Geht hier die Saat politisch-korrekter Indoktrination auf?

Liebe Leser von ScienceFiles:
Wir sind schockiert.

In unserem letzten Rätsel haben wir eine Passage zitiert, in der deren Autor seiner Phantasie über Neger freien Lauf lässt. Er fabuliert von fleischfressenden Wilden, die sich gegenseitig kannibalisieren und deren Höhepunkt im Leben darin besteht, das Herz von Feinden zu verspeisen.

Wer, so haben wir gefragt, hat eine derart morbide und perverse Phantasie?

Acht Personen haben wir zur Auswahl gestellt.

758 Leser haben sich am Rätsel beteiligt und sich wie folgt auf die Vorschläge verteilt:

  • Karl Freiherr von Eichendorff: 12 Stimmen (2%);
  • Friedrich Engels: 31 Stimmen (4%);
  • Oswald Spengler: 32 Stimmen (4%);
  • Friedrich Schiller: 33 Stimmen (4%);
  • Friedrich Nietzsche: 61 Stimmen (8%);
  • Georg Friedrich Wilhelm Hegel: 106 Stimmen (14%);
  • Karl Marx: 127 Stimmen (17%);
  • Alexander von Humboldt: 356 Stimmen (47%);

Nun, 106 Leser haben den richtigen Urheber der Passage genannt, in der die Sklaverei damit gerechtfertigt wird, dass die Neger auf einem Entwicklungsstand sind, der sie noch kein Bewusstsein für das höhere Wesen Mensch hat entwickeln lassen. Kurz: Der Autor ist der Überzeugung, Neger seien auf dem Entwicklungsstand von Tieren und Sklaverei sei für sie tatsächlich ein Segen, hebe sie förmlich zu einer besseren Existenz.

Der Autor der hier unverblümt seinen Rassismus auslebt ist kein anderer als der von manchen als großer deutscher Philosoph gehandelte:

Georg Friedrich Wilhelm Hegel

In Schopenhauers Worten handelt es sich um eine Passage der Hegelei, den sprachlichen Auswurf desjenigen, den Schopenhauer als “geistlose[n], unwissende[n], Unsinn schmierende[n] … Philosophast[en]” bezeichnet hat. Und das nicht zu Unrecht!

Was uns schockiert hat, ist die Tatsache, dass 356 Leser (47%) der Ansicht waren, die zitierte Passage mit ihrem Rassismus und ihrer Verherrlichung von Sklaverei stamme von Alexander von Humboldt. Wir fragen uns: Geht hier die Saat der politisch-korrekten Indoktrination auf, die Saat einer neuen Hegelei von abermals geistlosen, unwissenden und Unsinn schmierenden Phantasten, die z.B. an der Humboldt Universität versammelt sind und Folgendes schmieren:

“Dass in der HU zahlreiche Nazis und Kolonialrassisten mit Portraits geehrt werden und die kolonialen Forschungsreisen von Alexander von Humboldt als Inbegriff von Wissenschaft und Neugier verherrlicht werden, zeigt die tiefe Verwurzelung von Kolonialrassismus in der weißen_deutschen Wissenschaft”

Oder gibt es in Deutschland Institutionen, Schulen, Lehrer, die Alexander von Humboldt als Rassisten diskreditieren und von denen wir nichts wissen? Wir wären unseren Lesern, die Alexander von Humboldt als Urheber der Hegelei angesehen haben, dankbar dafür, wenn sie uns die Gründe für ihre Entscheidung nennen würden.

Bis dahin wollen wir den Unterschied zwischen einem Hegel, der in Berlin Totalitäres fabuliert und einem Alexander von Humboldt, der die Welt bereist hat, der aus eigener Anschauung berichtet und einer derjenigen ist, auf die Liberale ihre Tradition in Deutschland bauen können, anhand eines Textbeispiels deutlich machen.

