BGH bestätigt: Genderista können kein Deutsch, und ScienceFiles hat Recht

Unser Urteil zum generischen Maskulinum ist mittlerweile vier Jahre alt, es stammt aus dem Februar 2014 und kann wie jedes Urteil auf eine Formel gebracht werden.

Die Formel lautet: Worte haben keine Geschlechtsteile.

Bekanntermaßen streiten Genderista seit mehreren Jahren gegen die deutsche Sprache und für das Anfügen von Geschlechtsteilen zu Begriffen des generischen Maskulinum, also zu Kollektivbegriffen wie „Kunde“, „Patient“ oder „Insasse“, die alle im grammatikalischen Geschlecht männlich sind, jedenfalls dann, wenn man sie in der Einzahl benutzt. Sobald sie zur Mehrzahl werden, muss in den queeren Köpfen von Genderisten eine Geschlechtsumwandlung erfolgen, denn aus dem grammatisch männlichen Begriff in Einzahl wird ein grammatisch weiblicher Begriff in Mehrzahl und das ganz ohne Hormone, teure Behandlung und ärztlichen Eingriff. It’s not magic, es ist Sprache, und Sprache hat mit Geschlecht nur insofern etwas zu tun, als Geschlecht ein Begriff der Sprache ist, aber Sprache hat kein biologisches, sondern ein grammatisches Geschlecht.

Diese Trennung zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht ist etwas, was genderistische Gehirne in der Regel nicht zu leisten vermögen. Deshalb fühlen sie sich dann, wenn ein Begriff im generischen Maskulinum daherkommt, wie bei: “der Steuerzahler”, nicht berücksichtigt, was sich schlagartig zu ändern scheint, wenn “die Steuerzahler” ins Gespräch gebracht werden, vermutlich, weil die meisten Genderista von nunmehr „den“ Steuerzahlern leben, oder auf den Taschen, nunmehr wieder „der“ Steuerzahler liegen, wobei das grammatische Geschlecht in diesem Fall insofern dem biologischen Geschlecht entspricht als tatsächlich die weiblichen Genderista von zumeist männlichen Steuerzahlern durchgefüttert werden – eine Form der Abhängigkeit, gegen die sich bislang noch kein genderistischer Aufschrei gerichtet hat.

Doch zurück zur deutschen Sprache.

Der VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs ist ein Senat, in dem Deutsch gesprochen und verstanden wird, von den Richtern Galke als vorsitzender Richter, von Pentz, Wellner, Offenloch, Dr. Oehler, Dr. Roloff, Müller, Dr. Klein, und Dr. Allgayer. Sie sprechen und verstehen Deutsch, und weil sie Deutsch sprechen und verstehen, deshalb kennen sie den Unterschied zwischen dem grammatikalischen und dem biologischen Geschlecht. Und weil sie diesen Unterschied kennen, deshalb haben sie geurteilt, dass das generische Maskulinum keinen Penis hat, schon weil es ein grammatisches Geschlecht ist und kein biologisches und deshalb, weil es kein biologisches, sondern ein grammatisches Geschlecht ist, der Schluss vom grammatischen auf das biologische Geschlecht nicht möglich, sondern ein Fehlschluss ist und der, der ihn zieht, entsprechend nicht ganz dicht sein kann. Okay, die letzte Ableitung ist unser Schluss.

Aber er liegt nahe.

Tatsächlich ging es um eine Klägerin, die vor den BGH gezogen ist, weil sie bei der Sparkasse als Kontoinhaber auf Formularen angesprochen wird und nicht als Kontoinhaberin. Wer die Klage finanziert hat, ist eine spannende Frage. Wir vermuten, hinter der Klage stecken die üblichen Verdächtigen, die einen weiteren Weg gefunden haben, Steuergelder aus dem Fenster zu werfen, also z.B. die Heinrich-Böll-Stiftung oder eine andere Mistel-Organisation.

