Juden, Radfahrer oder öffentlich finanzierte Aktivisten: Wer verschwendet Steuergelder?

Weiß jemand, warum es unter denen, die so gierig darauf sind, andere zum Guten zu bekehren, so viele gibt, die logische Fehler und Manipulationsversuche zu kultivieren versuchen?

„Juden und Radfahrer beherrschen die Welt“, so lautet der Titel eines angeblichen Lernplakates, das in 25.000 Exemplaren in A0 und A1 von 3 Welt Saar vertrieben werden soll. Die Erstellung des vermeintlichen Lernplakates hat das Saarländische Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie finanziert und somit ein Ministerium, das die unproduktive Vernichtung von Steuergeldern bereits im Namen führt. Wissenschaftlich verantwortlich für das angebliche Lernplakat ist eine Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik, TU Berlin.

Lernplakat-gegen-Antisemitismus_Aktion-3-Welt

Für eine Welt ohne Idioten

Frau Schwarz-Friesel ist, trotz des Doppelnamens, der die Identifikation erleichtert, nicht unbedingt als Kapazität auf dem Gebiet des Antisemitismus bekannt, wir denken dabei eher an Leute wie Wolfgang Benz oder Leon Poliakov, aber die wären, selbst wenn sie nicht, wie Poliakov bereits verstorben wären, sicher nicht bereit, ihren Namen mit einem Projekt in Verbindung zu bringen, das derart alle wissenschaftlichen Erkenntnisse und alle logischen Errungenschaften seit Aristoteles mit Füßen tritt.

Der Anspruch des Lernplakates liest sich wie folgt:

“Das Plakat wirft Schlaglichter auf diese alte wie aktuelle Verschwörungstheorie und regt an, die antisemitischen Schleichwege im eigenen Kopf zu erkennen. Es entstand im Rahmen eines Projektes der Aktion 3.Welt Saar, das vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes gefördert und von Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel (TU-Berlin) wissenschaftlich begleitet wurde. Das Plakat eignet sich für die (außer-) schulische Arbeit sowie für die politische Bildungsarbeit.“

Wie so oft, wenn Ideologie und Wirklichkeit aufeinander treffen, bleibt nichts, von dem so hehren Anspruch.

Kirche Staat NationEs beginnt damit, dass durchgehend Israel und Juden synonym gesetzt werden. Um es in der Sprache des Lernplakates auszudrücken: Wusstet Ihr schon, dass 17,5% der Einwohner Israels nicht dem jüdischen Glauben zuzurechnen sind, sondern dem Islam? Wusstet Ihr schon, dass 2% der Israelis Christen und 1,6% Drusen sind? Darüber hinaus leben viele Juden gar nicht in Israel, sondern in der Diaspora Frankreichs, Deutschlands und vor allem der USA: Was also soll die primitive Gleichsetzung von Israel und Judentum? Politikwissenschaftler im ersten Semester würden der Universität verwiesen, wüssten sie nicht zwischen Staat (Israel) und Religion (Judentum) zu unterscheiden. Im aufgeklärten 20. Jahrhundert gibt es an der TU Berlin eine Schwarz-Friesel, die den Unterschied nicht kennt. Erschreckend.

Derartige grobe Schnitzer leiten über zu einer Flut von logischen Fehlern, die man – wären sie intelligent angewendet, als Manipulationsversuche ansehen könnte – wären sie intelligent angewendet.

Hier eine willkürlich gezogene Stichprobe aus dem Lernplakat:

“Die Ablehnung von Juden mündet(e) in ihre Tötung. Dafür stehen zum Beispiel der Holocaust der Deutschen…)“.

Ob derartiger Unsinn dabei hilft, Antisemitismus zu bekämpfen? Wir zweifeln daran. Zunächst einmal: Es gibt auch Juden, die eines natürlichen Todes sterben sollen und keinerlei Erfahrung mit Ablehnung gemacht haben. Die Aussage oben ist somit ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, und sie ist zudem ein Fehlschluss der Verneinung des Antezedens, denn nicht alle Juden, die Ablehnung erfahren, werden umgebracht. Zwei logische Fehler in einem Satz, das lässt massiv an der geistigen Verfassung der Verantwortlichen zweifeln.

Und weiter geht es:

“Man wird doch wohl noch Israel kritisieren dürfen. Darfst Du. Wir haben uns extra das OK der israelischen Regierung eingeholt. Aber warum ausgerechnet Israel-Kritik? Hast Du jemals etwas von Belgien-Kritik gehört oder wird hier mit zweierlei Maß gemessen.“

Schon Schopenhauer hat in seinem kleinen Brevier über die „Kunst, Recht zu behalten“ auf den oben benutzen Sophismus hingewiesen. Was bei Schopenhauer noch eine Kunst war, ist auf dem Lernplakat zu einem plumpen Manipulationsversuch verkommen, der auf der Prämisse basiert, diejenigen, die das angebliche Lernplakat zur Kenntnis nehmen, seien so dumm wie diejenigen, die es erstellt haben.

AntiamerikanismusHaben die Ersteller jemals etwas von Kritik an Russland oder den USA, von Anti-Amerikanismus gehört? Wenn ja, warum versuchen sie dann zu suggerieren, Kritik an Israel wäre eine Ausnahmebehandlung, da kein anderes Land als Kollektiv einer Kritik ausgesetzt ist? Abermals muss man feststellen, dass derartige dumm dreiste Versuche, den Intellekt der Leser zu manipulieren und zu beleidigen, eher das Gegenteil dessen erreichen, was die Macher des angeblichen Lernplakates wollen. Dies um so mehr, als die Prämisse die hinter der Verächtlichmachung von Kritik als solcher und Kritik an den Handlungen Israels als Staat, also an den Handlungen der Israelischen Regierung, aber nicht an Juden, eine generelle Unterdrückung solcher Kritik ist. Wusstet Ihr schon, Ihr Macher des Lernplakates, dass ihr Euch damit in ein Boot mit Kim Jong-un setzt, dem Herrscher in Nordkorea, der Kritik an seiner Regierung ebenfalls nicht duldet?

Ein ideologisches Intermezzo, wo wir gerade bei zweierlei Maß waren:

“Sogar die UNO verurteilt Israel. Stimmt. Sie hat zwar einen guten Namen, ist aber nicht neutral. In vielen UN-Gremien dominieren Staaten, die gegen Israel sind. Schon seltsam, wenn ausgerechnet Iran und Nordkorea im UN-Menschenrechtsrat Resolutionen gegen Israel verabschieden“.

Von 2006 bis 2015 ist Israel 61 Mal wegen Verletzung der Menschenrechte durch den UN-Menschenrechtsrat verurteilt worden. Kein einziges Mal war Nordkorea beteiligt, denn Nordkorea sitzt nicht im UN-Menschenrechtsrat. Vielmehr ist Nordkorea von 2006 bis 2015 selbst in 8 Fällen Gegenstand einer Resolution des nämlichen Rates gewesen und somit wegen Menschenrechtsverletzungen abgemahnt worden. Auch der Iran ist nicht Mitglied im UN-Menschenrechtsrat, seinerseits aber vier Mal am Ende entsprechender Resolutionen gewesen. Das Lernplakat verbreitet hier also die Unwahrheit. Warum hier explizite Lügen verbreitet werden, kann man nur vermuten. Dass ein Ministerium Steuergelder aufwendet, um Lügen zu finanzieren, sollte indes in einem demokratischen Staat Gegenstand entsprechender Anfragen der politischen Opposition und vielleicht auch entsprechender Ermittlungen des Landesrechnungshofes oder der Staatsanwaltschaft sein.

Und schließlich, das, worum es eigentlich geht:

“Israel boykottieren“. Klingt nach engagiertem Verbraucherverhalten. Ist aber eine dreckige Sache. Die Nazis warum ehrlicher und nannten es: „Kauf nicht bei Juden“.

Das kann man nur als dreckigen Versuch der Verhaltensbeeinflussung bezeichnen. Einmal davon abgesehen, dass es weder Schwarz-Friesel noch die Aktion 3 Welt Saar noch das Ministerium für die Verschwendung von Steuergeldern im Saarland auch nur das Geringste angeht, aus welchen Gründen Verbraucher Produkte aus Israel kaufen oder nicht kaufen, den Boykott israelischer Produkte mit dem Aufruf „Kauf nicht bei Juden“ in Zusammenhang zu bringen, erfüllt vermutlich den Tatbestand der Volksverhetzung, denn damit werden diejenigen, die aus guten Gründen einen solchen Boykott als individuelle Verbraucher ausüben, nicht nur verunglimpft und zu Nazis stilisiert, sie werden auch in ihrer Menschenwürde und ihrer Freiheit, eigenverantwortliche Handlungen auszuführen, beeinträchtigt und alles mit finanzieller Unterstützung des Saarländischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Und einmal mehr unter Gleichsetzung des Staates Israel mit der Religion des Judentums.

Und natürlich ist der volksverhetzende Unsinn ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens gepaart mit dem Versuch, durch die Vorgabe falscher Alternativen einen gewünschten Effekt bei denen, die damit traktiert werden, zu erreichen.

