Rückkehr des Holzhammers: Klimafreundliche Narkose

Keine Sorge, wir haben uns in der Überschrift einen Scherz erlaubt.
Es ist kein Holzhammer…

Ein Leser hat uns einen Beitrag aus dem Hessischen Ärzteblatt geschickt, einer jener Tummelplätze für Aktivisten, die ihr Bemühen, die Besten unter den Guten zu sein, vom ärztlichen auf das tugendwedelnde Feld verlegt haben. Warum das so ist, darüber muss man vermutlich nicht spekulieren… Ferdinand Lehmann und Michael Sander, beide von der Universitätsklinik in Gießen, sind angetreten und haben der Anästhesie mit Desfluran den Krieg erklärt, denn Desfluran ist einer jener “halogenisierten Kohlenwasserstoffe”, die  gemeinsam mit Lachgas, das Bewusstsein des zu Behandelnden so trüben, dass er von der versammelten Ärzteschar in einer Weise behandelt werden kann, die weder vor tiefen Einschnitten noch Gesäge an Knochen oder Kopfeinfassungen halt macht.

Einst war man der Ansicht, Anästhesie, die Kunst, einen Patienten in einen künstlichen Schlaf zu versetzen, um ihm die heftigsten Schmerzen des gutgemeinten (hoffentlich) ärztlichen Eingriffs zu ersparen, sei eine gute Sache. Heute wird diese gute Sache problematisiert und unter der “anthropogenen Klimakrise” abgehandelt. Diese, so informieren Lehmann und Sander ihre Leser gleich im ersten Satz, sei eine der “bedeutendsten medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.”

Wohlan.
Die anthropogene Klimakrise, die im Wesentlichen aus einer Verbackofisierung des menschlichen Daseins bestehen soll, sie sieht derzeit so aus:

Quelle: Dr. Roy Spencer

Die anthropogene Klimakrise hat derzeit kataklysmische 0,23 Grad angenommen, und wie wir alle wissen, ist deshalb die Antarktis abgeschmolzen, die Nordwestpassage ist frei befahrbar, Freibäder sind in Deustchland auch im Winter geöffnet und all diejenigen, die auf Abkühlung hoffen, hoffen vergeblich. Die Erde verbrennt. Jeder sieht das. Jeden Tag. Wir in Wales sehen das seit Wochen, und würde nicht ab und an ein typischer waliser Regen dafür sorgen, dass der Garten zum Sumpf wird, er wäre längst zur Sahara geworden. Merke: Auch wenn es nicht so aussieht, es ist doch so. Das Gefährliche am anthropogenen Klimawandel besteht darin, dass er sich unbemerkt, ohne dass man Anzeichen für ihn entdecken kann, vollzieht, im Stillen, verschwiegen, auf seine Gelegenheit, alles mit Brandrodung zu überziehen, wartend.

Aus diesem Grund müssen diejenigen, die Einsicht erlangt haben in das, was unsHerkömmlichen verschlossen bleibt, deshalb müssen die Hohepriester des Brandkults ihre größere Einsicht in größere Übertreibung packen und mit Adjektiven hausieren, die aus dem übergeschwappten Wasserglas einen Tsunami an der Ostküste der USA machen. Wir zitieren aus dem Werk von Lehmann und Sander:

  • “rasend schnell zunehmende Beeinträchtigung der Ökosysteme”,
  • “Wohlstand substanziell bedroht”,
  • “Folgen für die menschliche Gesundheit bereits jetzt klar belegt”,

Es reicht nicht mehr, dass etwas schnell zunimmt, es muss “rasend schnell” zunehmen, also schneller schnell oder rasender rasend. Wohlstand ist nicht bedroht, sondern substantiell bedroht [falls jemand den Unterschied kennt, bitte als Kommentar], Folgen sind nicht nur belegt, sondern klar belegt, was die Frage aufwirft, wie ein unklarer Beleg aussieht. Die Beispiele machen deutlich, dass die Autoren entweder in einem Hysterie-Frame unterwegs sind oder einen solchen erzeugen wollen, oder beides, ihre Hysterie mit ihren Lesern teilen wollen.

Der hysterischen Einleitung folgt die Darlegung des Anästhesie-Problems: das temporäre Einschläfern von Patienten mit Desfluran ist klimaschädlich und wenn es zwischen der Gesundheit von Patienten und der Gesundheit des Klimas zu wählen gilt, dann wählt der politisch-korrekt erscheinen wollende Tugendwedler natürlich das Klima: Progress demands sacrifice.