Weil das Urteil der Richter aus Karlsruhe so schön ist und darüber hinaus unser Urteil zum Präzedenz-Urteil erhebt, hier aus der Pressemeldung:

Der Sachverhalt:

“Die Klägerin ist Kundin der beklagten Sparkasse. Diese verwendet im Geschäftsverkehr Formulare und Vordrucke, die neben grammatisch männlichen Personenbezeichnungen wie etwa “Kontoinhaber” keine ausdrücklich grammatisch weibliche Form enthalten. In persönlichen Gesprächen und in individuellen Schreiben wendet sich die Beklagte an die Klägerin mit der Anrede “Frau […]”. Durch Schreiben ihrer Rechtsanwältin forderte die Klägerin die Beklagte auf, die Formulare dahingehend abzuändern, dass diese auch die weibliche Form (“Kontoinhaberin”) vorsehen.”

Und die schönsten Stellen aus der Urteilsbegründung:

„Die Klägerin erfährt allein durch die Verwendung generisch maskuliner Personenbezeichnungen keine Benachteiligung im Sinne von § 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Maßgeblich für die Beurteilung, ob die betroffene Person eine weniger günstige Behandlung erfährt als die Vergleichsperson, ist die objektive Sicht eines verständigen Dritten, nicht die subjektive Sicht der betroffenen Person. Der Bedeutungsgehalt grammatisch männlicher Personenbezeichnungen kann nach dem allgemein üblichen Sprachgebrauch und Sprachverständnis Personen umfassen, deren natürliches Geschlecht nicht männlich ist (“generisches Maskulinum”). Ein solcher Sprachgebrauch bringt keine Geringschätzung gegenüber Personen zum Ausdruck, deren natürliches Geschlecht nicht männlich ist.“

Damit ist amtlich, dass Genderista weder sachverständig noch objektiv sind. Sie sind subjektive Unkundige, die versuchen, ihren Mangel an Verständnis für die deutsche Sprache und ihre Unfähigkeit, das Vehikel der Sprache korrekt zu bedienen sowie ihre psychologischen Probleme, die sie für so wichtig halten, dass sie sie anderen aufquatschen, als allgemeingültig zu erklären.

Da nun festgestellt ist, dass in Karlsruhe Richter sitzen, die sich fragen, wie Genderista durch die Grundschule kommen konnten, können wir diesen Unsinn der _*Innen, also die ideologische Selbstverdummung hoffentlich endgültig zu den Akten legen.


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Nachhilfe für das ahnungslose Lann Hornscheidt

Unter der Überschrift “Gendergerechte Sprache?” dilettiert das Lann Hornscheidt in Sozialwissenschaft, behauptet: soziale Veränderung zeige sich im Versuch sprachlicher Veränderung und Sprache müsste so beschaffen sein, dass sich jeder (auch der größte Irre) gemeint fühlen könne.

Was davon wissenschaftlich zu halten ist, schreibt Dr. habil. Heike Diefenbach in einem Beitrag, den man nur unter den Titel: “Nachhilfe für das ahnungslose Lann Hornscheidt” bringen kann.

Damit zur Nachhilfe:

social psychology for dummiesEs zeigt sich wieder einmal, dass Leute, die derzeit Professuren besetzen, häufig keinerlei Hintergrund in irgendeiner Form von Theorie oder empirischer Forschung haben – und noch weniger logisch zu denken im Stande sind.

Wenn Profx Lann Hornscheidt meint: “Soziale Veränderung zeigt sich im Versuch sprachlicher Veränderung”, dann stellen sich nämlich spontan die folgenden Fragen – zumindest für Wissenschaftler:

  • 1. Warum sollte das so sein? Welche sozio-linguistische Theorie (und ich meine: THEORIE, nicht den Namen von irgendjemandem, der zufällig denselben Eindruck vom Lauf der Dinge hatte wie Profx!) lässt diesen Zusammenhang erwarten?
  • 2. Auf welcher empirischen Evidenz beruht dieser Satz, d.h. aufgrund welcher Daten aus empirischer Forschung meint Profx, dies behaupten zu können?
  • Und 3. – und hier kommen die Fragwürdigkeiten mit Bezug auf Logik zum Vorschein: Meint Profx tatsächlich und ernsthaft, dass der Satz, den es formuliert, ein allgemeines Gesetz ausdrückt?

