Hamburger Verfassungsschutz: Rote Flora hat Ausschreitungen bei G20 von langer Hand geplant

Es rächt sich, dass die Ergebnisse, die jährlich in einem Verfassungsschutzbericht veröffentlicht werden, soweit sie Linksextremistmus betreffen und nicht benutzt werden können, um sich z.B. wie die Amadeu-Antonio-Stiftung als Nutznießer am Wirtsprogramm “Demokratie leben!” im dort finanzierten Kampf gegen den Rechtsextremismus zu verdingen, von Politikern schlicht ignoriert werden.

Man kann wohl mit einiger Sicherheit sagen, dass kein Politiker, der in der Hamburger Bürgerschaft Regierungsverantwortung trägt, jemals den Verfassungsschutzbericht der Innenbehörde Hamburg gelesen hat, der am 1. Juni 2017 und somit lange vor dem G20 veröffentlicht wurde. Denn hätte es auch nur einer von ihnen getan, es wäre bekannt gewesen, dass Linksextreme den G20-Gipfel benutzen wollen, um den “politischen Kampf auf die Straße zu tragen”, also in erster Linie Polizeibeamte zu verletzen, Autos anzuzünden, Schaufensterscheiben einzuwerfen und Läden zu plündern. Es wäre auch bekannt gewesen, dass die Rote Flora in Hamburg eine zentrale Funktion als logistisches und wohl auch Finanzzentrum für die linksextreme Szene hat. Und deshalb wäre inbesondere bekannt gewesen, dass die Rote Flora im Zentrum der kommenden Ausschreitungen stehen wird.

Wir zitieren nunmehr aus dem Verfassungsschutzbericht der Hamburger Innenbehörde. Das, was Sie nun lesen, wurde VOR dem G20-Gipfel geschrieben. Das, was sich an Gewalt und Ausschreitungen in Hamburg ereignet hat, wird ebenso vorhergesehen wie die Tatsache, dass die Rote Flora das logistische Zentrum der Steinewerfern und Plünderer darstellen wird:

“Ein Schwerpunktthema der autonomen Szene um die Rote Flora sind Überlegungen, in welcher Form sie den Protest gegen den G20-Gipfel im Juli 2017 gestalten kann. Um die Mobilisierung zu planen, lud die seit 2010 in verschiedenen Themenfeldern aktive Kampagne „Flora bleibt unverträglich“ für den 27. Oktober 2016 zu einer Vollversammlung unter dem Motto: „Den Gipfel auf die Straße setzen!“ ein. Bei den gut 150 Teilnehmern handelte es sich überwiegend um Szeneangehörige. Insbesondere wurde auf die zu erwartenden Polizeimaßnahmen und die  einzurichtenden Sperrzonen eingegangen. Die OSZE-Veranstaltung im Dezember 2016 wurde als eine Art Testlauf im Hinblick auf G20-Proteste verstanden.

Geplant ist, die Rote Flora und das Centro Sociale im Juli 2017 als Info-Zentrum zu betreiben. Den Veranstaltungsort Hamburg sahen viele als Provokation – andere waren der Auffassung, dass die Proteste im Szeneviertel einer Großstadt leichter durchzuführen seien als in abgeschiedenen ländlichen Gebieten. Konkrete Vereinbarungen wurden bis Redaktionsschluss des Verfassungsschutzberichts nicht getroffen. 

Ebenfalls von „Flora bleibt unverträglich“ wurde am 01. Dezember 2016 ein Artikel mit dem Tenor „[HH-NoG20] Schluss mit dem Konsens: Für Differenzkultur und radikale Antworten gegen den Wettbewerb der Elendsverwaltung“ publiziert. Mit Blick auf den G20-Gipfel werden mögliche Zielsetzungen und Perspektiven autonomer und unabhängiger Mobilisierungen gegen den G20-Gipfel diskutiert. Es sei notwendig, „Ideen radikaler Gesellschaftveränderungen sichtbar zu machen“. Es „gelte, Brüche, Differenzen und Streitkultur aufzuzeigen“. Denn „G20-Proteste – vor allem Anti-TRUMP, Anti-Erdoğan oder Anti-PUTIN – werden ihre Wirkung verfehlen, da sie keine wirklichen Umbrüche herbeiführen und keine nachhaltigen Effekte beinhalten”. Statt „Selbstdomestizierungen im politischen Konsens“ würden „Revolten und Revolutionen“ benötigt. Daran messe sich der Erfolg der Proteste gegen den G20-Gipfel. Hiermit grenzt sich die autonome Szene inhaltlich von breiten Konsensveranstaltungen wie
der „Interventionistischen Linken“ ( 5.1.2) ab.

Zahlreiche seit Mai 2016 bundesweit verübte Sachbeschädigungen im Kontext des G20-Gipfels lassen aufgrund der Bekennerschreiben auf Täter aus der autonomen Szene schließen. Dies gilt auch für den Angriff auf die Firma COSCO am 08. September 2016 sowie den Buttersäureanschlag am 17. Oktober 2016 auf das Fahrzeug des Präsidenten des
Bundesverbandes deutscher Banken ( 4.).

