Deutschlandfunk erfindet Nachrichten: Verbitterung und Zuwanderung

Wir sind wieder da!
Back to haunt the Fake News Agencies.

Zunächst: Vielen Dank für die vielen Hinweise, die sich in unserer Mailbox gefunden haben. Wir konnten sie noch nicht alle sichten und haben uns daher entschieden, dem Hinweis nachzugehen, den wir am häufigsten (viermal in diesem Falle) von verschiedenen Lesern erhalten haben.

Den hier:

Schlagzeile einer Meldung beim Deutschlandfunk:

Wer verbittert ist, beschäftigt sich mehr mit Zuwanderung“.

Erster Satz des Textes:

„Menschen, die sich verbittert und benachteiligt fühlen, sorgen sich mehr wegen der Zuwanderung als andere …“

Dritter und vierter Satz des Textes:

„Demnach bereiten Flüchtlinge verbitterten Leuten mehr Sorgen – egal ob Mann oder Frau, egal ob in West- oder Ostdeutschland.“ Auch der Bildungsgrad und die Arbeitsplatzsicherheit spielen keine direkte Rolle bei der Frage, ob jemand Flüchtlingen gegenüber positiv oder negativ eingestellt ist – nur die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben.“

Fünfter und sechster Satz des Textes:

„Die Studie hat demnach auch gezeigt, dass Leute, die rechte Parteien wählen, im Schnitt verbitterter sind als Anhänger von der Mitte. Gleiches gilt für Leute, die keine klare Präferenz für eine Partei haben.“

Der zweite Satz des Textes verweist auf die Studie, die angeblich gezeigt haben soll, was der Deutschlandfunk-Redakteur vermeldet. Der vorletzte und letzte Satz des Textes erklärt den Lesern in Infantil-Deutsch, was das SOEP, das Sozio-ökonomische Panel ist, dem die Autoren der vermeintlichen Studie: Panu Poutvaara und Max Friedrich Steinhardt die Daten entnommen haben. Diese drei Sätze zeichnen sich im Gegensatz zu den oben zitierten dadurch aus, dass sie mehr oder weniger zutreffen. Allerdings ist die Beschreibung des SOEP vor dem Hintergrund der angeblichen Studie von Poutvaara und Steinhardt als mindestens unbeholfen, wenn nicht uninformiert zu bezeichnen, denn das SOEP ist keine „repräsentative Befragung in Deutschland, die jedes Jahr stattfindet“, wie der Deutschlandfunkschreiber behauptet, sondern eine Panelbefragung, die seit 1984 stattfindet, es in der Zeit aber nur auf 30 Wellen gebracht hat. Da seit 1984 34 Jahre vergangen sind, muss man, weil 30 ungleich 34 ist, schließen, dass das SOEP nicht jährlich stattfindet. Eine Panel-Befragung soll sich dadurch auszeichnen, dass immer DIESELBEN Befragten Jahr-um-Jahr befragt werden. Ein Ziel, das das SOEP nur zeitweise erreicht (Panel-Mortalität). Ob das SOEP eine repräsentative Befragung darstellt, ist wiederum eine Frage, über die man sich nicht streiten kann, jedenfalls dann nicht, wenn man wie wir jemals mit dem SOEP gearbeitet hat. Allein die Gegenwart von Gewichten im SOEP-Datensatz, also die Notwendigkeit nachträglicher Korrekturen am Datensatz zeigt, dass das SOEP nicht einmal entfernt als Abbild der deutschen Bevölkerung angesehen werden kann – ganz unabhängig von all den Problemen, die sich sonst noch mit der Frage der Repräsentativität verbinden.

Nun zu den Behauptungen im Text.

Schlagzeile: „Wer verbittert ist, beschäftigt sich mehr mit Zuwanderung“.

Die Überschrift ist falsch.

Aber urteilen Sie selbst.

Poutvaara und Steinhardt, zwei Datenhuber, die wohl auch einmal etwas „forschen“ wollten, das von deutschen Mainstream-Medien berichtet wird, haben zwei Aussagen, die Befragten im SOEP vorgelegt wurden, ausgewertet:

„Verglichen mit anderen Menschen habe ich nicht erreicht, was ich verdiene“.

Und:

“Machen Sie sich Sorgen über die Zuwanderung nach Deutschland? (Viele Sorgen, einige Sorgen, keine Sorgen).”