Damit wiederum würde Profx behaupten, dass

  • a) sich sprachliche Veränderungen im allgemeinen Sprachgebrauch in einer Gesellschaft nicht vollziehen können, ohne dass ihnen nennenswerte soziale Veränderungen ursächlich zugrunde liegen bzw. ohne dass sich hierin soziale Veränderungen zeigen, und dass
  • b) sich soziale Veränderungen vollziehen können, ohne dass sich dies in nennenswerten sprachlichen Veränderungen niederschlägt.

Wenn man Profx allgemeinen Satz als einen halbwegs nachvollziehbaren Satz retten wollte, dann müsste man seine Interpretation so weit fassen, dass er nichts weiter als eine Trivialität wäre, oder schlicht falsch, wenn man es genau nimmt: man müsste dann sagen, dass z.B. der Begriff “Sozialversicherung” die soziale Veränderung anzeigt, die in der Einführung der (Zwangs-)Sozialversicherung bestand – das wäre trivial, oder man müsste einwenden, dass der Begriff vor der Einführung der Sozialversicherung existierte, weil man sonst nicht hätte darüber diskutieren können – dann ist der Satz auch bei sehr weiter Interpretation falsch.

Soviel dazu.

Weiterhin ist es unwissenschaftlich zu behaupten, eine nennenswerte Menge von Leute oder Leute würden sich regelmäßig ausgeschlossen fühlen, wenn bestimmte Begriffe verwendet werden – wieder stellt sich

  • 1. die Frage nach einer Theorie, die eine so starke Behauptung begründen könnte. Es müsste eine sozialpsychologische Theorie oder genauer: eine Identitätstheorie sein, die außerdem den Anschluss an eine linguistische Theorie herstellt;
  • 2. die Frage nach der empirischen Evidenz, auf die Profx diese Behauptung gründen will, wenn sie mehr sein soll als der idiosynkratische Glaubenssatz von jemandem, der aus unerfindlichen Gründen eine Professur besetzt (Profx kann sich aufgrund eigener Argumentation hier wohl nicht angesprochen fühlen, weil “jemand” mit “er” einhergeht, und es ja nicht “er” sein kann, oder!?)

Nun noch ein Hinweis an Profx:

Falls sich jemand nicht angesprochen fühlt, wenn er weiblich ist und mit “liebe Bürger” angesprochen wird, dann ist aus soziologischer Sicht zu bedenken, dass das eine Interpretation ist, die ein soziales Problem darstellen könnte, weil sie einen Selbstausschluss bedeutet, der völlig unnötig ist. Er kann daher eigentlich nur eine massive Entfremdung von sich selbst oder von der Gesellschaft, die einen umgibt, anzeigen, denn “Bürger” ist eine klar definierte Beziehung zwischen der Institution “Staat” und den Menschen, die Rechte ihr gegenüber haben, aber auch Pflichten.

Das Geschlechtsteil, nein, Entschuldigung: die eigene Gender-Konstruktion, hat damit nichts zu tun. Wer das nicht versteht (bzw. seine Bürgerrechte nicht unabhängig von seinem Geschlecht einklagt), unterschätzt seine Position, wenn nicht seinen Einfluss, massiv. Darüber hinaus gibt er allen anderen ein schlechtes Beispiel, weil er suggeriert, sie wären ebenso ohne Einfluss und ohne Rechte und Pflichten wie derjenige, der meint, er sei mit “liebe Bürger” nicht angesprochen, denn schließlich gilt (- und nun zu den sprachlichen Aspekten):

