Der Konflikt zwischen Freiheit und Gleichheit oder: Umverteilung ist Freiheitsberaubung

Umverteilung ist gerecht! Wer sich gegen diese Prämisse stellt, hat in Wohlfahrtsstaaten schlechte Karten, denn die Umverteilung von den Reichen zu den Armen ist zur Frage der sozialen Gerechtigkeit stilisiert worden. Stilisiert deshalb, weil Umverteilung nicht an sich gut ist und schon gar nicht gerecht. Wenn einem genommen wird, der erfolgreich ist und seinen Erfolg mit harter Arbeit verdient hat, um einem, der in seinem Leben noch keinen Finger krumm gemacht hat, zu geben, dann kann man dies kaum als irgendeine Form von Gerechtigkeit ansehen. Es sei denn, man steht auf die Perversion von Werten wie Gerechtigkeit.

Entsprechend wird man zu dem Ergebnis kommen, dass Umverteilung dann, wenn sie als Gerechtigkeit ausgegeben wird, notwendig in eine unfreie, eine totalitäre Gesellschaft führen muss, schon weil über die Köpfe derer hinweg, denen genommen wird, entschieden wird, wie viel ihnen genommen wird, sie also einer Zwangsmaßnahme unterzogen werden.

Entsprechend ist Umverteilung immer ein Angriff auf die individuelle Freiheit und muss folglich mit Bedacht und mit Maß eingesetzt werden, sofern man überhaupt auf dieses Mittel der Freiheitsberaubung zurückgreifen will.

Milton Friedman hat diese Notwendigkeit schon vor Jahrzehnten formuliert und die Position, die Liberale gegenüber Gleichheit und Umverteilung einnehmen, formuliert, die bis heute gilt.

Friedman Capitalism and Freedom„The heart of the liberal philosophy is a belief in the dignity of the individual, in his freedom to make the most of his capacities and opportunities according to his own lights, subject only to the proviso that he not interfere with the freedom of other individuals to do the same. This implies a belief in the equality of men in one sense; in their inequality in another. Each man has a equal right to freedom. This is an important and fundamental right precisely because men are different, because one man will want to do different things with his freedom than another, and in the process can contribute more than another to the general culture of the society in which many men live.

The liberal will therefore distinguish sharply between equality of rights and equality of opportunity, on the one hand, and material equality or equality of outcome on the other. He may welcome the fact that a free society in fact tends toward greater material equality than any other yet tried. But he will regard this as a desirable by-product of a free society, not its major justification. He will welcome measures that promote both freedom and equality – such as measures to eliminate monopoly power and to improve the operation of the market. He will regard private charity directed at helping the less fortunate as an example of the proper use of freedom. And he may approve state action toward ameliorating poverty as a more effective way in which the great bulk of the community can achieve a common objective. He will do so with regret, however, at having to substitute compulsory for voluntary action.

The egalitarian will go this far, too. But he will want to go further. He will defend taking from some to give to others, not as a more efficient means whereby the ‘some’ can achieve an objective they want to achieve, but on grounds of ‘justice’. At this point, equality comes sharply into conflict with freedom; one must choose. One cannot be both an egalitarian, in this sense, and a liberal.“
(Milton Friedman; Capitalism and Freedom, p.195).

[Unsere Übersetzung] Der Kern einer liberalen Philosophie ist der Glaube an die Würde des Einzelnen, der Glaube an die Freiheit eines jeden, seine Fähigkeiten nach eigenem Gutdünken so einzusetzen, und die sich im bietenden Möglichkeiten so zu nutzen, wie es ihm am besten erscheint, immer vorausgesetzt, dass er mit seinen Handlungen nicht die Freiheit anderer einschränkt. Das impliziert die Überzeugung, dass Menschen in einer Hinsicht gleich sind, in einer anderen Hinsicht ungleich. Jeder Mensch hat das selbe Recht auf Freiheit. Freiheit ist ein wichtiges und grundlegendes Recht, genau deshalb, weil Menschen verschieden sind, weil ein Mensch seine Freiheit zu anderen Handlungen nutzen wird als ein anderer und damit mehr als ein anderer zur Kultur der Gesellschaft beitragen kann, in der viele Menschen leben.

Deshalb wird ein Liberaler scharf zwischen Gleichheit in Recht und Chancen auf der einen Seite und materieller Gleichheit oder Ergebnisgleichheit auf der anderen Seite unterscheiden. Ein Liberaler wird die Tatsache begrüßen, dass eine freie Gesellschaft dazu tendiert, größere materielle Gleichheit zu erreichen, als jede andere Gesellschaftsform, die bislang probiert wurde. Aber er wird dies als wünschenswerten Nebeneffekt einer freien Gesellschaft ansehen, nicht als ihre Legitimation. Er wird Maßnahmen begrüßen, die sowohl Freiheit als auch Gleichheit fördern – zum Beispiel Maßnahmen die auf die Beseitigung von Monopolen zielen oder darauf, die Funktionsfähigkeit des Marktes zu verbessern. Er wird Mildtätigkeit, die darauf abzielt, denen zu helfen, die in einer freien Gesellschaft weniger erfolgreich sind, als angemessene Nutzung von Freiheit ansehen. Und er mag sogar staatliches Handeln, das darauf zielt, Armut zu reduzieren, als einen effektiven Weg betrachten, auf dem die Mehrheit der Gesellschaft ein gemeinsames Ziel erreichen kann. Er wird dies jedoch mit Bedauern tun, weil er Freiwilligkeit mit Verpflichtung ersetzen muss.

Ein Sozialist wird dies ebenfalls alles wollen. Aber er wird weiter gehen wollen. Er wird das Nehmen von einigen, um es anderen zu geben, nicht als ein effizientes Mittel ansehen, das es den anderen ermöglicht, bestimmte Ziele zu erreichen, sondern als Gerechtigkeit verteidigen. Und hier tritt Gleichheit in Konflikt mit Freiheit: Man muss sich entscheiden. Man kann nicht beides gleichzeitig sein, ein Sozialist in diesem Sinne oder ein Liberaler.


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RaW – Manifest des Rationalen Widerstands

Ein Geist verschwindet aus Deutschland. Der Geist der Rationalität. Ausgetrieben von Irrationalität, Infantilismus und affektivem Exhibitionismus verschwindet die Rationalität und mit ihr die Instrumente, die notwendig sind, um Hirngespinst und Wahnvorstellung von Realität, Hysterie und moralische Panik von Emotion, richtige von falschen Behauptungen und wilde Assoziationen von empirisch begründeten Folgerungen zu trennen. Teile Deutschlands befinden sich im freien Fall in eine kollektive Mania, die durch keinerlei Intervention von Realität, Logik oder Verstand beeinflusst werden kann.

Zeit für rationalen Widerstand.

Zeit für ein Manifest des Rationalen Widerstands.

Mehr als fünf Jahre, die wir im Kampf gegen Irrationalität, Scharlatanerie, Missbrauch von Wissenschaft, Manipulation und Indoktrination zugebracht haben, haben uns gestählt, um den Entwicklungen, deren Ausdruck man eher in einem Kindergarten als in der Welt der Erwachsenen erwarten würde, entgegen zu treten.

Manifest des Rationalen Widerstands

sciencefiles-rationaler-widerstand-2

Rationaler Widerstand beruht auf drei Prinzipien:

  • Etwas, ist nicht sein Gegenteil.
  • Manches ist nicht alles (Fehlschluss der Bejahung des Konsequens)
  • Eine Aussage ist genau dann und so lange richtig, wenn/wie sie mit den Fakten übereinstimmt.

Etwas ist nicht sein Gegenteil

Meinungsfreiheit bedeutet: Meinungsfreiheit, Freiheit der Meinung. Jeder hat das Recht, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Es gibt keine Meinung, die von Meinungsfreiheit nicht umfasst ist, denn sonst gibt es keine Meinungsfreiheit. Wenn jemand der Meinung ist, dass Gabriel S. ein Arschloch ist, dann ist das seine Meinung, an deren Äußerung ihn niemand hindern darf. Dass diese Meinung eine strafrechtliche Konsequenz haben kann, weil es einen gesellschaftlichen Konsens gibt, der bestimmte Aussagen als Beleidigung wertet und unter Strafe stellt, ist eine nachfolgende Sanktion von Meinungen, die keinerlei Einfluss auf das Recht freier Meinungsäußerung hat. Eine nachträgliche Sanktion zeigt lediglich die Verantwortung auf, die derjenige, der eine Meinung äußert, für diese geäußerte Meinung übernehmen muss.

Toleranz ist wie Meinungsfreiheit ein unbeschränktes Gut bzw. im Fall von Toleranz besser: eine unbeschränkte Akzeptanz von z.B. anderen Meinungen. Wer andere Meinungen gleich welchen Inhalts ohne fundierte Begründung nicht akzeptiert ist intolerant. Aussagen wie „Keine Toleranz den Intoleranten“ sind entsprechend selbstwidersprüchlicher Unsinn, da derjenige, der Intolerante nicht toleriert, kaum für sich in Anspruch nehmen kann, selbst tolerant zu sein, da er Intoleranz anderen gegenüber fordert, deren Meinung er nicht tolerieren will.

Im Gegensatz zu Meinungsfreiheit ist Toleranz eine First-Mover-Norm, eine Form von Goodwill, mit der man anderen gegenüber tritt. Toleranz sorgt in Teilen einer Gesellschaft dafür, dass soziale Interaktionen und Kommunikation zwischen unterschiedlichen Gruppen möglich sind. Dagegen ist Meinungsfreiheit ein individuelles Grundrecht, das jeder Mensch hat. Eine Einschränkung dieses individuellen Grundrechts durch Dritte setzt demnach voraus, die Individualität und Autonomie dessen, dessen Meinungsfreiheit eingeschränkt werden soll, zu zerstören. Entsprechend erhöhen sich diejenigen, die die Meinung Dritter einschränken wollen, automatisch zu Obermenschen, die für sich ein größeres Recht auf Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen als sie es denen, deren Recht auf Meinungsfreiheit sie einschränken wollen, zugestehen. Letztere werden dadurch automatisch zu Untermenschen (euphemistisch: Bürger zweiter Klasse).

