Gepflegte Wissenschaftsmythen: Die Arbeiterbewegung ist links (FakeGeschichte)

Vom 22. bis zum 24. Juni findet an der Universität Jena eine Konferenz statt, bei der sich Ahnungslose treffen, um gegenseitig über ihre jeweilige Ahnungslosigkeit zu staunen.

Weber Geschichte der DDR.jpgHermann Weber, einer der Wissenschaftler, die den Kommunismus so gut von innen kannten, dass sie vor ihm nach Westdeutschland geflohen sind, hat die Teilnehmer seiner Seminare nach dem Ende von deren Vortrag regelmäßig und vorhersagbar mit der Frage konfrontiert: „Und was ist der neueste Forschungsstand?“ Weber, selbst die Autorität in Deutschland, wenn es um DDR-Geschichte und die Kommunistische Ideologie geht, war ein akribischer Kumulierer.

Denn: Wissenschaft und vor allem Erkenntnisfortschritt sind nur kumulativ möglich, nur dadurch, dass bewährtes Wissen bekannt ist und die Basis von Einzelwissenschaften bildet, die dieses Wissen ständig testen und zu erweitern trachten.

Das war früher.
Heute sehen wir regelmäßig, wie angebliche Wissenschaftler das Rad neu erfinden wollen.
Wir erinnern uns an die Bauklötze, die Genderisten bei ihrer Entdeckung der „Intersektionalität“ gestaunt haben, also der Erkenntnis, dass man nicht nur dumm sein kann, sondern auch dick, was notwendig zu einer Schnittmenge führen muss.

Das ist das schlimmste an manchen Positionsinhaber der institutionalisierten Wissenschaft: Ihre Naivität und Ahnungslosigkeit, die sie Aussagen treffen lässt, bei denen man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen kann, Aussagen wie diese:

„Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu, dieser Satz galt lange Zeit unangefochten“, sagt die Soziologin Dr. Karina Becker der Universität Jena.

Jena liegt noch auf diesem Planeten – oder?
Und in Deutschland?

Wie kann man derartige Ahnungslosigkeit steigern, wie die eines promovierten Mitglieds der institutionalisierten Wissenschaft, das allen Ernstes behauptet, die Arbeiterbewegung gehöre zum linken Milieu? Die Arbeiterbewegung wurde nicht einmal in einem linken Milieu gegründet, sondern in einem religiösen, einem katholischen, um genau zu sein. Denn die erste Form von Arbeiterbewegung, sie hat sich um 1848 als katholische Arbeitervereine gefunden. Die Ahnungslosen aus Jena mögen unter dem Stichwort „Unterstützungsverein Heiliger Josef“ suchen. Regensburg als Stichwort, mag auch ganz hilfreich sein. Weiter hilft den Ahnungslosen auch der Name Adolph Kolping, der trotz seines Vornamens kein Nazi war, was man heute ja betonen muss.

Die Arbeiterbewegung ist somit nicht links. Sie wurde von linken Parteien gekapert, die dennoch bei keiner Wahl die Mehrheit der Arbeiter auf sich vereinigen konnten. Die KPD nicht, weil sie nicht nur in der Weimarer Republik die Partei der Arbeitslosen war, die SPD nicht, weil es schon immer Arbeiter gab, die die Parteien der Mitte und rechte Parteien gewählt haben, vom Zentrum bis zur CDU/CSU.

Dass man im Jahre 2017 darauf hinweisen muss, dass die Arbeiterbewegung keine Erfindung der politischen Linken ist, ist nicht nur erschreckend, es ist auch bezeichnend für eine Zeit, in der der linke Heilsgedanke: „Am sozialistischen Wesen soll die Welt genesen“, unter angeblichen Wissenschaftlern wieder Verbreitung findet.

Kratzenberg Arbeiter NSDAPDie ahnungslose Becker, die aus dem Staunen nicht mehr herauskommen wird, sofern sie sich jemals mit den Ursprüngen und der Geschichte der Arbeiterbewegung beschäftigt, über das hinaus, was linke Parteien seit Jahrzehnten an Erzählung gesponnen haben, um sich als Vertreter von Arbeitern zu inszenieren, wird nur getoppt vom noch ahnungsloseren Dr. Klaus Dörre, der auf der selben Konferenz, auf der auch Becker ihre Ahnungslosigkeit zu Schau stellen wird, einen Vortrag halten soll, dem die Ahnungslosigkeit schon vorauseilt. Heißt es doch in der Ankündigung seines Vortrags:

„Zu Beginn der Tagung spricht Prof. Dr. Klaus Dörre über „Sehnsucht nach Sicherheit. Der neue Rechtspopulismus und die Arbeiter“. Der Soziologe von der Universität Jena wird brisante Forschungsergebnisse vorstellen. So gibt es nach ersten Ergebnissen einer Studie, die unter Verantwortung Dörres erstellt wird, unter aktiven Gewerkschaftern sowie Betriebsrätinnen und -räten inzwischen Personen, die sich offen zur AfD, zu Pegida oder noch weiter rechts stehenden Organisationen bekennen. „Sich an Streiks zu beteiligen und den Bus zu organisieren, der sie zur Pegida-Demo bringt, stellt für diese Gewerkschafter keinen Widerspruch dar“, sagt Klaus Dörre.“

Das Brisante und von allen, die an der Ahnungslosenkonferenz in Jena teilnehmen, für unmöglich Gehaltene, es ist da: „Arbeiterbewegung von rechts“! Unglaublich. Arbeiter. Rechts. Arbeiter, die zur Pegida fahren. Gewerkschaftler, die die AfD wählen, ja ihr Mitglied sind. Einmal davon abgesehen, dass es für das nicht vorhandene Demokratieverständnis bezeichnend ist, wenn angebliche Wissenschaftler, die mit Sicherheit ganz viel Vielfalt haben wollen, dann, wenn sie auf Vielfalt treffen, die ihnen ideologisch nicht in den Kram passt, bleich werden und mit Vorstellungen von Extremismus des Weges kommen, ist abermals das schlimmste die Ahnungslosigkeit, die man nur als Selbsttäuschung aufgrund eines nicht gerechtfertigten Glaubens an einen Mythos bezeichnen kann. Den Mythos, dass die Arbeiterbewegung zum linken Milieu gehöre.

Vielleicht kann man sich ja selbst hypnotisieren. Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu. Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu. Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu … Nein, klappt nicht, bei uns nicht. Bei Dörres und Becker wohl schon.

roter gruener brauner sozialismus.jpgNun, den beiden steht eine Überraschung ins Haus, z.B. wenn sie ein Buch über die Weimarer Republik zur Hand nehmen, die Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik, ein gutes Buch zu diesem Thema, und darin nach dem Stichwort „Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation“ suchen. So nannte sich die Arbeiterbewegung der NSDAP, also die Arbeiterbewegung, die dann wohl zum rechten Milieu gehört. Sie wurde 1928 gegründet und brachte es in sehr kurzer Zeit auf rund 300.000 Mitglieder, Mitglieder, die es nach Ansicht der Ahnungslosen von Jena nie gegeben hat, denn „Die Arbeiterbewegung gehört zum linken Milieu.“

Es ist an der Zeit, die Geschichte der politischen Linken neu zu schreiben, dieses Mal in Übereinstimmung mit den historischen Tatsachen, damit nicht weiter Fake-History verbreitet wird.

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