Unter dem Motto „Welcome to hell“ wurde am 23. Dezember 2016 ein mutmaßlich aus dem Umfeld der „Roten Flora“ verfasster Beitrag veröffentlicht. Demzufolge sei eine eigene Mobilisierung zu G20 geplant. Der Beitrag schließt mit den Worten:

„Im Gegensatz zur bürgerlichen Opposition werden wir den Herrschenden keine Alternativen vorschlagen, um das kapitalistische System am Leben zu erhalten […] wir werden selbst bestimmen, welche Aktionsformen für uns politisch angemessen und vermittelbar sind“. Ferner wird auf die „Internationale Antikapitalistische Demonstration der radikalen Linken am Donnerstag, den 6. Juli 2017“ verwiesen, die von einem „Bündnis gegen den G20“ unter dem Tenor „Für eine solidarische Welt – gegen den G20-Gipfel in Hamburg!“ von einem Protagonisten der Roten Flora angemeldet wurde.”

Es gibt tatsächlich Personen des linken öffentlichen Lebens in Deutschland, die nach wie vor behaupten, Linke und Gewalt habe nichts miteinander zu tun. Tatsächlich leben Linke und Gewalt eine symbiotische Beziehung.

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USA: Antifa zur terroristischen Organisation erklärt

Kriminologen mühen sich nun schon seit Jahrhunderten, deliquentes Verhalten zu erklären. Dabei hat der Kriminelle unterschiedliche kausale Bestimmungen erfahren. Von der biologischen Veranlagung bis zum Erlernten reicht die Spannbreite der Erklärungen.

Mitglieder der Antifa treten regelmäßig mit delinquentem Verhalten in Erscheinung. Ihr Repertoire reicht von der einfachen Sachbeschädigung bis zur bandenmäßig ausgeübten Gewalt, wie sie im schweren Landfriedensbruch ihren Niederschlag im Strafgesetzbuch gefunden hat.

Die Erklärung der entsprechenden Straftaten ist eine Herausforderung für kriminologische Theorien.

Rational Choice Theorien gehen davon aus, dass Kriminalität ein geplantes und zielgerichtetes Verhalten ist, das um eines Nutzens Willen begangen wird. Ein Einbrecher hofft auf Beute. Ein Dieb will sich in den Besitz eines Gutes bringen. Ein Mörder hofft auf reiches Erbe, und ein Gewalttäter verbindet damit, dass er sein Gegenüber grün und blau schlägt, die Hoffnung auf Status innerhalb seiner Peer-Group.

Die entsprechende Erklärung ist eine individualistische Erklärung, die einen individuellen Nutzen als Grund dafür sieht, das Straftaten begangen werden.

Bei der Antifa hat man das Gefühl, Rational-Choice Erklärungen greifen zu kurz, denn der individuelle Nutzen, der daraus zu gewinnen ist, dass man gemeinschaftlich Steine auf Polizeibeamte wirft, daraus, dass Mülltonnen oder Pkws Unbeteiligter in Brand gesteckt werden, ist eher unbestimmt, sofern er überhaupt vorhanden ist. Ideologische Kriminelle wie sie sich bei der Antifa finden, scheinen in ihrem Verhalten durch die Annahme, sie würden sich rational verhalten, nur unzureichend erklärt zu werden.

Wie also die scheinbare Irrationalität der Antifa-Kriminellen erklären?

Eine Möglichkeit besteht darin, auf den alten Zweig biologischer Erklärungen auszuweichen und – in modernisierter Fassung – anzunehmen, dass sich Antifa-Kriminelle durch eine genetische Besonderheit oder Absonderlichkeit vom Rest der Bevölkerung unterscheiden.

Eine unbefriedigende Erklärung, weil sie keinerlei sozialen Einfluss, keinerlei individuelle Motive für die Begehung von Straftaten benötigt und man über kurz oder lang in Erklärungsnot kommt: Wie zum Beispiel kann man die Zusammenrottung von Antifa-Kriminellen in von ihnen besetzten Häusern biologisch erklären? Man müsste eine Form von Anziehungskraft, ähnlich der, die Fliegen zum ranzigen Käse leitet, annehmen und wäre noch spekulativer unterwegs als man dies mit biologischen Erklärungen sowieso schon ist.

Eine bessere Möglichkeit besteht darin, das delinquente Verhalten von Antifa-Kriminellen im Rahmen einer Lerntheorie zu erklären, wie sie z.B. Edwin K. Sutherland entwickelt hat und mit der Anomie-Theorie von Robert K. Merton zu verbinden.

Sutherland hat seine Theorie differenzieller Assoziation u.a. vor dem Hintergrund ethnographischer Studien über Jugendbanden wie sie Trasher und Whyte durchgeführt haben, entwickelt. Im Kern sagt Sutherland, dass delinquentes Verhalten erlerntes Verhalten ist, das sich immer dann zeigt, wenn die Handlungsangebote, die delinquentes Verhalten zu Gegenstand haben, häufiger sind, als die Handlungsangebote, die nicht-delinquentes Verhalten zum Gegenstand haben.

Die Verbindung zur Bandenforschung ist offenkundig, denn in Banden richtet sich das meiste Bestreben darauf, durch Straftaten einen Vorteil zu erzielen. Bandenmitglieder werden in ein Leben als Straftäter sozialisiert, erhalten nicht nur die Mittel zur Begehung von Straftaten, sondern auch die Begründungen für die Begehung von Straftaten mitgeliefert. In diesem Sinne hat Trasher in seiner Untersuchung zu Jugendbanden etwa gezeigt, dass Gewalttaten, die für normale Beobachter wie eine sinnlose Tat erscheinen, für die Mitglieder der Bande einen Statusgewinn zur Folge hatten. Wer sich durch Gewalttaten hervortat, hat damit einen Anspruch auf Führung der Gruppe begründet.

