Keine intellektuelle Kanzlerdämmerung: Börsianer sind keine Menschen

Die meisten Politiker sind keine Logiker.
Das ist bekannt.

Logik fuer DummiesDie meisten Politiker wissen gar nicht, dass es eine formale, eine Aussagen-, eine Prädikatenlogik gibt.

Den wenigsten Politikern ist bewusst, dass Mathematik auf Logik beruht.

Kaum einem Politiker ist bekannt, dass auch Sprache auf Logik beruht, dass Sprache, ohne Logik zum bloßen Gebrabbel wird.

Die meisten Politiker sind nicht an Logik interessiert, weil ihre Sprache keine Argumente enthält, nicht auf Argumentation ausgelegt ist, sondern darauf, die Adressaten ihrer sprachlichen Ergüsse affektiv, also über den Bauch und nicht über das Gehirn, zu erreichen.

Etwa so:

Was sind Finanzmärkte?
Die Mehrzahl von Finanzmarkt.

Was ist ein Finanzmarkt?
„Finanzmarkt ist ein Oberbegriff für alle Märkte, auf denen ein Handel mit Kapital stattfindet“, so Wikipedia.
An Finanzmärkten wird also mit Kapital gehandelt.

Wer handelt mit Kapital?
Menschen handeln. Der Gütertausch, hier in Form von aktuellem Kapital gegen zukünftiges Kapital, ist eine Interkation, eine soziale Handlung, die nur zwischen Menschen erfolgen kann.

An Finanzmärkten handeln Menschen miteinander.

Handeln ist ein „bewusstes und willentliches menschliches Tun, das auf die Grundlage der Wirklichkeit gerichtet ist; der Handelnde verfolgt dabei bestimmte Ziele und hat dafür bestimmte Motive“ (Giesecke 2010: 21). Soziales Handeln zwischen Menschen ist „am vergangenen, gegenwärtigen oder für künftig erwarteten Verhalten anderer … [orientiert]“ (Weber 1988: 562)

nyse2Wenn nun Kanzler Merkel sagt:
„Bei Globalisierung geht es um Menschen und deren Lebenschancen, nicht um Interessen der Finanzmärkte“, dann stellt sie die Menge der Menschen, den Finanzmärkten gegenüber. Beide sind im Bezug zu einander exklusiv: Finanzmärkte haben zwar Interessen, wie Frau Merkel meint, aber dort gibt es keine Menschen, die handeln, denn die Menschen und ihre Lebenschancen sind inkompatibel zu Finanzmärkten, was zur logischen Konsequenz hat, dass es an Finanzmärkten keine Menschen geben kann.

Nun gibt es verlässliche Beobachtungen von z.B. Börsen in New York, London, ja selbst in Frankfurt, die berichten, sie hätten Menschen beim Handel an der Börse, am Finanzmarkt beobachtet. Diese Beobachtungen müssen nach der Logik von Kanzler Merkel falsch sein, denn an Börsen und Finanzmärkten gibt es keine Menschen. Folglich muss Frau Merkel der Ansicht sein, an Finanzmärkten handeln entweder Aliens oder Unmenschen. Beide Konsequenzen der Merkelschen Aussage muss man als menschenfeindlich ansehen.

Ist die Menschenfeindlichkeit von Merkel nun Ergebnis der Tatsache, dass sie Unsinn erzählt oder ist die Menschenfeindlichkeit ernstgemeint. Ist Frau Merkel also tatsächlich der Ansicht, Börsianer, Broker, Investmentbanker seien keine Menschen?

Terroristen finanzieren? Norbert Röttgen droht „unseren Bürgern“

Denn sie wissen nicht, was sie sagen.

Die Wortbedeutung im postfaktischen Zeitalter ist im Niedergang, so wie die Logik und die Semantik . Seit der öffentliche Diskurs weitgehend in Affekten geführt wird, ist es wurscht, was man sagt, Hauptsache es und man kommt gut rüber, spricht die Affekte derjenigen an, die adressiert sind.

Das, was gesagt wird, tritt zunehmend in den Hintergrund. Wie es gesagt wird, welchen Wohlfühlfaktor die Worte, die gesagt werden, transportieren – das ist wichtig. Sprache dient immer weniger dazu, Informationen zu vermitteln und immer mehr dazu, dem Gegenüber zu signalisieren, dass man ein guter Mensch ist, der zwar nicht mit Sprache umgehen kann, aber, nun, aber gut ist.

So gut wie Norbert Röttger, der den Europäern unumwunden droht, er werde alles dafür tun, weder Kosten noch Mühen scheuen, um „die Bedrohungen der Sicherheit“ der Europäer zu gewährleisten. Ob das Entscheidende, das Röttger „für die Bedrohungen der Sicherheit“ der Europäer tun will, darin besteht, Terroristen auszubilden und Terrororganisationen mit Steuergeldern zu finanzieren, damit die entsprechende „Bedrohungen der Sicherheit unserer Bürger“ auch fachmännisch erfolgen kann, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Vielleicht fragt jemand Norbert Röttgen, und vielleicht kann Norbert Röttgen auch in verständlichem Deutsch antworten.

Deutschland 2016: Unter manisch oder bösartig Dummen

So, wir hatten jetzt alle viel Spaß mit den Nazi-Codes, die sich überall finden lassen. Da wir ein Wissenschaftsblog sind, wollen wir nunmehr zur Arbeit schreiten und die Systematik, die Struktur hinter der manischen oder bösartigen Dummheit derer darstellen, die meinen HH 88 müsse mehr bedeuten als HH 88.

Die Struktur hat zwei Ebenen, eine kognitive und eine logische.

Um einen Nazi-Code zu erkennen, muss man danach suchen.

Choice Values FramesWahrnehmung passiert nicht einfach so. Wir gehen nicht durch die Welt und die Dinge in der Welt drängen sich in unsere Wahrnehmung. Menschen wählen aktiv aus, d.h. sie suchen sich aus dem Meer der Informationen, die sie täglich umgeben, diejenigen aus, die ihnen etwas sagen. Wer also Nazi-Codes findet, der sucht nach Nazi-Codes. Das HH 88 ist dem Eimsbütteler nicht einfach so erschienen, er hat gezielt danach gesucht. In seinem Gehirn gibt es eine Schublade, einen Frame mit Nazi-Codes, die er offensichtlich alle parat hat.

Wer sich derart intensiv mit einem so abseitigen Thema wie Nazi-Codes auseinandersetzt, der muss entweder denken, er können daraus einen Nutzen ziehen oder verrückt sein. Ein Nutzen kann sich in Form von anbiedernder Unterordnung unter das, was als Staatsmacht wahrgenommen wird, einstellen, er kann sich einfach dadurch einstellen, dass es als befriedigend empfunden wird, Anderen aus der Anonymität heraus geschadet zu haben oder er kann sich daraus ergeben, dass der Nazi-Code-Spezialist in der kleinen sozialen Gruppe, in der er sich bewegt, durch das Anschwärzen von angeblichen Nazis einen Statusgewinn erzielt, etwa in der Weise, wie der entsprechende Statusgewinn am Beispiel der „Gang“ von Frederic M. Trasher beschrieben wurde.

Alle genannten Motive stellen niedere Motive dar, denn Ziel ist es, einen eigenen Nutzen aus einem anderen verursachten Schaden zu gewinnen.

Die Verrückten unter denen, die überall Nazi-Codes sehen, zeichnen sich genau dadurch aus, dass sie überall Nazi-Codes sehen und wahrnehmen. Sie sind auf Nazi-Codes geeicht und können gar nichts anderes mehr wahrnehmen als Nazi-Codes. Sie sind kaum mehr zu einem normalen Leben fähig und müssten eigentlich in ein Irrenhaus überstellt werden.

Zusammenfassend:
Um einen Nazi-Code zu erkennen, muss man (1) einen Nazi-Code bereits im Kopf haben und (2) die wahrnehmbare Welt nach Nazi-Codes durchsuchen (oder wie bemerkt man sonst das Nummernschild eines Feuerwehrautos auf einem Kinderkarussell?). Letzteres kann manisch erfolgen oder dem Motiv folgen, sich selbst einen Nutzen durch das Entdecken von Nazi-Codes zu verschaffen. Die Grenze zwischen Manie und Nutzen ist fließend, schon weil die Motive, die hinter dem Versuch, sich einen Nutzen zu verschaffen, stehen, in dem man vermeintliche Nazi-Codes meldet, allesamt niedere Motive sind.

