Ein kurzer Test
Seit einigen Monaten hängt die AfD bei INSA in der Gegend von 29% und bei anderen Umfragen etwas tiefer. Der Anstieg in der Wahlabsicht zu Gunsten der AfD, der im März 2026 begonnen hat, stagniert spätestens seit Mai 2026, was so manchen Kommentator nicht nur auf X zu dem Schluss gebracht hat, dass an den Ergebnissen gedreht wird.
Wir haben keinen Einblick in die Samples der Umfrageinstitute, können, was die behauptete Repräsentativität betrifft, nur vermuten, wie sie letztlich herbeigerechnet wird, wissen nicht, ob bei der Auswahl der Befragten Schindluder getrieben wird und zudem nicht, ob Rundungsfehler eingesetzt werden, um das Ergebnis der Parteien zu beeinflussen. Das alles sind Methoden, die genutzt werden können und genutzt werden, um die Umfrageergebnisse nicht nur bei der Wahlabsicht in eine – vom wem auch immer gewünschte – Richtung zu manipulieren.
Wir haben bereits eine Reihe von Texten über die Art und Weise, in der Umfrageinstitute zu ihren Ergebnissen und den darauf basierenden weitreichenden Behauptungen gelangen, veröffentlicht. Sie umfassen die Alchemie der Gewichtung, die falsche Behauptung der Repräsentativität und vieles mehr, das der interessierte Leser über unsere Suchfunktion finden kann.
Was wir allerdings prüfen können, ist die statistische Wahrscheinlichkeit dafür, dass die veröffentlichten Ergebnisse in der veröffentlichten Weise überhaupt möglich sind.
Ausgangspunkt der Prüfung sind die Umfrageergebnisse der AfD für die letzten 12 Monate für einerseits INSA, andererseits ein Mittel, das wir über alle Umfrageinstitute (Yougov, Infratest, Forschungsgruppe Wahlen, Forsa …) berechnet haben:
Um die Werkzeuge zu schärfen, haben wir zunächst ausgeschlossen, dass die Verteilungen, die in der Abbildung oben zu sehen sind, zufällig zustande gekommen sind, die Umfrageinstitute also Ergebnisse erfinden.
Geprüft haben wir das mit einem Random Walk, der die Ausgangswerte für September 2025 als Startpunkt nutzt, die Standardabweichung der berichteten Werte und der statistischen Fehler einrechnet und mit dem wir versucht haben, die Abbildung oben zu replizieren.
Nach gut 100.000 Durchgängen mit unserer Software haben wir den Versuch eingestellt. Das oben dargestellte Ergebnis lässt sich weder für INSA noch für das Mittel über alle Umfrageinstitute per Zufall generieren.
Wer sich für das Modell interessiert:
Im zweiten Schritt haben wir untersucht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass die Umfragewerte der AfD unter Maßgabe des Verlaufs von September 2025 bis April 2026 ab Mai 2026 mehr oder minder stagnieren.
Das Modell ist weitgehend identisch mit dem Modell oben (außer, dass wir dieses Mal 200.000 Durchgänge gerechnet haben), das Ergebnis ist für INSA und den Mittelwert über alle Institute relativ gleich (Es zeigt sich lediglich, dass die Daten von INSA etwas unverlässlicher sind als die Mittelwerte über alle Umfrageinstitute – aber das ist wenig vewunderlich, wäre, wenn man Infratest gegen alle anderen Umfrageinstitute prüft, auch nicht anders):
- Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die AfD seit Monaten nicht mehr bewegt und mehr oder minder in der Gunst der Befragten der Meinungsforschungsinstitute auf der Stelle tritt, beträgt 13% bis 28% für die Daten von INSA und 20% bis 32% für die über alle Umfrageinstitute gemittelten Werte.
Mit anderen Worten: Die Umfrageergebnisse liegen im Bereich des Wahrscheinlichen, wenngleich eher im unteren Bereich des Wahrscheinlichen.
Wenn die Umfrageinstitute bei den Ergebnissen manipulieren, dann tun sie dies offenkundig in dem Bereich, der die Manipulationsergebnisse innerhalb der statistischen Wahrscheinlichkeit hält.