Mit anderen Worten, was für Außenstehende wie sinnloser Vandalismus und sinnlose Gewalt aussieht, hat für die Antifa-Mitglieder einen internen Wert. Sie können sich voreinander produzieren, sich als besonders wertvolle, weil besonders gewalttätige Mitglieder der Antifa-Bande darstellen und auf diese Weise Status gewinnen. Diese Erklärung macht die Nähe der Antifa zur Jugendbande deutlich und zeigt, dass die Antifa-Bande von einer Mehrheit infantiler Mitglieder aufrecht erhalten wird. Zu dieser Mehrheit der Infantilen gesellen sich in der Regel ein oder mehrere opportunistische Gruppenmitglieder, die aus der Infantilität der anderen einen direkten Nutzen, zumeist in Form von Geld oder materiellen Leistungen ziehen.

Nunmehr bleibt noch zu erklären, warum sich die Antifa-Kriminalität gegen die Vertreter des Staates und gegen das richtet, was die Antifa-Kriminellen als kapitalistisches System ansehen.

Hier hilft Merton mit seiner Anomietheorie weiter. Letztere ist eigentlich eine Deprivationstheorie, denn sie erklärt z.B. delinquentes Verhalten als Ergebnis eines Auseinanderklaffens gesellschaftlicher Ziele und individuell verfügbarer Mittel. Das klassische Beispiel waren zu Zeiten Mertons die Kids aus der Bronx, die entweder als Super-Basketballspieler oder als Krimineller in den Besitz der materiellen Mittel kommen konnten, die sie benötigten, um sich z.B. ein Auto leisten zu können.

Heute hat der Wohlfahrtsstaat die Bedürftigkeit weitgehend beseitigt. Mit einer zunehmenden materiellen Sicherung geht eine zunehmende ideologische Unzufriedenheit einher, die man auch als Neid bezeichnen und mit Homans erklären kann, der die These aufgestellt hat, dass die Befriedigung von einem Bedürfnis dazu führen wird, neue Bedürfnisse zu entwickeln. Wenn ein Antifa-Krimineller als von dem Staat, dessen Repräsentanten er bekämpft und als Ergebnis des wirtschaftlichen Systems, das er abschaffen will, in einer Weise ausgehalten wird, die ihn von der Sorge um seinen täglichen Lebensunterhalt freistellt, sind Grundbedürfnisse befriedigt und die Grundlagen für die Entwicklung neuer Bedürfnisse gelegt. Da Antifa-Kriminelle keine Grundbedürfnisse haben, die befriedigt werden müssen, bleibt ihnen nur, ihre Situation mit der Situation von anderen zu vergleichen, nicht mit anderen, die arbeiten, sondern mit anderen, die, wie sie meinen, nicht arbeiten, so wenig arbeiten wie die Antifa-Kriminellen, um nunmehr ihre psychologischen Bedürfnisse zu befriedigen.

In der Vorstellungswelt der Antifa sind es die Reichen, die gesichtslosen Konzerne, die unbekannten Bonzen, die wenigen, die so viel Reichtum gehortet haben, während die vielen, arbeiten müssen, die zum gesellschaftlichen Ziel im Sinne Mertons aufgebaut werden, und weil es dem ordinären Antifa-Kriminellen nicht möglich ist, den Reichtum zu emulieren, den er gerne hätte, weil er nicht einmal in der Lage ist, an die Reichen, die er so bewundert und beneidet, heranzukommen, um sie direkt um ihren Reichtum zu erleichtern, bleibt ihm nur Destruktivität, quasi der Aufstand der Neidischen gegen die von ihnen phantasierten Reichen, ein Aufschrei der Anomie, ausgeübt von denen, die sich mit ihrer Rolle als Loser abgefunden haben und nun von dem Motiv beherrscht werden, diejenigen, die sie als Ursache dafür sehen, dass es Reiche gibt, zu bekämpfen: Den Staat und seine Institutionen, die Wirtschaft und ihre vermeintliche Organisation als kapitalistisches System.

Wären beide, politische und wirtschaftliche Ordnung, beseitigt, so unsere Rekonstruktion der psychologischen Bedürfnisse der Antifa-Kriminellen, dann hätte niemand mehr als sie, und es wäre entsprechend nicht nötig, auf andere neidisch zu sein.

Zusammengenommen ergibt sich für die Antifa das Bild einer bandenmäßigen Struktur, einer Form organisierter Kriminalität, deren Ziel nicht darin besteht, für sich (finanzielle) Ressourcen zu gewinnen, sondern darin, die (finanziellen) Ressourcen anderer zu zerstören. Die Destruktion als das Motiv, das Antifa-Kriminelle an ihre kriminelle Vereinigung bindet, bringt ein Symbolsystem mit sich, das Status für Straftaten gegen die Institutionen des Staates vergibt und Gewalttaten als Mittel, einen Anspruch auf eine höhere Position innerhalb der Hierarchie der kriminellen Vereinigung zu erheben, einführt. Im Ergebnis werden Straftaten gegen den Staat, seine Institutionen und neuerdings vermehrt gegen Menschen mit anderer Meinung, die als ideologische Feinde angesehen werden, geplant und organisiert, und zwar mit dem Ziel, durch direkte Gewalt, die mehr oder weniger willkürlich ist, Angst und Schrecken zu verbreiten, Gewalt gegen einen oder einige wird genutzt, um Zwang und Druck auf andere und auf staatliche Institutionen auszuüben.

