgangspunkte empirisch-analytischer Sozialforschung sind traditionell präzise theoretische Modelle, theoretische Fragestellungen oder einzelne Hypothesen, die aus theoretischen Modellen abgeleitet und einer systematischen empirischen Prüfung unterzogen werden. Aber auch umgekehrt können mittels explorativen Methoden Theorien und Hypothesen anhand empirischer Daten entwickelt, verfeinert und eventuell mittels neu erhobener Daten geprüft werden.

  • Die empirisch-analytische Soziologie kennt sowohl deduktive als auch explorative Methoden und betont zugleich den hohen Stellenwert von präzisen Theorien.

  • Daneben hat in der empirisch-analytischen Sozialforschung die Deskription der sozialen Welt einen wichtigen Stellenwert. Nur anhand präziser, methodisch kontrollierter Beschreibungen können wir einen Wissensbestand über die soziale Welt aufbauen.

  • Der empirisch-analytische Forschungsprozess wird klar und transparent dargestellt und für Replikationen zugänglich gemacht. Damit sollen die Prüfbarkeit und Kontrolle der Aussagen, Hypothesen und Ergebnisse der soziologischen Forschung gerade angesichts der Besonderheiten des soziologischen Gegenstandes und der Einbettung in die gesellschaftlichen Prozesse gesichert werden.

  • Die empirisch-analytische Vorgehensweise gilt für alle Varianten, Felder und Ausrichtungen der Soziologie: Für quantitative wie für qualitative, eher handlungs- wie eher strukturtheoretische, mehr beschreibend wie eher theorietestend ausgerichtete Forschung sowie für die verschiedenen Varianten der normativ-institutionellen, interpretativen oder utilitaristischen Ansätze in allen speziellen Anwendungsbereichen.

  • Die Gemeinsamkeit in der beschriebenen grundsätzlichen Ausrichtung als empirisch-analytische Realwissenschaft bildet damit die Klammer für die ganze Vielfalt der Soziologie. Diese Vielfalt kann dann ihrerseits dafür sorgen, dass es bei aller Arbeitsteilung und Spezialisierung keine unfruchtbaren Einseitigkeiten gibt, dass Irrtümer korrigiert und dass neue Entwicklungen offen aufgenommen werden. Es gilt aber auch, dass nicht immer wieder ganz von vorne angefangen werden muss, sondern alles jeweils wieder in das bekannte Wissen eingeordnet werden kann – und sollte.”


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„Terroranschlag in Mannheim“ – Ein Terrorakt in fünf Aufzügen

Eine Geschichte um Angst, Voyeurismus und Selbstgerechtigkeit

Prelude
„Niemand hätte im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert geglaubt, dass das Treiben auf der Erde scharf und genau von Wesen beobachtet wurde, die intelligenter waren als die Menschen und doch nicht minder sterblich; dass die Menschen bei allem, was sie so emsig betrieben, akribisch überwacht und erforscht wurden, vielleicht fast genauso akribisch, wie ein Mensch mit einem Mikroskop die kurzlebigen Kreaturen erforscht, die in einem Tropfen Wasser wimmeln und sich mehren.“

[Original]“No one would have believed in the last years of the nineteenth century that this world was being watch keenly and closely by intelligences greater than man’s and yet as mortal as his own; that as men busied themselves about their various concerns they were scrutinised and studied, perhaps almost as narrowly as a man with a microscope might scrutinise the transient creatures that swarm and multiply in a drop of water.”

 

Akt I: Die Tat

Hardy Prothmann vom Rhein-Neckar-Blog hat sich inspirieren lassen. Von Orson Welles. Welles hatte sich für Halloween 1938 etwas ganz Besonderes ausgedacht: Eine Hörspielversion von H.G. Wells‘ „War of the World“. Das Hörspiel war so erfolgreich und realistisch, dass es panische Reaktionen unter vielen Hörern zur Folge hatte, die der Meinung waren, die USA seien im Begriff, von Aliens angegriffen zu werden.

