Öffentliche Schulen schaden der Gesellschaft

  • Mehr Kriminalität.
  • Mehr soziale Ungleichheit.
  • Weniger Toleranz.
  • Höhere Kosten.
  • Ungebildetere Bürger

Trotz aller Versuche, Forschung zu den heiligen Kühen der politischen Korrektheit zu verhindern, mehren sich die Studien, in denen genau das getan wird: Heilige Kühe werden hinterfragt, wie z.B. die in manchen Ländern zum Ende des 19. Jahrhunderts und in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfundene öffentliche Schulbildung nebst Schulpflicht.

Gewerkschaftsfunktionäre und Politiker halten die öffentliche Schulbildung für ein öffentliches Gut, einen Meilenstein in der Bildung der Bevölkerung, was kein Wunder ist, ermöglicht es ihnen die Bereitstellung öffentlicher Bildung doch, über das schulische Curriculum und die Randbedingungen, unter denen sich Schüler Bildung erkaufen müssen, deren Sozialisation in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Nun mehren sich nicht nur die Studien, die sich mit der Frage nach dem Wert von öffentlicher Schulbildung beschäftigen, es mehren sich auch die Ergebnisse, die zeigen, dass öffentliche Schulen verglichen mit privaten Schulen deutlich schlechter abschneiden, und zwar in allen Belangen.

Um nun all diejenigen, die mit rotem Kopf dasitzen und Bildung, nicht nur für Reiche, Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, in kurzem Stakkato hervorstoßen, zu beruhigen: Die moderne Variante von Schulbildung sieht so aus, dass

Gesellschaften Kindern im schulfähigen Alter ein Bildungsvoucher/einen Bildungsgutschein zur Verfügung stellen, das/der die Kosten der Bildung abdeckt.
Dieses Voucher/diesen Gutschein können die Eltern (und Schüler) an einer Schule ihrer Wahl einlösen.
Richtig: Schulen konkurrieren um Schüler. Private konkurrieren mit öffentlichen Schulen (solange es öffentliche Schulen noch gibt).

Wir haben auf ScienceFiles bereits eine Reihe von Studien besprochen, die zeigen, dass private Schulen im Vergleich zu öffentlichen Schulen besser abschneiden. Gabriel H. Sahlgren (2010) hat für Schweden eine die entsprechende Bestandsaufnahme gemacht. Schweden hat die oben beschriebene moderne Variante von Schulsystem, in dem die Eltern mit einem Voucher ausgestattet auf die Suche nach der besten Schule für ihre Kinder gehen können. Sahlgren hat die folgenden Ergebnissen berichtet:

  • Eltern von Kindern an privaten Schulen (profit und non-profit), sind mit den Schulen und der Leistung der Schulen zufriedener als Eltern von Kindern an öffentlichen Schulen.
  • Lehrer an privaten Schulen werden besser bezahlt als Lehrer an öffentlichen Schulen und sind mit ihrer Arbeit zufriedener als Lehrer an öffentlichen Schulen.
  • Schüler an privaten Schulen und vornehmlich an profitablen Schulen zeigen bessere Leistungen als Schüler an öffentlichen Schulen.
  • Schulen, die darauf ausgelegt sind, Profit zu erwirtschaften, haben eine deutlich geringere sozial ungleiche Zusammensetzung ihrer Schülerschaft als öffentliche Schulen oder private Schulen, die auf keinen Profit abzielen.
  • Schulen, die einen Profit anstreben, sind besonders erfolgreich, wenn es darum geht, Schüler aus der Arbeiterschicht oder Migranten zu einer guten Schulausbildung zu verhelfen, sie sind viel erfolgreicher als öffentliche Schulen oder private Schulen, die keinen Profit anstreben.
  • Schließlich finden sich in Schulen, die einen Profit anstreben, im Vergleich zu anderen Schulen, keine Geschlechtseffekte, d.h. keine Nachteile für Jungen.

Demgegenüber steht z.B. die Mängelliste des öffentlichen deutschen Bildungssystems:

Das deutsche Bildungssystem selegiert wie kaum ein anderes nach der sozialen Herkunft: PISA, TIMSS und IGLU, sie alle zeigen, Kinder aus der Arbeiterschicht oder der angeblich “bildungsfernen Schicht”, haben erhebliche Nachteile:

  • Sie müssen bessere Leistungen erbringen, um dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten, wie z.B. Akademikerkinder.
  • Sie landen viel häufiger auf Sonderschulen und Hauptschulen und häufiger auf Realschulen als z.B. Akademikerkinder.
  • Sie erzielen viel seltener ein Abitur oder einen Fachhochschulabschluss als z.B. Akademikerkinder.
  • Sie finden sich sehr viel seltener auf Universitäten ein als Akademikerkinder und diejenigen, die sich einfinden, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, das begonnene Studium abzubrechen als Akademikerkinder.

Wenn es darum geht, nach der sozialen Herkunft zu filtern, dann erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.
Nicht nur Kinder aus der Arbeiterschicht haben im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile, ja werden im deutschen Bildungssystem benachteiligt, sondern auch Jungen.

  • Jungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, von der Einschulung zurückgestellt zu werden als Mädchen.
  • Jungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sitzen zu bleiben als Mädchen.
  • Jungen haben eine viel höhere Wahrscheinlichkeit auf eine Sonderschule abgeschoben zu werden als Mädchen.
  • Jungen müssen bessere Leistungen erbringen als Mädchen um dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten.
  • Jungen sind viel häufiger auf Sonder- und Hauptschulen zu finden als Mädchen, dafür seltener auf Realschulen und Gymnasien.
  • Entsprechend bleiben Jungen viel häufiger ohne einen Abschluss oder erreichen nur einen Hauptschulabschluss als Mädchen und sie erreichen deutlich seltener eine Hochschulreife als Mädchen.

Wenn es darum geht, Bildungskarrieren nach Geschlecht zu selegieren, dann erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.

Auch Migrantenkinder werden in deutschen Schulen selegiert. Obwohl die meisten Migranten in dritter oder vierter Generation in Deutschland leben, bleiben ihre Schulergebnisse deutlich hinter den Ergebnissen deutscher Schüler zurück. Die Liste der Nachteile liest sich fast identisch:

  • Kinder aus Migrantenfamilien haben eine höhere Wahrscheinlichkeit von einer Einschulung zurückgestellt zu werden als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien bleiben häufiger sitzen als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien finden sich häufiger auf Sonder- und Hauptschulen, dagegen viel seltener auf Gymnasien als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien finden sich nur selten unter Studenten.

Auch im Hinblick auf die Selektion von Migrantenkindern erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.
Alle berichteten Ergebnisse sind wiederholt in den verschiedensten Untersuchungen berichtet worden. Die Berliner Element-Studie, die Hamburger Lau-Studien, die PISA-Studien, die TIMSS-Studien, die IGLU- und PIRLS-Studien, sie alle haben diese Ergebnisse berichtet. Man muss die Ergebnisse daher als empirisch gesichert ansehen.

Dieser Versagensliste stehen Ergebnisse aus einer mittlerweile stattlichen Anzahl von Studien gegenüber, die Corey A. DeAngelis für CATO zusammengestellt hat. Sie zeigen, dass private Schulen öffentlichen Schulen in jeder Hinsicht überlegen sind. Schüler, die an privaten Schulen ausgebildet wurden, sind toleranter, werden seltener straffällig als Schüler, die an öffentlichen Schulen ihr Dasein fristen mussten und, wichtiger noch: Schüler, die an privaten Schulen gelehrt wurden, sind insgesamt besser gebildet als Schüler, die öffentliche Schulen besucht haben. Private Schulen sind sozial durchlässiger als öffentliche Schulen, d.h. sie reduzieren die soziale Ungleichheit und alles zusammengenommen sind private Schulen für eine Gesellschaft die billigere Option. Über das Leben eines Schülerjahrgangs gerechnet, belaufen sich die Mehrkosten, die für eine öffentliche Bildung bei gleichzeitiger schlechterer Ausbildung und Leistung der Schüler erbracht werden müssen, auf knapp 50% des Bruttosozialprodukts eines Jahres der entsprechenden Gesellschaft.

Für Deutschland sind das immerhin 1.7 Billionen Euro.

Aber natürlich werden derartige Ergebnisse die Kaste der Funktionäre, die auf dem öffentlichen Bildungssystem sitzt, nicht beeindrucken, schon weil es Rückmeldungen aus der Realität sind. Die Fragen, ob die beste Bildung für Schüler bereitgestellt wird, ob die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems optimal ist, ob Schüler seltener zu Straftätern werden, sind für Funktionäre von Gewerkschaften und Parteien zweitrangig oder irrelevant. Denn ihnen geht es um Kontrolle. 2

Aber natürlich werden derartige Ergebnisse die Kaste der Funktionäre, die auf dem öffentlichen Bildungssystem sitzt, nicht beeindrucken, schon weil es Rückmeldungen aus der Realität sind. Die Fragen, ob die beste Bildung für Schüler bereitgestellt wird, ob die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems optimal ist, ob Schüler seltener zu Straftätern werden, sind für Funktionäre von Gewerkschaften und Parteien zweitrangig oder irrelevant. Denn ihnen geht es um Kontrolle. Öffentliche Schulen sind ein hervorragendes Kontrollinstrument. Jeder ideologische Blödsinn, von der Nachhaltigkeit bis zum Rassismus kann auf den Lehrplan gesetzt werden, um auf diese Weise den Horizont von Schülern so einzuengen, dass keine abweichenden Ideen entwickelt werden. Nicht zu vergessen, Gewerkschaften leben von öffentlichen Schulen. Müssten sie an privaten Schulen agieren und Lehrern, die nach Leistung bezahlt werden und nicht nach Tarifvertrag, erklären, wozu sie gut sind, Gewerkschaften wären schnell vom Erdboden verschwunden. Also werden die bessere Bildung, die geringere soziale Ungleichheit und die geringeren Kosten der Bildung geopfert, damit Funktionäre auch morgen noch sorgenlos von Bürgern leben können.

Sahlgren, Garbiel H. (2010). Schooling for Money: Swedish Education Reform and the Role of the Profit Motive. London: Institute of Economic Affairs (IEA), IEA Discussion Paper No. 33.