Daher ist es demokratisches Erbe, individuelle Grundrechte und Freiheiten zu garantieren, nicht sie einzuschränken, denn – wie die Väter der US-amerikanischen Verfassung klar gesehen haben -, setzt ein Recht auf Einschränkung der Freiheiten anderer eine Zwei-Klassen-Gesellschaft voraus, in der die Herren die Rechte und Freiheiten der Diener einschränken. Deshalb haben die Väter der US-Verfassung die Einschränkung individueller Freiheitsrechte unmöglich gemacht. Die Einschränkung der Grundfreiheiten anderer, kann auch deshalb kein demokratisches Recht sein, weil die Position des Herren Lobbyisten und Interessengruppen aller Art anheim fallen wird, die dann wahlweise die Rechte der Diener ihr Geld für Fernsehsender ihrer Wahl auszugeben oder deren Recht auf Nahrungsaufnahme in welcher Form und Menge auch immer, einschränken, um sich selbst damit einen Vorteil zu verschaffen. Zwangsläufig wird eine Demokratie so zu einer totalitären Vetternwirtschaft.

Dies zeigt sich an den vielfältigen Formen der Beschimpfung, die angebliche Verteidiger der Demokratie erfunden haben, um ihre Intoleranz und Nichtakzeptanz von Andersdenkenden deutlich zu machen. So werden Deutsche, die nicht die Meinung teilen, die politische Gatekeeper in den Medien für die Richtige ausgeben, als Wut- oder Problembürger, als Rassisten oder Nazis, Antifeministen oder Maskus gebrandmarkt. Dass es ausgerechnet diejenigen sind, die von sich behaupten, sie würden die Demokratie gegen ihre Feinde verteidigen, die durch ihre Intoleranz und Beschimpfung derer, die lediglich ihre Meinung zum Ausdruck bringen, zu Totengräbern der Demokratie werden, die sie angeblich verteidigen wollen, ist einerseits ein Ergebnis des in Deutschland grassierenden Irrationalismus, andererseits die Folge eines affektiven Exhibitionismus, der moralische Entblößung zum Zwecke der Selbsterhöhung, oft über den Weg der Fremderniedrigung zur neuen Mode gemacht hat.

 

Manches ist nicht alles

Unzulässige Verallgemeinerungen oder Fehlschlüsse der Bejahung des Konsequens, deren Gemeinsames darin besteht, abweichende Fälle auszuschließen und von einer Beobachtung auf das Gesamt zu schließen, sind ein Mittel der Indoktrination, das in Deutschland endemisch gebraucht wird.

Ganze Zweige der Sozialwirtschaft, wie der Genderismus bzw. der Staatsfeminismus bauen auf diesen Fehlschlüssen. So wird regelmäßig behauptet, dass Frauen benachteiligt würden. Die Logik der Behauptung sieht einen konstruierten Einzelfall, von dem niemand weiß, ob es ihn in der Realität überhaupt gibt, also z.B. die Aussage, dass Männer für gleiche Arbeit mehr Geld erhalten als Frauen, generalisiert werden und auf die Gesellschaft als Ganzes übertragen, so dass letztlich dann, wenn ein beliebiger Mann mehr Gehalt erhält als eine beliebige Frau und beide in der selben Branche oder im selben Unternehmen beschäftigt sind, ein Fall von Benachteiligung vorliegen muss. Letzteres ist natürlich Unsinn, der nicht nur zeigt, dass Genderisten mit Logik auf Kriegsfuß stehen, er zeigt auch, dass es ihnen ausschließlich um ideologische Infiltration und Vorteilsnahme geht.

Ebenso liegt der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens der Behauptung zu Grunde, Frauen wären in Vorständen von Unternehmen unterrepräsentiert, weil sie diskriminiert würden. Falls es eine Frau gibt, die aufgrund von Diskriminierung nicht in einen Vorstand gelangt ist, dann wäre sie noch zu finden, und selbst wenn sie gefunden würde, würde dieser Einzelfall die generelle Aussage nicht begründen, sondern die Aussage, dass eine Frau diskriminiert wird, der Fehlschluss bliebe bestehen.

Unzulässige Verallgemeinerungen jeglicher Art sind der Honig der Ideologen und entsprechend findet man diesen Fehlschluss in den verschiedensten Varianten, etwa so:

“Israel boykottieren“. Klingt nach engagiertem Verbraucherverhalten. Ist aber eine dreckige Sache. Die Nazis waren ehrlicher und nannten es: „Kauf nicht bei Juden“.

Wie sich an diesem Beispiel zeigt, wird der Fehlschluss der Bejahung zuweilen mit einer kruden Manipulation verbunden, die in diesem Fall Israel und Juden gleichsetzt. Dies macht nicht nur deutlich, dass diejenigen, die mit dem Fehlschluss arbeiten, zum logischen Denken nicht in der Lage sind oder es nicht sein wollen, es zeigt auch, dass sie ihre Adressaten für dumm halten.

Die bislang plumpste Art eines Fehlschluss der Bejahung des Konsequens haben wir bei Gotelind Alber gefunden. Sie schafft es, in fünf Worten gleich zwei Fehlschlüsse unterzubringen:

„Klimakonferenz: Der Mann als Klimarisiko„, so der Titel eines Beitrags, den man bereits nach diesem Titel aus der Hand legen kann: Fehlschluss der unzulässigen Generalisierung; Fehlschluss der Bejahung des Konsequens: Ein Satz, zwei Fehlschlüsse: Gotelind Alber.

Alle Beispiele machen deutlich, dass es den Ideologen darum geht, einen Einzelfall oder einen Fall, in dem es vielleicht manche gibt, die sich in bestimmter Weise verhalten oder einen behaupteten Fall als generelle Verhaltensweise derer, die sie gerade nicht mögen oder besonders mögen, je nach Intention, zu stilisieren, um daraus für sich ideologisches Kapitel schlagen zu können. Ob dieses Vorgehen sich mit minderer Intelligenz oder mit Verschlagenheit bei gleichzeitiger Verachtung seiner Mitmenschen erklären lässt, ist eine offene Frage, die im Rahmen eines Manifests nicht beantwortet werden kann oder muss.

 

Eine Aussage ist genau dann und so lange richtig, wenn/wie sie mit den Fakten übereinstimmt

Die meisten Beiträge auf ScienceFiles befassen sich mit pseudo-wissenschaftlichen Texten oder mit Aussagen politischer Akteure, in denen etwas behauptet wird, was schlicht logisch nicht richtig ist oder so eklatant im Gegensatz zur Realität steht, dass man sich fragen muss, wie es überhaupt von einem rationalen Akteur geäußert werden konnte. Die Antwort auf diese Frage lautet: Der entsprechende Unsinn wurde nicht von einem rationalen Akteur geäußert, sondern entweder von einem affektiven Exhibitionisten, einem Gutmenschen, der denkt, Gutsein habe nichts mit Fakten zu tun (man denke halt mit dem Herzen) oder von einem Ideologen, der versucht, diejenigen, die seine Aussagen zur Kenntnis nehmen (müssen) zu täuschen.

Also wird behauptet, dass sich die Balken biegen: Kinderbücher, die seit Jahrzehnten zur Freude von Kindern beigetragen haben, werden plötzlich bedenklich, weil das Wort „Neger“ darin vorkommt, es wird behauptet, dass in Guinea Bissau weniger Mädchen als Jungen eingeschult werden, weil es keine Mädchentoiletten gibt– und keine Jungentoiletten, so muss man ergänzen, denn in Schulen in Guinea-Bissau gibt es einfach nur Toiletten, sofern überhaupt welche vorhanden sind. Andere packen ihre Vorliebe für den Sozialismus in Märchen über die Ankunft der Schlange K, mit der die Vertreibung der guten Menschen aus dem sozialistischen Paradies in das Unwetter des Kapitalismus begonnen hat und behaupten, sie hätten damit Wissenschaftliches geleistet. Wieder andere kämpfen mit der Realität und versuchen, ihre Phantasie, nach der in Deutschland Armut grassiert, herbei zu rechnen. Schließlich gibt es diejenigen, die ihren Vorurteilen freien Lauf lassen und behaupten, ihre akademisierte Form von Beleidigung, bei der z.B. von ostdeutschem Pack die Rede ist, habe auch nur entfernt etwas mit Wissenschaft zu tun.

Es ist derzeit möglich, jeden Unsinn als Wissenschaft auszugeben, weil kaum jemand auf die Idee kommt, danach zu fragen, ob das, was behauptet wird, auch prüfbar ist, und wenn es prüfbar ist, ob es je geprüft wurde, und wenn es geprüft wurde, ob es sich bestätigt hat oder falsifiziert wurde – kurz, ob es sich um Wissenschaft handelt oder nicht. Das deutsche Publikum zerfällt in der Mehrheit in zwei Gruppen. Die eine Gruppe nimmt begeistert auf, was behauptet wird, weil es (ideologisch oder affektiv) gefällt. Die andere Gruppen lehnt ab, was behauptet wird, weil es (ideologisch oder affektiv) nicht gefällt. Gegen beide hat die Gruppe derer, die fragt, ob Aussagen mit Fakten übereinstimmen, kaum eine Chance, sich Gehör zu verschaffen.

 

Infantilisierung

Dass die Irrationalität in Deutschland Feste feiert, die selbst der blonde Eckbert nicht für möglich gehalten hätte, ist ein Resultat der Infantilisierung der Gesellschaft. Die Infantilisierung durchzieht alle Bereiche und schlägt sich u.a. in einer Unfähigkeit, die soziale Welt in ihrer Komplexität, Veränderlichkeit und ihrer Abhängigkeit vom historischen Kontext anzuerkennen, nieder. Dadurch sind psychologische Störungsbilder, die Sozialpsychologen ein experimentelles Echtzeit-Design bescheren, weit verbreitet: Die einen können nicht akzeptieren, dass die Vielfalt, die sie in Verzückung versetzt, wenn sie mit einem brauhäutigen Menschen, den sie für unterlegen halten, die gleiche Vielfalt ist, der sie mit Verachtung begegnen, wenn sie im Zusammenhang mit einem weißen Menschen steht, der anderer Meinung ist. Die nächsten sind der Ansicht, man müsse einen Sprachkodex durchsetzen, weil sie, Mimosen, die sie nun einmal sind, nicht mit dem realen Leben konfrontiert werden wollen. Statt Hassreden wollen sie Schalmeienklänge hören, statt Hinweisen auf soziale Notlagen bei der falschen Zielgruppe wollen sie Hinweise auf die Wohltaten, die Menschen, die von sich behaupten, engagiert zu sein, zumindest verbal behaupten, erbracht zu haben.