Der logische Fehlschluss hinter den Nazi-Codes

Nach unserer Ansicht ist der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens der Fehlschluss, der in Deutschland am weitesten verbreitet ist. Er liegt vor, wenn man von einer Wirkung auf die Ursache zurückschließt, so als bestünde zwischen beiden eine Äquivalenz.

Logik fuer DummiesDas Schulbeispiel beschreibt die nasse Straße, die nicht den Schluss zulässt, dass es geregnet hat, weil es noch andere Möglichkeiten gibt, um eine Straße zu befeuchten.

Die Menge der möglichen Ursachen verhält sich also nicht äquivalent zur Menge der Wirkungen. 

Wenn Nazis also tatsächlich Codes benutzen wie z.B. HH 88, dann kann man daraus, dass man einem Kennzeichen HH 88 gegenübersteht, nicht schließen, dass es sich um einen Nazi-Code handelt, denn nicht jedes HH 88 ist ein Nazicode.

Oder:
Manche HH 88 sind Nazi-Code.
Das Auto hat HH 88 im Kennzeichen.
Das Auto hat einen Nazi-Code.

Das ist ein klassischer Fehlschluss.

Damit es auch der Letzte versteht, hier ein paar Beispiele, die auf den begriffsstutzigen Teil der Bevölkerung zugeschnitten sind.

Fehlschluss:
Manche Massenmörder waren linke Politiker.
X ist ein Massenmörder.
X ist ein linker Politiker.

Fehlschluss:
Manche Wissenschaftler finden sich an Universitäten
Genderisten sind an Universitäten.
Genderisten sind Wissenschaftler.

Fehlschluss:
Wenn man mit einem Maschinengewehr auf einen Menschen schießt, dann ist der Mensch tot.
Ein Mensch ist tot.
Es wurde mit einem Maschinengewehr auf ihn geschossen.

Fehlschluss:
Wenn Nazis mit einander kommunizieren, dann benutzen sie einen Geheimcode.
Xsf21 ist ein Geheimcode.
Nazis müssen kommuniziert haben.

Fehlschluss:
Manche Politiker haben ihre Doktorarbeit selbst geschrieben.
Politiker X hat einen Doktortitel.
Politiker X hat seine Doktorarbeit selbst geschrieben.

Fehlschluss:
Manche Kinder kümmern sich im Alter um ihre Eltern.
X hat Kinder.
Die Kinder von X kümmern sich im Alter um ihn.

Wer demnach behauptet, er habe HH 88 eindeutig als einen Nazi-Code identifiziert, zeigt zum einen, dass er entweder von niedrigen Motiven geleitet oder irrsinnig ist und zum anderen, dass er nicht zum logischen Denken in der Lage ist. Wie man es dreht und wendet, es kommt immer ein kognitiv beeinträchtigter Zeitgenosse dabei heraus.


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Sprühender Witz: Kardinal will Gutmenschen rehabilitieren

Kardinal Woelki ist unter die Straßenkünstler, neudeutsch: die performance artists gegangen. Gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Mitarbeitern der Caritas will er im Erzbistum Köln das Wort „Gutmensch“ auf Plätze sprühen. Die Sprühkreide, die grüne Sprühkreide sei leicht zu entfernen, so hört man aus dem Erzbistum.

Die vergängliche Straßenkunst, die man wohl als Verbildlichung des Spruchs, nichts ist so vergänglich, wie ein Gutmensch (aus Sprühkreide) betrachten muss oder als modernisierte Variante der morbiden Erkenntnis: Asche zur Asche und Sprühkreide zur Sprühkreide, mit der Geistliche bei Begräbnissen glänzen, sie soll der Rehabilitation des Wortes „Gutmensch“ dienen, so erklärt der Kardinal.

“Eigentlich will doch jeder Mensch gut sein. Wir brauchen gerade das Gute, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten.“ Wenn Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen, als Gutmenschen beschimpft werden, dann sei das absurd. Das meint der Kardinal.

Bochenski LogikFrüher hatten katholische Geistliche eine Ausbildung in Logik. Joseph Maria Bochenski hat seine Logik und seinen katholischen Glauben unter einen Hut gebracht. Früher, da haben sich katholische Logiker über die Frage auseinandergesetzt, was ein Begriff wie „Gutmensch“ eigentlich aussagt.

Die zwei Lager, die es früher gab und die früher noch jeder katholische Geistliche aufsagen konnte, sie leiteten sich einmal von Plato ab und behaupteten, das begrifflich Beschriebene haben genau die reale Existenz, die der Begriff beschreibe. Wenn man so will, teilt sich das Beschriebene dem Beschreiber im Begriff mit. Diese etwas mystische Auffassung vom Wesen der Dinge in begrifflicher Fassung, wurde von einer nominalistischen Schule bekämpft, die darauf beharrt hat, dass Begriffe Konstruktionen sind, die von Menschen erdacht werden, um reale oder abstrakte Dinge zu beschreiben. Am deutlichsten kann man diesen Unterschied am Beispiel von Gut und Grumpf machen. Während ein Anhänger Platos der Ansicht ist, „gut“ sei eine Eigenschaft von Dingen, die begrifflich gefasst wird, was eine Äquivalenz von gut in Begriff und Realität zur Folge hat und keine andere Begrifflichkeit als „gut“ zulässt, sind die Nominalisten der Ansicht, dass dann, wenn man Grumpf als etwas definiert, das z.B. jemanden beschreibt, der in Mathematik immer alle Aufgaben zu lösen im Stande ist, man sagen kann, dass dieser jemand in Mathematik grumpf ist – denn man beschreibt ein empirisches Faktum mit einem mehr oder weniger willkürlichen Begriff, der seiner Willkür nur dadurch enthoben wird, dass er zur Konvention erklärt wird, was dem Verständnis und der Verständigung sehr zuträglich ist.

Kardinal Woelki ist im Gegensatz dazu der Ansicht, dass ein Begriff das ist, was er bezeichnet. Gut muss gut sein. Der gute Hirte kann sich für Woelki ebenso wenig als Schwein erweisen wie sich ein Gutmensch als missionarischer Eiferer, der dem eigenen Vorteil verpflichtet ist, erweisen kann. Kurz: Begriffe haben für Woelki eine wahre, keine konstruierte Existenz.

Nur so kann man es erklären, dass er meint, man könne dadurch, dass man das Wort „Gutmensch“ auf Plätze sprüht, nur eines bewirken: Die Rehabilitation von Gutmenschen.

Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man keinerlei Menschenkenntnis, keinerlei Erinnerung an die scholastische Tradition in der Katholische Kirche und keinerlei Verständnis des täglichen Lebens hat. Wir fürchten, dem Kardinal aus Köln steht ein Schock bevor.

Es beginnt schon damit, dass nicht „jeder Mensch gut sein“ will. Oder anders formuliert: Das, was manche Menschen für gut halten, wird von anderen für gar nicht gut gehalten. Nehmen wir Woelki kurz ernst und gestehen ihm zu, dass jeder Mensch gut sein will. Wenn jeder Mensch gut sein will, dann müssen zwangsläufig auch Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Mao, Idi Amin und Fidel Castro den Willen gehabt haben, gut zu sein.

 

Die Opfer der Genannten werden kaum zu dem Schluss kommen, dass den Genannten ein Wille zur Gutheit unterstellt werden kann. Der Kardinal erzählt hier also Unsinn. Es gibt ganz offensichtlich einen Unterschied zwischen Intention und Verhalten, so wie es einen Unterschied zwischen Auffassungen darüber gibt, was als „gut“ anzusehen ist. Die katholische Kirche hat es über Jahrhunderte für gut befunden, Menschen an Holzstäben zu verbrennen, um deren Seele zu befreien. Die damaligen Gutmenschen haben also zwangsläufig die posthume Segnung des Kölner Kardinals.

Oder ist Woelki gar nicht der Meinung, dass man Giordano Bruno Gutes getan habe, als man ihn verbrannt hat bzw. dass Adolf Hitler mit seinen Großdeutschen Phantasien eigentlich Gutes tun wollen, wem auch immer?

