Gepflegte Wissenschaftsmythen: Die Arbeiterbewegung ist links (FakeGeschichte)

Vom 22. bis zum 24. Juni findet an der Universität Jena eine Konferenz statt, bei der sich Ahnungslose treffen, um gegenseitig über ihre jeweilige Ahnungslosigkeit zu staunen.

Weber Geschichte der DDR.jpgHermann Weber, einer der Wissenschaftler, die den Kommunismus so gut von innen kannten, dass sie vor ihm nach Westdeutschland geflohen sind, hat die Teilnehmer seiner Seminare nach dem Ende von deren Vortrag regelmäßig und vorhersagbar mit der Frage konfrontiert: „Und was ist der neueste Forschungsstand?“ Weber, selbst die Autorität in Deutschland, wenn es um DDR-Geschichte und die Kommunistische Ideologie geht, war ein akribischer Kumulierer.

Denn: Wissenschaft und vor allem Erkenntnisfortschritt sind nur kumulativ möglich, nur dadurch, dass bewährtes Wissen bekannt ist und die Basis von Einzelwissenschaften bildet, die dieses Wissen ständig testen und zu erweitern trachten.

Das war früher.
Heute sehen wir regelmäßig, wie angebliche Wissenschaftler das Rad neu erfinden wollen.
Wir erinnern uns an die Bauklötze, die Genderisten bei ihrer Entdeckung der „Intersektionalität“ gestaunt haben, also der Erkenntnis, dass man nicht nur dumm sein kann, sondern auch dick, was notwendig zu einer Schnittmenge führen muss.

Das ist das schlimmste an manchen Positionsinhaber der institutionalisierten Wissenschaft: Ihre Naivität und Ahnungslosigkeit, die sie Aussagen treffen lässt, bei denen man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen kann, Aussagen wie diese:

„Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu, dieser Satz galt lange Zeit unangefochten“, sagt die Soziologin Dr. Karina Becker der Universität Jena.

Jena liegt noch auf diesem Planeten – oder?
Und in Deutschland?

Wie kann man derartige Ahnungslosigkeit steigern, wie die eines promovierten Mitglieds der institutionalisierten Wissenschaft, das allen Ernstes behauptet, die Arbeiterbewegung gehöre zum linken Milieu? Die Arbeiterbewegung wurde nicht einmal in einem linken Milieu gegründet, sondern in einem religiösen, einem katholischen, um genau zu sein. Denn die erste Form von Arbeiterbewegung, sie hat sich um 1848 als katholische Arbeitervereine gefunden. Die Ahnungslosen aus Jena mögen unter dem Stichwort „Unterstützungsverein Heiliger Josef“ suchen. Regensburg als Stichwort, mag auch ganz hilfreich sein. Weiter hilft den Ahnungslosen auch der Name Adolph Kolping, der trotz seines Vornamens kein Nazi war, was man heute ja betonen muss.

Die Arbeiterbewegung ist somit nicht links. Sie wurde von linken Parteien gekapert, die dennoch bei keiner Wahl die Mehrheit der Arbeiter auf sich vereinigen konnten. Die KPD nicht, weil sie nicht nur in der Weimarer Republik die Partei der Arbeitslosen war, die SPD nicht, weil es schon immer Arbeiter gab, die die Parteien der Mitte und rechte Parteien gewählt haben, vom Zentrum bis zur CDU/CSU.

Dass man im Jahre 2017 darauf hinweisen muss, dass die Arbeiterbewegung keine Erfindung der politischen Linken ist, ist nicht nur erschreckend, es ist auch bezeichnend für eine Zeit, in der der linke Heilsgedanke: „Am sozialistischen Wesen soll die Welt genesen“, unter angeblichen Wissenschaftlern wieder Verbreitung findet.