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Leitlinien liberaler Bildungspolitik

Manchmal scheint ein Licht am Ende des Tunnels. Selbst im Bereich der (schulischen) Bildung gibt es flackernden Kerzenschein in Deutschland zu beobachten, flackernden Kerzenschein der es ermöglicht einen mit “Bildungspolitik in Brandenburg” überschriebenen Beitrag zu lesen. Kristina Kämpfer hat diesen Beitrag mit dem langweiligen und abschreckenden Titel verfasst und in diesem Beitrag, auf den Seiten 12 bis 19 die Leitlinien liberaler Bildungspolitik versteckt.

light tunnelVermutlich muss man Anklänge an Liberalität im Deutschland des Jahres 2014 verstecken, denn Liberale wollen den Staat stutzen, jenen Staat, der in Deutschland immer mehr Anhänger findet, weil immer mehr bei ihm beschäftigt sind oder von ihm abhängig gemacht werden – und wer beißt schon die Hand, die ihn füttert?

Einschub: Das Wachstum des staatlichen Molochs hat mit der Mutation der Dienstleistungsbranche in ein Beraterunwesen zu tun. Die Mutation beginnt in der Regel mit der Schaffung von Studiengängen, wie dem zum Sexologen. Sexologen, werden sie erst einmal auf Menschen losgelassen, schaffen sich ihre eigene Nachfrage, indem sie neue vermeintliche Krankheiten oder Leiden definieren und sie Menschen, die nur allzu willig sind, ihre langweilige Existenz mit mehr oder weniger imaginierten Problemen anzufüllen, aufzuschäwtzen. Letztere fühlen sich existent und wichtig wenn sie leiden: crudito ergo sum. Ist die Nachfrage geschaffen, fehlt noch die Finanzierung, die, angesichts der Nachfrage, die nunmehr zum Indiz für einen Bedarf geworden ist, natürlich über die Krankenkassen erfolgt: Fast ein perfektes perpetuum mobile, mit dem sich die Mittelschicht selbst versorgt, und zwar auf Kosten der Arbeiterschicht, denn es sind Kinder aus der Mittelschicht, die Unsinn wie Sexologie studieren, und es sind eingebildete Kranke aus der Mittelschicht, die auf Kosten der Krankenkassen dieses neue Krankheitsangebot nachfragen.

Doch zurück zur liberalen Bildungspolitik von Kämpfer, deren Leitlinien wie folgt zusammengestellt werden können:

  • (1) Chancengleichheit im Zugang zu Bildung, d.h. keine Hürden beim Zugang zu Grund- und weiterführenden Bildungsangeboten.
  • (2) Bildung ist ein Bürgerrecht – Menschen haben entsprechend einen Anspruch auf Bildung. Zudem ist Bildung eine “entscheidende Komponente einer klugen Wirtschaftspolitik” (14).
  • (3) Bildung schafft Humankapital und ist entsprechend als “eine Investition in die Zukunft” anzusehen.
  • (4) Dem Staat obliegt es, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, allgemeine Standards zu definieren und den Zugang zu Bildungseinrichtungen zu sichern.
  • (5) Bildungseinrichtungen müssen selbständig und frei agieren. Sie müssen im freien Wettbewerb zueinander stehen, d.h. es muss private Bildungseinrichtungen mit denselben Rechten geben wie öffentliche Bildungseinrichtungen, sofern es letztere überhaupt gibt.
  • (6) Frühkindliche Betreuung soll in ausreichendem Maße vorhanden sein, wobei durch die Ausbildung des pädagogischen Personals für eine gewisse Mindestqualität gesorgt werden soll.
  • (7) Lehrpläne sollen abgeschafft und durch “Lernziele in Form von Mindesstandards” ersetzt werden (18).
  • (8) Die Einhaltung der Mindeststandards und die Leistungsabnahme erfolgt durch unabhängige, externe Evaluation, die von entsprechenden Service-Instutionen durchgeführt wird.
  • (9) Die Finanzierung des Bildungssystems erfolgt über Bildungsgutscheine, die bei Bildungseinrichtungen eingelöst werden können.
  • (10) Schulämter können aufgelöst werden.

School-voucherPrinzipiell kann man diesen Leitlinien, die weitgehend auf Eigenverantwortung und Wettbewerb basieren, zustimmen. Die Sicherstellung von Chancengleichheit (1) im Zugang zu Bildung ist grundlegend für eine liberale Bildungspolitik. Allerdings ist es dazu nicht notwendig, Standards durch den Staat (4) formulieren zu lassen. Es reicht, wenn über die Ausgabe von Bildungsgutscheinen (9) gewährleistet wird, dass jeder die Möglichkeit hat, sich die Bildungsinstitution auszusuchen, von der er sich die beste Leistung verspricht. Die Standards der Bildung werden sich über den Wettbewerb von selbst einstellen, ebenso wie die Qualität des Lehrpersonals, denn: Wenn Schüler und Eltern die Schule selbst wählen können, werden sie sich nach der besten Schule umsehen, der Schule mit der besten Reputation und den besten Lernergebnissen.