Am gebrechlichsten ist die deutsche Demokratie, jenes politische Gebilde, das vom Streit lebt, wie u.a. die bereits benannten Väter der US-amerikanischen Verfassung wussten. In Deutschland ist dies anders. Hier lebt die Demokratie angeblich nicht vom Streit, sondern vom Konsens. Deshalb müssen abweichende Meinungen eingeebnet oder verboten werden, denn der deutsche demokratische Versuch, er hat ein zerbrechliches Gebilde geschaffen, das schon durch die Erwähnung von Hitler oder das Zeigen eine Hakenkreuzes gefährdet ist, ganz zu schweigen von zu weit abweichenden Meinungen, die als extrem klassifiziert werden. Mit extremen Meinungen kann man sich nicht auseinandersetzen, die Demokratie würde es nicht aushalten, sie ist zu ärmlich und zu zerbrechlich, um sich gegen ihre Kritiker durchzusetzen. Dass eine Demokratie am Streit wächst und mit jedem durchgefochtenen Streit stärker wird, dass es mit der Zeit immer weniger gibt, die eine Demokratie in Frage stellen, weil es immer mehr gibt, die die Vorzüge sehen, die darin bestehen, in manchen Dingen seinen Willen nicht zu bekommen, dafür aber in anderen Dingen, ist vielen Deutschen nicht nachvollziehbar. Sie wollen die reine, die pure Demokratie, in der die Gedanken gleichgeschaltet und alle Akteure wie kleine Kinder miteinander tanzen, sich freuen und glücklich sind, sie wollen natürliche Harmonie nicht durch Streit erfochtene Übereinkunft. Wenn sich aber alle liebhaben, mit einander übereinstimmen, ob ihrer geteilten Gutheit und im Paradies leben, ist keine Demokratie notwendig, Klone brauchen keine Regierungsform!

Was in diesem Manifest nur kurz angerissen werden konnte, findet sich in vielen Facetten in den mehr als 2000 Beiträgen auf ScienceFiles. Wer sich entsprechend einlesen will, findet ausreichend Stoff.

Die Bestandsaufnahme ist somit abgeschlossen. Die Konsequenzen, die aus dieser Bestandsaufnahme folgen, sind Gegenstand eines der nächsten Posts auf ScienceFiles.


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Süddeutsche Rechenakrobaten: Die Verblödung nimmt Form an

Vorrede 1: Wir diskutieren in der Redaktion regelmäßig darüber, ob es notwendig und wissenschaftlich ist, Fakten mit Begriffen wie „Unsinn“ oder „Verblödung“ zu beschreiben. Das Ergebnis dieser Diskussion ist regelmäßig, dass wir nicht wissen, wie wir die Fakten anders beschreiben sollen, insofern z.B. Blödsinn das deskriptive Konzept ist, das die Fakten treffend beschreibt.

Vorrede 2: Das rationale und vor allem formale Denken ist in Deutschland auf dem Rückzug. An seine Stelle ist der naive Konstruktivismus getreten, dessen Anhänger denken, wenn sie alles zur Disposition stellen und über alles die Willkür der subjektiven Konstruktion stülpen, dann würden sie nicht selbst dem Wahnsinn anheim fallen und – was schlimmer ist – nicht die Basis für eine Verständigung und einen rationalen Diskurs beseitigen. Die konstruktivistische Verwirrung ist mittlerweile soweit vorangeschritten, dass nicht einmal mehr Paradoxe, die die Logik seit mehr als 2000 Jahren kennt, von subjektiver Willkür verschont bleiben. Das Zivilisationserbe des Westens, auf das viele so stolz sind (obwohl sie keine Ahnung davon und keinen Anteil daran haben), wird gerade mit beiden Händen aus dem Fenster geworfen.

Noch was zum Kauen, für alle, die das Kreter Paradox immer noch nicht verstanden haben:

Dieser Satz ist falsch.

Astreines Kreter-Paradox und die kürzeste Form, die uns einfällt.

Und nun zu Detlef Esslinger, einem Redakteur der Süddeutschen Zeitung, der angetreten ist, einen weiteren Nagel in den Sarg des rationalen Denkens in Deutschland zu schlagen. „Der Verlust, der keiner ist„, so lautet der Titel seines Anschlages auf das rationale Denken.

stupidity_thumbEsslinger arbeitet auf Basis der Prämisse, dass es wichtig ist, die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern zu einem Erfolg für die SPD umzudeuten. Und in seinem Bemühen hat er Wählerstimmen entdeckt. 246.393 davon hat die SPD bei der Landtagswahl am Sonntag erhalten, 242.251 waren es bei der letzten Landtagswahl am 4. September 2011. Jucheisa, frohlockt der Süddeutsche Journalist: Die SPD hat gar nicht verloren, denn sie hat in Wahrheit Stimmen gewonnen. Und weil er gerade in Fahrt ist, erklärt er Prozentanteile zu Wahlfälschern, suggerieren doch die Prozentanteile, dass der Anteil der SPD von 35,6% der gültigen Stimmen auf 30,6% der gültigen Stimmen geschmolzen ist. Man könne, so sein Schluss, der SPD aber keine „‘Verluste‘“ attestieren, weil die SPD in „Wahrheit Stimmen gewonnen hat“.

Bei so viel Blödsinn weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.
Fangen wir bei der Vergleichsbasis an.
Esslinger vergleicht die Anzahl der Stimmen, die die SPD im Jahr 2016 erhalten hat, mit den Stimmen für die SPD im Jahr 2011 und stellt fest, es sind mehr gewonnen. Dieses Mehr stellt also einen Gewinn dar und könnte auch als solcher gefeiert werden, wäre (1) die SPD die SED und damit die einzige Partei, die zur Wahl stünde und wäre (2) die Anzahl der Wahlberechtigten konstant geblieben.

Nun steht aber nicht nur nicht nur die SPD zur Wahl, es hat sich auch die Anzahl derjenigen, die gewählt haben, verändert. Entsprechend muss man das Ergebnis der SPD 2016 nicht nur mit dem Ergebnis der SPD 2011 ins Verhältnis setzen, man muss es auch mit dem Ergebnis der anderen Parteien zu beiden Zeitpunkten ins Verhältnis setzen. Die Mathematik stellt dafür mehrere sinnvolle Mittel bereit. Prozentrechnung ist eines davon, aber relative Anteile, Prozentanteile, lehnt Detlef Esslinger ja ab und meint statt dessen, man können auf Basis des Vergleichs der SPD-Stimmen 2016 mit denen aus dem Jahre 2011 behaupten, die SPD habe eigentlich Wahl und Stimmen gewonnen.

Faktisch kann man aus dem Vergleich der Stimmen für die SPD 2016 mit den Stimmen für die SPD 2011 nur schließen, dass die SPD 2016 mehr Stimmen erhalten hat. Mehr nicht. Man kann in keinem Fall auf das Wahlergebnis bzw. den Wahlerfolg schließen.

Ein Beispiel mag dies auch dem Redakteur der Süddeutschen Zeitung deutlich machen:
In der letzten Saison hat der 1. FC Kaiserslautern im Heimspiel gegen den FC Nürnberg kein Tor geschossen. Im Auswärtsspiel dagegen einmal getroffen. Die Ausbeute ist also um ein Tor höher ausgefallen und die Lauterer könnten sich über ihren Sieg in etwa so freuen, wie Detlef Esslinger sich über seinen Versuch, sich selbst um den Verstand zu schreiben, freuen könnte, hätten nicht die Nürnberger in Kaiserslautern 3 und in Nürnberg 2 Bälle im Netz des Kaiserslauterer Tores versenkt.

Ein anderes Beispiel, etwas komplizierter: Wenn die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von 30 Euro im Jahr für angestellte Journalisten wie Detlef Esslinger durchgesetzt hat, dann werden Letztere sich freuen und in ihrer Freude vergessen, dass allein die Mietkosten um 25 Euro pro Monat gestiegen sind und dass von der Lohnerhöhung nichts bleibt, wenn man noch die sonstigen Teuerungen hinzurechnet. Menschen wie Detlef Esslinger, die in der Welt der absoluten Werte leben, sie freuen sich über die Krumen, die ihnen hingeworfen werden.

Es sollte deutlich geworden sein, dass es nicht möglich ist, das Wahlergebnis der Landtagswahl 2016 angemessen zu beschreiben, wenn man sich weigert, eine angemessene Vergleichsbasis zu wählen und die Veränderungen für alle anderen Parteien ebenfalls in Rechnung zu stellen, nicht nur die, die einem passen.

Dazu kommen wir gleich. Zuvor noch zwei logische Fehler, die Esslinger in seinem Text macht und die, weil sie so verbreitet sind, wir kurz darstellen wollen:

1. Esslinger schreibt: „Aber nur exakt 3868 ihrer bislang 156 969 Wähler haben der Partei [der CDU] das Vertrauen entzogen“.

kraemer-statistik-iDas nennen Wissenschaftler einen ökologischen Fehlschluss. Esslinger vergleicht die Stimmen die die CDU bei der Landtagswahl 2011 erhalten hat: 156.939, mit denen, die sie 2016 erhalten hat: 153.101. Ein Minus von 3838 Stimmen, das nicht einmal Esslinger wegrechnen kann. Der Fehlschluss liegt nun in dem Wörtchen „exakt“, denn die Zahlen, die Esslinger vergleicht, sagen nichts darüber aus, wie viele individuelle Wähler der CDU das Vertrauen entzogen haben: Im Extrem mögen der CDU alle 156.939 Wähler, die sie 2011 gewählt haben, abhanden gekommen sein und von 153.101 ehemaligen Wählern anderer Parteien oder Nichtwähler ersetzt worden sein. Oder es haben 19.617 Wähler der CDU den Rücken gekehrt und nur 15.779 haben sich dazu entschlossen, die CDU zu wählen. Was davon richtig ist, kann man den Zahlen, die Esslinger als Beleg anführt, nicht entnehmen. Man kann es sich nur einbilden, dass man es entnehmen kann, wie Esslinger das tut.