Kratzenberg Arbeiter NSDAPDie ahnungslose Becker, die aus dem Staunen nicht mehr herauskommen wird, sofern sie sich jemals mit den Ursprüngen und der Geschichte der Arbeiterbewegung beschäftigt, über das hinaus, was linke Parteien seit Jahrzehnten an Erzählung gesponnen haben, um sich als Vertreter von Arbeitern zu inszenieren, wird nur getoppt vom noch ahnungsloseren Dr. Klaus Dörre, der auf der selben Konferenz, auf der auch Becker ihre Ahnungslosigkeit zu Schau stellen wird, einen Vortrag halten soll, dem die Ahnungslosigkeit schon vorauseilt. Heißt es doch in der Ankündigung seines Vortrags:

„Zu Beginn der Tagung spricht Prof. Dr. Klaus Dörre über „Sehnsucht nach Sicherheit. Der neue Rechtspopulismus und die Arbeiter“. Der Soziologe von der Universität Jena wird brisante Forschungsergebnisse vorstellen. So gibt es nach ersten Ergebnissen einer Studie, die unter Verantwortung Dörres erstellt wird, unter aktiven Gewerkschaftern sowie Betriebsrätinnen und -räten inzwischen Personen, die sich offen zur AfD, zu Pegida oder noch weiter rechts stehenden Organisationen bekennen. „Sich an Streiks zu beteiligen und den Bus zu organisieren, der sie zur Pegida-Demo bringt, stellt für diese Gewerkschafter keinen Widerspruch dar“, sagt Klaus Dörre.“

Das Brisante und von allen, die an der Ahnungslosenkonferenz in Jena teilnehmen, für unmöglich Gehaltene, es ist da: „Arbeiterbewegung von rechts“! Unglaublich. Arbeiter. Rechts. Arbeiter, die zur Pegida fahren. Gewerkschaftler, die die AfD wählen, ja ihr Mitglied sind. Einmal davon abgesehen, dass es für das nicht vorhandene Demokratieverständnis bezeichnend ist, wenn angebliche Wissenschaftler, die mit Sicherheit ganz viel Vielfalt haben wollen, dann, wenn sie auf Vielfalt treffen, die ihnen ideologisch nicht in den Kram passt, bleich werden und mit Vorstellungen von Extremismus des Weges kommen, ist abermals das schlimmste die Ahnungslosigkeit, die man nur als Selbsttäuschung aufgrund eines nicht gerechtfertigten Glaubens an einen Mythos bezeichnen kann. Den Mythos, dass die Arbeiterbewegung zum linken Milieu gehöre.

Vielleicht kann man sich ja selbst hypnotisieren. Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu. Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu. Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu … Nein, klappt nicht, bei uns nicht. Bei Dörres und Becker wohl schon.

roter gruener brauner sozialismus.jpgNun, den beiden steht eine Überraschung ins Haus, z.B. wenn sie ein Buch über die Weimarer Republik zur Hand nehmen, die Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik, ein gutes Buch zu diesem Thema, und darin nach dem Stichwort „Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation“ suchen. So nannte sich die Arbeiterbewegung der NSDAP, also die Arbeiterbewegung, die dann wohl zum rechten Milieu gehört. Sie wurde 1928 gegründet und brachte es in sehr kurzer Zeit auf rund 300.000 Mitglieder, Mitglieder, die es nach Ansicht der Ahnungslosen von Jena nie gegeben hat, denn „Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu.“

Es ist an der Zeit, die Geschichte der politischen Linken neu zu schreiben, dieses Mal in Übereinstimmung mit den historischen Tatsachen, damit nicht weiter Fake-History verbreitet wird.

Ausgelaufen: Ostermärsche sind out

Nostalgie in den Medien: “Tausende demonstrieren für Frieden und Abrüstung!”

Es ist Ostermarschzeit und diejenigen, die in den 1970er und 1980er Jahren sozialisiert wurden, sie denken mit Wehmut an die Zeit, als noch 100.000e gegen den Nato-Doppelbeschluss und natürlich für den Frieden demonstriert haben.

Wahre Happenings waren das.
Ostermarschieren war in.
Dabeisein war alles.
Gesehen werden war Pflicht.