Was man vom Lernplakat also lernen kann ist, dass dessen Macher keine Ahnung von den wissenschaftlichen Konzepten haben, mit denen sie hantieren, dass sie bar jeder Kenntnis der Logik sind, und sie einzig ihr Bemühen auszeichnet, Propaganda zu machen und ihre Leser zu täuschen und zu belügen. Allein die falsche Behauptung, der Iran und Nordkorea würden im UM-Menschenrechtsrat gegen Israel stimmen und der Versuch, den Menschenrechtsrat dadurch verächtlich zu machen, sollte ausreichend sein, um den verantwortlichen Minister im Saarländischen Ministerium zum Rücktritt zu bewegen, und dazu führen, die 25.000 Plakate einzustampfen. In einer Demokratie wäre dieser Versuch, Menschen zu belügen und zu betrügen, dafür jedenfalls ausreichend.

Die Saarländer haben das mit ihren Steuergeldern finanziert.
Wieder gut, kein Saarländer zu sein.


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Wie erklärt man Mord?

Ereignisse, wie die in Ansbach, München, Nizza oder nun in Rouen führen regelmäßig dazu, dass Experten aus allen Ecken auf die Bühne treten und die Früchte ihres bislang im Schatten geführten Experten-Daseins einem staunenden Auditorium verkünden.

Logik der ForschungDie Erklärungen dafür, dass ein Mörder Menschen tötet, die er ganz offensichtlich nicht kennt, sie sprießen schneller als Erbsenkraut: Da werden Killerspiele und der Koran verantwortlich gemacht, eine Jungenkrise als Ursache ausgemacht oder eine psychologische Störung, die gestörte Kindheit darf ebenso wenig fehlen wie die Einsamkeit des Täters. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Erklärungsversuche haben alle eines gemeinsam: Sie sind keine Erklärungen, nicht einmal zum Versuch taugen sie. Wir nehmen dies zum Anlass, um eine kleine Skizze der möglichen Erklärungen zu verfassen:

Wie erklärt man einen Mord, Morde, wie den Mörder?

Zunächst zur Erklärung: Eine Erklärung lebt davon, dass sie nachvollziehbar ist. Kann kein Adressat nachvollziehen, wieso eine bestimmte Ursache zu einem Mord führen soll, dann ist die Erklärung sinnlos. Entsprechend muss eine Erklärung eine rationale Abfolge von Ursache und Wirkung, eine Kausalität beschreiben. Denn rationale Erklärung ist etwas, was Menschen aufgrund ihrer Alltagserfahrung nachvollziehen können. Eine Ehefrau hat ihren Ehemann vergiftet, um dessen Vermögen zu erben. Das ist nachvollziehbar, entspricht der Alltagserfahrung, die besagt, dass Menschen töten um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Offensichtlich ist die Forderung, nachvollziehbar zu sein, zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Anforderung an eine Erklärung. Es fehlt etwas Wesentliches: Die Prüfung der Erklärung. Im Falle der Ehefrau gibt es zwar ein Motiv, aber hatte sie auch die Gelegenheiten und die Kenntnis, um ihren Ehemann mit kleinen Gaben von Arsen langsam aber sicher ins Jenseits zu befördern? Kurz: Die Erklärung, sie muss prüfbar sein und sie muss so formuliert sein, dass sie sich auch als falsch erweisen kann.

Mit diesem Rüstzeug: Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit. Falsifizierbarkeit, kann man nun zur Erklärung von Mord und Mörder schreiten.

Der einfachste Mörder, den es zu erklären gibt, ist der rationale Mörder. Er mordet, um sich einen Vorteil zu verschaffen, um vom Tod des Ermordeten zu profitieren, als Erbe, durch Bezahlung, wenn es sich um einen Auftragsmord handelt, durch eigenes Überleben, wenn es sich um einen Soldaten handelt, der tötet, um nicht seinerseits getötet zu werden (vom Feind oder vom eigenen Erschießungskommando bei Befehlsverweigerung).

Die Erklärung dafür, fremde oder bekannte Menschen zu ermorden, sie ist in den Fällen, in denen eine rationale Rekonstruktion von Motiv, Gelegenheit und Fähigkeit zum Mord möglich ist, relativ einfach. Die rationale Rekonstruktion beruht darauf, dass mit dem Mord ein wie auch immer gearteter Nutzen erreicht wird.

Aber wie ist das beim crime passionelle, mit dem Hercule Poirot häufig befasst ist?

Evil under the sun.jpgAuch hier gilt: rationale Rekonstruktion ist möglich. Wer aus Leidenschaft mordet, der mordet, um etwas zu erreichen, zu verhindern, um etwas vorzuenthalten oder um dem Ermordeten etwas zu verweigern. Entsprechend sind auch Morde aus Leidenschaft in einer Weise rational rekonstruierbar, die den Mörder als kalkulierend und einer Handlungslogik folgend darstellt.

Was aber ist mit Morden, bei denen man vor einem Rätsel steht, weil der Mörder offensichtlich keinen Vorteil von seinem Morden hat? Entsprechende Morde fallen in die Kategorie der irrationalen Handlungen und sind somit ein Gegenstand der Psychologie, deren Vertreter dem Explanandum, dem zu Erklärenden auch regelmäßig mit ihren Begrifflichkeiten zu Leibe rücken. Nur eines tun sie nicht: Sie erklären den Mord nicht, denn ihre Erklärungen sind nicht unabhängig und meist auch nicht falsifizierbar. Gleiches gilt für die vielen Ideologen, die die Behauptungen vorbringen, die sie immer vorbringen, in der Hoffnung, dass sie dieses Mal als Erklärungen durchgehen, obwohl sie keine Erklärungen sind.

Nehmen wir den Mehrfachmörder aus München. Eine Vielzahl von Behauptungen darüber, was seine Tat erklären könnte, sind aufgestellt worden:

Innenminister de Maizière hat Killerspiele als Ursache behauptet.
Andere glauben die Ursache darin gefunden zu haben, dass der Mörder ein Muslim ist.
Wieder andere haben behauptet, der Mörder sei schizophren.
Und ganz andere haben ihn als Spitze des Eisberges einer Jungenkrise ausgemacht.

Alle diese Behauptungen haben eines gemeinsam: Sie sind keine Erklärung.

Wenn man Killerspiele, Religion, Schizophrenie oder Jungenkrise zur Ursache für den Mord an 10 Menschen aufbauen will, dann muss man zunächst die Frage nach dem Warum beantworten:

Millionen Menschen spielen Killerspiele, Milliarden Menschen sind Muslime, Hundertausende sind in Deutschland schizophren und von der Jungenkrise sind wiederum Millionen in Deutschland erfasst.

Warum mordet genau einer von Hundertausenden, von Millionen oder von Milliarden?

Diese Frage ist eine Frage nach den Randbedingungen. Unter welchen Bedingungen wird ein Killerspiel-Spieler zu einem real-time Mörder? Unter welchen Bedingungen wird ein Muslim zum Mörder von 10 Menschen? Unter welchen Bedingungen führt die Schizophrenie eines Menschen dazu, dass er 10 Menschen ermordet? Unter welchen Bedingungen wirkt sich eine Jungenkrise auf Jungen so verheerend aus, dass einer von Ihnen 10 Menschen ermordet?

Die Antworten auf diese Fragen, sie müssen in jedem Fall eine Reihe von Bedingungen ergeben, die genau drei Kriterien erfüllen:

  • Die Bedingungen müssen nachvollziehbar sein.
  • Die Bedingungen müssen prüfbar sein.
  • Die Bedingungen müssen falsifizierbar sein.

Wer also behauptet, Killerspiele seien verantwortlich dafür, dass Ali David Sonboli 10 Menschen umgebracht hat, der muss zeigen, wie Killerspiele, die Sonboli gespielt hat, Bedingungen geschaffen haben, die Sonboli gegenüber allen anderen Spielern von Killerspielen, die nicht morden, auszeichnen. Er muss eine Hypothese aufstellen, wie diese Bedingungen dazu geführt haben, dass Sonboli seine Morde ein Jahr lang geplant hat und letztlich ausgeführt hat, und er muss diese Hypothese prüfen, er muss sie unabhängig prüfen.

tautology secretEs reicht nicht, die fehlenden Bedingungen durch Mutmaßungen der Art: Wer Killerspiele spielt, verroht oder hat weniger Achtung für menschliches Leben ersetzen zu wollen. Ebenso wenig wie es reicht zu behaupten, dass die Lektüre des Koran radikalisiert und dem Morden zuträglich ist. Derartige Behauptungen müssen in Hypothesen übersetzt und nochmals: unabhängig geprüft werden, d.h. unabhängig von der Tat die Ali David Sonboli ausgeführt hat.

Spätestens hier erweist sich für die meisten Behauptungen, dass sie nicht einmal in die Nähe einer Erklärung kommen, denn alle, die Computerspiel-Behauptung, die Religions-Behauptung, die Schizophrenie-Behauptung und die Jungenkrise-Behauptung sind Tautologien, die den Beleg für ihre Richtigkeit in den Morden von Sonboli sehen.

