Gesinnungs-Schulunterricht: Warum Politiker die besseren Menschen sind

Dass die Sicherung staatlicher Herrschaft, ob in einer Demokratie, einem totalitären System oder einer Diktatur, über die Indoktrination des Nachwuchses, seine Ausbildung zum guten Staatsbürger, zum Untertan führt, zum Subjekt, dessen geistiger Horizont durch das Erlernte konstituiert und begrenzt wird, das wussten Nicolae Ceaușescu und Josef Stalin ebenso gut wie die Bildungspolitiker faschistischer Systeme der 1930er und 1940er Jahre in Deutschland und Italien, die Mitglieder der baden-würrtembergischen Landesregierung oder beliebige Pädagogen, die inhaltliches Wissen und nicht die Entwicklung der formalen Denk- und Schlussfähigkeit zum Gegenstand des Schulunterrichts gemacht haben.

Entsprechend geht es ihnen nicht darum, Schüler zu unabhängigen und individuellen Denkern auszubilden, die in der Lage sind, Meinungen auf Grundlage von Fakten, die sie selbst gesucht und bewertet haben, zu bilden, sondern darum, Schüler zu abhängigen und kollektiven Nach-Denkern zu erziehen, die die vorgegebene Lesart, die vorgegebene Meinung zu Dingen zu artikulieren im Stande sind, nicht aber dazu, das, was ihnen als richtig präsentiert wird, zu hinterfragen.

Dies ist offensichtlich in einem Land, in dem es zum Lehrplan gehört, die richtige demokratische Gesinnung, was regelmäßig die demokratische Gesinnung ist, deren Lobbyisten gerade in der Landesregierung vertreten sind, zu vermitteln.

Mitverantwortung SchulindoktrinationEin besonders krasses Beispiel dafür, wie versucht wird, Schüler mit der richtigen Gesinnung auszustatten, ihnen suggestiv zu vermitteln, wo der Feind steht und sie in einer Weise zu “framen”, d.h. mit einer Wahrnehmungsbeschränkung zu versehen, die die Gefahr, einen Schüler zu produzieren, der in der Lage ist, außerhalb des Mainstreams zu denken, minimiert, liefern die Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufen I und II mit dem Titel “MitVerantwortung“, die von der Stiftung Jugend und Bildung vertrieben werden [Die Stiftung Jugend und Bildung ist eine jener Stiftungen, von denen niemand weiß, wie sie sich eigentlich finanzieren. Es gibt keine Hinweise auf Höhe und Herkunft des Stifterkapitals, keine Jahresbilanz, keine Gewinn- und Verlustrechnung.]

Bei der Stiftung scheint es sich, wie ein Blick auf die Liste der Partner nahe legt, um eine Tarnorganisation zu handeln, über die Bundesministerien versuchen, Schulunterricht in den Ländern zu beeinflussen und die Schüler zur gewünschten Gesinnung zu manipulieren, zum Beispiel im Bezug auf das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, dessen heutige Verwendung im Brundlandt-Bericht erfunden wurde (sustainability) und der definiert wurde als Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Es ist nicht rühmlich, dass derartiger Unsinn in der Lage ist, Generationen zu beschäftigen und noch Jahrzehnte, nachdem er geäußert wurde, im Mund geführt wird. Die Definition ist deshalb Unsinn, weil sie die Kenntnis der Bedürfnisse der künftigen Generationen voraussetzt, was offensichtlich nur möglich ist, wenn die Brundtland-Kommission neben dieser Definition auch gleich eine Zeitmaschine erfunden hat, was die Kommission aber mangels Qualifikation nicht nicht leisten konnte.

Aber: Der Begriff der Nachhaltigkeit, der nachhaltigen Entwicklung hat sich wie kaum ein anderer in den letzten Jahrzehnten in den Sprachgebrauch eingefressen: Keine Pressemeldung, die Gutheit reklamieren will, kommt mehr ohne ihn aus, und kein Post in einem Blog, der geadelt werden will, kann darauf verzichten als nachhaltiger Post in einem nachhaltigen Blog zu wirken, natürlich immer unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Generationen künftiger Blogger.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist Gegenstand besagter Schulmaterialien, und damit die Schüler auch nicht auf die Idee kommen, jenes Prinzip der Nachhaltigkeit z.B. auf Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, beginnen die Materialien mit einer apodiktischen Feststellung dessen, was den Schülern als Wahrheit verkauft werden soll:

“Im Prinzip ist es einfach: Wenn man von vorhandenen Ressourcen mehr verbraucht als sich regenerieren kann, ist irgendwann nichts mehr übrig. Um den Raubbau an Natur und Menschen (Stichwort: „Menschenrechte“) künftig zu verhindern, gilt es, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu handeln. Viele tun dies bereits: Politiker und Nichtregierungsorganisationen, Privatleute und ebenso zahlreiche Unternehmen. “

Wie einfach die Welt ist.

Dass Suggestion das Mittel der Wahl ist, mit dem Schüler indoktriniert werden sollen, zeigt sich an den Prämissen, auf denen die aufgestellten Behauptungen basieren:

  • Overpopulation1Derzeit wird Raubbau an Natur und Menschen betrieben – Man fragt sich von wem? Vermutlich von Aliens.
  • Das Gegenmittel gegen diesen angeblichen Raubbau an Natur und Menschen ist Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu handeln, was voraussetzt, dass bis zur Entdeckung der Nachhaltigkeit Menschen keine Verantwortung übernommen haben. Entsprechend sind alle nicht-Nachhaltigkeitsapostel, also Kritiker am Konzept der Nachhaltigkeit, böse Menschen, die Raubbau an Natur und Menschen betreiben.
  • Wer die Guten sind, wird den Schülern auch gleich untergeschoben, denn Verantwortung übernehmen und nachhaltig handeln, das tun alle Politiker, die – ob braun, schwarz, blau, gelb, rot, tiefrot oder grün – in nachhaltiger Gutheit vereint sind und Nichtregierungsorganisationen. Die Macher dieser Materialien sind sich offensichtlich für nichts zu schade.