Nun sind Ostermärsche nicht die Rolling Stones oder ACDC, die selbst als Greise noch die Massen begeistern. Ostermärsche sind out, es hat sich ausgelaufen. Da hilft auch die ultra-positive Schlagzeile: „Tausende demonstrieren für Frieden und Abrüstung“ nichts.

stell_dir_vorZwar stimmt es, dass in Stuttgart rund 2000 Leutchen zum Demonstrieren zusammengekommen sind und in München so um die 1000, aber das waren die Highlights neben denen die 600 Hanseln in Berlin oder die 50 bis 100 Engagierten, die in Kaiserslautern erwartet werden, die triste Realität des Ostermarschierens beschreiben. Linke, IG-Metall, ver.di, sie alle versuchen, Marschierer für Ostern zu rekrutieren – weitgehend vergeblich. Ostermarschieren ist out.

Niemand will mehr Ostermarschieren.

Es hat sich ausgelaufen.

Warum?

Weil das Happening fehlt. Heutigen Demonstranten muss man etwas bieten: Randale wie bald beim G20 in Hamburg. Es muss um etwas gehen, wofür es sich zu demonstrieren lohnt. Gegen Rechte oder gegen Scheißbullen oder gegen Bonzen, gegen Atomkraft, gegen Trump – dagegen kann man demonstrieren. Gegendemonstrieren. Nicht für, für Frieden, für Abrüstung.

Wer bitte, demonstriert für Frieden?

Dieselben Leutchen, die das auch schon in den 1970er und 1980er Jahren getan haben. Nur sind sie zwischenzeitlich gealtert. Äußerlich, nicht innerlich und schon gar nicht in ihrem Denken, das immer noch in der pazifistischen Idylle gastiert, in einer Traumwelt, in der es nur gute Menschen und keinen Grund gibt, sich zu bewaffnen und auf der Hut zu sein.

Und so fordern die Häuflein Ostermarschierer, die sich nach Stuttgart oder München oder Berlin verlaufen haben, Waffenexporte zu stoppen und Verantwortung für den Frieden zu übernehmen.

Das ist rührend. Fast so rührend, wie für eine Welt ohne Kriminalität, ohne Trittbrettfahrer und ohne Regen zu demonstrieren und genauso umsonst, so umsonst wie das sprichwörtliche Kinderweinen auf dem Atlantik.

Wie die Geschichte der Menschheit zeigt, gibt es immer diejenigen, die sich nicht an Regeln halten, die versuchen, sich auf Kosten anderer und wenn es sein muss auch mit Gewalt durchzuschlagen. Daran ändert kein Ostermarsch etwas.

Ostermarsch.pngAber das soll er auch nicht. Ostermärsche sind Nostalgie. Für manchen Redakteur sind sie Erinnerung an die Zeit, als er noch jung war und gelebt hat. Für die Teilnehmer sind Ostermärsche rituelle Reinigungen, aus denen sie moralisch gesäubert und gestärkt hervorgehen, und für uns Beobachter der Ostermärsche sind sie ein Zeichen dafür, dass Irrationalität nicht ausstirbt, nicht einmal dann, wenn überdeutlich zu erkennen ist, dass Gewalt ein Grundbestandteil der menschlichen Spezies ist, auf den man besser vorbereitet ist, aus Gründen der Abschreckung.

Zeit, Helmut Schmidt zu loben. Er hatte Recht. Der Nato-Doppelbeschluss und die Nachrüstung, sie waren notwendig, um den Frieden in Europa zu sichern. Und das sagen Ostermarschierer von damals.

Geheime Schweinereien enttarnt: „Bürgernahe“ GEZ-Zwangsvollstreckung

Angeblich gibt es derzeit (nur) rund 1.5 Millionen Deutsche, die keine GEZ-Gebühren bezahlen.