Damit sie das können, ist es nicht nur notwendig, die Schulen extern von Service-Institutionen evaluieren und die Leistungen der Schüler in zentralen Prüfungen durch diese Service-Institutionen abnehmen zu lassen (8), sondern auch dafür zu sorgen, dass die Ergebnisse, wie dies z.B. im Vereinigten Königreich der Fall ist, veröffentlicht werden. Auf diese Weise können Eltern z.B. auf einen Blick erkennen, welches Leistungsniveau die Schüler einer Schule erzielen.

Dadurch, dass zentrale (Abschluss-)Prüfungen extern abgenommen werden, wird es auch notwendig, Lernziele festzulegen, die den Schülern bis zur Prüfung bekannt sein müssen (7). Die Lehrpläne können entsprechend entfallen. Damit der Nutzen, der mit dem Beseitigen von Lehrplänen erreicht werden kann, nicht vollständig verloren geht, ist es wichtig sicherzustellen, dass staatliche Institutionen keinerlei Zugriff auf die Lehrinhalte haben, die an Schulen vermittelt werden. Die Bestimmung der Standards und Lehrziele erfolgt durch Service-Institutionen und den Wettbewerb unter den freien und selbständig agierenden Schulen (5). Und nur so ist es möglich sicherzustellen, dass Politiker Schulen nicht weiter dazu missbrauchen, ihre Grillen auszuleben und Schüler mit politisch korrektem Unsinn zu traktieren. Insofern ist sicher auch die Abschaffung von Schulämtern (10) ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Was den angesprochenen Wertekanon angeht, so trägt die Gewährleistung eines gleichen Zugangs zu Bildung, unabhängig von der sozialen Herkunft dazu bei, dass Bildung quasi ein Bürgerrecht ist. Mehr ist nicht erforderlich, schließlich basiert Bildung auf Eigenverantwortung (3). Und wenn man, wie Kämpfer, die Eigenverantwortung von Bildung betont, dann ist es nicht so richtig einsehbar, wieso man “mangelnde Betreuungsmöglichkeiten sowie Teilzeitangebote zulasten von Frauen, … [was] anhand der niedrigeren Erwerbstätigenquote von Frauen gegenüber Männern sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland deutlich wird”, (16) beklagen sollte.

responsibilityGilt Eigenverantwortung bei der Entscheidung, sich fortzupflanzen nicht? Sollten nicht gerade Liberale die Eigenverantwortung auch in diesem Punkt betonen, anstatt in den politisch korrekten Singsang der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf einzustimmen, den Staatsfeministen seit Jahren monoton singen? Wer sich für Kinder entscheidet, dem ist doch wohl zuzumuten, die Konsequenzen seiner eigenen Entscheidung und die Einschränkungen, die sich mit dieser Entscheidung verbinden, selbst zu tragen und die Folgen seiner Entscheidung nicht von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen. Schließlich wird niemand gezwungen, sich fortzupflanzen.

Darüber hinaus haben Mütter in Arbeiterhaushalten über Jahrhunderte genau das vereint, was Mütter aus der Mittelschicht plötzlich als Vereinbarkeitsproblem entdeckt haben: Familie und Beruf, so dass man feststellen muss, dass Mütter aus der Arbeiterschicht offensichtlicht leistungsfähiger sind als Mütter aus der Mittelschicht.

Trotz dieser Kritikpunkte sind die Leitlinien liberaler Bildungspolitik ein guter Anfang; ein Schimmer am Ende des Tunnels und sicher geeignet als Diskussionsgrundlage zu dienen.

Kann man es noch verantworten, Schulen in öffentlicher Trägerschaft zu belassen?

von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

Die Frage in der Überschrift ist eine logische Folge einer Zusammenstellung der “Leistungen” bzw. des Versagens des staatlichen deutschen Bildungssystems.

deu_1378xDas System wird von Landesfürsten angeführt, die die Schulbildung ihres jeweiligen Kultus-Fürstentums nutzen, um eigene Standards oder besser keine Standards einzusetzen. Die Vielfürsterei führt dazu, dass Leistungsstudien wie die PISA-Studie zu dem Ergebnis kommen, dass Hauptschüler in Bayern oder Baden-Württemberg oftmals besser ausgebildet sind als Gymnasiasten in Bremen. Dennoch haben schlechter ausgebildete Bremer Gymnasiasten einen formal höheren Schulabschluss, der ihnen andere Karrierewege eröffnet als dies für die im Vergleich zu ihnen besser ausgebildeten Hauptschüler aus Bayern oder Baden-Würrtemberg der Fall ist. Die Vielfürsterrei der Kultus-Fürsten führt somit zu Bildungsungerechtigkeit. Wer diese Ungerechtigkeit beseitigen will, muss die Vielfürsterei beseitigen und Wettbewerb zwischen Schulen ermöglich. Beides ist in einem öffentlich getragenen Bildungssystem nicht möglich.