Nachhaltigkeit kennt, so lernen die Schüler weiter, drei Ebenen, eine ökologische, eine soziale und eine ökonomische Ebene und wie die Ebenen verschränkt sind, dass weiß, so zeigen es die Unterrichtsmaterialien, man ausgerechnet bei der Verbraucherzentrale:

“Wirtschaftswachstum kann nur dann als nachhaltig bezeichnet werden, wenn es nicht gleichzeitig soziale Ungleichheit verschärft oder zu weiteren Umweltbelastungen etwa durch steigende Schadstoffemissionen führt und somit die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen zerstört.”

Wirtschaftswachstum hat demnach neutral zu sein, damit es nachhaltig sein kann und wir stellen mit Erstaunen fest, dass das Wirtschaftswachstum, das die DDR-Bürger nach der Wende zu blühenden Landschaften erfahren haben, nicht den Kriterien der Verbraucherstiftung entspricht: Die Gesellschaft der im selben Mangel verarmten DDRler hat sich differenziert, die soziale Ungleichheit ist gestiegen. Ginge es nach der Verbrauchzentrale, die Vereinigung sie wäre aus Gründen der Nachhaltigkeit rückabzuwickeln.

Umweltbelastungen sind nur bedenklich, so lernen wir weiter, wenn sie zu den bereits vorhandenen hinzukommen und dann, wenn sie die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen zerstören.

Das alles mag für mache gut klingen und doch ist alles vollkommener Unsinn.

Die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen werden durch jeden Menschen, der heute geboren wird, zum Teil zerstört (weil das, was Hans Gegenwart verbraucht für Hans Zukunft nicht mehr zur Verfügung steht) und Teilzerstörung ist die einzige sinnvolle Interpretation, die man der Zerstörung der Lebensgrundlage nachfolgender Generationen geben kann, denn bislang ist es Menschen nicht gelungen, wachstumsfördernde Produktionsformen zu erfinden, die die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen komplett zerstören. Dagegen ist es Menschen durchaus gelungen, Wachstum zu produzieren, das Wohlstand zur Folge hat.

Da jeder Mensch mit jedem Atemzug Schadstoffe ausatmet und zudem mit jedem Atemzug Sauerstoff verbraucht, der für nachfolgende Generationen entsprechend nicht mehr zur Verfügung steht, ist die einzige Schlussfolgerung, die man aus dem Unsinn der Verbraucherzentrale ziehen kann, ein Verbot der Fortpflanzung, denn Fortpflanzung ist der größte Feind der Nachhaltigkeit.

Schließlich wird in den Materialien für den Unterricht in der 7. bis 12. Klasse das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zitiert, auch eine der Koryphäen, die sich auf dem Gebiet der Bildung tummeln, und im BMAS wurde der folgende besonders perfide Unsinn verbreitet:

„Die soziale Verantwortung von Unternehmen beschränkt sich darauf, Profite zu erwirtschaften – diese Position bezog der amerikanische Ökonom Milton Friedman in den 1970er Jahren. Doch seitdem hat die Gegenposition immer mehr Anhänger gewonnen. Corporate Social Responsibility (CSR) ist die Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg. Denn erstens fördert sie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was der Produktqualität zugute kommt. Zweitens fragen … Verbraucher zunehmend Waren nach, die nachhaltig hergestellt wurden. Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch … Konsumenten führen.“

Friedman Kapitalismus und FreiheitDie Brechstangen-Suggestion des BMAS zeigt Schülern klar, wo die Guten und wo die Bösen zu finden sind. Böse sind Milton Friedman und seine Anhänger, die aber auf dem absterbenden Ast sein sollen, denn “die Gegenposition” zu Friedman hat angeblich immer mehr Anhänger gewonnen, weil nämlich CSR die Motivation von Mitarbeitern fördert und die Produktqualität erhöht (nicht etwa den Umsatz!). Außerdem müssen böse Unternehmer, die Friedman anhängen und unverantwortlich wirtschaften, mit Boykott durch Konsumenten rechnen. Deshalb sind sie zur Verantwortlichkeit bekehrt worden – oder so.

Wenn es darum geht, Schüler zu manipulieren, schreckt man offensichtlich vor nichts zurück, nicht davor, unbelegte Behauptungen aufzustellen, weil sie gerade in die Ideologie passen, nicht davor, Fehlschlüsse ad populum zu formulieren, also zu behaupten, weil angeblich eine Mehrheit an etwas glaubt, müsse diese Mehrheit recht haben (wobei noch zu zeigen wäre, dass sich die CSR-Anhänger tatsächlich in der Mehrheit befinden), und beim BMAS schreckt man auch nicht davor zurück, historische Diskussionen aus dem Zusammenhang zu reißen, zu fälschen, falsche Gegenpositionen aufzustellen und Ökonomen wie Milton Friedman zu denunzieren und zum Feindbild aufzubauen. Tatsächlich hat Milton Friedman Folgendes gesagt:

“In a free economy … there is one and only one social responsibility of business – to use its resources and to engage in activities designed to increase its profits so long as it stays within the rules of the game, which is to say, engages in open and free competition without deception or fraud”

Das hat Milton Friedman gesagt, weil er der Ansicht war, dass ein Unternehmer, der am Markt bestehen will, gar nicht anders kann als verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, seine Arbeitnehmer angemessen zu entlohnen und auf die Wünsche und Präferenzen seiner Kunden einzugehen. Unternehmer sind – man muss einmal wieder daran erinnern – diejenigen, die andere in Lohn und Arbeit bringen und schon deshalb sozial sind

Versucht ein Unternehmer ohne Rücksicht auf Kundenpräferenzen und Arbeiter zu agieren, dann werden seine Produkte über kurz oder lang nicht mehr gekauft, dann kann er im Wettbewerb mit anderen Unternehmen nicht bestehen. Entsprechend ist der freie Wettbewerb für Friedman die wichtigste Zutat zu dem, was Schülern in den Indoktrinations-Materialien als verantwortlicher Umgang mit Ressourcen dargestellt werden soll. Denn von einem freien Markt werden die Anbieter, die unverantwortlich sind, über kurz oder lang verschwinden – das genau ist der Grund, warum sich Nichtregierungs- und Regierungsorganisationen vor dem freien Markt fürchten.