2. Esslinger schreibt weiter, dass die AfD viele „Bürger mobilisieren konnte, die bisher weder CDU noch sonst eine Partei gewählt haben“ und führt als Beleg an, dass 2016 806.000 Wahlberechtigte zur Urne gingen, während es 2011 nur 680.000 gewesen seien. (Tatsächlich haben 2011 nach Angaben des Landeswahlleiters 681.375 Wahlberechtigte eine gültige Stimme abgegeben und 708.111 Mecklenburger haben sich an der Wahl beteiligt, während sich 2016 821.645 Wahlberechtigte an der Wahl beteiligt haben und 806.396 eine gültige Stimme abgegeben haben). Neben dem bereits bekannte ökologischen Fehlschluss begeht Esslinger hier einen weiteren, den wir einmal als Fehlschluss der eigenen Phantasie bezeichnen wollen. Tatsächlich kann man über die Wähler, die 2016 gewählt haben und 2011 nicht, sagen, dass sie 2011 nicht gewählt haben. Mehr nicht. Vor allem kann man nicht über sie sagen, ob sie nicht 2006 oder 2002 bei einer Landtagswahl CDU oder SPD oder sonst eine Partei gewählt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass viele der Nichtwähler aus dem Jahre 2011 im Jahre 2002 eine sonstige Partei, also nicht die AfD, gewählt haben, ist tatsächlich sehr hoch, denn 2002 haben sich 993 822 Wahlberechtigte an der Wahl beteiligt –  mehr als 2016. Vielleicht sollten wir hier auch nicht von einem Fehlschluss, sondern von Blödsinn reden.

Letztlich kann man am Beispiel von Detlef Esslinger nur das hermetische Denken derer begutachten, die in ihrer ideologischen Verbohrtheit versuchen, sich die Welt nach ihren Vorstellungen zu konstruieren und dabei keinerlei Rücksicht auf die Logik, die Mathematik oder all die Gesetze nehmen, die Rationalität erst möglich machen. Journalisten wie Esslinger sind offensichtlich angetreten, dem Wahnsinn das Wort zu reden und Blödsinn zum Gegenstand von Kommunikation zu machen. Wie man auf die Idee kommt, eine Konstruktion der Realität, die sofort implodieren muss, wenn sie auf eben diese Realität z.B. in Form eines Lesers oder in Form von ScienceFiles trifft, ist eine Frage, die man vermutlich nur psychologisch beantworten kann, so wie man die Frage, ob es jemanden gibt der die Rechenschiebereien von Esslinger glaubt, eine Frage ist, die wir, die noch an die Rationalität von Menschen als dem Merkmal glauben, dass Menschen am ehesten aus der Reihe anderer Tiere hervorzuheben vermag, einfach nicht mit ja beantworten können.

Vielleicht sind derartige Versuche, die Realität anders darzustellen als sie ist, wie der von Detlef Esslinger, auch nur ein Ausdruck für die Verzweiflung, die all diejenigen ergriffen hat, die bislang ein gutes Leben auf Basis nepotistischer Strukturen, wie sie das Berliner Parteiensystem geschaffen hat, gelebt haben und Letzteres durch die AfD gefährdet sehen.

Bleibt noch die Ehrrettung der relativen Anteile als einziger Möglichkeit, die Frage, wer eine Wahl gewonnen hat und wer nicht, zu leisten.

Was Herr Esslinger einfach nicht einsehen will ist Folgendes:

  • kraemer-statistik-2Zwischen zwei Zeitpunkten (2011 und 2016) vergeht Zeit.
  • Wenn Zeit vergeht, dann ändert sich zumeist etwas.
  • Z.B. kann sich die Anzahl der Wahlberechtigten ändern (1,33 Millionen in Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 2016, 1,37 Millionen im Jahre 2011).
  • Auch die Anzahl von Parteien, die zur Wahl stehen, kann sich zwischen zwei Zeitpunkten verändert haben (einmal AfD, einmal keine AfD);
  • Schließlich kann sich auch die Anzahl derer, die zur Wahl gehen und als Konsequenz die Anzahl der Stimmen, die für eine Partei abgegeben werden, verändern.

Um all diese Veränderungen, die Esslinger offensichtlich nicht mag, unter einen Hut zu bekommen und eine Maßzahl zu finden, die den Veränderungen so Rechnung trägt, dass man die Ergebnisse von 2011 und 2016 VERGLEICHEN kann, hat es sich eingebürgert, die Anteile der Parteien an allen abgegebenen Stimmen zu berechnen und miteinander zu vergleichen, sowohl zwischen den Zeitpunkten als auch zwischen den Parteien.

Das ist eine Konvention.
Man könnte auch andere Konventionen einführen.
Z.B. könnte man das Abschneiden von Parteien auf der Grundlage des Stimmenzugewinns bewerten:
Dann ergäben sich für den Vergleich von 2016 mit 2011 folgende Ergebnisse:
SPD: ein Zugewinn von 1.7% an Wählerstimmen.
CDU: ein Verlust von 2,5% der Wählerstimmen.
LINKE: ein Verlust von 15,4% der Wählerstimmen.
Grüne/Bündnis90: ein Verlust von 34,2% der Wählerstimmen.
AfD: ein Gewinn von 100% an Wählerstimmen.

Zwangsläufig wäre die AfD der Wahlgewinner, was Detlef Esslinger nicht gefällt.
Also versuchen wir eine andere Prozentuierungsbasis und stellen die Anzahl der Wahlberechtigten in Rechnung, die eine gültige Stimme zu beiden Wahlen, 2011 wie 2016 anbgegeben haben. Die folgende Tabelle zeigt das Ergebnis:

Partei Anteil 2011 Anteil 2016 Gewinn/Verlust
SPD 35,6% 30,6% -5,0%
CDU 23,0% 19,0% -4,0%
Die LINKE 18,4% 13,2% -5,2%
Grüne/B90 8,7% 4,8% -3,9%
AfD 0% 20,8% +20,8%

Eingeweihte werden die Tabelle als Gegenüberstellung der Wahlergebnisse von 2011 und 2016 erkennen. Wenn man Aussagen über die Bedeutung einer Partei im Hinblick auf die Anzahl der Stimmen, die sie im Vergleich zur Zahl der abgegebenen Stimmen erhalten hat, machen will, dann führt kein Weg daran vorbei, die entsprechenden Prozentwerte zu berechnen.

Ob man das in der Redaktion der Süddeutschen versteht oder sich in eine Blödsinnenklave entwickeln will, ist eine Frage, die die Zeit beantworten wird.

Übrigens findet man in der Süddeutschen Zeitung regelmäßig Texte, in denen u.a. die Verblödung der Bevölkerung beklagt wird.


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Kreter Paradox

Epimenides wird gewöhnlich das Paradoxon zugeschrieben, das die Kreter (nicht) verunglimpft. Es geht wie folgt:

  • Alle Kreter sind Lügner.
  • Ich bin ein Kreter.

Das besondere am Kreter-Paradox, das es unauflöslich macht, liegt darin, dass dann, wenn alle Kreter Lügner sind und ich ein Lügner bin, beide Aussagen falsch sein müssen, wobei die Wahrheit der ersten Aussage benötigt wird, um die Falschheit beider Aussagen zu begründen.

Ein Paradox eben.

Eines, das man im täglichen Leben immer wieder findet, in den unterschiedlichsten Varianten.

z.B.

  • Die deutsche Bevölkerung ist nicht urteilsfähig.
  • Ich bin ein Deutscher.

oder:

  • Die Bürger müssen verstehen lernen, was wir ihnen sagen.
  • Wir sind alle Bürger und sitzen im selben Boot.

Und hier in der Variante, die wir gerade bei Google Books gefunden haben:

Kreter Paradox

 

Formen der Dummheit (- die besonders in Deutschland endemisch sind)

Ein Leser von ScienceFiles hat uns gebeten, unser Konzept der Dummheit erster, zweiter und dritter Ordnung noch einmal in allgemeiner Form darzustellen. Wir haben es bislang nur am Beispiel des Gender Pay Gaps, als einem Beispiel besonderer Dummheit durchgespielt.

Wir kommen diesem Wunsch gerne nach und hoffen, dass unser Konzept weite Verbreitung und Anwendung in entsprechenden Diskussionen findet.

Hier also unser Konzept der Dummheit:

Dummheit erster Ordnung

Dummheit erster Ordnung liegt dann vor, wenn ein deskriptives Faktum nicht als deskriptives Faktum angesehen wird, sondern als Ausdruck für etwas normativ Dahinterliegendes. Die Wahrnehmung deskriptiver Fakten ist in diesen Fällen durch die Interessen des Wahrnehmenden so gestört, dass er nicht mehr richtig wahrzunehmen im Stande ist. Das, was ist, wird in den Fällen von Dummheit erster Ordnung von dem überlagert, was der Wahrnehmende gerne wahrnehmen würde.

Ein Beispiel ist der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen (Männer verdienen durchschnittlich mehr). Wer nicht mit Dummheit erster Ordnung geschlagen ist, sieht einen Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Wer das Handicap einer Dummheit erster Ordnung mit sich herumträgt, bewertet und kann entsprechend nur eine Benachteiligung von Frauen erkennen.