Ebenso wenig wie man Alkoholismus damit erklären kann, dass jemand Alkohol trinkt oder Dummheit damit, dass jemand zwei und zwei nicht zusammenzählen kann oder Kriminalität damit, dass jemand ein Stück Seife im Supermarkt stehlen will, ebenso wenig kann man Morde wie die in München von Sonboli begangenen, damit erklären, dass er schizophren war, dass er Muslim war, dass er Killerspiele gespielt hat. Denn wären die Morde nicht geschehen, seine Schizophrenie wäre Schizophrenie geblieben, seine Religion und seine Tätigkeit vor dem Computer hätte niemanden zum Erklären von was auch immer veranlasst. So wie dies für all die anderen Millionen und Milliarden der Fall ist, die seine Religion oder seine Passion für Killerspiele teilen oder die schizophren sind.

Und wie erklärt man, dass Muslime in Frankreich und Deutschland derzeit in kurzen Abständen Morde begehen? Das ist eine Frage, der wir uns in einem weiteren Post zuwenden werden. Nur so viel vorweg: Es hat etwas mit Salience, Trittbrettfahren, öffentlicher Hysterie und gesellschaftlicher Marginalisierung zu tun.


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AfD, Hitlergruß, Lügenpresse – Funkes Kausalkette

Ein Beispiel für Hauruck-Suggestion aus dem Tagesspiegel:

facepalm-Godzilla„Angebliche Fußballfans, die den Hitlergruß zeigen, die erste Strophe der Nationalhymne singen und „Lügenpresse“ rufen: Die fremdenfeindlichen Gesten von mutmaßlich Rechtsextremen auf der Fanmeile am Brandenburger Tor am Sonntag haben nach dem Sieg der DFB-Elf gegen die Ukraine einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Nach Einschätzung von Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke sind die Vorfälle ohne Zweifel auf die rechten und islamfeindlichen Parolen von AfD und Pegida zurückzuführen. „Wir erleben seit knapp zwei Jahren eine Entfesselung der Ressentiments“, sagte der Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Der radikale Flügel der AfD um Alexander Gauland und Björn Höcke sowie die Pegida-Bewegung hätten einen „ethnozentrischen und rassistischen Nährboden geschaffen“, der Fremdenfeindlichkeit ein stückweit salonfähig gemacht habe, so Funke weiter.“

Zunächst die Haurucksuggestion zur instrumentellen Konditierung der Empörungsbereiten:

  • Logik f dummiesKonditionierter Stimulus: Rechte zeigen Hitlergruß. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Konditionierter Stimulus: Rechte singen die erste Strophe der Nationalhymne. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Instrumenteller Stimulus: Rechte rufen: Lügenpresse.
  • Reaktion, die konditioniert werden soll: Das macht man nicht. Das ist böse.

Nach dem Stück Dachlatten-Behaviorismus dessen Abschluss aus einem satten Fehlschluss der Bejahung des Konsequens besteht, denn nicht jeder, der den Begriff Lügenpresse benutzt, ist ein Nazi, wäre dem so, der Tagesspiegel wäre ein Nazi-Blatt, kommt der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke mit seinem Anschlag auf alles, was Wissenschaftlichkeit darstellt, zu Wort.

Wissenschaft, das zur Erinnerung, hat zum Ziel fundiertes Wissen zu erreichen. Fundiertes Wissen besteht aus Aussagen über die Empirie, die empirisch geprüft wurden und sich dabei bestätigt haben. In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen Aussagen, die einen Zusammenhang ausdrücken und solchen, die eine Kausalität beschreiben. Eine Zusammenhangsaussage wäre z.B.: Zwischen einem Interview von Hajo Funk im Tagesspiegel und einem Herzinfarkt bei einem Wissenschaftstheoretiker besteht ein Zusammenhang von r = .65. Ob Funke für den Herzinfrakt kausal ist, kann posthum nicht mehr festgestellt werden.

Um die Annahme einer Kausalität zwischen dem Interview von Funke und dem Herzinfarkt des Wissenschaftstheoretikers zu rechtfertigen, benötigt man eine theoretische Grundlage, z.B.: Der Wissenschaftstheoretiker hat sich immer sehr stark über angebliche Wissenschaftler, die in aller Öffentlichkeit ihre Ahnungslosigkeit über wissenschaftliche Methoden blosstellen, aufgeregt. Zuletzt hat er sich über Hajo Funke, der bar jeder methodischen Kenntnisse zu sein scheint, aufgeregt. Das war zuviel. Bestätigt sich die Kausalkette, dann hat Funke den Herzinfarkt zu verantworten, aber nur dann.

Schauen wir uns nun an, was Funke behauptet.

In Berlin haben Personen, die Funke nicht kennt, von denen er nichts weiß und von denen er nichts wissen kann und will, den Hitlergruß gezeigt, die falsche Strophe der Nationalhymne gesungen und Lügenpresse gesagt.

Dass sie das getan haben, hat seine Ursache nach Funke darin, dass es in Deutschland die AfD, Alexander Gauland, Björn Höcke und Pegida gibt. Sie alle haben mit „rechten und islamfeindlichen Parolen“ einen „ethnozentristischen und rassistischen Nährboden geschaffen.“

Die Kausalkette, die Funke da allen Erstes behauptet, sie lautet:

Gauland, Höcke, die AfD und Pegida skandieren rechte und islamfeindliche Parolen. Wenn Gauland, Höcke, die AfD und Pegida rechte und islamfeindliche Parolen skandieren, dann fallen die Parolen zu Boden und schaffen einen ethnozentrischen und rassistischen Nährboden, an dem sich wiederum Dritte gütlich tun, die Funke nicht kennt und nicht kennen will, die aber in Berlin den Hitlergruß zeigen und die falsche Strophe der deutschen Nationalhymne singen. Ach ja, und vor allem: Lügenpresse rufen.

Wer diesen Unsinn glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und unserem Wissenschaftstheoretiker ist auch nicht mehr zu helfen, er ist am Unsinn verendet.

Er hat den Funke hinter sich.

Vielleicht sogar die bessere Option.


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Pauschale Herabwürdigung von Flüchtlingen: Ist der Werberat noch logisch vertretbar?

Kennen Sie eigentlich den Roman „Berge des Wahnsinns“ von HP Lovecraft? Nein? Dann sollten Sie ihn lesen. Er ist nicht nur spannend, er enthält auch eine der besten Beschreibungen kultureller Degeneration einer Gesellschaft, die wir kennen und somit eine der besten Darstellungen des Zyklus von Gesellschaften, wie ihn Ibn Khaldun beschrieben hat.

Berge des WahnsinnsDas Bild, das Lovecraft für die Degeneration einer Gesellschaft findet, kann man am besten damit zusammenfassen, dass im Zeitverlauf die Mitglieder einer Gesellschaft nicht mehr in der Lage sind, die Leistungen, die ihre Vorgängergenerationen ganz selbstverständlich erbracht haben, zu erbringen. War es z.B. noch in den 1970er und 1980er Jahren an deutschen Hochschulen undenkbar, dass ein Student der Sozialwissenschaften nicht weiß, was Methode, Erkenntnisinteresse und wissenschaftstheoretische Grundlage seines Faches sind, so hat sich das mit dem Einzug der Gender Studies geändert. Nunmehr wird an Hochschulen etwas gemacht, das deshalb Wissenschaft sein soll, weil es an Hochschulen gemacht wird, wenn auch niemand weiß, warum und wozu es gemacht wird.

Das selbe Phänomen findet sich im Hinblick auf die deutsche Sprache, die eine Form der Bedeutungs-Entkernung erlebt. Im Ergebnis kennen Deutschsprecher, obwohl sie das deutsche Schulsystem durchlaufen haben, die Bedeutung von Worten nicht mehr (zeichnen eine Kurve in ein Koordinatenkreuz, obwohl die Aufgabe darin bestand, den ungefähren Verlauf der RegressionsGERADEN anzugeben) und sind insgesamt mit der Verwendung ihrer eigenen Sprache in Sätzen, die aus mehr als drei Worten bestehen (Ich will …, Ich habe… ) überfordert.

So überfordert wie der deutsche Werberat, der gerade eine Werbung der Sicherheitsfirma EEG Wermann aus Leipzig beanstandet hat. EEG Wermann wirbt für die eigenen Alarmanlagen unter anderen mit dem folgenden Hinweis:

EEG Wermann“Schützen Sie Ihr Heim! Ihre Sicherheit ist unser Anspruch! Viele neue Mitbürger reisen in unser Land und leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein, darum sollten auch Sie nicht zögern, ihr Eigentum, Gesundheit oder gar ihr Leben zu schützen. Wir bieten Ihnen eine preiswerte, komfortable und effiziente Alarmanlage“.

