Gestern fand eine Nachwahl zum House of Commons statt, die bislang noch keinen Niederschlag in der Deutschen Mainstream-Presse gefunden hat. Eigentlich ist das erstaunlich, wurde doch gestern der Nachfolger von Sir Keir Starmer bestimmt, sie erinnern sich vielleicht, der Mann hat bis er von seinen eigenen Leuten vor die Tür gesetzt wurde, den Premier Minister des Vereinigten Königreichs gespielt, war Vorgänger von “Andy”, dessen Name bereits sagt, um wie viel ihm die Schuhe eines PM zu groß sind.
Starmer wurde in den Wahlkreis “Holborn & St Pancras” importiert, weil der Wahlkreis einer der sichersten Labour-Wahlkreise ist. Seit der Wahlkreis 1983 geschaffen wurde, werden Labour Abgeordnete ins Parlament gewählt. Niemandem ist es bislang gelungen, die Phalanx der Labours in Holborn & St Pancras zu durchbrechen.
Auch bei der gestrigen Wahl ist das nicht gelungen.
Dürfen wir vorstellen: Der neue Abgeordnete für Holborn & St Pancras, der nunmehr das House of Commons mit seiner Anwesenheit beglücken wird:
Sagal Abdi-Wali, 1984 in Somalia geboren, 1991 ins UK gekommen, seit 2015 Mitglied der Labour Party, seit Oktober 2023 Vorsitzende von Labours National Women’s Committee. Das sind die wesentlichen Empfehlungen auf dem Sprung nach Westminster. Was Abdi-Wali studiert hat, sofern sie studiert hat, welchen Beruf sie erlernet hat, sofern sie einen Beruf erlernt hat, ist unbekannt. Bekannt ist, dass sie als Angestellte von Camden Council tätig war und über lokale Ämter für Labour in Camden Council aufgebaut wurde.
Abdi-Wali verkörpert die eine Seite des Wahlkreises von Holborn & St Pancras, die eine Seite des Janus-Gesichts von Labour, einer Partei, die Arbeit im Namen trägt, aber schon seit Jahrzehnten nichts mehr mit der arbeitenden Bevölkerung zu tun hat. Labour ist eine Partei, in der sich Gutverdienende und Oxbridge-Absolventen, die daraus einen Anspruch moralischer Überlegenheit ableiten, gemeinsam mit Vertretern der Benefits-Klasse, also von Leuten, deren Lebensunterhalt von anderen stammt, die auf “Stütze” leben, recht gut mittlerweile leben, treffen und die beiden Seiten von Labour formen, die nach außen nach wie vor als Teil derselben “Arbeiterpartei” verkauft werden.
Nichts könnte weiter von der Wirklichkeit entfernt sein.
Und beides wird in Holborn & St Pancras sehr deutlich.
Bleiben wir zunächst beim Wahlergebnis, das sich im Wesentlichen dadurch auszeichnet, dass die Wahlbeteiligung in dem Bereich zu finden ist, ab dem man von einer Delegitimation des Parteiensystems sprechen muss. Nur 38,8% der Wahlberechtigten haben sich dazu aufgerafft, ihre Stimme in eine Urne zu werfen, bei der letzten Wahl 2024 waren es noch 54,1%, schon damals eher am unteren Rand der Wahlbeteiligung.
Obschon “Labour” offiziell die Wahl gewonnen hat, hat Labour verloren, wie ein Blick auf unsere gewohnte Aufbereitung der Ergebnisse zeigt:
Gegenkandidat von Abdi-Wali war Zack Polanski, aka David Poulden, der Vorsitzende der Green Party, der sich Chancen ausgerechnet hat, ins House of Commons einzuziehen und dass er sich Chancen ausgerechnet hat, das hat weitgehend dieselben Gründe, die auch ursächlich für dieses Ergebnis sind: Muslime.
