Der ewige Diener oder: Widerstand von Männern? Bewegung von Männern? Wo?

Dr. habil. Heike Diefenbach hat sich in einem Kommentar gewundert, über Männer gewundert und darüber, was man alles mit Männern machen kann. Die Fragen, die Heike Diefenbach dabei stellt, gehen alle Männer an, denn es sind Fragen, die direkt an das Selbstbewusstsein, den Selbstwert und das Selbstbild von Männern oder solchen zielen, die erfolglos versuchen, wie Männer zu wirken.

Sciencefiles[…] “Ich wundere mich nun schon seit Jahren, um nicht zu sagen: Jahrzehnten, darüber, warum Männer nicht ihre Konsequenzen aus diesem Umstand – und vielen anderen real existierenden, für sie nachteiligen Umständen, ziehen.

Ich verstehe es einfach nicht, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Männerschelte und -benachteiligung deshalb so beliebt und überall verbreitet ist, weil Männer unter den derzeitigen Minderheiten zweifellos die duldsamste sind.

Gab es überhaupt schon einmal eine Demonstration von Männern gegen ihre strukturelle Benachteiligung in Deutschland und anderswo, z.B. gegen die lapidare, gerechtigkeitsverletzende Bemerkung “Frauen werden bei gleicher Eignung bevorzugt”, die es ja nun schon seit langer Zeit gibt und anscheinend von vielen Menschen und eben auch (aus unerfindlichen Gründen) Männern wie eine Normalität akzeptiert wird, oder auch nur gegen die Untätigkeit der Bildungspolitik mit Bezug auf die Nachteile ihrer Söhne in der Schule? Gab es Arbeitsniederlegungen bei Müllmännern und Kanalarbeitern, solange nicht eine Frauenquote von 30% verwirklicht ist? Gab es auch nur entsprechende Petitionen?

Muss man sich wundern, dass man immer weiter und weiter ausgebeutet, beschimpft und benachteiligt wird, wenn man auch angesichts der größten Hämmer nicht tätig wird?

Möglicherweise ist es unter der Würde so manchen Mannes, sich als ausgebeutet, beschimpft und benachteiligt zu betrachten, und das wäre ja die Voraussetzung dafür, damit anzufangen, sich zu wehren. Eine psychologisch schützende Ignoranz ist aber oft eine die eigenen Lebenschancen stark einschränkende Ingnoranz, denn die Realität bleibt die Realität.

So gesehen ist es irgendwie verständlich, dass manche Männer zu der Alternative finden, den nicht ausgebeuteten, bevorteilten weißen Mann zu markieren um den Preis, dass sie sich vor den Karren der angeblich armen, ausgebeuteten, benachteiligten Frauen spannen lassen und als feministische oder genderistische Karrieristen unterwegs sind; so kann man sich doppelt gut fühlen: man setzt sich für die armen benachteiligten Opfer (von wem auch immer) ein, und das kann man deshalb trefflich tun, weil man selbst ja keinerlei Notlagen kennt, keine Benachteiligungen, nichts dergleichen. Kurz: man bleibt der tolle Typ gerade dadurch, dass man den Opfer-Weibchen das Wort redet.

Also, wenn ich ein Mann wäre, dann hätte ich dazu doch etwas (bzw. einiges mehr :-)) zu sagen – und zwar in aller Deutlichkeit …!”

Warum also wehren sich Männer nicht?

Warum gibt es keinen geordneten Widerstand gegen die tägliche Verleumdung durch Medien und Genderisten, die Männer wahlweise als weiße Rassisten, häusliche Gewalttäter beschimpfen? Warum gehen Männer nicht dagegen vor, dass sie als alte Säcke beschimpft werden, die ihre Pfründe in Unternehmen und sonstwo, wo es Führungspositionen gibt, gegen die allzeit fähigen aufstrebenden Frauen verteidigen und letztere absichtlich benachteiligen?

Wo ist der Widerstand, die Mahnwache, die Demonstration der Männer gegen konkrete Benachteiligungen im täglichen Leben, die Männer die schmutzigen und gefährlichen Jobs machen sieht, die Männer häufiger ihr Leben für “ihr Land” oder im Rahmen ihrer Arbeit verlieren sieht?

Wo wehren sich Männer dagegen, dass Milliarden der Steuergelder, die sie erwirtschaftet haben, veruntreut und dazu verwendet werden, Frauen auch ohne Arbeit Rente zu sichern, Frauen die Zeit ihrer selbstgewählten Mutterschaft zu vergüten, Mütter und nicht etwa Väter in Genesungsurlaub zu schicken, Frauen mitzuversichern, Frauen eine Witwenrente zu gewähren und vieles mehr?

Raschke NSMUnd wo ist der Widerstand dagegen, dass mit weiteren Milliarden von Steuergeldern, die im Wesentlichen von Männern erwirtschaftet werden, eine männerhassende Infrastruktur an Universitäten, in Frauenhäusern, in Verlagshäusern, in öffentlich-rechtlichen Medien, in Kindergärten, Schulen, Ministerien und Unternehmen geschaffen wird, deren einziger Zweck darin besteht, gegen den patriarchalischen, rassistischen, sexistischen und bösen weißen Mann Hassreden zu verbreiten und legitimierende Maßnahmen zu finanzieren, die nichts anderes sollen, als den Mythos der Unterdrückung der armen weiblichen Opfer durch die oben beschriebenen weißen, rassistischen und so weiter Männer zu verbreiten?

Forschung zu Sozialen Bewegungen, wie sie z.B. Joachim Raschke durchgeführt hat, zeigt, dass eine Bewegung, wie z.B. die Öko-Bewegung letztlich zwei Hürden meistern muss, um erfolgreich zu sein: Die erste Hürde ist eine Trägheitshürde, die dann überwunden ist, wenn es gelingt, eine erkleckliche Zahl von Personen in einem gemeinsamen Ziel zu vereinen und in der Öffentlichkeit und dauerhaft mit diesem Ziel präsent sein zu lassen. Die zweite Hürde besteht darin, die dauerhafte Präsenz in der Öffentlichkeit dazu zu nutzen, die eigene Bewegung zu institutionalisieren, um nunmehr auf Grundlage fester Strukturen, Einfluss nehmen zu können.

Man sollte meinen, Männer wären aufgrund ihrer Menge in der Lage, beide Hürden zu nehmen. Tatsächlich bleiben sie schon an der ersten Hürde hängen, denn von Einzelkämpfern wie Arne Hoffmann einmal abgesehen und abgesehen von zaghaften Versuchen, eine Bewegung zu institutionalisieren, wie sie Manndat und Agens darstellen, ist wenig an Breitenwirkung zu bemerken.

Statt dessen gibt es institutionalisierte Schmuse-Vereine wie das Bundesforum Männer, das nicht ohne Grund vom Bundesministerium für FSFJ finanziert wird, denn das Bundesforum Männer ist ein Schoßhund, den man schön spazieren führen kann und der auf Kommando Männchen (!sic) macht. Das kommt eher dem Bild einer eingebildeten Männlichkeit, einer jämmerlichen und weinerlichen Männlichkeit gleich, das Heike Diefenbach zum Ende ihres Kommentars beschrieben hat: Damit die angeblichen Männer ein Stück vom Kuchen erhalten, machen sie auf Zuruf Männchen, für Frauchen.

Die zweite, oben beschriebene Hürde kommt gar nicht in den Blick, da die erste noch nicht genommen wurde.

Der fehlende organisierte Wiederstand ist umso erstaunlicher, wenn man die durchschnittliche männliche Karriere, das durchschnittliche männliche Leben im Zeitraffer beschreibt:

  • Ein männliches Leben ist in Deutschland im Durchschnitt um 6,4% kürzer als ein weibliches Leben.
  • Die berufliche Karriere von Männern unterliegt von Anfang an einer institutionellen Diskriminerung:
    • Jungen werden im Durchschnitt später eingeschult, bleiben häufiger sitzen, werden häufiger auf Sonderschulen abgeschoben und erhalten seltener eine Empfehlung für das Gymnasium als Mädchen.
    • Konsequenter Weise sind Jungen häufiger auf Sonder- und Hauptschulen zu finden, machen seltener ein Abitur als Mädchen und sind zwischenzeitlich zu einer Minderheit unter den Erstsemestern geworden.
  • Sonderregelungen, die die Bevorzugung von Frauen garantieren, erschweren Männern den Eintritt in öffentlich finanzierte Positionen, richten z.B. Lehrstühle oder Vorstandsposten exklusiv für Frauen ein.
  • Im Gegensatz zu Frauen können sich Männer nicht dazu entscheiden, sich auf die Aufzucht von Kindern zu spezialisieren und die berufliche Karriere abzuhaken.
  • Dafür bezahlen Männer mit ihren Steuergeldern mehrheitlich die Mutterschaft, die Rentenanwartschaft, die Sozialabgaben, die Urlaube und die Zeit, die hauptberufliche Mütter vor dem Hausfrauenfernsehen verbringen.
  • Im Gegensatz zu Frauen gibt es für Männer keine eigens für entsprechend Willige geschaffenen white collar jobs in öffentlichen Ämtern, bei denen man sich nicht die Hände schmutzig machen muss und während man die Maus über den Bildschirm schiebt, nur aufpassen muss, dass der Nagellack rechtzeitig trocken wird.
  • Dafür haben Männer aufgrund der Berufe, die sie ausüben, eine höhere Wahrscheinlichkeit, bei einem Arbeitsunfall verletzt oder getötet zu werden als Frauen, sie haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit zu erkranken und eine höhere Wahrscheinlichkeit als Invalide zu enden als Frauen.
  • Männer machen häufiger Überstunden, arbeiten in schmutzigen und gefährlichen Berufen (siehe oben) und werden zum Dank als überbezahlt verleumdet, von einer Horde von Opportunisten, die zwar keine Statistik lesen können, aber keine ethischen oder geschweige denn moralischen Probleme damit haben, ein Gender Pay Gap von 22% zwischen Männern und Frauen zu phantasieren.
  • Weil ein weibliches Leben so ungleich wichtiger zu sein scheint als ein männliches, wurde bis vor kurzem die Erforschung von Krebsarten, die Männer befallen, allen voran, der Prostatakrebs vernachlässigt. Es kümmert sich niemand darum, dass die Selbstmordrate unter Männern ein Vielfaches der entsprechenden Rate unter Frauen ist und, last but not least, man hat sich daran gewöhnt, dass Männer eben früher sterben als Frauen.

Das männliche Leben, wie es sich hier darstellt, erinnert an schlechte Romane, in denen der Held an Bord des untergehenden Schiffes bleibt, um seiner Angebeteten den letzten freien Platz auf dem Rettungsboot zukommen zu lassen.

ArneMan sollte meinen, dass Männer von ihrem Leben mehr erwarten, als sich für das Leben anderer, die ihnen als wichtiger vor die Nase gesetzt werden, hinzugeben.

Man sollte erwarten, dass Männern etwas zu ihrer systematischen Benachteiligung in einer männerfeindlichen Gesellschaft einfällt.

Sollte man.

Aber man sollte auch erwarten, dass Minderbemittelte nicht an Universitäten Lehrstühle besetzen oder in Parlamente gelangen.

Warum also wehren sich Männer nicht?

Die Sozialpsychologie stellt mit der Theorie kognitiver Dissonanz eine Möglichkeit bereit, die Untätigkeit von Männern zu erklären. Heike Diefenbach bezieht sich auf diese Theorie, wenn sie ausführt, dass Männer es anscheinend nicht mit ihrem Selbstwert vereinbaren können, dass sie ausgenutzt, verleumdet, betrogen und diskriminiert werden. Also versuchen sie, ihre psychische Welt wieder ins Lot zu bringen, dadurch, dass sie verleugnen, dass sie ausgenutzt, verleumdet und diskriminiert werden und dadurch, dass sie, wie die Bundesmänner vom Forum, eine willig dienende Haltung einnehmen, um sich vorlügen zu können, sie wären trotz allem, die tollen Typen, die zu sein, sie sich erträumen oder, um im Bild zu bleiben, sie könnten jederzeit verweigern, Männchen zu machen, wenn Frauchen ruft. Nicht, dass sie das jemals getan hätten, aber sie könnten es theoretisch, wenn sie wollten … und nicht vor den inzwischen als gesetzliche Tatsache geschaffenen Folgen Angst hätten.

Von einem weiblichen Redakteur von ScienceFiles stammt das Bonmot, dass sich Männer nur bewegen, wenn es um ihre Vorhaut geht. Es ist Zeit dass sie merken, es geht um mehr als die Vorhaut, es geht um ihre Haut.

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70 Responses to Der ewige Diener oder: Widerstand von Männern? Bewegung von Männern? Wo?

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  2. Diese Frage habe ich mir als Gründer der Österreichischen Männerpartei auch oft gestellt. Letztlich bin ich zu folgendem Schluss gekommen: “Der typische Mann hat ein starkes Bedürfnis nach fairer Behandlung. Dieser Anspruch ist aber eher analog der sportlichen Fairness, bei der es um klare Regeln beim Wettkampf innerhalb der eigenen Gewichtsklasse geht. Männer verstehen zwar, daß Frauen mittlerweile oft in einer Konkurrenzsituation zu Männern auftreten. Aber sie empfinden Frauen emotional nicht als Konkurrenz, sondern als liebenswerte und schutzbedürftige Wesen. Deswegen haben Generationen von männerdominierten Parlamenten eine Schutzbestimmung für Frauen nach der anderen beschlossen. Deswegen reden Männer unter sich zwar über die Widersprüche der Geschlechterpolitik. Aber sie gehen nicht auf die Straße, um ihr Recht einzufordern.” (siehe https://medium.com/republik-osterreich/pladoyer-fur-einen-liberalen-maskulismus-5412bfa29026)

    • Heike Diefenbach says:

      @wiemanindenwald …

      Vielen Dank für Ihren Kommentar!

      Wenn ich ihn richtig verstanden habe, dann ist er mit meinen Spekulationen grundsätzlich vereinbar: Sie sind ja der Meinung, dass Männer sich aufgrund ihres (empirisch unzutreffenden, mindestens aber übertrieben homogenen) Frauenbildes selbst zu Opfern machen und sich dabei – eben wegen ihres verfehlten Frauenbildes – auch noch recht gut fühlen können, und ich vermute, dass diese Auffassung des “typische[n] Mann[es]” davon, was, sagen wir: die typische Frau sei oder bräuchte oder wollte, für den “typische[n] Mann” eine psychologische (Schutz-) Funktion erfüllt, d.h. eine Funktion zum Schutz seiner eigenen Persönllichkeit, nicht auf den Schutz von Frauen bezogen – falls wir da ein Missverständnis produziert haben.

      Also sind wir uns jedenfalls einig, dass es eine psychologische Funktion sein muss, die so (und zu) viele Männer dazu bringt, sich zu Kollaborateuren ihrer eigenen Degradierung zu Menschen 2. Klasse zu machen.

      Ich stimme Ihnen nicht zu, wenn Sie meinen, dass der “typische Mann” ein “starkes Bedürfnis nach fairer Behandlung” habe, WENN das bedeuten soll, dass die “typische Frau” dies nicht habe.

      Nach allem, was ich an diesbezüglichen Studien kenne, vertreten Männer tatsächlich etwas häufiger das Gerechtigkeitsprinzip als Frauen, aber Frauen vertreten dafür etwas häufiger andere Prinzipien wie das Bedürfnisprinzip. und auch bei diesen geht es ja letztlich um die Frage nach fairen Verteilungen.

      Und wenn man Feministen und Genderisten beiderlei Geschlechter betrachtet, dann fällt doch sehr stark auf, dass es ihnen furchtbar wichtig ist. solchen Unsinn wie ein Patriarchat zu behaupten, Frauen als immer und ewig benachteiligt und als “Opfer” zu beschreiben, um zu suggerieren, dass es sich hier um so etwas wie einen alttestamentarischen Ausgleich im Bösen gehen würde. Also besteht auch bei ihnen der Drang, ihre systematische Bevorteilung von Frauen als irgendwie – und wenn es noch so herbeigezwungen ist – “fair” darzustellen.

      Und ich persönlich baue hierauf auch meine Hoffnung: So richtig egal ist Fairness, glaube ich, fast niemandem, und deshalb ist die Diskussion um die Bevorteilung von Frauen gegenüber Männern eine, die (auch, aber vermutlich vor allem,) auf der Diskussion um Fairness und faire Verhaltensweisen beruhen.

      Wenn ich das richtig beobachtet habe, sind es auch diese Fairness-Argumente, die den Feministen/Genderisten zunehmen Schwierigkeiten machen, wenn z.B. völlig zu Recht gefragt wird, warum eine 30%-Quote in Spitzenpositionen, aber nicht z.B. bei der Müllabfuhr für richtig gehalten und gefordert wird etc.

      • S.B. says:

        Hallo Frau Diefenbach,

        > Also sind wir uns jedenfalls einig, dass es eine psychologische Funktion sein muss, die so (und zu) viele Männer dazu bringt, sich zu Kollaborateuren ihrer eigenen Degradierung zu Menschen 2. Klasse zu machen.

        Ich habe hierzu eine persönliche Beobachtung beizusteuern, die vielleicht interessant sein könnte. Ich sage gleich dazu, daß ich Informatiker und kein Psychologe bin, also verzeihen Sie mir wenn das folgende unwissenschaftlich und amateurhaft rüberkommt:

        Ich stelle an mir eine gewisse Ähnlichkeit in einer psychologischen Reaktion zwischen dem Feminismus auf der einen Seite, und meinem durch das Alter leider inzwischen toxisch gewordenen Vater fest, der sich zum Zerrbild eines manipulativen Hausdrachens entwickelt hat.

