Käufliche Demonstranten: Nachhilfe für den Qualitätsjournalismus

Wo bleibt eigentlich der Qualitätsjournalismus?

Angeblich sind Journalisten doch so etwas wie Teile der vierten Gewalt, Akteure, die mit ihrer Arbeit die Regierenden kontrollieren.

Thuringia.svgNun, in Thüringen gibt es allen Grund, die Regierung intensiv zu kontrollieren, finanziert die Thüringische Landesregierung doch seit Jahren Demonstranten, die gegen Rechte demonstrieren. Dieser unglaubliche Eingriff in die Demonstrationsfreiheit, der die richtige Gesinnung bei Demonstrationen mit Geldgeschenken belohnt, rüttelt an den Grundfesten dessen, was die Freiheitlich-demokratische Grundordnung sein soll. Vom Kauf willfähriger Demonstranten mit richtiger Gesinnung bis zur direkten Bezahlung der eigenen Wähler ist es kein großer Schritt, und die Landesregierung Thüringen scheint auf dem besten Weg auch diesen Schritt zu machen.

[Direkte Bezahlung deshalb, weil es natürlich vielfältige Möglichkeiten der indirekten Bezahlung der eigenen Wähler gibt, z.B. über die weitverzweigten Netzwerke, die gegen dies und das, was der Mode-Gesinnung widerspricht, agitieren und Tausenden von Gesinnungs-Vasallen ein Auskommen verschaffen, Gesinnungs-Vasallen, die indirekt von den Regierenden dafür bezahlt werden, dass sie ihre Stimme bei der nächsten Wahl auch an die Parteien, die die Landesregierung formen und ihre Existenz alimentieren, vergeben.]

Für Qualitätsjournalisten gibt es also viel zu berichten und noch mehr zu recherchieren. Allein: Es gibt unseres Wissens bislang keinen Beitrag aus den Redaktionen, in denen sich angeblich die Qualitätsjournalisten klumpen, der sich mit den unglaublichen Vorgängen aus Thüringen und z.B. der unglaublichen Aussage des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, vertreten durch „Ohler, Staatsekretärin“ befasst, nach der die Finanzierung von Demonstranten durch die Landesregierung „das Demonstrationsrecht ermöglicht und nicht einschränkt“, eine Aussage, die die Frage nach sich zieht, warum dann, wenn die Wahrnehmung des Demonstrationsrechts eine Finanzierung durch die Landesregierung voraussetzt, nicht auch rechte Demonstranten finanziert werden.

Wie ist dieses Schweigen der Qualitätsjournalisten zu deuten: Können sie nicht berichten oder wollen sie nicht berichten?

Wir haben uns für die erste Alternative entschieden, und zwar vor dem Hintergrund des Aufrufes des “Expertenkreises Stiftungen & Qualitätsjournalismus im Bundesverband Deutscher Stiftungen”, in dem besagter Expertenkreis die Notwendigkeit kundtut, Qualitätsjournalisten erst auszubilden. Daraus muss man schließen, derzeit gibt es viele Journalisten, aber kaum bis keine Qualitätsjournalisten.

Um dieses jammerhafte Bild deutscher Redaktionsräume zu verbessern, haben wir uns also entschlossen Nachhilfe zu geben und Journalisten an die Qualität des Journalismus, den Qualitätsjournalismus heranzuführen.

Wir tun dies anhand von drei Beispielen zu möglichen Beiträgen, die ein Qualitätsjournalist, wenn es denn einen solchen geben würde, recherchieren und schreiben würde (ob er sie veröffentlicht bekommt, hängt wiederum davon ab, ob der Redaktionsleiter einen Qualitätsjournalisten in seiner Redaktion duldet…).