Letztlich haben sich die Greens und die Labour Party über die Stimmen der Muslime, die gemeinhin im Block abgegeben werden, vermutlich meistbietend, gestritten. Das bringt uns zurück zu den beiden Gesichtern von Labour, die kaum ein Wahlkreis so gut zum Ausdruck bringt, wie Holborn & St Pancras in London:
Eine schöne Abbildung, die Grok nach unseren Wünschen erstellt hat. Je dunkler das Rot, desto ärmer die Gegend, je heller das Rot, desto reicher die Gegend. In Holborn & St Pancras finden sich, wie in keinem anderen Wahlkreis die beiden Gesichter von Labour, bestehend aus Leuten, die gut verdienen und es sich vor diesem Hintergrund leisten können, tugendwedelnd durchs Land zu ziehen und andere dafür zur Kasse zu bitten, und Leuten, die eine Existenz auf Stütze führen. Fährt man von Camden Town im Süden des Wahlkreises nach Bloomsbury und Holborn an die Grenze zu Primrose Hill, dann wandert man aus der einen Labour Welt voller Sozialhilfe-Empfänger in die nächste Labour Welt der “Professionals”, gemeinhin Angehörige von Finanz- oder Schwätzberufen, die weit über Kompetenz verdienen.
Keine Gegenüberstellung macht dies deutlicher als die des Medianeinkommens mit dem durchschnittlichen Einkommen. Ersteres liegt bei 36.900 GBP, letzteres bei 81.800 GBP. Da der Median eine Verteilung in zwei gleichgroße Gruppen teilt, kann man den Abstand zum Durchschnittseinkommen nur damit erklären, dass viele Arme mit wenigen sehr Reichen im gleichen Wahlkreis koexistieren.
Ein Gegensatz, der Labour ist und mit einer Reihe von sozialstrukturellen Merkmalen einhergeht.
33,6% der Bewohner des Wahlkreises sind weiße Briten. Sie leben vornehmlich in den reichen Gegenden. 21,7% sind Asiaten, da 20% im Wahlkreis Muslime sind, kann man Asien als Bangladesh, Pakistan und Afghanistan bestimmen. 11% im Wahlkreis sind “Black”, d.h. sie stammen aus der Karibik oder aus Afrika, ein großer Teil aus Somalia. Alle diese Anteile liegen weit über bzw. unter dem nationalen Durchschnitt. Immer noch 75% der Briten sind weiße Briten, “nur” 6,5% sind Muslime um nur zwei Hausnummern zu geben.
55% der Bewohner von Holborn & St. Pancras wurden im Vereinigten Königreich geboren, der Rest ist seit 1999 zugewandert. Im nationalen Durchschnitt finden sich nach wie vor 83% Briten, die im UK geboren wurden. Der Anteil Erwerbstätiger in Holborn & St Pancras liegt weit unter dem nationalen Durchschnitt (rund 10%, bei 69%). 43% der Bewohner vornehmlich des südlichen Teils im Wahlkreis von Somers Town und Camden Town sind in Social Housing untergebracht, leben auf Miete in einer Wohnung, die der Gemeinde gehört. Die 24% Hausbesitzer (ein Anteil der weit unter dem nationalen Durchschnitt von 64% liegt) finden sich vornehmlich in Bloomsbury und Holborn und am Rand zum Regents Park unter den dort lebenden weißen Affluents.
Was über den Wahlkreis relativ gleich verteilt ist, sind inflationierte Hauspreise, die sich in durchschnittlichen Mieten im WC1 Kreis vn 3,500 GBP im Monat niederschlagen und den durchschnittlichen Verkaufspreis einer Immobilie in Holborn und St Pancras bei 750.000 GBP sehen.
Extreme, wie dieses, sind in Zeiten des Niedergangs eine normale Erscheinung. Und das Vereinigte Königreich befindet sich im Niedergang, Labour sitzt an der Grenze zwischen denen, die ihn beschleunigen und denen, die davon profitieren. Holborn & St Pancras ist exemplarisch dafür.
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