Wenn der Kardinal dieser Meinung nicht ist, dann muss er zwangsläufig zugestehen, dass Gutmenschen nicht unbedingt gut sein müssen, schon weil das, was der Begriff bezeichnet, nicht notwendig ein guter Mensch sein muss. Entsprechend sollte es den Kardinal nicht wundern, wenn seine Aktion von manchen als Unsinn von Gutmenschen bewertet wird, und zwar von denen, die es nicht mehr ertragen können, von anderen bevormundet und ständig auf das, was angeblich gut und richtig ist und regelmäßig denen nutzt, die sich so gerne als Gutmensch inszenieren, hingewiesen zu werden.

Manche werden gar in der Aktion einen Beleg dafür sehen, dass es auch anderen reicht. Denn: Wie man daran sehen kann, dass in Köln Plätze mit dem grünen Wort Gutmensch besprüht wurden und da jeder weiß, dass grün die Farbe von Ekel, Schlechtheit und Erbrechen ist, gibt es immer mehr, die der Missionierung durch Menschen, die vorgeben, besser als andere zu wissen, was gut und was für diese anderen gut ist, nichts mehr abgewinnen können, sie im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen finden.

Das eben ist das Problem: Ob Gutmenschen alle gut sind oder jeder gut sein will, sind empirische Fragen, keine Fragen des Glaubens, wie der Kardinal meint.

Ob er es auch gut meint?

Wenn Ermittlungen mit Fehlschlüssen anfangen: Zwei Anschläge in Dresden

Die Tür einer Moschee im Dresdener Stadtteil Cotta, die man nur dann als Moschee erkennen kann, wenn man weiß, dass es sich um eine Moschee handelt, und ein Glasquader auf der Terrasse des Internationalen Congress Centrums in Dresden (ICC) sind die Opfer zweier Sprengstoffanschläge in Dresden. Der Anschlag auf die Moschee hat Leib und Leben von zwei Personen, die sich darin aufhielten, gefährdet. Beim Anschlag auf das ICC war niemand gefährdet.

Bislang ermittelt die Polizei in Dresden noch in alle Richtungen, ein Euphemismus für „Wir haben keine Ahnung, wer für die Taten verantwortlich ist.“ Und bislang liegt der Polizei auch kein Bekennerschreiben vor. Eine Umschreibung für „Und es sagt uns auch niemand, dass er es war“.

Kurz. Die Polizei weiß nicht viel bis gar nichts.

Dennoch ist Horst Kretzschmar, der Polizeipräsident von Dresden, sicher: die Anschläge sind fremdenfeindliche Anschläge:

„Beide Anschläge stehen zeitlich im Zusammenhang. Auch wenn uns bislang kein Bekennerschreiben vorliegt, müssen wir von einem fremdenfeindlichen Motiv ausgehen. Gleichzeitig sehen wir auch eine Verbindung zu den Feierlichkeiten anlässlich des Tages der Deutschen Einheit am kommenden Wochenende.
Horst Kretzschmar Polizeipräsident Dresden“

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Tatsächlich scheinen die Indizien im Fall der Moschee, Kretzschmar Recht zu geben. Indes: Prinzip II des Rationalen Widerstands lautet: Manche sind nicht alle. Es soll schon vorgekommen sein, dass ein Anschlag auf eine Moschee oder ein Gebäude, das von Muslimen genutzt wurde, nicht auf fremdenfeindlichen Motiven, sondern auf anderen Motiven beruht hat (Sunniten gegen Schiiten, Salafisten gegen andere Sunniten oder Schiiten, oder Agent Provocateur – also bezahlte Unruhestifter, die Geheimdienste bekannterweise in der realen Welt und Stiftungen im Internet unterhalten).

Eine Äquivalenz zwischen dem Ort des Anschlages und den Motiven des Anschlags herzustellen, ist somit ein logischer Fehler (Fehlschluss der Bejahung des Konsequens) und so lange nicht angezeigt, wie der Polizei keine eindeutigen Beweise vorliegen, dass es sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag handelt. Gerade in einer Zeit, in der die Stimmung sowieso schon aufgeheizt ist, ist es nicht sonderlich sinnvoll, die Ermittlungen auf eine Szene zu beschränken. Auch für Rechte gilt, dass sie unschuldig sind, bis das Gegenteil erwiesen ist.

Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass Polizeichef Kretzschmar seinen logischen Fehlschluss nur in eine bestimmte Richtung macht. Anders formuliert: Was ist am Anschlag auf das Internationale Congress Center in Dresden fremdenfeindlich? In der Logik von Kretzschmar, die von der Personengruppe, die die Moschee in Cotta nutzt, Muslime, die auch nach mehreren Generationen in Deutschland noch Fremde sind und somit Gegenstand fremdenfeindlicher Gewalt werden können, auf das Motiv der Täter schließt, müsste der Anschlag auf das ICC als Tat mit einem kapitalismusfeindlichen Hintergrund gewertet werden, ist das ICC doch Teil des weltweiten Imperiums von Maritim Hotels und somit eines Multinationalen Unternehmens, das seit 1969 stetig gewachsen ist. Genau das Ziel, das Linke avisieren und sicher keines, das man als Gegenstand fremdenfeindlicher Aktivitäten ansehen kann.

Wenn man die beiden Anschläge in Dresden aufgrund ihrer zeitlichen Nähe in einen Topf werfen will, dann kann man mit gleichem Recht einen fremdenfeindlichen Hintergrund und einen kapitalismusfeindlichen Hintergrund annehmen. Beide Annahmen ändern nichts daran, dass es sich um Fehlschlüsse der Bejahung des Konsequens handelt, aber die Bevorzugung eines der beiden Fehlschlüsse sagt etwas, über die Motivation der Ermittlungs-Anstrengungen, die die Polizei unternimmt, aus.

Und welcher Fehlschluss bevorzugt wird, sagt viel, über das gesellschaftliche Klima in Deutschland aus, in dem viele nur zu gerne auf den nächstliegenden Fehlschluss springen, weil er ihre Vorurteile oder ihr Bedürfnis danach, sich als guter Mensch zu erweisen, befriedigt. Beides ist nicht nur hinderlich, sondern widerlich und trägt nicht dazu bei, einen offenen Diskurs in Deutschland zu führen. Denn wie sollte man über etwas diskutieren, bei dem das Gegenüber schon per Fehlschluss und ohne die Ermittlungen abzuwarten, weiß, wie es sich verhält.

Diese Bereitschaft, auf Fehlschlüsse zu springen, um sein eigenes Mütchen zu kühlen, macht Deutsche so leicht manipulierbar. Wollte man in Deutschland Bürger gegeneinander aufbringen und in einen Bürgerkrieg manövrieren, nichts scheint leichter als das. Der richtige Reiz genügt. Die Reaktion folgt von selbst.


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RaW – Manifest des Rationalen Widerstands

Ein Geist verschwindet aus Deutschland. Der Geist der Rationalität. Ausgetrieben von Irrationalität, Infantilismus und affektivem Exhibitionismus verschwindet die Rationalität und mit ihr die Instrumente, die notwendig sind, um Hirngespinst und Wahnvorstellung von Realität, Hysterie und moralische Panik von Emotion, richtige von falschen Behauptungen und wilde Assoziationen von empirisch begründeten Folgerungen zu trennen. Teile Deutschlands befinden sich im freien Fall in eine kollektive Mania, die durch keinerlei Intervention von Realität, Logik oder Verstand beeinflusst werden kann.

Zeit für rationalen Widerstand.

Zeit für ein Manifest des Rationalen Widerstands.

Mehr als fünf Jahre, die wir im Kampf gegen Irrationalität, Scharlatanerie, Missbrauch von Wissenschaft, Manipulation und Indoktrination zugebracht haben, haben uns gestählt, um den Entwicklungen, deren Ausdruck man eher in einem Kindergarten als in der Welt der Erwachsenen erwarten würde, entgegen zu treten.

Manifest des Rationalen Widerstands

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Rationaler Widerstand beruht auf drei Prinzipien:

  • Etwas, ist nicht sein Gegenteil.
  • Manches ist nicht alles (Fehlschluss der Bejahung des Konsequens)
  • Eine Aussage ist genau dann und so lange richtig, wenn/wie sie mit den Fakten übereinstimmt.