Dummheit erster Ordnung geht häufig mit der Unfähigkeit einher, differenzierte Aussagen zu treffen. Diese Unfähigkeit schlägt sich z.B. darin nieder, dass ein Einzelfall zu einer Aussage über eine ganze Gruppe umformuliert wird. So etwa, wie dies Marc Dietzschkau gerade getan hat, in dem er die Aussage von Sebastian Wippel im sächsischen Landtag dem, was er für #Pack hält, zugeschrieben hat, also der gesamten AfD-Fraktion. Neben der falschen Verallgemeinerung, die man auch als induktiven Fehlschluss bezeichnet, findet sich häufig der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens als Ausdruck von Dummheit erster Ordnung, etwa dann, wenn man denkt, die Aussage „Leider hat es nicht die Verantwortlichen der Politik getroffen“, sei eine Aussage über alle Politiker, was natürlich blanker Unsinn ist. Die Aussage ist nicht einmal eine Aussage darüber, dass sich der Aussagende wünscht, in Zukunft würde es die Verantwortlichen der Politik treffen. Der einzige Schluss, der möglich ist, lautet: Der Aussagende bedauert, dass es nicht die Verantwortlichen der Politik getroffen hat. Darüber hinausführende Schlüsse stammen aus der Phantasie des Schließenden und stellen einen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens dar.

Der einzige plausible Schluss, der auf  Grundlage der Aussage von Wippel getroffen werden kann ist, dass dann, wenn man schon einen Terroranschlag nicht verhindern kann, er sich wenigsten nicht gegen Unschuldige, also nicht Verantwortliche richten soll.

Dummheit zweiter Ordnung

Dummheit zweiter Ordnung liegt dann vor, wenn ein deskriptives Faktum nicht nur durch eine Bewertung entstellt wird, sondern die Bewertung zum Anlass genommen wird, um eine Vielzahl von Gründen anzuführen, die die Bewertung erklären sollen.

So macht Dummheit erster Ordnung aus der deskriptiven Tatsache eines Verdienstunterschieds eine Benachteiligung. Dummheit zweiter Ordnung setzt hier an und versucht, die behauptete Benachteiligung zu erklären. Da die Bewertung der deskriptiven Fakten bereits interessengeleitet war, ist natürlich auch die Erklärung der eigenen Bewertung interessegeleitet, weshalb die versuchte Argumentation als Zirkelschluss in sich zusammenfällt. Abermals kann das Gender Pay Gap als besondere Form der Dummheit hier als Beispiel dienen: Die Bewertung eines Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen als Benachteiligung, erfolgt auf Grundlage der eigenen Ideologie, die z.B. ein Patriarchat phantasiert, das Frauen seit Jahrhunderten unterdrückt. Die Erklärung der eigenen Bewertung basiert abermals auf dieser Phantasie des Patriarchats, das Frauen unterdrückt. All is one, wie man im Englischen diese besondere Form der geistigen Verwirrung nennt.

stupidity_thumbIn gleicher Weise fallen Personen, die z.B. in Menschen nur Pack zu sehen im Stande sind, zumeist auf ihre eigenen Prämissen herein. Weil sie wie die Aasgeier auf Ästen sitzen und hoffen, über einen ihrer selbsterwählten Feinde herfallen zu können, stürzen sie sich auf jeden Brocken, der ihnen hingeworfen wird und merken dabei gar nicht, dass sie sich und ihre Prämissen zur Schau stellen. Die Dummheit zweiter Ordnung hat, weil sie unweigerlich in einer Tautologie endet, einen offenlegenden Charakter: Wer Dummheit zweiter Ordnung zur Schau stellt, zeigt sich in der Regel als das, was er angeblich bekämpft. Er basiert seine Aussagen z.B. auf der versteckten Prämisse, dass Terroropfer, sofern es sich nicht um Politiker handelt, schon ok sind. Er präsentiert sich als Menschenfreund, der andere Menschen zum Pack erklärt und merkt nicht, dass er sich gerade als Menschenfreund deklassiert hat. Oder er kämpft für Toleranz, in dem er die Aussagen Dritter, die ihm nicht passen, unterdrücken will, also intolerant ist. Dummheit zweiter Ordnung hat viele Gesichter. Ein Blick durch manche Landtagsfraktionen macht das deutlich.

Dummheit dritter Ordnung

Dummheit dritter Ordnung besteht darin, dass behauptet wird, die deskriptiven Fakten, die durch die eigene Bewertung entstellt und auf Grundlage der selben Interessen, die bereits die Grundlage der Bewertung sind, zu erklären versucht wurden, seien das Ergebnis einer aktiven Einflussnahme durch Dritte. Wenn man so will, ist Dummheit dritter Ordnung eine Form der Verschwörungstheorie, die im Fall des Gender Pay Gap darin besteht, dass fiese Arbeitgeber Frauen benachteiligen, was dazu führt, dass die armen Frauen für gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten als Männer. Ein besonders krasses Beispiel für Dummheit dritter Ordnung haben wir vor einigen Tagen besprochen. Es bestand in der Behauptung, dass der Herzinfarkt von Frauen dann, wenn es keine Gender Studies mehr gibt, nicht mehr erkannt werden wird. Wer also Gender Studies abschaffen wolle, der bringe Frauen um. Wir haben diese Form der Dummheit hier besprochen.

Man muss schon mit einem gerüttelten Maß an kognitiver Leere ausgestattet sein, um auf solchen Unsinn zu kommen oder mit einem unglaublichen Maß ideologischer Verblendung, wobei wir uns derzeit nicht im Klaren darüber sind, ob ideologische Verblendung in diesem Fall nur ein Synonym für kognitive Leere ist.

Alles noch einmal in Kürze:

Dummheit erster Ordnung:

Fakten können nicht deskriptiv, sondern nur normativ wahrgenommen und entsprechend interpretiert werden.

Dummheit zweiter Ordnung:

Fakten werden in ihrer bereits bewerteten Form zu erklären versucht, wobei Erklärungsversuch und Bewertung auf denselben Prämissen basieren, was folgerichtig zu einer Tautologie führt.

Dummheit dritter Ordnung:

Die tautologische Erklärung bewerteter Fakten wird durch eine Verschwörungstheorie oder einen sonstigen Verweis auf das Wirken geheimer Mächte qualifiziert, deren Motivation über einen genetischen Fehlschluss oder einen anderen Essentialismus herbeigebogen wird, z.B. die essentiell bösen Männer, die nichts lieber wollen, als Frauen zu benachteiligen.


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SPD-Logik: Terroranschläge in Deutschland haben schon die Richtigen getroffen

Aufregung ist ein schlechter Berater. Wer aufgeregt ist, macht Fehler, denkt oft nicht logisch und schüttet gar zu oft, das Kind mit dem Bade aus. Wenn sich ein Aufgeregter im Recht sieht, dann ist es besonders schlimm. Dann wird die eigene Aufregung zum Immunitätsschild, das seinem Träger vormacht, er könne gar nichts schreiben, was falsch ist, habe die Fraktion der moralisch Aufgeregten auf seiner Seite, egal, was er sagt oder schreibt oder twittert.

Entsprechend hat ein Marc Dietzschkau, der laut MDR Pressesprecher der SPD in Sachsen sein soll, getwittert: „Das #Pack im #saxlt wünscht sich, den Terrortod von Politikern“. Das ist demnach als Pressemeldung der SPD aus dem sächsischen Landtag (saxlt) zu werten. #Pack steht für die AfD, und ist bereits der erste logische Fehler, den Dietzschkau begeht, denn das, was er beanstandet, hat nicht die AfD, sondern Sebastian Wippel, der nachweislich nicht die AfD ist, gesagt. Tatsächlich hat Wippel Folgendes gesagt:

„Und nun haben wir die Quittung bekommen, jetzt auch in Deutschland erstmalig mit den Anschlägen in Bayern und Baden-Württemberg. Leider hat es nicht die Verantwortlichen dieser Politik getroffen.“

Formen wir den Satz ein wenig um. Wenn es nicht die Verantwortlichen getroffen hat, dann hat es vermutlich diejenigen getroffen, die nicht verantwortlich sind. Wenn es die getroffen hat, die nicht verantwortlich sind, dann kann man auch sagen, es hat die Falschen getroffen.

Wenn sich nun Politiker allen Ortes darüber echauffieren, dass sich „das #Pack im #saxlt“ den „Terrortod von Politikern“ wünsche, dann ist dies nicht nur ein Fehlschluss, sondern eine Aussage, die nur den Schluss zulässt, dass der SPD-Pressesprecher, von dem dieser bemerkenswerte Tweet stammt, der Ansicht ist, die Terroranschläge in Bayern und Baden-Württemberg hätten schon die Richtigen getroffen.

Das folgt logisch aus seiner Aufregung.

Logik f dummiesDenn logisch betrachtet impliziert „Leider hat es nicht die Verantwortlichen getroffen“nicht den Wunsch, dass Politiker Opfer von Terroranschlägen werden sollen. Aus der Aussage lässt sich nur schließen, dass derjenige, der sie trifft, es bedauert, dass nicht Verantwortliche bei Terroranschlägen zu schaden gekommen sind. Logisch zwingend ist jedoch, dass derjenige, der sich darüber aufregt, dass ein Terroranschlag „leider“ die getroffen habe, die nicht verantwortlich sind, damit implizit aussagt, dass er der Ansicht ist, es habe die Richtigen getroffen.

Wie so oft, sind diejenigen, die sich über die angeblich moralisch so verwerflichen Wünsche anderer echauffieren, diejenigen, deren Wünsche man besser nicht thematisiert. Was sich ein Marc Dietzschkau wünscht, der kein Problem hat, Menschen, Abgeordnete, Politiker als Pack zu bezeichnen (gleich der nächste logische Fehler, denn hätte Dietzschau mit seinem Tweet Recht, dann müsste sich Wippel zwangsläufig seinen eigenen Tod wünschen), das kann man sich lebhaft vorstellen.

Merke: Moralischer Hochmut, insbesondere wenn er mit kleinen Geistern einhergeht, kommt regelmäßig vor dem Fall.


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Juden, Radfahrer oder öffentlich finanzierte Aktivisten: Wer verschwendet Steuergelder?

Weiß jemand, warum es unter denen, die so gierig darauf sind, andere zum Guten zu bekehren, so viele gibt, die logische Fehler und Manipulationsversuche zu kultivieren versuchen?

„Juden und Radfahrer beherrschen die Welt“, so lautet der Titel eines angeblichen Lernplakates, das in 25.000 Exemplaren in A0 und A1 von 3 Welt Saar vertrieben werden soll. Die Erstellung des vermeintlichen Lernplakates hat das Saarländische Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie finanziert und somit ein Ministerium, das die unproduktive Vernichtung von Steuergeldern bereits im Namen führt. Wissenschaftlich verantwortlich für das angebliche Lernplakat ist eine Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik, TU Berlin.

