
Diese Hochzeit der Ethnologie, in der viele Erkenntnisse über andere Kulturen gesammelt wurden, sie ist unwiederbringlich vorbei. Unwiederbringlich schon deshalb, weil manche der heutigen Ethnologen nicht mehr daran interessiert sind, sich mit Feldarbeit die Finger schmutzig zu machen oder gar etwas über andere Kulturen zu lernen oder die Reglementierung und die Schutzbestimmungen von UN und anderen Kampforganisationen für menschliche Gleichschaltung, das andere anderer Kulturen entweder beseitigt, gleichgeschaltet oder so unter Schutz gestellt haben, dass es nicht mehr zugänglich ist.
Und natürlich ist auch das Fach der Ethnologie dem wissenschaftlichen Zeitgeist unterworfen, der politische Korrektheit und das Streben nach moralischer Erhabenheit, in den meisten Sozialwissenschaften an die Stelle der Suche nach Erkenntnis hat treten lassen. Ethnologen, wie es sie z.B. in Bremen gibt, sind daran interessiert, sich möglichst billig als gute Menschen inszenieren zu können. Sie wollen keine Erkenntnis gewinnen, sie wollen die Welt mit ihrer Gutheit und ihrer geheuchelten moralischen Entrüstung über die Untaten ihrer Vorfahren beglücken. Dass damit keinerlei Erkenntnisgewinn verbunden ist, stört die Kreuzfahrer in eine entkolonialisierte Zukunft nicht. Ihnen reicht es, sich für andere zu schämen und diesen anderen die Schuld an allen negativen Entwicklungen zuzuschieben, die es in der fernen Vergangenheit gegeben hat.
„Liebe Wissenschaftler von ScienceFiles,
ich bin vor kurzem auf Ihren sehr interessanten blog aufmerksam geworden und nehme ein Themensemester des Instituts für Ethnologie und Kulturwissenschaft an der Universität Bremen zum Anlass, Ihnen erstmals zu schreiben.
Wie es immer so ist. Wenn man etwas sucht, findet man etwas völlig anderes. Ich wollte mich über die Arbeitssituation der Doktoranden an der Uni Bremen informieren (aufgrund eigener Erfahrungen) und bin dann bei der Pressemitteilung „Uni Bremen lädt zur Auftaktveranstaltung des Themensemesters „Dekolonisierung der Stadt“ ein“ hängen geblieben.
Bereits im Text auf der Homepage besagten Themensemesters
(http://www.kultur.uni-bremen.de/de/start/themensemester2017.html)
geht es recht munter zu, mit vielen uns bekannten Klassikern: (1) koloniale Spuren in der Wissenschaft sichtbar machen (wer kennt sie nicht, die Kollegen, die schon zur Zeit Kaiser Wilhelms II in Deutsch-Südwestafrika geforscht haben. Ich treffe die täglich.), (2) dekoloniale Praxis entwickeln, (3) Wissen dekolonisieren, (4) eurozentristische Ansätze überwinden und, was natürlich nicht fehlen darf, (5) für soziale Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung und Rassismus kämpfen. Mir fehlt ja noch der Punkt „Die AfD dekolonisieren“.Und dann erst die Hitlist der Kooperationspartner. Über die Heinrich-Böll-Stiftung lass‘ ich mich nicht aus, das sollen andere Betroffene tun. Aber da ist beispielsweise das „artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit“, welches sich auf seiner Website (http://www.uni-bremen.de/de/artec/ueber-uns.html) in aller Bescheidenheit als „das einzige universitäre Forschungszentrum in Deutschland mit einer klaren Ausrichtung auf die sozial-ökologische Forschung“ bezeichnet. Geforscht wird dann u.a. einzigartig und passend zu den Themenbereichen „Politische Ökologie der Küsten und Meere“ und „Gender, Diversity und Gerechtigkeit“. Ich würde den Namen ja in „artec Forschungszentrum Gerechtigkeit“ umtaufen, dann gibt es bestimmt in Bremen noch mehr Geld von der SPD!
Oder „Decolonize.Bremen“ (https://www.facebook.com/DecolonizeBremen-1661769237447605/), ein Bündnis, in welchem „sich Vertreter*innen verschiedener zivilgesellschaftlicher Initiativen (u.a. ANB – Afrika Netzwerk Bremen; Flüchtlingsrat Bremen), Wissenschaftler*innen und Einzelpersonen“ engagieren. Seine Aufgabe sieht es darin, „eine breitere kritische Auseinandersetzung mit der Bremer Kolonialgeschichte„ anzustoßen, ferner „zur Rolle Bremens und seiner Bewohner_innen im Kolonialismus [zu] recherchieren“ und sich schließlich „für eine Dekolonialisierung des öffentlichen Raumes“ einzusetzen. Laut taz (http://taz.de/!5273399/) fordert das Bündnis die Umbenennung toxischer Straßenname in Bremen, die allzu sehr im miefigen Morast wilhelminischer Kolonialzeit feststecken.