  • Deutsch fuer Anfaenger“Bürger” ist ein Kollektivbegriff, der das Kollektiv der Bürger bezeichnet. Hätte man eine Ahnung von Lingusitik und – noch besser – von anderen Sprachen, wäre einem der Unterschied zwischen einem Plural und einem Kollektivbegriff klar (übrigens ist es auch in den Sozialwissenschaften sehr wichtig, beides auseinanderzuhalten!);
    • Im Arabischen z.B. gibt es das Wort “schadjara” für “Baum”. Will man eine Reihe ganz konkreter Bäume bezeichnen, z.B. diejenigen, die im eigenen Garten stehen, dann spricht man von den(jenigen) Bäumen im Plural, also von “schadjaraat”. Spricht man jedoch von Bäumen als Baumheit, dann gibt es hierfür den Kollektivbegriff “schadjar”. Einen männlichen Baum oder männliche Bäume gibt es nicht, es gibt einzelne oder mehrere konkrete Bäume, die mit weiblichen Formen bezeichnet werden, und die Baumheit, für dies es einen Kollektivbegriff gibt.
    • “Bürger” ist ein Kollektivbegriff in diesem Sinn, also, wenn man so sagen möchte, für “Bürgerheit”. Seltsamerweise kennt das Deutsche in einigen, wenigen Fällen, zwei Begriffe für Kollektive, so z.B. “Mensch” und “Menschheit”, was bei einigen Leuten dazu führt, dass sie meinen, der eine Kollektivbegriff (“Mensch”) müsse dann notwenig einen einzigen männlichen Menschen bezeichnen, weil die Wortform derjenigen entspricht, die man für einen einzigen männlichen Menschen benutzt.
    • Wie der geteilte Sprachgebrauch in deutschsprachigen Ländern zeigt, ist dies aber nicht so bzw. wird keineswegs von einer nennenswerten Anzahl von Leuten so verstanden. Sie alle wissen, dass es Kollektivbegriffe gibt, die manchmal ein grammatikalisch männliches, manchmal ein grammatikalisch weibliches Geschlecht haben (“Mensch”, aber “Katze”).

Wer also meint, er müsse an der deutschen Sprache herumbasteln, weil sie weiblichen Menschen Anlass gäbe, sich ausgeschlossen zu fühlen, hat erstens einen eingeschränkten Horizont (wie gesagt; es gibt eben Katzen, Rinder und Hühner – wo sind da die männlichen Exemplare in der deutschen Sprache vertreten??) und zweitens so wenig Sprachgefühl, dass er einen Singular oder einen Plural nicht von einem Kollektivbegriff unterscheiden kann. Das ist also sein eigenes Problem, nicht das anderer Leute oder das einer ganzen Gesellschaft.

1984Sein Sprachproblem plustert er nun auf und knüpft alle möglichen, aber theoretisch wie empirisch haltlosen Behauptungen daran, um eine soziale Veränderung herbeizuführen, und zwar diejenige, dass bald jeder auf seine eigene Weise durch Selbstausschluss ein Gefühl von Diskriminierung entwickeln kann, das ihn leiden oder schimpfen oder hassen lässt, wo dies gar keinen Anlass hat. Ich glaube, eine treffende Bezeichnung hierfür lautet “Brunnenvergifter”, was ich vermutlich nicht sagen sollte, weil es aus einem konkreten historischen Kontext stammt, – so wie “Kolonien” – nur: beide Begriffe stehen mit historischen Fakten in Verbindung!

Wer sie außer Gebrauch sehen möchte, ist damit bereit, Geschichte zu unterschlagen, wenn nicht zu fälschen. Wem dies zu welchen Zwecken nützen mag, lässt sich u.a. George Orwells “1984” entnehmen….

Deutsche Sprache: Voraussetzung für Integration und Exklusion?