Das Textbeispiel entstammt dem fünften Kapitel von Humboldts Essay über Kuba und befasst sich mit Sklaverei:

“Ich habe die Lebensverhältnisse der Schwarzen in Ländern beobachtet, wo Gesetze, Religion und nationale Gewohnheiten dazu tendieren, ihr Schicksal zu erleichtern. Und trotzdem habe ich beim Verlassen Amerikas dieselbe Abscheu verspürt, die ich vormals in Europa hatte. Mitnichten haben gewitzte Autoren mit Wortschöpfungen wie ‘Neger-Bauern der Antillen’, ‘schwarze Lehenspflichtigkeit’ und ‘patriarchalische Protektion’ versucht, die Barbarei der Institutionen zu verhüllen. Man entwürdigt nur Geist und Kunst der Phantasie, wenn die Auswüchse, die die Menschheit bedrängen und heftig erschüttern durch tausende Wortzusammensetzungen oder gewandte Sophismen verklärt werden. Glaubt man fehlendes Mitgefühl entschuldigen zu können, indem man den Zustand der Schwarzen mit dem der Leibeigenen im Mittelalter vergleicht, oder mit der Unterdrückung unter der noch heute einige Gesellschaftsschichten in Nord- und Osteuropa leiden? Diese Vergleiche, diese erfinderischen Sprachschöpfungen, diese verachtenswerte Ungeduld, mit der man sogar die Hoffnung auf eine allmähliche Abschaffung der Sklaverei als Phantasterei abtut, sind heutzutage unnütze Waffen. […] Die Sklaverei ist zweifelsohne das größte aller Verbrechen an der Menschheit …” (129-130)

Im Gegensatz zu Hegels Rassismus, der sich auf Spiegels Gutenberg-DE findet, ist die Schrift von Alexander von Humboldt nicht auf Gutenberg-DE veröffentlicht.

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16 Responses to Geht hier die Saat politisch-korrekter Indoktrination auf?

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  2. norberto42 says:

    Ich hatte auch auf Humboldt getippt, habe das dann bereut und wollte – wegen des Stils! – auf Hegel tippen, aber da war es zu spät.
    Die Entrüstung, mit der hier Humboldt gegen Hegel ausgespielt wird, ist nicht nachzuvollziehen: Welcher normale Deutsche kennt denn so große Teile der ungeheuren Textproduktion beider Autoren, dass er mit Sicherheit sagen könnte: Der und kein anderer ist der Autor?
    Ich finde, in ScienceFiles wird mehr Entrüstung als kritische Aufklärung produziert, siehe auch den Beitrag von gestern über Bücherentfernung als Bücherverbrennung (ohne Bezugnahme auf Kant, ohne Auseinandersetzung mit dessen GEDANKEN).

  3. Christian Tauber says:

    Ich habe auch von Humboldt ausgewählt – ich hatte, ehrlich gesagt, keine Ahnung, von welchem der Herren das Zitat hätte stammen können und habe dann denjenigen ausgewählt, der mir als weitgereist bekannt war. Hegel wäre mir zwar ausreichend unsympathisch gewesen, schien mir aber zu provinziell, als daß er sich mit Negern hätte auszukennen glauben können – so kann man sich täuschen…

  4. Dr. Reinhold Oberlercher says:

    Der Hegel-Haß blüht nicht nur auf dieser Seite der Popper-Verehrer, sondern auch im Milieu des Berliner Linksfaschismus, siehe:
    http://www.bild.de/regional/berlin/berlin/hegel-denkmal-mit-curry-ueberschuettet-30378222.bild.html

    • Wie kommen Sie dazu, von Hass zu sprechen?

      Wenn Sie ein Argument zu haben, das zeigt, dass Hegel nicht der Schwätzer ist, der er aus unserer Sicht ist, dann machen Sie es. Es ist billig, hier Vorwürfe in die Welt zu posaunen ohne sie auch nur im entferntesten zu belegen.