        Gegenüber meinem Vater bleibe ich inzwischen massiv auf Distanz (zum Glück stehe ich schon lange auf eigenen Füßen, und lebe 200 km entfernt). Es ist nicht mehr möglich, mit ihm ein respektvolles Gespräch zu führen. Es hagelt nur Kritik, ich muss Angst haben, daß jedes meiner Worte im Mund umgedreht und gegen mich verwendet wird, es wird einem laufend ins Wort mit schieren Bösartigkeiten gefallen, mitunter endet es in minutenlange Monologe in viel zu lautem Tonfall, und er manipuliert ganz massiv indem er sich als armes Opfer darstellt.

        Auf Konfrontationskurs zu gehen habe ich nur kurz gewagt. Ich wurde natürlich augenblicklich als der “böse Sohn” dargestellt, der seinem armen alten Vater gegenüber zutiefst undankbar ist.

        Ähnlichkeiten zum Diskussionsstil des derzeitigen Feminismus sind für mich frappant. Desweiteren wird gerade in letzter Zeit der Feminismus doch des öfteren ebenfalls als “toxisch” bezeichnet.

        Es ist mir bewusst, daß toxische Leute nur ihre eigenen Dämonen nach außen projizieren, aber solche Leute brauchen professionelle Hilfe, und ich kann das nicht leisten.

        Eine Reaktion auf solche Leute ist kompletter Kontaktabbruch und Distanz. Das ist eine Möglichkeit, wie immer mehr Männer auf die feministischen Anmaßungen reagieren, mit “Null Bock” und Verweigerung.

        Die andere Möglichkeit, und hier komme ich zurück zu Ihrer Frage, ist “Appeasement”. Es gibt erschreckende Geschichten von Kindern, die alles dran setzen, es ihren toxisch gewordenen Eltern recht zu machen, und die aber nur nach Strich und Faden manipuliert und ausgenutzt werden. Solche Kinder degradieren sich genauso selbst und machen sich zu Menschen 2. Klasse. Weil sie hoffen, damit die Zuneigung ihrer Eltern (zurück)zugewinnen.

        Ich fürchte, daß bei vielen Männern das ähnlich ist. Die wollen eigentlich nichts außer emotionale Zuneigung einer Frau. Ich selbst bin Informatiker, zum Glück in einer festen und respektvollen Beziehung, aber ich sehe diesen Effekt in vielen meiner Kommilitonen und Kollegen. Die emotionale Einsamkeit der Männer speziell in einem Gebiet mit grassierendem Frauenmangel macht einem mitunter wirklich Angst.

        Könnte es sein, daß es genau diese psychologische Funktion ist, nach der Sie suchen?

        • @S.B.

          Ja, vermutlich haben viele Männer ein starkes Bedürfnis nach der Zuneigung einer Frau, aber eben vielleicht ein ZU starkes, das sie anfällig macht für Manipulation oder sie gar in ungesunde psychische Abhängigkeitsbeziehungen bringt.

          Ich gehe davon aus, dass wir alle mehr oder weniger das Bedürfnis nach emotionaler Zuneigung haben, aber ich habe schon öfters den Eindruck gehabt, dass Männer Schwierigkeiten haben, sich positiv, also als Männer, zu definieren, und nicht direkt oder indirekt vermittelt über Frauen, also als das, was Frauen brauchen oder wollen, oder als komplementäre Größe zu Frauen, z.B., wenn sich Männer ggf. auf ihr Vater-Sein reduzieren, sozusagen als das Yang zum Yin. Kurz und zugegebenermaßen zu einfach ausgedrückt: emotionale Befriedigung können einige Männer nach meiner Beobachtung – ich kann nur darüber spekulieren, wie viele es sind, aber es ist mir wirklich aufgefallen, so dass ich den Eindruck habe, dass es schon eine relevante Zahl ist – anscheinend nur als Partner einer Frau oder als Väter finden, so als sei es eine Art Zwang, durch die Zuneigung einer Frau “geadelt”, “gereinigt” oder sonst etwas zu werden. Und insofern leisten sie der Darstellung von Männern als im Prinzip verzichtbare Gestalten, die man – derzeit noch – für Fortpflanzungszwecke braucht, die aber keine Ziele in sich selbst sind, Vorschub.

          Was ich meine, kann ich vielleicht einfach dadurch illustrieren, dass Sie von “emotionaler Einsamkeit” in einem männerdominierten Studiengang schreiben, ich aber noch niemals von weiblichen Studentinnen z.B. in der Anglistik oder in der Behindertenpädagogik gehört habe, dass sie “emotional einsam” seien, nur weil das stark frauen”lastige” Studiengänge sind. Irgendwie ist dieser starke Bezug auf Frauen in Bereichen, in denen es doch nun wirklich um ganz andere Dinge geht – z.B. Fragen der Informatik – seltsam, oder jedenfalls wirkt er seltsam auf mich. Ich sehe keinerlei Grund dafür, davon auszugehen, dass das irgendwie “natürlich”, also einfach irgendwie gegeben sei; ich glaube, das ist anerzogen und kann vermutlich nicht abgelöst von der diesbezüglich unglücklichen historischen Entwicklung Westeuropas betrachtet werden.

          Aber egal, woher das kommt – ich denke, es wäre höchste Zeit, dass Männer ihre eigenen Emanzipationsprozesse durchlaufen und sich von dieser seltsamen emotionalen Abhängigkeit von Frauen zu lösen versuchen und sich positiv zu definieren versuchen – auch, wenn das bedeutet, dass irgendwelche Leute sie aufgrund ihrer eigenen Interessen als “Machos” oder als sonst etwas “Böses” zu diskreditieren versuchen.

      • Liebe Frau Dr. Diefenbach,
        ja, ich stimme mit Ihnen grundsätzlich überein. Ja, ich denke, dass der Hauptgrund eine psychologische begründete andere Betrachtung von Männern und Frauen ist. Das Bedürfnisprinzip ist eben etwas anderes als das Gerechtigkeitsprinzip. Wir Menschen sind sehr geschickt darin, fast alles mit fast allem durch rational aussehende Begründungen zu verbinden, aber bei Gerechtigkeit geht es eben darum, dass sich alle an die gleichen Regeln halten müssen, bei Bedürftigkeit nicht. Wirklich drastisch wird der Unterschied zwischen Männern und Frauen, wenn es nicht um theoretischen Gerechtigkeitsfragen geht, sondern um konkrete Konflikte zwischen konkreten Männern und konkreten Frauen. In solchen Fällen fällt der moralische Wert der Gerechtigkeit gegenüber der (oft nicht einmal objektiv nachweisbaren) Bedürftigkeit der Frau komplett um. Weil Männer ihren eigenen Gerechtigkeitsanspruch vorwiegend im Kontext der Konkurrenz zu anderen Männern anwenden. Es stimmt, dass Fairness niemandem so richtig egal ist. Aber gegenüber der Bedürftigkeit der Frauen hat Fairness bei Konflikten zwischen Mann und Frau keine Chance. Deswegen erzeugen die zunehmenden Frauenprivilegien zwar Unbehagen, aber das führt nicht zu nachhaltigem Widerstand gegen den Feminismus, sondern zu einer Demoralisierung der Männer. Der Feminismus hat den Nachkriegswert der Gleichberechtigung zuerst instrumentalisiert und dann zerstört, dieser Prozess ist meiner Meinung nach mittlerweile unumkehrbar. Eine sinnvolle Balance für eine stabile Gesellschaft werden wir deswegen nur wieder bekommen, wenn die neuen Frauenprivilegien durch neue Männerprivilegien ausgewogen werden.

        • Ich fürchte, Sie haben das Bedürftigkeitsprinzip falsch verstanden, das hat nichts mit “Wollen” zu tun, also nichts damit, dass jemand für sich ein Bedürfnis definiert, sondern damit, dass ein Bedürfnis anhand unabhängiger Kriterien festgestellt wird. Auch ansonsten kann ich Ihre Beschreibung in keiner Weise teilen. Ich kenne z.B. Dr. habil. Heike Diefenbach seit mehr als 20 Jahren und kann nur sagen, ich habe nie einen Menschen getroffen, der einen ausgeprägteren Gerechtigkeitssinn hatte, dem mehr an Fairness gelegen ist als Heike Diefenbach. Und da Heike Diefenbach zweifelsfrei weiblich ist, ist mit diesem singulären Ereignis ihre Hypothese falsifiziert, die sowieso, da sie eine einende Klammer um Gruppen “Männer” und “Frauen” zieht, zum Scheitern verurteilt ist oder wie erklären Sie dass im Bundestag Gesetzen, die Männer benachteiligen, wie dem Gleichstellungsgesetz nach wie vor in der Mehrheit Männer zustimmen, was deutlich zeigt, dass diese Männer keinerlei Gerechtigkeitsempfinden haben?

          • Lieber Herr Klein,
            der von Ihnen angezettelte Autoritätswettbewerb ist völlig unnötig. Ob es das von Ihnen postulierte Bedürftigkeitsprinzip tatsächlich gibt und ob es universell anerkannt ist, bringt dieser Diskussion nichts. Das Thema des Artikels war die Frage, warum Ungerechtigkeit gegen Männer so wenig bekämpft wird. Meine Antwort ist unter anderem, dass auch konstruierte weibliche Bedürftigkeit stärker auf Männer wirkt als objektiv nachweisbare Männerbenachteiligung. Ähnlich nutzlos ist die von Ihnen vorgebrachte Vermischung von “Frauen im Allgemeinen” mit “alle Frauen”. Auch ich habe persönlich Frauen getroffen, die einen sonst nur für Männer typischen Gerechtigkeitssinn haben. Das waren aber insgesamt nur 3 Personen im Gegensatz zu hunderten Frauen, welche beim schwächsten Gegenwind umfallen und denen im Zweifelsfall ihre eigene Anspruchshaltung oder die angebliche Bedürftigkeit von Frauen wichtiger ist. Ein paar abzählbare Ausnahmen falsifizieren eine verallgemeinerte Aussage eben überhaupt nicht. Was soll diese Rechthaberei bringen? Finden wir damit eine Antwort auf die Frage des Artikels? Dass Männer (im Allgemeinen!) bei Geschlechterthemen weder ihren eigenen Vorteil verfolgen noch Gerechtigkeit als obersten Wert respektieren, sondern sich (im Allgemeinen!) als Beschützer der Frauen sehen, erklärt eben besser das (mehrheitliche!) Verhalten der männlichen Bundestagsabgeordenten als irgendwelche abstrusen Verschwörungstheorien.

            • Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie wenig es braucht, um eine bislang angenehme Diskussion ausfällig werden zu lassen. Gut, wenn ich aus Ihrer Sicht einen Autoritätswettbewerb angezettelt habe und Sie mir auf der Ebene der Wissenschaftstheorie begegnen wollen, so be it:
              Wenn Sie eine allgemine Aussage machen, dann ist diese allgemeine Aussage dann falsifiziert, wenn eine singuläre Aussage eine empirische Beobachtung umfasst, die im Widerspruch zur Aussage steht. Wenn Sie sagen: Alle Männer sind grün und es findet sich einer in rosa, dann ist ihre Allaussage falsch.
              Die Sprachakkrobatik, mit der Sie versuchen, Ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, hilft dabei auch nicht weiter, denn was soll denn “Frauen im Allgemeinen” von “alle Frauen” unterscheiden. Mit beiden Aussagen versuchen Sie eine AUssage aufzustellen, die für alle Frauen zutrifft. Wollten Sie tatsächlich eine Abweichung in Ihren Aussagen zulassen, sie würden sicher die in der deutschen Sprache weitverbreiteten Begriffe “manche” oder “einige” benutzen. Das tun Sie aber nicht, und zwar deshalb nicht, weil ihnen beide Begriffe nicht umfassend genug erscheinen. Insofern, fürchte ich, müssen Sie sich genau den Schuh anziehen, den Sie sich selbst hingestellt haben. Es sei denn, sie wollen eine allgemeine Regel aufstellen, die, nachdem sie formuliert wurde, eine Unzahl von Ausnahmen zulässt, was deren Wert erheblich reduziert, wenn nicht gar vernichtet und sie per definitionem nicht mehr zur allgemeinen Aussagen klassifiziert.

              Ihre Beobachtungsreihe von 3 Frauen im Vergleich zu hunderten Frauen ist insofern problematisch als Sie askriptiv vorgehen, was nicht falsch sein muss, aber dennoch ihre Interpretation darstellt, solange sie die Beobachtung nicht in ein allgemeines Gesetz überführen, aus dem wiederum eine prüfbare Aussage ableitbar ist, ist diese Interpretation leider nutzlos und wenn sie ein allgemeines Gesetz ableitet und es unbhängig prüfen, dann sind wir leider wieder an dem Punkt angelangt, an dem eine falsifisierende Beobachtung reicht, um Ihr allgemeines Gesetz als falsch auszuweisen.

              • Lieber Herr Klein,
                Wenn ich “alle Frauen” sage, meine ich auch wirklich “alle Frauen”. Wenn ich “Frauen” oder “Frauen im Allgemeinen” sage, meine ich eine Verallgemeinerung, die in ihrer verallgemeinerten Form zutrifft, also zum Beispiel für die überwiegende Mehrheit der Frauen zutrifft. Wenn wir Menschen keine verallgemeinerten Aussagen verwenden könnten, wären praktisch alle unsere Aussagen falsch. Sind wirklich alle Schwäne weiß? Haben wirklich alle Häuser ein Dach? Haben wirklich alle Menschen zwei Augen? Egal, was Sie sagen, ich könnte ein Gegenbeispiel finden. Wenn ich wollte. Aber das ist nur destruktiv. Wenn Sie genauso viel Phantasie und Energie in die Lösung der gegenständlichen Thematik wie in das Zerreden der Konzepte Anderer stecken würden, hätten wir keinen an den Haaren herbeigezogenen Interpretationskonflikt, sondern würden an einer gemeinsamen Sichtweise arbeiten.

                • “Egal, was Sie sagen, ich könnte ein Gegenbeispiel finden.”

                  Ich muss Sie zunächst enttäuschen, denn es kostet mich nicht viel Zeit, Ihre seltsamen Annahmen zu zerlegen. Das mache ich eher nebenbei. Und zu der Behauptung oben:
                  Finden Sie bitte ein Gegenbeispiel zu meiner Aussage:

                  lle Leichen sind tot.

                  Ich warte auf Ihr Gegenbeispiel.

                  Wenn Frauen im Allgemeinen für Sie nicht “alle Frauen” bedeutet, sondern “die Mehrheit der Frauen”, dann machen Sie Ihre Position vollkommen unhaltbar, denn Sie stellen damit eine empirische Aussage auf, die es verlangt, dass Sie eine entsprechende Gesamterhebung über alle Frauen durchgeführt haben. Und da dies ein Ding der Unmöglichkeit ist, ist Ihre Aussage schlichter Unsinn. Ich könnte natürlich auch sagen, um in Ihrer Logik zu bleiben, dass Ihre Aussagen im Allgemeinen Unsinn sind, das ist ja für Sie kein Unterschied.

            • @wiemanindenwaldhineinruft

              Einmal mehr kann ich nicht verstehen, warum dieser anfänglich ganz normale Austausch dermaßen degenieren musste – und SIE haben damit angefangen!

              Mir scheint, dass sich Ihr Argument einfach auf Ihre persönlichen Beobachtungen bezieht, und diese in allen Ehren – aber WISSENSCHAFT macht SYSTEMATISCHE BEOBACHTUNGEN, und diese haben manchmal die unerfreuliche Eigenschaft, die eigenen Beobachtungen und das, wie es einem vorkommt, als falsch zu erweisen.

              In habe in einem meiner Kommentare hier ja schon kurz angerissen, was die Gerchtigkeitsforschung, die nun schon mehr oder weniger systematisch seit den 1960er-Jahren betrieben wird, ergeben hat:

              1. Männer verteilen normalerweise etwas häufiger nach dem Gerechtigkeits- oder equity-Prinzip als Frauen, und Frauen verteilen gewöhnlich etwas häufiger als Männer nach dem Bedürfnisprinzip oder dem Gleichheitsprinzip, wobei – nur zur Sicherheit – eine Verteilung nach dem Bedürftigkeitsprinzip z.B. dann vorgenommen wird, wenn man Leuten, die krank sind, mehr Güter zuteilt als Leuten, die gesund sind (ungeachtet ihres Anteils an der Herstellung der in Frage stehenden Güter; dies zu berücksichtigen, wäre nämlich ein Indikator dafür, dass man dem Gerechtigkeitsprinzip gemäß verteilen möchte).

              2. Die Betrachtung allein nach Geschlechtern ist nicht sehr sinnvoll, weil sich in der Forschung regelmäßig gezeigt hat und zeigt, dass Unterschiede zwischen Menschen in verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Lebensbedingungen bestehen, die ebenso groß oder größer sind als diejenigen zwischen Geschlechtern.

              Das ist einfach so, und wenn es Sie interessiert, kann ich Ihnen einige diesbezügliche Studien nennen, damit Sie das selbst nachlesen können, falls Sie es mir nicht glauben

              – soviel zum “Autortitätswettbewerb”: in dieser Sache habe ich Recht; das weiß ich genau, denn ich lese diese Studien seit nunmehr gut 15 Jahren 🙂

  3. a.behrens says:

    In meinen Augen gibt es diese Bewegung. Nennt sich in Japan Grassfresser und in den USA MGTOW – Men Going There Own Way. Bzw Red Pill.