Hier also drei Bereiche, die ein Qualitätsjournalist im Hinblick auf den Thüringer Skandal, im Hinblick auf das Finanzieren von Demonstranten aus Steuermitteln bearbeiten könnte:

Demonstrationsprostituierte 2(1) Käufliche Demonstranten wurden aus so diversen Verbänden wie JUSOS in der SPD Thüringen, Komme e.V., Jena, JG-Stadtmitte Jena, der Stadtjugendring Suhl e.V., die Naturfreundejugend e.V. oder AUFANTHALT e.V. angeworben. Das wirft die Frage auf, wie diese Anwerbung funktioniert. Treten Demonstrantenfänger der Landesregierung in einschlägigen Etablissements an einschlägige Verbände heran und bieten Geld für Demonstration? Treten die Leiter dieser Verbände an die Landesregierung heran und bieten Demonstrationsteilnahme gegen Bezahlung? Wie verlaufen diese mafiösen Strukturen, wie funktioniert dieser Menschen- bzw. Demonstrantenhandel? Das herauszufinden wäre eine Aufgabe für einen Qualitätsjournalisten.

(2) Demonstranten wurden u.a. im Stadtjugendpfarramt Jena angeworben. Bilden sich hier Strukturen, die mit den Hass-Predigt-Strukturen, die sich in Moscheen finden sollen, vergleichbar sind, Strukturen, in denen angebliche Fürsorger (oder Seelsorger) das Vertrauen, das ihnen von Jugendlichen entgegengebracht wird, missbrauchen, um die entsprechenden Jugendlichen zu indoktrinieren und zu politischen Werkzeugen zu reduzieren? Das herauszufinden wäre eine weitere Aufgabe für einen Qualitätsjournalisten.

(3) Wenn man (2) noch etwas weiterdenkt, dann finden sich bei einer Reihe der staatlich finanzierten Bereitsteller von Demonstrationsprostituierten, das in (2) beschriebene Abhängigkeitsverhältnis, das junge Menschen sich älteren Menschen anvertrauen und deren Führung akzeptieren sieht. Das Stadtjugendpfarramt in Jena, der Stadtjugendring Greiz oder der Stadtjugendring Suhl sind wohl die herausragendsten Beispiel, die für eine weitergehende Recherche genutzt werden sollten, eine Recherche, die sich auf den Einfluss des Leiters z.B. des Stadtjugendpfarramts in Jena und seine Vernetzung konzentriert, um herauszufinden, ob er die Jugendlichen, die seiner Obhut überantwortet sind, für seine politischen Zwecke missbraucht und an die Landesregierung verkauft hat. Angesichts der Geschichte, die gerade religiöse Einrichtungen im Hinblick auf den Missbrauch von Jugendlichen haben, wäre dies vermutlich die drängendste Frage für Qualitätsjournalisten.

Allen JournalismDie drei Aufgaben für Journalisten, die sich zum Qualitätsjournalisten qualifizieren wollen, setzen es alle voraus, dass recherchiert wird. In Deutsch: Nicht auf den Newsticker von dpa warten, von dort kommt nichts, sondern sich aus der Redaktion bewegen und mit Leuten reden, lautet die Aufgabe. Die entsprechende Abwesenheit von der Redaktion sollte auch dazu genutzt werden, Kontakte gerade mit Leuten aufzubauen, die nicht der eigenen politischen Ausrichtung oder der der Redaktion entsprechen, denn wenn man tatsächlich Qualitätsjournalist sein will, muss man wissen, dass wichtige Informationen nur selten von dpa oder der Landesregierung kommen, sondern in der Regeln von denen, die die Landesregierung kritisieren oder die dem Teil des politischen Spektrums angehören, der derzeit mit viel Energie und finanziellem Aufwand delegitimiert werden soll.

Qualitätsjournalismus zeichnet sich dadurch aus, dass er sich vor keine politischen Karren spannen lässt (nicht einmal, wenn die Landesregierung Geld für Presseberichte anbietet, eine Annahme, die man nach den Erfahrungen aus Thüringen machen muss). Qualitätsjournalismus setzt voraus, dass man seine Informationen aus allen verfügbaren Quellen bezieht.