Damit kann die Antifa nicht nur als kriminelle Organisation, die bandenmäßige Strukturen aufweist, erklärt werden, sie muss auch als terroristische Vereinigung angesehen werden.

Und zu genau diesem Ergebnis ist die New Jersey Homeland Security gelangt. Deshalb wird in den USA die Antifa seit dem 3. Juli 2017 als terroristische Vereinigung angesehen.

Literatur

Cornisch, Derek B. & Clarke, Ronald U. (eds.) (1989). The Reasoning Criminal. Rational Choice Perspectives on Offending. New York: Springer.

Decker, Scott H. & van Winkle, Barrik (1996). Life in the Gang. Family, Friends and Violence. Cambridge: Cambridge University Press.

Merton, Robert K. (1968). Sozialstruktur und Anomie. In: Sack, Fritz & König, René (Hrsg.): Kriminalsoziologie. Frankfurt a. M.: Akademische Verlagsgesellschaft, S. 283-313.

Merton, Robert K. (1958). Social Theory and Social Structure. Glencoe: Free Press.

Sutherland, Edwin K. (1947). Principles of Criminology. Philadelphia: Lippincott.

Trasher, Frederic M. (1936). The Gang. Chicago: University of Chicago Press.

Whyte, William F. (1943). Street Corner Society. Chicago: University of Chicago Press.

Neo-Orientalismus im Bundestag – Ressourcenverschwendung im Extrem

Vorrede: Ressourcen sind begrenzt. Die Ressourcen, die man für eine Sache einsetzt, stehen nicht mehr für eine andere Sache zur Verfügung. Wenn man also Ressourcen für eine unwichtige Sache verschwendet, dann fehlen die entsprechenden Ressourcen, um eine wichtige Sache anzugehen.

Erving Goffman hat wie kein Anderer das Soziale als Schauspiel beschrieben und durchschaut. Wir alle spielen Theater ist die deutsche Übersetzung seines Klassikers, der mit „The Presentation of Self in Everyday Life“ einen wesentlich besseren Titel trägt: Die Selbstdarstellung im täglichen Leben, wäre ein sinnvollerer Titel gewesen.

Das tägliche Leben, es besteht aus der täglichen Inszenierung von sozialen Rollen, aus der Errichtung einer Fassade vor oder hinter der die dramatische Gestaltung der Selbstinszenierung erfolgen kann, es besteht aus Ausdruckkontrolle und Idealisierung und vor allem aus dem Versuch, glaubwürdig zu erscheinen.

Gutmenschen, also Menschen, die als „gute Menschen“ erscheinen wollen, denen es wichtig ist, sich als das zu inszenieren, was sie für einen guten Menschen halten, sie haben es heute schwer. Gerade noch haben sie in einer modernen Variante des Orientalismus des 18. und 19. Jahrhunderts, die man als Neo-Orientalismus bezeichnen kann, Flüchtlinge als Form kleiner schwarzer Kinder, um die man sich kümmern muss, idealisiert, da haben sich die idealen Flüchtlinge, die zu Millionen nach Deutschland kommen, als gar nicht ideal, sondern als menschlich entpuppt. Sie haben andere Bedürfnisse als von den Gutmenschen für sie vorgesehen, sie bringen andere kulturelle Traditionen mit, sie haben andere Wertvorstellungen, in denen weder Homosexualität einen Platz hat noch eine öffentliche Exposition von Sexualität, sie sind zuweilen gar kriminell und mögen die deutsche Küche nicht. Wenn Gutmenschen auf die Realität treffen, dann passiert, was immer passiert: Ihre Idealisierung zerfällt zu Staub, ihre Inszenierung als Gutmensch ist entsprechend in Gefahr, ihre mühsam errichtete Fassade, sie bröckelt.

Da wiederum die Inszenierung als Gutmensch nicht um ihrer selbst willen, sondern deshalb erfolgt, weil die eigen Persönlichkeit davon abhängt, bringen die undankbaren Flüchtlinge, die sich als normale Menschen entpuppen, nicht nur die Fassade der Gutmenschen-Darstellung, sondern die ganze Persönlichkeit des Gutmenschen in Gefahr.

Folglich muss ein neues Feld her, auf dem sie sich als Gutmenschen dramatisieren können. Sie benötigen eine neue Gruppe, derer man sich bemächtigen kann, die man idealisieren kann, der man sich überlegen fühlen kann und auf deren Rücken man sich gut fühlen und als gut inszenieren kann. Die entsprechende Gruppe darf nicht zahlreich sein, sonst besteht zum einen die Gefahr, dass die Idealisierung durch Konfrontation mit dem real existierenden edlen Wilden in sich zusammenfällt, zum anderen lebt die ganze Dramaturgie, das ganze Signalisieren der eigenen Gutheit, das virtue signalling, und somit die Inszenierung der eigenen Persönlichkeit davon, dass das für die Gutheit ausgewählte Objekt, sich nicht als etwas anderes entpuppt als es zu sein hat.