Prothmann hat sich diese Aktion zum Vorbild genommen und sein eigenes „Hörspiel“ erfunden.

Nun leben wir im Zeitalter des Internet. Deshalb hat Prothmann nicht das Columbia Broadcast Network genutzt, sondern Facebook, eine andere US-amerikanische Errungenschaft.

Tatzeit: Die Nacht zum 25. März 2018.
Tatort: Facebook
Tatbezeichnung: „Massiver Terroranschlag in Mannheim

In Mannheim (also in MANNHEIM), so behauptet Prothmann gleich in seinem Aufmacher, habe sich gerade der größte Terroranschlag ereignet, den Westeuropa bis dato gesehen habe: 136 Tote, 237 Verletzte, 50 Angreifer, 25 Angriffsorte, ein „Blutbad apokalyptischen Ausmaßes“, die höchste Terrorwarnstufe, Antiterroreinheiten der Bundeswehr auf dem Weg nach Mannheim, Nachrichtensperre. Dennoch berichtet Prothmann als Augenzeuge: „Überall in den Straßen liegen leblose Körper auf dem Boden. In der Luft liegt der Geruch von Blut. Verletzte schreien oder betteln um Hilfe. Menschen rennen ziellos umher … Andere haben sich in Läden verbarrikadiert“. 30 erschossene Angreifer, 20 auf der Flucht, Verkehrschaos rund um Mannheim: „Menschen versuchen, die Stadt zu verlassen“. Die Polizei dementiert den Bericht des Rhein-Neckar-Blogs, woran man sehen könne, so Prothmann, dass die Nachrichtensperre durchgesetzt werden solle: „Soziale Netzwerke werden gezielt blockiert, und Postings werden gelöscht, User gesperrt“.

Pandemonium.
Dick aufgetragen.
Völlig unglaubwürdig, aber:

 

Akt II: Die Wirkung

Es wird geglaubt.

Internetnutzer klicken den Server, auf dem das Rhein-Neckar-Blog gehostet wird, in die Knie. Das Wort „Terroranschlag“ übt eine magische Anziehungskraft aus. Dabeisein ist alles, wenn Terroranschläge gerade live und in Farbe zu sehen sind. Öffentlich-Rechtliche beeilen sich gewöhnlich, Live Feeds einzurichten, um das Terrortainment auch vollständig und in Echtzeit an die Schaulustigen in der ersten Reihe zu bringen. Man muss ihn fühlen, den Thrill des Terroranschlages, das Entertainment, das mit dem Wissen verbunden ist, dass Geiselnehmer gerade jetzt Geiseln genommen haben, Kleintransporterfahrer erst vor kurzem durch Fußgängerzonen gefahren sind, ihre Spur der Verwüstung frisch und noch zu sehen ist.

 

Akt III: Die Nachwirkung

Die Geschichte von Prodtmann ist doch zu wild, als dass sie für viel länger als kurz Bestand haben kann. Selbst unter denen, die nie mehr als die Überschrift durchlesen, macht sich die Kunde breit, dass es sich um einen Hoax handelt. Eine Information, die sie sich selbst und schnell hätten verschaffen können, wenn sie den Text zur Überschrift gelesen hätten. Aber das haben sie nicht, wie Prodtmann weiß: Zum Lesen muss man sich registrieren. Die Anzahl der Erregten ist aber viel größer als die Anzahl der Registrierten. Und nun bricht der Shitstorm über den armen Hardy herein: „Wir wurden von hunderten von Kommentatoren massivst beleidigt und Hardy Prothmann mehrfach als ‚Missgeburt‘, ‚Spast‘ usw. bezeichnet. Gleichzeitig wurden Drogen- und Alkoholprobleme unterstellt und Fragen zur psychischen Verfassung aufgeworfen“.

In Deutschland ist es nicht gut angesehen, wenn man Menschen zu Opfern ihrer eigenen Vorurteile bloßstellt…

 

Akt IV: The Curate: Das Auftauchen der Selbstgerechten

„’It is just, O God’, he would say, over and over again. ‘It’s just. On me and mine be the punishment laid. We have sinned, we have fallen short. There was poverty, sorrow; the poor were trodden in the dust, and I held my peace. I preached acceptable folly – my God, what folly! – when I should have stood up, though I died for it, and called upon them to repent – repent!” (HG Wells, War of the Worlds).