Etwas ist nicht sein Gegenteil

Meinungsfreiheit bedeutet: Meinungsfreiheit, Freiheit der Meinung. Jeder hat das Recht, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Es gibt keine Meinung, die von Meinungsfreiheit nicht umfasst ist, denn sonst gibt es keine Meinungsfreiheit. Wenn jemand der Meinung ist, dass Gabriel S. ein Arschloch ist, dann ist das seine Meinung, an deren Äußerung ihn niemand hindern darf. Dass diese Meinung eine strafrechtliche Konsequenz haben kann, weil es einen gesellschaftlichen Konsens gibt, der bestimmte Aussagen als Beleidigung wertet und unter Strafe stellt, ist eine nachfolgende Sanktion von Meinungen, die keinerlei Einfluss auf das Recht freier Meinungsäußerung hat. Eine nachträgliche Sanktion zeigt lediglich die Verantwortung auf, die derjenige, der eine Meinung äußert, für diese geäußerte Meinung übernehmen muss.

Toleranz ist wie Meinungsfreiheit ein unbeschränktes Gut bzw. im Fall von Toleranz besser: eine unbeschränkte Akzeptanz von z.B. anderen Meinungen. Wer andere Meinungen gleich welchen Inhalts ohne fundierte Begründung nicht akzeptiert ist intolerant. Aussagen wie „Keine Toleranz den Intoleranten“ sind entsprechend selbstwidersprüchlicher Unsinn, da derjenige, der Intolerante nicht toleriert, kaum für sich in Anspruch nehmen kann, selbst tolerant zu sein, da er Intoleranz anderen gegenüber fordert, deren Meinung er nicht tolerieren will.

Im Gegensatz zu Meinungsfreiheit ist Toleranz eine First-Mover-Norm, eine Form von Goodwill, mit der man anderen gegenüber tritt. Toleranz sorgt in Teilen einer Gesellschaft dafür, dass soziale Interaktionen und Kommunikation zwischen unterschiedlichen Gruppen möglich sind. Dagegen ist Meinungsfreiheit ein individuelles Grundrecht, das jeder Mensch hat. Eine Einschränkung dieses individuellen Grundrechts durch Dritte setzt demnach voraus, die Individualität und Autonomie dessen, dessen Meinungsfreiheit eingeschränkt werden soll, zu zerstören. Entsprechend erhöhen sich diejenigen, die die Meinung Dritter einschränken wollen, automatisch zu Obermenschen, die für sich ein größeres Recht auf Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen als sie es denen, deren Recht auf Meinungsfreiheit sie einschränken wollen, zugestehen. Letztere werden dadurch automatisch zu Untermenschen (euphemistisch: Bürger zweiter Klasse).

Daher ist es demokratisches Erbe, individuelle Grundrechte und Freiheiten zu garantieren, nicht sie einzuschränken, denn – wie die Väter der US-amerikanischen Verfassung klar gesehen haben -, setzt ein Recht auf Einschränkung der Freiheiten anderer eine Zwei-Klassen-Gesellschaft voraus, in der die Herren die Rechte und Freiheiten der Diener einschränken. Deshalb haben die Väter der US-Verfassung die Einschränkung individueller Freiheitsrechte unmöglich gemacht. Die Einschränkung der Grundfreiheiten anderer, kann auch deshalb kein demokratisches Recht sein, weil die Position des Herren Lobbyisten und Interessengruppen aller Art anheim fallen wird, die dann wahlweise die Rechte der Diener ihr Geld für Fernsehsender ihrer Wahl auszugeben oder deren Recht auf Nahrungsaufnahme in welcher Form und Menge auch immer, einschränken, um sich selbst damit einen Vorteil zu verschaffen. Zwangsläufig wird eine Demokratie so zu einer totalitären Vetternwirtschaft.

Dies zeigt sich an den vielfältigen Formen der Beschimpfung, die angebliche Verteidiger der Demokratie erfunden haben, um ihre Intoleranz und Nichtakzeptanz von Andersdenkenden deutlich zu machen. So werden Deutsche, die nicht die Meinung teilen, die politische Gatekeeper in den Medien für die Richtige ausgeben, als Wut- oder Problembürger, als Rassisten oder Nazis, Antifeministen oder Maskus gebrandmarkt. Dass es ausgerechnet diejenigen sind, die von sich behaupten, sie würden die Demokratie gegen ihre Feinde verteidigen, die durch ihre Intoleranz und Beschimpfung derer, die lediglich ihre Meinung zum Ausdruck bringen, zu Totengräbern der Demokratie werden, die sie angeblich verteidigen wollen, ist einerseits ein Ergebnis des in Deutschland grassierenden Irrationalismus, andererseits die Folge eines affektiven Exhibitionismus, der moralische Entblößung zum Zwecke der Selbsterhöhung, oft über den Weg der Fremderniedrigung zur neuen Mode gemacht hat.

 

Manches ist nicht alles

Unzulässige Verallgemeinerungen oder Fehlschlüsse der Bejahung des Konsequens, deren Gemeinsames darin besteht, abweichende Fälle auszuschließen und von einer Beobachtung auf das Gesamt zu schließen, sind ein Mittel der Indoktrination, das in Deutschland endemisch gebraucht wird.

Ganze Zweige der Sozialwirtschaft, wie der Genderismus bzw. der Staatsfeminismus bauen auf diesen Fehlschlüssen. So wird regelmäßig behauptet, dass Frauen benachteiligt würden. Die Logik der Behauptung sieht einen konstruierten Einzelfall, von dem niemand weiß, ob es ihn in der Realität überhaupt gibt, also z.B. die Aussage, dass Männer für gleiche Arbeit mehr Geld erhalten als Frauen, generalisiert werden und auf die Gesellschaft als Ganzes übertragen, so dass letztlich dann, wenn ein beliebiger Mann mehr Gehalt erhält als eine beliebige Frau und beide in der selben Branche oder im selben Unternehmen beschäftigt sind, ein Fall von Benachteiligung vorliegen muss. Letzteres ist natürlich Unsinn, der nicht nur zeigt, dass Genderisten mit Logik auf Kriegsfuß stehen, er zeigt auch, dass es ihnen ausschließlich um ideologische Infiltration und Vorteilsnahme geht.

Ebenso liegt der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens der Behauptung zu Grunde, Frauen wären in Vorständen von Unternehmen unterrepräsentiert, weil sie diskriminiert würden. Falls es eine Frau gibt, die aufgrund von Diskriminierung nicht in einen Vorstand gelangt ist, dann wäre sie noch zu finden, und selbst wenn sie gefunden würde, würde dieser Einzelfall die generelle Aussage nicht begründen, sondern die Aussage, dass eine Frau diskriminiert wird, der Fehlschluss bliebe bestehen.

Unzulässige Verallgemeinerungen jeglicher Art sind der Honig der Ideologen und entsprechend findet man diesen Fehlschluss in den verschiedensten Varianten, etwa so:

“Israel boykottieren“. Klingt nach engagiertem Verbraucherverhalten. Ist aber eine dreckige Sache. Die Nazis waren ehrlicher und nannten es: „Kauf nicht bei Juden“.

Wie sich an diesem Beispiel zeigt, wird der Fehlschluss der Bejahung zuweilen mit einer kruden Manipulation verbunden, die in diesem Fall Israel und Juden gleichsetzt. Dies macht nicht nur deutlich, dass diejenigen, die mit dem Fehlschluss arbeiten, zum logischen Denken nicht in der Lage sind oder es nicht sein wollen, es zeigt auch, dass sie ihre Adressaten für dumm halten.

Die bislang plumpste Art eines Fehlschluss der Bejahung des Konsequens haben wir bei Gotelind Alber gefunden. Sie schafft es, in fünf Worten gleich zwei Fehlschlüsse unterzubringen:

„Klimakonferenz: Der Mann als Klimarisiko„, so der Titel eines Beitrags, den man bereits nach diesem Titel aus der Hand legen kann: Fehlschluss der unzulässigen Generalisierung; Fehlschluss der Bejahung des Konsequens: Ein Satz, zwei Fehlschlüsse: Gotelind Alber.

Alle Beispiele machen deutlich, dass es den Ideologen darum geht, einen Einzelfall oder einen Fall, in dem es vielleicht manche gibt, die sich in bestimmter Weise verhalten oder einen behaupteten Fall als generelle Verhaltensweise derer, die sie gerade nicht mögen oder besonders mögen, je nach Intention, zu stilisieren, um daraus für sich ideologisches Kapitel schlagen zu können. Ob dieses Vorgehen sich mit minderer Intelligenz oder mit Verschlagenheit bei gleichzeitiger Verachtung seiner Mitmenschen erklären lässt, ist eine offene Frage, die im Rahmen eines Manifests nicht beantwortet werden kann oder muss.