Lernplakat-gegen-Antisemitismus_Aktion-3-Welt

Für eine Welt ohne Idioten

Frau Schwarz-Friesel ist, trotz des Doppelnamens, der die Identifikation erleichtert, nicht unbedingt als Kapazität auf dem Gebiet des Antisemitismus bekannt, wir denken dabei eher an Leute wie Wolfgang Benz oder Leon Poliakov, aber die wären, selbst wenn sie nicht, wie Poliakov bereits verstorben wären, sicher nicht bereit, ihren Namen mit einem Projekt in Verbindung zu bringen, das derart alle wissenschaftlichen Erkenntnisse und alle logischen Errungenschaften seit Aristoteles mit Füßen tritt.

Der Anspruch des Lernplakates liest sich wie folgt:

“Das Plakat wirft Schlaglichter auf diese alte wie aktuelle Verschwörungstheorie und regt an, die antisemitischen Schleichwege im eigenen Kopf zu erkennen. Es entstand im Rahmen eines Projektes der Aktion 3.Welt Saar, das vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes gefördert und von Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel (TU-Berlin) wissenschaftlich begleitet wurde. Das Plakat eignet sich für die (außer-) schulische Arbeit sowie für die politische Bildungsarbeit.“

Wie so oft, wenn Ideologie und Wirklichkeit aufeinander treffen, bleibt nichts, von dem so hehren Anspruch.

Kirche Staat NationEs beginnt damit, dass durchgehend Israel und Juden synonym gesetzt werden. Um es in der Sprache des Lernplakates auszudrücken: Wusstet Ihr schon, dass 17,5% der Einwohner Israels nicht dem jüdischen Glauben zuzurechnen sind, sondern dem Islam? Wusstet Ihr schon, dass 2% der Israelis Christen und 1,6% Drusen sind? Darüber hinaus leben viele Juden gar nicht in Israel, sondern in der Diaspora Frankreichs, Deutschlands und vor allem der USA: Was also soll die primitive Gleichsetzung von Israel und Judentum? Politikwissenschaftler im ersten Semester würden der Universität verwiesen, wüssten sie nicht zwischen Staat (Israel) und Religion (Judentum) zu unterscheiden. Im aufgeklärten 20. Jahrhundert gibt es an der TU Berlin eine Schwarz-Friesel, die den Unterschied nicht kennt. Erschreckend.

Derartige grobe Schnitzer leiten über zu einer Flut von logischen Fehlern, die man – wären sie intelligent angewendet, als Manipulationsversuche ansehen könnte – wären sie intelligent angewendet.

Hier eine willkürlich gezogene Stichprobe aus dem Lernplakat:

“Die Ablehnung von Juden mündet(e) in ihre Tötung. Dafür stehen zum Beispiel der Holocaust der Deutschen…)“.

Ob derartiger Unsinn dabei hilft, Antisemitismus zu bekämpfen? Wir zweifeln daran. Zunächst einmal: Es gibt auch Juden, die eines natürlichen Todes sterben sollen und keinerlei Erfahrung mit Ablehnung gemacht haben. Die Aussage oben ist somit ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, und sie ist zudem ein Fehlschluss der Verneinung des Antezedens, denn nicht alle Juden, die Ablehnung erfahren, werden umgebracht. Zwei logische Fehler in einem Satz, das lässt massiv an der geistigen Verfassung der Verantwortlichen zweifeln.

Und weiter geht es:

“Man wird doch wohl noch Israel kritisieren dürfen. Darfst Du. Wir haben uns extra das OK der israelischen Regierung eingeholt. Aber warum ausgerechnet Israel-Kritik? Hast Du jemals etwas von Belgien-Kritik gehört oder wird hier mit zweierlei Maß gemessen.“

Schon Schopenhauer hat in seinem kleinen Brevier über die „Kunst, Recht zu behalten“ auf den oben benutzen Sophismus hingewiesen. Was bei Schopenhauer noch eine Kunst war, ist auf dem Lernplakat zu einem plumpen Manipulationsversuch verkommen, der auf der Prämisse basiert, diejenigen, die das angebliche Lernplakat zur Kenntnis nehmen, seien so dumm wie diejenigen, die es erstellt haben.

AntiamerikanismusHaben die Ersteller jemals etwas von Kritik an Russland oder den USA, von Anti-Amerikanismus gehört? Wenn ja, warum versuchen sie dann zu suggerieren, Kritik an Israel wäre eine Ausnahmebehandlung, da kein anderes Land als Kollektiv einer Kritik ausgesetzt ist? Abermals muss man feststellen, dass derartige dumm dreiste Versuche, den Intellekt der Leser zu manipulieren und zu beleidigen, eher das Gegenteil dessen erreichen, was die Macher des angeblichen Lernplakates wollen. Dies um so mehr, als die Prämisse die hinter der Verächtlichmachung von Kritik als solcher und Kritik an den Handlungen Israels als Staat, also an den Handlungen der Israelischen Regierung, aber nicht an Juden, eine generelle Unterdrückung solcher Kritik ist. Wusstet Ihr schon, Ihr Macher des Lernplakates, dass ihr Euch damit in ein Boot mit Kim Jong-un setzt, dem Herrscher in Nordkorea, der Kritik an seiner Regierung ebenfalls nicht duldet?

Ein ideologisches Intermezzo, wo wir gerade bei zweierlei Maß waren:

“Sogar die UNO verurteilt Israel. Stimmt. Sie hat zwar einen guten Namen, ist aber nicht neutral. In vielen UN-Gremien dominieren Staaten, die gegen Israel sind. Schon seltsam, wenn ausgerechnet Iran und Nordkorea im UN-Menschenrechtsrat Resolutionen gegen Israel verabschieden“.

Von 2006 bis 2015 ist Israel 61 Mal wegen Verletzung der Menschenrechte durch den UN-Menschenrechtsrat verurteilt worden. Kein einziges Mal war Nordkorea beteiligt, denn Nordkorea sitzt nicht im UN-Menschenrechtsrat. Vielmehr ist Nordkorea von 2006 bis 2015 selbst in 8 Fällen Gegenstand einer Resolution des nämlichen Rates gewesen und somit wegen Menschenrechtsverletzungen abgemahnt worden. Auch der Iran ist nicht Mitglied im UN-Menschenrechtsrat, seinerseits aber vier Mal am Ende entsprechender Resolutionen gewesen. Das Lernplakat verbreitet hier also die Unwahrheit. Warum hier explizite Lügen verbreitet werden, kann man nur vermuten. Dass ein Ministerium Steuergelder aufwendet, um Lügen zu finanzieren, sollte indes in einem demokratischen Staat Gegenstand entsprechender Anfragen der politischen Opposition und vielleicht auch entsprechender Ermittlungen des Landesrechnungshofes oder der Staatsanwaltschaft sein.

Und schließlich, das, worum es eigentlich geht:

“Israel boykottieren“. Klingt nach engagiertem Verbraucherverhalten. Ist aber eine dreckige Sache. Die Nazis warum ehrlicher und nannten es: „Kauf nicht bei Juden“.

Das kann man nur als dreckigen Versuch der Verhaltensbeeinflussung bezeichnen. Einmal davon abgesehen, dass es weder Schwarz-Friesel noch die Aktion 3 Welt Saar noch das Ministerium für die Verschwendung von Steuergeldern im Saarland auch nur das Geringste angeht, aus welchen Gründen Verbraucher Produkte aus Israel kaufen oder nicht kaufen, den Boykott israelischer Produkte mit dem Aufruf „Kauf nicht bei Juden“ in Zusammenhang zu bringen, erfüllt vermutlich den Tatbestand der Volksverhetzung, denn damit werden diejenigen, die aus guten Gründen einen solchen Boykott als individuelle Verbraucher ausüben, nicht nur verunglimpft und zu Nazis stilisiert, sie werden auch in ihrer Menschenwürde und ihrer Freiheit, eigenverantwortliche Handlungen auszuführen, beeinträchtigt und alles mit finanzieller Unterstützung des Saarländischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Und einmal mehr unter Gleichsetzung des Staates Israel mit der Religion des Judentums.

Und natürlich ist der volksverhetzende Unsinn ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens gepaart mit dem Versuch, durch die Vorgabe falscher Alternativen einen gewünschten Effekt bei denen, die damit traktiert werden, zu erreichen.

Was man vom Lernplakat also lernen kann ist, dass dessen Macher keine Ahnung von den wissenschaftlichen Konzepten haben, mit denen sie hantieren, dass sie bar jeder Kenntnis der Logik sind, und sie einzig ihr Bemühen auszeichnet, Propaganda zu machen und ihre Leser zu täuschen und zu belügen. Allein die falsche Behauptung, der Iran und Nordkorea würden im UM-Menschenrechtsrat gegen Israel stimmen und der Versuch, den Menschenrechtsrat dadurch verächtlich zu machen, sollte ausreichend sein, um den verantwortlichen Minister im Saarländischen Ministerium zum Rücktritt zu bewegen, und dazu führen, die 25.000 Plakate einzustampfen. In einer Demokratie wäre dieser Versuch, Menschen zu belügen und zu betrügen, dafür jedenfalls ausreichend.

Die Saarländer haben das mit ihren Steuergeldern finanziert.
Wieder gut, kein Saarländer zu sein.


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Wie erklärt man Mord?

Ereignisse, wie die in Ansbach, München, Nizza oder nun in Rouen führen regelmäßig dazu, dass Experten aus allen Ecken auf die Bühne treten und die Früchte ihres bislang im Schatten geführten Experten-Daseins einem staunenden Auditorium verkünden.

Logik der ForschungDie Erklärungen dafür, dass ein Mörder Menschen tötet, die er ganz offensichtlich nicht kennt, sie sprießen schneller als Erbsenkraut: Da werden Killerspiele und der Koran verantwortlich gemacht, eine Jungenkrise als Ursache ausgemacht oder eine psychologische Störung, die gestörte Kindheit darf ebenso wenig fehlen wie die Einsamkeit des Täters. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Erklärungsversuche haben alle eines gemeinsam: Sie sind keine Erklärungen, nicht einmal zum Versuch taugen sie. Wir nehmen dies zum Anlass, um eine kleine Skizze der möglichen Erklärungen zu verfassen:

Wie erklärt man einen Mord, Morde, wie den Mörder?