      • Dr. Reinhold Oberlercher says:

        Hegel-Haß und Anti-Germanismus:
        1. Schopenhauer haßte Hegel, obwohl der ihm seinerzeit in Berlin als Privatdozenten akzeptiert hatte. Aber den philosophischen Diktator Hegel wollte Schopenhauer gleich im ersten Anlauf stürzen und legte seine Vorlesung auf die gleiche Stunde wie die Hegel’sche. Also kam niemand. Schopenhauer zog sich auf ein Leben als Privatgelehrter zurück und schrieb leicht lesbare Bücher.
        2. Nietzsche haßte Hegel nicht. Er begriff dessen Philosophie als urdeutsch und sprach: Die Deutschen sind Hegelianer, und sie wären es auch dann, wenn Hegel nie gelebt hätte.
        3. Hegels System muß man erlernen und zwar ganz, denn nach ihm ist nur das Ganze das Wahre. An dieser Ostfront hat sich schon mancher kluge Feldherr seine Niederlage abgeholt.
        4. Die deutschen Universitäten sind heute fast völlig hegelfrei. Der Grund ist klar, denn bei Hegel finden Rasse, Volk, Krieg und Weltgeschichte ihren eindeutigen systematischen Ort.

        • 1. So oft ich auch lese, ich finde keinerlei Argument. Schopenhauer hat Hegel mit Grund gehasst – weil Hegel Unsinn verzapft und die Philosophie lächerlich gemacht hat (und nicht nur das). Dass Sie in keiner Weise auf das, was Hegel von sich gegeben hat, eingehen, spricht in dieser Hinsicht Bände.

          2. Damit hat Nietzsche, wenn ich das richtig sehe, die ihm ureigene Form von Sarkasmus ausgepackt (oder Zynismus?)

          3. Nein das muss man nicht, denn das System ist auch nach dem Erlernen nicht logisch und bleibt die Ansammlung von Worthülsen, leeren Behauptungen, falsch angewendeten Konzepten und Wegbereitung für totalitäre Ideen. Warum sollte man Hegel wie einen Verfasser heiliger Schrift ansehen, die man erst hermeneutisch erzirkeln muss, um dann im Zirkel so beduselt zu werden, dass man denkt, man habe verstanden, was Hegel schwafelt.

          4. Echt? Gibt es auch einen Beleg dafür. Und wo findet sich dieser systematsiche Ort in den vielen von Hegel gefüllten Seiten? Wie wäre es mit einer entsprechenden Angabe und überhaupt mit einem Argument anstelle der vielen Behauptungen?

          • Eloman says:

            Troll Oberlehrer ist doch ein Buddy von Notorious Horst Mahler und genau wie dieser im Laufe der Jahrzehnte von dunkelrot nach dunkelbraun gewandert.Kein Wunder dass er strammer Hegel-Verehrer ist.

        • Roland says:

          Sind sie der Reinhold Oberlercher? Der formalisierungswütige Reinhold Oberlercher, der Hegel auf wenige Seiten heruntergebrochen hat?

          Auf Sciencefiles treiben sich ja richtig prominente Leute herum!

          Könnte ich ihnen eine Frage stellen?
          Da das absolute Wissen als solches seinem Wesen nach durch seine unmittelbare Unbestimmtheit bestimmbar ist, und durch die reine Abstraktion des unmittelbar Unbestimmten als solches man nun endlich auf das sein-an-und-für-sich stößt, was ja offensichtlich genausogut Nichts sein kann und da diese ja logischerweise den ersten Unterschied bilden und somit das Dasein gründen müssen, was ja wiederum nur im Werden begriffen werden kann, frage ich mich ob diese Erkenntnis nicht vom Prinzip her das Selbe ist, was im ersten Buch Mose steht. Oder ist Jahve etwa nicht gleichzeitig alles und damit nichts und unterscheidet sich selbst aus sich selbst heraus in einem endlosen Werden, was wir landläufig als Genesis oder Schöpfung kennen?

  5. Ich bin ehrlich. Ich habe es nicht gewusst, nicht geschummelt und geraten. Ich möchte mich für meine Unwissenheit entschuldigen. Zu meiner Verteidigung möchte ich hinzufügen, dass ich auf meiner Seite mehr mit gegenwärtigen Verwerfungen befasst und eher nicht mit den Worten der großen Philosophen vertraut bin.