 

Eine Aussage ist genau dann und so lange richtig, wenn/wie sie mit den Fakten übereinstimmt

Die meisten Beiträge auf ScienceFiles befassen sich mit pseudo-wissenschaftlichen Texten oder mit Aussagen politischer Akteure, in denen etwas behauptet wird, was schlicht logisch nicht richtig ist oder so eklatant im Gegensatz zur Realität steht, dass man sich fragen muss, wie es überhaupt von einem rationalen Akteur geäußert werden konnte. Die Antwort auf diese Frage lautet: Der entsprechende Unsinn wurde nicht von einem rationalen Akteur geäußert, sondern entweder von einem affektiven Exhibitionisten, einem Gutmenschen, der denkt, Gutsein habe nichts mit Fakten zu tun (man denke halt mit dem Herzen) oder von einem Ideologen, der versucht, diejenigen, die seine Aussagen zur Kenntnis nehmen (müssen) zu täuschen.

Also wird behauptet, dass sich die Balken biegen: Kinderbücher, die seit Jahrzehnten zur Freude von Kindern beigetragen haben, werden plötzlich bedenklich, weil das Wort „Neger“ darin vorkommt, es wird behauptet, dass in Guinea Bissau weniger Mädchen als Jungen eingeschult werden, weil es keine Mädchentoiletten gibt– und keine Jungentoiletten, so muss man ergänzen, denn in Schulen in Guinea-Bissau gibt es einfach nur Toiletten, sofern überhaupt welche vorhanden sind. Andere packen ihre Vorliebe für den Sozialismus in Märchen über die Ankunft der Schlange K, mit der die Vertreibung der guten Menschen aus dem sozialistischen Paradies in das Unwetter des Kapitalismus begonnen hat und behaupten, sie hätten damit Wissenschaftliches geleistet. Wieder andere kämpfen mit der Realität und versuchen, ihre Phantasie, nach der in Deutschland Armut grassiert, herbei zu rechnen. Schließlich gibt es diejenigen, die ihren Vorurteilen freien Lauf lassen und behaupten, ihre akademisierte Form von Beleidigung, bei der z.B. von ostdeutschem Pack die Rede ist, habe auch nur entfernt etwas mit Wissenschaft zu tun.

Es ist derzeit möglich, jeden Unsinn als Wissenschaft auszugeben, weil kaum jemand auf die Idee kommt, danach zu fragen, ob das, was behauptet wird, auch prüfbar ist, und wenn es prüfbar ist, ob es je geprüft wurde, und wenn es geprüft wurde, ob es sich bestätigt hat oder falsifiziert wurde – kurz, ob es sich um Wissenschaft handelt oder nicht. Das deutsche Publikum zerfällt in der Mehrheit in zwei Gruppen. Die eine Gruppe nimmt begeistert auf, was behauptet wird, weil es (ideologisch oder affektiv) gefällt. Die andere Gruppen lehnt ab, was behauptet wird, weil es (ideologisch oder affektiv) nicht gefällt. Gegen beide hat die Gruppe derer, die fragt, ob Aussagen mit Fakten übereinstimmen, kaum eine Chance, sich Gehör zu verschaffen.

 

Infantilisierung

Dass die Irrationalität in Deutschland Feste feiert, die selbst der blonde Eckbert nicht für möglich gehalten hätte, ist ein Resultat der Infantilisierung der Gesellschaft. Die Infantilisierung durchzieht alle Bereiche und schlägt sich u.a. in einer Unfähigkeit, die soziale Welt in ihrer Komplexität, Veränderlichkeit und ihrer Abhängigkeit vom historischen Kontext anzuerkennen, nieder. Dadurch sind psychologische Störungsbilder, die Sozialpsychologen ein experimentelles Echtzeit-Design bescheren, weit verbreitet: Die einen können nicht akzeptieren, dass die Vielfalt, die sie in Verzückung versetzt, wenn sie mit einem brauhäutigen Menschen, den sie für unterlegen halten, die gleiche Vielfalt ist, der sie mit Verachtung begegnen, wenn sie im Zusammenhang mit einem weißen Menschen steht, der anderer Meinung ist. Die nächsten sind der Ansicht, man müsse einen Sprachkodex durchsetzen, weil sie, Mimosen, die sie nun einmal sind, nicht mit dem realen Leben konfrontiert werden wollen. Statt Hassreden wollen sie Schalmeienklänge hören, statt Hinweisen auf soziale Notlagen bei der falschen Zielgruppe wollen sie Hinweise auf die Wohltaten, die Menschen, die von sich behaupten, engagiert zu sein, zumindest verbal behaupten, erbracht zu haben.

Am gebrechlichsten ist die deutsche Demokratie, jenes politische Gebilde, das vom Streit lebt, wie u.a. die bereits benannten Väter der US-amerikanischen Verfassung wussten. In Deutschland ist dies anders. Hier lebt die Demokratie angeblich nicht vom Streit, sondern vom Konsens. Deshalb müssen abweichende Meinungen eingeebnet oder verboten werden, denn der deutsche demokratische Versuch, er hat ein zerbrechliches Gebilde geschaffen, das schon durch die Erwähnung von Hitler oder das Zeigen eine Hakenkreuzes gefährdet ist, ganz zu schweigen von zu weit abweichenden Meinungen, die als extrem klassifiziert werden. Mit extremen Meinungen kann man sich nicht auseinandersetzen, die Demokratie würde es nicht aushalten, sie ist zu ärmlich und zu zerbrechlich, um sich gegen ihre Kritiker durchzusetzen. Dass eine Demokratie am Streit wächst und mit jedem durchgefochtenen Streit stärker wird, dass es mit der Zeit immer weniger gibt, die eine Demokratie in Frage stellen, weil es immer mehr gibt, die die Vorzüge sehen, die darin bestehen, in manchen Dingen seinen Willen nicht zu bekommen, dafür aber in anderen Dingen, ist vielen Deutschen nicht nachvollziehbar. Sie wollen die reine, die pure Demokratie, in der die Gedanken gleichgeschaltet und alle Akteure wie kleine Kinder miteinander tanzen, sich freuen und glücklich sind, sie wollen natürliche Harmonie nicht durch Streit erfochtene Übereinkunft. Wenn sich aber alle liebhaben, mit einander übereinstimmen, ob ihrer geteilten Gutheit und im Paradies leben, ist keine Demokratie notwendig, Klone brauchen keine Regierungsform!

Was in diesem Manifest nur kurz angerissen werden konnte, findet sich in vielen Facetten in den mehr als 2000 Beiträgen auf ScienceFiles. Wer sich entsprechend einlesen will, findet ausreichend Stoff.

Die Bestandsaufnahme ist somit abgeschlossen. Die Konsequenzen, die aus dieser Bestandsaufnahme folgen, sind Gegenstand eines der nächsten Posts auf ScienceFiles.


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Kreter Paradox

Epimenides wird gewöhnlich das Paradoxon zugeschrieben, das die Kreter (nicht) verunglimpft. Es geht wie folgt:

  • Alle Kreter sind Lügner.
  • Ich bin ein Kreter.

Das besondere am Kreter-Paradox, das es unauflöslich macht, liegt darin, dass dann, wenn alle Kreter Lügner sind und ich ein Lügner bin, beide Aussagen falsch sein müssen, wobei die Wahrheit der ersten Aussage benötigt wird, um die Falschheit beider Aussagen zu begründen.

Ein Paradox eben.

Eines, das man im täglichen Leben immer wieder findet, in den unterschiedlichsten Varianten.

z.B.

  • Die deutsche Bevölkerung ist nicht urteilsfähig.
  • Ich bin ein Deutscher.

oder:

  • Die Bürger müssen verstehen lernen, was wir ihnen sagen.
  • Wir sind alle Bürger und sitzen im selben Boot.

Und hier in der Variante, die wir gerade bei Google Books gefunden haben:

Kreter Paradox

 

Kein Entkommen: Öffentlich-rechtliche Manipluation per Zwangsgebühren für alle

Rundfunkbeiträge für private Haushalte sind mit dem Grundgesetz vereinbar.

Das hat das Bundesverwaltungsgericht gestern verkündet.

Das Urteil, das die Pflicht, Rundfunkgebühren zu entrichten, an die Wohnung bindet, einmal mehr für rechtens erklärt, es steht am Ende einer Reihe von Maßnahmen und Entscheidungen, die seit Jahren gegen jede Vernunft durchgeführt, getroffen und durchgesetzt werden.