Die Kultus-Fürsten regieren ihre Kultus-Fürstentümer nicht nur al gusto, sie herrschen wie einst Louis XVI über ihr Reich. Entsprechend wird in manchen Fürstentümern den angestellten Untertanen, die man auch Beamte oder Lehrer nennen kann, je nach Betonung eben einmal die Ausübung von Grundrechten verboten. Im Euphemismus öffentlicher Medien (die man gleich mit abschaffen sollte) heißt das dann: “Das Kultusministerium [von Baden-Württemberg] hat für die Lehrkräfte des Landes … neue Regeln festgelegt, wie diese künftig mit sozialen Netzwerken umgehen sollen – und lässt dabei wenig Spielraum”. Der wenige Spielraum bleibt, wenn alle Kommunikationen, die als dienstlich angesehen werden könnten, ausgeschlossen sind, was im Klartext heißt, wer als Lehrer einen Facebook-Account betreibt, sollte ihn abmelden, denn der deutsche Essentialismus will es, dass er alles, was er mit anderen auf Facebook teilt, in seiner Eigenschaft als Lehrer geteilt haben kann. Wer also Lehrern dazu verhelfen will, als vollwertige Mitglieder der deutschen Gesellschaft, die mit allen Freiheitsrechten ausgestattet sind, die auch andere Mitglieder der deutschen Gesellschaft haben, zu gelten, der muss das öffentliche Schulsystem abschaffen. Privatisierung zur Befreiung der Lehrer!

Doomed KingAktionen wie die letzte gehören zum Verschwiegenheits-Kodex, der unter den Kultus-Fürsten als stillschweigendes Übereinkommen gilt. Der Verschwiegenheits-Kodex sieht z.B. vor, dass aus Steuergeldern finanzierte Untersuchungen, die die Leistungen von Schülern aus den verschiedenen Kultus-Fürstentümern vergleichen, unter Verschluss bleiben. Er sieht vor, dass Schulen und Lehrer nicht bewertet werden und dass Eltern keinerlei Informationen über die Qualität von Schulen zur Verfügung gestellt werden, die es ihnen erlauben würden, die nach ihrer Ansicht beste Schule für ihre Kinder auszusuchen. Eltern und Kinder müssen nehmen, was vorhanden ist, und wer eine schlechte Schule erwischt hat eben Pech gehabt, sofern er nicht in Bremen wohnt. Wer Eltern die Möglichkeit geben will, sich die beste der verfügbaren Schulen auszusuchen bzw. eine schlechte Schule zu vermeiden, muss das Bildungssystem privatisieren und für Transparenz und Wettbewerb zwischen Schulen sorgen.

Der Verschwiegenheits-Kodex wird ergänzt durch einen ideologischen Kodex, der es vorsieht, Schulen zu Anstalten der Indoktrination zu machen, an denen keine eigenständigen und kritischen Schüler erzogen werden, sondern das Gegenteil, unkritische, den staatsfeministische ideologischen Kodex kritiklos mittragende Mitläufer, die weder kritisch hinterfragen noch kritisch denken. Entsprechend nutzen die Kultus-Fürsten das jeweilige Curriculum um ideologische Inhalte zu transportieren, z.B. unter der Überschrift: “Ist der Klimawandel ein Mann?”. Wer verhindern will, dass Kultus-Fürsten die Schulen als Ort missbrauchen, an dem sie ihre Ideologien verbreiten können, der muss das öffentliche Bildungssystem auflösen und durch ein privates Bildungssystem ersetzen.

Lernatlas 2011Der Preis des ideologischen Kodexes besteht in den schulischen Leistungen der Schüler, denn in der Zeit, in der Schüler über den angeblich von Männern verusachten Klimawandel, das vermeintliche Gender Pay Gap oder sexuellen Missbrauch unterrichtet werden, können sie nicht lesen, schreiben oder rechnen lernen. Entsprechend ist es wichtig, Bildungs-Standards zu reduzieren, um das Verschwinden von Kenntnissen in Grammatik, Orthographie, Grundrechenarten und logischem Denken durch die inflationäre Vergabe von Bildungszertifikaten, neuerdings geordnet nach Kompetenzstufen zu ersetzen. Damit wird unter der Hand eine Gesellschaft vorbereitet, in der nicht die Leistung und die Fähigkeiten zählen, sondern andere Faktoren wie z.B. Gefügigkeit, Kritiklosigkeit und Geschlecht. Deutlich ist das Wirken dieses ideologischen Kodexes bereits daran, dass Jungen erhebliche Nachteile bei der schulischen Bildung haben. Gleiches gilt für Migrantenkinder, denen aus ideologischen Gründen auch nach der vierten Generation und nach vollständigem Durchlaufen des institutionalisierten öffentlichen Bildungssystem noch das Stigma angeheftet wird, sie könnten kein Deutsch, und zwar von Kultus-Fürsten, die sofort auf Lehrbetriebe als schuldige verweisen, wenn ein Lehrling nach seiner Maurerlehre keinen Stein gerade auf den anderen setzen kann und von denselben Kultus-Fürsten, die falsches Deutsch wie: “Ist der Klimawandel ein Mann” als für gut befundenes Lehrmaterial zulassen. Und wie in Fürstentümern so üblich, entscheidet die Abstammung über die Lebenschancen, deutlich zu sehen daran, dass es Kinder aus Arbeiterfamilien selten bis gar nicht auf weiterführende Schulen oder gar Universitäten schaffen.

