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Protestdynamik: Sind zu viele Bauern der Ampel-Regierung Tod?

Als sich im Jahr 1989 dieselben Leute in der Nikolaikirche in Leipzig getroffen haben, die sich schon in den Monaten und Jahren davor in der Nikolaikirche getroffen haben, hätte wohl keiner, am wenigsten Egon Krenz, der Ende Oktober den Dachdecker aus dem Saarland, Erich Honecker beerbt hatte, gedacht, dass aus einigen Wenigen eine Massenbewegung entstehen würde, deren Mitglieder sich in wachsender Zahl jeweils an Montagen in Leipzig treffen, um über den dortigen Ring zu ziehen und gegen die SED zu demonstrieren?

Und wer hätte gedacht, dass damit das Ende der SED und damit der DDR eingeläutet wurde?

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Indes, die Dynamik von Massenbewegungen ist nicht unerforscht und auch die Dynamik der Leipziger Demonstrationen ist nicht unerforscht geblieben. Vor allem Karl Dieter Opp hat sich mit umfangreichen Studien zu den Leipziger Montagsdemonstrationen bemüht, die Frage, wie es im von IM wimmelnden und von der Stasi im Griff gehaltenen Ostdeutschland dazu kommen konnte, zu beantworten.

Man tut sich nicht leicht mit einer entsprechenden Antwort. Aber man kann  zumindest versuchen, sich einer Antwort zu nähern, etwa so:

Das ist die Erklärung, das theoretische Modell zur Erklärung der Montagsdemonstrationen, das Karl Dieter Opp unter anderem in seinem Beitrag „Explaining Revolutions From Below“ getestet und recht gut belegt hat.

Opp, Karl-Dieter (1989). Explaining Revolutions from Below: East Germany in 1989. The Independent Review 3(1): 91–102.

Teilnahme an Protest ist demnach eine Funktion aus (1)  dem Ausmaß der Unzufriedenheit [mit der Regierung] gewichtet um (2) den eigenen, wahrgenommenen Einfluss, ergänzt um (3) moralische Anreize, womit im Wesentlichen das Gefühl, zur Teilnahme verpflichtet, aus Solidarität zum Beispiel verpflichtet zu sein, beschrieben ist, um (4) soziale Anreize – Bekannte gehen, also gehen wir auch – und (5) wahrscheinlichen Repressalien, gewichtet mit der (6) vorhersehbaren Schwere der Repressalien durch die Akteure, gegen die sich der Protest richtet.

Überträgt man diese sechs Variablen auf den Protest der Bauern, dann muss kann man feststellen, dass die Zutaten dafür, zum Sturz der Regierung beizutragen, wenn nicht zu führen, für diesen Bauernprotest gegeben sind.

Einen guten Eindruck über die Vielzahl der Protestaktionen, die mit dem morgigen Tag beginnen werden, kann man sich auf dieser Google Map verschaffen.
Eine gute Quelle für aktuelle Informationen, ist dieser Telegram-Kanal [Bauern und Verbraucher geeint].


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Die Zutaten für eine Bewegung, die in ihrer Dynamik den Montagsdemonstrationen von 1989 entspricht, sind somit alle da.

Was am Ende der Montagesdemonstrationen stand, wissen wir alle.

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