Kardinal Reinhard Marx ist in der katholischen Kirche das, was man in der freien Wirtschaft als Corporate Executive Officer bezeichnen würde. Marx ist Manager des Seelenheils der 1,7 Millionen katholischen Schafe, über deren Kirchensteuer die Erzdiözese München und Freising verfügen kann. Das Unternehmen „Erzdiözese München und Freising“ hat ein Vermögen von rund 6 Milliarden Euro, wobei die Bilanz der Erzdiözese nicht den Anforderungen, wie sie z.B. in den International Accounting Standards enthalten sind, entspricht. Subunternehmen, Pfarreien (rund 750), Pfarrstiftungen und Klöster sind mit ihren jeweiligen Vermögen in der Bilanz nicht erfasst, die Kirchen, der Münchner Dom und eine Reihe weiterer Grundstücke, die sich im Besitz der Erzdiözese München und Freising befinden, sind mit nur einem Euro bewertet worden. Kurz: Die Konzernbilanz gibt einen Anhaltspunkt, der sagt: Das Vermögen der Erzdiözese München und Freising ist ein Vielfaches der 6 Milliarden Euro, die darin ausgewiesen sind.
Weil mehr als 6 Milliarden Euro Vermögen und rund 15.000 Euro monatliches Gehalt die katholische Kirche von München und Freising immer noch zum Hungerleider machen, verzichtet der deutsche Staat auf Abgaben zur Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung und gewährt bei der Krankenversicherung einen Rabatt von 50%. Wird Reinhard Marx einmal krank, dann zahlen eben die solidarischen gesetzlich Versicherten die Kosten seiner Behandlung. Abgesehen davon kann der Kardinal auf Limousine und Chauffeur zurückgreifen, unentgeltlich, und bezahlt auch keine Miete, für die bescheidenen Räume, die er bewohnt.
Der Spiegel, der sich gerne so kritisch gibt, er hat Reinhard Marx interviewt, denn Marx will Wahlkampfhelfer von Martin Schulz werden und beklagt deshalb, die soziale Ungleichheit in Deutschland.
Kardinal Marx, Manager eines Vermögens von weit mehr als 6 Milliarden Euro mit einem monatlichen Gehalt von 15.000 Euro, der weder Rentenversicherung noch Arbeitslosenversicherung bezahlt, sich von seinem Chauffeur durch München und Freising chauffieren lässt und ansonsten mietfrei wohnt, dieser Marx, nomen est omen, ist ein Sozialethiker, so behauptet es der Spiegel, ein Vordenker in Sozialfragen.
Beim Vordenken ist Marx zu folgenden Erkenntnissen gelangt:
„In Deutschland herrscht großer Wohlstand, aber es geht nicht überall gerecht zu“, sagt er. „Die Menschen sind verunsichert“, so weiß er. Alle Menschen sollten eine Chance haben, für sich und ihre Familie zu sorgen, so meint er. „Wenn diese Frage nun im Wahlkampf thematisiert wird: umso besser“, erzählt er. Und natürlich ist dem 15.000+ Euro monatliches Gehalt Seelsorger von 1,7 Millionen München-Freisinger katholischen Schafen, der so gut wie keine Sozialabgaben bezahlt und ansonsten aufpasst, dass das tatsächliche Vermögen seiner Diözese nicht bekannt wird, Gerechtigkeit ein Herzensanliegen: „Im Sinne der Gerechtigkeit müssen Vermögen und Erbschaften, aber auch der Kapitalverkehr stärker besteuert werden“, so fordert er.
Wer diese Übung in Bigotterie nachlesen will, der kann dies im Spiegel tun und sich auf diese Weise darüber vergewissern, dass der Kardinal an keiner Stelle des Interviews auch nur eine Sekunde moralische Bedenken oder gar Skrupel entwickelt, ob der Tatsache, dass er, der Spitzenverdiener, der einem katholischen Unternehmens-Imperium vorsitzt, das Teil eines deutschen katholischen Imperiums ist, das auf ein Vermögen von irgendwo in der Gegend von 280 Milliarden Euro geschätzt wird, konservativ geschätzt wird, sich angeblich um diejenigen Sorgen macht, die im Niedriglohnbereich arbeiten und später einmal, obwohl sie im Gegensatz zu Marx Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichten und abermals im Gegensatz zu Marx „eine Altersversorgung“ haben werden, die kaum oder nicht „oberhalb der Sozialhilfe“ liegt.
Vordenker in Sozialfragen und Sozialethiker, die sich bei der katholischen Kirche in hochdotierten Positionen finden, scheinen sich einerseits durch eine unglaublich enge geistige Haltung auszuzeichnen, die man nur dann als Vordenken bezeichnen kann, wenn alle anderen, die denken, nicht über das Aufsagen von Gedichten hinauskommen. Andererseits scheinen die Vordenker der katholischen Kirche weder durch ein Gewissen noch durch Skrupel belastet zu sein, so dass sie frei über Arme fabulieren können, während sie im mietfreien Pfarrhaus ihr Dreigänge Menu zu sich nehmen, das natürlich ein Koch für sie zubereitet hat.
In Zeiten, in denen „die Menschen“ verunsichert sind und in Zeiten, in denen „die Vermögensverteilung immer ungleicher“ wird, muss die katholische Kirche mit gutem Beispiel vorangehen und dazu beitragen, dass die Vermögensverteilung wieder gleicher wird.
Entsprechend ist die katholische Kirche zu enteignen und das Vermögen der katholischen Kirche unter den Armen zu verteilen, so dass die Vermögensverteilung in Deutschland wieder gleicher wird. Die katholische Kirche, deren Kardinäle so gerne für die Armen Partei ergreifen, hat sicher nichts dagegen einzuwenden, wenn den christlichen Worten dieses Mal auch Taten folgen.