Wer der Entwertung von Leistung, wer der Entwertung von Autonomie und Kritikfähigkeit ein Ende setzen will, wer Bildungs-Gerechtigkeit nicht nur im Mund führen, sondenr herstellen will, der muss das öffentliche Bildungssystem beseitigen und durch ein privates Bildungssystem ersetzen.

Und so könnte es aussehen (als Ausgangspunkt für Diskussionen):

  • Es gibt ab 2015 in Deutschland nur noch private Schulen. Alle öffentlichen Schulen, die keinen privaten Träger finden, werden geschlossen.
  • Es gibt ab 2015 in Deutschland zwei oder drei unabhängige Agenturen, deren Zweck darin besteht, ein Curriculum zu entwerfen, in dem keinerlei Fragen von Lebensart, Lebensstil oder staatsbürgerlicher Gefügsamkeit behandelt werden, dafür ein Schwerpunkt auf kritischem Denken und Eigenständigkeit gelegt wird.
  • Die Agenturen sind mit Wissenschaftlern besetzt, sie konkurrieren miteinander um die beste Form der Prüfung festgelegter Wissensbestände und kontrollieren sich gegenseitig. Sie werden über Gebühren finanziert, die die privaten Schulen entrichten müssen, wobei die privaten Schulen sich die Agentur aussuchen können, von der sie die Prüfungen ihrer Schüler abnehmen lassen wollen
  • Jedes Kind erhält einen Bildungsgutschein. Der Bildungsgutschein finanziert die Ausbildung der Kinder bis zum Alter von 16 Jahren. Dieser Gutschein kann an jeder der privaten Schulen eingelöst werden. Ein eingelöster Gutschein finanziert die Kosten der schulischen Ausbildung des entsprechenden Kindes an der privaten Schule aus öffentlichen Mitteln.
  • Leistungsprüfungen finden – wie oben ausgeführt – zentral statt. Für 16jährige Schüler findet eine Abschlussprüfung auf mehreren Niveaustufen statt. Schüler, die eine Abschlussprüfung auf dem A-Niveau bestehen, haben die Möglichkeit, Bildungsgutscheine für einen weiteren zweijährigen Schulbesuch, an dessen Ende das Abitur steht, abzurufen.

Ach ja: Kultus-Fürsten werden nach Holland ins Exil geschickt und die Kultusministerien erstazlos aufgelöst.

©ScienceFiles, 2013

Neue Umfrage auf ScienceFiles: Bildungssystem privatisieren?

voting_boothEin Vielzahl von empirischen Untersuchungen hat gezeigt, dass das deutsche Bildungssystem nach der sozialen Herkunft selegiert: PISA, TIMSS und IGLU, sie alle zeigen, Kinder aus der Arbeiter- oder Unterschicht oder der angeblich “bildungsfernen Schicht”, haben erhebliche Nachteile:

  • Sie müssen bessere Leistungen erbringen, um dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten, wie z.B. Akademikerkinder.
  • Sie landen viel häufiger auf Sonderschulen und Hauptschulen und häufiger auf Realschulen als z.B. Akademikerkinder.
  • Sie erzielen viel seltener ein Abitur oder einen Fachhochschulabschluss als z.B. Akademikerkinder.
  • Sie finden sich viel seltener auf Universitäten ein als Akademikerkinder und diejenigen, die sich einfinden, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, das begonnene Studium abzubrechen als Akademikerkinder.

Wenn es darum geht, nach der sozialen Herkunft zu filtern, dann erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.

Nicht nur Kinder aus Arbeiter- oder Unterschicht haben im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile, ja werden im deutschen Bildungssystem benachteiligt, sondern auch Jungen.

  • Jungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, von der Einschulung zurückgestellt zu werden als Mädchen.
  • Jungen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sitzen zu bleiben als Mädchen.
  • Jungen haben eine viel höhere Wahrscheinlichkeit auf eine Sonderschule abgeschoben zu werden als Mädchen.
  • Jungen müssen bessere Leistungen erbringen als Mädchen um dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten.
  • Jungen sind viel häufiger auf Sonder- und Hauptschulen zu finden als Mädchen, dafür seltener auf Realschulen und Gymnasien.
  • Entsprechend bleiben Jungen viel häufiger ohne einen Abschluss oder erreichen nur einen Hauptschulabschluss als Mädchen und sie erreichen deutlich seltener eine Hochschulreife als Mädchen.

Wenn es darum geht, Bildungskarrieren nach Geschlecht zu selegieren, dann erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.

Auch Migrantenkinder werden in deutschen Schulen selegiert. Obwohl die meisten Migranten in dritter oder vierter Generation in Deutschland leben, bleiben ihre Schulergebnisse deutlich hinter den Ergebnissen deutscher Schüler zurück. Die Liste der Nachteile liest sich fast identisch:

  • Kinder aus Migrantenfamilien haben eine höhere Wahrscheinlichkeit von einer Einschulung zurückgestellt zu werden als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien bleiben häufiger sitzen als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien finden sich häufiger auf Sonder- und Hauptschulen, dagegen viel seltener auf Gymnasien als deutsche Kinder.
  • Kinder aus Migrantenfamilien finden sich nur höchst selten unter Studenten.

Auch im Hinblick auf die Selektion von Migrantenkindern erweist sich das deutsche Bildungssystem als äußerst effizient.