Da Flüchtlinge, undankbare kleine Braune, die sie sind, sich als normale Menschen erwiesen haben, haben sich die Gutmenschen auf eine Gruppe zurückbesonnen, die ihnen schon einmal als Objekt gedient hat: Homosexuelle.

Homosexuelle sind optimal, wenn man sich als guter Mensch inszenieren will. Man erklärt, dass Homosexuelle nicht benachteiligt werden dürfen. Kämpft dafür, dass sie nicht diskriminiert werden. Macht sie zu einer idealen Lebensform, einer von der heterosexuellen Mehrheit unterdrückten Lebensform, in der sich nicht etwa Männer in Leder mit einem Hang zu Sado-Masochismus treffen oder Männer, die ihre finanzielle Position ausnutzen, um sich mit Crystal-Meth auszurüsten und Strichjungen zu kaufen, oder Frauen, die ihre Faszination und gleichzeitige Angst vor Männlichkeit hat eine Psychose entwickeln lassen, nein, Homosexuelle sind rein wie kleine Kinder. Sie haben kein erhöhtes Aids-Risiko, sind mindestens genau so gute Eltern wie heterosexuelle Eltern und in jeder Hinsicht die überlegene Lebensform, schon weil sie wie die Kindlein sind – jedenfalls in der Idealisierung derer, die sich auf dem Rücken von Homosexuellen ausleben.

[Ein Aspekt homosexueller Kultur:]

Homosexuelle sind auch deshalb optimal, weil es kaum welche von ihnen gibt, und die, die es gibt, die sich in der Öffentlichkeit als homosexuell inszenieren, sie werden als Ikonen eines Befreiungskampfes aufgebaut, der dieses Mal keine unterdrückten Minderheiten zum Gegenstand hat, die in stattlicher Anzahl vorhanden sind, wie z.B. die Palästinenser, die um staatliche Anerkennung kämpfen, sondern eine so kleine Minderheit, dass man sie einerseits mit der Lupe suchen muss, um sie zu finden, andererseits die Gefahr reduziert ist, dass sie sich als normale Menschen erweisen, die von der Idealisierung von Homosexualität, auf der die öffentliche Diskussion basiert, abweichen.

Um die Idealisierung auf die Spitze zu treiben, unterstellen die Kämpfer für die Gleichberechtigung von Homosexuellen Letzteren, dieselbe Spießigkeit, die sie selbst auszeichnet, eine Spießigkeit, die das eigene Leben in die Obhut des Staates und den rechtlichen Schutz seiner Gesetze legen will, eine Spießigkeit, für die Partnerschaft so gefährlich und bedrohlich ist, dass man sie nur eingeht, wenn klar ist, welche Rechte und Pflichten damit einhergehen. Selbstverständlich wollen Homosexuelle nichts lieber als heiraten, um zu zeigen, dass sie zwar anders, aber nicht zu anders sind.

So sehen es die Gutmenschen und so kommt es, dass der Bundestag über die Ehe für Alle abstimmen wird, dass er seine Ressourcen einsetzen wird, um ein Recht zu schaffen, von dem, wenn man annimmt, dass der Anteil der Homosexuellen, die heiraten werden, dem Anteil der Verheirateten in der Bevölkerung entspricht, gerade einmal 0,23% der Haushalte in Deutschland etwas haben werden.

Wie das Statistische Bundesamt heute mitgeteilt hat, gibt es rund 94.000 homosexuelle Partnerschaften. Gemessen an den 24.099.000 Haushalten, in denen zwei oder mehr Personen zusammenleben, macht dies einen Anteil von 0,4%. Rund 61% der Deutschen im Alter von 27 bis 59 Jahre sind verheiratet. Unterstellt man Homosexuellen dasselbe Heiratsverhalten, dann stimmt der Bundestag über Rechte ab, die von 0.23% der deutschen Haushalte wahrgenommen werden.

[Noch ein Aspekt homosexueller Kultur:]

Dieser Irrelevanz homosexueller Ehen im gesellschaftlichen Kontext steht die Nützlichkeit von Homosexualität für Virtue Signalling gegenüber. Kein anderes Thema hat es in den letzten Wochen und Monaten geschafft, die Phantasie derer, die in Medien und Politik sitzen, so zu beflügeln, wie Homosexualität, jene Verhaltensweise, von der die meisten nicht mehr wissen als sie in ihrer Phantasie sich auszumalen, im Stande sind. Wobei diese Phantasie in den meisten Fällen kein gutes Licht auf den Charakter der Phantasten werfen wird. Homosexualität, die Vorstellung vom edlen Schwulen, sie steht somit in einer direkten Reihe mit dem Orientalismus, jener Bewegung, die Deutschland schon einmal im Griff hatte, damals mit Blick auf die arabischen Staaten, die die Phantasie mancher Deutscher in einer Weise beflügelt haben, die umgekehrt reziprok zu den Kenntnissen besagter Deutscher von arabischen Ländern stand.