Der Curate fragt sich, in wie weit er Mitschuld an den Ereignissen, also der Invasion der Aliens trägt. Er fragt sich das, im Rahmen seines Glaubens.

Fragen und Selbstzweifel, am Ende noch die Frage, ob man für was auch immer Verantwortung mittragen könnte, solche Fragen und Selbstzweifel kennen die Selbstgerechten, die nun aus ihren öffentlich-rechtlichen Löchern kommen, nicht. Sie wissen. Sie wissen, dass sie die überlegene Lebensform sind, der es zusteht, andere zu bewerten und die selbst über jede Bewertung erhaben ist:

Akt V: Die wissenschaftliche Erklärung

Harold Garfinkel hat mit der Ethnomethodologie eine Sparte der Soziologie begründet, die zu den gefährlichsten Sparten der Soziologie gehört. Warum gefährlich? Weil man mit ethnomethodologischen Forschungen Dinge herausfinden kann, die ganz und gar nicht mainstream sind, die auf wenig Gegenliebe stoßen und die man nicht nutzen kann, um sich bei Ministerien anzudienen. Alles Gründe, warum man schöne Methoden, wie die Erschütterungsexperimente in den deutschen Sozialwissenschaften heute umsonst sucht.

Man findet sie in Blogs.
Hier oder (wahrscheinlich unabsichtlich) bei Hardy Prothmann.

Zunächst zu Harold Garfinkel.
Wir zitieren:

„The victim waved his hand cheerily
(S) ‘How are you?’
(E) ‘How am I in regard to what? My health, my finances, my school work, my peace of mind, my …?’
(S) (Red in the face and suddenly out of control) ‘Look! I was just trying to be polite. Frankly , I don’t give a damn how you are’” (Garfinkel 1996: 44).

Minimales Lernziel: Enttäuschte kulturelle Erwartungen führen zu heftigen Reaktionen.

Prothmann hat kulturelle Erwartungen erschüttert und enttäuscht, deshalb ist er zum Gegenstand heftiger Angriffe geworden. Wir haben schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass Terrortainment in Deutschland genutzt wird, um politische Ziele damit zu erreichen, z.B. dazu durchzusetzen, dass Deutschland im Fadenkreuz internationaler Terroristen ist und mit einem großen Anschlag jederzeit zu rechnen ist. Selbst Fußball-Länderspiele werden zu diesem Zweck instrumentalisiert.

Als Ergebnis dieser öffentlichen Aufmerksamkeit, die Terroranschlägen gewidmet wird, die es gar nicht gibt, gibt es mindestens drei Gruppen in der Bevölkerung: die Ängstlichen, die blutgierigen Voyeure und die Angewiderten. Letztere brauchen wir hier nicht weiter zu berücksichtigen, denn ihnen ist Terrortainment zuwider. Deshalb werden sie, wenn sie vom Rhein-Neckar-Hoax erfahren, bestenfalls mit den Schultern zucken.

Die Ängstlichen sind das Ergebnis der Hysterie, die durch Terrortainment geschürt wird. In der Kriminologie ist seit langem bekannt, dass vor allem diejenigen, die die geringste Wahrscheinlichkeit haben, Opfer einer Straftat zu werden, Angst davor haben, Opfer einer Straftat zu werden. Kriminalitätsfurcht ist ein seltsames und nur mit großer Vorsicht zu behandelndes Phänomen. Wenn es aber um Terrorismus geht, dann geht die Geilheit mit den Medienmachern durch, dann verlässt sie jede Vor- und Einsicht und sie schüren mit großen Haken die Furcht vor Terror in Deutschland.