GEZ nein dankeDamit hätte die Gebührenverweigerer-Bewegung sich in Deutschland als das etabliert, was man früher als soziale Bewegung bezeichnet und erforscht hat. Heute sind die meisten Sozialwissenschaftler zu sehr mit sich und der Legitimation politisch korrekter Inhalte beschäftigt, als dass sie noch eine Wahrnehmung für das hätten, was tatsächlich geschieht. Deshalb forscht bislang niemand zur neuen sozialen Bewegung der Gebührenverweigerer.

Gebührenverweigerer sind in der öffentlich-rechtlichen Medien-Öffentlichkeit auch kein Thema, was verständlich ist, denn die angeblich unabhängigen Sender von ARD und ZDF haben kein Interesse daran, den wachsenden Widerstand gegen die eigene Berichterstattung öffentlich zu machen.

Auch Verwaltungen, die sich, wie das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt zum Helfershelfer derer machen, die GEZ-Gebührenverweigerer mit allen Mitteln staatlicher Repression und Schuldner-Verfolgung überziehen, scheinen in diesen stillschweigenden oder choreographierten Pakt des Stillschweigens einbezogen zu sein.

Das ist verwunderlich.
Verwaltungen sind nicht das Instrument in der Hand der Regierung, das dazu da ist, staatliche Regelungen gegen Bürger durchzusetzen. Verwaltungen sind Beauftragte der Bürger, deren Aufgabe darin besteht, das Miteinander der Bürger zu erleichtern. Nun sind Verwaltungen immer mehr zu Handlangern der Gängelung von Bürgern geworden, die gegen Bürger Steuerbescheide durchsetzen, Bürger dazu zwingen, unterschiedliche Formen der Unterwerfungsrituale durchzuführen, vom Gang zur Zulassungsstelle, die man komplett einsparen und über das Internet abwickeln könnte bis zum Einwohnermeldeamt, dem Aufenthaltswechsel sofort zu melden sind, so als wären Bürger der Herrschaft des Einwohnermeldeamts unterworfen und nicht etwa umgekehrt.

Dass der Schwanz in Deutschland mit dem Hund wedelt, soll durch eine Vielzahl wohlklingender und irreführender Begriffe vertuscht werden, z.B. den Begriff der Bürgernähe. Zitieren wir doch ausnahmsweise einmal die Wikipedia:

Government help“Das Verständnis über Bürgernähe ist vielfältig. Im Zusammenhang mit Bürgernähe werden von Behörden im Regelfall „unbürokratische“ Vorgangsweisen erwartet wie einfache Erreichbarkeit, unverzügliche Entgegennahme von dringlichen Angelegenheiten und genaue Feststellung des Eingangstermins durch die Verwaltung. Bei einer Befragung, wie der Landtag Nordrhein-Westfalen politisch gestärkt werden könnte, wird mehr Bürgernähe durch Eingehen auf die Bürger und Stärkung des Einflusses der Bürger genannt. Anstelle einer genauen Begriffserläuterung wird Bürgernähe häufig durch ein Mehr in einem Teilbereich der Bürgerbelange beschrieben – etwa die Zusammenarbeit durch die Nutzung von elektronischen Medien, um damit die Bürgernähe und Serviceorientierung der Verwaltung zu stärken, oder es wird einfach nur wie im Vertrag von Lissabon die Absicht erklärt, so bürgernah wie möglich zu sein.“

Bürgern, so der Schein, der gegaukelt wird, soll durch vermeintliche Bürgernähe der Eindruck vermittelt werden, das, was in Verwaltungen geschieht, sei durchweg in ihrem Interesse, sei durchweg effizient, sei in jedem Fall an konkreten Regeln ausgerichtet und darüber hinaus transparent und nachvollziehbar. In keinem Fall, so der Schein, agierten Verwaltungen gegen die Interessen der Gemeinschaft, in keinem Fall würden sie sich zum Erfüllungsgehilfen von Organisationen machen, die auf dem Rücken von und gegen den Widerstand einer wachsenden Anzahl von Bürgern ihr Dasein fristen.