Um auch genug Wind für ihre gute Sache zu machen, behaupten Lehmann und Sander, die Menge an CO2, die in einer 7stündigen Operation, bei der auf Desfluran zurückgegriffen wird, damit der, an dem operiert wird, stillhält, entspreche der Menge CO2, die man, bei einer “Autoreise von Norwegen nach Südafrika” freisetzen würde. Wir wünschten, manche dieser Klima-Hysteriker würden eine solche Reise MIT DEM AUTO unternehmen, sie behaupten weiterhin, ein Umstieg von Desfluran auf Sevofluran sei der Umwelt zuträglich, habe Letzteres doch einen geringeren “CO2-Fussabdruck” und werben dafür, das Thema “Klimarelevanz volatiler Anästhetika mittels Fortbildung, Aufklebern mit Informationen bzw. QR-Codes an Narkosegeräten und Vaporen sowie Einstellung einer SOP [Standard Operating Practice] “Klimafreundliche Narkose”” populär zu machen.

Sie sind eben zwei ganz besonders gute, bewegte, besorgte, um ihren Status, ihr Ansehen und vielleicht sogar um das Klima Dr. meds. aus Gießen und darüber hinaus sind sie zwei Dr. meds., die ein Problem schaffen, das es nicht gibt, mit abstrusen Beispielen und falschen Berechnungen hantieren und offenkundig keinerlei ärztliche Praxis in dem Feld haben, in dem sie sich als Klimaärzte, als al-Ökoidas inszenieren wollen.

Und damit übergeben wir das Wort an einen unserer Leser. Er ist Anästhesist von Beruf, hat eine 23jährige Berufserfahrung und den Satz “Wir möchten gern insbesondere … Kollegen anderer anästheologischer Einrichtungen ermutigen …” zum Anlass genommen, eine eMail an Dr. med. Michael Sander, den klimabewegten Zweitautor zu schicken, eine eMail, die entgegen aller Ermunterung unbeantwortet geblieben ist, und schon deshalb wollen wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten:

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“Sehr geehrter Herr Professor Sander,

zu dem o.g. Artikel, der unter (Mit-) Angabe Ihres Namens veröffentlicht wurde, hätte ich anzumerken:

Eine balancierte Allgemeinnarkose über sieben Stunden mit einem Frischgasfluß von 2 l/min unter Verwendung von Desfluran ist meiner klinischen Erfahrung nach – diese umfaßt über 23 Jahre Tätigkeit als Anästhesist – alles Andere als gewöhnlich. Es spricht m. E. grundsätzlich nichts dagegen, auf Desfluran vollständig zu verzichten ; ich kann keine harte Indikation für seinen Einsatz erkennen.

Auch ist es übrigens möglich mit den Standardsubstanzen – z.B. Sevofluran – im Bereich von 0,7 -0,9 Vol.% also deutlich unter 1 MAC zu arbeiten, ohne jemals Probleme in puncto “awareness” , “vegetative Stabilität” etc. zu haben, entsprechenden Einsatz von z.B. Opioiden vorausgesetzt, was nicht notwendig zu Akkumulationsproblemen von z.B. Fentanyl führt: Ich habe eine erhebliche Zahl von Risikopatienten so behandelt und mußte bisweilen auch nach langdauernden Eingriffen sogar ohne die Möglichkeit einer Aufwachraumnutzung auskommen, was niemals zu den häufig befürchteten Komplikationen eines Opiatüberhangs geführt hat. Weiterhin ermöglichen fast alle heutzutage im Einsatz befindlichen Narkoserespiratoren Frischgasflußraten zwischen 0,5 und 1 l/min.

Dies nur zur Einleitung;

Ich finde den Tenor des Artikels insgesamt – wie übrigens die Gesamtausrichtung des HÄBl [Hessisches Ärzteblatt] in mancherlei Hinsicht – wieder einmal irritierend, was ich der Redaktion auch bereits mitgeteilt habe: Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich das Verlautbarungsorgan der hessischen Ärzteschaft mittlerweile wesentlich auch als Propagandavehikel für eine bestimmte politische Agenda versteht.

In diesem Zusammenhang geht es also um die Erzählung vom menschengemachten Klimawandel – bei Beobachtung der momentanen Gesamtsituation drängt sich der Eindruck auf, daß der “Klimalockdown” bereits vorbereitet wird ; aber das ist sicher wieder so eine Verschwörungstheorie. Konkret: Ich habe ernste Zweifel daran, ob alle Fragen, vor deren Hintergrund der derzeitige Klimaaktionismus geschürt wird, abschließend geklärt sind.