Und schließlich auch das „Institut für postkoloniale und transkulturelle Studien (INPUTS)“ (siehe http://www.fb10.uni-bremen.de/inputs/default.aspx). Ein Institut internationaler Klasse, das sich der Erforschung des Kolonialismus verschrieben hat. Oder viel ambitionierter seine Wissenschaft darin sieht, „die Blicke auf globale postkoloniale Konstellationen zu richten“ und „Europa zu provinzialisieren, d.h. Europa aus einer transkulturellen und dekolonialen Perspektive zu dezentrieren“. Wenn das keine hehre Wissenschaft ist! Und wie erreicht es das? Es „setzt sich für eine Wissenschaft vom Menschen ein, die nicht die westliche Wissenschaftstradition weiterschreibt durch gefräßige Addition anderer Welten“. Lecker! Und damit keiner dieser westlichen Wissenschaftler Typ Herrenmensch auf eine andere Idee kommt, „betreibt es [die dazu] notwendigerweise internationalen Kooperationen auf Augenhöhe“. Und wer bis hierhin immer noch nicht weiß, was das INPUTS genau tut, dem liefert es eine prägnante Klarstellung: das „INPUTS sucht pro-aktiv multiperspektivische Träger solcher Kooperationen – jenseits von „hip hybridity“-Schick und der derzeitig modischen Attraktivität alles „Grenzüberschreitenden“.“ Jetzt ist alles klar.
Bereits herausragend ist der erste Wissenschaftler, der in der Auftaktveranstaltung einen Vortrag hält: Herr Julian Wagner (https://www.uni-goettingen.de/de/524943.html). Seine Forschungsgebiete sind „Black Diaspora Studies“ (ergibt bei Bing 7530 Treffer, „White Diaspora Studies“ hingegen genau einen), dann noch „Rassismusforschung“ und „Popkulturforschung“. Wie das letzte da hinein passt, ist mir nicht ganz klar, aber gut. Überraschend ist dann sein Vortragsthema: „Blackness unterrichten: (selbst)kritische Beobachtungen aus der Seminararbeit“. dict.cc gibt mir als mögliche Übersetzungen von „blackness“ u.a. auch „Abscheulichkeit“, „Niedertracht“, „Verderbtheit“ und „Verdorbenheit“. Meint er sicher nicht, wenn ich es aber mutwillig falsch auslege, würde das so besser zu diesem ideologisch ausgelegten Themensemester passen. Weiterhin hat Herr Wagner gemeinsam mit Oliver Zahn (siehe http://www.kultur.uni-bremen.de/de/aktuelles/nachricht/article//oliver-zahn.html) „die Aneignung und Vermarktung schwarzer und anderer minoritärer Tanzformen“ untersucht. Und sich dabei die Fragen gestellt: „Welche Bedeutungen tragen Tänze? Gehören sie irgendwem, und wer darf sie dann überhaupt tanzen?“ Ich hoffe, die geben dann keine Broschüre heraus die nach Hautfarbe, biologischem Geschlecht, sozialem Geschlecht und politischer Einstellung unterteilt, wer künftig, was tanzen darf. Aber ehrlich gesagt, in Bremen weiß man das nie ganz sicher.
Auch beim Blick auf das Gesamtprogramm vermag ich nur Umrisse von Wissenschaft zu erkennen:
http://www.kultur.uni-bremen.de/fileadmin/redak_kuwi/PDFs/Themensemesterr2017_Gesamtprogramm_Flyer_final.pdfDa ist mir diese Veranstaltung sofort aufgefallen: „Das Tribunal ‚NSU-Komplex auflösen‘ aus (rechts)ethnographischer und transkultureller Perspektive“. In Bremen wird gerne in jede beliebige Veranstaltungsreihe irgendetwas mit AfD, Nazis oder beidem aufgenommen (damit ist man in Bremen gleich politisch unverdächtig irgendwo anders zu stehen als auf der linkssozialistischen Seite). Ich habe mich hier dann aber gefragt. Gibt es eigentlich auch eine linksethnographische Perspektive?
Vielleicht ist es Ihnen es wert, dazu einen Artikel zu schreiben!? Wenn nicht, auch nicht schlimm. Zumindest sind mir aufgrund der kulturwissenschaftlichen Umtriebe an der Uni Bremen weitere Haare ausgefallen … spart mir so einen Friseurtermin.
Herzliche Grüße und ein abschließendes dickes Lob für Ihren sehr erhellenden blog,
Dr. Dr. E.“
Dem haben wir erstmal nichts hinzuzufügen.
Es mag manche Leser erstaunen, aber: Auch die Wissenschaftler von ScienceFiles leben nicht von der Hand in den Mund. Nein. ScienceFiles kostet Zeit und Geld, schon weil u.a. unsere Provider die ärgerliche Angewohnheit haben, Geld für ihren Service zu verlangen.