Deutsche Verbraucher sind ja, wie Sie vielleicht wissen, aus Sicht derer, die sich als Edel-Verbraucher oder Ober-Verbraucher oder besondere Verbraucher ansehen, ziemlich dumm, weshalb man sie schützen muss, vor „diskriminierender und angsterregender Werbung“ zum Beispiel. Und das haben die 15 Hanseln vom Werberat, der auf Denunziationsbasis tätigt wird, dann im Hinblick auf die soeben dargestellte Werbung aus Leipzig auch getan. Damit Leipziger nicht hinter den Flötentönen der Alarmanlagenkäufer-Fänger von EEG Wermann herlaufen, wurde die Werbung gerügt, und zwar mit folgendem Wortlaut:

“‘Die Werbung suggeriert absichtlich, dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind. Solche Firmenpropaganda würdigt Flüchtlinge pauschal herab und stellt einen eklatanten Verstoß gegen die Standesregeln der Werbewirtschaft dar‘“, sagte eine Sprecherin des 15-köpfigen Expertengremiums, das als Beschwerdeinstanz für Bürger gegen unangemessene Werbung vorgeht.“

Offensichtlich sind weder die Sprecherin noch die 15-köpfige-Expertenhydra der deutschen Sprache mächtig. Denn im Werbetext heißt es ausdrücklich: „leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein“. Nicht alle sind nicht alle. Und weil nicht alle nicht alle sind, deshalb gibt es auch weder die Aussage, „dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind“ noch werden „Flüchtlinge pauschal herab“gewürdigt, wie die Experten für logische Fehlschlüsse mit ihren 15 Köpfen behaupten.

Die Rüge des Werberates ist somit ein Beispiel für die Degeneration einer Gesellschaft in der es offensichtlich passieren kann, dass ein Stadion bis zum letzten Platz gefüllt ist und dennoch als halb leer bezeichnet wird, und es ist ein Beispiel für die Infantilität der 15-Köpfigen-Werbewächterhydra, die sich trotz ihrer 15 Köpfe nicht vorstellen kann, dass Flüchtlinge nicht die edlen Wilden sind, die schon Karl May verherrlicht hat, sondern ganz normale Menschen. Sie sind nicht besser und nicht schlechter als der Durchschnitt der Deutschen, und da es unter den Deutschen doch tatsächlich Kriminelle gibt, gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch unter Flüchtlingen Kriminelle oder wie EEG Wermann werbend schreibt: „leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein“. Nicht alle!

Das einzige rügenswerte Pauschalurteil, das Flüchtlinge dadurch herabwürdigt, dass es ihnen menschliche Normalität verweigert, in dem sie zu edlen Wilden, die gar nicht wissen, was Kriminalität ist, gemacht werden, stammt aus den 15-Köpfen der Werbewächter-Hydra, so dass man sagen kann: Nicht alle dieser 15 Köpfe haben nicht alle Tassen im Schrank. Ob das ein Kopf der Hydra versteht?

Ansonsten wird EEG Wermann vorgeworden, dass durch die Aussagen der Werbung „bei den Umworbenen Angst erzeugt“ werde. Die 15-köpfige Hydra des Werberats ist also der Meinung, wer das liest bekommt Angst. Einmal davon abgesehen, dass die Werbewirkungsforschung wenn es darum geht, die Wirkung von Werbung zu bestimmen, eher bescheidene Ergebnisse zu Tage fördert und gar keine Ergebnisse, die eine derartige Stimulus-Response-Wirkung zeigen würden, wie man sie beim Werberat phantasiert, ist die Aussage schlicht falsch, denn die Angst muss nicht erzeugt werden, sie ist bereits vorhanden. Das zeigt eine eine Umfrage von Infratest Dimap, bei der 59% der Befragten angeben, sie würden eine Zunahme der Kriminalität durch den Zuzug von Flüchtlingen befürchten und je 53% angeben, vor einem Taschendiebstahl oder einem Einbruch in ihre Wohnung Angst haben. Vielleicht sollte die 15-köpfige Werbewächter-Hydra sich etwas mit der Realität befassen und Nachhilfe in Deutsch und in Logik nehmen. Vielleicht führt dies ja in einem der 15 Köpfe zu einer nachhaltigen Einsicht.

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Recht auf Dummheit? Gender Studies Tag bei ScienceFiles

Manchmal traut man sich gar nicht, nach ein paar lazy days die Mailbox aufzurufen. Wir haben sehr viele aktive Leser… Ganz zu schweigen von unseren Korrespondenten, die sich mit Themen ihrer Vorliebe befassen, wie z.B. unser Peter Trier, der sich zum Professorinnenprogramm-Spezialisten entwickelt hat (dazu bald mehr). Allen, die uns regelmäßig oder ab und zu mit Informationen versorgen, gilt einmal mehr unser herzliches Dankeschön.

Ein Hinweis, der schon seit ein paar Tagen etwas Schimmel angesetzt hat, hat einen Beitrag in der taz zum Gegenstand. Eine Katja Sabisch, die an der Ruhr-Universität einen Le(e)(h)rstuhl [Unzutreffendes streichen] für Gender Studies besetzt, hat einen Beitrag unter der Überschrift „Hier wird Stimmung gemacht“ für die taz geschrieben. Wir haben den Beitrag gelesen und: Von Stimmung keine Spur. Von wegen, hier wird Stimmung gemacht. Ein leeres Versprechen. Statt Stimmung gibt es Gejammer. Statt dass etwas gemacht wird, wird etwas beklagt. Gendersita wie sie eben so sind, immer passiv, immer weinerlich, immer Opfer und immer an nichts schuld. Woran auch? Die machen ja nichts.

Nichts?

Fast nichts!

Denn: Sie machen Wissenschaft lächerlich. Z.B. nach der Methode Sabisch. Die Methode Sabisch besteht darin, gelehrt daher zu schwätzen, Worte zu gebrauchen, die gut und gelehrt klingen, Worte wie „Erkenntnistheorie“. Gender Studies so behauptet Sabisch, Gender Studies seien eine Erkenntnistheorie und als solche „mindestens so voraussetzungsvoll wie Astrophysik“. Voraussetzungsvoll soll bedeuten, dass nicht jeder Trottel Gender Studies betreiben kann, sondern nur wenige Eingeweihte, die die hohen Anforderungen, die mindestens so hoch sind, wie die für Astrophysik erfüllen. Er muss die Gender Studies Erkenntnistheorie beherrschen.

Die kennen Sie nicht, die Gender Studies Erkenntnistheorie?

Hier kommt Sie: „… der wissenschaftliche Blick [darf] nicht vor dem vermeintlich Natürlichen Halt machen“, denn: „alle Phänomene sind kulturell situiert“. Na, wie klingt das? Mehr? Sie haben es nicht anders gewollt: „Vielmehr werden sie [also alle Phänomene] mit bestimmten Bedeutungen aufgeladen, die historisch zwar variabel, aber sozial wirksam sind. Geschlecht ist daher immer noch ein gesellschaftlicher Platzanweiser“.

Das also ist die Erkenntnistheorie der Gender Studies: Phänomenen wird eine gesellschaftliche Bedeutung zugewiesen, die sich über Zeit ändert, aber [Warum aber?] sozial wirksam ist, und Geschlecht ist ein solcher gesellschaftlicher Platzanweiser, wie es z.B. Professor war, bevor es Gender Studies gab. Seither muss man differenzieren, zwischen richtigem Professor und Gender-Professor. Die Differenzierung beschreibt den Wandel und der Wandel, er ist sozial wirksam. Früher konnte man sagen: „Ich bin Professor“. Heute muss man sagen: „Ich bin Professor für Astrophysik“, um Mutmaßungen zuvor zukommen, Mutmaßungen, wie der, dass heute jeder Knilch Professor für irgendetwas Belangloses werden kann, etwas so Belangloses z.B. wie die Gender Studies, deren Erkenntnistheorie darin besteht, dass Begriffe soziale Konventionen sind, die eine soziale Bedeutung an Objekte und Phänomene herantragen.

Die Wissenschaft hat, nachdem es nur wenige Tausend Jahre her ist, dass u.a. Aristophanes auf diese Bedingtheit der Erkenntnis hingewiesen hat, geradezu darauf gewartet, dass Gender Studierte entdecken: „Hey, Begriffe haben eine Bedeutung und zuweilen eine soziale Bedeutung.“

Nun mag diese Erkenntnis im Einzelfall als großer intellektueller Durchbruch gefeiert werden, aber das macht aus der nachholenden Erkenntnis wissenschaftlicher Gemeinplätze keine Erkenntnistheorie. Warum nicht? Weil eine Erkenntnistheorie mehr ist, als eine Behauptung über etwas, wie Sabisch meint. Erkenntnistheorie beginnt da, wo eine Methode ersonnen wird, um für andere nachvollziehbar und überprüfbar zu begründen, warum Begriffe soziale Bedeutung tragen, woran man die soziale Bedeutung erkennt, wie man sie misst, wie man sie erklärt, wo sie relevant ist, und vor allem beginnt die Erkenntnistheorie da, wo der Gegenstand des Interesses von der Theorie über die Erkenntnismöglichkeiten getrennt wird. Zu behaupten, dass Begriffe sozial überformt sind, ist also keine Erkenntnistheorie, nicht einmal eine tiefgreifende Erkenntnis, sondern eine Trivialität:

Damit Katja Sabisch eine Idee davon erhält, was eine Erkenntnistheorie ist und was der Gegenstand einer Erkenntnistheorie ist, hier ein kurzer Beitrag, in dem Karl Raimund Popper seine Erkenntnistheorie beschreibt:

 

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An der Uni Jena werden „Objektivitäten“ bekämpft

„Look what I found!“, so der Anfang von ziemlich viel Hallo in der Redaktion, denn es ist uns ein Veranstaltungshinweis vom StuRa (wohl Studentenrat) der Uni Jena ins Postfach geweht:

“ Der Arbeitskreis Wissenschaftskritik & kritische Wissenschaft des StuRa der Uni Jena organisiert vom 03.-05.06.2016 eine studentische Tagung, um die Möglichkeiten kritischer Perspektiven in der Wissenschaft auszuloten.“

Kritische Wissenschaft und Kritik an der Praxis dessen, was Wissenschaft sein will, das ist unser Metier, und das nun auch schon seit etlichen Jahrzehnten. Ergo fühlen wir uns angesprochen.