    Zitat: “Man sollte meinen, dass Männer von ihrem Leben mehr erwarten, als sich für das Leben anderer, die ihnen als wichtiger vor die Nase gesetzt werden, hinzugeben.”

    Genau das ist der Inhalt von MGTOW.

    Das Problem der Männerrechtsbewegung zumindest in Deutschland ist, dass es Linke/Feministinen geschafft haben, die Männerrechtsbewegung erfolgreich das Ettikett ‘rechts’ anzuheften und dieses Ettikett massive berufliche und private Nachteile mit sich bringt.

    Mann muss sich daher entscheiden ob er beruflich erfolgreich sein will und so seine Familie versorgen kann ODER als Männerrechtler unterwegs ist. Aber sich einfach umzudrehen und zu gehen, _dass_ funktioniert.

    Das spannende an MGTOW ist, dass diese Bewegung ziemlich unangreifbar ist. Es gibt nichts was man verbieten und unterdrücken kann, nichts was man wegklagen kann. Zwar gibt es Versuche heiratsunwillige Männer zwangsweise die Versorgung einer Frau anzulasten (etwa durch die H4-Regelungen in Deutschland), aber das bewirkt nur eine Verstärkung der MGTOW-Bewegung.

    Gegen MGTOW spricht in meinen Augen nur, dass MGTOW in seiner Gesamtheit gesellschaftszerstörend ist und somit die sozialistischen, geistigen Väter (!sic) des Feminismus scheinbar gewonnen haben. Andererseits könnte man auch sagen, dass MGTOW dem Streik (1) von Ayn Rand entspricht. Denn auch in dem Buch sind nicht nur Unternehmer ausgestiegen, sondern alle Menschen die für sich selbst Verantwortung übernehmen wollen.

    (1) http://www.amazon.de/Streik-Ayn-Rand/dp/3000370943/ref=sr_1_cc_2?s=aps&ie=UTF8&qid=1426770061&sr=1-2-catcorr&keywords=ayn+rand

  4. freakyfreed says:

    Das ist schwierig zu beantworten, weil damit so viele Faktoren verknüpft sind. Wenn ich angehalten würde, die Antwort auf die Frage mit der für mich ausschlaggebensten Komponente herunter zu brechen, würde ich wohl mit “Angst um meine Zukunft” antworten.
    Ich bin Sozialpädagoge und als solcher bange ich natürlich um meine Reputation. Als es darum ging mich für diverse Stellen zu bewerben, habe ich systematisch erstmal alle meine “genderkritische” (und ganz besonders meine “feminismuskritische”) Kommentare und Posts auf facebook auf “nur für enge Freunde sichtbar” umgestellt, sowie diverse Usernames auf verschiedenen Blogs sowie die dazugehörige E-Mailadressen umbenannt, damit sie nicht auf meine Identität zurückschließen lassen.

    In einer Branche in der ein Frauenanteil von über 70% vorherrscht und die zudem eher (pro)feministisch geprägt ist, sowie zunehmend durch den Genderschwachsinn durchsetzt wird, muss man als Mann sehr vorsichtig und bedacht mit seinen Äußerungen sein. Ich denke da zurück an diverse “tolle” Lehrveranstaltungen (und v.a. Professorinnen!), die schon bei der allerersten Vorlesung erstmal den Gender Pay Gap als Fakt hingestellt und sich auch sonst nicht zu schade waren mit anderen, völlig aus dem Kontext gerissenen Verzerrungen und propagandistischen Halbwahrheiten und Mythen Stimmung gegen Männer zu machen; nur um das gängige Durchgendern in der Sprache als Pflicht zu etablieren, weil die omnipräsente Unterdrückung der Frauen durch Männer ja angeblich schon immer im Verlaufe der Menschheitsgeschichte (bei der die männliche Seite natürlich komplett ignoriert wurde) gegeben war. Und das in einer Menschenrechts(!)profession, die sich gegen soziale Ungleichheit einsetzt, wohlgemerkt!

    Als Sozialpädagoge muss man sich mittlerweile für die zunehmende Durchsetzung unserer Profession mit diesem absolut unwissenschaftlichen Hirnschiss des Genderismus schämen. Wie kann es sein, dass eine Menschenrechts(!)profession, die sich aus dem gesammelten Wissen diverser (Bezugs-)Wissenschaften nährt, deren „Professionalität“ sich durch einen beständigen, kritisch wie wissenschaftlich und theoretisch fundierten Abgleich mit der Realität auszeichnet und bei der in jedem 2. Satz „kritische Selbstreflexion“ als oberste Devise fällt, sich zunehmend von wissenschaftlichen Erkenntnissen distanziert und stattdessen irgendwelchen (wissenschaftlich widerlegten) Ideologien und Fantastereien frönt, nur weil sie (für das ungeschulte Ohr zumindest) „schön“ klingen?
    Ich finde es mehr als beängstigend und gefährlich(!), dass wir mittlerweile in einer Gesellschaft leben, in der Ideologie(n) mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit erfahren, als wissenschaftliche Erkenntnisse. Statt Aufklärung wird Propaganda betrieben, wodurch nur noch mehr Verdummung und Unmündigkeit des Individuums zur (selbstständigen) kritisch-reflektierten (Weiter-)Bildung des eigenen Geistes gefördert wird…

    • freakyfreed says:

      Es ist auch ein riesen Problem, dass das gesamte öffentliche System (mehr oder weniger) latent männerfeindlich geprägt ist. Die gesamte Medienlandschaft (oder zumind. die (Leit-)Medien) und Politker hetzen gegen Männer; Kritik wird abgewürgt und im Keim erstickt, indem pauschal unterstellt wird man sei frauenfeindlich, chauvinistisch, raktionär; ein Vergewaltigungsbefürworter und Nazi sowieso, ohne sich auch nur annähernd mit dem Inhalt und Sachgehalt des Geäußerten auseinander zu setzen. Der Vorwurf frauenfeindlich zu sein bedeutet den politischen Tod eines jeden; und das in einem angeblich, achso frauenfeindlichen und frauendiskriminierenden Patriarchat, das vorgeblich eine “rape culture” prägt, in der es aber völlig legitim ist Männer zu benachteiligen und sich über deren Leid und Schmerz lustig zu machen (“male tears”).

      Und an wen kann man(n) sich wenden? Das Bundesforum Männer hängt an der finanziellen Spritze des Bundesministeriums “für alle außer Männer”. Die Antidiskriminierungsstelle erwidert auf die Kritik, dass es nicht genug bildungs(politische) Maßnahmen für Jungen gibt, dass sie “dafür” (mit anderen Worten: für “Jungen”!) nicht zuständig seien. Alle (großen) Parteien sind feministisch und (mehr oder weniger) latent männerfeindlich angehaucht. Die SPD hat in ihrem tollen Grundsatzprogramm den Satz „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“ stehen. Eine FDP-Politikerin spricht von Männern als „halbe Wesen“, für eine CSU-Politikerin sind Männer „Kerle“, eine andere CDU-Politikerin will die legalisierte Zwangsarbeit für Männer einführen, bei den Grünen haben Frauen mit einem Frauenveto das Recht, Männern nach Belieben den Mund zu verbieten und die SPD entmensch­licht Männer mit ihrem Grundsatz, dass Männlichkeit nicht menschlich sein kann…
      Während die (Leit-)Medien weiter unermüdlich ihrer unreflektierten Dämonisierung und Stigmatisierung von Männern fröhnen, womit sie eine ehrliche und ausgewogene Meinungsbildung und damit einhergend einen offenen und konstruktiven Dialog verunmöglichen, – wenn nicht gar auch noch durch gezielte Zensur boykottieren – und damit alle demokratischen Grundprinzipien scham- und völlig verantwortungslos über den Haufen werfen.

      Hinzu kommen dann noch irgendwelche (Pseudo-)Wissenschaftler, die hingehen und Statistiken sowie Studien bewusst verzerren und verfälschen, nur um ihre politische Agenda durchzupressen, statt sich um echte Aufklärung und Bildung zu bemühen. Ich werde wohl nie verstehen, wie (vermeintliche) Wissenschaftler, so scham-, anstands- und ehrenlos sein können, ihre Position und Macht derart gewissenlos für persönliche Interessen zweckzuentfremden und dabei auf alle Prinzipien der Wissenschaftlichkeit, ihren eigenen Bildungsauftrag – wenn nicht gar die Wissenschaft ansich! – zu scheißen.
      Bildung ist das wohl höchste Gut schlechthin! Schaut man sich die (systemische) Ursachen(verkopplung) von sozialer Ungleichheit/Probleme oder jeglichem deviantem Verhalten an, wird man sehr schnell feststellen, dass mangelnde Bildung (fast) immer eine der ausschlaggebendsten (Risiko-)Faktoren darstellt. Aber auch in Hinsicht der gesamten Menschheitsgeschichte, jahrhundertelanger Unterdrückung und dessen, was unzählige, große Menschen dafür geopfert und geleistet haben, wofür etliche Menschen sogar ihr Blut und ihren Kopf gelassen haben, ist Bildung die wohl wichtigste Ressource, die wir haben. Solche Wissenschaftler, die ebd. Kulturgut so skrupellos über den Haufen werfen und alle Werte und Prinzipien der Aufklärung – Alles was Gut und was Recht ist – so derartig verantwortungslos und fahrlässig vergewaltigen, sind daher in meinen Augen nichts Geringeres als Feinde der Menschlichkeit -nein!, falsch: Feinde der Menschheit!…

      Es gibt Tage da könnte ich regelrecht verzweifeln, ja sogar alle Hoffnung fahren lassen. Aber dafür ist mir (ehrliche) Aufklärung und Bildung zu wichtig. Lieber gehe ich mit Sang und Klang unter, als dass ich mir eines Tages vorwerfen muss nicht alles dafür gegeben zu haben, mich um echte Gerechtigkeit und Gleichberechtigung bemüht und das wohl höchste und wichtigste Kulturgut – Bildung und Aufklärung – nicht genügend geehrt und bis zum Schluss verteidigt zu haben…

    • @freakyfreed

      Vielen Dank für Ihren langen und ehrlichen Kommentar!

      Es ist sicherlich nicht einfach, sich und vor anderen (wenn auch nur unter Pseudonym 🙂 ) einzugestehen, dass man in einigen Dingen einfach aus Angst entgegen seiner Überzeugung handelt, und ich glaube, dass Sie, weil Sie das können, vielen Leuten, hier, d.h. mit Bezug auf unser Thema: vielen Männern, schon einiges voraus haben, denn vor jeder Aktivität steht der Entschluss, sich zu wehren, und dieser Entschluss beruht gewöhnlich auf der Erkenntnis, dass es Falsches und Bedrohliches gibt, das für einen selbst relevant ist.

      Jeder muss in seiner eigenen Lebenssituation und angesichts der eigenen Persönlichkeit entscheiden, wie er sich in solch einer Situation stellt, und ich persönlich investiere nicht in Dinge, von denen ich absehen kann, dass sie mich nicht zufrieden, geschweige denn: glücklich, machen werden – dazu ist das Leben einfach zu kurz, finde ich -, weshalb ich mich recht schnell nach Abschluss der Hbilitation bewußt von einer Karriere an der Uni verabschiedet habe. Aber gut – es war mir auch möglich; ich hatte Alternativen und bin mit ihnen ziemlich gut gefahren.

      Diese Umstände oder diese sehr weitgehende Nicht-Bereitschaft, in Dinge zu investieren, die für mich nicht befriedigend sind, teile ich natürlich nicht mit jedem bzw. umgekehrt. Und wenn Sie diese Umstände nicht haben oder einfach bereiter bzw. fähiger sind als ich, unerfreuliche Dinge – zumindest für eine zeitlang und vielleicht mit einem späteren, lohnenden Ziel vor Augen – in Kauf zu nehmen, dann hat das sicherlich auch seinen Sinn:

      Wenn Sie in Ihrem Beruf bleiben und sich dort weiterhin gut etablieren, werden Sie vermutlich früher oder später in der Position sein, innerhalb eines gewissen Entscheidungsspielrraums Entcheidungen treffen zu können, wie Sie sie für richtig halten, und Ihre Sicht der Dinge zu vertreten oder einfach danach zu handeln, und damit tragen Sie dann dazu bei, die Sozialpädagogik bein bisschen besser zu machen als sie ohne Sie wäre. Und falls Sie das später doch zu unbefriedigend finden, können Sie immer noch alternative Wege gehen –

      Ich betrachte das als eine Art Arbeitsteilung: die einen wehren sich auf eine Weise, die anderen auf eine andere. Egal, was der Zeitgeist noch an Unheil für uns bereithalten mag, in jedem Fall hat man seine Integrität gerettet. Das können Opportunisten und solche, die die persönliche Identität gegen eine soziale eintauschen, schwerlich von sich sagen.

      • freakyfreed says:

        Vielen Dank, Frau Dr. Diefenbach! Ihre Kommentar schenkt mir neue Zuversicht und Kraft, weiter zu machen. Ich werde mich auch weiterhin für eine gleichberechtigte und ausgewogene Geschlechterdebatte einsetzen. Nur eben sehr zaghaft und bedacht 😉 “Politische Arbeit” in dem Sinne darf ich ja eh nicht betreiben, aber da ich mich ohnehin auf Jungen- und Männerpädagogik spezialisiert habe, ist es mir immerhin möglich zumind. den Grundstein hierfür zu legen, indem ich mich bemühe Jungen dabei zu unterstützen, zu einem selbstbewussten und gesunden Selbstbewusstsein zu finden und deren Benachteiligung ein wenig auszugleichen.

        Viele vergessen manchmal, dass Männerrechte zu stärken nicht gleichbedeutend damit ist, Frauen irgendwelche Rechte wegnehmen zu wollen. Komischerweise irrt der Zeitgeist umher, dass es automatisch eine Benachteiligung von Frauen bedeuten würde, sich für Jungen und Männer einzusetzen. Dabei schließt das eine das andere nicht zwangsläufig aus. Zudem schadet eine (Über-)Privilegisierung und Besserstellung von Frauen insgeheim – zumind. wenn man die Konsequenzen auf langfristiger Ebene betrachtet – den Frauen sogar vielmehr. Durch die zu starke, einseitige Fokussierung der Geschlechterdebatte fühlen sich Männer zunehmend benachteiligt, diskriminiert oder zumind. vernachlässigt. Damit wird nur weiter ein Keil zwischen die Geschlechter getrieben. Ungerechtigkeiten bewirken nur weitere (entgegengesetzte) Ungerechtigkeiten. Im schlimmsten Fall führt es gar zu Frauenhass und ruft damit insgeheim direkte oder indirekte Gewalt gegen Frauen hervor.

        Das wird u.a. auch darin bemerkbar, dass sich Männer zunehmend vor Frauen zurückziehen; sich (festen) Beziehungen – geschweigedenn einer Eheschließung und Familiengründung – mehr und mehr verweigern, als eine Form des “stummen” Widerstands. Und so fern ich mich recht entsinne, sind es gemäß diverser Studien in verstärktem Maße die Frauen, die darunter leiden, was sich wiederum in der steigenden Depressions- und Suizidrate niederschlägt. Es ist traurig mit anzusehen, dass Menschen, die eig. von “Natur aus” einander ergänzend – ja fast schon “füreinander” – geschaffen zu sein scheinen, zunehmend voneinander entfremden.

        Nun gut, ich will Sie nicht weiter zusülzen. Möchte mich aber noch mal nachdrücklich von ganzem Herzen für Ihre (und selbstverständlich auch für Herr Kleins) unermüdliche Mühe und Arbeit bedanken. Ich lese ihren Blog uheimlich gerne…

  5. Kevin Fuchs says:

    Ich denke, die Männer “wehren” sich durchaus, wenngleich das nicht so offensichtlich ist.

    Es fängt damit an, dass Mann sich Frauen gegenüber zwar äußerlich und politisch korrekt verhält, sie aber immer weniger ernst nimmt.

    Es setzt sich darin fort, dass Mann sich Ehe und Familie verweigert und endet letztlich damit, dass er sich nicht mehr zum Nutzen und Wohlwollen der Gesellschaft verhält sondern nur noch zu seinem eigenen persönlichen Vorteil.

    Es lässt mich immer wieder auflachen, was für große, entsetzte Augen Frauen machen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich keine Familie will, weil mir das finanziell und emotional zu riskant ist.

    Vielen Frauen scheint das zunehmende Desinteresse der Männer zwar aufzufallen, aber verstehen können sie es meist nicht. Ihnen wird in den Medien ein Bild von Männern vermittelt, das so einfach nicht existiert. Die Männer sind den Frauen fremd geworden.

    Betrachten wir es so: Über die letzten Jahrzehnte hinweg wurde stetig Druck auf die Männer ausgeübt, ihnen allerlei Unzulänglichkeiten vorgeworfen. Unter diesem Druck haben sie sich dann auch tatsächlich verändert.

    Die Frauen hingegen waren immer sakrosankt, alles super, keine Veränderung notwendig! Dementsprechend sind es heute eher die Frauen, die mit archaischem Beuteschema herumwandern und weit altbackener sind als ihnen das die ganze Zeit eingetrichtert wird: moderne Männer versus alte Frauen. Das Mantra von den emanzipierten Frauen und den zurückgebliebenen Männern ist nur Camouflage.

    • @Kevin Fuchs

      “Ich denke, die Männer “wehren” sich durchaus, wenngleich das nicht so offensichtlich ist.”

      Ich bestreite auf keinen Fall, dass anscheinend viele – gerade jüngere – Männer auf die veränderten Bedingungen zu reagieren beginnen und sich z.B. überlegen, ob sie eine Ehe oder Kinder haben können oder wollen u,ä.m.