Alle berichteten Ergebnisse sind wiederholt in den verschiedensten Untersuchungen berichtet worden. Die Berliner Element-Studie, die Hamburger Lau-Studien, die PISA-Studien, die TIMSS-Studien, die IGLU- und PIRLS-Studien, sie alle haben diese Ergebnisse berichtet. Man muss die Ergebnisse daher als empirisch gesichert ansehen.

In Schweden wurde schon vor Jahren der Bildungssektor privatisiert. Eltern erhalten einen Bildungsgutschein und können diesen Bildungsgutschein bei einer Schule ihrer Wahl einlösen. Untersuchungen, die den Effekt dieser Privatisierung analysiert haben, kommen zu dem Schluss, dass der Wettbewerb zwischen den Schulen die Lehr- und Lehrerqualität und das Lehrereinkommen erhöht hat, dass mit der Gründung priavter Schulen die Chancengleichheit im Zugang zu Bildung erheblich verbessert wurde, was sich darin zeigt, dass die soziale Herkunft immer weniger relevant für den erreichten Bildungsabschluss ist, und die entsprechenden Studien haben gezeigt, dass mit der Öffnung des Bildungssystems für private Anbieter die Qualität von Bildung sich insgesamt erhöht hat.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob es nicht langsam an der Zeit ist, auch das deutsche Bildungssystem weiter (oder vollständig) für private Anbieter zu öffnen.

Weiterführende ScienceFiles-Beiträge:
Bessere Schulqualität durch private Schulen:

Selektion im Bildungssystem:

Nachteile von Jungen:

Nachteile von Migranten:

Die beste Übersicht über die Forschung zu Bildungsnachteilen von Migranten findet sich bei Dr. habil. Heike Diefenbach (2010). Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamlien:


Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien

Kultusministeriell gesponserte Ungleichheit:

Zur Qualität der Lehrer:

Zur institutionellen Diskriminierung:

©ScienceFiles, 2012/2011

Wissenschaftliche Freiheit als Feindbild – DGB bekämpft Autonomie von Hochschulen

Beim Lesen dieses Interviews von DGB-Chef Michael Sommer, hat mich ein kalter Schauer durchfahren. Die geballte Feindschaft gegenüber der Autonomie von Wissenschaft, der Freiheit von Wissenschaft offenlegt, ist einfach nur erschreckend. Sicher, Gewerkschaften und allen voran Gewerkschaftsfunktionäre verdienen ihr Geld damit, die Interessen derer, die sie für ihre Klientel halten, gegenüber denen, die sie für die Vertreter feindlicher Interessen halten, durchzusetzen. Deshalb hält Michael Sommer “diese Tendenz zur Privatisierung” [der Hochschulen] für falsch. Deshalb fordert er eine stärkere “Integration der Hochschulen in die Gesellschaft”. Deshalb will er an anderer Stelle unter dem Leitbild “Demokratische und Soziale Hochschule” gleichen Zugang zu Hochschulen für Jugendliche aus allen sozialen Schichten erreichen. Deshalb dürfen die Hochschulen aus seiner Sicht nicht der verlängerte Arm von Wirtschaftsinteressen sein  und nicht von Drittmitteln abhängig sein. Deshalb hält er die uneingeschränkte Vermarktung des Hochschulwesens für eine Fehlentwicklung, wie die Privatisierung des Bildungswesens insgesamt, und deshalb hält er nichts von der Autonomie der Hochschulen und Universitäten, will vielmehr an parlamentarischer Verantwortung und Kontrolle über Hochschulen festhalten, sie gar noch ausbauen, denn, “dass die Kinder der Spekulanten an privaten Hochschulen, die von Spekulanten finanziert werden, zu neuen Spekulanten erzogen werden”, damit werde er sich nie abfinden.

Michael Sommer ist also für die Beseitigung sozialer Stratifizierung im Bildungssystem und gegen die Privatisierung. Wenn man diese Position mit den Tatsachen gewichtet, dann ergibt sich das Problem, dass eine Reihe von Forschungsergebnissen zeigen, dass es gerade private Bildungseinrichtungen sind, die die soziale Ungleichheit in Bildungssystemen reduzieren, während öffentliche Bildungseinrichtungen soziale Ungleichheit zementieren. Über die entsprechenden Ergebnisse habe ich in diesem Blog bereits ausführlich berichtet. Entsprechend gleicht Michael Sommer in seiner nicht zu rechtfertigenden Position dem Feuerwehrhauptmann, der Spenden für Pyromane sammelt.