I

ARD auftrag.jpgEs beginnt alles mit der aberwitzigen Idee, das Programm in öffentlich-rechtlichen Sendern sei durch eine besondere Vielfalt gekennzeichnet. In einer Vielzahl von absurden Urteilen hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass nur öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Lage sei, die Vielfalt der Meinungen und Ideen, von deren freiem Zugang zu Sendezeit eine Demokratie lebt, zu gewährleisten.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat entsprechend einen Auftrag: Seine Mitarbeiter sind angehalten, die gesellschaftliche Vielfalt in Pixel zu übersetzen. Ob sie das schaffen oder gar wollen, diese Frage kann sich jeder selbst beantworten, in dem er sich z.B. die Art und Weise in Erinnerung ruft, mit der in öffentlich-rechtlichen Sendern mit politischer Vielfalt verfahren wird.

II

Der beschriebene Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die besondere Rolle, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk angeblich spielt, sie wird regelmäßig dadurch begründet, dass private Sender private und somit partikulare Interessen vertreten und diese in ihrem Programm zum Vorschein kommen. Tatort „Zorn Gottes“ oder „Kudamm 56“ repräsentieren somit öffentlich-rechtliche Vielfalt, während „Die Monster Uni“ oder „Total Recall“ private Interessen zum Ausdruck bringen.

Zudem finanzieren sich private Sender über Werbeeinnahmen, und das ist schlecht, denn Werbeeinnahmen tendieren dazu, bei populären Sendungen höher zu sein als bei unpopulären. Unpopuläre sind aber Bestandteil der deutschen Vielfalt und müssen daher auch gezeigt werden. Private Sender bringen nichts Unpopuläres, weil es niemand sehen will, weil sie damit keine Werbeeinnahmen erzielen können. Auf wen entfällt somit die Aufgabe, unpopuläre Sendungen, die niemand sehen will, zu senden? Richtig, auf öffentlich-rechtliche Sender.

Öffentlich-rechtliche Sender sind somit die einzigen, die der Vielfalt Deutschlands gerecht werden können und weil es wichtig ist, die Vielfalt Deutschlands im Fernsehen abzubilden, deshalb ist es wichtig, dass es öffentlich-rechtliche Sender gibt.

Und jetzt kommt das eigentliche Ziel der zirkulären Argumentation des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts. Nun, nachdem vom blauen Himmel herunter die Notwendigkeit öffentlich-rechtlicher Sender behauptet, aber nicht begründet wurde, um Vielfalt auf Fernsehern herzustellen, nun muss diese Notwendigkeit natürlich auch finanziert werden.

Prinzipiell, so argumentiert das Bundesverwaltungsgericht, ist es in jedes Deutschen und Deutschen mit Migrationshintergrund und Zuwanderers Interesse, dass es das Angebot öffentlich-rechtlicher Vielfalt im Fernsehen gibt. Weil es in jedermanns Interesse ist, deshalb muss auch jedermann dafür bezahlen. Die Frage ist nun, wie man jedermann zum Bezahlen öffentlich-rechtlicher Vielfalt bekommt. Das ist eine technische Frage. Die Idee, die Rundfunkgebühren an die Wohnung zu binden und jeden Eigentümer oder Mieter von Wohnung oder Haus zur Zahlung von 17,50 Euro im Monat zu verurteilen, ist nach Ansicht der Richter des 6. Senats des Bundesverfassungsgerichts, das sind die Richter Werner Neumann (Vorsitz), Dr. Carsten Tegethoff, Dr. Thomas Heitz, Dr. Knut Möller und Carsten Hahn, nicht zu beanstanden, weder damit, dass Wohnung und Fernsehbesitz nicht identisch sein müssen noch damit, dass auf diese Weise Alleinlebende höher zur Kasse gebeten werden als Eltern mit sieben Kindern.

Aus dieser richterlichen Logik, die eine Verbindung zwischen der Sicherung der Darstellung von Vielfalt in Medien und der Finanzierung der dazu alleine fähigen öffentlich-rechtlichen Anstalten herstellt, muss man somit schließen, dass Menschen, die alleine leben, die Demokratie mehr am Herzen liegt als z.B. Familien und man muss daraus schließen, dass das Gut, „öffentlich-rechtliche Vielfalt“ ein so hohes Gut ist, dass es sich selbst denen mitteilt, die es nicht über einen Fernseher empfangen können.

GEZ nein danke.jpgWessen Verstand sich weigert, diese logischen Kapriolen mitzumachen, der kann Okham’s Razor anwenden und feststellen, dass Parteien, die Jahrzehnte darauf verwendet haben, die Rundfunk- und Verwaltungsräte zu besetzen und unter sich aufzuteilen, damit sie direkten Zugriff auf die Manipulation von Zuschauern nehmen können, es nicht gerne sehen, wenn sie dieses Manipulationswerkzeug dadurch aus den Händen genommen bekommen, dass die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sich an der Nachfrage nach dessen Angeboten richtet. Wie sonst könnte man erklären, dass das bei Politikern so beliebte „Nudgen“, mit dem z.B. Menschen, so lange sie sich nicht wehren, zu Organspendern erklärt werden, bei öffentlich-rechtlichem Rundfunk nicht gelten soll?

Warum wollen Politiker Deutschen nicht das demokratische Recht zugestehen, einen Austritt aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem zu erklären (opt-out) und dies damit zu bezahlen, dass sie auf die vielfältigen Beiträge der entsprechenden Sender verzichten müssen?

Haben die entsprechenden Politiker etwa Angst, ein Instrument der Manipulation aus den Händen genommen zu bekommen?

Ob Bundesverwaltungsrichter hier als politische Marionetten Handlangerdienste verrichten oder das neuerliche Urteil Ergebnis der unter Juristen so beliebten Fortschreibung höchst-richterlichen Unsinns in Urteilsform ist, die fortgesetzte Anbiederung also vor Rechtsprechung geht, ist eine Frage, die ebenfalls offen ist.

 

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Von Werten, Wertigkeit und Logik

einige klärende Bemerkungen zur Diskussion anlässlich des ScienceFiles-Textes „Menschen sind nicht gleichwertig!“

Im Text „Menschen sind nicht gleichwertig!“ haben wir aus einem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag berichtet, in dem verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung u.a. von „Ideologien der Ungleichwertigkeit von Menschen“ gefordert werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Bündnis 90/Die Grünen für sich in Anspruch nehmen, Verfechter der These zu sein, nach der Menschen gleichwertig sind.

B90GDabei bleibt völlig unklar, was die These von der Gleichwertigkeit von Menschen genau bedeuten soll: Mit Bezug worauf werden von Bündnis 90/Die Grünen Menschen für gleichwertig erklärt? Von wem, für wen und in welchen Kontexten wird Gleichwertigkeit bestimmt, und vor allem: mit welcher Begründung und welcher Legitimation wird von einigen Menschen die pauschale, unspezifizierte These von der Gleichwertigkeit von Menschen aufgestellt? Und wie ist es möglich, dass das ausgerechnet solche Menschen tun, deren gesamter Text – d.h. der oben erwähnte Antrag – von Unterstellungen gegen andere, abfällige Bezeichnungen von anderen und Diskreditierungen von anderen Menschen nur so strotzt?

Man muss vermuten, dass die Verfasser des Antrages, die die Gleichwertigkeit von Menschen postulieren, diese Gleichwertigkeit auch gleich wieder bestreiten, denn die Rede ist u.a. von „populistischen Kräften“, die „lautstark“ „in unserem [!] Land“ „rassistische, völkische, homophobe und sexistische Deutungsmuster“ „bedienen“ (S. 2 im Antrag). Explizit wird z.B. die Bürgerbewegung PEGIDA als ein „klare[s] Warnsignal[…]“ dafür bezeichnet, dass sich „die rechte Szene mobilisiert“ (S. 4 im Antrag), obwohl empirische Forschung über die PEGIDA längst gezeigt hat, dass es sich bei ihr um Bürger mit ganz verschiedenen Anliegen handelt, die sich bei PEGIDA sammeln, um ihrer Unzufriedenheit mit dem derzeit herrschenden System in Deutschland kundzutun. Soviel Lautstärke ist für Bündnis 90/Die Grünen in einer Demokratie nicht erträglich, und deshalb wollen sie von der Bundesregierung Drohungen gegen die Bevölkerung ausgesprochen sehen wie die folgende: „Auch braucht es ein konsequentes Vorgehen gegen jede Form von Fraternisierung, Kumpanei, Durchstecherei zu Gunsten von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten durch einzelne Beschäftigte in Sicherheitsbehörden“ (S. 4 im Antrag).

