Kann man es noch verantworten, Schulen in öffentlicher Trägerschaft zu belassen?

von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

Die Frage in der Überschrift ist eine logische Folge einer Zusammenstellung der “Leistungen” bzw. des Versagens des staatlichen deutschen Bildungssystems.

deu_1378xDas System wird von Landesfürsten angeführt, die die Schulbildung ihres jeweiligen Kultus-Fürstentums nutzen, um eigene Standards oder besser keine Standards einzusetzen. Die Vielfürsterei führt dazu, dass Leistungsstudien wie die PISA-Studie zu dem Ergebnis kommen, dass Hauptschüler in Bayern oder Baden-Württemberg oftmals besser ausgebildet sind als Gymnasiasten in Bremen. Dennoch haben schlechter ausgebildete Bremer Gymnasiasten einen formal höheren Schulabschluss, der ihnen andere Karrierewege eröffnet als dies für die im Vergleich zu ihnen besser ausgebildeten Hauptschüler aus Bayern oder Baden-Würrtemberg der Fall ist. Die Vielfürsterrei der Kultus-Fürsten führt somit zu Bildungsungerechtigkeit. Wer diese Ungerechtigkeit beseitigen will, muss die Vielfürsterei beseitigen und Wettbewerb zwischen Schulen ermöglich. Beides ist in einem öffentlich getragenen Bildungssystem nicht möglich.

Die Kultus-Fürsten regieren ihre Kultus-Fürstentümer nicht nur al gusto, sie herrschen wie einst Louis XVI über ihr Reich. Entsprechend wird in manchen Fürstentümern den angestellten Untertanen, die man auch Beamte oder Lehrer nennen kann, je nach Betonung eben einmal die Ausübung von Grundrechten verboten. Im Euphemismus öffentlicher Medien (die man gleich mit abschaffen sollte) heißt das dann: “Das Kultusministerium [von Baden-Württemberg] hat für die Lehrkräfte des Landes … neue Regeln festgelegt, wie diese künftig mit sozialen Netzwerken umgehen sollen – und lässt dabei wenig Spielraum”. Der wenige Spielraum bleibt, wenn alle Kommunikationen, die als dienstlich angesehen werden könnten, ausgeschlossen sind, was im Klartext heißt, wer als Lehrer einen Facebook-Account betreibt, sollte ihn abmelden, denn der deutsche Essentialismus will es, dass er alles, was er mit anderen auf Facebook teilt, in seiner Eigenschaft als Lehrer geteilt haben kann. Wer also Lehrern dazu verhelfen will, als vollwertige Mitglieder der deutschen Gesellschaft, die mit allen Freiheitsrechten ausgestattet sind, die auch andere Mitglieder der deutschen Gesellschaft haben, zu gelten, der muss das öffentliche Schulsystem abschaffen. Privatisierung zur Befreiung der Lehrer!

Doomed KingAktionen wie die letzte gehören zum Verschwiegenheits-Kodex, der unter den Kultus-Fürsten als stillschweigendes Übereinkommen gilt. Der Verschwiegenheits-Kodex sieht z.B. vor, dass aus Steuergeldern finanzierte Untersuchungen, die die Leistungen von Schülern aus den verschiedenen Kultus-Fürstentümern vergleichen, unter Verschluss bleiben. Er sieht vor, dass Schulen und Lehrer nicht bewertet werden und dass Eltern keinerlei Informationen über die Qualität von Schulen zur Verfügung gestellt werden, die es ihnen erlauben würden, die nach ihrer Ansicht beste Schule für ihre Kinder auszusuchen. Eltern und Kinder müssen nehmen, was vorhanden ist, und wer eine schlechte Schule erwischt hat eben Pech gehabt, sofern er nicht in Bremen wohnt. Wer Eltern die Möglichkeit geben will, sich die beste der verfügbaren Schulen auszusuchen bzw. eine schlechte Schule zu vermeiden, muss das Bildungssystem privatisieren und für Transparenz und Wettbewerb zwischen Schulen sorgen.

Der Verschwiegenheits-Kodex wird ergänzt durch einen ideologischen Kodex, der es vorsieht, Schulen zu Anstalten der Indoktrination zu machen, an denen keine eigenständigen und kritischen Schüler erzogen werden, sondern das Gegenteil, unkritische, den staatsfeministische ideologischen Kodex kritiklos mittragende Mitläufer, die weder kritisch hinterfragen noch kritisch denken. Entsprechend nutzen die Kultus-Fürsten das jeweilige Curriculum um ideologische Inhalte zu transportieren, z.B. unter der Überschrift: “Ist der Klimawandel ein Mann?”. Wer verhindern will, dass Kultus-Fürsten die Schulen als Ort missbrauchen, an dem sie ihre Ideologien verbreiten können, der muss das öffentliche Bildungssystem auflösen und durch ein privates Bildungssystem ersetzen.

