Nicht einmal als Papst ist man noch davor sicher, bestohlen zu werden.
Für das Portal „Retraction Watch“ ist Peter J. Schulz, der an der Universität von Lugano eine Professur innehat, kein Unbekannter. Drei Fälle hat das Portal bereits dokumentiert, in denen Schulz die Äußerungen anderer als die eigenen ausgegeben, in denen er plagiiert hat oder in politisch korrekt: in denen er nicht kenntlich gemacht hat, dass das, was er schreibt, nicht von ihm stammt.
Der neueste Vorwurf, den man wohl angesichts der Beweislage als erwiesen ansehen kann, lautet einmal mehr auf Plagiarismus. Dieses Mal hat Schulz u.a. eine Publikation von Karel Wojtyla, Papst Johannes Paul dem II ausgewertet und für seine Zwecke benutzt. Unter anderem die folgende Passage hat Schulz für sich reklamiert, tatsächlich stammt sie von Karel Woityla, der sie unter dem Titel „On Person and Subjectivity“ veröffentlicht hat.
“The passage of the „Ego“ seems to be important since it could be understood as an indicator of the primordial uniqueness of the human being, and thus for the basic irreducibility of the human being to the natural world. This assumption forms the basis of understanding the human being as a person. Traditional Aristotelian anthropology was based on the definition anthropos zoon noetikon (homo est animal rationale). This definition fulfills Aristotle’s requirements for defining the species (human being) through its proximate genus (living being) and the feature that distinguishes the given species in that genus (endowed with reason). At the same time, however, the definition is constructed in such a way that it excludes – at least at first glance – the possibility of accentuating the irreducible in the human being. In this definition the human being is mainly an object, one of the objects in the world to which the human being visibly and physically belongs. In this perspective, objectivity was connected with the general assumption of the reducibility of the human being. The term subjectivity, on the other hand, proclaims that the human being’s proper essence cannot be reduced and explained by the proximate genus and specific difference. In other words: Subjectivity is a synonym for the irreducible in the human being.”
Bei Peter J. Schulz ist die zitierte Passage komplett in seinem Beitrag „Subjectivity From a Semiotic Point of View“ übernommen und als Eigenleistung ausgegeben.
Peter Schulz, “Subjectivity from a Semiotic Point of View,” in Nordic-Baltic Summer Institute for Semiotic and Structural Studies, Part IV. Ecosemiotics: Studies in Environmental Semiosis, Semiotics of the Biocybernetic Bodies, Human / Too Human / Post Human, edited by Eero Tarasti, Richard Littlefield, Lotta Rossi, Maija Rossi (International Semiotics Institute, 2001): 149-159.
„The chapter appears to consist substantively of texts pieced together from various authors without quotation marks, either with inadequate attribution or no attribution at all.
The document accompanying this letter highlights select passages from the article that are taken verbatim or near verbatim from works by other authors. As the document makes evident, the fundamental problem is that readers of the chapter have no way of knowing that sentences and paragraphs that appear to be written by Prof. Schulz are in fact verbatim and near verbatim extracts from other authors. A range of citation problems appear to plague the chapter; even when at times the original sources are listed in the bibliography and referenced with an in-text citation, in the absence of quotation marks the reader has no way of knowing that the sentences are verbatim the work of authors other than Prof. Schulz.
For significant portions of the article, the writings of Pope John Paul II, Anthony Kenny, and Calvin Schrag appear in the article, and no reference to their work is given anywhere in the chapter. We believe that these three undocumented sources in particular constitute the core of the article.“
Retraction Watch hat einen Brief von Dougherty und 13 anderen Unterzeichnern dokumentiert, in dem der Beitrag von Schulz mit den unzitierten Originalen verglichen werden. Wörtliche Übereinstimmungen sind mit gelbem Textmarker kenntlich gemacht. Der Text von Schulz ist nach dieser Überarbeitung nahezu vollständig gelb. Besonders perfide ist eine lange Textstelle, die Schulz komplett von Anthony Kenny übernommen hat, nicht ohne eine Eigenleistung zu erbringen. Kenny nennt seinen eigenen Namen im Rahmen eines Beispiels. Schulz hat den Namen Anthony Kenny mit Peter Schulz ersetzt. Das ist die Eigenleistung.
Wie man sieht, ist im universitären Kontext nichts mehr heilig, was einst heilig galt. Selbst ein Papst wird der neuen Profanität geopfert, die dem eigenen Fortkommen keinerlei moralische Bedenken oder gar Erwägungen wissenschaftlicher Lauterkeit oder von Anstand in den Weg legen will.
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„Selbst ein Papst wird der neuen Profanität geopfert,……“Warum sollte man vor der „profanen Beschaffenheit“ eines Papstes halt machen?
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