Die MitVerantwortungs-Materialien, die von der Stiftung Jugend und Bildung vertrieben werden, einem Feigenblatt, unter dem bundesministeriale Versuche der Schüler-Indoktrination erfolgen, können vor diesem Hintergrund nur als beschmämendes Dokument der versuchten Manipulation von Schülern zur richtigen Gesinnung bezeichnet werden.
Stiftung Jugend und BildungAber: Da wir immer ernst zu nehmen versuchen, was Bundesministerien und ihre Satelliten von sich geben, nehmen wir auch die Behauptungen zur Nachhaltigkeit ernst. Da Nachhaltigkeit, wie sie in den Materialien beschrieben wird, zur Konsequenz hat, dass der größte Schädling an Nachhaltigkeit menschlicher Nachwuchs ist und von Bundesministerien bekannt ist, dass sie die Produktion von menschlichem Nachwuchs bezuschussen, fordern wir hiermit zu einem Steuerboykott von Bundesministerien auf, denn: “Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch Konsumentinnen und Konsumenten führen”.

Zum Boykott sollte auch gehören, dass Eltern ihre Kinder von Schulen fernhalten, in denen derart primitive Indoktrinationsversuche unternommen werden. Der Boykott dient auch dem Selbstschutz, da Materialien wie die von Jugend und Bildung nicht zur Bildung, sondern zur Verblödung der Schüler beitragen, die ihnen ausgesetzt sind. Bei Schundprosa wir den Materialien der Stiftung Jugend und Bildung ist dies auch nicht anders zu erwarten.

Friedman, Milton (1993). The Social Responsibility of Business is to Increase Profits. In: Chryssides, George D. & Kaler, John H. (eds.). Business Ethics. London: Thompson Learning, pp.249-254.

©ScienceFiles, 2015

Compliance Management jetzt auch bei ScienceFiles

SciencefilesGerade ein liberales blog wie ScienceFiles muss sich veränderten Randbedingungen anpassen. Angesichts der Fülle neuer Regelungen, die täglich aus Brüssel in Form von Direktiven auf uns einprasseln, angesichts der Legionen nationaler Vorschriften, auf die die Direktiven in Deutschland auftreffen und angesichts der Tatsache, dass sich nun auch Anwälte inkognito und unter dem Schutz von Pseudonymen unter die Leser von ScienceFiles mischen, haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, ein Compliance Management einzuführen und das, was David Schumm, Frank Leymann und Alexander Streule (2010) für Unternehmen zu einer der wichtigsten Aufgabe erklärt haben, zu beherzigen:

“Compliance has become an important driver in business process management as it requires profound and traceable changes of the processes. Besides the increasing demand for security, privacy and trust, compliance also needs consistent integration and management of process structures related to compliance” (np).

Aber nich nur Compliance hält mit dem heutigen Tag Einzug in ScienceFiles, nein, wir werden auch mit sofortiger Wirkung unserer Corporate Social Responsibility gerecht werden und Nachhaltigkeit herstellen.

Dazu haben wir zunächst personelle Maßnahmen ergriffen.

ComplianceDr. habil. Heike Diefenbach wurde mit sofortiger Wirkung von den Betreibern von ScienceFiles zum Chief Compliance Officer (CCO) ernannt. Michael Klein wurde mit Beschluss vom selben Tag zum Chief Compliance Officer Controlling Executive (CCOCE) ernannt. Beide Posten sind modern verfasst und rotieren im Interesse flacher Hierachien zwischen Heike Diefenbach und Michael Klein in tagesfrist. In einem ersten Schritt wurde ein joint-committee, das den CCO und den CCOCE umfasst, gebildet und dessen Aufgabe darin besteht, einen Code of Conduct (CoC) für die MItarbeiter von ScienceFiles zu erarbeiten. Der eilends erstelle und vorläufige CoC enthält zwei Regelungen: §1 Mitarbeiter von ScienceFiles sind zur Compliance mit dem eigenen Gewissen verpflichtet. §2 Unklarheiten klärt der CCO in Absprache mit dem CCOCE oder umgekehrt.

Darüber hinaus haben wir gemäß §7 des Staatsvertrags über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien (JMStV) Dr. habil. Heike Diefenbach zur Beauftragten zum Schutz der Jugend ernannt und ihr aufgetragen, einen wöchentlichen Bericht darüber anzufertigen, wie die Jugend der Betreiber von ScienceFiles geschützt werden kann. Dabei sollen nicht nur körperliche Aktivitäten und Kosmetika Berücksichtigung finden, sondern vor allem Aspekte der geistigen Frische. Als erste Maßnahme hat Dr. Diefenbach im Bericht vom 22. August 2013 beantragt, Vertreter der “Christlichen Hochkultur” daran zu hindern, verstaubte und uralte Mythen zu verbreiten, da diese sich negativ auf die geistige Frische der Betreiber auswirken würden und zudem wertvolle Zeitressourcen damit binden würden, die geistige Hochkultur gegen die “Christliche Hochkultur” zu verteidigen. MIt instant-Betreiberbeschluss wurde der Antrag einstimmig angenommen.

GenderZertifikatMit dem selben Beschluss wurde Michael Klein zum Frauenbeauftragten ernannt. Als erstes Ziel hat er die Einführung einer Frauenquote im Betreiberkreis vorgegeben, keine Symbol-quote von 40%, sondern eine richtige Quote von 50%. Nach intensiver Datenerhebung im Betreiberkreis und Prozentuierung der Verteilung nach Geschlecht ist Michael Klein zu dem Schluss gekommen, dass die Frauenquote nicht nur erfüllt, sondern übererfüllt ist (ihm jedenfalls reicht es), weshalb er beim BMFSFJ beantragt hat, dass ScienceFiles als Unternehmen, das Gleichberechtigung Ernst nimmt ausgezeichnet und anderen Unternehmen als leuchtendes Vorbild präsentiert wird. Ansonsten hat Michael Klein beschlossen, dass es jetzt genug ist, mit dem Genderunsinn und sieht sich derzeit nach neuen Formen der Beschäftigung mit dem anderen Geschlecht des zweiten Betreibers um.