Uni jenaInteresse ist geweckt, und was lesen wir weiter? Von einer „auf Leistung und Konkurrenz ausgerichteten Bologna-Universität“ lesen wir weiter. Welches Problem können Studenten vom StuRa wohl mit Leistung und Konkurrenz haben? Dass Studenten in die Lage versetzt werden, in einem bestimmten Fach etwas zu leisten, und zwar auf Grundlage ihrer Kenntnisse und ihres Wissens, das ist der Zweck einer Universität. Ginge es nicht um Leistung, man könnte die Universität schließen. Und Konkurrenz, nun, das ist ein Bestandteil der Conditio Humana: Wer Konkurrenz ablehnt, der hat wenig Menschliches vorzuweisen.

Was also stört die StuRas (klingt wie Stuka, die akademisierte Variante von Stuka, quasi ein intellektueller Stuka) daran, dass an Universitäten Leistung und Konkurrenz gefördert werden? Es stört sie, wie weiteres Lesen ergibt:

“die naturalisierenden, androzentristischen, eurozentristischen, verdinglichenden und affirmativen Tendenzen“ der herrschenden wissenschaftlichen Diskurse.

Bei so viel Kauderwelsch in Form von Adjektiven ist es immer sinnvoll, die Lateinizismen ins Deutsche zu übersetzen. Was die StuRas stört ist demnach die Verankerung von Diskursen in Behauptungen über deren Entsprechung mit der Realität (naturalisierend), der empirische Mann, der das Zentrum dieser Diskurse bildet (androzentristisch), der empirische Mann der in Europa wohnt, der das Zentrum dieser Diskurse bildet (eurozentristisch), der empirische Mann, der in Europa wohnt und verdinglicht wird und das Zentrum dieser Diskurse bildet, und die Zustimmung dazu, dass der empirische Mann, der in Europa wohnt, und verdinglicht wird, das Zentrum dieser Diskurse bildet (affirmativ).

Das also ist der Kern dessen, was die StuRas unter Wissenschaftskritik und kritischer Wissenschaft verstehen.

Uns scheint, die StuRas verstehen weder, was unter Wissenschaftskritik noch was unter kritischer Wissenschaft zu verstehen ist. Wissenschaftskritik hat nichts mit eingebildeten Entitäten wie dem hegemonialen weißen Mann, der den wissenschaftlichen Diskurs beherrscht, der auf Europa begrenzt, zu tun (dass die StuRas keine chinesischen oder arabischen Fachartikel lesen können, ist ihr Problem. Es hält sie kein weißer Mann davon ab, Chinesisch oder Arabisch zu lernen). Wissenschaftskritik hat etwas damit zu tun, dass ideologische Behauptungen, wie die, dass der hegemoniale weiße Mann den wissenschaftlichen Diskurs beherrscht und auf Europa begrenzen will, es an Universitäten schaffen konnten, wo Universitäten doch der Ort sein sollen, an dem Erkenntnis gewonnen und als Wissen gesammelt wird.

Logik der ForschungErkenntnis wiederum liegt dann vor, wenn Aussagen über die Wirklichkeit mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wenn diese Aussagen in so allgemeiner Form vorliegen, dass daraus Vorhersagen über die Wirklichkeit gemacht werden können, die wiederum an dieser Wirklichkeit scheitern oder sich bewähren können, dann liegt Wissen, und zwar in Form einer Theorie vor. Das alles hat weder etwas mit dem Objekt von Wissenschaft, noch etwas mit dem, der Wissenschaft betreibt und schon gar nicht hat es etwas mit dem Ort, an dem Wissenschaft betrieben wird, zu tun.

Entsprechend hat das, was von den StuRas als Wissenschaftskritik oder gar als kritische Wissenschaft verkauft werden soll, absolut nichts mit dem einen oder dem anderen zu tun. Vielmehr sitzen die StuRas dem alten Missverständnis auf, die Kritische Schule aus Frankfurt, die Linke, weil sie in der Regel nicht wissen, was geschrieben wurde, bevor Habermas die Unverständlichkeit als Kriterium eingeführt hat, für sich in Anspruch nehmen, sei links und habe etwas mit Kritik zu tun. Hat sie nicht und ist sie nicht. Was kritische Wissenschaft ist, damit haben wir uns ausführlich in unserem Grundsatzprogramm auseinandergesetzt. Es sei den StuRas in der Hoffnung, dass man noch die ein oder andere graue Zelle erreichen kann, zur Lektüre empfohlen.

Triggerwarnung: Kritische Wissenschaft hat nichts mit hegemonialen, weißen Männern zu tun. Dafür viel mit einer Methode, und zwar der Methode, die Wissenschaft von Glauben und Mystik oder Metaphysik, wie Karl Raimund Popper gesagt hat, trennt. Insofern müssen wir noch eine Warnung nachschicken: Das Lesen unseres Grundsatzprogramms kann bei eingefleischten Ideologen zu Verärgerung und Verstörung führen und bei Personen, die nicht fest in ihrer Ideologie verankert sind, zu Zweifel. Gegen Zweifel, so weiß jeder Ideologe, ist kein Kraut gewachsen, weshalb wir jedem, der Ideologe bleiben will, von der Lektüre unseres Grundsatzprogramms abraten. In keinem Fall tragen wir die Folgen eines nachfolgenden Abfalls vom Glauben.

Übrigens sind „Student*innen aller Fachrichtungen (auch Naturwissenschaften)“ aufgerufen, an der studentischen Tagung teilzunehmen. Vor allem das „auch“ in der Klammer sagt eigentlich alles. Und schließlich ist die Tagung mit „Umkämpfte Objektivitäten“ überschrieben und das ist nun wirklich die größte Unsinn, denn Objektivitäten heißen deshalb Objektivitäten, weil sie objektiv gegeben sind (sonst sind es keine Objektivitäten). Entsprechend kann sie nur bekämpfen, wer nicht ganz dicht oder in der Wahrnehmung gestört ist.

 

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Rechte sind die neuen Juden: In der FAZ stürmert’s

Doktortitel für Juden. Wenn der Professor das arische Auge zudrückt. An der Universität Greifswald wurde ein Jude promoviert. Wusste der Professor davon? Seine eigene Vita lässt an einem Versehen zweifeln, hatte der Professor doch schon in der Vergangenheit Kontakt mit Juden.

So kann man sich Zeitungstexte vorstellen, die nach der Machtergreifung der Nazis in den Zeitungen des Deutschen Reiches erschienen sind, in denen sich die Journalisten gegenseitig mit Bücklingen und Anbiederungsversuchen an die neuen Machthaber überboten haben. Wer es nicht glaubt, der kann sich jederzeit in dem umfangreichen Werk von Ian Kershaw und vor allem in dessen Auswertungen der entsprechenden Gestapo-Dokumente für Würzburg kundig machen.

Heute sind bei Zeitungen natürlich keine Anbiederer und Bücklinge zu finden, denn heute leben wir in einer Demokratie. Deshalb liest sich Faschismus heute wie folgt:

„Doktortitel für Nazi. Wenn der Professor das rechte Auge zudrückt. An der Universität Greifswald wurde ein Jurist promoviert, der zuvor Sänger einer rechtsradikalen Band war. Wusste der Professor davon? Seine eigene Vita lässt an einem Versehen zweifeln.“

Jochen Zenthöfer ist für diesen Text in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verantwortlich, der sich nur graduell von Texten unterscheiden, die man auch im Stürmer von Julius Streicher hätte finden können. In diesem bemerkenswerten Dokument der in Deutschland immer weiter um sich greifenden Rechtsphobie, die mit einem Verlust rudimentärer kognitiver Funktionen einhergeht, reiht Zenthöfer nicht nur einen logischen Fehlschluss an den nächsten, er denunziert den von ihm namentlich genannten Professor Ralph Weber als zumindest Freund, wenn nicht Förderer von Nazis (früher wäre Weber wohl als Judenfreund beschimpft worden) und legt Universitäten nahe, Doktortitel nur noch nach einer Prüfung der Gesinnung des Doktoranden zu vergeben.

Deutschland 2016 oder Deutschland 1933?

Der Reihe nach.

Zenthöfer echauffiert sich darüber, dass ein 1984 geborener Promovend an der Universität Greifswald einen Doktortitel erhalten hat, der einst bei „Hassgesang“ Texte von sich gegeben hat, die, was den Sinn der darin verbreiteten Inhalte angeht, von dem, was man ansonsten aus Radios zugemutet bekommt, wenig abweichen. Aber Hassgesang zählt als Neonazi-Band, und deshalb ist der Unsinn in Textform von Hassgesang ein anderer Unsinn als z.B. der Unsinn, den „die Siffer“ so von sich geben.