Zunächst zur Erklärung: Eine Erklärung lebt davon, dass sie nachvollziehbar ist. Kann kein Adressat nachvollziehen, wieso eine bestimmte Ursache zu einem Mord führen soll, dann ist die Erklärung sinnlos. Entsprechend muss eine Erklärung eine rationale Abfolge von Ursache und Wirkung, eine Kausalität beschreiben. Denn rationale Erklärung ist etwas, was Menschen aufgrund ihrer Alltagserfahrung nachvollziehen können. Eine Ehefrau hat ihren Ehemann vergiftet, um dessen Vermögen zu erben. Das ist nachvollziehbar, entspricht der Alltagserfahrung, die besagt, dass Menschen töten um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Offensichtlich ist die Forderung, nachvollziehbar zu sein, zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Anforderung an eine Erklärung. Es fehlt etwas Wesentliches: Die Prüfung der Erklärung. Im Falle der Ehefrau gibt es zwar ein Motiv, aber hatte sie auch die Gelegenheiten und die Kenntnis, um ihren Ehemann mit kleinen Gaben von Arsen langsam aber sicher ins Jenseits zu befördern? Kurz: Die Erklärung, sie muss prüfbar sein und sie muss so formuliert sein, dass sie sich auch als falsch erweisen kann.

Mit diesem Rüstzeug: Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit. Falsifizierbarkeit, kann man nun zur Erklärung von Mord und Mörder schreiten.

Der einfachste Mörder, den es zu erklären gibt, ist der rationale Mörder. Er mordet, um sich einen Vorteil zu verschaffen, um vom Tod des Ermordeten zu profitieren, als Erbe, durch Bezahlung, wenn es sich um einen Auftragsmord handelt, durch eigenes Überleben, wenn es sich um einen Soldaten handelt, der tötet, um nicht seinerseits getötet zu werden (vom Feind oder vom eigenen Erschießungskommando bei Befehlsverweigerung).

Die Erklärung dafür, fremde oder bekannte Menschen zu ermorden, sie ist in den Fällen, in denen eine rationale Rekonstruktion von Motiv, Gelegenheit und Fähigkeit zum Mord möglich ist, relativ einfach. Die rationale Rekonstruktion beruht darauf, dass mit dem Mord ein wie auch immer gearteter Nutzen erreicht wird.

Aber wie ist das beim crime passionelle, mit dem Hercule Poirot häufig befasst ist?

Evil under the sun.jpgAuch hier gilt: rationale Rekonstruktion ist möglich. Wer aus Leidenschaft mordet, der mordet, um etwas zu erreichen, zu verhindern, um etwas vorzuenthalten oder um dem Ermordeten etwas zu verweigern. Entsprechend sind auch Morde aus Leidenschaft in einer Weise rational rekonstruierbar, die den Mörder als kalkulierend und einer Handlungslogik folgend darstellt.

Was aber ist mit Morden, bei denen man vor einem Rätsel steht, weil der Mörder offensichtlich keinen Vorteil von seinem Morden hat? Entsprechende Morde fallen in die Kategorie der irrationalen Handlungen und sind somit ein Gegenstand der Psychologie, deren Vertreter dem Explanandum, dem zu Erklärenden auch regelmäßig mit ihren Begrifflichkeiten zu Leibe rücken. Nur eines tun sie nicht: Sie erklären den Mord nicht, denn ihre Erklärungen sind nicht unabhängig und meist auch nicht falsifizierbar. Gleiches gilt für die vielen Ideologen, die die Behauptungen vorbringen, die sie immer vorbringen, in der Hoffnung, dass sie dieses Mal als Erklärungen durchgehen, obwohl sie keine Erklärungen sind.

Nehmen wir den Mehrfachmörder aus München. Eine Vielzahl von Behauptungen darüber, was seine Tat erklären könnte, sind aufgestellt worden:

Innenminister de Maizière hat Killerspiele als Ursache behauptet.
Andere glauben die Ursache darin gefunden zu haben, dass der Mörder ein Muslim ist.
Wieder andere haben behauptet, der Mörder sei schizophren.
Und ganz andere haben ihn als Spitze des Eisberges einer Jungenkrise ausgemacht.

Alle diese Behauptungen haben eines gemeinsam: Sie sind keine Erklärung.

Wenn man Killerspiele, Religion, Schizophrenie oder Jungenkrise zur Ursache für den Mord an 10 Menschen aufbauen will, dann muss man zunächst die Frage nach dem Warum beantworten:

Millionen Menschen spielen Killerspiele, Milliarden Menschen sind Muslime, Hundertausende sind in Deutschland schizophren und von der Jungenkrise sind wiederum Millionen in Deutschland erfasst.

Warum mordet genau einer von Hundertausenden, von Millionen oder von Milliarden?

Diese Frage ist eine Frage nach den Randbedingungen. Unter welchen Bedingungen wird ein Killerspiel-Spieler zu einem real-time Mörder? Unter welchen Bedingungen wird ein Muslim zum Mörder von 10 Menschen? Unter welchen Bedingungen führt die Schizophrenie eines Menschen dazu, dass er 10 Menschen ermordet? Unter welchen Bedingungen wirkt sich eine Jungenkrise auf Jungen so verheerend aus, dass einer von Ihnen 10 Menschen ermordet?

Die Antworten auf diese Fragen, sie müssen in jedem Fall eine Reihe von Bedingungen ergeben, die genau drei Kriterien erfüllen:

  • Die Bedingungen müssen nachvollziehbar sein.
  • Die Bedingungen müssen prüfbar sein.
  • Die Bedingungen müssen falsifizierbar sein.

Wer also behauptet, Killerspiele seien verantwortlich dafür, dass Ali David Sonboli 10 Menschen umgebracht hat, der muss zeigen, wie Killerspiele, die Sonboli gespielt hat, Bedingungen geschaffen haben, die Sonboli gegenüber allen anderen Spielern von Killerspielen, die nicht morden, auszeichnen. Er muss eine Hypothese aufstellen, wie diese Bedingungen dazu geführt haben, dass Sonboli seine Morde ein Jahr lang geplant hat und letztlich ausgeführt hat, und er muss diese Hypothese prüfen, er muss sie unabhängig prüfen.

tautology secretEs reicht nicht, die fehlenden Bedingungen durch Mutmaßungen der Art: Wer Killerspiele spielt, verroht oder hat weniger Achtung für menschliches Leben ersetzen zu wollen. Ebenso wenig wie es reicht zu behaupten, dass die Lektüre des Koran radikalisiert und dem Morden zuträglich ist. Derartige Behauptungen müssen in Hypothesen übersetzt und nochmals: unabhängig geprüft werden, d.h. unabhängig von der Tat die Ali David Sonboli ausgeführt hat.

Spätestens hier erweist sich für die meisten Behauptungen, dass sie nicht einmal in die Nähe einer Erklärung kommen, denn alle, die Computerspiel-Behauptung, die Religions-Behauptung, die Schizophrenie-Behauptung und die Jungenkrise-Behauptung sind Tautologien, die den Beleg für ihre Richtigkeit in den Morden von Sonboli sehen.

Ebenso wenig wie man Alkoholismus damit erklären kann, dass jemand Alkohol trinkt oder Dummheit damit, dass jemand zwei und zwei nicht zusammenzählen kann oder Kriminalität damit, dass jemand ein Stück Seife im Supermarkt stehlen will, ebenso wenig kann man Morde wie die in München von Sonboli begangenen, damit erklären, dass er schizophren war, dass er Muslim war, dass er Killerspiele gespielt hat. Denn wären die Morde nicht geschehen, seine Schizophrenie wäre Schizophrenie geblieben, seine Religion und seine Tätigkeit vor dem Computer hätte niemanden zum Erklären von was auch immer veranlasst. So wie dies für all die anderen Millionen und Milliarden der Fall ist, die seine Religion oder seine Passion für Killerspiele teilen oder die schizophren sind.

Und wie erklärt man, dass Muslime in Frankreich und Deutschland derzeit in kurzen Abständen Morde begehen? Das ist eine Frage, der wir uns in einem weiteren Post zuwenden werden. Nur so viel vorweg: Es hat etwas mit Salience, Trittbrettfahren, öffentlicher Hysterie und gesellschaftlicher Marginalisierung zu tun.


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AfD, Hitlergruß, Lügenpresse – Funkes Kausalkette

Ein Beispiel für Hauruck-Suggestion aus dem Tagesspiegel:

facepalm-Godzilla„Angebliche Fußballfans, die den Hitlergruß zeigen, die erste Strophe der Nationalhymne singen und „Lügenpresse“ rufen: Die fremdenfeindlichen Gesten von mutmaßlich Rechtsextremen auf der Fanmeile am Brandenburger Tor am Sonntag haben nach dem Sieg der DFB-Elf gegen die Ukraine einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Nach Einschätzung von Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke sind die Vorfälle ohne Zweifel auf die rechten und islamfeindlichen Parolen von AfD und Pegida zurückzuführen. „Wir erleben seit knapp zwei Jahren eine Entfesselung der Ressentiments“, sagte der Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Der radikale Flügel der AfD um Alexander Gauland und Björn Höcke sowie die Pegida-Bewegung hätten einen „ethnozentrischen und rassistischen Nährboden geschaffen“, der Fremdenfeindlichkeit ein stückweit salonfähig gemacht habe, so Funke weiter.“

Zunächst die Haurucksuggestion zur instrumentellen Konditierung der Empörungsbereiten:

  • Logik f dummiesKonditionierter Stimulus: Rechte zeigen Hitlergruß. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Konditionierter Stimulus: Rechte singen die erste Strophe der Nationalhymne. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Instrumenteller Stimulus: Rechte rufen: Lügenpresse.
  • Reaktion, die konditioniert werden soll: Das macht man nicht. Das ist böse.