Die deutsche Sprache gilt vielen als Kulturgut. Sie ist die Muttersprache von Goethe, Schiller und Einstein. Deutsch ist aber mehr als eine Sprache. Die deutsche Sprache gilt deutschen Politikern und vermutlich nicht nur ihnen als das Band, das das Land zusammenhält. Deutsch sein ist Deutsch sprechen, schreiben und lesen können. Die deutsche Sprache ist der Kitt, das, was die deutsche Welt “im Innersten zusammen hält”. “Wer Deutscher werden will, muss die deutsche Sprache beherrschen”, heißt es entsprechenden in einem Kommentar der “WELT”. Die deutsche Sprache ist, wie Guido Wersterwelle weiß, der “Schlüssel zur Integration” und deshalb will Hartmut Koschyk, die deutsche Sprache als “Schlüssel der Integration verankern” (leider sagt er nicht, wo er den Schlüssel verankern will – oder wie). Verankert ist die deutsche Sprache als “Voraussetzung für Integration” im von der Niedersächsischen Landesregierung verabschiedeten “Handlungsprogramm Integration in Niedersachsen”.

Wer, so kann man den vorausgehenden Absatz zusammenfassen, Deutsch nicht in hinreichender Weise lesen, schreiben und sprechen kann, ist in der deutschen Gesellschaft als randständig zu betrachten. Er kann sich im täglichen Leben, so die Annahme, nicht orientieren und kommt entsprechend in der deutsch sprechenden Welt nicht zurecht. Damit wird Deutsch zum Mittel der Integration und zum Mittel der Exklusion zugleich, und es wird nicht nur zum Maß für die gesellschaftliche Integration von Ausländern, sondern auch zum Maß für die gesellschaftliche Exklusion von Deutschen.

“Bund und Länder vereint im Kampf gegen Analphabetismus”, so ist eine Pressemeldung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung [BMBF] vom 16. Dezember 2011 überschrieben. Jährlich sollen rund 45.000 Menschen deutschlandweit mit “ausreichende[n] Kenntnissen der Schriftsprache” versorgt werden und rund 75 Millionen Euro sollen dafür aus BMBF und ESF [Europäischem Sozialfonds] fließen, um die Zahl der (funktionalen) Analphabeten zu verringern. Eine Pressemeldung wie die soeben zitierte, lässt zunächst einmal aufhorchen, denn für gewöhnlich werden soziale Probleme in Deutschland nicht zum Gegenstand einer entsprechenden Bearbeitung, wie man z.B. daran sehen kann, dass die Nachteile, die Jungen bei der Schulbildung haben, immer noch Gegenstand der Schuldigensuche (nachdem sie vor rund 10 Jahren deutlich aufgezeigt wurden) und immer noch nicht Gegenstand von Ursachensuche und Ursachenbeseitigung sind. Entsprechend habe ich mich gefragt, welche Datengrundlage diese Pressemeldung hervorgebracht hat. Wie gewöhnlich, geben deutsche Ministerien die Quelle ihrer Erkenntnis nicht preis und verweisen lieber auf andere, wie z.B. den alphabund. Der alphabund wiederum widmet sich der Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland, veröffentlicht sogar Zahlen zur Alphabetisierung, legt aber die Quelle der entsprechenden Zahlen nicht offen, so dass man nicht weiß, was man von den entsprechenden Zahlen halten soll.

Nach einiger Recherche bin ich auf leo.-Blog gestoßen, ein Projekt, angesiedelt an der Universität Hamburg, das sich mit der Gewinnung von Daten darüber beschäftigt, wie verbreitet die nicht-Beherrschung der deutschen Sprache in Deutschland ist.  Im Frühjahr 2011 wurde aus diesem Projekt eine Pressebroschüre veröffentlicht, die in deutscher und englischer Sprache erstellt wurde. Der Inhalt der entsprechenden Broschüre, die ersten Ergebnisse der Analphabetismus-Studie, sind folgenschwer.