      Und man kann trefflich darüber streiten, wo die Grenze zwischen Reaktion und Widerstand verläuft bzw. ob es überhaupt einen Unterschied zwischen beidem gibt, aber für mich gibt es einen Unterschied zwischen beidem. Sich unerfreulichen Bedingungen möglichst zu entziehen, ist für mich eine Reaktion, aber noch kein Widerstand, oder es mag als passiver Widerstand durchgehen.

      Wie auch immer – ich denke einfach, dass es wichtig wäre, Widerstand für andere erkennbar zu zeigen, denn entziehen kann man sich auch nur bis zu einem gewissen Punkt, und wenn man z.B. einen bestimmten Job gerne hätte, aber man keine Chancen auf ihn hat, einfach, weil man das Pech hat, gerade hier und heute männlich zu sein, dann kann man sich dem nicht entziehen. Klar, man kann die Jobwünsche aufgeben und sich bescheiden, aber dann lenkt man einfach ein; das ist sicherlich keine Form des Widerstands. Oder anders gesagt: während man im Privaten reagiert (oder Widerstand zeigt, das soll mir jetzt egal sein), werden im öffentlichen Raum Tatsachen geschaffen.

      Ich stimme völlig zu, dass das Private politisch ist, und ich halte es auch für möglich, dass private Entscheidungen auf gänzlich unorganisierte Weise enorme Folgen haben können, aber häufig ist das eben nicht so oder nur in sehr langfristiger Perspektive, und dann genügt die private Reaktion/der private Widerstand einfach nicht.

      Aber – das hatte ich schon in einem anderen Kommentar geschrieben: letztlich gibt es ja nicht die einzig effziente Art des Widerstands. Wenn jeder auf seine eigene Art und in seinem eigenen Bereich Widerstand zeigt, dann ist das wahrscheinlich der effizienteste Weg zur Veränderung, eben weil der Widerstand breit gestreut ist und in verschiedenen Formen auftritt.

      Aber eben deswegen – wegen der Breite und den verschiedenen Formen – vermisse ich den organisierten, klar nach außen erkennbaren Widerstand auf Seiten der Männer.

    • Kaleun says:

      Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, aber es wäre Widerstand auch in Bereichen angebracht, in denen derzeit eher vorauseilendes Gehorsam herrscht. Beispiel Arbeitswelt: Kleine Betriebe und ein Großteil der kleinen Mittelständler fliegen faktisch unter dem Radar der Gender-Gesetzgebung. Für viele, wenn nicht die meisten, gilt: Nur die Frauentoilette ist ein Muss.

      In meinem kleinen IT-Unternehmen mit 24, demnächst 28, Mitarbeitern beschäftige ich keine Frau und habe es auch nicht mehr vor. Ich bin inzwischen der Meinung, dass die anfängliche “Mangelwirtschaft” nun als bewusster Gegenpol zu den subventionierten Auffangbecken für Frauen angebracht ist. Hauptsächlich ist es aber ein Wettbewerbsvorteil, weil mir aus Vorstellungsgesprächen und von Unternehmer-Kollegen bekannt ist, wie viel soziale, organisatorische und arbeitsrechtliche Querelen mir diese Entscheidung erspart. Bei uns wird gescherzt, es habe schon seine Gründe gehabt, dass Frauen auf U-Booten lange Zeit nicht zulässig waren. Wir sind ein U-Boot, jeder ist voll dabei, alle können sich aufeinander verlassen, keiner schlägt quer. Ein Unternehmen aus zwei Dutzend guten Kumpels wäre mit Frauen nicht machbar.

      Dieselben Unternehmer, die mir ihr Leid klagen, wenn sie mal wieder von irgendeiner ihrer, pardon, langzeiterkrankten Halbtags-Schicksen verklagt werden, begreifen aber Initiativen wie die Frauen-Quote, von denen sie gar nicht betroffen sind, als Leitbild und berichten mir ein andermal stolz: “Wir fördern jetzt auch gezielt Frauen!” Ich frage mich nur, was in diesen Köpfen vor sich geht.

      Wenn Männer sich wehren wollten, ohne laut zu sein und auf die Straße zu müssen, wäre es so einfach:
      Die Wirtschaft ist immer noch eine Männerwirtschaft. Frauen stolpern im Berufsleben trotz massiver Förderung immer noch reihenweise über die eigenen Füße, um Männern dann die Schuld dafür zu geben. Jungs, erfüllt einfach die Erwartungen! Zieht endlich die berühmten “gläsernen Decken” ein, damit sie nicht mehr nur Ausreden für Faulheit und Unfähigkeit sind. Verlagert die Ritterlichkeit meinetwegen ins Privatleben, aber stellt Frauen nur noch dann ein, wenn sie einen objektiven Mehrwert gegenüber anderen Bewerbern bieten. Ein paar hundert Frauen per Gesetz Posten zu verschaffen, ist ein Kinderspiel. Wenn aber die allseits behauptete “Diskriminierung” in Form simpler Leistungsorientierung tatsächlich geliefert wird – von der Breite der Wirtschaft, natürlich diskret und nicht offenkundig (wie das in kleinen Betrieben machbar ist), werden Gesetzgeber und die Öffentliche Hand mit Regulierung und quotierten Auffangbeschäftigungen gar nicht nachkommen. Das wird dann alles grundrechtlich schön kompliziert und ist letztlich zum Scheitern verurteilt.

  6. Das ist das Problem, wenn man solche Fragestellungen nur durch die akademische Brille betrachtet. Ein paar Fakten gibt es dazu, der wichtigste vorab: Männern fehlt für sowas Zeit und Kraft. Es gab nie eine Zeit, wo Männer – wie Frauen – den ganzen Tage zu Hause waren und neben Haushalt und Kindern einiges an Tagesfreizeit übrig hatten, im Gegenteil. Heute arbeiten ca. 90% der Männer in Vollzeit, aber nur ca. 50% der Frauen, auch ohne Familie. Versteht mich nicht falsch, ich denke, eine Arbeitszeitverkürzung für alle auf maximal 32 Stunden wäre angesichts der Automatisierungsrendite und der Produktivitätsgewinne schon lange für alle machbar, vielleicht sogar die von Esther Vilar vorgeschlagene 25 h-Woche. Heute ackern Männer 40h / Woche plus tägliche Fahrtzeit und ggf. Überstunden. Danach stehen Post / Bürokratie, Familie (sofern vorhanden), Haushalt, Weiterbildung, Sport (aktiv / TV) und Ausgehen auf dem Plan und die Zeit ist weg. Wo sollte ein Mann da heute zur Hölle die Zeit für Aktivismus hernehmen? Eben: geht nicht, hat er nicht, weil er bestmöglich ausgebeutet wird. Und ich denke, dass es auch ein Ziel dieser Ausbeutung ist, ihm jegliche Möglichkeit (Zeit und Kraft) zur Reflektion über sein elendes Leben und entsprechende Gegenwehr zu nehmen, bis er zur oder in der Rente erkennt, dass er selbst eigentlich nie wirklich gelebt und nie wirklich seine Ziele, Wünsche und Träume verfolgt hat.

    Ergo ist das erste Ziel, die Arbeitszeitverkürzung herbeizuführen und für Männer genauso stellen in Sozialbehörden und Beauftragten-Pöstchen einzurichten wie für Frauen. Gleichzeitig könnte man Gender Studies zu einer Quotierung mit Männerthemen (Schwerpunkt heterosexuelle weiße Männer!) verpflichten. Was sind das überhaupt für “Geschlechterstudien”, wenn man ca. 50% der Menschheit wegen Hautfarbe und / oder sexueller Orientierung ausklammert? Richtig, gar keine. Zumindest keine seriöse.

    • “Ergo ist das erste Ziel, die Arbeitszeitverkürzung herbeizuführen und für Männer genauso stellen in Sozialbehörden und Beauftragten-Pöstchen einzurichten wie für Frauen. Gleichzeitig könnte man Gender Studies zu einer Quotierung mit Männerthemen (Schwerpunkt heterosexuelle weiße Männer!) verpflichten. Was sind das überhaupt für “Geschlechterstudien”, wenn man ca. 50% der Menschheit wegen Hautfarbe und / oder sexueller Orientierung ausklammert? Richtig, gar keine. Zumindest keine seriöse.”

      Das Grundproblem von Männern scheint zu sein, dass sie sich nicht unabhängig definieren können und deshalb immer und immer wieder bei der Abgrenzung von Frauen hängen bleiben. Zwangsläufig wandeln sich die Gratifikationen, die man auf der anderen Seite sieht, von einer Ungerechtigkeit oder von schlichtem Nutznießen zu einer Frage des eigenen Anteils daran, also des Anteils von Männlichkeitsstudierten an Gender Studierten und zum Anteil von Hausmännchen unter den Hausweibchen. Solange es Männern nur gelingt, nach dem zu streben, was ihnen vorgesetzt wird, wird sich an der Immobilität der Männerbewegung nichts ändern.

      • Ich sehe es nicht als “Grundproblem” an, erstmal gleiche Startbedingungen für Aktivismus in eigener Sche zu schaffen, insbesondere, was die Forderung nach mehr arbeitsfreier Zeit angeht. Das ist schon lange überfällig und würde auch das Arbeitslosen-Problem besser lösen als jedes andere politische Getue. Klar, mancher würde einfach mehr Sport machen, andere länger schlafen oder was auch immer. Aber es gäbe erst einmal die Möglichkeit sich zu engagieren und das ist es, was zählt.

        Ansonsten solltest Du Dir vielleicht einfach abgewöhnen, Deine “Gratifikationen” und Deine Betrachtungen zum Maß aller Dinge zu machen.

        • Ich sehe es als Grundproblem an, wenn die gleichen Startbedingungen daraus bestehen, ein gleiches Maß an Nutznießen oder nennen wir es deutlich: an Schmarotzen herzustellen.
          Was den Ratschlag, das soll es doch wohl sein – oder? Also, was den Ratschlag angeht, welchen Gratifikationen (was meinst Du damit überhaupt?) und wessen Betrachtungen sollte ich denn zum Maß aller Dinge machen? Deine? Du hast sicher dafür Verständnis, dass ich meine Betrachtungen für richtiger und meine Gratifikationen (wenn ich auch nicht weiß, welche genau Du damit meinst) für relevanter halte und mich natürlich an MIR und an keinen Vorgaben von wem auch immer ausrichten werde.

          Das genau ist es, was ich mit der Eigendefinition eingeklagt habe. Und Du lieferst postwendend ein Beispiel dafür, dass es genau diese Eigendefinition ist, die nicht funktioniert.

        • Ach, @männerstreik

          “Ansonsten solltest Du Dir vielleicht einfach abgewöhnen, Deine “Gratifikationen” und Deine Betrachtungen zum Maß aller Dinge zu machen.”

          Was soll das denn bringen, wenn man auf diesem Niveau rumredet, statt sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, die zählen?

          Was, meinen Sie, soll ein vernünftiger Mensch anderes auf solche Anwürfe anworten als “tu quoque”.

          Vielleicht ist DAS die Antwort auf meine Frage: Männer können keinen effizienten Widerstand zeigen, weil sie keine erwachsenen Männer sind, sondern in ihrer mentalen Entwicklung irgendwo im Kindergartenalter hängengeblieben sind nach dem Motto: aber Du machst jetzt das, und Du bist jetzt so, und ich hab’ schließlich zuerst/auch/BELIEBIGES EINSETZEN….

          Vielleicht und hoffentlich ist es aber NICHT die Antwort. Wenn das nur ein einmaliger Ausfall war, was ich hoffe, besteht vielleicht die Möglichkeit, diese Auseinandersetzung als das zu erkennen, was sie ist: eine Auseinandersetzung um effiziente Mittel zur Erreichung der mehr oder weniger gleichen Ziele! Und vor allem sind es die gemeinsamen Ziele, die man nicht aus dem Auge verlieren sollte; der Streit um Wege dorthin bleibt ihnen gegenüber immer zweitrangig, oder!?!

          • Michel Houellebecq says:

            Männer können keinen effizienten Widerstand zeigen, weil sie keine erwachsenen Männer sind, sondern in ihrer mentalen Entwicklung irgendwo im Kindergartenalter hängengeblieben sind nach dem Motto: aber Du machst jetzt das, und Du bist jetzt so, und ich hab’ schließlich zuerst/auch/BELIEBIGES EINSETZEN..”

            Sie sprechen hier ein wichtiges Problem in unserer Denk- und Diskurskultur an: Die wachsende Infantilisierung gesellschaftspolitischer und auch sonstiger Debatten, wie nur schon die Stinkefingerdiskussion um den griechischen Finanzminister (oder der Hashtag-Feminismus) zeigt. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht: Aber ich fühle mich in unserer Desinformationsgesellschaft langsam wie auf dem Schulhof…

            • @Michel Houellebecq

              Mir geht es genauso, aber ich würde ergänzen wollen, dass, wenn Sie schon meinen, das Niveau wäre Schulhof-Niveau, der Schulhof der einer GRUNDschule sein muss, wenn nicht der einer VORschule. Wie gesagt: ich fühle mich eher in den Kindergarten oder auf den Spielplatz versetzt.

              Das Niveau als solches wäre nicht so schlimm, wenn es nicht systematisch jede halbwegs vernünftige Diskussion, also eine auf ARGUMENTATIVER Basis, zerstören oder von vorneherein verunmöglichen würde. Naja – wir tun unser Bestes, um dem entgegenzuwirken…

      • petpanther says:

        “Solange es Männern nur gelingt, nach dem zu streben, was ihnen vorgesetzt wird, wird sich an der Immobilität der Männerbewegung nichts ändern.”

        Wenn ich die red-pill und mgtow “Bewegung” in den USA und GB so ansehe, die sehr rasant am wachsen ist, enthält diese eben genau solche Ansätze. U.a. Rückbesinnung auf sich, Realitäten ungeschönt wahrnehmen etc. und eben nicht mehr das annehmen was vorgesetzt wird.

        Das aber stösst auf heftigsten Widerstand.

        Und es wird auch medial verrissen und beschmäht. Viele Journalisten und Journlistinnen haben auch keine Ahnung von dem was sich da gerade tut. Von Frauen und bei Männern, die sie dann als blue-pill bezeichnen. Von Feministinnen ganz zu schweigen, die ja heutzutage eher weibliche Chauvinistinnen sind, also Privilegien suchen und Männer herabwürdigen, teilweise wissentlich sehr unehrlich und unredlich, seien es “Statistiken” oder und u.a. eben auch die ganze Genderismus Ideologie, die ja weiter verunsichern soll.

        All das schauen sich vor allem junge Männer an. Im Internet ist es dann gleich auch weltweit.

        • @petpanther

          Ja, all das kann ich nachvollziehen, aber diese Erkenntnisse haben ja nicht nur Sie und ich, eben weil Sie richtig bemerken, dass sie z.B. im Internet “gleich auch weltweit” verfügbar sind. Und gerade deshalb wunder ich mich ja darüber, dass von Männern so wenig organisierter und nach außen publikumswirkam demonstrierter Widerstand kommt.

    • @männerstreik

      “Das ist das Problem, wenn man solche Fragestellungen nur durch die akademische Brille betrachtet. Ein paar Fakten gibt es dazu, der wichtigste vorab…”

      Meinen Sie im Ernst, dass wir uns den Schuh mit der “akademischen Brille” anziehen sollen, aber SIE im Besitz der Fakten sind??? (Warum fühlen Sie sich übrigens so angegriffen durch meinen Kommentar bzw. unseren Text, dass Sie zu solchen dummen Provokationen oder Unterstellungen greifen zu müssen glauben?)

      Dann will ich Ihnen mal einen Fakt mitteilen: in der Zeit, in der Frauen in Westeuropa und den USA am militantesten aufgetreten sind und auf die Straße gegangen sind und alte Rollenbilder zunehmen und offen verweigert haben, hatten sie gewöhnlich keineswegs die Zeit, sich für das, was sie Emanzipation nannten, zu engagieren. Sooooo einfach ist das nicht! Wenn die Emanzipationsbewegungen des 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts allein von Bürgerfrauen hätten getragen werden sollen, dann hätten sie keinesfalls die Dynamik entwickeln können, die sie entwickelt haben.

      Wenn Männer heute meinen, dass sie Zeit (und Lust) haben, sich für die Erziehung ihrer Kinder zu engagieren, z.B. an Wochenenden mit ihen zu spielen oder Kindergeburtstage zu begehen, Abende in Restaurants oder im Kino zu verbringen, dann – so sollte man meinen – haben sie auch Zeit – aber vielleicht keine Lust? -, über ihr “elendes Leben und entsprechende Gegenwehr” zu reflektieren.

      Wenn das so sein sollte, wäre ich wieder bei meiner ursprünglichen Spekulation angekommen:
      Viele Männer können es sich anscheinend psychologisch einfach nicht leisten, ihr eigenes Leben (im Vergleich zu ihren aktuellen und früheren Wünschen und Bedürfnissen) zu reflektieren – das belastet nur und endet vielleicht noch darin, dass man in einer Weise Stellung beziehen muss, die einem dem furchtbaren Vorwurf von (eigen)interessierter aussetzen könnte, man sei ein “Macho”, ein “Rechter”, was auch immer. Sind Männer am Ende feige (bewusst provozierend gefragt, versteht sich)?

  7. vortex says:

    Männer waren schon immer die entbehrlichen Trottel. Das alte Beispiel von zwei Stämmen, in einem sterben 90% der Männer, in dem anderen 90% der Frauen, verdeutlicht den biologischen “Zugzwang” die Frau als wichtiger anzusehen. Ich kenne diese Präferenz ( die beide Geschlechter für die Frau haben ) als Gynozentrismus. Männer sehen sich untereinander als Konkurrenten an, während der Schutz für den goldenen Uterus oberste Priorität genießt.