So der Schein.
Hier die Realität, die derzeit durch das Internet geht. Ja, das Internet, der Ort des Hasses und der Trolle, der Ort, den Politiker gerne schließen, in jedem Fall aber genauer überwachen wollen, damit nicht ans Licht kommt, was sie gerne vor der Öffentlichkeit verbergen wollen, damit nicht deutlich wird, wie hohl Begriffe wie „Bürgernähe“ in Wirklichkeit doch sind.

Im folgenden Schreiben geht es um eine laufende Auseinandersetzung zwischen dem Landratsamt Saalfeld-Rudolstaat als Erfüllungsgehilfen des MDR und einem verständlicherweise anonymen GEZ-Gebührenverweigerer, dem die Zwangsvollstreckung angedroht ist und dem in dem Schreiben rundheraus erklärt wird, dass alle seine Schreiben, die er zur Begründung seiner GEZ-Gebührenverweigerung an das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt und die dort zuständige Bearbeiterin Schönbrodt schicken wird, nicht gelesen oder zur Kenntnis genommen werden. Die Zwangsvollstreckung wird durchgezogen, egal, was der Gebührenverweigerer sagt, schreibt und tut.

gez-vollstreckung

Nun ist eine derartige Weise, Bürger abzufertigen, nicht unbedingt das, was man als bürgernah bezeichnen würde. Es verspricht, den mit Mühe aufgebauten schönen Schein zu zerstören, so wie derartige Mitteilungen, in denen klipp und klar steht, dass in diesem Fall die Verwaltungsangestellte Schönbrodt alles, was Bürger schreiben, ignorieren wird, eher dafür sprechen, dass Verwaltungen gegen Bürger und nicht für Bürger arbeiten. Letzteres wäre Anlass, die Verwaltungen zu schließen und die Schönbrodts aus Saalfeld und anderen Landkreisen an ihre Kollegen in den Jobcentern der Region zu verweisen.

Deshalb wird ausdrücklich untersagt, und zwar von einem „wir“, das Schreiben und andere Unterlagen im Internet zu veröffentlichen. Auf welcher Rechtsgrundlage diese Untersagung wohl erfolgt? Gäbe es eine, sie würde von „wir“ sicher zitiert. Aber „wir“ weiß offensichtlich keine Rechtsgrundlage und will nur verhindern, dass die Schweinereien, die wohl zwischenzeitlich täglich in Verwaltungen hinter dem Rücken der Bürger ablaufen, auch dort bleiben: Hinter dem Rücken.

Wie gut, dass es mutige Menschen und das Internet gibt, ohne das es kaum möglich wäre, die totalitären Züge, die Deutschland immer mehr annimmt, so plastisch und im Beispiel darzustellen und vor allem zu verbreiten.

Nachtrag zum Thema: Wer liest alles ScienceFiles?

Über den folgenden Link eines Mailserveres kamen heute drei Leser auf diesen Text:

http://domslf1/mail/vollstreckung.nsf/iNotes/Mail/?OpenDocument&ui=dwa_frame&l=de&CR&MX&TS=20161202T002022%2C61Z&charset=UTF-8&KIC&ua=ie&pt&gn

“slf1” = Saalfeld – Vollstreckung ist selbstredend.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Der ewige Diener oder: Widerstand von Männern? Bewegung von Männern? Wo?

Dr. habil. Heike Diefenbach hat sich in einem Kommentar gewundert, über Männer gewundert und darüber, was man alles mit Männern machen kann. Die Fragen, die Heike Diefenbach dabei stellt, gehen alle Männer an, denn es sind Fragen, die direkt an das Selbstbewusstsein, den Selbstwert und das Selbstbild von Männern oder solchen zielen, die erfolglos versuchen, wie Männer zu wirken.

Sciencefiles[…] “Ich wundere mich nun schon seit Jahren, um nicht zu sagen: Jahrzehnten, darüber, warum Männer nicht ihre Konsequenzen aus diesem Umstand – und vielen anderen real existierenden, für sie nachteiligen Umständen, ziehen.

Ich verstehe es einfach nicht, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Männerschelte und -benachteiligung deshalb so beliebt und überall verbreitet ist, weil Männer unter den derzeitigen Minderheiten zweifellos die duldsamste sind.