U.a. um die Bigotterie, die diesen Antrag kennzeichnet, auf den Punkt zu bringen, haben wir unserem Text die Überschrift gegeben: „Menschen sind nicht gleichwertig!“ – mit Sicherheit gilt dies nämlich in den Augen von Bündnis 90/Die Grünen, deren Antrag in jedem einzelnen Absatz genau die „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ – die Autoren mögen diesen Ausdruck sehr; er findet sich in dem sechsseitigen Antrag dreimal auf S. 2, einmal auf S. 3 und einmal auf S. 5 – propagiert und Hassrede gegen bestimmte Gruppen der Bevölkerung führt, die sie angeblich stärker bekämpft sehen wollen.

So viel zu unserem Text, der in Reaktion auf die im Antrag von Bündnis 90/Die Grünen dokumentierte Bigotterie verfasst wurde.

Unser Text hat erfreulich viele Kommentatoren gefunden. Zwei oder drei von ihnen haben in ihren Kommentaren mitgeteilt, dass es ihnen unangenehm sei, Menschen mit Wertigkeiten zu verbinden, und im Anschluss hieran hat sich ein Kommentaraustausch zwischen ihnen und nicht nur, aber hauptsächlich, uns ergeben, der wie wir meinen, als solcher recht aufschlussreich war – zumindest für uns selbst.

Aufschlussreich fanden wir vor allem, dass zwei Kommentatoren – vermutlich unabhängig voneinander, aber hierüber können wir nicht sicher sein – darauf hingewiesen haben, dass sie von „Wert“ oder „Wertigkeit“ mit Bezug auf Menschen nicht sprechen wollten, weil diese Begriffe ökonomisch konnotiert seien und Menschen „zur Ware“ machten. Einer dieser Kommentatoren hat berichtet, dass in seinem „soziokulturellen Umfeld“ diese Begriffe sogar „verpönt“ seien, und dass sie „allgemein“ so aufgefasst würden wie von ihm, d.h. als ökonomisch konnotierte Begriffe. Er hat weiter behauptet, dass der Duden seine bemerkenswert enge Interpretation des Begriffes „teile“.

Weil dies eine für uns überaus überraschende (wenn auch für die Argumentation nicht weiter relevante) Behauptung war, nehmen wir sie zum Anlass zur Klärung

  1. der Frage, was nach dem Duden „Wertigkeit“ und „Wert“ bedeuten sollen, und
  2. der Frage, ob es logisch möglich ist, sich der These von Bündnis 90/Die Grünen

von der Gleichwertigkeit der Menschen anzuschließen, wenn man die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe ablehnt.

Vorweg sollten wir vielleicht erklären, warum uns die oben berichteten Behauptungen überrascht haben:

Wir sind selbst deutsche Muttersprachler, haben mehrere Jahrzehnte in Deutschland verbracht. Wir wissen daher, dass es vollkommen üblich ist, davon zu sprechen, dass einem etwas oder jemand „etwas wert“ ist, ohne dass der Sprecher plant, dieses oder diese Person in die Sklaverei zu verkaufen o.ä. Wir wissen auch, dass Leute gewöhnlich Vorstellungen wie die von Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Empathie etc. als ihre Werte bezeichnen, der Begriff „Wert“ also meist gerade nicht im ökonomischen Sinn gebraucht wird.

Wir sind außerdem Teil des öffentlichen gesellschaftspolitischen Diskurses und Sozialwissenschaftler, für die die Rede vom Wertewandel und materiellen und nicht- oder immateriellen Werten eine Selbstverständlichkeit ist. Die Vorstellung, nach der die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ „verpönt“ sein sollen, weil sie ökonomisch konnotiert sein sollen, war für uns deshalb ein Novum und so bizarr, dass wir uns diese Vorstellung nur dadurch erklären können, dass es irgendwo Ewig-Gestrige gibt, die meinen, durch ein von ihnen kreiertes Neusprech Menschen bestimmte Sprachgewohnheiten aufoktroyieren zu können, in der vergeblichen Hoffnung, dass damit bestimmte Gedanken oder Bewertungen verschwinden mögen. Wir sagen „Ewig-Gestrige“, weil das eine Vorstellung ist, auf die vor langer Zeit, z.B. im kommunistischen China recht drastische, aber (auch dort) offensichtlich vergebliche Versuche der Gehirnwäsche aufgebaut wurden, und wir sagen „vergebliche“ Hoffnung, weil die Sapir-Whorf-Hypothese, nach der die Struktur einer Sprache einen großen Einfluss auf die Denkart und das Verhalten von Menschen haben, die diese Sprache sprechen, in dieser simplen Form so oft falsifiziert worden ist, dass wir kaum glauben können, dass es noch irgendjemanden gibt, der Neusprech für eine Möglichkeit hält, Menschen zu manipulieren!

Wir haben uns also gefragt, woher eine so skurrile Vorstellung wie die, nach der die Begriffe „Wert“ und „Wertigkeit“ ökonomisch konnotiert seien, kommen kann. Die einzig plausiblen Kandidaten für solche Clownerien sind für uns besonders unaufgeklärte, aber auch besonders extremistische Zirkel, in denen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gepflegt wird, wobei die verhassten Gruppen Liberale, Ökonomen, Demokraten und der so genannte Konsumbürger schlechthin sein dürften – eigentlich alle Leute außer ihnen selbst.

Wir können und wollen uns nicht weiter mit diesen Zirkeln und ihren Clownerien befassen, aber wir wollen zu ihrer und nicht nur ihrer Aufklärung die beiden oben genannten Fragen beantworten.

Die Antwort auf die erste Frage lautet wie folgt:

Im Online-Duden ist nachzulesen, dass die Begriffe „Wert“ und „Wertigkeit“ das Folgende bedeuten sollen:

Wert, der
Wortart: Substantiv, maskulin
Häufigkeit: ▮▮▮▮
RECHTSCHREIBUNG
Worttrennung: Wert
Beispiele: auf etwas Wert legen; von Wert sein

BEDEUTUNGSÜBERSICHT

  1. einer Sache innewohnende Qualität, aufgrund deren sie in einem gewissen Maße begehrenswert ist [und sich verkaufen, vermarkten lässt]
  2. (marxistisch) in einer Ware vergegenständlichte, als Tauschwert erscheinende gesellschaftliche Arbeit, deren Maß die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist
    • zu einem Satz gehörende Briefmarke mit einem bestimmten aufgedruckten Wert
    • in Zahlen oder Zeichen ausgedrücktes Ergebnis einer Messung, Untersuchung o. Ä.; Zahlenwert
    • positive Bedeutung, die jemandem, einer Sache zukommt
    • Dinge, Gegenstände von großem Wert, die zum persönlichen oder allgemeinen Besitz gehören
    • Kurzform für: Wertpapier

Wer­tig­keit, die

Wortart: Substantiv, feminin
Häufigkeit: ▮▮▯▯▯
RECHTSCHREIBUNG
Worttrennung: Wer|tig|keit

BEDEUTUNGSÜBERSICHT

  1. (Chemie) Verhältnis der Mengen, in denen sich ein chemisches Element mit einem anderen zu einer Verbindung umsetzt; Valenz
  2. (Sprachwissenschaft) Valenz
  3. [höherer] Wert

Damit ist für jeden nachlesbar die Behauptung des Kommentators, nach dem im Duden stehe, dass diese Begriffe ökonomisch (und nicht bzw. nicht überwiegend anders) konnotiert seien, falsch.

Nun zur zweiten Frage:

Ist es logisch möglich, sich der These von Bündnis 90/Die Grünen von der Gleichwertigkeit der Menschen anzuschließen, wenn man die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe ablehnt?

Die Antwort lautet eindeutig „nein“, und zwar deshalb:

Logik f dummiesWenn man die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe ablehnt, dann lehnt man eben ihre Verwendung ab. Und wenn man das tut, dann macht es keinerlei Unterschied, ob jemand von Gleichwertigkeit oder Ungleichwertigkeit spricht, denn in jedem Fall legt er nach Auffassung derer, die die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe ablehnen, eben diese Begriffe und damit die – unterstellte – ökonomische Sichtweise auf den Menschen zugrunde.