Überhaupt scheint der Rechten-Hype, den Parteien, Politiker und von Steuerzahlern finanzierte Institutionen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung verbreiten, in Deutschland eine geistige Pogrom-Stimmung geschaffen zu haben, die es Journalisten, die gerne ihr Fähnchen in den Wind hängen, angeraten erscheinen lässt, sich auf die Seite der vermeintlich Guten zu schlagen und sich als Kämpfer gegen die bösen Rechten zu profilieren.

Die bösen Rechten, die Jochen Zenthöfer bekämpft, sie finden sich in Person des bereits genannten „Mannes“, von dem Zenthöfer nicht weiß, ob er das Gedankengut, das den Text seiner Lieder ausgemacht hat, noch teilt. Der Mann ist natürlich Maik Bunzel, der schon vor Jahren durch linke Netzwerke getrieben wurde, weil er eine Stelle als Proberichter am Amtsgericht Lichtenfels angetreten hatte.

Promoviert wurde Bunzel im Februar 2016:

Bunzel, Maik
Thema: Der privatärztliche Vergütungsanspruch gemäß der GOÄ im Spannungsfeld des medizinischen Fortschritts
Gutachter: Prof. Dr. jur. Ralph Weber, Prof. Dr. jur. Hans-Werner Eckert
Tag der mündlichen Prüfung: 23. Februar 2016

Ihm gilt jedoch nicht die Aufmerksamkeit von Zenthöfer. Er ist vielmehr damit beschäftigt, den Professor, der Bunzel promoviert hat, öffentlich zu diffamieren, namentlich. Die Verfehlungen des Professor Ralph Weber von der Universität Greifswald, die Zenthöfer auflistet, sind die folgenden:

  1. Weber hat gegen den Ausschluss von zwei NPD-Kandidaten von der Landratswahl 2008 protestiert – auf den Briefbögen der Universität Greifswald.
  2. Weber hat gegen das Verbot der Kleidung der Marke „Thor Steinar“ auf dem Campus der Uni Greifswald protestiert.
  3. Weber hat der ‚Jungen Freiheit‘ ein Interview gegeben.
  4. Weber hat vor Deutschen Burschenschaftlern einen Vortrag gehalten.
  5. Weber kandidiert für die AfD bei den Landtageswahlen in Mecklenburg-Vorpommern.
  6. Und natürlich: Weber hat Maik Bunzel, ehemals bei Hassgesang, promoviert.

Das sind gravierende Verfehlungen, wenn man die sehr enge Weltsicht von Zenthöfer teilt. Es ist mit Ausnahme des unter 1 genannten Vorfalls nicht der Rede wert, wenn man sich demokratischen Verfahrensweisen verpflichtet fühlt. Dass der Professor eine private Stellungnahme auf Papier der Universität Greifswald schreibt, vermutlich, um im titelgläubigen Deutschland seinen Ausführungen mit dem Briefkopf mehr Gewicht zu verleihen. ist ein Missbrauch seines Amtes, aber nichts Ungewöhnliches. Gerade in linken Netzwerken sollte das bekannt sein, da entsprechende Professoren regelmäßig mit ihrer Dienstbezeichnung offene Briefe unterschreiben.

Ansonsten sind die Anklagepunkte nur ein Zeugnis für die intellektuelle Öde, in der Zenthöfer leben muss. In dieser Öde gibt es nicht einmal eine Vorstellung davon, was ein Fehlschluss ad hominem ist. Dieser Fehlschluss liegt vor, wenn man das, was jemand sagt oder schreibt, wegen eines Merkmals, das in dessen Person begründet ist, ablehnt, sich also mit dem Gesagten gar nicht auseinandersetzt. Man kann den heute so beliebten Fehlschluss ad hominem auch als Rassismus der Gutmenschen bezeichnen, denken doch Personen wie Zenthöfer, es reiche aus, Nazi zu schreien, um Argumente vom Tisch zu wischen.

Das tut es aber nicht. Schon gar nicht an Universitäten. An Universitäten zählt die Leistung eines Studenten oder Promovenden, nicht seine Gesinnung. Bei Zeitungen, bei der FAZ mag dies anders sein, dort mag ein Journalist wegen seiner Gesinnung eingestellt oder entlassen werden. An Universitäten zählen nur Kenntnisse, Wissen und Fähigkeiten dessen, der sich z.B. als Doktor der Rechtswissenschaft qualifizieren will.

Insofern müsste man Ralph Weber eigentlich ein Denkmal setzen, denn er hält die Rationalität in einem Sumpf von Unsinn und Idiotie hoch und besteht darauf, dass die Leistung und nicht die Gesinnung an Universitäten bewertet wird. Das wiederum findet Zenthöfer nicht in Ordnung, und er wirbt ganz offen dafür, dass Universitäten ihre Promovenden nach Gesinnung aussuchen und Doktoranden, die zwar fachlich geeignet sind, die aber die falsche Gesinnung mitbringen, ablehnen, so wie das schon im Dritten Reich und in der DDR praktiziert wurde. Auf einen solchen Vorschlag muss man erst einmal kommen. Er ist nicht unbedingt naheliegend, macht aber deutlich, warum der Journalismus in Deutschland derzeit einen Niedergang erlebt: Offensichtlich wird nach Gesinnung ausgewählt und nicht nach Fähigkeit.

Logo Uni GreifswaldDas jämmerlichste Bild in dieser Geschichte aus 1933 oder 2016 liefert jedoch die Universität Greifswald ab, die sich – wohl auf Anfrage von Zenthöfer, „entsetzt zeigt“, dass sie (wer auch immer) „nun im Zuge einer Presseanfrage zur Kenntnis nehmen muss, dass kürzlich an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät ein medizinrechtliches Promotionsverfahren von einer Person abgeschlossen wurde, der laut Medienberichten rechtsextreme Äußerungen zugeschrieben werden …“. So ähnlich müssen sich Universitäten bzw. deren Verantwortliche im Jahre 1933 an die NSDAP angebiedert haben und so ähnlich werden sie im Dritten Reich die Sache der Wissenschaft verraten haben.

Hannah Arendts Banalität des Bösen, sie ist hier in Aktion zu bestaunen und dabei wird klar, dass es nicht Druck oder Zwang durch die Nazis waren, die z.B. deutsche Hochschulen in den Gleichschritt mit SA und SS gebracht haben, sondern deren Lust sich anzubiedern, die wiederum aus einer Rückgratlosigkeit gepaart mit intellektuellen Defiziten gespeist wird, die die Idee von Wissenschaft und den Zweck von Hochschulen hinter das eigene Bemühen, sich an die Machthaber anzubiedern, um dann, wenn der Lynchmob wieder gegen diejenigen loszieht, die gerade als falsch angesehen werden, gegen die heutigen Juden, auf der richtigen Seite zu stehen.

Wer das Buch von Richard J. Evans, „The Third Reich in Power“ und darin Kapitel 3 „Struggle Against the Intellect“ kennt, der hat ein Deja vu und weiß wirklich nicht mehr zu sagen, ob er 1933 oder 2016 lebt.

Die Herrschaft von Faschisten zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass Gesinnung ein Kriterium des gesellschaftlichen Aufstiegs ist. Wenn Zenthöfer fordert, den Zugang zu akademischen Titeln von der Gesinnung abhängig zu machen, offenbart er sich in gleicher Weise als Faschist, wie all diejenigen, die denken, man könne fachliche Qualifikation durch den Ruf „Nazi“ in Abrede stellen.

 

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Tu Quoque, Nichtrechter Nichtwutbürger

Nie war die Gelegenheit für Personen, die in der akademischen Obskurität zu verschwinden drohen, besser als heute, nie war es einfacher, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken, sich mit eingeübter Gelehrsamkeit zu umgeben und mit gewichtiger Stimme, Trivialitäten abzusondern.

Hier das Rezept:

bandwagon.pngMan produziere sich als Kenner der Demokratie, beleidige Bürger, nutze dehnbare Sprachhülsen, sage eigentlich nichts, aber das mit affektiver Würze und auf jeden Fall unter Einschluss des Begriffs „fremdenfeindlich“ in allen seinen Wortformen.

Dieses Rezept hat ein angeblicher Philosophie-Professor aus München, von der Hochschule für Philosophie, ein Michael Reder, der sonst gerne mit Salman Rushdie und Jürgen Habermas diskutiert, angewendet. Herausgekommen ist u.a. Folgendes:

„Wer rechtspopulistische Parteien wählt, untergräbt nach Ansicht von Philosophie-Professor Michael Reder Grundwerte unserer Gesellschaft. „‚Wir sind das Volk‘ zu rufen alleine, ist noch kein Zeugnis einer demokratischen Grundhaltung“, kritisiert der Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Völkerverständigung der Hochschule für Philosophie München die rechten Wutbürger. „Populistische Vereinfachungen ignorieren die Vielschichtigkeit der Realität.“ Wer nicht konstruktiv, sondern nur mit solchen Parolen in den Diskurs eingreife oder Populisten unterstütze, schade deshalb der Demokratie, betont Reder.