Daran ändern auch die im Duktus apodiktischer Gewißheit vorgetragenen Behauptungen des Artikels nichts, die auf die Quellen 1-6 referenzieren. Da die Thematik hochkomplex und nicht abschließend geklärt ist, kann es dahingestellt bleiben, ob die erwähnten Aussagen zutreffen oder nicht. Ich frage mich allerdings, was mit solchen Formulierungen wie z.B. ” … den äquivalenten CO2-Ausstoß einer Autoreise von Norwegen nach Südafrika.” bezweckt werden soll. Eine solche Reise würde also etwa 14.000 km umfassen. Bei einer Molmasse von 12g/mol für C und 16g/mol für O verbrennen also 12 gr. Kohlenstoff mit 32 gr. Sauerstoff zu 44 gr. CO2. Der Kohlenstoffmassenanteil von Ottokraftstoff liegt bei 84%. Unter der Annahme eines Kraftstoffmassenstroms von 8l/100 km ergibt sich bei einer Dichte von 0,75kg/l für Benzin: 44:12 x 0,84 x 8 x 0,75 = 185 gr./km Massenstrom für CO2. (Nach Schreiner: Basiswissen Verbrennungsmotor, ViewegTeubner 1. Aufl. 2011). Auf ca. 14.000 km kämen knapp 2600 kg CO2. Laut Quelle 7 hat Desfluran angeblich ein GWP (100) von 2540 – also “global warming potential” für 100 (!) Jahre , d.h. 1kg Desfluran wiese in 100 Jahren dasselbe “Erderwärmungspotential” auf wie 2540 kg CO2. Woher diese Zahlen kommen, wird auch in Quelle 7 nicht erklärt – schon gar nicht im Hinblick auf den Optimismus, dies auf 100 Jahre kalkulieren zu können.

Bei einer Dichte für Desfluran von 1,465 gr./ml und Gebinden, die in 240 ml – Größe angeboten werden, würden also für die im Artikel skizzierte 7-h-Narkose knapp drei Flaschen zu veranschlagen sein.

Würden Sie schon allein unter betriebswirtschaftlichen Gründen ernstlich in Erwägung ziehen, ein solches Narkoseregime zu propagieren? Ich schätze, daß allein der Preis für die Narkoseaufrechterhaltung unter solchen Vorgaben im dreistelligen €- Bereich pro 7-h – Narkose höher läge als z.B. mit Propofol 4-6 mg/kg x h für 80 kg, wobei ich diesbezüglich keine ausgewiesene Kenntnis habe, aber es übersteigt meine Vorstellungskraft, für eine Narkose, den Vapor dreimal füllen zu müssen – ich habe dergleichen in über zwanzig Jahren nicht erlebt. Es spricht nichts dagegen, Ressourcen zu schonen – insbesondere im Hinblick auf das in Ihrem Artikel ebenfalls anklingende Müllmanagement frage ich mich schon seit über 15 Jahren, wohin der ganze Einmalartikelwahnsinn eigentlich führen soll.

Aber was soll das propagandistische Tamtam von “ökologischem Fußabdruck einer Autoreise von Norwegen nach Südafrika” für eine Narkose? Hat dies am Ende gar etwas zu tun mit einem Ihrer Mitarbeiter aus der Sektion: Medizinische Informatik, der sonst eigentlich hauptsächlich mit Einlassungen aus dem Dunstkreis der Exekutive im Stile eines Herrn Lauterbach auffällt?

Ich finde es zunehmend befremdlich im (Zitat): “besten Deutschland, in dem wir je gelebt haben” und wünschte mir unaufgeregte und ideologiefreie Sachlichkeit zurück – gerade auch in Artikeln wie dem, der unter Nennung Ihres Namens jetzt im HÄBl veröffentlicht war.

Dieser ist sicher nur ein kleiner Baustein im Gesamtgefüge aber viele kleine Steine ergeben eben am Ende ein Mosaik.

Eine derartige Aufgeladenheit ,wie sie jetzt die offenbar “neue Normalität” geworden ist, hätte ich mir vor 6-8 Jahren nicht vorstellen können.

Mit kollegialen Grüßen
[…]
Facharzt f. Anästhesie

Einmal mehr zeigt sich, dass man entweder Wissenschaftler oder Tugendwedler sein kann. Ein Gutes hat das Ganze. Falls Sie vor einer Operation in Giessen stehen und ein Dr. Lehmann oder Sander als Anästhesiearzt auftaucht, dann suchen Sie das Weite, und zwar so schnell wie möglich.

Sie wissen schon: Wegen dem Holzhammer.


Quelle: Featured Image


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