Damit sind wir bei den blutgierigen Voyeuren, denen, die ihr Voyeurismus auf Worte wie „Terroranschlag“ reagieren lässt. Das Blut und die Blutspur, sie sind nur einen Mouseclick away. Dabeisein ist alles. Echte Splatters sind besser als solche aus der Konserve, bei denen man weiß, Opfer sind nicht tot und Blut ist nicht echt. Im Terrortainment ist das anders. Deshalb ist der Anteil der Voyeure hier hoch.

Mit seinem Hoax hat Prothmann also vornehmlich zwei Gruppen von Menschen angesprochen: ängstliche Menschen und Voyeure Beide sind einer emotionalen Kondition auf den Leim gegangen, die sie auszeichnet. Erstere haben mit Angst reagiert und später erfahren, dass sie sich umsonst als die Ängstlichen geoutet haben, die sie nun einmal sind. Letztere haben ihren Voyeurismus befriedigen wollen und recht bald gemerkt, dass es nichts gibt, das sie befriedigen kann.

Wie das Opfer bei Garfinkel, sind beide Gruppen ihren eigenen Erwartungen, ihren Vorurteilen, die sie an die Welt herantragen, aufgesessen, und wie das Opfer bei Garfinkel reagieren sie heftig darauf, bloßgestellt und enttäuscht worden zu sein. Hardy Prothmann kann nun ein Lied davon singen.

Die Reaktionen waren indes vorhersehbar. Ein wenig soziologische Grundbildung und soziale Reaktionen sind vorhersehbar, vor allem, wenn es um Themen geht, die unter dem Ladentisch der öffentlich-rechtlichen Aufmerksamkeit gehandelt werden. Und die Frage, ob es eine tatsächliche Terrorgefahr in way out places wie Mannheim gibt, sie ist eine solche Frage, die nicht berührt wird, mit der „die Menschen“ alleine gelassen werden.

Insofern es Prothmanns Ziel war, eine Diskussion in dieser Richtung anzustoßen, ist dies ein edles Ziel, wenngleich ein unrealistisches Ziel, denn sein Mittel ist dazu nicht geeignet. Mit einem Hoax wie seinem, kann man Ängstliche und Voyeure gegen sich aufbringen und man kann den öffentlich-rechtlichen Saubermännern eine Gelegenheit geben, sich in ihrer Selbstgerechtigkeit zu sonnen. Mehr nicht.

Darüber, dass der Hoax gezeigt hat, dass es viele Menschen in Deutschland gibt, die einen Terroranschlag selbst in Mannheim für möglich halten und darüber, wie man das erklären und was man dagegen tun kann, diskutiert niemand und wird auch keiner der öffentlich-rechtlichen Medienmacher diskutieren. Dazu haben sie zu wenig Rückgrat.

Er habe auch, so Prothmann, ein Bewusstsein dafür wecken wollen, dass viele Texte liken, die sie gar nicht gelesen haben. Es ist ihm sicher gelungen zu zeigen, dass das der Fall ist. Ob er deshalb ein Bewusstsein geweckt hat oder gar verändert hat? Wir bezweifeln das. Die Theorie der kognitiven Dissonanz, die Leon Festinger schon Anfang der 1950er Jahre veröffentlicht hat, sie spricht dagegen: Wenn ein enttäuschter Voyeur seine Enttäuschung verarbeitet, dann führt er diese in der Regel nicht darauf zurück, dass ihn sein Eifer in die Irre geführt hat und er es versäumt hat, sich zu informieren, sondern darauf, dass er von fiesen Menschen, von einem „Spast“ getäuscht wurde: … Shitstorm.

Das alles gesagt ist Hardy Prothmann eher jemand, der als Journalist durchgeht als die öffentlich-rechtlichen Duckmäuser, die nun über ihn herfallen, jene Duckmäuser, die mehrere 100 Jahre nach der Aufklärung behaupten, Frauen würden beim Verdienst benachteiligt, jene Duckmäuser, die Journalismus für eine Andienfunktion bei politischen Positionsinhabern halten und deren ständige Selbstinszenierung in vermeintlicher Gut- und Überlegenheit so schal geworden ist, dass sich nicht einmal Maden, von denen bekannt ist, dass sich alle Leichen gleichbehandeln, noch dafür interessieren.