Gab es überhaupt schon einmal eine Demonstration von Männern gegen ihre strukturelle Benachteiligung in Deutschland und anderswo, z.B. gegen die lapidare, gerechtigkeitsverletzende Bemerkung “Frauen werden bei gleicher Eignung bevorzugt”, die es ja nun schon seit langer Zeit gibt und anscheinend von vielen Menschen und eben auch (aus unerfindlichen Gründen) Männern wie eine Normalität akzeptiert wird, oder auch nur gegen die Untätigkeit der Bildungspolitik mit Bezug auf die Nachteile ihrer Söhne in der Schule? Gab es Arbeitsniederlegungen bei Müllmännern und Kanalarbeitern, solange nicht eine Frauenquote von 30% verwirklicht ist? Gab es auch nur entsprechende Petitionen?

Muss man sich wundern, dass man immer weiter und weiter ausgebeutet, beschimpft und benachteiligt wird, wenn man auch angesichts der größten Hämmer nicht tätig wird?

Möglicherweise ist es unter der Würde so manchen Mannes, sich als ausgebeutet, beschimpft und benachteiligt zu betrachten, und das wäre ja die Voraussetzung dafür, damit anzufangen, sich zu wehren. Eine psychologisch schützende Ignoranz ist aber oft eine die eigenen Lebenschancen stark einschränkende Ingnoranz, denn die Realität bleibt die Realität.

So gesehen ist es irgendwie verständlich, dass manche Männer zu der Alternative finden, den nicht ausgebeuteten, bevorteilten weißen Mann zu markieren um den Preis, dass sie sich vor den Karren der angeblich armen, ausgebeuteten, benachteiligten Frauen spannen lassen und als feministische oder genderistische Karrieristen unterwegs sind; so kann man sich doppelt gut fühlen: man setzt sich für die armen benachteiligten Opfer (von wem auch immer) ein, und das kann man deshalb trefflich tun, weil man selbst ja keinerlei Notlagen kennt, keine Benachteiligungen, nichts dergleichen. Kurz: man bleibt der tolle Typ gerade dadurch, dass man den Opfer-Weibchen das Wort redet.

Also, wenn ich ein Mann wäre, dann hätte ich dazu doch etwas (bzw. einiges mehr :-)) zu sagen – und zwar in aller Deutlichkeit …!”

Warum also wehren sich Männer nicht?

Warum gibt es keinen geordneten Widerstand gegen die tägliche Verleumdung durch Medien und Genderisten, die Männer wahlweise als weiße Rassisten, häusliche Gewalttäter beschimpfen? Warum gehen Männer nicht dagegen vor, dass sie als alte Säcke beschimpft werden, die ihre Pfründe in Unternehmen und sonstwo, wo es Führungspositionen gibt, gegen die allzeit fähigen aufstrebenden Frauen verteidigen und letztere absichtlich benachteiligen?

Wo ist der Widerstand, die Mahnwache, die Demonstration der Männer gegen konkrete Benachteiligungen im täglichen Leben, die Männer die schmutzigen und gefährlichen Jobs machen sieht, die Männer häufiger ihr Leben für “ihr Land” oder im Rahmen ihrer Arbeit verlieren sieht?

Wo wehren sich Männer dagegen, dass Milliarden der Steuergelder, die sie erwirtschaftet haben, veruntreut und dazu verwendet werden, Frauen auch ohne Arbeit Rente zu sichern, Frauen die Zeit ihrer selbstgewählten Mutterschaft zu vergüten, Mütter und nicht etwa Väter in Genesungsurlaub zu schicken, Frauen mitzuversichern, Frauen eine Witwenrente zu gewähren und vieles mehr?

