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„Verwahrlosung“ in Deutschland. Die Selbstgerechten drehen durch

Für diejenigen unter uns, die sich mit Psychologie befassen, ist es ein offenes Geheimnis, dass jede Manie, wenn sie nicht frühzeitig behandelt wird, früher oder später damit endet, dass der Manische überschnappt. Was für Individuen gilt, gilt auch für gesellschaftliche Manien, wie sie sich in Deutschland offenkundig regelmäßig und im Abstand von spätestens 90 Jahren einstellen.

Es beginnt mit einer Übertreibung, die genutzt werden soll, um einen Anderen zu diskreditieren und sich selbst damit einen Vorteil zu verschaffen. Sagen wir: Die Bezichtigung, jemand sei rechtsextrem.

Ist eine solche Übertreibung erst einmal als Belohnungsstruktur etabliert, d.h., ist es schmarotzenden Akteuren, seien es pseudo-moralische oder monetäre Schmarotzer oder beides, erst einmal möglich, sich auf Basis der Bezichtigung, jemand sei rechtsextrem ein Auskommmen zu verschaffen, etwa als vermeintliche Stiftung, die ihr Dasein dem Kampf für das Gute, das dadurch erreicht wird, dass vermeintlich Rechtsextreme dehumanisiert und entmenschlicht werden, gewidmet hat, dann ist ein gesellschaftlicher Prozess eröffnet, der ins Manischen führen muss und nur mit einem großen Knall beendet werden kann.

Denn:

Und in Deutschland ist diese letzte Stufe erreicht.
Lediglich ein Video aus Sylt war dazu notwendig.

Ein Video, in dem offensichtlich angetrunkene und feiernde Personen, die mittlerweile ganz offen als Wohlstandsverwahrloste bezeichnet werden können, ihrer Meinung Ausdruck verleihen, dass Deutschland den Deutschen gehören und Ausländer raus müssten:

„Faeser verurteilte das Verhalten der jungen Menschen in dem Video scharf. „Wer Nazi-Parolen wie ‚Deutschland den Deutschen – Ausländer raus‘ grölt, ist eine Schande für Deutschland“, betonte die SPD-Politikerin gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Faeser warf die Frage auf, welches hasserfüllte Klima solche Leute dazu ermutige, sich so abgrundtief rassistisch in aller Öffentlichkeit zu äußern und „ob wir es hier mit Menschen zu tun haben, die in einer wohlstandsverwahrlosten Parallelgesellschaft leben, die die Werte unseres Grundgesetzes mit Füßen tritt“.“

Eine interessante Wortwahl, die Faeser in herausragend selbstgerechter Selbstgefälligkeit hier wählt: „wohlstandsverwahrlost“. Verwahrlosung ist mit dem Begriff „asozial“, ein Kernbegriff der nationalsozialistischen Hygienepolitik. Insofern ist die Verwendung des Begriffs durch jemanden, der die Verwendung vermeintlicher NS-Begrifflichkeiten gerade ganz furchtbar findet, eher befremdlich.

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Dirk Stegmann hat im Jahre 2017 den folgenden Text zum Konglomerat, zu dem „verwahrlost“ gehört, geschrieben:

„Die Verfolgung von sogenannten Asozialen im deutschen Faschismus ist nicht gänzlich unbekannt. … Ungleichwertigkeitsdenken und Ausgrenzung, die der Konstruktion „asozial“ zugrunde liegen, haben eine komplexe Geschichte, und die ist nicht vorbei. … „Gemeinschaftsfremd“, „arbeitsscheu“, „minderwertig“, „unangepasst“, „liederlich“, „verwahrlost“ oder „moralisch schwachsinnig“, das sind nur einige der Termini, die mit dem Stigma „asozial“ bereits verbunden waren. … Erst das NS-Regime konstruiert eine Definition. Demnach solle als „asozial“ gelten, „wer durch gemeinschaftswidriges, wenn auch nicht verbrecherisches Verhalten zeigt, dass er sich nicht in die Gemeinschaft einpassen will“.

<blockquote“> Stegmann, Dirk (2017). Arbeitsscheu und asozial. In: Allex, Anne (Hrsg.). Sozialrassistische Verfolgung im deutschen Faschismus. Neu Ulm: AG SPAK Bücher.