Hochschulen dürfen nach Ansicht des Chefgewerkschaftlers auch nicht zum verlängerten Arm der Wirtschaft werden. Warum eigentlich nicht? Was ist falsch daran, wenn die Universität München gemeinsam mit EADS ein Forschungsinstitut für Raumfahrt einrichtet, dem wissenschaftlichen Nachwuchs hervorragende Bedingungen bietet, um sich zu qualifizieren und nebenbei noch neue Ideen und Erfindungen, die kommerziell verwertbar sind, dabei herauskommen. Ist es nicht im Sinne der Gewerkschaft, dass solche neuen Ideen, die in Innovationen umgesetzt werden, in Arbeitsplätzen resultieren und damit nichtakademischen Arbeitern ein Auskommen verschaffen. Ich dachte, Gewerkschaften sorgen sich um das Wohl von Arbeitern, auch wenn die meisten Gewerkschaftsfunktionäre Arbeiter eher in der Weise kennen, in der man Tiere im Zoo kennt. Wie sozial ausgeglichen ist eigentlich die Funktionärsebene der Gewerkschaften? Wie viele Funktionäre mit einem Elternhaus in  Mittel- und Oberschicht stehen hier wie vielen Funktionären mit einem Elternhaus in der Unterschicht gegenüber? Und man fragt sich, an welcher Institution Funktionärskinder zu neuen Funktionären ausgebildet werden und ob es nicht zumindest an der Zeit wäre, die öffentliche Förderung der Funktionärsausbildung einzustellen.

Universitäten dürfen auch nicht von Drittmitteln abhängig sein, fordert der DGB-Chef. Dies ist seltsam, denn Drittmittel werden im Wesentlichen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vergeben. Wissenschaftler entwickeln ein Forschungsvorhaben und stellen bei der DFG einen Antrag. Andere Wissenschaftler begutachten den Antrag, geben eine Förderungsempfehlung ab oder lehnen die Förderung ab, weil bestimmte Standards nicht eingehalten werden. Dieses Verfahren ist nicht nur transparent, es ist auch demokratisch, denn jeder, der einen guten wissenschaftlichen Antrag stellt, hat auch die Möglichkeit der Förderung. War es nicht eine Forderung von Herrn Sommer, Universitäten demokratischer zu machen?

Ich habe eher den Eindruck, es geht darum, Universitäten gerade nicht demokratischer zu machen. Was wäre demokratischer als die Möglichkeit für alle gesellschaftlichen Gruppen, eigene Bildungseinrichtungen zu errichten, die miteinander in Konkurrenz um Ideen und Innovationen stehen? Was wäre demokratischer als Bildungsgutscheine an Studenten zu verteilen, die die Kosten des Studiums abdecken und die bei jeder beliebigen Hochschule (privat oder öffentlich) einlösbar sind, so dass Studenten sich bei jeder Hochschule bewerben können und die Kosten des Studiums (ohne die Unterhaltskosten, die das eigentliche Problem im Studentenleben eines Unterschichtlers darstellen, wie Herr Sommer wüsste, hätte er während seines Studiums die Notwendigkeit erfahren, sein Studium unabhängig von den Eltern zu finanzieren) durch öffentliche Mittel gedeckt sind? Was Herrn Sommer an derart demokratischen Lösungen nicht zu passen scheint, ist das Fehlen dessen, was er “demokratische Kontrolle” nennt und was ich als  Beseitigung der wissenschaftlichen Freiheit ansehe. Die Sommersche Dystopie sieht die Autonomie von Hochschulen dem engen Horizont politischer Vorgaben unterstellt, so als würde es nicht reichen, dass bereits heute Ministerien als Geldgeber für wissenschaftliche Forschung auftreten, die in dem von ihnen favorisierten ideologischen Geist erfolgt und dass große Teile der Wissenschaft bereits heute am Tropf der Bundesregierung hängen. An die Stelle des Wettbewerbs von Ideen tritt bei Sommer die zentrale Kontrolle von Ideen. Wie diese Kontrolle aussehen soll, kann man sich vor dem Hintergrund derzeitiger Praktiken sehr gut vorstellen: Die GEW finanziert “Studien”, in denen eben einmal die Realität umgedeutet wird und behauptet wird, Jungen hätten im Bildungssystem Deutschlands keine Nachteile, Kultusministerien intervenieren in Listen zur Besetzung eines Lehrstuhls, weil ihnen die Ausrichtung des Kandidaten auf Listenplatz 1 nicht gefällt, die Universitätsverwaltung feilscht mit dem neu berufenen Professor darüber, ob sein Deputat einen Drehstuhl enthält oder nicht, eine Landesregierung interveniert in einen Abschlussbericht, weil man bei der Regierung der Ansicht ist, bestimmte Ergebnisse könnten der Öffentlichkeit nicht zugemutet werden, Wissenschaftler, die nicht in den mainstream passen, werden von der allzeit bereiten Gewerkschaftsjugend mit allen Mitteln der Propaganda bekämpft usw. Alle Beispiele entstammen der Realität und zeigen, was unter der von Sommer geforderten “Integration der Hochschulen” zu verstehen ist – mehr Kontrolle über Lehrinhalte, Lehrende und Lernende. Dass dem so ist, ist auch nicht verwunderlich, denn Sozialismus ist ein Synonym für Kontrolle und ein Antonym für Freiheit.

Entsprechend ist der Vorstoß des DGB eine Bedrohung wissenschaftlicher Autonomie und Freiheit und eine Gefahr für wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt, der mit aller Bestimmtheit zurückgewiesen werden muss, wenn man dafür Sorge tragen will, dass die muffige Funktionärsluft aus Gewerkschaften und Parteien sich nicht noch mehr an  Universitäten und Hochschulen breit macht. Endlich wäre noch zu klären, was es die Gewerkschaften angeht, wie Wissenschaftler an Universitäten ihre Forschung finanzieren.

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