Die Grundlage der Demokratie ist Reder zufolge der Wille der Bürger, sich komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, diese konstruktiv zu meistern und aus Erfahrungen zu lernen. „Diesen Willen lassen AfD, Pegida und ihre Anhänger mit ihrem realitätsfernen und häufig fremdenfeindlichen Gebaren vermissen“, sagt er. Gleichzeitig nähmen sie aber die demokratischen Grundrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung für sich in Anspruch und behaupteten, die Demokratie zu verteidigen.“

Wer also falsch wählt, der ist kein Demokrat, so weiß es der „Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Philosophie“, denn: die Grundlage einer Demokratie, das ist der „Wille der Bürger, sich komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, diese konstruktiv zu meistern und aus Erfahrung zu lernen“.

Philosophie for dummiesDie Grundlage einer Demokratie wäre demnach umgesetzt, wenn sich Philosophen-Darsteller wie Reder z.B. den „komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen“ würden, die AfD und Pegida darstellen, mit den Menschen, die Partei und Bewegung tragen, in einen konstruktiven Dialog eintreten und aus Erfahrung lernen würden – aus der Erfahrung zum Beispiel, dass man Bürger, wenn man sie als Wutbürger beschimpft, ärgerlich macht, und zwar deshalb, weil man die „komplexe gesellschaftliche Herausforderung“, die darin besteht, dass diese Bürger eine andere Meinung haben, nicht konstruktiv meistert, sondern mit populistischer Vereinfachung nieder zu machen sucht.

Entsprechend wird aus solchen populistischen Vereinfachungen wie „Wutbürger“ nur deutlich, dass es denen, die sie benutzen, nicht darum geht, „komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen“ gerecht zu werden, sich gar konstruktiv mit ihnen auseinanderzusetzen, sondern einzig und allein darum, der Demokratie zu schaden.

„Wutbürger rufen“, Herr Reder, “ ist noch kein Zeugnis einer demokratischen Grundhaltung“! Auf diese Weise nicht konstruktiv, „sondern nur mit solchen Parolen in den Diskurs“ einzugreifen, schadet der Demokratie (von der Philosophie ganz zu schweigen).

Entsprechend müssen wir feststellen, dass in München ein Lehrstuhl für Philosophie von einem Herrn Reder besetzt ist, der der Komplexität der Realität nicht gerecht wird, es versäumt aus seinen Defiziten zu lernen und entsprechend zu konstruktivem Dialog nicht in der Lage zu sein scheint.

Schade um seine Studenten.

Ach ja, das hätten wir fast vergessen:

„** Michael Reder steht gerne für Interviews zur Verfügung. Anfragen richten Sie bitte direkt an: michael.reder@hfph.de.“

 

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Am Bundesgerichtshof werden Fehlschlüsse zu Urteilen

Logik für Bundesrichter.

Der Angeklagte:

Wolfgang Strauß, Richter am Landgericht Rostock. Vorsitzender der Zweiten Strafkammer.

Die Tatwaffe:

Ein t-Shirt.
Das t-Shirt um den Bierbauch des Landrichters wurde auf dessen Facebook-Seite zur Schau gestellt – öffentlich.

Wolfgang Strauss

Der Tatvorwurf:

Befangenheit.

Der Verteidiger von Y, der wegen erpresserischem Menschenraub in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und 10 Monaten verurteilt wurde, hat behauptet, das t-Shirt zeige, dass Wolfgang Strauß, der vorsitzende Richter der Strafkammer (also noch zwei weitere Richter), die über Y zu Gericht gesessen hat, verurteilen wolle, richtig verurteilungswütig sei und deshalb sei er befangen und das Urteil gegen seinen Mandanten müsse auf Kosten der Steuerzahler aufgehoben werden.

Die Richter:

  • Jörg-Peter Becker
  • Jürgen Schäfer
  • Jan Gericke
  • Margret Spaniol
  • Frank Tiemann

Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofes.

Das Urteil:

„Der Inhalt der öffentlich und somit auch für jeden Verfahrensbeteiligten zugänglichen Facebook-Seite dokumentiert eindeutig eine innere Haltung des Vorsitzenden, die bei verständiger Betrachtung besorgen lässt, dieser beurteile die von ihm zu bearbeitenden Strafverfahren nicht objektiv, sondern habe Spaß an der Verhängung hoher Strafen und mache sich über die Angeklagten lustig. Die beschriebene Facebook-Seite enthält auch einen eindeutigen Hinweis auf die berufliche Tätigkeit des Vorsitzenden und betrifft deshalb nicht lediglich dessen persönliche Verhältnisse.“

Schuldig in allen Anklagepunkten: Wolfgang Strauß ist für die Bundesrichter ein bewiesener strafwütiger Richter, ausweislich seines t-Shirts.

Daraus kann muss man Folgendes schließen:

  • Seien Sie vorsichtig, welche Aufschrift Ihr T-Shirt hat, es sagt viel über ihre innere Haltung aus, z.B. die Aufschrift „Boss“ oder, wenn Sie das folgende T-Shirt in Gegenwart eines Richters der 3. Strafkammer des Bundesgerichtshofes tragen, dann könnte dies Folgen für Sie haben:

lack-of-logic-t-shirt-2

Es könnte Folgen haben, weil

  • Bundesrichter der Dritten Kammer des Bundesgerichtshofes keine Logik zu können scheinen. Wie sonst soll man den offensichtlichen Fehlschluss der Bejahung des Konsequenz, den die fünf Berobten aus Karlsruhe da niedergeschrieben haben, werten?

Der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens wird in der Regel anhand des folgenden Schulbeispiels erklärt:

(P): Wenn es regnet, dann ist die Straße nass.
(B): Die Straße ist nass.
(K): Es hat geregnet.

Selbst Bundesrichtern müsste einsichtig sein, dass die Straße nicht nur dann nass ist, wenn es geregnet hat. Sie kann auch nass sein, weil sie gerade gereinigt wurde. Kurz: (K) ist nicht zwingend, der zwingende Schluss von der nassen Straße auf den vorausgehenden Regen ist falsch. Wer ihn dennoch zieht, begeht den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens.

Nun zur Anwendung:

(P): Wer strafwütig ist, der trägt ein t-Shirt mit dem Aufdruck: „Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause, JVA“.
(B): Wolfgang Strauß trägt ein entsprechendes t-Shirt.
(K): Wolfgang Strauß ist strafwütig.
(Kh): Wer strafwütig ist, ist als Richter befangen.

Logik JuristenDer Fehlschluss ist offensichtlich. Man kann das entsprechende t-Shirt auch tragen, wenn man nicht strafwütig ist, z.B. weil es einem gefällt oder weil man es witzig findet. Überhaupt tragen die meisten Menschen t-Shirts, weil sie ihnen gefallen, nicht, weil sie strafwütig sind. Und viele tragen t-Shirts, damit sie überhaupt etwas anhaben und ebenfalls nicht, weil sie strafwütig sind. Dass Bundesrichter in ihrer Einschätzung der t-Shirt-Tragegewohnheiten hier so weit von der Normalität abweichen, ist bedenklich.

Aber es kommt noch schlimmer.
Im Schulbeispiel wird von einer Beobachtung „nasse Straße“ auf eine beobachtbare Begebenheit „es hat geregnet“ fehlgeschlossen. Die Bundesrichter schließen von einem t-Shirt, also einem wahrnehmbaren Objekt auf ein nicht wahrnehmbares Konstrukt ihrer Phantasie, das sie „innere Haltung“ nennen. Mit anderen Worten, sie führen einen Fehlschluss aus, um die Existenz eines Hirngespinsts zu belegen.

Dafür gibt es in der modernen Logik keinen Fehlschluss, denn die Logik geht von gewissen Annahmen über den menschlichen Intellekt aus. Dass jemand von etwas, was er wahrnehmen kann, auf etwas schließen könnte, was er sich einbildet, erinnert doch sehr an den Gottesbeweis und die entsprechenden Verrenkungen, die z.B. Anselm von Canterbury – allerdings auf deutlich höherem Niveau unternommen hat.

Man sollte eigentlich denken, dass die Frage, ob die Existenz Gottes bewiesen werden kann, in einer säkularen Gesellschaft und unter denjenigen, die sich wie die Bundesrichter zur intellektuellen Elite einer Gesellschaft zählen (wollen), verschwunden ist.

Ist sie aber nicht.

Bundesrichter in Karlsruhe huldigen den von ihnen eingebildeten Entitäten und schließen munter fehl. Alles auf Kosten der Steuerzahler versteht sich.

Wetten, dass in der nächsten Verhandlung gegen Y dasselbe Urteil herauskommt, dieses Mal von einem Vorsitzenden einer Strafkammer in Stralsund verkündet, der schon des öfteren im Anzug gesehen wurde. Und was bedeutet das wohl für seine richterliche Unabhängigkeit, wenn er sich an überkommene Konventionen und Standards von Kleidung hält? Am Ende ist der Richter ein Verfechter der harten Hand, denn die, die die harte Hand in der Justiz befürwortet haben, die hatten auch immer einen Anzug an!