Aber, wie schon mit Blick auf die Flüchtlinge festgestellt, es geht nicht darum, die Realität zu beschreiben. Es geht darum, sich als Gutmensch zu inszenieren, eine dramatische Darstellung zu liefern, die zeigt, man ist der Samariter, auf den selbst die Bibel umsonst gewartet hat. Die Realität stört dabei nur. Sie stört den Neo-Orientalismus und die von ihm versprochene Möglichkeit, der eigenen Phantasie Flügel zu verleihen, die Grenzen überwindet, Grenzen der Moral, Grenzen des guten Geschmacks, des pfleglichen und verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen …

P.S.
Wenn Homosexuelle zusammenleben wollen und sich ihrer nicht sicher sind, so dass sie eine rechtliche Sicherheit benötigen, steht ihnen jederzeit die Möglichkeit zur Verfügung, einen privatrechtlichen Vertrag mit einander abzuschließen. Es gibt keinerlei Notwendigkeit, homosexuelle Partnerschaften per Zugang zur Ehe unter den Schutz des Grundgesetzes und nachfolgend in den Genuss der damit verbundenen steuerlichen Vorteile, staatlichen Subventionen und sonstigen finanziellen Zuwendungen kommen zu lassen. Wenn es um Gerechtigkeit geht, bestünde der sinnvollere Weg darin, die Privilegierung von Lebensentwürfen abzubauen, anstatt den privilegierten Lebensentwürfen neue hinzuzufügen, denn: auch finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Die Staatsknete kommt nicht aus der Steckdose, sie muss erwirtschaftet werden, von denen, die nach wie vor dumm genug sind, ein Erwerbs- und kein Transferleben zu leben.

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[Zugabe: Ein weiterer Aspekt homosexueller Kultur:]

Ehe für alle – Armseligkeit und Phantasielosigkeit treffen die Bundestagswahl

Als Konrad Adenauer zur Wahl angetreten ist, ging es in Deutschland um Richtungsentscheidungen, Entscheidungen, die er und u.a. Ludwig Erhard dann getroffen haben, für eine Marktwirtschaft und eine Integration im Bündnis der westlichen Staaten.

AdenauerWilly Brand hat die Ostpolitik ins Leben gerufen und der Politik seiner Zeit nicht nur mit einem Kniefall seinen Stempel aufgedrückt.

Helmut Schmidt, nun, über Helmut Schmidt und die Entscheidungen seiner Regierungen, vom Nato-Doppelbeschluss bis zum Radikalenerlass, muss man keine Worte verlieren.

Von Helmut Kohl kann man halten, was man will, aber die brachiale Zielstrebigkeit, mit der er die DDR angeschlossen hat (Für unsere jungen Leser: ursprünglich wurde die DDR an die BRD angeschlossen), die hat selbst Margaret Thatcher beeindruckt.

Gerhard Schröder hat nicht nur seine Haare nicht gefärbt, er hat auch mit der Agenda 2010 und den darin enthaltenen Hartz-IV-Reformen das Wohlfahrtssystem zumindest versucht, wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Und dann kam Merkel.

Und es traten die Profilierungsthemen an die Stelle von politischen Entscheidungen.
Politische Korruption wurde zur Normalität, dafür sorgt nicht zuletzt der sozialdemokratische Koalitionspartner.

Vor allem kam das Virtue Signalling. Politiker sehen ihre Aufgabe nicht mehr darin, Entscheidungen zu treffen, die einen relevanten Gegenstand haben. Politiker sehen ihre Aufgabe vor allem darin, Virtue Signalling zu betreiben, also sich als Lichtgestalt zu inszenieren, die keine Ahnung von Politik, dem politischen System, dem Rechtssystem oder anderen Dingen hat, die Politiker früher einmal wussten, die aber gut ist, d.h. als gut erscheinen will.

Deshalb

  • Titanic cover Kohl dopingsorgen sich Justizminister lieber um das, was sie für Hasskommentare halten als dass sie sich um den Zustand der Rechtspflege kümmern würden;
  • sind Innenminister der Meinung, dass ihre Hauptaufgabe darin besteht, die eigene Bevölkerung zu überwachen;
  • sind Finanzminister damit beschäftigt, das Ersparte der eigenen Bevölkerung auf ein historisches Minimum zu reduzieren;
  • versuchen Familienminister alle möglichen zwischenmenschlichen Bereiche, die einst problemlos funktioniert haben, dadurch zu zerstören, dass sie rechtsextreme Gespenster von steuerfinanzierten Geistersehern jagen lassen und gefallen sich ansonsten darin, Zwietracht in Beziehungen zwischen Geschlechtern zu tragen;
  • finden Bildungsminister einen Gefallen daran, Hochschulen und sonstige Stätten, die einst der Vermittlung von Wissen dienten, durch eine forcierte Feminisierung zu zerstören, die die unmotivierte Halbtagskraft an die Stelle der kompetenten Vollzeitkraft setzt, die auch Überstunden macht, um zu garantieren, dass der Laden läuft;
  • ist der Verteidigungsminister der größte Feind der Truppe;
  • Während der Bundeskanzler sein Ego kämmt und Millionen von Migranten als Faustpfand einsetzt, mit dem er (vergeblich) den Friedensnobelpreis zu erreichen hofft.

Und zur Krönung dieses Wahnsinns, die Anthony Downs, der sowieso schon keine hohe Meinung von Parteien hatte, posthum in einer Weise Recht gibt, die Downs gar nicht Recht gewesen wäre, verschmelzen die Parteien, die sich einst liberal oder noch mehr einst sozialdemokratisch nannten, in einer wahren Orgie des Realitätsverlusts.