8.436 Personen wurden in Hamburg und Berlin befragt, um den Grad ihrer Lese-, Schreib- und Verständnisfähigkeit, also ihre Sprachkompetenz zu bestimmen. Dabei haben sich die Forscher auf die Bevölkerung im arbeitsfähige Alter (18 bis 64 Jahre) beschränkt und auf der Basis ihrer Ergebnisse die Verteilung in der deutschen Bevölkerung hochgerechnet. Hochgerechnet wurde u.a. der Anteil der funktional Sprachinkompetenten, d.h. von Menschen, die zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben können, aber denen es nicht möglich ist, einen kontinuierlichen Text zu erstellen oder einem solchen Text zu folgen. Entsprechend sind diese Menschen “nicht in der Lage, die Anforderungen des täglichen Lebens in der angemessenen Weise zu meistern”, sie sind,  wie deutsche Politiker nicht müde werden zu betonen, nicht integriert. Von funktional Sprachinkompetenten werden zum einen Personen abgesetzt, die weder schreiben noch lesen können, also Analphabeten im eigentlichen Sinne des Wortes und Personen, die ein Standardvokabular beherrschen, aber das entsprechende Vokabular nicht in Schriftform umsetzen können, also deren Schreibkompetenzen nicht vorhanden sind. Die so systematisierten Ergebnisse sind wie folgt:

      • 4% der Bevölkerung Deutschlands im Alter von 18 bis 64 Jahren, rund 2.3 Millionen Personen sind Analphabeten im engen Sinne.
      • 10% der arbeitsfähigen Bevölkerung Deutschlands, rund 5.2 Millionen Personen sind funktionale Analphabeten.
      • Insgesamt 25.9% der arbeitsfähigen Bevölkerung Deutschlands, rund 13,3 Millionen Personen sind nicht in der Lage, sich kompetent in Schriftform auszudrücken.

Eine genauere Untersuchung dahingehend, um wen es sich bei den insgesamt 7.5 Millionen funktionalen Analphabeten handelt, erbringt folgende Ergebnisse:

    • für 58% der funktionalen Analphabeten ist Deutsch Muttersprache.
    • 60% der funktionalen Analphabeten sind Männer.
    • 57% der funktionalen Analphabeten sind erwerbstätig, rund 17% arbeitslos und rund 10% widmen sich der Kindererziehung oder Hausarbeit.
    • 47.7% der funktionalen Analphabeten verfügen über einen geringwertigen Schulabschluss, 12,3% [sic!] haben ein Abitur erreicht (wie auch immer).

Die Ergebnisse zeigen, dass die deutsche Sprache, die von Politikern als “Schlüssel zur Integration” angesehen wird, von 4.4 Millionen deutschen Muttersprachlern nicht beherrscht wird. Entsprechend müssen diese deutschen Muttersprachler als exkludiert angesehen werden. Sie stehen – um im Bild zu bleiben – vor den verschlossenen Türen der deutschsprechenden Gesellschaft. Ist der Kern der Deutschsprecher wie die Ergebnisse zeigen, bereits deutlich geschrumpft, so wird der Kern, betrachtet man die Fähigkeiten, sich in Schriftform korrekt zu artikuliern, noch kleiner: 13 Millionen Menschen in Deutschland sind nicht in der Lage, sich in adäquater Form schriftlich auszudrücken, 10.4 Millionen davon sind deutsche Muttersprachler.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse kann man die Ikonographie der deutschen Sprache verändern und Deutsch als ein Teil einer Kultur ansehen, die “Deutschland” kennzeichnet, deren bestimmender Teil aber nicht die Sprache ist – anders formuliert, die deutsche Sprache ist nicht mehr die alleinige Eintrittskarte in den Club der Deutschen, sondern ein Bestandteil dessen, was man dann als deutsche Bürgerkultur ansehen könnte. Man kann natürlich auch weiterhin eine Schlüsselphantasie aufrecht erhalten und die deutsche Sprache zur Weihe erklären, die über Deutschsein oder nicht entscheidet, dann wären die 4.4 Millionen deutsche Muttersprachler, die funktionale Analphabeten sind oder die 10.4 Millionen deutsche Muttersprachler, die sich schriftlich nicht adäquat auszudrücken vermögen, eben ein Kollateralschaden, den die Aufrechterhaltung der Gemeinschaft-durch-deutsche-Sprache-Illusion mit sich bringt.

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