Die so wichtige Teamfähigkeit beweisen die Betreiber von ScienceFiles auch weiterhin durch regelmäßige Ausflüge, die in manchen Fällen auf ScienceFiles auch dokumentiert werden. Ausgeschlossen sind Ausflüge in das lokale Pub, Ausflüge in die lokale Brauerei, Ausflüge an das Meer, Ausflüge in das Rugby Stadium und Ausflüge zu Nachbarn. Wir bitte um Verständnis.

Natürlich sind wir bei ScienceFiles auch an Nachhaltigkeit interessiert. Um die Nachhaltigkeit unserer Beiträge zu sichern, rufen wir alle unsere Leser dazu auf, die Texte auswendig zu lernen und bei Bedarf und gegenüber Dritten, natürlich mit Verweis auf http://sciencefiles.org zu repetieren. Wie so viele Betreiber von Blogs und Verlagen können wir für diesen Service kein Entgelt entrichten, vermuten aber, dass der Altruismus der Leser weitgenug reicht, um diese Serviceleistung unentgeltlich zu erbringen.

Im Rahmen eines umfassenden und natürlich nachhaltigen Supply-Chain-Managements haben wir uns darüber hinaus entschlossen, unseren Lieferanten, Informanten einen besonderen Bonus angedeihen zu lassen. Sie dürfen nunmehr direkt mit den Betreibern von ScienceFiles kommunizieren. Bitte benutzen Sie dazu das vorgesehene Formblatt oder die Sammelemail. Sie erhalten dann eine automatisierte Antwortmail vom Team der ScienceFiles-Betreiber, in der wir Ihnen nicht versprechen können, in den nächsten 72 Stunden wieder auf Sie zurückzukommen.

Im Rahmen unseres Risk-Managements werden wir die nachhaltige Wirkung unserer Beiträge vor allem dahingehend bewerten, dass wir eine Risiko- und Folgeneinschätzung vornehmen, mit der das Potential des jeweiligen Textes, Personen mit Bluthochdruck und sonstigen Herz-Kreislauf-Schwächen um die Ecke zu bringen, prognostiziert wird. Der entsprechende Score wird in Zukunft als Ex-Score auf unsere Balanced Scorecard eingetragen, und er ist nach oben offen.

Um eine gleichbleibend hohe Qualität der Texte auf ScienceFiles zu gewährleisten, werden wir im Rahmen unseres Total Quality Managements die Mitarbeiter von ScienceFiles weiterhin darin schulen, Unsinn aufzuspüren, Unsinn auseinander zu nehmen und die Wissenschaft gegen den Angriff von Genderisten, Esoterikern und sonstige ideologisch oder rhetorisch bedingte Ablenkungen vom Kern der Sache (red herring) zu verteidigen. Um das Gefahrenpotential einzuschätzen, das von bestimmten Kommentatoren für die Wissenschaft ausgeht, werden Kommentatoren auf der BastlWastl Skala von 0 “unbedenklich” bis 100 “frei flottierendes Unbewusstes” gerated.

Auch unseren Carbon Imprint wollen wir natürlich der (Ideal-)Norm anpassen. Deshalb sollten unsere Leser die Texte am Bildschirm lesen und auf den Ausdruck der Texte verzichten. Auf diese Weise soll der unglaublich hohe Papierverbrauch von Michael Klein kompensiert werden, der trotz vielfacher Intervention der Betreiber weiterhin darauf besteht, Texte in Papierform vor sich zu haben. Versuche des CCO, auf Michael Klein einzuwirken, werden im Abstand von zwei Tagen durch den CCOCE widerrufen.

Natürlich sind wir auch an der Gesundheit unserer Leser interessiert. Deshalb haben wir folgende Regeln erlassen, an die sich unsere Leser bitte halten:

  • zombieWir sind ein Nichtraucher-blog. Bitte rauchen Sie auf anderen Internetseiten.
  • Wenn Sie unbedingt trinken müssen, während Sie ScienceFiles-Texte lesen, dann tun sie das bitte verantwortlich. Vor allem Schwangere und Kinder sollten nicht mehr als die empfohlene Dosis Schnaps zu sich nehmen. Bei Zweifeln und Fragen wenden Sie sich bitte an einen Arzt Ihres Vertrauens.
  • Um Risiken und Nebenwirkungen, die bei der Lektüre von Texten auf ScienceFiles entstehen können, entgegen zu wirken, empfehlen wir besonders leicht reizbaren Indviduen oder solchen, die keine Argumente, aber viel Emotionen haben, die Texte nur im Beisein eines in erster Hilfe ausgebidelten Fachpflegers zu lesen. Wir übernehmen keine Verantwortung für mutwillig durch das Lesen unserer Texte herbeigeführte Herzinfarkte oder für sich durch das Lesen verchronisierenden Bluthochdruck.
  • Bestimmte, mit hoher Emotionalität beladene Begriffe, dürfen auf ScienceFiles nur noch von Lesern benutzt werden, die den Betreibern nachgewiesen haben, dass Sie den entsprechenden Begriff bedienen können. Dies gilt z.B. für den Begriff “neoloberal”. Kommentare, die diesen Begriff enthalten, werden nur noch freigeschaltet, wenn der entsprechende Kommentator nachgewiesen hat, dass er weiß, wer den Begriff eingeführt hat, um sich wovon abzugrenzen. Diese Maßnahme dient dem Schutz der anderen Leser dieses blogs.
  • Bitte stellen Sie ihren Monitor so auf, dass er kein Kind erschlagen kann.
  • Die Behauptung, Wissenschaftler säßen im Elfenbeinturm verletzt die Persönlichkeitsrechte der Gruppe der Wissenschaftler und fällt entsprechend in die Gruppe der Rassismen, die auf ScienceFiles nicht erlaubt sind.

Von verschiedener Seite sind wir darauf hingewiesen worden, dass sich auf ScienceFiles kein Impressum findet. Um auch den letzten obrigkeitshörigen Untertan in seinem Bemühen, sich an noch nicht erlassene Regelungen möglichst frühzeitig anzupassen, zu unterstützen, haben wir uns entschlossen, der Bitte nach einem Impressum nachzukommen. Hier ist es:

ScienceFiles: Impressum

We hope, your are quite impressed!