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„Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“

Tamara Gutfleisch und Hans-Jürgen Andreß haben ihren Beitrag in ISI59 [Informationsdienst Soziale Indikatoren] mit diesem Titel versehen. Auch Wissenschaftler müssen ihre Texte modernisieren und den oft kargen Ergebnissen ein wenig Fassaden-Glanz verleihen, immer in der Hoffnung, dass niemand hinter die Fassade blickt.

Denn: Gutfleisch und Andreß berichten nicht darüber, wie man in Deutschland gut und gerne leben kann, sondern darüber, was notwendig ist, damit man es gerade noch aushält in Deutschland. Sie berichten über das, was den Mindeststandard ausmacht, welche Dinge des täglichen Lebens Deutsche für „unbedingt notwendig“ halten, welche „wünschenswert“ wären und auf welche man verzichten kann. Sie berichten nicht darüber, was ein gutes Leben ausmacht, das man gerne lebt.

Die Ergebnisse, die Gutfleisch und Andreß berichten, basieren auf den Angaben von 2710 Befragten aus dem GESIS Panel und natürlich ist das GESIS Panel repräsentativ, dieses Mal für die Bevölkerung von 18 bis 70 Jahren… Sie kennen das. [Wer es nicht kennt, der kann es hier nachlesen.]

Gleich vorweg die schlechte Nachricht für diejenigen, die immer noch im Papierzeitalter leben: Am verzichtbarsten und entsprechend am wenigsten notwendig, um einen Mindestlebensstandard zu erreichen, ist den Befragten das Zeitungs- oder das Zeitschriftenabonnement. 72% der Befragten können darauf verzichten, 7% halten es für unverzichtbar und je jünger die Befragten, desto verzichtbarer das Zeitungs-/Zeitschriftenabonnement. Wenn es derzeit einen Wandel gibt, den Sozialwissenschaftler untersuchen sollten, hier ist er [Aber wo ist nur der Sozialwissenschaftler, der ihn untersucht?].

58% können auf eine Vereinsmitgliedschaft verzichten, 47% auf den Gang ins Kino, Theater oder ins Konzert und 44% auf den Besuch eines Restaurants. Die Kulturbeflissenen, die meinen, man müsse Wagners Lohengrin singen können, um sich zugehörig zu fühlen, auch sie preisen verzichtbare Güter an.

Aber was halten die Befragten für einen Mindest-Lebensstandard, was ist für sie besonders wichtig, um das tägliche Leben in Deutschland ertragen zu können.

Hier die Top-Ten:

  1. Eine trockene Wohnung (89%)
  2. Eine Toilette innerhalb der Wohnung (85%)
  3. Eine Waschmaschine (78%)
  4. Die Miete oder Zinsen pünktlich zahlen können (76%)
  5. Winterkleidung (71%)
  6. Heizung (69%)
  7. Eine warme Mahlzeit (67%)
  8. Ein Telefon (67%)
  9. Ein Gefrierfach/-schrank (59%)
  10. Ein separates Badezimmer (58%)

Sauberkeit, Wärme, eine finanziell gesicherte Unterkunft und ein Telefon: Das macht der Deutschen Mindeststandard aus, und man fragt sich unwillkürlich, wie viele Deutsche wohl unterhalb dieses Mindeststandards leben, ohne Gefrierschrank, in feuchter Wohnung und mit spärlicher Beheizung?


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Schwerter zu Pflugscharen und Flüchtlinge zu Altenpflegehelfern

„Care for Integration“

Ein durchaus doppeldeutiger Ausdruck, aber die doppelte Bedeutung ist denen, die es gut von sich finden, dass sie „122 geflüchtete Menschen“ in einem 2,5 Jahre kurzen Brachialkurs Deutsch, Hauptschulabschluss und die Kenntnisse, die ein Helfer in der Altenpflege benötigt, einprügeln wollen, vermutlich entgangen.