Raschke NSMUnd wo ist der Widerstand dagegen, dass mit weiteren Milliarden von Steuergeldern, die im Wesentlichen von Männern erwirtschaftet werden, eine männerhassende Infrastruktur an Universitäten, in Frauenhäusern, in Verlagshäusern, in öffentlich-rechtlichen Medien, in Kindergärten, Schulen, Ministerien und Unternehmen geschaffen wird, deren einziger Zweck darin besteht, gegen den patriarchalischen, rassistischen, sexistischen und bösen weißen Mann Hassreden zu verbreiten und legitimierende Maßnahmen zu finanzieren, die nichts anderes sollen, als den Mythos der Unterdrückung der armen weiblichen Opfer durch die oben beschriebenen weißen, rassistischen und so weiter Männer zu verbreiten?

Forschung zu Sozialen Bewegungen, wie sie z.B. Joachim Raschke durchgeführt hat, zeigt, dass eine Bewegung, wie z.B. die Öko-Bewegung letztlich zwei Hürden meistern muss, um erfolgreich zu sein: Die erste Hürde ist eine Trägheitshürde, die dann überwunden ist, wenn es gelingt, eine erkleckliche Zahl von Personen in einem gemeinsamen Ziel zu vereinen und in der Öffentlichkeit und dauerhaft mit diesem Ziel präsent sein zu lassen. Die zweite Hürde besteht darin, die dauerhafte Präsenz in der Öffentlichkeit dazu zu nutzen, die eigene Bewegung zu institutionalisieren, um nunmehr auf Grundlage fester Strukturen, Einfluss nehmen zu können.

Man sollte meinen, Männer wären aufgrund ihrer Menge in der Lage, beide Hürden zu nehmen. Tatsächlich bleiben sie schon an der ersten Hürde hängen, denn von Einzelkämpfern wie Arne Hoffmann einmal abgesehen und abgesehen von zaghaften Versuchen, eine Bewegung zu institutionalisieren, wie sie Manndat und Agens darstellen, ist wenig an Breitenwirkung zu bemerken.

Statt dessen gibt es institutionalisierte Schmuse-Vereine wie das Bundesforum Männer, das nicht ohne Grund vom Bundesministerium für FSFJ finanziert wird, denn das Bundesforum Männer ist ein Schoßhund, den man schön spazieren führen kann und der auf Kommando Männchen (!sic) macht. Das kommt eher dem Bild einer eingebildeten Männlichkeit, einer jämmerlichen und weinerlichen Männlichkeit gleich, das Heike Diefenbach zum Ende ihres Kommentars beschrieben hat: Damit die angeblichen Männer ein Stück vom Kuchen erhalten, machen sie auf Zuruf Männchen, für Frauchen.

Die zweite, oben beschriebene Hürde kommt gar nicht in den Blick, da die erste noch nicht genommen wurde.

Der fehlende organisierte Wiederstand ist umso erstaunlicher, wenn man die durchschnittliche männliche Karriere, das durchschnittliche männliche Leben im Zeitraffer beschreibt:

  • Ein männliches Leben ist in Deutschland im Durchschnitt um 6,4% kürzer als ein weibliches Leben.
  • Die berufliche Karriere von Männern unterliegt von Anfang an einer institutionellen Diskriminerung:
    • Jungen werden im Durchschnitt später eingeschult, bleiben häufiger sitzen, werden häufiger auf Sonderschulen abgeschoben und erhalten seltener eine Empfehlung für das Gymnasium als Mädchen.
    • Konsequenter Weise sind Jungen häufiger auf Sonder- und Hauptschulen zu finden, machen seltener ein Abitur als Mädchen und sind zwischenzeitlich zu einer Minderheit unter den Erstsemestern geworden.
  • Sonderregelungen, die die Bevorzugung von Frauen garantieren, erschweren Männern den Eintritt in öffentlich finanzierte Positionen, richten z.B. Lehrstühle oder Vorstandsposten exklusiv für Frauen ein.
  • Im Gegensatz zu Frauen können sich Männer nicht dazu entscheiden, sich auf die Aufzucht von Kindern zu spezialisieren und die berufliche Karriere abzuhaken.
  • Dafür bezahlen Männer mit ihren Steuergeldern mehrheitlich die Mutterschaft, die Rentenanwartschaft, die Sozialabgaben, die Urlaube und die Zeit, die hauptberufliche Mütter vor dem Hausfrauenfernsehen verbringen.
  • Im Gegensatz zu Frauen gibt es für Männer keine eigens für entsprechend Willige geschaffenen white collar jobs in öffentlichen Ämtern, bei denen man sich nicht die Hände schmutzig machen muss und während man die Maus über den Bildschirm schiebt, nur aufpassen muss, dass der Nagellack rechtzeitig trocken wird.
  • Dafür haben Männer aufgrund der Berufe, die sie ausüben, eine höhere Wahrscheinlichkeit, bei einem Arbeitsunfall verletzt oder getötet zu werden als Frauen, sie haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit zu erkranken und eine höhere Wahrscheinlichkeit als Invalide zu enden als Frauen.
  • Männer machen häufiger Überstunden, arbeiten in schmutzigen und gefährlichen Berufen (siehe oben) und werden zum Dank als überbezahlt verleumdet, von einer Horde von Opportunisten, die zwar keine Statistik lesen können, aber keine ethischen oder geschweige denn moralischen Probleme damit haben, ein Gender Pay Gap von 22% zwischen Männern und Frauen zu phantasieren.
  • Weil ein weibliches Leben so ungleich wichtiger zu sein scheint als ein männliches, wurde bis vor kurzem die Erforschung von Krebsarten, die Männer befallen, allen voran, der Prostatakrebs vernachlässigt. Es kümmert sich niemand darum, dass die Selbstmordrate unter Männern ein Vielfaches der entsprechenden Rate unter Frauen ist und, last but not least, man hat sich daran gewöhnt, dass Männer eben früher sterben als Frauen.

Das männliche Leben, wie es sich hier darstellt, erinnert an schlechte Romane, in denen der Held an Bord des untergehenden Schiffes bleibt, um seiner Angebeteten den letzten freien Platz auf dem Rettungsboot zukommen zu lassen.

ArneMan sollte meinen, dass Männer von ihrem Leben mehr erwarten, als sich für das Leben anderer, die ihnen als wichtiger vor die Nase gesetzt werden, hinzugeben.

Man sollte erwarten, dass Männern etwas zu ihrer systematischen Benachteiligung in einer männerfeindlichen Gesellschaft einfällt.

Sollte man.

Aber man sollte auch erwarten, dass Minderbemittelte nicht an Universitäten Lehrstühle besetzen oder in Parlamente gelangen.

Warum also wehren sich Männer nicht?

Die Sozialpsychologie stellt mit der Theorie kognitiver Dissonanz eine Möglichkeit bereit, die Untätigkeit von Männern zu erklären. Heike Diefenbach bezieht sich auf diese Theorie, wenn sie ausführt, dass Männer es anscheinend nicht mit ihrem Selbstwert vereinbaren können, dass sie ausgenutzt, verleumdet, betrogen und diskriminiert werden. Also versuchen sie, ihre psychische Welt wieder ins Lot zu bringen, dadurch, dass sie verleugnen, dass sie ausgenutzt, verleumdet und diskriminiert werden und dadurch, dass sie, wie die Bundesmänner vom Forum, eine willig dienende Haltung einnehmen, um sich vorlügen zu können, sie wären trotz allem, die tollen Typen, die zu sein, sie sich erträumen oder, um im Bild zu bleiben, sie könnten jederzeit verweigern, Männchen zu machen, wenn Frauchen ruft. Nicht, dass sie das jemals getan hätten, aber sie könnten es theoretisch, wenn sie wollten … und nicht vor den inzwischen als gesetzliche Tatsache geschaffenen Folgen Angst hätten.

Von einem weiblichen Redakteur von ScienceFiles stammt das Bonmot, dass sich Männer nur bewegen, wenn es um ihre Vorhaut geht. Es ist Zeit dass sie merken, es geht um mehr als die Vorhaut, es geht um ihre Haut.

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