    • Unsere Frage zielt darauf, diese Häufung bei Humboldt zu erklären, denn wenn alle, die es nicht wissen, raten, würde man erwarten, dass die Antworten gleichverteilt sind.

      • Roland says:

        Das glaube ich nicht. Einige Namen sind bekannter als andere, was trotz raten Tendenzen ausbildet. Das vorige Rätsel hat gezeigt, dass Honecker und Heidegger die top Favoriten waren. Die beiden sind auch diejenigen, die die Leser hier von den genannten Autoren am bekanntesten sein dürften. Außerdem ist es auch gar nicht so lange her, dass Heidegger massivst in der Diskussion war. (Korrigiert mich falls ich mich irre)

        Niemand hier hat so einen umfassenden Überblick über den Textkorpus der Autoren um solche geistesgeschichtlichen Nerdfragen gewusst zu beantworten. Die Quizfrage könnte daher ebensogut lauten: Welcher von den genannten Autoren trauen Sie dieses Zitat am ehesten zu?

        In diesem Rätsel sind alle Autoren wesentlich bekannter. Jedoch glaube ich, rechnet man einem geistesgeschichtlichen Promi einer gewissen Geisteshaltung zu. Wobei die liberale Wüste Deutschland keinen deutschen Promi für liberale Gedanken kennt.

        Sodann ergibt sich die Verteilung: Sprengler und Eichendorf sind zu unbekannt und fallen raus. Marx und Engels sind rote Ikonen und Sozis sind in ihrer selbstverliebten Kampf gegen Unterdrückung ja per Definition keine Rassisten. Von Hegel weiß man nur, dass es der Typ ist, den man sowieso nicht versteht und sich nicht mit solchen profanen Sachverhalten beschäftigt. Und der arme Humboldt ist einerseits sehr bekannt aber wird andererseits als eine tabula rasa für Geisteshaltungen betrachtet.

        So oder so ähnlich ging ich beim “raten” vor. Der einzige Grund warum ich mich für Hegel entschied, war dass er sich durch seine typisch unsinnige Wortverwendung verraten hat. “absolut” “überhaupt” “das afrikanische prinzip überhaupt” …. herrlich dieser Hegel ^^

    • rote_pille says:

      Vielleicht haben die heutigen Verwerfungen ihre Wurzel darin, dass man die Worte der Philosophen nicht angehört hat? Wie viel sich nur ändern könnte wenn wir nur damit anfangen würden die Dinge bei ihren richtigen Namen zu nennen!

  6. W. H. Greiner says:

    Auch ich habe “Humboldt” geraten – aus offensichtlichem Mangel an Belesenheit, ich kenne von beiden nur sehr wenige Texte. Humboldt schien mir einfach näher am Thema; weit gereist zu sein muss nicht zwangsläufig vor zeitgeistigen Vorurteilen schützen. Umgekehrt schien es mir kaum vorstellbar, dass ausgerechnet ein neuzeitlicher “Philosoph” (nach Kenntnis dieses Zitats muss ich da Anführungszeichen setzen) solch inhumanen Stuss von sich gegeben haben soll: denn für Philosophen ist das systematische Hinterfragen von Vorurteilen eine unabdingbare Berufstugend. Das finde ich nun meinerseits schockierend.

  7. Der Grund dafür, dass Hegel immer noch verehrt wird, liegt darin, dass seine Philosophie ein Fundament der Marxschen und Marxistischen Theorie ist, vor allem in methodologischer Hinsicht (siehe den Begriff der Dialektik und sein Geschichtsverständnis im Sinne einer notwendigen Entwicklung in der Geschichte).
    Viele Linke “verzeihen” Hegel deshalb seinen Rassismus.
    Übrigens schloss Hegel aus der Weltgeschichte nicht nur die Afrikaner, sondern z.B. auch die Slaven aus; sie gehören nicht zur Weltgeschichte und sind deshalb keine vollwertigen Menschen (siehe (“Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte”).
    Auch seine Verherrlichung des Krieges (siehe “Grundlinien der Philosophie des Rechts”) wird von vielen Linken übersehen.

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