Deshalb muss jemand, der die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ als ökonomisch konnotierte Begriffe mit Bezug auf Menschen ablehnt, die These von Bündnis 90/Die Grünen von der Gleichwertigkeit von Menschen ablehnen. Und da wir das auch tun, stimmen wir in der Ablehnung dieser These überein (wenn wir dies auch aus gänzlich unterschiedlichen Gründen tun).

Die erwähnten Kommentatoren scheinen sich hierüber nicht klar gewesen zu sein, und wir haben unsererseits versäumt, das in unseren eigenen Kommentaren explizit klarzustellen. Um weitere Verwirrungen im Umgang mit den Begriffen „Werte“ und „Wertigkeit“ und deren Implikationen zu verhindern, haben wir uns entschlossen, dies hier nachzuholen.

Für diejenigen, die das nicht verstehen oder daran interessiert sind, ihren Kindern oder Schülern Logik beizubringen, mag die folgende Analogie hilfreich sein:

  • Person A lehnt es ab, dass Menschen Kuchen essen und an andere verteilen, weil er damit die Zufuhr von Zucker und leeren Kohlehydraten befördert.
    1. Person B verteilt an vier Personen vier gleich große Stücke Kuchen.
    2. Person C verteilt an vier Personen vier ungleich große Stücke Kuchen.
    3. Person D verteilt nur an eine von vier Personen ein Stück Kuchen unbekannter Größe.

Preisfrage: Mit welchen der Personen B, C oder D stimmt Person A überein?

Richtig – mit keiner dieser Personen, eben weil Person A das Essen und Verteilen von Kuchen ablehnt. Für jemanden, der dies tut, ist die relevante Frage, ob jemand Kuchen ißt/verteilt oder nicht. Es ist für ihn aber eine völlig irrelevante Frage, wer wie viel an wen und zu welchen Teilen verteilt – es sei denn, er wäre selbst bigott und meinte nicht, was er sagt.

Vor diesem Hintergrund können wir nur hoffen, dass die Kommentatoren, die uns haben wissen lassen, dass sie die Begriffe „Werte“ und „Wertigkeit“ mit Bezug auf Menschen ablehnen, weil sie ökonomisch konnotiert seien, dies auch Bündnis90/Die Grünen wissen lassen werden und ihnen ihren Antrag aus diesem Grund um die Ohren hauen werden, der ein Grund unter vielen ist, warum man ihnen diesen Antrag um die Ohren hauen sollte!

Menschen sind nicht gleichwertig!

Der Begriff der Gleichwertigkeit findet sich immer häufiger in Veröffentlichungen, die einen genderistischen oder einen politischen-korrekten Hintergrund haben. So haben wir den Begriff vor einiger Zeit im Zusammenhang mit den Neuen Deutschen Medienmachern diskutiert, die angetreten sind, der deutschen Sprache auch noch den letzten verbliebenen Sinn zu nehmen.

Damals haben wir festgestellt:

NDMedienmacher„Ein weiterer Versuch besteht darin, unter der Hand den Begriff der Gleichwertigkeit einzuführen und in eine Reihe mit Gleichberechtigung zu stellen. Und damit auch klar ist, dass Gleichwertigkeit sakrosankt ist, wird Rechtsextremismus als „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ bezeichnet (24), und es werden „Ideologien der Ungleichwertigkeit als „Weltanschauungen, in denen die Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen grundlegend abgelehnt werden“ (23) definiert.

Nun gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Ersteres ist ein objektives Prinzip, Letzteres eine subjektive Behauptung.

[…]

Zu behaupten, dass Menschen gleichwertig seien, kommt […] einer vollständigen Verleugnung von Leistung [und sonstigen Unterschieden zwischen Menschen] gleich und negiert somit jede Anstrengung, die ein Mensch im Verlauf seines Lebens unternommen hat. Ein Nobelpreisträger für Physik wäre dann mit einem Professor für Genderforschung gleichwertig, ein Straftäter mit seinem Richter, ein alter Mensch, der sein Leben lang gearbeitet hat, mit den Neugeborenen, ein psychisch Gestörter mit seinem Irrenarzt, ein Faulenzer mit einem Strebsamen usw.

Menschen sind nicht gleichwertig. Sie sind [im Hinblick auf ein Naturrecht] gleich geboren, aber sie entwickeln sich unterschiedlich und je nach Art und Umfang der Investitionen in sich, sind sie in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens schlicht mehr wert als andere. Wer das nicht glaubt, der möge sein Verhalten an seinen Behauptungen ausrichten und z.B. nach einem Unfall keinen Arzt rufen, denn es genügt die Hausfrau von nebenan, mit der Versorgung des gebrochenen Beines zu beauftragen, denn sicherlich ist sie dem Arzt in allem gleichwertig.“

Dass der Begriff der Gleichwertigkeit auf manche Politiker eine hohe Anziehungskraft ausübt, mag daran liegen, dass die entsprechenden Politiker die einmalige Chance sehen, die mangelnden Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie bei sich wahrnehmen, als irrelevant abzuschreiben. Und so verwundert es nicht, dass ein Antrag der Bundestagsfraktion „B90/Die Grünen“ den Begriff der Gleichwertigkeit in seiner negativen und an den Rechtsextremismus gekoppelten Variante aufnimmt:

B90G„Es ist Aufgabe aller demokratischen Kräfte, einer Spaltung der Gesellschaft unmissverständlich entgegenzuwirken. Gegenüber rassistischer Angstmache und Ideologien der Ungleichwertigkeit von Menschen darf es keinerlei Entgegenkommen geben. Demokratie ist in Gefahr, wenn Hetze, Rassismus und Gewalt auf Gleichgültigkeit oder sogar Akzeptanz stoßen. Menschenfeindliches Gedankengut ist nicht nur ein Problem der „rechten Ränder“, sondern es durchdringt die Gesellschaft. Lautstark bedienen populistische Kräfte in unserem Land rassistische, antisemitische, völkische, homophobe und sexistische Deutungsmuster.“

Bleiben wir beim Begriff der „Ungleichwertigkeit von Menschen“ und lassen den sonstigen Unsinn in diesem kurzen Ansatz als Ausdruck eines inkompetenten Deutungsmusters einmal beiseite.

Bei den Grünen ist man also der Ansicht, alle Menschen hätten denselben Wert. Das macht es erforderlich, den Wert von Menschen als Qualität zu definieren, die unabhängig von Menschen, quasi im freien Orbit flottiert und sich Menschen mitteilt, sobald sie das Licht der Welt erblicken. Der Wert von Menschen, er wäre damit ein absoluter, in Stein gemeißelter und somit ewiger Wert. Der Säugling hat den gleichen Wert, den Cem Özdemir hat, ein Debiler hat denselben Wert, den Monika Lazar für sich beanspruchen kann, ein Attentäter denselben Wert, den Claudia Roth für sich reklamiert und ein Mitglied der NPD denselben Wert wie Renate Künast.

Wenn die Grünen konstatieren, dass man Ideologien der Ungleichwertigkeit kein Entgegenkommen zeigen darf, und wir sie beim Wort nehmen, dann folgt daraus unweigerlich, was im letzten Abschnitt steht. Wenn aber daraus folgt, dass Attentäter, NPD-Mitglieder, Rechtsextreme und Rechtspopulisten denselben Wert haben, den auch Abgeordnete der Grünen und von Bündnis90 haben, dann stellt sich die Frage, wieso die wertgleichen Mitglieder der grünen Bundestagsfraktion sich anmaßen, andere, die doch denselben Wert haben wie sie selbst, als Vertreter einer „Ideologie der Ungleichwertigkeit“, als Hetzer und Hasser abzuwerten.

Zumal sie sich mit dieser Abwertung selbst aufwerten und somit zum Vertreter einer Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen machen, sich somit nach eigener Anschauung als Rechstpopulisten, Rechstextremisten, als Hetzer und Hasser qualifizieren.

Der Grund dafür, dass die grünen Abgeordneten dies tun, er liegt wohl in der Ungleichwertigkeit von Menschen, denn die Götter haben ganz offensichtlich nicht dafür gesorgt, dass alle denselben IQ, denselben Intellekt und dieselbe Denkfähigkeit haben.

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