Nach dem Stück Dachlatten-Behaviorismus dessen Abschluss aus einem satten Fehlschluss der Bejahung des Konsequens besteht, denn nicht jeder, der den Begriff Lügenpresse benutzt, ist ein Nazi, wäre dem so, der Tagesspiegel wäre ein Nazi-Blatt, kommt der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke mit seinem Anschlag auf alles, was Wissenschaftlichkeit darstellt, zu Wort.

Wissenschaft, das zur Erinnerung, hat zum Ziel fundiertes Wissen zu erreichen. Fundiertes Wissen besteht aus Aussagen über die Empirie, die empirisch geprüft wurden und sich dabei bestätigt haben. In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen Aussagen, die einen Zusammenhang ausdrücken und solchen, die eine Kausalität beschreiben. Eine Zusammenhangsaussage wäre z.B.: Zwischen einem Interview von Hajo Funk im Tagesspiegel und einem Herzinfarkt bei einem Wissenschaftstheoretiker besteht ein Zusammenhang von r = .65. Ob Funke für den Herzinfrakt kausal ist, kann posthum nicht mehr festgestellt werden.

Um die Annahme einer Kausalität zwischen dem Interview von Funke und dem Herzinfarkt des Wissenschaftstheoretikers zu rechtfertigen, benötigt man eine theoretische Grundlage, z.B.: Der Wissenschaftstheoretiker hat sich immer sehr stark über angebliche Wissenschaftler, die in aller Öffentlichkeit ihre Ahnungslosigkeit über wissenschaftliche Methoden blosstellen, aufgeregt. Zuletzt hat er sich über Hajo Funke, der bar jeder methodischen Kenntnisse zu sein scheint, aufgeregt. Das war zuviel. Bestätigt sich die Kausalkette, dann hat Funke den Herzinfarkt zu verantworten, aber nur dann.

Schauen wir uns nun an, was Funke behauptet.

In Berlin haben Personen, die Funke nicht kennt, von denen er nichts weiß und von denen er nichts wissen kann und will, den Hitlergruß gezeigt, die falsche Strophe der Nationalhymne gesungen und Lügenpresse gesagt.

Dass sie das getan haben, hat seine Ursache nach Funke darin, dass es in Deutschland die AfD, Alexander Gauland, Björn Höcke und Pegida gibt. Sie alle haben mit „rechten und islamfeindlichen Parolen“ einen „ethnozentristischen und rassistischen Nährboden geschaffen.“

Die Kausalkette, die Funke da allen Erstes behauptet, sie lautet:

Gauland, Höcke, die AfD und Pegida skandieren rechte und islamfeindliche Parolen. Wenn Gauland, Höcke, die AfD und Pegida rechte und islamfeindliche Parolen skandieren, dann fallen die Parolen zu Boden und schaffen einen ethnozentrischen und rassistischen Nährboden, an dem sich wiederum Dritte gütlich tun, die Funke nicht kennt und nicht kennen will, die aber in Berlin den Hitlergruß zeigen und die falsche Strophe der deutschen Nationalhymne singen. Ach ja, und vor allem: Lügenpresse rufen.

Wer diesen Unsinn glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und unserem Wissenschaftstheoretiker ist auch nicht mehr zu helfen, er ist am Unsinn verendet.

Er hat den Funke hinter sich.

Vielleicht sogar die bessere Option.


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Pauschale Herabwürdigung von Flüchtlingen: Ist der Werberat noch logisch vertretbar?

Kennen Sie eigentlich den Roman „Berge des Wahnsinns“ von HP Lovecraft? Nein? Dann sollten Sie ihn lesen. Er ist nicht nur spannend, er enthält auch eine der besten Beschreibungen kultureller Degeneration einer Gesellschaft, die wir kennen und somit eine der besten Darstellungen des Zyklus von Gesellschaften, wie ihn Ibn Khaldun beschrieben hat.

Berge des WahnsinnsDas Bild, das Lovecraft für die Degeneration einer Gesellschaft findet, kann man am besten damit zusammenfassen, dass im Zeitverlauf die Mitglieder einer Gesellschaft nicht mehr in der Lage sind, die Leistungen, die ihre Vorgängergenerationen ganz selbstverständlich erbracht haben, zu erbringen. War es z.B. noch in den 1970er und 1980er Jahren an deutschen Hochschulen undenkbar, dass ein Student der Sozialwissenschaften nicht weiß, was Methode, Erkenntnisinteresse und wissenschaftstheoretische Grundlage seines Faches sind, so hat sich das mit dem Einzug der Gender Studies geändert. Nunmehr wird an Hochschulen etwas gemacht, das deshalb Wissenschaft sein soll, weil es an Hochschulen gemacht wird, wenn auch niemand weiß, warum und wozu es gemacht wird.

Das selbe Phänomen findet sich im Hinblick auf die deutsche Sprache, die eine Form der Bedeutungs-Entkernung erlebt. Im Ergebnis kennen Deutschsprecher, obwohl sie das deutsche Schulsystem durchlaufen haben, die Bedeutung von Worten nicht mehr (zeichnen eine Kurve in ein Koordinatenkreuz, obwohl die Aufgabe darin bestand, den ungefähren Verlauf der RegressionsGERADEN anzugeben) und sind insgesamt mit der Verwendung ihrer eigenen Sprache in Sätzen, die aus mehr als drei Worten bestehen (Ich will …, Ich habe… ) überfordert.

So überfordert wie der deutsche Werberat, der gerade eine Werbung der Sicherheitsfirma EEG Wermann aus Leipzig beanstandet hat. EEG Wermann wirbt für die eigenen Alarmanlagen unter anderen mit dem folgenden Hinweis:

EEG Wermann“Schützen Sie Ihr Heim! Ihre Sicherheit ist unser Anspruch! Viele neue Mitbürger reisen in unser Land und leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein, darum sollten auch Sie nicht zögern, ihr Eigentum, Gesundheit oder gar ihr Leben zu schützen. Wir bieten Ihnen eine preiswerte, komfortable und effiziente Alarmanlage“.

Deutsche Verbraucher sind ja, wie Sie vielleicht wissen, aus Sicht derer, die sich als Edel-Verbraucher oder Ober-Verbraucher oder besondere Verbraucher ansehen, ziemlich dumm, weshalb man sie schützen muss, vor „diskriminierender und angsterregender Werbung“ zum Beispiel. Und das haben die 15 Hanseln vom Werberat, der auf Denunziationsbasis tätigt wird, dann im Hinblick auf die soeben dargestellte Werbung aus Leipzig auch getan. Damit Leipziger nicht hinter den Flötentönen der Alarmanlagenkäufer-Fänger von EEG Wermann herlaufen, wurde die Werbung gerügt, und zwar mit folgendem Wortlaut:

“‘Die Werbung suggeriert absichtlich, dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind. Solche Firmenpropaganda würdigt Flüchtlinge pauschal herab und stellt einen eklatanten Verstoß gegen die Standesregeln der Werbewirtschaft dar‘“, sagte eine Sprecherin des 15-köpfigen Expertengremiums, das als Beschwerdeinstanz für Bürger gegen unangemessene Werbung vorgeht.“

Offensichtlich sind weder die Sprecherin noch die 15-köpfige-Expertenhydra der deutschen Sprache mächtig. Denn im Werbetext heißt es ausdrücklich: „leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein“. Nicht alle sind nicht alle. Und weil nicht alle nicht alle sind, deshalb gibt es auch weder die Aussage, „dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind“ noch werden „Flüchtlinge pauschal herab“gewürdigt, wie die Experten für logische Fehlschlüsse mit ihren 15 Köpfen behaupten.

Die Rüge des Werberates ist somit ein Beispiel für die Degeneration einer Gesellschaft in der es offensichtlich passieren kann, dass ein Stadion bis zum letzten Platz gefüllt ist und dennoch als halb leer bezeichnet wird, und es ist ein Beispiel für die Infantilität der 15-Köpfigen-Werbewächterhydra, die sich trotz ihrer 15 Köpfe nicht vorstellen kann, dass Flüchtlinge nicht die edlen Wilden sind, die schon Karl May verherrlicht hat, sondern ganz normale Menschen. Sie sind nicht besser und nicht schlechter als der Durchschnitt der Deutschen, und da es unter den Deutschen doch tatsächlich Kriminelle gibt, gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch unter Flüchtlingen Kriminelle oder wie EEG Wermann werbend schreibt: „leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein“. Nicht alle!

Das einzige rügenswerte Pauschalurteil, das Flüchtlinge dadurch herabwürdigt, dass es ihnen menschliche Normalität verweigert, in dem sie zu edlen Wilden, die gar nicht wissen, was Kriminalität ist, gemacht werden, stammt aus den 15-Köpfen der Werbewächter-Hydra, so dass man sagen kann: Nicht alle dieser 15 Köpfe haben nicht alle Tassen im Schrank. Ob das ein Kopf der Hydra versteht?

Ansonsten wird EEG Wermann vorgeworden, dass durch die Aussagen der Werbung „bei den Umworbenen Angst erzeugt“ werde. Die 15-köpfige Hydra des Werberats ist also der Meinung, wer das liest bekommt Angst. Einmal davon abgesehen, dass die Werbewirkungsforschung wenn es darum geht, die Wirkung von Werbung zu bestimmen, eher bescheidene Ergebnisse zu Tage fördert und gar keine Ergebnisse, die eine derartige Stimulus-Response-Wirkung zeigen würden, wie man sie beim Werberat phantasiert, ist die Aussage schlicht falsch, denn die Angst muss nicht erzeugt werden, sie ist bereits vorhanden. Das zeigt eine eine Umfrage von Infratest Dimap, bei der 59% der Befragten angeben, sie würden eine Zunahme der Kriminalität durch den Zuzug von Flüchtlingen befürchten und je 53% angeben, vor einem Taschendiebstahl oder einem Einbruch in ihre Wohnung Angst haben. Vielleicht sollte die 15-köpfige Werbewächter-Hydra sich etwas mit der Realität befassen und Nachhilfe in Deutsch und in Logik nehmen. Vielleicht führt dies ja in einem der 15 Köpfe zu einer nachhaltigen Einsicht.

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