    Hier ein Beispiel
    https://www.youtube.com/watch?v=V4akMaeZ0-k

    Wie ferngesteuert gehen immer mehr Männer auf einen Mann los, nur weil dieser einer Frau Grenzen setzt.

    Das Problem ist das sich die “männliche” Identität aus den Bedürfnissen von Frauen speist. Also kann ein Mann mit traditioneller Identität, der sich als “Gut” betrachten möchte, gar keine fundamentalen Kritikpunkte an Frauen finden.

    “Ich verstehe es einfach nicht, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Männerschelte und -benachteiligung deshalb so beliebt und überall verbreitet ist, weil Männer unter den derzeitigen Minderheiten zweifellos die duldsamste sind.”

    Immer dort wo die Leute am duldsamsten, liberal und freundlichsten sind , wird proklamiert die größten Schufte gefunden zu haben. Europa, Nordamerika und Australien sind Länder/Landstriche mit juristischen Vorteilen für Frauen gegenüber Männern, mit einer Liste von Nachteilen die Männer allgemein genießen. Das gesellschaftliche Klima, die angenommenen Machtstrukturen und das Selbstbild vieler, ist jedoch ein völlig Gegenteiliges. Die misandrischen Töne sind hier am lautesten, die Bevorteilung von Frauen scheint exponentiell zu wachsen, Feminismus und Männerhass sind hier am stärksten. Ähnlich wie Sklaverei heute komischerweise als “Weißes Verbrechen” gilt, obwohl die Europäer diese abgeschafft haben. Keine gute Tat bleibt ungestraft.

    “Gebe ihnen den kleinen Finger….”

    Was mich erschreckte, als sich diese Erkenntnisse in meinem Hirn formten, war das die “Oldschool Chauvis” tatsächlich recht zu haben scheinen wenn sie meinen das Frauen gern heruntergeputzt werden. Denn wenn das nicht passiert, gibt’s zwei Dekaden später lächerliche Vorteilsprogramme für Frauen. Tolle Spitzenjobs, Bildungsprogramme, volle Reproduktionsrechte und eine metaphorische Pistole in der Hand, die, frei von persönlichen Konsequenzen, auf jeden Mann gerichtet werden kann, bei gleichzeitiger emotionaler Verarmung breiter Schichten von Frauen.

    Wenn alle Männer Frauen für ein Jahr wie Männer behandeln würden ( will heissen als Konkurrenten, nicht wie ihr Gott, Gewissen und Antrieb ), könnte es gut sein das wir einen Massensuizid von Frauen beobachten könnten, denn die fehlende Aufmerksamkeit ist Gift für Narzissten ( die meisten Frauen sind welche ). Das wird aber nicht passieren, weil Männer nun mal in psychologischer Abhängigkeit von Frauen stehen, die Kultur ( Gesellschaft ) sie in dieser Abhängigkeit bestärkt und die Menschen einfach nicht aus der Geschichte lernen wollen.

    Von einem Aussteiger, mit autarker Identiät.

    • @vortex

      “Was mich erschreckte, als sich diese Erkenntnisse in meinem Hirn formten, war das die “Oldschool Chauvis” tatsächlich recht zu haben scheinen wenn sie meinen das Frauen gern heruntergeputzt werden.”

      Also – für mich gilt das bekanntermaßen in keiner Weise 🙂 , und deshalb weise ich Sie darauf hin, dass Ihr Zitat aus meinem Kommentar mit Ihren nachfolgenden Ausführungen suggeriert, Ihre nachfolgenden Ausführungen wären dazu geeignet, mein Nicht-Verstehen zu beheben.

      Nur – das kann ich (auch?) nicht erkennen. Wenn Sie z.B. schreiben:

      “Immer dort wo die Leute am duldsamsten, liberal und freundlichsten sind , wird proklamiert die größten Schufte gefunden zu haben”,

      dann stellt sich doch die Frage, WARUM das so ist bzw. sein sollte.

      Ihrer Beschreibung stimme ich zu, aber sie ist eben keine ERKLÄRUNG für dies bestehenden Verhältnisse und insbesondere nicht dafür, dass sich so viele Männer just diese Verhältnisse bieten lassen.

    • Übrigens:

      “Männer waren schon immer die entbehrlichen Trottel”

      trifft sicherlich nicht zu:

      Erstens gäbe es schlicht keine menschliche Spezies wie wir sie kennen; Menschen pflanzen sich geschlechtlich fort!

      Zweitens sind es gerade die Patriarchats-Romantiker, die darauf hinweisen, dass es die der von Frauen durchschnittlich überlegene physische Stärke von Männern ist oder war, die die angebliche Massenunterdrückung aller Frauen durch alle Männer ermöglicht hat. Bis heute glauben solche Leute daran, dass häusliche Gewalt nur von Männern ausgeübt werden könnte, weil Frauen in ihren Augen anscheinend keine oder keine zum Prügeln hinreichende Muskulatur hätten … Also sogar diese Leute geben zu, dass die überlegene physische Stärke (und Statur) von Männern bestimmte Tätigkeiten und damit auch Entwicklungen der menschlichen Spezies ermöglicht oder zumindest erleichtert hat; sie erklären sie nur allesamt für schädlich oder nicht wünschenswert. – Ich frage mich, wie sie alle ihre Wasserkästen transportiert bekommen …

  8. WikiMANNia says:

    Ich bin WikiMANNia-Redakteur und auch die WikiMANNia-Redaktion beschäftigt die Frage, warum sich Männer nicht wehren.

    Ich habe da vier wesentliche Hürden ausgemacht.

    1. Schon von klein auf wird Jungen eingetrichtert, dass man Mädchen nicht schlägt. Das brennt sich tief in die Denkstrukturen ein führt später zu der so genannten Beißhemmung gegenüber Frauen. Mädchen hingegen werden gegenüber dem männlichen Geschlecht keine Schranken auferlegt.

    2. Zu der frühkindlichen Indoktrination gesellt sich die Erfahrung, dass Frauen gegenüber Männern tatsächlich nicht wettbewerbsfähig sind. Wie im Kommentar oben bereits angemerkt, empfinden die meisten Männer Frauen emotional nicht als Konkurrenz, sondern als liebenswerte und schutzbedürftige Wesen. Deshalb gibt es bei den
    Olympischen Spielen weiterhin separate Frauensportarten, wo Frauen unter sich bleiben, damit auch sie Medaillen gewinnen können. In Militär, Polizei und Feuerwehr werden die Anforderungsprofile nach unten angepasst, damit Frauen “mitspielen” können. Der Fall, wo eine Frau bei einer Hafenübung(!) aus der Takelage der Gorch Fock gefallen ist, legt das Dilemma in seiner ganzen Größe schonungslos offen. Wenn Frauen schon bei einer Hafenübung versagen, wie wäre die Situation bei pechschwarzer Nacht, wenn das Schiff im Sturm um Kap Horn kreuzt? Und wie würde sich das in einer realen Gefechtssituation entwickeln? Wenn ein Mann körperlich ungeeignet ist, dann wird er eben ausgemustert. Basta. Nicht so bei einer Frau. Ist eine Frau überfordert, dann wird einem Mann die Schuld in die Schuhe geschoben, in dem Fall musste der Kapitän seine Kapitänsmütze ablegen und die Gorch Fock kam an die Kette. Nicht die Frau und ihre Rolle wird infrage gestellt, sondern der Kapitän und die ganze Instituation. (Es stand die Forderung im Raum, die Gorch Fock für immer stillzulegen.) Wenn also eine Frau leistungsmäßig versagt, wird nicht die Frau ausgemustert, sondern Männer sanktioniert. Es wurde ein Netz an Frauenbeauftragten in der Bundeswehr installiert, wenn nun also ein männlicher Soldat etwas falsches über die Leistung von Frauen äußert, muss er mit einer Disziplinarstrafe rechnen.

    3. Der größte Feind des Mannes ist der Mann. Das möchte ich am Beispiel WikiMANNia erklären, was als Projekt ins Leben gerufen wurde, um Männern zu helfen sich zu wehren. Das Ziel ist unter anderem die Unterstützung von Vereinen wie Väteraufbruch, MANNdat und Agens. Die dort aktiven Männer ignorieren allerdings (zumindest) WikiMANNia, und distanzieren davon. Arne Hoffmann (Genderama), der öffentlich und entschieden WikiMANNia als Nazi-Seite und rechtsextrem diffamiert, erreichte durch seine Intervention, dass Agens auf seiner Webpräsenz einen Link auf WikiMANNia entfernte. Auch wenn weibliche Ansprüche noch so überzogen und unberechtigt sind, so können sie doch jederzeit darauf bauen, dass immer genügend Weiße Ritter aufstehen, um sie gegen jedwede Kritik zu verteidigen. Dieser Gentleman- und Beschützerinstinkt ist eben auch in der Männerrechtsszene präsent, zu der ja auch Arne Hoffmann gehört. Arne Hoffmann versucht, indem er sich von Teilen der Männerrechtsbewegung distanziert und sie diffamiert, Akzeptanz zu gewinnen. Zu seinem Verdruss wird er aber immer in einen Sack mit den Männerrechtlern gesteckt, von denen er sich so vehement distanziert. Er kann nicht erkennen oder will nicht wahrhaben, dass die Gegenseite bei Feminismskritikern nicht differenziert, so wie er das gerne hätte. Der von Heike Diefenbach geforderte Widerstand von Männern wird gerade von Männern torpediert und bekämpft. Dazu gehören dann auch männliche Autoren wie Andreas Kemper, Hinrich Rosenbrock und Robert Claus.

    Diese bereits genannten drei Hürden machen es sehr schwer Widerstand zu leisten. Schon die ersten zwei Hürden zu überwinden ist schwer. Die Erfahrung, dass ausgerechnet Männer es sind, die einem Knüppel zwischen die Beine werfen und einem in den Rücken fallen, ist für viele demotivierend.

    4. Dazu kommt als letzte Hürde die Tatsache, dass die Universitäten von Feministinnen ideologisch kontrolliert werden, die Meinungswirtschaft geschlossen profeministisch berichtet und die Politik beherrscht wird von Weißen Rittern, männlichen Profeministen und feministischen Quotenfrauen. Es ist heute in der gleichgeschalteten Situation ähnlich schwer gegen Männerhass und Männerknechtschaft zu protestieren, wie von 75 Jahren gegen Judenhass. Man wird mindestens gesellschaftlich geächtet und ausgegrenzt, wie beispielsweise Eva Hermann als “Eva Braun”.

    Diese gesellschaftliche Stigmatisierung und Ausgrenzung können sich aber viele Männer nicht leisten, wie der Sozialpädagoge bereits anmerkte, würde das das berufliche Aus bedeuten. Und das können Männer, die vielfach immer noch die Familienernährer sind, nicht leisten. Aus Rücksicht auf “Ehefrau und Kinder” nehmen sie Männerhass und Männerentrechtung in Kauf.

    • @WikiMANNia

      Danke für die Mitteilung Ihrer Beobachtungen, die ich als solche sehr interessant finde!

      Sie haben sicherlich Recht damit, dass, sagen wir einmal: Schweigen der Männer nicht nur einen einzigen Grund hat, sondern verschiedene Gründe, die in dieselbe Richtung wirken, also das Schweigen der Männer gemeinsam produzieren.

      Ich wundere mich eben einfach (immer noch) darüber, dass nicht mehr Männer für sich selbst sozusagen den Siedepunkt erreicht haben, denn wissen Sie, wenn Sie Recht haben mit Ihrer Beschreibung der derzeitigen Lage – und ich denke, Sie haben damit größtenteils Recht – , dann stellt sich doch für viele Männer die Frage, was sie eigentlich noch groß zu verlieren haben, insbesondere für jüngere Männer, die nicht als Familienernährer erpressbar sind.

      Und wenn man die Geschichte der Frauenbewegung betrachtet, muss man zugestehen, dass zur Zeit der sogenanten 1. Welle der Frauenbewegung die Umstände, unter denen sich Frauen für ihre Rechte eingesetzt haben, für diese Frauen auch nicht gerade rosig waren. Man hätte ebenso argumentieren können, also mit gesellschaftlichem Druck und der Inkaufnahme von Frauenbenachteiligung, weil Frauen Rücksicht auf “Ehemann und Kind” nehmen, etc.

      Und damals gab es genug Frauen, die die engagierten Frauen als keine “richtigen” Frauen ansahen und genug Männer, die das genauso sahen und den Teufel getan hätten, “so eine” zu heiraten, falls “so eine” heiraten wollte. Und Frauenerwerbstätigkeit war nicht für alle Frauen aller sozialer Schichten gleichermaßen zugänglich oder ehrenvoll. Also, war das wirklich so anders als die Situation, die Sie heute beschreiben, in der es Männer gibt, die die Benachteiligung von Männern zu legitimieren versuchen, sich auf diese Weise zu Wasserträgern degradieren? Opportunisten und wenig mutige Exemplare der Spezies gibt es immer und unter beiden Geschlechtern ….

      Ein anderer Punkt: da inzwischen wirklich fast jeder weiß, dass wir in einer zumindest teilweise “gleichgeschalteten Situation” leben, nimmt es doch niemand mehr ernst, wenn jemand, der gegen Männerhass oder Männerbenachteiligung protestiert, mit irgendwelchen Adjektiven oder Substantiven belegt wird. Das sind doch bloß Worte und meist keine sinnvollen, und sie sind so überstrapaziert worden, dass sie völlig belanglos geworden sind!

      Und deshalb bleibt bei mir ein mehr oder weniger großer Rest Unverständnis, obwohl ich in Ihrem Kommentar und vielen anderen sehr viele interessante Punkte gelesen habe, die ich auch nachvollziehen kann; ich sage nicht, das alles sind keine erklärenden Gründe; sie ergeben für mich nur einfach keine HINREICHENDE Erklärung.

      Aber warten wir es ab – es wird spannend sein zu sehen, welche Entwicklungen die kommenden Jahre in Sachen Männerbenachteiligung und Widerstand gegen sie bringen wird. Sicherlich sind wir, die wir hier kommentiert haben, mehr oder weniger einer Meinung darüber, dass wir noch lange nicht das Ende der Entwicklungen in diesem Bereich gesehen haben….

      • Alex says:

        > ” dann stellt sich doch für viele Männer die Frage, was sie eigentlich noch groß zu verlieren haben, insbesondere für jüngere Männer, die nicht als Familienernährer erpressbar sind.”

        Als junger Mann hätte ich ein paar Punkte dazu
        Beruf (wurde ja schon genannt, wieviel Prozent der HR sind eigentlich Frauen?)
        Familie, etwa Mutter und Schwester.
        Freundeskreis, insb. auch das Zusammenspiel von freunden und deren Frauen.

        Wirklich frei ist man nunmal nicht. Daher ist die Frage wo man seinen persönlichen schmerzp unkt findet. Gesellschaftlich erwartet ist dieser sehr spät bzw. nicht vorgesehen.
        Evtl fi det man hier sogar einen wesentlichen unterschied zum first wave Feminismus.

  9. FAMar says:

    Kevin Fuchs hat oben beschrieben, wie sich Männer wehren und ich denke, in dieser Richtung wird noch viel kommen.

    Der Weg über das Erkämpfen von “Männerrechten”, den Frau Diefenbach und wohl auch viele Männerrechtler vermissen, basiert meiner Meinung nach auf einem Unverständnis der männlichen Perspektive. Das Einfordern von Mitgefühl und Schutz funktioniert für Männer einfach nicht. Das ist ein weibliches Privileg. Die männliche Perspektive besteht aus der Erfahrung, dass nur Stärke funktioniert. Das beginnt schon auf dem Schulhof. Man(n) kann noch so oft zur Schulleitung rennen und sich über Mobbing beschweren, das bringt nie was, sondern macht die Sache nur schlimmer. Aber fester zurückzuschlagen funktioniert. Daran hat sich nichts geändert. Die meisten Männer lernen das Prinzip entweder schon von entsprechenden Vorbildern oder eben durch eigene, oft schmerzvolle Erfahrung. Adenauer sagte, Männer werden in den bitteren Stunden gemacht. Das ist das Prinzip und die Wurzel aller “Privilegien” des “großen weißen Mannes”. Und die anderen verzweifeln eben noch beim Anrennen an diese Wand, die es nach ihren eigenen Idealismen ja gar nicht geben dürfte.

    • @FaMar

      “Der Weg über das Erkämpfen von “Männerrechten”, den Frau Diefenbach und wohl auch viele Männerrechtler vermissen, basiert meiner Meinung nach auf einem Unverständnis der männlichen Perspektive. ”

      Ja, genau das habe ich ja geschrieben: ich verstehe das nicht, d.h. ich habe diesbezüglich Unverständnis!

      Und mein Unverständnis setzt sich fort, wenn Sie der Meinung sind, dass “Männerrechtler” nicht die “männliche Perspektive” repräsentieren, was ich etwas seltsam finde, also auch nicht verstehe, weil es ja Männer sind, und wenn es eine männliche Perspektive gibt, dann sollte man meinen, dass (auch) sie (als Männer) sie haben – sonst macht das ja keinen Sinn. Und wenn Männer das Prinzip Stärke auf dem Schulhof lernen, haben dann Männer, die Männerrechtler sind oder von Ihnen so betrachtet werden, niemals einen Schulhof betreten, oder wie muss ich mir das vorstellen?