Die Diktatur der EU Politkommissare – State communism here we come

Einst gab es in den Sozialwissenschaften eine Diskussion über die fehlende demokratische Legitimation in der EU, bekannt unter dem Begriff “democratic deficit”. Mit der Zeit und der normativen Kraft des Faktischen hat sich diese Diskussion in eine “Governance”-Diskussion verwandelt, deren Ziel nicht mehr darin besteht, die demokratische Legitimation z.B. der EU-Kommission zu hinterfragen bzw. die fehlende Legitimation darzustellen, sondern darin, die beste  “supra-nationale” Regierungsform zusammen zu basteln (Sandholtz & Stone Sweet, 1998). Das demokratische Defizit ist Schnee von gestern, die EU-Kommission und die in Europa versammelten Polit-Kommissare wissen davon nichts (mehr).

Bereits im Jahre 1977 hat Joseph W. McGuire vor den Folgen einer staatlichen Politik gewarnt, die die Freiheit von Unternehmen und somit die Freiheit von Unternehmen in immer mehr Regularien erstickt und sie einer dubiosen Gleichheitsphantasie opfert:

„Freedom of enterprise is threatened by the primacy of egalitarian sentiments principally because the capatalistic marketplace is designed deliberately to create inequalities – to make some companies and some individuals winners and other losers. One of the most important freedoms that businessmen have is that which enables their companies to succeed (or fail) as a result of their own activities within a competitive framework. … The egalitarian legislation of recent years, however, has gone far beyond the simple reinforcement of competition. It has focused upon pricing policies, the size of companies, the amount of profit that may be earned, personnel practices, working conditions, consumer relationships and the like. Many of these regulations … have tended to reduce income and power differentials between companies. But a free enterprise economy thrives on such differences. It is antithetical to egalitarianism, and the only way egalitarianism can fully emerge is at the expense of free enterprise. Business can become more egalitarian only if it continues to surrender its freedom. The continued loss of freedom of enterprise, therefore, is one of the costs that will have to borne by business (and by society) in order to attain greater equality.” (McGuire, 1977, S.28-29).

Im Jahre 1983 haben DiMaggio und Powell die von Max Weber begonnene Bürokratieforschung mit einem mittlerweile legendären Aufsatz weitergeführt: Bürokratisierung, von Max Weber gefürchtet, aber als einziges Mittel zu einer effizienten und rationalen Allokation von Ressourcen angesehen, hat für DiMaggio und Powell nicht mehr den Zweck, das Funktionieren des Wirtschaftssystems effektiver und rationaler zu gestalten. Im Gegenteil: die Bürokratisierung dient ausschließlich der Legitimierung symbolischer oder kultureller Vorstellungen. Nicht die Effektivität der Allokation von Ressourcen ist das Ziel der “modernen” Bürokratisierung, sondern die Legitimation des Aufbaus immer neuer bürokratischer Strukturen. Organisationen wie Greenpeace, UNICEF, Human Rights Watch, Organisationen, die für Gender Diversity, Umweltschutz, Freiwilligendienst, das kulturelle Erbe, Arbeitsschutz und was auch immer werben und Lobby-Arbeit betreiben, benötigen bürokratische Strukturen, um ihre “Sache” mit Legitimation zu versorgen. Denn, erst was kodifiziert ist, gilt in der modernen Welt als vorhanden.

Als ein besonders geeignetes Vehikel zur Legitimation der eigenen Ansprüche haben sich Forderungen zur “gesellschaftlichen Verantwortung” herausgestellt, die an Unternehmen gerichtet werden. Mit der Gewohnheit, wirtschaftlichen Aufschwung als Leistung politischer Steuerung anzusehen und wirtschaftliche Krisen vor der Tür von z.B. Banken abzuladen und dem leicht daraus ableitbaren Ruf nach “mehr Regulation” hat sich die Corporate Social Responsibility (CSR) geradezu als Normalität, als etwas, was man von Unternehmen fordern darf, ja muss, eingeschlichen. Verwunderte Reaktionen wie die von Philip Booth sind die Ausnahme im Meer der begeisterten CSR-Trittbrettfahrer:

„The raison d’etre of a business is to put something into society by being a business. The provision of cheap and plentiful food in good condition; the development and supply of computers with ever greater functionality; the provision of a cup of cappuccino that does not involve the buyer having to go through the expensive and laborious process of buying the machinery and making the coffee himself are all activities that put something into society. Why is it that business are caricatured as ‘taking out of society’ when they behave as businesses but ‘putting something into society’ when they spend money on community projects and the like?” Booth (2009), S.2.

Die im nicht demokratisch legitimierten Raum frei flottierende EU-Kommission hat, ganz wie McGuire dies 1977 bereits beschrieben hat und mit den Mitteln erzwungener Gleichheit (coercive isomorphism), die DiMaggio und Powell als Triebfeder hinter der immer größer werdenden Eintönigkeit politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Landschaften ausmachen, CSR als das Mittel ausgemacht, mit dem der Euro-Kommunismus durchgesetzt werden kann. Dies wird besonders deutlich, wenn man die neue CSR-Strategie betrachtet, die die EU-Kommission gerade für sich beschlossen hat.

Das markanteste an dieser neuen Strategie ist die Veränderung der Definition dessen, was unter Coporate Social Responsibility verstanden werden soll. Noch 2001 war die EU-Kommission der Ansicht, CSR sei ein deskriptiver Begriff, der die Anstrengungen von Unternehmen, soziale und ökologische Aspekte zu berücksichtigen, umfasse. Das ist 2011 anders. Denn: Mittlerweile hat die EU-Kommission das Potential von CSR, die Möglichkeiten entdeckt, über CSR Zwang zur Vereinheitlichung, zum Kommunismus (Harmonisierung lautet der euphemistische Begriff der EU-Kommmission)  auszuüben und sich dabei gleichzeitig ein Vehikel zu schaffen, das es erlaubt, unter nahezu jedem denkbaren Vorwand in die Leitung von Unternehmen einzugreifen.