Interessant, dass die moralisch sich echauffierenden Selbstgerechten genau die Sprache verwenden, die sie bei anderen anprangern. Ein weiterer Beleg dafür, dass sich das politische Deutschland längst im freien Fall in den Wahnsinn befindet, aus den oben genannten Gründen und weil all die beschriebenen Eskalationen durch den Mob der moralisch entrüsteten Mitläufer verstärkt werden, Leute, die sich von ihrer Gefügigkeit, die gemeinhin durch Denunziation Anderer zur Schau gestellt wird, einen Platz im Pantheon der Selbstgerechten, ganz leistungslos, erhoffen. Und dass das, was in Shitstream-Medien wie der ARD mittlerweile als „Berichterstattung“ gilt, nicht mehr durch das Adjektiv „normal“ gedeckt ist, dürfte niemand bestreiten, oder?

Das ist die Besessenheit, die Arthur Miller in seinem Roman „The Crucible“, in dem die Hexenprozesse und vor allem die Hexenjagd von Salem, Massachusetts aus dem 17. Jahrhundert Gegenstand sind, beschrieben hat, eine manische Besessenheit sich als Guter, als moralisch Überlegener dadurch zu outen, dass man Verhalten anderer anprangert, immer in der bösartigen Hoffnung, diesen Anderen durch „den Staat“ bzw. „die Obrigkeit“ Kosten verursachen zu können.

Die Notdurft, sich als Guter zu erweisen, macht natürlich nicht vor Hochschulen halt, schon weil die Notdurft oft genug von dort ausgeht. Ergo wird an der HAW in Hamburg, der Hamburg University of Applied Science überlegt, ob eine Studentin, die im Sylt-Video, das längst Salem-Status hat, „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ äußert, exmatrikuliert wird. Für die Äußerung einer freien Meinung, die nach wie vor NICHT strafbar ist, aber seit den Nazis wissen wir ja, dass das, was als Asoziales, als Verwahrlostes gilt, nicht im Widerspruch zu Strafgesetzen, sondern zum ideologischen Diktum einer zunehmend den Bereich des Normalen verlassenden politischen Clique und derjenigen, die sich ihr willig zu Untertanen erklären, weil das Angebot, mit Bösartigkeit gegenüber anderen, sozialen Status erheischen zu können, doch zu verlockend auf diese Loser wirkt, stehen muss.

Und so überlegen die guten Menschen der Hamburg University of Applied Science ob sie mit Exmatrikulation auf die Meinungsäußerung einer Studentin auf Sylt reagieren, um sich auf diese Weise Browniepoints zu erwerben und nebenbei eine Biographie zu zerstören, was der Schwere des Delikts in den Augen dieser (wahnsinnigen?) Leute sicher angemessen ist.

Und in Magedeburg rennt ein denunziationsfreundiger Bürger, der in einem Auto das seit Sylt verbotene Lied inklusive nicht zulässiger Meinungsäußerung gehört haben will, zur Polizei, und die Polizei beschlagnahmt nach einer kurzen Verfolgungsfahrt, den Tonträger, auf dem die verdächtigen Laute vermutet werden.

Hadmut Danisch hat den Vorfall aus Magdeburg recht unterhaltsam beschrieben.

Bleibt festzuhalten, dass in Deutschland natürlich Meinungsfreiheit gilt. Es sei denn, die Meinung widerspricht dem, was in der Gemeinschaft und für die Gemeinschaft als akzeptabler Korpus von freier Meinung festgesetzt wurde, so dass derjenige, der seine Meinungsfreiheit dazu ausnutzt, vom Korpus abweichende Meinungen in freier Formulierung vorzutragen, offenkundig als jemand ausgewiesen ist, der durch „gemeinschaftswidriges, wenn auch nicht verbrecherisches Verhalten zeigt, dass er sich nicht in die Gemeinschaft einfügen will“… ein Verwahrloster eben, in der Diktion von Nancy Faeser, ein Meinungsverwahrloster …

Wer das für normal hält, der denkt vermutlich auch, die Ritter der Kokosnuss seinen eine Dokumentation tatsächlicher Verhältnisse im England von King Arthur …


 

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