Nicht entgangen ist ihnen wie so vielen Linken, die Möglichkeit, die Geflüchteten zu benutzen, um die deutsche Gesellschaft einmal mehr zu unterschichten. Wie jeder, der sich mit den Daten der Agentur für Arbeit beschäftigt, weiß, gibt es in Deutschland mehr als 1 Million offene Stellen und vor allem Stellen, die niemand besetzen will, vorzugsweise im Bereich der billigen Pflegejobs oder in Hotellerie und Gastronomie. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finden sich bei notleidenden städtischen Betrieben oder im Bäckerhandwerk.

Die Liste der Jobs, die Deutsche mit oder ohne lange zurückliegenden Migrationshintergrund nicht mehr machen wollen, weil blue collar Jobs, die mit Handarbeit verbunden sind, in Misskredit gebracht wurden und als sozial unterwürdig angesehen werden, sie ist lang.

Sie war es schon einmal. Es gab schon einmal eine Zeit, zu der in Deutschland die Hilfskräfte gefehlt haben. Damals hat man Gastarbeiter angeworben und mit ihnen die Gesellschaft unterschichtet, denn ein Hilfsarbeiter oder ein angelernter Arbeiter ist in der sozialen Leiter unter einem gelernten, einem Facharbeiter, einem Meister verortet.

Diese Unterschichtung der Gesellschaft, sie hat erhebliche Probleme nach sich gezogen, wie man vor einigen Jahren noch wusste:

„Das permanente Fortwirken der Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund muss letztlich als Systemfunktion verstanden werden: Arbeitsmigranten wurden in früheren Zeiten geholt, um die deutsche Gesellschaft zu »unterschichten« (vgl. Hoffmann-Nowotny 1973). Sie nahmen die unterste Ebene im Arbeitsprozess ein und übernahmen Tätigkeiten, für die es keiner Ausbildung bedurfte und für die immer weniger deutsche Arbeiter zur Verfügung standen – da die deutsche Bevölkerung über höherwertige Bildungsabschlüsse an der Aufwärtsmobiliät teilhatte. Diese Unterschichtung der Gesellschaft durch Menschen mit Migrationshintergrund wirkt heute noch immer.“

Und die Unterschichtung der Gesellschaft durch damals Gastarbeiter, sie wurde regelmäßig von denen, die Fremdenfeindlichkeit, soziale Ungleichheit oder nicht vorhandene soziale Mobilität beklagt haben, als Problem angeführt. Heitmeyer und Imbusch haben die soziale Unterschichtung durch Migranten zum Schuldigen dynamischer Desintegration erklärt, Jaschke hat fremdenfeindliche Tendenzen in der Polizei auch mit der Unterschichtung der Gesellschaft erklärt (weil die Migranten, die die Gesellschaft unterschichten, keine Perspektive des sozialen Aufstiegs haben, werden sie zur Hauptkundschaft der Polizei, woraus Fremdenfeindlichkeit resultiert), und Ruh hat die Probleme des Sozialstaats, die er konstatiert hat, u.a. auf die Unterschichtung der Gesellschaft zurückgeführt.

Unterschichtung, so der Tenor dieser Altlinken, ist schlecht, führt zu Problemen vieler Art: mangelnde Integration, höhere Kriminalität, soziale Ungleichheit, Fremdenfeindlichkeit usw.

Fast Forward.
Im Jahr 2018 ist davon nichts mehr geblieben.

Die Neo-Linken, die sich über jeden Flüchtling, der nach Deutschland kommt, freuen, sie freuen sich offensichtlich, weil durch die Flüchtlinge eine neue Unterschichtung (mit den alten Problemen) für sie möglich wird: Altenhelfer, Hotelmitarbeiter, Hilfen in der Landwirtschaft, all die Jobs, die niemand machen will, die kaum ein Qualifikationsniveau voraussetzen und die schlecht bezahlt werden, sie werden nun den Flüchtlingen als „Start in die Zukunft“ verkauft, von unverantwortlichen Politikern wie dem Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen Karl-Josef Laumann, der den 122 Flüchtlingen, die in einem vom Land NRW und der Arbeitsagentur geförderten Projekt zum des Deutschen mächtigen Altenpflegerhelfer ausgebildet werden, prophezeit, dass sie aufgrund des großen Personalbedarfs in der Pflegebranche gefragte Mitarbeiter sein werden.