Die neue Definition von CSR ist normativ und schreibt die Verantwortung von Unternehmen, für das zu, was man in der Ökonomie die Externalitäten ihrer Tätigkeit nennt, bei der EU aber etwas ausladender als “Auswirkungen auf die Gesellschaft” umschreibt. Warum die weite Formulierung, wo es doch eine enge Formulierung gibt, die z.B. Unternehmen bereits für ihre Emissionen zahlen lässt? Ein Blick auf Seite 7 des Strategiepapiers der EU zeigt warum. Hier wird der Umfang von CSR beschrieben:

“CSR at least covers human rights, labour and employment practices (such as training, gender equality and employee health and well-being), environmental issues (such as biodiversity, climate change, resource efficiency, life-cycle assessment and pollution prevention), and combating bribery and corruption. Community involvement and development, the integration of disabled persons, and consumer interests, including privacy, are also part of the CSR agenda. The promotion of social and environmental responsibility through the supply-chain, and the disclosure of non-financial information are recognized as important cross-cutting issues.”

Was den Politkommissaren hier offensichtlich vorschwebt, ist eine Art Ermächtigungsgesetz, das es der Brüsseler Bürokratie erlaubt, in alle Belange der Unternehmen einzugreifen. Dies wird deutlich, wenn man die Aufzählung dessen, was CSR umfasst, genauer betrachtet: Wenn Unternehmen A z.B. geringere Löhne als das vergleichbare Unternehmen B zahlt, dann ist das ein Verstoß gegen die Prinzipien des CSR-Arbeitsrechts. Wenn Unternehmen A eine aggressive Werbekampagne durchführt, um von Unternehmen B Marktanteile zu ergattern, was letztlich dazu führen kann, dass bei Unternehmen B Arbeitsplätze gestrichen werden, dann ist das ein Verstoß gegen die CSR-Prinzipien und zu ahnden. Wenn Unternehmen A sich weigert, 40% Frauen in seinen Aufsichtsrat zu integrieren, weil das Unternehmen ein im Bergbau tätiges Unternehmen ist, das zu 90% männliche Angestellte beschäftigt, dann ist dies ein Verstoß gegen die CSR-Prinzipien der EU-Kommission. Wenn ein Unternehmen in den Abbau von oil sand/tar sand investieren will, was mit  einer Belastung bzw. Verschmutzung der Umwelt einhergeht, dann ist das ein Verstoß gegen die CSR-Prinzipien der EU. All die Verstöße verlangen natürlich nach einem Eingreifen der EU-Kommission, denn, wie wurde CSR noch einmal formuliert, als Verantwortung von Unternehmen für die Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Gesellschaft.

Wie wird der Eingriff aussehen? Um dies vorherzusehen, muss man kein Prophet sein. Die von McGuire bereits 1977 beklagte Gleichmachung wird über zunehmenden Druck zur Isomorphie (oder schlicht: durch Gleichschaltung) dazu führen, dass Unternehmen sich immer ähnlicher werden, mit der Ähnlichkeit wird der Wettbewerb verschwinden und das, was Unternehmen auszeichnet: der Mut zum Entrepreneurship, wie dies Josef Schumpeter genannt hat, also der Mut, etwas zu probieren, dessen Folgen noch nicht abschätzbar sind. Dies wird verschwinden, denn wenn etwas Auswirkungen auf die Gesellschaft haben sollte, die der EU-Kommission nicht gefallen, dann führte der Mut zu Straf(en)zahlungen verhängt von den Politkommissaren in der EU. In mehr ökonomischer Sprache formuliert, verbreitet die EU-Kommission derzeit negative Anreize für diejenigen, die mit neuen Ideen etwas bewegen wollen und positive Anreize für diejenigen, die sich in die Brüsseler Einheitsfront der den Politikkommissaren wohlgefälligen Unternehmen einreihen. Der Weg führt in den Kommunismus und entsprechend weg von Wohlstand und Zufriedenheit. Am Ende steht die kommunistische Vereinigung europäischer Staaten, und somit ein weiterer Anreiz, den faschistoiden Umtrieben in Kontinentaleuropa beizeiten den Rücken zu kehren.

P.S.

In vergangenen Posts habe ich regelmäßig von Sozialismus geschrieben. Der Beitrag von Dr. habil. Heike Diefenbach über das Patriarchat und die Beschreibung der Verwebung von Engels’ urkommunistischen Phantasien mit dem heutigen Staatsfeminismus hat mir dahingehend jedoch die Augen geöffnet und mir gezeigt, dass es zu harmlos ist, “nur” von Sozialismus zu schreiben, da im Begriff Kommunismus das faschistoide Element dieses linken -ismus deutlicher wird.

Literatur:
DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter W. (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.

McGuire, Joseph W. (1977). The ‘New’ Egalitarianism and Managerial Practice. Californian Management Review 19(3): 21-29.

Sandholtz, Wayne & Stone Sweet, Alec (1998). European Integration and Supranational Governance. Oxford: Oxford University Press.

Bildnachweis:
Georgia Notes
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Unsinn der Woche: Die “WIE”

Bürgerschaftliches Engagement war schon mehrfach Thema auf diesem Blog. Nicht jedoch vom bürgerschaftlichen Engagement des Blogbetreibers will ich heute schreiben, auch nicht vom staatlich verordneten freiwilligen bürgerschaftlichen Engagement, wie es das BMFSFJ vorsieht, sondern von einer Stilblüte, die mir schon vor einiger Zeit aufgefallen ist. Der im  Folgenden berichtete Unsinn, musste jedoch zurücktreten, da der Unsinn der “Aktion Unwort des Jahres” größere Aktualität reklamieren konnte. Nunmehr will ich mich aber der “WIE” widmen.

Die “WIE” ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie dem BMFSFJ besonders zu Willen sind, die Musterschülerinnen des Ministeriums, wenn man so will,  die, wie Staatssekretär Josef Hecken unlängst verkündet hat, “das bürgerschaftliche Engagement” stärken.

