Tracked! Alles Leben ist überwacht werden

Jetzt wollten wir unseren Lesern von einem Ausflug vorschwärmen, grüne Wiesen, rolling hills, great vistas und …

Nein.
Das geht nicht.
We are tracked.

Und wir nehmen, wie Deutsche und die EU, das tracken und den Datenschutz sehr ernst. Wir erklären Datenschutz, unseren Datenschutz, zu unserem Ziel.

Denn: We are tracked.

Es beginnt schon damit, dass wir mit dem Auto zu unserem Ziel gefahren sind, einem festgelegten Ziel, mit festen Koordinaten im Refrence Grid: SN522181. Kein Entkommen:

Tracked!

Mit dem Auto: Kilometerzähler; GPS; Sattelite Navigation System; Benzinanzeige; Nummernschild; Fünf Tracker in einem Auto. Die fünf, die uns einfallen oder auffallen.

We are tracked: Multiple Tracking Victims.

Aber das Auto ist nicht alles.

Die Erde tracked uns auch. Mit ihrer konstanten, nahezu konstanten Rotation, der resultierenden Regelmäßigkeit und dem Ergebnis von Tag und Nacht, schlimmer noch, mit der Uhr. Die Erde und ihre Uhr, sie tracken uns 24/7. Machen es möglich, uns an einem Raum-Zeitpunkt dingfest zu machen. Zerstören unser Recht auf Anonymität. Tampern mit unseren Daten, unseren persönlichen Daten…

Waren Sie am X.Mai 2018 um 15.27 und 53 Sekunden nicht auch in Z?

So fängt es an, Orwell ist das Ende.

We are tracked.

Es gibt kein Entkommen.

Man kann nur hysterisch werden oder ins Internet gehen, um sich dort auszuweinen, im Forum derer, die darüber jammern, getrackt zu werden: Nutzer, die sich darüber ausgeweint haben, haben auch darüber gejammert. Sie kennen das: Tracked.

Tracked und wichtig.
Jeder interessiert sich.
Jeder späht in die Privatsspäre.
Jeder sammelt Daten, ihre Daten, ihre wichtigen Daten, um Jammervorschläge zu unterbreiten: Wer dreimal jammert, erhält einmal jammern umsonst…

Ganz zu schweigen von Cambridge Analytica: Datensammler par excellence und größter Humbug aller Zeiten.
Aber erfolgreich.

Film über Web Content Management

Nie war ein Unternehmen damit erfolgreicher, eine Phantasie in Datenmissbrauch in vielen Köpfen zu erzeugen. Die Vorstellung, die eigenen Daten würden missbraucht, hat etwas. Sie ist konstitutiv. Sie macht Persönlichkeit. Sie gibt Wichtigkeit. Die eigenen Daten sind wichtig, interessieren alle. Man muss auch wichtig sein.

Schade nur, dass Cambridge Analytica Humbug-Elixier an Gutgläubige verkauft hat.

Aber das Tracken geht weiter. Die Angst, getrackt zu werden, sie schwillt ins Megalithische:

IP und Personalausweis, Reisepass, Blutspendeausweis, Organspendeausweis, Mitgliedskarte, Mitgliedskarten, Führerschein, Onlinebanking Zugang, Browser History, …

Die ganze Welt ist ein einziger tracking device.
Zeit eben, hysterisch zu werden, aber nicht vollumfänglich, nur partiell: Hysterisch über fehlenden Datenschutz im Internet, über Tracking im Internet.

Tracking am Flughafen? Tracking auf der Autobahn? Tracking mit der Kreditkarte? Tracking mit dem Handy? Tracking durch das Finanzamt, die Steuerfahndung, das Einwohnermeldeamt, die Rechtsanwaltskanzlei XY, die Schufa oder die Gebühreneinzugszentrale, die Krankenkasse, die Lebensversicherung, die Post mit dem Nachsendeauftrag, die ständigen Telefonanrufe von in Not geratenen Enkeln und Gewinnverteilern, Werbern und Betrügern?

Nein, man muss seine Kräfte bündeln und sich ablenken von den realen Problemen.

Stürzen wir uns auf das Internet, auf Tracking und IT, auf den vermeintlichen Missbrauch von Daten im Internet… Das Internet hat mit den Misslichkeiten des täglichen Lebens wenig zu tun. Das Internet ist Neuland, man braucht nichts zu wissen und kann alles behaupten. Die optimale Spielweise für die Surrogat-Befriedigung und die Illusion, man werde durch diejenigen, die täglich tracken, kontrollieren und überwachen vor dem Internet geschützt.

Es lebe der Wahnsinn.

Und wer herausfindet, wo wir gestern waren, den laden wir, falls er sich jemals in der Gegend aufhält, die wir aus Datenschutzgründen nicht nennen, die man aber leicht tracken kann, zu einem Kaffee in unserem Lieblingsrestaurant am Meer ein, das wir aus Datenschutzgründen ebenfalls nicht bezeichnen.

Am Ende sind dort alle Plätze besetzt, wenn wir das Restaurant das nächste Mal besuchen.

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2 Responses to Tracked! Alles Leben ist überwacht werden

  1. zawehn says:

    Im Botanischen Garten sehe ich kein Meer, nur ein Meer von Blumen.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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