Fragt sich nur, für welche Tätigkeiten sie gefragt sein werden, als Helfer in der Altenpflege und wie lange es dauert, bis die Helfer in der Altenpflege merken, dass sie ohne Perspektive und Aufstiegschance in einer Tätigkeit geparkt wurden, die eben niemand machen wollte.

Aber für die Gutmenschen, die sich an jedem Flüchtling erfreuen, ist die Welt in Ordnung. Die Flüchtlinge haben eine Tätigkeit, zumindest 122 davon, sie sind in der sozialen Hierarchie Deutschlands da eingeordnet, wo sie hingehören: Ganz unten und ermöglichen dadurch dem linken Prekariat auf befristeten Projektstellen, sich nicht nur gut und wichtig, sondern auch überlegen zu fühlen.

And that’s what it’s all about.

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Wissen ist Macht, Nichtwissen macht … abhängig, manipulierbar

Eine These, die man gewagt nennen kann, oder auch nicht, besagt, dass die Entwertung von Wissen durch den post-rationalen Konstruktivismus in den Gesellschaften, die sich für modern halten, die Demontage von Wissenschaft durch Infiltration mit allerlei Trash Fächern, der Versuch, Informationsmärkte, die nicht staatlich kontrolliert sind bzw. kontrollierbar sind, zu diskreditieren (durch den Vorwurf von Hate Speech oder Fake News oder was auch immer) dem Ziel dient, Unsicherheit zu verbreiten, weil Unsicherheit dazu führt, dass Menschen nach Bindung suchen, Bindung an andere, so dass – wie man weiter spekulieren kann – derjenige, der die eigene Meinung als Mehrheitsmeinung ausgeben kann, z.B. durch die Kontrolle von Staatsmedien, leichtes Spiel damit hat, seine Interessen in einer Gesellschaft durchzusetzen, denn die nach sicherer Bindung Suchenden, das ist bekannt, finden gerne Schutz und Sicherheit in der Mehrheit.

Szenenwechsel.

Aus einem Buch, das 1651 veröffentlicht wurde:

„Das Fehlen von Wissenschaft, das heißt Unkenntnis von Ursachen, macht dazu geneigt, ober besser, zwingt dazu, sich auf den Rat und die Autorität anderer zu verlassen. Denn jeder, für den die Wahrheit wichtig ist, muss sich, wenn er sich nicht auf seine eigene Meinung verlässt, auf eines anderen stützen, den er für klüger als sich selbst hält und bei dem kein Grund ersichtlich ist, weshalb dieser ihn täuschen sollte.

Unkenntnis der Bedeutung von Wörtern, das heißt fehlendes Verstehen, führt dazu, gutgläubig nicht nur die Wahrheit, die man nicht kennt, sondern auch die Irrtümer, und was noch schlimmer ist, allen Unsinn derer zu übernehmen, denen man vertraut. Denn weder Irrtum noch Unsinn können ohne ein vollkommenes Verstehen von Wörtern entdeckt werden.
Daher kommt es auch, dass die Menschen auf Grund ihrer verschiedenartigen Leidenschaften ein- und demselben Ding verschiedene Namen geben. So nennen z.B. diejenigen, welche eine Privatmeinung billigen, diese ‚Meinung‘, diejenigen aber, die sie nicht billigen, ‚Häresie‘. Und dabei bedeutet Häresie nichts anderes als ‚Privatmeinung‘, sondern hat nur einen stärkeren Beigeschmack von Zorn.