Nun denn:

“WIE” steht für “Wirtschaft. Initiative. Engagement.” – auch nicht viel sinnstiftender als das Akronym.  “WIE” hat ein eigenes Selbstverständnis: “Bürgerschaftliches Engagement ist eine Schlüsselressource für eine sozial integrierte Gesellschaft und für eine vitale Demokratie”, heißt es darin unter anderem. Ich will mich nicht weiter damit aufhalten, dass  nicht klar ist, worin bürgerschaftliches Engagement eigentlich besteht, warum es eine Schlüsselressource für eine sozial integrierte Gesellschaft ist, was eine sozial integrierte Gesellschaft überhaupt ist, nehmen wir das einfach hin als “management talk”. Weniger hinnehmbar sind allerdings die nunmehr folgenden inhaltsleeren Satzhülsen: So “fokussiert” die “WIE” nach eigenem Selbstverständnis (ob die “WIE” wirklich versteht, was jetzt kommt?) auf Themenfelder (nicht Themen, nein Themenfelder), die eine Nähe zu den Kernkompetenzen der beteiligten Unternehmen aufweisen, so dass Unternehmen echten gesellschaftlichen Mehrwert schaffen …”.

Kernkompetenz (core competency) ist ein Begriff, den Jay Barney (1991)  in den von ihm massgeblich beeinflussten resource-based view eingeführt hat. Kernkompetenzen sind das, was Unternehmen voneinander unterscheiden, ihnen einen Vorteil im Wettbewerb miteinander verschaffen soll. Nun sollen die Kernkompetenzen der “WIE” aber dem bürgerschaftlichen Engagement zu Gute kommen, von dem wir nicht wissen und von dem uns die WIE auch nicht sagt, worin es besteht, und wozu es nützlich ist. Dies ist kaum ein Bereich, in dem man sich Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Unternehmen verschaffen kann – bestenfalls Ruhe vor regulationswütigen Ministerien. Entsprechend stellt sich die Frage, wie der Einsatz der unternehmerischen Kernkompetenzen im bürgerschaftlichen Engagement aussehen soll.

Ich zitiere: “Die Mitglieder der WIE” haben u.a. das Ziel:

  • “die transsektorale Zusammenarbeit aller Akteure zu verbessern und strategisch auszurichten;
  • Grundsätze gesellschaftlicher Verantwortung im Unternehmen zu stärken durch die Vernetzung mit Entscheidungsträgern aus Politik und Zivilgesellschaft, den Austausch von Experten und das Peer-Learning unter den Mitgliedsunternehmen”;

Alles klar?

Originaltitel des Bildes: "Nach der Unterzeichnung der Erklaerung zur Zusammenarbeit: VertreterInnen der WIE mit Staatssekretär Josef Hecken"

Mir auch nicht. Aber das ist angesichts der Aneinanderreihung von leeren Absichtsbekundungen, die von adjektivschwangeren Nominalkonstruktionen eingerahmt werden, auch nicht weiter verwunderlich. Dennoch will ich einen Deutungsversuch vornehmen. Die transsektionale Zusammenarbeit, die auf den oben genannten Kernkompetenzen beruht, besteht vermutlich darin, dass Arbeitnehmer der Beiersdorf AG, einem Mitglied der WIE, Arbeitnehmer der Coca Cola GmbH (ein weiteres Mitglied) im richtigen Gebrauch von Nivea Creme beraten und im Gegenzug eine Cola (diet) ausgegeben bekommen. Während die Arbeitnehmer der BMW AG (noch ein Mitglied der WIE) gemeinsam mit Arbeitnehmern der BP Europa SE (auch ein Mitglied der WIE) beraten, wie man den Absatz von Benzin durch die Nutzung von BMW Z4 Roadster maximieren kann. Damit sind auch gleichzeitig Aspekte des Peer-Learning angesprochen, und um die Vernetzung mit Entscheidungsträgern aus Politik und Zivilgesellschaft herzustellen, verspricht die Coca Cola GmbH als Catering-Unternehmen bei den Pressekonferenzen des BMFSFJ aufzutreten, BMW und BP bestücken die Funktionäre von GEW und IGM mit fahrbaren Untersätzen und dem dazu notwendigen Benzin, natürlich unentgeltlich weil im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements, und Beiersdorf denkt gemeinsam mit dem Bunderverteidigungsministerium über die Produktion von agent orange nach.

Früher hat man das Vetternwirtschaft (oder Nepotismus) genannt. Warum das heute “bürgerschaftliches Engagement” heißt, darüber kann ich nur spekulieren. So eignet sich der Begriff “bürgerschaftliches Engagement” zu zweierlei, einerseits ermöglicht er es den Unternehmen, ihre “Kernkompetenzen” auf neuem Feld umsatzfördernd einzusetzen, andererseits erhalten die vielfältigen Nutzenverflechtungen zwischen Politik, Zivilgesellschaft (also Funktionäre unterschiedlichster Provenienz) und Wirtschaft eine bürgerschaftlich altruistische Note.

Bildnachweis: WIE

Barney, Jay (1991). Firm Resources and Sustained Competitive Advantage. Journal of Management 17(1): 99-120.

Nachhaltige Gleichschaltung: Unternehmen als Handlanger der Regierung

Kaum etwas, was derzeit irgendwo von Regierungen, Organisationen, Verbänden oder anderen am kollektiv Guten Orientierten getan wird, wird nicht mit dem Adjektiv “nachhaltig” oder dem Hauptwort “Nachhaltigkeit” versehen. Nachhaltigkeit hat mit dem Bericht der Brundtland-Kommission (1987) erstmals das Licht der Welt erblickt und mit der Erkenntnis, dass Ressourcen knapp sind und deshalb nachhaltig bewirtschaftet werden müssen, eine Erkenntnis verbreitet, die Ökonomen schon seit Adam Smith zur Grundlage ihrer Modelle benutzt haben. Dennoch hat sich Nachhaltigkeit in Rekordzeit als das anzustrebendes Ziel etabliert und wird nun genutzt, um ausgerechnet diejenigen zu penetrieren, denen die Knappheit von Ressourcen auch vor der politischen Entdeckung der Nachhaltigkeit bereits klar war: Unternehmen. Dabei dient Nachhaltigkeit als Dachbegriff , unter dessen Fittichen eine ganze Reihe verschiedenster ideologischer Vorlieben gestopft werden kann, die mit Nachhaltigkeit und begrenzten Ressourcen überhaupt nichts zu tun haben.