      Aber was die “Männerrechte” betrifft, so muss ich für mich festhalten, dass mich Männerrechte ebenso wenig interessieren wie Frauenrechte. Mich interessieren INDIVIDUALRECHTE, die per definitionem nicht nach irgendwelchen Merkmalen wie Geschlecht oder Augenfarbe oder sonst etwas qualifiziert werden können – das gerade ist der Witz und das Wichtige an Individualrechten. Anders gesagt: ich halte gerade die Betrachtung von Menschen nach irgendwelchen tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeiten zu Gruppen für höchst problematisch.

      Und gerade deshalb verfehlt es m.E. das Thema, wenn man feststellt:

      “Das Einfordern von Mitgefühl und Schutz funktioniert für Männer einfach nicht”,

      denn ich würde von Männern – ebenso wie von Frauen, übrigens – erwarten, dass sie nicht Mitgefühl und Schutz einfordern, sondern eben ihre Individualrechte, die – nach wie vor – im Grundgesetz verbrieft sind, aber auch in der Menschenrechts-Charta. Dort steht z.B., dass niemand wegen seines Geschlechtes benachteiligt werden sollte….

      M-E. geht es hier also um Fragen der Gerechtigkeit und rechtsstaatlicher Prinzipien, nicht mehr und nicht weniger, aber sicherlich nicht nännliche oder weibliche Perspektiven, die es ohnehin kaum geben kann, weil weder Männer noch Frauen auch nur einigermaßen sinnvoll als heterogene Gruppen betrachtet werden können – was wieder ein ziemlich guter Grund dafür ist, warum INDIVIDUALrechte zählen, und sonst keine!

  10. WikiMANNia says:

    Den Kommentar von Kevin Klein finde ich äußerst wichtig, wo er richtig sagt, dass sich Männer durchaus wehren, es sich nur anders zeigt. Das ist aber kein geordneter öffentlicher Widerstand, sondern ein ungeordnetes Abstimmen mit den Füßen, wenn Männer (stillschweigend) nur noch zu ihrem eigenen persönlichen Vorteil handeln und Weiber (warum soll ich sie “Herrinnen” nennen?) mit ihren Heirats- und Versorgungswünschen links liegen lassen.

    Diese Art Widerstand hat viel gemeinsam mit asymmetrischer Kriegsführung.

    Andersherum: Den Männer sind die Frauen fremd geworden.
    Oder anders ausgedrückt: Frauen und ihre Wünsche stehen bei Männern nicht länger im Mittelpunkt ihres Lebens.

    • @WikiMANNia

      “Oder anders ausgedrückt: Frauen und ihre Wünsche stehen bei Männern nicht länger im Mittelpunkt ihres Lebens.”

      Ich hoffe, Sie haben damit mit Bezug auf möglichst viele Männer Recht (bezweifle es derzeit aber noch), denn ich glaube, dass das ein wichtiger Schritt in Richtung Emanzipation von Männern wäre.

  11. WikiMANNia says:

    Die Arbeitszeitverkürzung für Männer wird nicht kommen, denn wie Männerstreik richtig bemerkt, haben Vollzeit arbeitende Männer gar keine Zeit sich a) zu informieren, b) sich zu organisieren und c) für Aktivismus. Würde man die Arbeitszeit für Männer verkürzen, würde man ihnen ja die Möglichkeit geben, sich gegen die perfekte Ausbeutung (durch Kapitalismus und Feminismus) zur Wehr zu setzen. Wer, bitte schön, will das denn?

    Arbeiten als Option wird es also weiterhin nur für Frauen geben. Für Männer hingegen wird der Arbeitszwang bleiben.

  12. Rimasek says:

    Ich möchte zur Klärung der Frage, wo denn der Widerstand von Männern sei, auf Robert K. Merton verweisen. Da gibt es dann fünf verschiedene mögliche Muster.
    Das erste ist die Konformität. Da versucht man trotz aller Schwierigkeiten so gut wie möglich weiterzumachen. Ich glaube, dass sich das mit der Theorie der kognitiven Dissonanz vereinbaren lässt. Denn dann redet Mann sich das was er (noch) hat schön. Wenn man sich den Trend der letzten Jahre anguckt könnte das angesichts der Erfahrung der eigenen Ohnmacht sogar darin begründet liegen, dass jede Neuigkeit die Situation nur noch verschlimmert, wobei mir auf die schnelle selbst noch nicht klar ist, inwieweit sich das vom Ritualismus abgrenzen lässt. Hier wird sich selbst vielleicht nichts mehr schön geredet, aber trotzdem der gewohne Weg weiter beschritten. Beides sorgt aber nach außen für Passivität. Dem stehen dann Innovation und Rebellion gegenüber. Das kann beispielswiese so aussehen, wie es der Kommentator Kevin Fuchs schon angemerkt hat: Zeugungsstreik und Familienverweigerung. Das wäre meiner Meinung nach schon eine Art der Rebellion, da das Ziel offen von der Vorgabe abweicht. Der Unterschiend zur Innovation ist meiner Meinung nach an dem zu erkennen, was der Kommetator Kevin Fuchs im Satz vorher beschreibt: “Es fängt damit an, dass Mann sich Frauen gegenüber zwar äußerlich und politisch korrekt verhält, sie aber immer weniger ernst nimmt.” Dieses äußerliche und politisch korrekte Verhalten zeigt, dass die Ziele im Gegensatz zur Rebellion noch immer (wenn vielleicht auch eingeschränkt) gelten. Die Mittel können aber schon abweichen. Mir fällt spontan nur ein sehr oberflächlich-konstruiertes Beispiel ein, indem sich der Junge den Fleißaufgaben in der Schule nicht widmet, abschreibt oder nicht lernt und die Lücke bestehen lässt, dafür möglicherweise schlechtere Noten bekommt, aber die gewonnene Zeit in sinnvollere Tätigkeiten investiert und sich beisielsweise als Hobby mit Programmiersprachen oder dem Modifizieren von Computerspielen auseinandersetzt. Welch wunder klappt es dann mit dem MINT-Studium und dem entsprechenden Beruf später ganz gut, sofern die formale Zulassungshürde genommen wurde. Was noch bleibt ist die Resignation oder der Rückzug. Ich glaube, dass diese Dimension unterschätzt wird, weil sich oftmals an sehr strikten Formen davon orientiert wird. Aber Alkoholkonsum und Selbstmordraten lassen mich zu dem Ergebnis kommen, dass dieser Rückzug vorhanden ist. Dann wird das Leben weitgehend als fremdbestimmt empfunden und der Fokus möglicherwiese auf ein Hobby gerichtet. Da möchte ich den Fußball anführen. Es gibt einerseits das eskapistische Ausmaß des Ultra-Daseins und andererseits den Hooliganismus, der weg vom Fußball führt und vielleicht auch als Rebellion aufgefasst werden kann. Ich sehe darin auch ein Moment der Aufgabe, weil Hooliganismus die Selbstzerstörung und das Wissen darum beinhaltet. Es kommt dann zu einer Haltung, aus der heraus sowieso alles egal ist, weil man nichts ändern kann. Dann gibt es auch keinen Widerstand, sondern vielleicht einen großen Knall am Ende. Der kann dann so wie in dem Video aussehen (http://www.schnatterente.net/fundstuecke/spass-russisch-spiel-mit-tod) , wobei es für mich selbst erschreckend war, wie ich versucht habe, die Bereitschaft zur Teilnahme an diesem Spiel mit Perspektivlosigkeit und mangelnder Integration (es gab in jüngster Zeit Berichte von in der Ostukraine kämpfenden “Russlanddeutsche”, was ja ein ähnlicher Vorgang ist) zu erklären, bevor ich plötzlich “aufgeklärt” wurde. Diese gesamtgesellschaftliche Aufklärung, wie sie hier dankenswerter Weise auf dieser Internetpräsenz unterstützt wird, fehlt oftmals und wird von anderen “Programmen” überlagert. Dann gilt der (per Druck auf die Taste “Ende” sichtbare) Cartoon mit Platon und Rove im Sinne des Thomas-Theorems und das ermöglicht die Dissonanz.

    Postskriptum: Der Kommentar ist jetzt zwar deutlich länger geworden wie ursprünglich beabsichtigt, aber dennoch eher lückenhaft. Vieles sollte man besser also genauer Ausführen. Das war jetzt eher ein großer Rundumschlag als Reaktion auf eine berechtigte Frage nach dem Widerstand, deren Antwort ich bei Merton finde. Da es ein auf die schnelle verfasster Kommentar ist, sehe man mir den Verzicht auf Quellenbelge nach. Die können nachgereicht werden, aber es gilt, was vom Kommentator maennerstreik schon erwähnt wurde: “Die Zeit ist weg” (was letzlich nur eine Ausrede ist und die eigene Prioritätensetzung offenbart)

    • @Rimasek

      Der Verweis auf Merton bzw. verschiedene Varianten oder Phasen von Widerstand ist durchaus nützlich – danke dafür!

      Und Ihren Ausführungen kann ich in vielen Teilen zustimmen. Wichtig ist mir aber doch, festzuhalten, dass es m.E. ein wenig nativ ist, wenn man meint, das Folgende genüge (was ich jetzt der Kürze halber mit einem Zitat von Kevin Fuchs auf den Punkte bringe, das Sie zitiert haben):

      “Es fängt damit an, dass Mann sich Frauen gegenüber zwar äußerlich und politisch korrekt verhält, sie aber immer weniger ernst nimmt.”

      Das mag stimmen und einige Funktionen erfüllen, aber was nutzt es, Frauen immer weniger ernst zu nehmen, wenn man systematisch z.B. von Bewerbungen um bestimmte Jobs ausgeschlossen wird?

      Ja, man kann sagen: “na, diese Jobs sind sowieso nicht erstrebenswert”, aber erstens besteht kein Grund anzunehmen, dass es beim Ausschluss von diesen Jobs bleiben wird, wenn das Prinzip erst einmal etabliert ist, und zweitens geht es hier um rechtsstaatliche und individualrechtliche Prinzipien. Handfesten Tatsachen, die geschaffen wurden, kann man nicht nur dadurch begegnen, dass man Frauen immer weniger ernst nimmt. Zumindest die gesetzlichen Regelungen, die Männer negativ betreffen, werden Männer früher oder später ernst nehmen müssen.

      In dieselbe Richtung könnte ich bezüglich Ihres MINT-Beispiels argumentieren: wenn ein Junge seinen Hobbies frönt statt Hausaufgaben zu machen und dies faktisch für seine Kenntnisse in den MINT-Fächern auch förderlich sein mag, wie groß ist, glauben Sie, seine Chance, die formale Berechtigung zum Studium eines MINT-Faches zu erreichen? Das funktioniert so einfach nicht; in der Schule wird zu einem großen Teil Kooperation und Anpassung belohnt, nicht das, was jemand an Kenntnissen außerhalb des Unterrichts erwirbt, besonders dann nicht, wenn er nicht einmal seine Hausaufgaben macht (und außerdem ein Junge ist).

      Ich fürchte, die Entwicklungen, sagen wir: der letzten 10, 15 Jahre, sind für Männer brisanter als es vielen Männern vorkommt, vielleicht auch als es Ihnen vorkommt (so scheint es mir jedenfalls). Sich politisch korrekt zu verhalten und sich tief innen seinen Teil zu denken (um es ‘mal absichtlich polemisch zu formulieren), ist nicht Widerstand, jedenfalls kein ausreichender oder effizienter, sondern für mich eher ein Rückzug, denn man überlässt die Formung der realen gesellschaftlichen Verhältnisse damit anderen und macht sich selbst zum Objekt dessen, was andere beschlossen haben, auch, wenn man innerlich emigriert – was ich im übrigen psychologisch durchaus verstehen kann.

      • Rimasek says:

        Sehr geehrte Frau Dr. habil. Diefenbach, es ist einerseits durchaus möglich, dass ich die Entwicklungen dieses Jahrtausends verkenne, auch weil mir mangels Lebensalter der Vergleich zu vorherigen Zeiten fehlt. Andererseits habe ich im Postskriptum Lücken angesprochen. Ich glaube, dass diese in die von Ihnen angesprochene Richtung weisen. Wenn der von mir beispielhaft erwähnte Junge die Hürde des Abiturs nicht nehmen kann und es nicht zum MINT-Studium kommt, halte ich den Rückzug für sehr wahrscheinlich. Daher habe ich geäußert, dass ich hierin ein unterschätztes Reaktionsmuster sehe. In diesem Zusammenhang habe ich indirekt auf eine gewisse Affinität für Waffen und lebensgefährliche “Spiele” verwiesen oder den Hooliganismus als Erklärung nahelegt. Auch starker Alkoholikonsum kann meiner Meinung nach als Indiz der Selbstaufgabe gewertet werden. Problematisch daran ist, das dies alles schwer nachzuweisen ist, wobei es meiner Meinung nach sogar noch verkapptere Formen gibt. Guckt man sich ein beliebtes zweirädgriges Hobby an, dessen Saison gerade wieder beginnt, so behaupte ich, dass das “männliche Risikoverhalten” vielleicht gar nicht immer ein solches ist. Wie man einen Motorradfahrer, auch als lebenden Organspender verspottet, fragen möchte, nachdem er lebensgefährlich verunfallt ist, ob er erstens das Risiko unterschätzt hat (das ist die Erzählung, die gemeinhin grassiert), ob er es zweitens bewusst in Kauf genommen hat (das wäre meine Deutungsweise des Rückzuges, denn alles andere ist ohnehin egal, was im Extremfall vielleicht dazu führt, die Bremshebel absichtlich nicht zu betätigen und einen Suizid zu begehen, den keiner als solchen erkennen kann) oder ob es drittens einfach ein Unfall war, bei dem der Motorradfahrer schlichtweg übersehen wurde), weiß ich nicht. Mir drängt sich jedenfalls die Einschätzung auf, dass es sich bei “männlichem Risikoverhalten” gar nicht so oft um ein solches handelt, weil es kein Risiko ist, wenn es “nichts” zu verlieren gibt. Das ist der Rückzug, der analog zum computerspielendem Jungen der nichts mehr von Bildung hält, weil er zuerst an seinen Interessen und Möglichkeiten vorbei auf eine Sonderschule abgeschoben wurde, vielfach unbemerkt bleibt, wie sie ebenfalls schreiben. Ich glaube, dass sich dieser Rückzug mit jedem Programm und jeder Entscheidung der gegenwärtig dominanten politischen Richtung noch verstärkt. Um das zu operationalisieren könnte man sich, sofern noch nicht geschehen, Lebenserwartungen und die Sterblichkeitsraten in einem bestimmten Alter sowie die Todesursache genauer angucken, oder beispielsweise die Einstellungen von “Computerjungen” zur Schule erfragen und diese mit “Fleißmädchen” abgleichen. Wobei der Fokus entsprechend einer Annahme des Wandels dann auf die letzten zwei Dekaden zu legen wäre. Dass ich das in einer Qualifikationsarbeit nicht selbst mache, liegt übrigens in genau der gleichen Resignation begründet, weil ich nicht glaube, dass ich dafür irgendeinen Betreuer und die Möglichkeit des Verbleibs im Wissenschaftsbetrieb sehe. Das war jetzt ein Punkt, der nahtlos in den zweiten übergeht. Sie werden jetzt folgerichtig denken, dass ich dann doch abwägen und aus dem Wissenschaftsbetrieb aussteigen soll. Ich weiß, dass beispielsweise Sie dies getan haben. Zumindest haben sie dem deutschen Hochschulbetrieb abgeschworen, der sich mir als Monopol der Wissenschaft darstellt. Die Frage ist, warum ich dennoch diesen Weg ins “Verderben” weitergehe? Wenn man dieses Beispiel etwas umstellt, landet man wieder an dem Punkt von Kevin Fuchs, wonach man innerlich anders denkt, dies aber nicht in Handeln umsetzt, was, wie Sie anmerken, langfristig erfolglos und unsinnig ist. Ich bemühe mich dazu eines Beispiels aus dem Poker. Dabei besteht die Situation darin, dass man mit einer ursprünglich für gut befundenen Hand mitspielt. Der Gegner hat über die Runden dann stetige aber minimale Erhöhungen ausgeführt und jetzt merkt man, dass man wahrscheinlich die unterlegene Hand besitzt. Man traut sich dennoch nicht, sie wegzulegen, weil man schon entsprechend Geld investiert hat, dass dann in jedem Fall weg wäre. Anstattdessen geht man den Call zum All-In mit, weil ja die minimale Chance besteht, irgendwie doch noch zu gewinnen und man sich die vergangenen Fehler, die ja je nach Situation/Kartenblatt keine gewesen sein müssen nicht eingestehen möchte, aber in jedem Fall den Wandel ignoriert. Ich glaube, dass solche Situationen oftmals durch die “innere Stimme” des “eigentlich müsste ich” charakterisiert sind. Dabei handelt es sich eher um einen Zwischenstatus, in dem man aber sehr lange verharren kann und sich selbst belügt, noch irgendetwas zu retten, bis endgültig in Form eines Schocks alles verloren scheint. Bis dieser eintrifft, kann aber gelten, dass es ja immer nur die anderen erwischt. Der Lauf in das offene Messer wird einem erst beim Kontakt mit der Klinge bewusst, weil man bis zu diesem Augenblick auf ein Wunder hofft, dass sie noch wegklappt, oder sie leicht ignorien kann, weil noch nichts schmerzt. Das ist zugegeben eine reicht methaphorische Sprache anhand von etwas weit hergeholten Beispielen, aber der Grundgedanke liegt darin, dass man zwecks kurzfristiger Orientierung langfristig schwerwiegenderes Leid auf sich nimmt. So ein Muster findet man beispielsweise dann, wenn kurzfristig ein Kredit für den sofortigen Konsum aufgenommen wird, obwohl dieser langfrstig nicht bedient werden kann, oder wenn der Genuss des mit Nikotin angereicherten Momentes im Vordergrund steht, obwohl klar ist, dass Zigarettensucht langfristig gesundheitsschädlich ist. Was mich jetzt wirklich ärgert ist, dass ich das kaum noch in die ursprünglich angeführten Typen Mertons einfügen kann. Am ehesten dürfte es sich dabei wohl um Ritualismus handeln, sofern die Einsicht tatsächlich besteht und nicht durch das Widerholen von (22%-)Lügen vernebelt wird. Dann haben wir Mertons Konzeption folgend also Rückzug und Ritualismus als Erklärung ausgemacht, wobei Widerstand Innovation oder Rebellion benötigt. Ein weiteres Ergebnis, dass ich Ihrem berechtigten Einwand entnehme ist, dass Konformismus zunehmend schwerer wird.