Das Top-Wahlkampfthema, das Thema, von dem die SPD und die Grünen, und die LINKE und die FDP (die FDP!) eine Regierungsbeteiligung abhängig machen wollen, ist: Die Ehe für alle!

Was soll man dazu sagen?

Vielleicht:
Homosexuelle, Schwule und Lesben und diejenigen, die nur von sich wissen, dass sie keine Heterosexuellen sind, machen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung aus, irgendwo zwischen 2% und 8% der Bevölkerung, je nach Studie oder Schätzung. Wer sich für Genaueres interessiert, sei auf den Beitrag „Homosexualität und Suizidrisiko“ verwiesen, den Dr. habil. Heike Diefenbach für die Blaue Reihe von ScienceFiles erstellt hat.

Man gewinnt keine Wahlen mit Wahlgeschenken an weniger als 10% der Bevölkerung.

Vielleicht:
Das Echozimmer, in das sich die Delegierten und aktiven Parteimitglieder selbst eingeschlossen haben, mag zwar von der Freude über die Ehe für alle wiederhallen, aber der große Teil der Bevölkerung hat wirkliche, keine eingebildeten Probleme, Probleme, die da anfangen, wo der Bruttolohn um 49% im Durchschnitt schrumpft und da aufhören, wo die Rente nicht einmal ansatzweise zu einem normalen Leben reicht. Und was ist für SPD, FDP relevant? Die Ehe für alle!

Vielleicht:
Virtue Signalling, also die Inszenierung der eigenen Person oder der eigenen Partei in gutmenschlicher Darstellung ist nur da sinnvoll, wo sie nicht dazu führt, dass andere am Verstand des oder der Inszenierenden zweifeln.

Wir zweifeln am Verstand derjenigen, die die „Ehe für alle“ zum Zünglein an der Regierungswaage gemacht haben. Massiv.

Es gibt Menschen in Deutschland, die wissen nicht, wovon sie im Alter leben sollen. Ehe für alle interessiert sie nicht. Es gibt Menschen in Deutschland die vegetieren in Dreibettzimmern in angeblichen Pflegeheimen und fixiert an ihr Bett dahin, oftmals im eigenen Urin. Ob sie für eine Ehe für alle begeistert werden können?

Wir zweifeln…


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Wie geht eigentlich “sozial”? In Deutschland wedelt der Schwanz mit dem Hund

Ein Tweet aus dem hoh(l)en Norden Deutschlands hat uns veranlasst, die Frage, was ist eigentlich sozial, was ist das Soziale aufzunehmen.

Offenkundig ist „sozial“ der größte Verkaufsschlager der politischen Linken und eine feste Marke in ihrem Angebot, das sie gratis unter Wählern verteilen, immer in der Hoffnung, dass das große Geschenk „sozial“ die Stimmen derer, die auf das Wort geeicht sind, bringt.

Aber was ist das “Soziale”.

Das Philosophische Lexikon weiß rat:
“Sozial (von lat. Socialis, ‚kameradschaftlich‘, ‚gemeinschaftlich‘), bezeichnet das Zwischenmenschliche, d.h. alles, was mit dem Zusammenleben von Menschen zusammenhängt, bes. also in den Bedeutungen: gesellschaftsbetreffend, gesellschafts- und gemeinschaftsbildend; Gegensatz -> asozial (gemeinschaftsschädigende) -> auch Sozialismus.”

Das Soziale liegt somit in der Interaktion von Menschen. Wenn Menschen mit einander agieren, etwas tauschen, wenn sie handeln, dann ist das sozial. Und so steht es dann auch im Wörterbuch der Soziologie:

Soziologie Woerterbuch„Sozial (lat., die Gesellschaft betreffend), in der Soziologie allg. wertneutrale Bezeichnung für prozeßhafte zwischenmenschliche Beziehungen (Interaktionen), für wechselseitig orientiertes Handeln von Menschen (M. Weber) u. für Gebilde, die aus relativ dauerhaften zwischenmenschlichen Beziehungen hervorgehen. Diese Beziehungen, Handlungen und Gebilde, die in den Gesamtzusammenhang der Gesellschaft eingelagert sind, beinhalten sowohl Kooperation wie auch Konflikt. In der Alltagssprache wird mit dem Wort sozial mehr wertend ein bestimmtes Verhalten bezeichnet, das im Gegensatz zum unsozialen Verhalten menschenfreundlich-gemeinnützig geprägt ist.“

Nehmen wir zu Gunsten von Ralf Stegner an, dass er das Wort „sozial“ alltagssprachlich, also wertend benutzt, um sich damit als Menschenfreund zu inszenieren. Inszenieren ist der modus operandi, denn „das Soziale“ an sich hat nichts mit Menschenfreundlichkeit zu tun, sondern mit Interaktion zwischen Akteuren.