Nachhaltigkeit, verpackt in wohlklingende Benennungen wie “unternehmerische Verantwortung”, “nachhaltige Entwicklung” oder “Corporate Social Responsibility” ist zum “Muss” für Unternehmen geworden, die nicht von NGOs öffentlich angeprangert, von internationalen Organisationen wie der UN oder der EU abgemahnt oder mit Bußgeld belegt und von nationalen Regierungen mit negativen Konsequenzen verschiedenster Art bedroht werden wollen. Folglich steht “compliance” bei Unternehmen auf der Tagesordnung: Mit Mitarbeiterschulungen arbeiten Unternehmen gegen die Flut nationaler und internationaler Regulationen und Verordnungen, mit peer-Druck sorgen sie dafür, dass Zwänge, die unter dem Rubrum der Nachhaltigkeit auf sie ausgeübt werden, auch bei Lieferanten und anderen Unternehmen ankommen. Unternehmen werden zunehmend zu Handlangern der Regierung. Ihr Ziel besteht nicht mehr darin, einen Gewinn zu machen, sondern darin, einen für richtig befundenen Wertekanon zu verbreiten, der unter der Bezeichnung “Nachhaltigkeit” vertrieben wird. Ein gutes Beispiel dafür ist der Nachhaltigkeitsbericht der Daimler AG aus dem Jahre 2011.

Nachhaltigkeit sei Bestandteil der Strategie der Daimler AG, verkünden Dr. Dieter Zetsche und Dr. Thomas Weber gleich zu Beginn des Berichts, das Motiv der Nachhaltigkeit (nicht etwa das Prinzip der Nutzenmaximierung) stehe im Mittelpunkt. Alle Planung für die nächsten Jahre basiere auf der Sicherstellung von Nachhaltigkeit. Ein Blick auf die entsprechenden Nachhaltigkeits-Ziele der Daimler AG zeigt den Versuch, mit regulativen Anforderungen Schritt zu halten, die Emissionen in CO2 und NOx zu reduzieren, Emissionsnormen der EU einzuhalten, Anforderungen an das Risikomanagement, wie sie die UN aufgestellt hat, einzuhalten und die Integrität der Geschäftspartner zu prüfen. Es finden sich Nachhaltigkeits-Ziele wie “Ausbau der Verkehrserziehungsmaßnahmen für Grundschüler in Deutschland”, die man vielleicht noch irgendwie mit den Zielen eines Autobauers in Einklang bringen kann, Nachhaltigkeits-Ziele, wie der Ausbau der regionalen und standortbezogenen Kunstförderung, den man als Grille eines umsatzstarken Konzerns abtun kann, und Nachhaltigkeits-Ziele, wie die Erhöhung des Frauenanteils oder die Implementierung eines Freiwilligenprogramms innerhalb der Daimler AG, die nur schwer mit umsatzfördernden Unternehmenszielen oder Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen sind, denn Nachhaltigkeit bezieht sich eigentlich auf einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Insofern ist nicht offensichtlich, welche Verbesserung ein höherer Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten für den Umgang mit natürlichen Ressourcen mit sich brächte. Dennoch ist es ein Nachhaltigkeits-Ziel der Daimler AG den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen: Bis 2020 soll der Frauenanteil in Führungspositionen auf 20% steigen, auf Führungsebene 4 zwischen 14% und 18% betragen und Frauen sollen zwischen 12,4% und 15% der Belegschaft ausmachen. Die Daimler AG ist hier “compliant” mit Forderungen des BMFSFJ, das Unternehmen bereist seit längerem mit einer gesetzlichen Regelung droht, für den Fall, dass die entsprechenden Unternehmen nicht den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen erhöhen: Wenn sich bis 2013 der Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen, verglichen mit dem Jahr 2011 bundesweit nicht verdreifacht hat, dann werden Unternehmen gesetzlich verpflichtet, sich zur Erhöhung des Frauenanteils zu verpflichten. Erreichen Unternehmen einen Frauenanteil von 30% in Vorstand und Aufsichtsrat, dann entfällt der gesetzliche Zwang.

Für Unternehmen wie die Daimler AG hat dies zur Konsequenz, dass der Frauenanteil in Vorstand und Aufsichtsrat höher ist als der entsprechende Anteil in der Belegschaft, was ein merkwürdiges Verständnis von Gleichheit offenbart (nachhaltige Gleichheit vielleicht) und den gesetzlichen Zwang als das zeigt, was er wirklich ist, plumpeste (nachhaltige) Gleichschaltung von Unternehmen. Dafür wird billigend in Kauf genommen, dass Gerechtigkeit auf der Strecke bleibt, denn männliche Arbeitnehmer bei der Daimler AG werden – gemessen an ihrem Anteil an der Belegschaft – diskriminiert, wenn es um die Besetzung von Vorständen und ihre Repräsentation in den entsprechenden Vorständen geht. Da es sich beim BMFSFJ um ein von Frauen dominiertes Ministerium handelt und die flächendeckende und uneingeschränkte Verpflichtung von Unternehmen, eine Frauenquote von 30% in Vorstand und Aufsichtsrat einzuführen, an Simplizität kaum zu überbieten ist, ist das Ministerium bester Falisifikator seiner eigenen Behauptung wonach “Mehr Frauen -mehr Vielfalt” bedeuten. Dass ein Großteil der Aktivitäten des Ministeriums auf die Durchsetzung einer Frauenquote ausgerichtet ist, ohne dass damit ein angebbarer und sinnvoller Zweck verbunden wäre (z.B. mit jeder Frau im Vorstand steigt der Umsatz um 7%), geschweige denn, ein Grund, spricht eher für Einfalt, denn für Vielfalt.

Dass die Daimler AG mit einem eigenen Freiwilligenprogramm gleich noch kognitiv-kulturelle Schützenhilfe für den Bundesfreiwilligendienst des BMFSFJ leistet, rundet die staatliche Einflussnahme auf die Führung von Unternehmen ab und zeigt, dass sich staatliche Stellen der Unternehmen bedienen, wenn es darum geht, bestimmte Verhaltensdispositionen bei Mitarbeitern zu wecken – eben dies ist das Ziel von Gleichschaltung.

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