Falls Sie unsere Arbeit unterstützen, und dafür sorgen wollen, dass bei ScienceFiles auch weiterhin das Rad rund läuft, dann kaufen Sie uns doch einen Kaffee:



Oder unterstützen Sie uns auf einem der folgenden Wege Unser herzlicher Dank ist Ihnen sicher! DENN: ScienceFiles lebt von Spenden. Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, damit Sie uns auch morgen noch lesen können!
Wir haben drei sichere Spendenmöglichkeiten:

Donorbox

Unterstützen Sie ScienceFiles


Unsere eigene ScienceFiles-Spendenfunktion

Zum Spenden einfach klicken

Unser Spendenkonto bei Halifax:

ScienceFiles Spendenkonto: HALIFAX (Bitte angeben: Zahlungsempfänger: Michael Klein, Zahlungszweck: ScienceFiles-Spende / Schenkung):
  • IBAN: GB15 HLFX 1100 3311 0902 67
  • BIC: HLFXGB21B24

Folgen Sie uns auf Telegram.
Anregungen, Hinweise, Kontakt? -> Redaktion @ Sciencefiles.org

17Comments

Add yours
  1. 3
    hgb

    „Das wirft die Frage auf, wie diese Anwerbung funktioniert. Treten Demonstrantenfänger der Landesregierung in einschlägigen Etablissements an einschlägige Verbände heran und bieten Geld für Demonstration?“

    Funktioniert einfach mit der Flöte. Dies wurde vor langer Zeit in Hameln getestet. Wurde dann vor ca. 80 Jahren lange Zeit wiederholt mit einem Bombenerfolg.
    Es gibt allerdings die Vermutung, daß inzwischen die Fänger und die Gefangenen die Positionen vertauscht haben; also daß die, die in Hameln nach der Flöte tanzten, jetzt selber flöten, und die anderen dabei Gefahr laufen, flöten zu gehen.
    Sie werden aber auch nicht mehr gebraucht (siehe z. B. vonArnim).
    Es werden auch gerade neue, mehr genehme, importiert. Allerdings kommt hier nicht das Bestellerprinzip zur Anwendung.

  2. 12
    Peter Merbitz

    Als Qualitätsjournalist würde ich ja nicht mal die fürchterlichsten Abgründe scheuen. Ich würde die bösen rechten Blogs aufsuchen und dort nach Lügen fischen. Es wird zum Beispiel behauptet, dass die Monitor-Sendung letzten Montag über die unendliche Gier der Energiekonzerne – dort wurde belegt, dass diese Parasiten wirklich mit dem Verkauf von Strom Geld verdient hatten – eine blanke Manipulationsveranstaltung war. Oder sie behaupten, dass die Migranten, ähm, Flüchtlinge, nein, Schutzsuchende (bis auf weiteres), die plötzlich verschwunden waren, per Taxi an irgend welche finsteren Orte gefahren sind. Da würde ich Qualitätsjournalist doch einfach mal ein paar Taxifahrer fragen, wo sie die denn hingebracht haben.
    Außerdem wird in den Blogs behauptet, dass Journalisten regelmäßig meinen, dass sie gern die Wahrheit schreiben würden, wenn sie denn dürften. Da würde ich doch die Kollegen mal… aber nein, das geht jetzt wirklich zu weit. Ich brauche jetzt meine tägliche Dosis Klonovsky.

  3. 13
    rolandtluk

    „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ In den Beitrag ist viel Mühe geflossen und ich vermute vergeblich. Bei unzähliger Falschberichterstattung und falschen Angaben bin ich schon eingeschritten, aber die Redaktionen -gerade das ÖR- sind resistent gegen jegliches Klopfen aus der Wirklichkeit.
    Das Klopfen von vielen Bürgern muss schon wie ein Erdbeben sein, dennoch sind sie völlig ignorant und resistent.
    Die letzten Wochen waren wieder besonders schlimm und ich nehme stark an, dass die Redaktionen das wohlbewusst tun.
    Um es auf eine Banalität runterzubrechen: Das Wetter. Bei uns stimmt der Wettervorsage so gut wie nie.
    Oder auch sehr schön die sogenannten „politischen Barometer“. Tatsächliche Fragestellungen unbekannt, Erhebung unbekannt und Ergebnisse decken sich nicht mit meiner Einschätzung und Erfahrung der Umgebung. Das Missverhältnis ist ein Kontrast, ein Gegenpol in der Regel. Anders ausgedrückt: Meinungsmache.

Antworte auf den Kommentar von HorstAntwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.