Daraus ergibt sich ferner, dass die Menschen ohne geistige Anstrengungen und klares Verstehen nicht zwischen einer Handlung vieler Menschen und vielen Handlungen einer Menge unterscheiden können, wie zum Beispiel zwischen der einen Handlung aller römischen Senatoren bei der Tötung Catilinas und den vielen Handlungen einer Anzahl von Senatoren bei der Tötung Caesars. Und deshalb sind sie auch leicht geneigt, das für eine Handlung des Volkes zu handel, was eine Vielzahl von Handlungen einer Vielzahl von Personen ist, die vielleicht durch die Überredung eines einzelnen dazu gebracht wurden.

Unkenntnis der Gründe und ursprünglichen Einsetzung von Recht, Billigkeit, Gesetz und Gerechtigkeit führt die Menschen dazu, Gewohnheit und Beispiele zur Richtschnur ihrer Handlungen zu machen. So halte sie z.B. das für ungerecht, was gewöhnlich bestraft wurde, und für gerecht, für dessen Straflosigkeit und Billigung sie ein Beispiel oder einen Präzedenzfall anführen können, wie dies die Richter barbarischerweise nennen, die ausschließlich dieses falsche Maß der Gerechtigkeit anwenden. Sie gleichen dabei kleinen Kindern, die keinen anderen Maßstab für gute und schlechte Sitten haben als die Zurechtweisungen ihrer Eltern und Lehrer – außer, dass Kinder ständig an diesem Maßstab festhalten, die Erwachsenen aber nicht. Denn alt und halsstarrig geworden, berufen sie sich von der Gewohnheit auf die Vernunft und von der Vernunft auf die Gewohnheit, wie es ihnen gerade passt, wobei sie von der Gewohnheit abweichen, wenn es ihre Interessen erfordern und sich der Vernunft widersetzen, so oft sie gegen sie spricht. Das ist der Grund, weshalb die Lehre von Recht und Unrecht mit Feder und Schwert ständig umstritten wird, während dies bei der Lehre von den Linien und Figuren nicht der Fall ist. Denn bei diesem Gegenstand kümmern sich die Leute nicht um die Wahrheit, da es sich um etwas handelt, das niemandens Ehrgeiz, Profit oder Lust beeinträchtigt. Wäre der Satz: Die drei Winkel eines Dreiecks sind gleich den zwei rechten Winkeln eines Quadrats dem Herrschaftsrecht irgendeines Menschen oder den Interessen deren, die Herrschaft innehaben, zuwidergelaufen, ich zweifle nicht daran, dass diese Lehre wenn nicht bestritten, so doch durch Verbrennung aller Lehrbücher der Geometrie unterdrückt worden wäre, soweit die Betroffenen dazu in der Lage gewesen wären.

[…]

Und diejenigen, welche die natürlichen Ursachen der Dinge wenig oder überhaupt nicht untersuchen, neigen doch dazu, verschiedene Arten von unsichtbaren Mächten anzunehmen und sich selbst zu erdichten. Dies geschieht aus der Furcht, die von der Unkenntnis dessen kommt, was die Macht besitzt, ihnen große Wohltaten zu erweisen oder großen Schaden zuzufügen. Auch fürchten sie ihre eigenen Einbildungen, rufen sie in Notzeiten an und danken ihnen, wenn sich ein erwarteter guter Erfolg einstellt. Dadurch machen sie die Geschöpfe ihrer eigenen Phantasie zu ihren Göttern. Daher kam es auch, dass die Menschen auf Grund der unzählbaren Vielfalt der Vorstellungen in der Welt unzählbare Arten von Göttern geschaffen haben. Und diese Furcht vor unsichtbaren Dingen ist der natürliche Keim dessen, was jedermann bei sich selbst Religion nennt, bei den anderen aber, die diese Macht auf andere Art verehren oder fürchten, Aberglauben.
Und da dieser Keim der Religion von vielen bemerkt wurde, kamen einige von ihnen auf den Gedanken, ihn zu nähren, zurechtzubiegen, in Gesetze zu verwandeln und schließlich irgendeine Meinung von den Ursachen zukünftiger Ereignisse hinzuzuerfinden, die ihnen, wie sie dachten, am meisten ermöglichte, andere zu regieren und deren Macht am gründlichsten für selbst auszunützen“.

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