        • @Rimasek

          Die Muster, die Sie ansprechen, kenne ich, schon deshalb, weil ich – wie Sie sich denken können- meine Entscheidung, mich nicht dem öffentlichen Dienst in Deutschland zu verdingen, nicht ohne viele Überlegungen und Gespräche mit Kollegen getroffen habe, d.h. mir sind die Gedanken, die Sie äußern, keineswegs fremd, und ich weiß, wie viele meiner Kollegen im Prinzip genauso denken und fühlen wie ich, aber dennoch im öffentlichen Dienst verbleiben, aus allen möglichen m.E. guten oder schlechten Gründen.

          Vermutlich ist es eben wirklich eine Gemengelage aus Umständen, auf die man trifft, und Persönlichkeitsmerkmalen, die man aufweist, die das Kalkül darüber, was in einem Fall die beste Entscheidung ist, beeinflussen. Meiner Erfahrung nach ist es besser, das Ende mit Schrecken zu suchen als einen Schrecken ohne Ende leben zu wollen (und später zu müssen), und das entspricht auch, glaube ich, meinen Persönlichkeitsmerkmalen. Und dementsprechen muss das nicht der richtige Weg jeden sein. Und natürlich sind die jeweiligen Umstände, in denen man lebt bzw. die Alternativen, die man hat, bei solchen Entscheidungen sehr wichtig. Würde man sie nicht berücksichtigen, wäre das einfach unvernünftig.

          Davon abgesehen, wie persönliche und durchaus vernünftige Entscheidungen zustande kommen, muss man aber zur Kenntnis nehmen, welche unbeabsichtigten Folgen sie haben oder haben können. Wenn viele Leute, die die logischen Mängel und Ungerechtigkeiten des Genderismus und mit ihm verbundener sozialistischer Versatzstücke erkennen, ihre Beobachtungen und Einschätzungen für sich behalten, fehlt nicht nur der erkennbare (!) Widerstand, und es wird nicht nur kein Signal gesetzt, sondern es wird das falsch Signal gesetzt, obwohl man das gar nicht setzen möchte:

          Genderisten entnehmen dem Schweigen, dass es keine nennenswerte Kritik gäbe, vielleicht sogar, dass die meisten Leute das, was sie anrichten, gut fänden, und daher denken sie sich immer weitergehende Absurditäten aus (sofern man “absurd” steigern kann). Und all diejenigen, die meinen, sich nicht kritisch über ihn äußern zu dürfen oder zu können, egal, aus welchen Gründen, oder sich fragen, ob sie offen sagen sollen, was sie von Dingen halten, entnehmen dem, dass ihre Ängste oder Befürchtungen berechtigt sind, was einen (weiteren) Anreiz zum Schweigen darstellt, denn man ist ja nicht allein mit seinen Ängsten und seinem Verhalten, und allein schon dieser Umstand mag Ängste und Verhalten akzeptabler, verständlicher machen.

          Dann ergibt sich sehr schnell eine Art Schweigespirale, die suggeriert, es gäbe gänzlich andere weltanschauliche Mehrheiten als sie tatsächlich existieren. Und vor diesem Hintergrund kann man sich dann nicht einmal darüber beklagen, dass währenddessen die Gender-Umerziehung. Benachteiligungen von Männern und anders Denkenen ungestört weitergehen.

          Und ich denke, dass man klug handelt, wenn man diese Effekte bei seinen eigenen Handlungsentscheidungen mitberücksichtigt, und zwar nicht wegen irgendeiner moralischen Verantwortung für das Kollektiv oder so etwas, sondern aus schlichtem Eigeninteresse: wenn man zum jetzigen Zeitpunkt, vor dem Hintergrund der jetzt existierenden gesellschaftlichen Verhältnissne Zweifel hat, ob Schweigen der richtige Weg ist oder nicht, dann wird man später, bei weiter verschärften Verhältnissen – und sie werden sich verschärfen, weil ja kein nennenswerter Widerspruch erkennbar ist – erst recht zweifeln und vielleicht mit alten Entscheidungen unglücklich sein, die sich aber mit fortschreitender Zeit immer schwieriger revidieren oder korrigieren lassen. Man findet sich dann gefangen in den Umständen, die man selbst mitherbeigeführt hat.

          Und deshalb habe ich persönlich gewöhnlich – wie oben gesagt – das Ende mit Schrecken vorgezogen, um Schrecken ohne Ende zu vermeiden.

          Nun noch zu dem von Ihnen thematisieren Risikoverhalten:

          Ich kann diesem Konzept ehrlich gesagt nicht viel abgewinnen, vor allem dann nicht, wenn es ziemlich einseitig Männern oder Jungen zugeschrieben werden soll und dann noch dazu benutzt werden soll, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu reflektieren oder zu kritisieren. Meine Begründung hierfür:

          Was ein Risikoverhalten ist und was nicht, ist eine Zuschreibung von außen, die so und nicht anders getroffen wird, weil diejenigen, die von Risikoverhalten sprechen, bestimmte Normalitätsvorstellungen haben, die sie als Maßstab anderen aufzwingen möchten. Mir genügt es als Ethnologin und Soziologin vollauf, das Verhalten von Menschen erklären zu wollen, denn mein Job ist, es zu ERKLÄREN, nicht zu BEWERTEN. Sicherlich könnte man sagen, dass die Bewertung eines Verhaltens als risikohaft mit Daten plausibel gemacht werden kann, und das stimmt im Prinzip. Nur – warum sollte ich das tun wollen, wenn nicht, um den Befund irgendwie zu instrumentalisieren?

          Davon abgesehen würden die Daten vermulich nicht mit den Phantasien übereinstimmen: Ich z.B. habe Motorradfahren sehr geliebt, aber keinen Augenblick meines Lebens geglaubt oder gedacht, dass das ein “Risikoverhalten” von mir wäre – und ich bin übrigens weiblich. Noch weniger kenne ich so etwas wie Suizidgedanken! Der Punkt ist ja nicht, dass jemand Motorrad fährt, sondern WIE jemand fährt – vorsichtig oder nicht oder wie auch immer man Fahrstile beschreiben möchte .

          Darüber hinaus ist es ein in den Sozialwissenschaften und vor allem in der Psychologie bekanntes Phänomen, dass die meisten Menschen Risiken dort sehen, wo sie vergleichsweise gering sind, sie aber dort, wo sie tatsächlich erhöht sind, nicht wahrnehmen.

          Aus diesen Gründen habe ich großen Zweifel daran, dass die Rede von “Risikoverhalten” sinnvoll ist, außer vielleicht in spezifischen Zusammenhängen, für die das dann entsprechend zu begründen wäre.

  13. Ist das Ihr Ernst, dass es außer den respektablen Bestrebungen Arne Hoffmanns, MANNdats und Agens’ keine weiteren Kräfte gibt? Schauen Sie mal hinter der Tastatur und Büchern hervor und Sie finden viele mehr.

    • Ich schaue gerade hervor, sehe Ihren Kommentar und stelle fest, Sie können auch keine nennen.

      • Ich möchte Ihnen nicht Ihre Arbeit abnehmen. Schauen Sie nur selbst – etwas intensiv vielleicht.

        • Ich glaube, Sie haben hier eine falsche Vorstellung von der Rollenverteilung. Warum sollte ich mich bemühen etwas zu finden, was Sie nicht benennen können? Und mit jedem Mal, mit dem Sie es nicht benennen können (oh wie ich diese Mittelschichtsstrategie hasse), wird es offensichtlicher, dass da nichts ist … sonst könnten Sie es doch benennen – oder?

      • …so lässt sich der Eindruck vermeiden, es handele sich – ebenfalls typisch männlich – um Platzhirsch- und Selbstbeweihräucherungsriten.

        • da ich nun einmal männlich bin, fällt es mir schwer, mich weiblich zu verhalten. Da scheien Sie mir einiges voraus zu haben. Wenn ich die Wahl habe zwischen Platzhirsch und Selbstbeweihräucherung auf der einen und weinerlichem Selbstmitleid auf der anderen Seite, dann wähle ich den Platzhirsch.

        • WAS?

          Worum geht’s hier? Hat das alles irgendeinen verborgenen Sinn, oder sind Sie irgendwie emotional getroffen und können nur aggressiv reagieren?

          Also, versuchen wir es noch einmal vernünftig:

          An wen genau denken Sie, wenn Sie meinen, dass unsere Einschätzung, nach der es keinen nennenswerten, nach außen hin klar erkennbaren, effizienten Widerstand von Männern gegen ihre derzeitige systematische Benachteiligung und Verunglimpfung in Deutschland oder sagen wir: Westeuropa gibt, falsch sei?

          Wir würden uns doch freuen, wenn unsere Einschätzung falsifiziert würde! Warum schreiben Sie so destruktiv/aggressiv? Das verstehe ich nicht.

  14. Michel Houellebecq says:

    Ein guter Teil der Geschlechterfrage wird heute über die moralische Komponente verhandelt. Den Weg dazu bereitet die immer wieder feststellbare, starke Emotionalisierung von Brennpunktthemen wie zum Beispiel die Frauenquote, die Lohngleichheit oder die Forderung nach flächendeckenden Fremdbetreuungsstrukturen. Nachdem Männer lange vom Geschlechterdiskurs ausgeschlossen waren (oder sich gar nicht dafür interessierten, was auch eine mögliche Variante ist), schliesst man sie mittlerweile zum Schein mit ein und fordert sie sogar auf, mit zu reden- allerdings nur unter einer Bedingung: Den bereits im Voraus klar definierten, feministischen Korridor nicht zu verlassen!

    Der normative Rahmen der Geschlechterdebatte ist in Stein gemeisselt: Ihn anzutasten ist unter Strafe verboten! Zumindest muss Mann damit rechnen, bei Verstössen umgehend moralisch erpresst, bzw. in Geiselhaft genommen zu werden: Wer gegen die Frauenquote ist (oder zumindest ihre volkswirtschaftliche Wirksamkeit infrage stellt), der ist ein Frauenfeind, wer nichts gegen Frauengewalt unternimmt, befürwortet sie, wer sich gegen flächendeckende Betreuungsstrukturen ausspricht, ist ein reaktionärer Chauvinist, etc. Wer sich soweit aus dem Fenster lehnt, Frauen! grundsätzlich zu kritisieren, muss z. T. mit geharnischten Reaktionen rechnen: Entweder kriegt er keine mehr ab oder hat ein schweres Problem mit Frauen: Welcher Mann will sich schon ernsthaft dem Vorwurf aussetzen, er habe ein Problem mit Frauen? Keiner natürlich! Hier wird i.d.R. zusätzlich gekonnt mit der sexuellen Komponente gespielt. Damit wird ein merkwürdiges Gesprächsklima geschaffen, ein Klima, nota bene, dem sich die meisten Männer lieber entziehen oder gar ganz verweigern.

    Ein Kristallisationspunkt der Männerbewegung ist die ungerechte Rechtslage, bzw. die einseitige Gerichtspraxis (und die Bürokratisierung des Privaten) bei sorge-, besuchs- und scheidungsrechtlichen Streitigkeiten. Juristisch betrachtet, wurden Männer im Beziehungsleben im Verlaufe der letzten 40 Jahre de facto entrechtet. Diese Erkenntnis ist mittlerweile auch in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Das Resultat ist bei den betroffenen Vätern häufig Hilfosigkeit, Apathie oder Zorn. Auch hier wird im Einzelfalle nach einem klar erkennbaren, psychologischen Muster verfahren: Die Frau und Mutter setzt den Mann juristisch, sozial, finanziell- und letztendlich psychologisch so lange und so stark unter Druck, bis er damit beginnt, genau die Fehler zu machen, die man ihm dann gerichtlich vorwerfen kann! Das entspricht ziemlich genau dem Funktionsprinzip von Mobbing.

  15. lernender says:

    “…so lässt sich der Eindruck vermeiden, es handele sich – ebenfalls typisch männlich – um Platzhirsch- und Selbstbeweihräucherungsriten.”

    Weiß nicht aus welchem Grund Foristen es nicht fertig bringen zu schreiben, außer Arne Hoffmann und MANNSdat etc gibt es auch noch xy und die unterscheiden sich so und so und haben den und den Ansatzpunkt.. um den man dann diskutieren kann..
    Dieser Diskussionstil, alles nebulös, magic und pink zu halten, ist usus in Femiblogs.

    “Immer dort wo die Leute am duldsamsten, liberal und freundlichsten sind , wird proklamiert die größten Schufte gefunden zu haben. Europa, Nordamerika und Australien sind Länder/Landstriche mit juristischen Vorteilen für Frauen gegenüber Männern, mit einer Liste von Nachteilen die Männer allgemein genießen. Das gesellschaftliche Klima, die angenommenen Machtstrukturen und das Selbstbild vieler, ist jedoch ein völlig Gegenteiliges. Die misandrischen Töne sind hier am lautesten, die Bevorteilung von Frauen scheint exponentiell zu wachsen, Feminismus und Männerhass sind hier am stärksten. Ähnlich wie Sklaverei heute komischerweise als “Weißes Verbrechen” gilt, obwohl die Europäer diese abgeschafft haben. Keine gute Tat bleibt ungestraft.”

    Eine Amerikanerin hatte ein schönes Essay geschrieben mit dem Fazit das die vermeintliche Frauenstärke in Wirklichkeit ihre grösste Achillesferse ist und die Rücksichtnahme der Männer – man könnte auch Großmut schreiben, die wahre Stärke der Männer ist. Ich habe lange darüber nachgedacht. Könnte ja sein das einem wieder mal ein bischen Honig um den Bart geschmiert werden soll, allerdings könnte es auch heißen, Männer, nimmt die ganze Show um den Feminismus samt den tara nicht ernst und lasst euch bitte ja nicht von eurem eigenen Weg abbringen, die Story des Feminismus erledigt sich von selbst. Ich muss mal danach googeln..

    Der Staat ist allerdings ein anderes Problem..

  16. Roland S. says:

    Ich möchte hier mal einen anderen Aspekt beleuchten. Die Feministenszene scheint ja keinen Geldmangel zu kennen. Es geht zwar Richtung Verschwörungtheorie, aber es gibt doch zahlreiche Hinweise, dass die ganze Sache “von oben” angeschoben wird.
    http://www.henrymakow.com/the_real_patriarchy_is_plutocr.html
    Oder wie dieses ganze Genderzeug von der UNO verordnet wird. #HeforShe, auch UNO. Wenn das Ziel ist, die Kernfamilie zu zerstören und die Menschen zu orientierungslosen, konsumsüchtigen und staatsabhängigen Kreaturen zu machen, funktioniert doch diese Masche recht gut.

    • petpanther says:

      “Es geht zwar Richtung Verschwörungtheorie, aber es gibt doch zahlreiche Hinweise, dass die ganze Sache “von oben” angeschoben wird.”

      Das ist keine Verschwörungstheorie mehr.

      Das ist mittlerweile überdeutlich und kaum noch zu übersehen. Man muss sich schon arg verbiegen um daran überhaupt noch vorbei sehen zu können.

      Feminismus ist elitär bis in höchste Regierungsebenen und in allen Institutionen installiert – westlich weltweit. Selbst das deutsche GG ist per aktivem (staatlichen Ermächtigungs-) Art 3 Abs 2 bereits ausgehebelt.

      Und es wurde und wird größtenteils auch über quasi rechtfreie Räume der supranationalen Organisationen UN Und EU transportiert. An den Volkssouveränen der Länder vorbei, dann ebenfalls dubios vor der öffentlichen Sicht verdeckt per bürokratischen Akt installiert. Ein gewisse verdeckte Orchestration aus Machtzirkeln ist erkennbar.

      Alles über sog. Großlügen-Narrative legitimiert, die die Opfer-Sündenbock Strory nachhalten, mit den wie gleichgeschaltet wirkenden Medien als Propagandaorganen.

      Feminismus ist, soviel ist mittlerweile deutlich erkennbar, ein Herrschaftsinstrument der sich “gutmenschlich” gebenden Eliten, dass seine letzte Erscheinungsform im u.a. offen eugenischen Genderismus hat, der ja sogar entgegen dem Säkularisierungsgebot in bisher nicht für möglich gehaltener arroganter elitärer Anmassung zur sog. “Leitkultur” erklärt wurde.

      Die Kommentare hier erläutern ja ganz gut warum das “Machtinstrument” Feminismus so genial und universell funktioniert.

      Im Herrschaftszusammenhang, ist er wohl als wirkmächtige Opfer-Sündenbock Ideologie, die Sexismus und Rassismus unter “moralisch legitimierenden gegenteiligem Verdreh- oder Umkehrvorwand” transportiert und unter Zensur und Zwang politisch korrekt erzwingt, wahrscheinlich mit die größte Gefahr für eine zivile Gesellschaft.