Lernatlas 2011Der Preis des ideologischen Kodexes besteht in den schulischen Leistungen der Schüler, denn in der Zeit, in der Schüler über den angeblich von Männern verusachten Klimawandel, das vermeintliche Gender Pay Gap oder sexuellen Missbrauch unterrichtet werden, können sie nicht lesen, schreiben oder rechnen lernen. Entsprechend ist es wichtig, Bildungs-Standards zu reduzieren, um das Verschwinden von Kenntnissen in Grammatik, Orthographie, Grundrechenarten und logischem Denken durch die inflationäre Vergabe von Bildungszertifikaten, neuerdings geordnet nach Kompetenzstufen zu ersetzen. Damit wird unter der Hand eine Gesellschaft vorbereitet, in der nicht die Leistung und die Fähigkeiten zählen, sondern andere Faktoren wie z.B. Gefügigkeit, Kritiklosigkeit und Geschlecht. Deutlich ist das Wirken dieses ideologischen Kodexes bereits daran, dass Jungen erhebliche Nachteile bei der schulischen Bildung haben. Gleiches gilt für Migrantenkinder, denen aus ideologischen Gründen auch nach der vierten Generation und nach vollständigem Durchlaufen des institutionalisierten öffentlichen Bildungssystem noch das Stigma angeheftet wird, sie könnten kein Deutsch, und zwar von Kultus-Fürsten, die sofort auf Lehrbetriebe als schuldige verweisen, wenn ein Lehrling nach seiner Maurerlehre keinen Stein gerade auf den anderen setzen kann und von denselben Kultus-Fürsten, die falsches Deutsch wie: “Ist der Klimawandel ein Mann” als für gut befundenes Lehrmaterial zulassen. Und wie in Fürstentümern so üblich, entscheidet die Abstammung über die Lebenschancen, deutlich zu sehen daran, dass es Kinder aus Arbeiterfamilien selten bis gar nicht auf weiterführende Schulen oder gar Universitäten schaffen.

Wer der Entwertung von Leistung, wer der Entwertung von Autonomie und Kritikfähigkeit ein Ende setzen will, wer Bildungs-Gerechtigkeit nicht nur im Mund führen, sondenr herstellen will, der muss das öffentliche Bildungssystem beseitigen und durch ein privates Bildungssystem ersetzen.

Und so könnte es aussehen (als Ausgangspunkt für Diskussionen):

  • Es gibt ab 2015 in Deutschland nur noch private Schulen. Alle öffentlichen Schulen, die keinen privaten Träger finden, werden geschlossen.
  • Es gibt ab 2015 in Deutschland zwei oder drei unabhängige Agenturen, deren Zweck darin besteht, ein Curriculum zu entwerfen, in dem keinerlei Fragen von Lebensart, Lebensstil oder staatsbürgerlicher Gefügsamkeit behandelt werden, dafür ein Schwerpunkt auf kritischem Denken und Eigenständigkeit gelegt wird.
  • Die Agenturen sind mit Wissenschaftlern besetzt, sie konkurrieren miteinander um die beste Form der Prüfung festgelegter Wissensbestände und kontrollieren sich gegenseitig. Sie werden über Gebühren finanziert, die die privaten Schulen entrichten müssen, wobei die privaten Schulen sich die Agentur aussuchen können, von der sie die Prüfungen ihrer Schüler abnehmen lassen wollen
  • Jedes Kind erhält einen Bildungsgutschein. Der Bildungsgutschein finanziert die Ausbildung der Kinder bis zum Alter von 16 Jahren. Dieser Gutschein kann an jeder der privaten Schulen eingelöst werden. Ein eingelöster Gutschein finanziert die Kosten der schulischen Ausbildung des entsprechenden Kindes an der privaten Schule aus öffentlichen Mitteln.
  • Leistungsprüfungen finden – wie oben ausgeführt – zentral statt. Für 16jährige Schüler findet eine Abschlussprüfung auf mehreren Niveaustufen statt. Schüler, die eine Abschlussprüfung auf dem A-Niveau bestehen, haben die Möglichkeit, Bildungsgutscheine für einen weiteren zweijährigen Schulbesuch, an dessen Ende das Abitur steht, abzurufen.

Ach ja: Kultus-Fürsten werden nach Holland ins Exil geschickt und die Kultusministerien erstazlos aufgelöst.

©ScienceFiles, 2013

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