 

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Sozialwissenschaften sind kein Laberfach – Projekt ScienceFiles

Unser Projekt ScienceFiles, das wir gestern gestartet haben, es lässt sich gut an, soviel können wir an dieser Stelle schon sagen. Bislang sind unsere Erwartungen übertroffen worden. Weiter so!

Von all den netten und schönen eMails und Kommentaren, die uns gestern erreicht haben, wollen wir uns zwei herausgreifen, die uns besonders gefreut haben, und zwar deshalb, weil sie den Kern dessen, was wir mit ScienceFiles versuchen, betreffen:

Sozialwissenschaften sind kein Laberfach und Sozialwissenschaftler keine Moralapostel!

Oder, wie zwei unserer Leser schreiben:

„Gratuliere zu ihrem Blog.

Sie haben mir näher gebracht was Sozialwissenschaften sein könnten aber oft nicht sind. Die moralisierenden Aussagen von Sozialwissenschaftlern in den Medien haben bei mir den Eindruck geprägt, es wäre eine Laberwissenschaft mit Moralapostelcharakter. Sie haben mir gezeigt, dass Sozialwissenschaft etwas anderes ist und auch eine echte Wissenschaft sein kann, deren Wesen aber in den Medien politisiert und konterkariert wird.

Vielen Dank an dieser Stelle für diese Einsicht und dass sie meine Meinung geändert haben.

Weiter so und auch viel Erfolg in der eigenen Karriere.
Grüße
Günter Heß“

„DANKE!
Danke für Euer Projekt. Ihr habt mir als Physiker gezeigt, dass auch Sozialwissenschaften Wissenschaft sind. Aus dem was ich nunmehr über 3 Jahre regelmäßigen Lesens von ScienceFiles über Sozialwissenschaften kannte (früher in der DDR reiner Sozialismus sch…, jetzt reingewaschener Soz…) hatte ich den Eindruck, dass Sozialwissenschaften so Etwas wie im Studium der Wissenschaftliche Kommunismus sind. Ihr habt mir gezeigt, dass es da noch mehr und vor Allem Sinnvolles gibt.
Ich hoffe Ihr habt mit Eurem Aufruf bei den Lesern genug Erfolg. Ich finde die Art der Finanzierung gut, da man (auch als Leser) sich auf die nächste Zeit einstellen kann.

mfg

Gernot“

Diese beiden Rückmeldungen, sie freuen uns besonders, weil sie zeigen, dass wir mit ScienceFiles dazu beigetragen haben, die Wahrnehmung von Sozialwissenschaften zu verändern, zu korrigieren.

Wer seine Informationen nur aus Mainstream-Medien nimmt, in denen Lehrstuhlbesetzer, die sich als Sozialwissenschaftler ausgeben, akademisierte Beleidigungen von sich geben oder Dünngeistiges, das sie als Wissenschaft verkaufen wollen, der kann in der Tat den Eindruck erhalten, dass die Sozialwissenschaften aus blasierten und moralisierenden Schwätzern bestehen, die nichts inhaltlich zu sagen haben und diese inhaltliche Leere durch Bewertung ersetzen, Bewertung anderer versteht sich.

sciencefilesDabei ist es ganz einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn die Sozialwissenschaften basieren auf einem Konsens darüber, was Wissenschaft ist: Wissenschaft ist in erster Linie eine Methode, die den kumulativen Gewinn von Erkenntnis ermöglicht und zum Ziel hat. Dazu ist es erforderlich, dass wissenschaftliche Aussagen,

  1. Aussagen über die Wirklichkeit sind,
  2. Aussagen sind, die von anderen nachvollzogen werden können und
  3. Aussagen sind, die an der Wirklichkeit scheitern können.

Diese drei Kriterien reichen aus, um akademische Hochstapler von Wissenschaftlern zu unterscheiden.

Und an dieser Stelle verraten wir noch zwei weitere Kniffe, anhand derer man sehr schnell sieht, ob man es mit einem Hochstapler oder einem Wissenschaftler zu tun hat.

Angenommen, ein Wissenschaftler gibt die Bewertung ab, eine Menge bestehe aus Wutbürgern. Diese Bewertung ist zunächst einmal zulässig, auch wenn sie nicht als solche Gegenstand der Wissenschaft ist. Aber es ist möglich, Bewertungen auf Grundlage empirischer Sachverhalte vorzunehmen. Dazu muss es jedoch eine gesicherte empirische Basis und einen normativen Maßstab geben, der offengelegt werden muss.

So kann man der Ansicht sein, ein Mensch, der sich selbst schädigt, handelt nicht rational und muss entsprechend zu dem Schluss kommen, dass Menschen, die ihre Denkfähigkeit durch die Übernahme von Ideologien beeinträchtigen, also durch die Übernahme eines Glaubenssystems, das nicht empirisch begründet ist, irrational sind.

Folglich ist es einfach zu prüfen, ob die Behauptung, eine Gruppe von Menschen sei eine Gruppe von Wutbürgern eine berechtigte Einordnung oder eine akademisierte Beleidigung ist. Drei Fragen reichen aus, um die die entsprechende Entscheidung zu treffen:

  1. Ist definiert, welches Merkmal mit der Bezeichnung Wutbürger beschrieben werden soll?
  2. Ist das so definierte Merkmal gemessen worden?
  3. Ist das so definierte Merkmal unabhängig von seiner Definition gemessen worden?

Wenn jemand also behauptet, eine Gruppe von Menschen sei eine Gruppe von Wutbürgern, dann muss er zunächst angeben, worin sich Wutbürger von Nichtwutbürgern unterscheiden, er muss Wutbürger, z.B. als „Bürger, die Gegenstände fremder Menschen, die im öffentlichen Raum sind, mit rotem Kopf zerstören“, definieren. Sodann muss er messen, ob das Verhalten „Gegenstände im öffentlichen Raum mit hochrotem Kopf zerstören“ in der von ihm als Wutbürger bezeichneten Gruppe häufiger vorkommt als im Rest der Bevölkerung. Die Operationalisierung „Gegenstände im öffentlichen Raum mit hochrotem Kopf zerstören“ ist hier besonders wichtig, denn nur sie ermöglich die unabhängige Prüfung der Wutbürger-Hypothese.

Und damit kommen wir zu einer Eigenartigkeit, die Ideologen immer teilen, seien sie Sozialisten oder Genderisten, Faschisten oder Kommunisten: Sie sind in Zirkeln unterwegs. Ihr Denken, sofern man die entsprechende Tätigkeit von Neuronen als Denken bezeichnen kann, verläuft im Kreis und ist auf sich bezogen.

Logik der ForschungDiese Eigenartigkeit, die man auch als Denkbehinderung auffassen kann, findet sich z.B. in der Rede von den Wutbürgern oder im Palaver über das Patriarchat. Diejenigen, die von Wutbürgern oder vom Patriarchat fabulieren, gehen von einer Beobachtung aus, die ihnen aufgrund ihrer Ideologie nicht passt. Sie sehen Menschen, die sich nicht in der Weise verhalten, wie sie es für richtig halten, oder sie sehen, dass Frauen seltener auf Vorstandsposten zu finden sind als Männer. Jeder normale Mensch würde nun versuchen, die Unterschiede, die er beobachtet hat, zu erklären. Nicht so Ideologen. Sie kreisen um Bewertungen. Dass Menschen von Verhaltensvorstellungen abweichen, ist für Ideologen Erklärung und zu Erklärendes zugleich. Dass Verteilungen zwischen Frauen und Männern variieren, ist ebenfalls Erklärung und zu Erklärendes in Fehlschlussunion.

Die Denkbehinderung oder die Kunst, sich selbst um den Verstand zu bringen, die Ideologen beherrschen wie niemand sonst, sie interveniert nun mit einem Begriff, einem affektiv geladenen Begriff. Dem Begriff „Wutbürger“ oder dem Begriff „Patriarchat“. Wutbürger sind nicht etwa deshalb Wutbürger, weil sie wie oben definiert wurden und ihr Verhalten entsprechend gemessen wurde, sondern weil sie von den Verhaltens-Vorstellungen dessen, der den Begriff benutzt, abweichen. Der entsprechende Ideologe sieht die Abweichung, bewertet die Abweichung und denkt, weil er bewertet hat, hätte er auch erklärt. Ein Irrtum, dem wirklich nur Ideologen aufsitzen können.

Ähnlich verhält es sich mit dem Patriarchat, von dem die Gender-Ideologen annehmen, es sei für ungleiche Verteilungen zwischen den Geschlechtern verantwortlich. Wann immer die Gender-Ideologen eine ungleiche Verteilung in einem Feld finden, in dem sie eine gleiche Verteilung vorteilhaft finden (also nicht bei der Müllabfuhr), muss entsprechend das Patriarchat seine Wirkung entfalten. Dass es das Patriarchat weder gibt noch je gegeben hat, spielt dabei keine Rolle, denn es geht nur darum, sich selbst über die eigene Denkbehinderung hinweg zu täuschen.

Man könnte entsprechend Patriarchat durch Rhabarberkuchen ersetzen und würde denselben Effekt erzielen.

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