Wenn Akteure, also z.B. Hans Meyer und Peter Briegel, in eine Interaktion miteinander treten sollen, dann benötigt zumindest einer von ihnen einen Grund dafür. Peter Briegel mag am Straßenrand betteln. Hans Meyer ihm einen Euro in den Hut werfen. Die Interaktion ist entweder einseitig. Hans Meyer wirft einen Euro in den Hut. Oder wechselseitig: Peter Briegel bedankt sich für den Euro. Peter Briegel mag ein Klempner sein, der im Haus und nach Anruf von Hans Meyer das Leck im Heizungsrohr repariert. Die Interaktion ist wechselseitig in etlichen Stationen, Meyer ruft Briegel an. Briegel kommt zu Meyer. Briegel repariert das Rohr. Meyer bezahlt Briegel. Beide haben einen Nutzen von der Interaktion. Hans Meyer kann man sich auch als Priester vorstellen, der Peter Briegel die Beichte abnimmt. Nach der Beichte macht Hans Meyer einen Strich in seinem Arbeitspensum und Briegel fühlt sich erleichtert. Beide haben abermals einen Nutzen von der Interaktion.

Das Soziale verlangt entsprechend nicht nur nach Interaktion, es verlangt auch nach einem Nutzen. Geselligkeit im Gesangverein ist Ausdruck des Sozialen. Alle, die daran beteiligt sind, haben einen Nutzen. Kameradschaft im Schützengraben des ersten Weltkriegs ist ein Ausdruck des Sozialen. Alle daran beteiligten haben einen unmittelbaren Nutzen z.B. durch gegenseitige Hilfe.

Das Soziale fordert Interaktion. Interaktion gibt es nur, wenn die Interagierenden einen Nutzen von der Interaktion haben. Das verlangt, dass eine Interaktion reziprok ist. Einer macht den Anfang, einer folgt nach. Einer gibt etwas, einer gibt etwas zurück. Einer spendet, einer bedankt sich. Und so weiter.

Was in Deutschland mit Begriffen wie „soziale Ungleichheit“, „soziale Gerechtigkeit“ „soziales Gewissen“ oder einfach nur “sozial” geschaffen werden soll, was Ralf Stegner mit seiner undeutschen (sprachlich gemeint!) Behauptung, er wisse, wie „sozial gehe“ etablieren will, ist eine vollkommene Umdeutung des Sozialen. Sozial ist nicht mehr ein Austausch, sondern eine einseitige Verpflichtung.

Wer etwas leistet, muss von seinem Erwirtschafteten etwas abgeben. Das soll sozial sein.
Wer nichts hat, hat Anrechte auf den Ertrag der Arbeitskraft anderer, kann über den staatlichen Transfer auf deren Erwirtschaftetes zugreifen. Das soll sozial sein.
Wer weniger hat als ein anderer, kann nach einem sozialen Ausgleich ohne eigene Leistungserhöhung rufen. Das soll sozial sein.

Die Reziprozität, die bislang sichergestellt hat, dass das Soziale in Interaktionen geschaffen wird, sie wird gestrichen und durch eine Verpflichtung des Leistenden, zu geben und ein Recht, des nicht Leistenden, zu nehmen, ersetzt. Damit wird natürlich die Motivation dessen, der leistet, zerstört. Wozu sollte man Interaktionen aufnehmen, von denen man nichts hat?

Peoples_Dice_of_EqualityAlso muss der Leistende zum einen darüber getäuscht werden, dass er einen nicht Leistenden ohne Gegenwert unterhält. Das geschieht über die Formulierung von allerhand Rechten, die alle eines gemeinsam haben: Sie verlangen von denen, die leisten, eine Finanzierung ohne denen, die leisten auch nur die kleinste Kleinigkeit zurückzugeben. Es geschieht darüber, dass die Interaktion, die der Leistende nicht mehr direkt ausführt, weil er nichts davon hat, ihm indirekt aufgezwungen wird. Der Leistungsfluss, von dem, der leistet, zu dem, der nicht leistet, aber entgegennimmt, wird durch den Staat sichergestellt. Die Finanzbehörden des Staates nehmen dem Leistenden einen Teil seines erwirtschafteten Geldes und verteilen es an den nicht Leistenden. Das ist sozial, ist Umverteilung von Reich zu Arm wird dem Leistenden erzählt, und das ist dann der letzte Nagel im Sarg der Reziprozität, denn der Leistende, dem genommen wird, muss sich damit trösten, ein sozialer Mensch zu sein, der so sozial ist, dass er sogar das Hartz IV der Antifa finanziert, die sein Auto anzündet, weil es gerade am Wegrand geparkt war. Er muss sich damit trösten, weil derjenige, der an der Leistung des Leistenden teilhat, der nimmt ohne selbst zu leisten, ihm nicht danken wird, denn das Nehmen ist zwischenzeitlich zum Recht stilisiert worden. Nehmen, sich aushalten lassen, sind Rechte geworden, während für diejenigen, denen Nehmen und sich-Aushalten-lassen nicht so liegt, die Pflicht zur Arbeit haben.

Das Soziale, wie es Ralf Stegner vorschwebt, ist demnach nichts anderes als eine moderne Variante von Sklaventum, das eine Klasse von Individuen Mehrwert erwirtschaften sieht, eine Klasse von Individuen die Hände aufhalten und die eigenen Rechte einfordern sieht und eine Klasse von Individuen sich als soziale Wohltäter inszenieren sieht, die sich anmaßen darüber zu entscheiden, wem wie viel genommen und wem wie viel gegeben wird, vom Geld, das natürlich andere erwirtschaften.

Wenn Sie das nächste Mal einen Sozialisten hören, wie er den Begriff „sozial“ im Mund führt, halten Sie ihre Geldbörse fest, denn sozial bedeutet für Sozialisten nehmen ohne Gegenleistung; Diebstahl.

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