      Was daraus wird, weiß wohl niemand.

      Er schwächt jedenfalls auch durch seine eigentlich sichtbar maßlose Unehrlichkeit und Korruption. Das macht auch anfällig gegen andere externe Anfeindungen gegen westliche Demokratien. Augenfällig ist auch, dass es hier zu eigentümlichen inkonsistenten “Fraternisierungen” kommt, wie z.B. Feminismus und Islam – als ob sie ihren Stallgeruch gegenseitig riechen könnten.

      Würde jemand Subversion auf dem Reißbrett planen. Er oder sie könnte es nicht besser hinbekommen.

      Gerade höre ich im Radio, dass Frauen immer noch weniger als Männer verdienen würden. Die Gender Pay Gap Lüge frei heraus und von unserer Ministerin Schwesig kolportiert und forciert, auch wider besseren Wissens. Es geht um das Drücken von sich etablierenden Männern. Und wen könnte denn das gefährden? Ehefrauen und Mütter oder …

  17. markus says:

    Tja, warum nicht ? Das frage ich mich seit 20 Jahren ? Warum nicht ?

  18. Michel Houellebecq says:

    Warum es keinen Widerstand, bzw. Kritik gibt, dürfte noch einen anderen, weitaus profaneren Grund geben: Es gibt für Männer keine Identifikationsfigur, die in den Medien auftritt und dezidiert männliche Standpunkte vertritt. Es gibt genau genommen niemanden, der die berechtigten Anliegen von Männern konstant und wieder erkennbar (wie ein Markenartikel) vertritt. Und wenn doch, dann tauchen diese Personen (v. a. Walter Hollstein) kurz auf- um danach sofort wieder zu verschwinden. Und vergessen zu werden. Das ist insbesodere deshalb schlecht, weil es in einer so stark emotionalisierten und moralisierten Diskussion Männer braucht, die das Thema sportlich und unkonventionell angehen. Mit Fakten alleine schafft Mann in diesem Umfeld keine Aufmerksamkeit! Das Potential wäre zweifellos vorhanden: Immerhin haben 64% aller Männer genug von der Gleichberechtigung (oder von der Art der Debatte, wie sie z. Z. geführt wird), wie die viel diskutierte Allensbach-Studie beweist. Uns Männern fehlt eine Gallions- und Vorbildfigur, wie sie die Frauenbewegung haufenweise produziert (Schwarzer, Wizorek, etc.). Eine Gallionsfigur, die den Mut hat, aufzustehen und zu sagen, wo etwas im Geschlechterdialog falsch läuft und warum! Doch das könnte sich mit etwas Glück bald ändern, mehr kann ich dazu nicht sagen…

  19. Markus says:

    Ein Aspekt, der sicherlich noch ganz wichtig ist, ist die reale Macht der Frauen in der Akademie und den Medien. Jeder, der da auch nur ansatzweise den Mund aufmacht ist erledigt … das Thema ruiniert mit einem Augenaufschlag Karrieren, (u.a. meine ! Diefenbach/Klein haben das mit einem einzigen, hervorragenden Artikel ebenfalls geschafft).
    Und dieses “Machtthema” ist eben von Frauen und Männern anders organisiert: Frauen suchen Intimität und gegenseitigen Schutz (und zicken indirekt übereinander her), Männer wollen Hierarchien bilden (und geben sich eins auf die Kante). Das aber verhindert, dass sich eine Männerbewegung mit politischem Impetus bildete – die Intimität der Frauen, die männliche Gewalt, Benachteiligung und tausend andere Achs und Wehs bedauert, trifft auf die automatische Zustimmung aller Frauen, da braucht gar nichts organisiert werden (Dieses evolutionär tiefverwurzelte Verhalten bezeichnet man in der Soziobiologie als “weibliche Infantizidabwehr” … nicht umsonst sind die meisten Femis kinderlos und/oder geschieden, Voland 2000) Das Bedürfnis der Männer, erstmal klarzustellen, wer hier der Chef ist, verhindert schon im Ansatz eine Artikulation – schon gar bei einem loser-Thema wie Mannsein; Verlierer organisieren sich nicht, sie meiden sich – wenn ein Zusammentreffen (aus Leidensdruck etwa) sich nicht vermeiden lässt gehen sie erstmal aufeinander los (Arne Hoffmann ist da ja ein trauriges Bespiel). Das ganze hat Lionel Tiger (2000) als “male-bonding” beschrieben.
    Das vielgescholtene “Seilschaftswesen” der “old boys”, das der Feminismus schilt funktionierte so – aber es funktioniert eben nicht mehr, es gibt keine konservative oder progressive Partei mehr, die “automatisch” Männer- und Fraueninteressen abwägen würde und auf die Stimmen von beiden zielen würde. In Hamburg gab es bei der letzten Wahl schon 10% mehr Frauen als Wähler, das wird sich mit der Überalterung noch steigern, die Interessen nicht arrvierter junger Männer sind politisch uninteressant – nur die politisch marginale AfD hatte doppelt so viele Männerstimmen wie Frauenstimmen!
    Dazu kommt das Wechselwählerverhalten von Frauen, die wählen Gesichter, freundliches Getue, nette Worte, Föhnfrisuren (ob Schröder oder Wulff – egal). Das lÄsst sich aber viel leichter bedienen, als Strukturen und Programme (nach denen Männer wählen).
    Dazu kommt, dass das akademische Bedürfnis nach “Utopie”, “Change”, “einer besseren Welt” etc. (als Gegenwalt zum grauen Bibliotheksalltag, ein Bedürfnis das im letzten Jahrhundert so viele Millionen Tote hinterlassen hatte …) von den Feministen brillant bedient wird – es geht nicht um absurde Privilegien, es geht um die glänzende Zukunft “für uns alles” etc. – wer dagegen ist muss schon ganz schön böse sein !
    Ein letzter Aspekt ist sicherlich das Aussterben der deutschen Bevölkerung, die den Frauen wegen der Möglichkeit der Schwangerschaft (nur Frauen scheinen sich zu reproduzieren, obwohl das in der Biologie immer noch ganz falsch gelehrt wird ???!) geradezu aberwitzige Privilegien verschafft – und das teilweise sogar, ohne dass sie sich tatsächlich reproduziert hätten (Frauenquoten für Kinderlose etwa, die betreuenden Vätern ohne Logik versagt bleibt).
    Ich darf hier mal mein Buch Meier, “Lernen und Geschlecht heute” (2015) empfehlen ?!?

  20. Stefan says:

    Lange habe ich nicht mehr derart viele substantielle Kommentare gelesen, wie hier. Besten Dank an alle Kommentatoren. Auch ich wundere mich über meine eigene Resignation, obwohl ich weiß, zu denen zu gehören, die gerne und vehement für Gerechtigkeit kämpfen und ich mich dabei noch nie geschont habe. Aber es sind wohl die Summe der hier aufgelisteten Gründe, in denen ich meine eigene Resignation erkenne. Ich glaube aber, dass der Feminismus um die hier angesprochenen Gründe der männlichen Wehrlosigkeit weiß und diese gnadenlos strategisch (aus)nutzt!
    Ich habe meine eigene Strategie entwickelt. Es ist die einzige Möglichkeit, die völlige Isolation zu ertragen und sich trotzdem dem Grundsatz des Strebens nach Gerechtigkeit treu zu bleiben:
    Alle Dokumente der Jugendämtern und den Müttern, die unmissverständlich meine fortwährende Diskriminierung beweisen, werden gesammelt. Es soll nichts, aber auch gar nichts verloren gehen. Dabei werde ich von der Hoffnung getrieben, dass irgend ein Tag kommen wird, an dem diese Dokumente, die das menschenverachtenden Handeln der Behöden beweisen, benötigt werden. Es ist sicherlich kein Zufall, dass ich dabei immer wieder an die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse denken muss. Als schon älterer Vater weiß ich, dass ich diesen Tag wahrscheinlich nicht mehr erleben werde. Aber die Dokumentationen in Form mehrere Aktenordner sind das Erbe, was ich meine Kindern hinterlasse. Es ist zur Zeit das einzige, was ich in meiner Isolation tun kann.

  21. bakerman says:

    Wer sagt, dass Männer sich als benachteiligt wahrnehmen?

    “Ich wundere mich nun schon seit Jahren, um nicht zu sagen: Jahrzehnten, darüber, warum Männer nicht ihre Konsequenzen aus diesem Umstand – und vielen anderen real existierenden, für sie nachteiligen Umständen, ziehen.“

    Die spannende Frage ist zunächst: Wie groß ist der Anteil der Männer, die sich tatsächlich als Männer benachteiligt fühlen, also eine Benachteiligung für sich sehen, weil sie Männer sind? Natürlich sind da die persönlich Betroffenen wie etwa Scheidungsväter, etc. … Aber was die große Masse der Männer angeht, ist mir keine Studie bekannt, die in dieser Hinsicht aussagekräftig wäre, und im Nahbereich in meinem Bekanntenkreis finde ich weder unter den Techies noch unter den schöngeistig oder sozial orientierten Männern auch nur irgendein Anzeichen, dass sie sich als Männer benachteiligt fühlen: Die Techies interessieren solche Topics gar nicht, die „Schöngeistigen“ oder „Sozialen“, sind meist stramm feministisch ausgerichtet.

    Unter den guten alten Marxisten war es doch ein Allgemeinplatz, dass die objektive Situation einer Klasse oder sagen wir Gruppe und deren Bewusstsein weit auseinanderklaffen können, bzw. in der marxistischen Theorie das Bewusstsein immer ein wenig hinterherhinkt. So ist es auch mit dem Männertopic. Objektive Situation und das Bewusstsein klafft bei der Mehrheit weit auseinander.

    Die Frage ist aus meiner Sicht weniger:
    Warum wehren sich Männer nicht, obwohl sie sich benachteiligt fühlen, sondern:
    Warum nehmen so wenige Männer wahr, dass sie als Mann in bestimmten Bereichen benachteiligt werden?

    Männerrechtler und Gender-Kritiker gleichen für viele Männer heute den linken Akitivisten, die in den späten 60ern Flugblätter vor deutschen Werkstoren verteilt haben: Die Arbeiter sahen sich in Deutschland nicht als ausgebeutete Klasse, und die Flugblätter haben sie nicht wirklich erreicht, und nicht das erhoffe Aha-Erlebnis ausgelöst.

    Um es einmal etwas überzeichnet zu formulieren: Männerrechtler erreichen das Bewusstsein des Durchschnittsmannes entweder gar nicht, oder sie werden als eine Art Verschwörungstheoretiker ausgeblendet: Da Aufmerksamkeit eine begrenzte Ressource ist, blenden die meisten Menschen Meinungen/Theorien aus, die dem Mainstream zu stark widersprechen.

    Und den Mainstream in Medien und veröffentlichter Meinung, Politik sowie in der akademischen Welt haben Feminismus und Gender-Ideologie sehr geschickt besetzt.

    Zusammengefasst: Die meisten Männer sehen sich nicht benachteiligt, und es ist für sie auch gut, dass sie die Dinge so sehen: Vom Mainstream abweichende Meinungen werden sanktioniert.

  22. bakerman says:

    Da war ich doch auf die schnelle in meinem Kommentar oben etwas zu holzschnittartig, als ich schrieb: “Die Techies interessieren solche Topics [Benachteiligung von Männern] gar nicht, die „Schöngeistigen“ oder „Sozialen“, sind meist stramm feministisch ausgerichtet.”

    Natürlich ist diese Einteilung so etwas zu vereinfacht:

    Natürlich sind nicht alle “Schöngeistigen” und “Sozialen”, die ich kenne, Feministen, aber ich habe in diesen Gruppen Männer erlebt, die schon die blosse Thematisierung einzelner Benachteiligung von Männern als sehr “frauenfeindlich” bezeichneten.

    Es gibt unter Techies wie nicht-Techies in meinem Bekanntenkreis schon einige, die vereinzelt in konkreten Situationen etwas beschreiben, das einer Ungleichbehandlung von Frauen und Männern entspricht.

    1. Aber entweder wird es nicht einem größeren Zusammenhang gesehen, und unter der Rubrik “übliche Fährnisse des Alltags” verbucht, die Mann oder Frau üblicherweise hinnimmt, wenn man den Alltag erträglich bewältigen will.

    2. Oder mann sieht diese Dinge schon in einem größeren Zusammenhang, kann aber nicht erkennen, was man dagegen tun könnte, das halbwegs Erfolgsaussichten verspricht, und verbucht es deswegen auch wie unter 1.

    Und damit bin ich doch wieder bei meiner zentralen Behauptung:

    Ich glaube, es gibt einfach nur sehr wenige Männer, die eine Benachteiligung von Männern wahrnehmen. Das ist jedenfalls das nicht-repräsentative Bild, das sich ergibt, wenn ich von meinem Bekannenkreis extrapoliere.

    Falls jemand eine Studie kennt, die das Gegenteil zeigt, wäre ich sehr interessiert. Bis dahin glaube ich, dass auch noch so gut begründete Meinungen zum Thema “Männerbenachteiligung” wie etwa die von Heike Diefenbach, auf Genderama, A Voice for Men, in den Büchern von Warren Farrell etc. nur von einer sehr kleinen Minderheit der Männer geteilt werden.

  23. Pingback: Der ewige Diener oder: Widerstand von Männern? Bewegung von Männern? Wo? | Heinrichplatz TV

  24. Pingback: Matthias' Woche - nicht-feministische Links der KW 12/15 - NICHT-Feminist

  25. Kimmi says:

    Männlichkeit wird in unserer Gesellschaft immer noch gleichgesetzt mit “alles im Griff haben”. Ein richtiger Mann braucht nichts und niemanden. Wenn ein Mann zugeben muss, ein “Opfer” oder “benachteiligt zu sein oder “jemand anderen zu brauchen”, ist er nach außen schon gescheitert und gibt im Prinzip zu, kein “richtiger Mann” zu sein. Diese Konditionierung erfolgt von klein auf und ist in vielen Bereichen (Medien/Job…) immer noch gesellschaftliche Realität. Dies geht soweit, das viele Männer die eigene Bedürftigkeit ablehnen, sie verdrängen und dann gar nicht mehr fühlen.

    Und diese Reaktion ist verständlich. Weinende Mädchen können mit Trost rechnen. Weinende Jungen ernten Spott und Hohn. Weinende Frauen sind nichts ungewöhnliches. Weinende Männer sind Weicheier oder Witzfiguren. Entsprechend kommen sie in den Medien nur in Komödien vor. Aus dieser Erfahrung heraus werden sich die Männer hüten, sich verletzbar oder benachteiligt zu zeigen. Daher auch die vielen Selbstmorde. Sie “wissen”, das ein Hilferuf nur mit Fusstritten beantwortet wird. Und in so einer psychischen und gesellschaftlichen Realität werden sie sich ebenfalls hüten, öffentlich anzuprangern, dass sie sich “benachteiligt” fühlen.

    Die traditionellen Rollenbilder haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich geändert.

  26. Günter Heß says:

    Hallo Frau Diefenbach,

    ich habe jetzt nicht alle Kommentare gelesen.
    Ich wollte noch bemerken, dass die 22% sich auf den unbereinigten gender pay gap beziehen. Der bereinigte genier pay gap beträgt etwa 8%, wobei niemand weiß woher die 8% kommen. Der überwiegende Teil 14% ist also natürlich erklärbar durch unterschiedliche Berufswahl, etc.
    Also Faktoren die sich nicht wirklich ändern lassen.

    Grüße
    Günter Heß

    • Hallo Herr Heß,

      dazu haben wir auf ScienceFiles ausführlich geschrieben. Der Unterschied zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap besteht darin, dass man Variablen wie Ausbildung, Arbeitszeit, Beschäftigungsbranche usw. einführt, und auf diese Weise in der Lage ist, das Gap auf 8% zu reduzieren. Es verschwindet gänzlich, wie wir gezeigt haben, wenn man Überstunden berücksichtigt. Wenn man Variablen wie Gefährlichkeit der Arbeit und Schmutzigkeit der Arbeit berücksichtigen würde, verschwände das unbereinigte Gender Pay Gap nicht nur, es würde sich in einen bereinigten Nachteil zu Lasten von Männern wandeln.

      Noch eine kleine Anmerkung.
      Das Gender Pay Gap kommt als Gender Wage Gap aus der Ökonomie.
      Die Idee war, die Verdienstunterschiede zwischen z.B. Männern und Frauen oder Schwarzen und Weißen als abhängige Variable zu nehmen und über unabhängige Variablen (zumeist im Rahmen einer Regressionsgeraden) zu erklären zu versuchen, unabhängige Variablen, von denen bekannt ist, dass sie sich auf die Höhe des Arbeitsentgelts auswirken, also Ausbildung, Berufserfahrung, Branche, Alter, Motivation, Arbeitszeit, Überstunden, Prämienzahlungen usw. Was als unerklärter Rest übrig bleibt, so haben Oaxaca (1973) oder auch Blinder (1973) argumentiert, sollte dann als Diskriminierung interpretiert werden. Das setzt natürlich voraus, dass man alle relevanten Variablen auch als erklärende, unabhängige Variablen erfasst hat, ein Anspruch, den bislang noch niemand einlösen konnte. Deshalb ist auch das bereinigte GPG Humbug.

      Dazu:
      http://sciencefiles.org/?s=Nachtrag+zum+Gender+Pay+Gap
      bzw. allgemein:
      http://sciencefiles.org/?s=Gender+Pay+gap

  27. Dingobert says:

    Wer eine menschliche Zunkunft will, muss das Weibliche überwinden !!

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