Wer sich Sorgen über Zuwanderung macht, der beschäftigt sich nicht mit Zuwanderung, wie der Deutschlandfunk behauptet. Er macht sich einfach nur Sorgen. Mehr kann man auf Grundlage dieser Aussagen nicht feststellen und mehr kann man in die Antworten nicht hineingeheimnissen. Wer von sich sagt, dass er im Vergleich zu anderen Menschen nicht erreicht hat, was ihm zusteht, der ist nicht verbittert, sondern jemand, der seine ungerechte Behandlung feststellt. Die Frage misst ein Gerechtigkeitsempfinden, keine Verbitterung. Wollte man Verbitterung messen, so müsste man diejenigen, die sagen, dass sie verglichen mit anderen Menschen nicht erreicht haben, was ihnen zusteht, fragen, ob sie deshalb verbittert sind. Vielleicht sind die entsprechenden Menschen nicht verbittert, sondern verärgert über eine Gesellschaft, in der soziale Wohltaten unabhängig von Leistung verteilt werden. Vielleicht sind sie nur enttäuscht, dass jemand, der keinen Beitrag in ein Sozialsystem entrichtet hat, dennoch viel aus diesem Sozialsystem entnehmen kann. Das Gerechtigkeitsempfinden kann aus ganz unterschiedlichen Ursachen verletzt sein.

Die Überschrift ist demnach falsch.

Erster Satz des Textes:

„Menschen, die sich verbittert und benachteiligt fühlen, sorgen sich mehr wegen der Zuwanderung als andere …“

Jeder, der bislang mitgelesen hat, sieht, dass BENACHTEILIGUNG bzw. das Empfinden, benachteiligt worden zu sein, nicht erfragt wurde. Ob Benachteiligung von Befragten als Ursache ihrer Zustimmung zur Aussage, sie hätten im Vergleich zu anderen weniger erreicht als ihnen zusteht, angegeben wird, ist eine empirische Frage. Dass der Redakteur beim Deutschlandfunk der Ansicht ist, das sei die einzige Möglichkeit, sagt nur etwas über ihn aus. Dass Poutvaara und Steinhardt einen Zusammenhang zwischen einer zunehmenden Zustimmung zu der Aussage, man habe im Vergleich zu anderen weniger erreicht als einem zustehe und den Sorgen, die sich Menschen über Zuwanderung machen, finden, ist in der Tat richtig. Dass diese Effekte eher gering sind, einige methodische Fragwürdigkeiten vorhanden sind, zu denen wir noch kommen, und sich keinerlei Unterschied nach Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Haushaltseinkommen, Beschäftigungsstatus und Status des Haushalts finden lässt, sollte selbst einem Redakteur beim Deutschlandfunk zu denken geben. Aber das tut es nicht. Die entsprechenden Ergebnisse werden einfach berichtet (dritter und vierter Satz des Textes), vermutlich um den Lesern den falschen Eindruck zu vermitteln, der Redakteur habe die angebliche Studie gelesen, was er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht hat.

Kommen wir zum fünften und sechsten Satz des Textes:

„Die Studie hat demnach auch gezeigt, dass Leute, die rechte Parteien wählen, im Schnitt verbitterter sind als Anhänger von der Mitte. Gleiches gilt für Leute, die keine klare Präferenz für eine Partei haben.“

Wo der Redakteur des Deutschlandfunks diese Weisheit herhaben will, ist uns ein Rätsel, und zwar deshalb, weil in der vermeintlichen Studie von Poutvaara und Steinhardt keinerlei Daten zu Parteipräferenz oder Parteiwahl benutzt wurden. In welchem Zusammenhang die Ansicht, man habe im Vergleich zu anderen nicht das erreicht, was einem zustehe, mit der Parteipräferenz, der Wahlabsicht oder letzten Wahlentscheidung steht, ist vollkommen unklar, denn die beiden Autoren haben den entsprechenden Zusammenhang nicht untersucht. Der Redakteur beim Deutschlandfunk hat ihn erfunden, frei erfunden. Vermutlich passt die entsprechende Interpretation in sein Weltbild. Aber die entsprechende Interpretation passt nicht zu den Ergebnissen von Poutvaara und Steinhardt. Sie kommt schlicht nicht vor.

Fake News vom Deutschlandfunk, vermutlich in dem Bemühen erfunden, einmal mehr die Wähler rechter Parteien, also der AfD, zu diskreditieren. Diskreditieren kann sich mit solchen Lügen jedoch nur der Deutschlandfunk, dessen Qualitätsmanagement dann, wenn es darum geht, Fake News über angeblich rechte Parteien zu verbreiten, doch sehr zu wünschen übrig lässt.

Nun noch ein paar Worte zur angeblichen Studie, die wir für kompletten Junk halten, und zwar u.a. deshalb:

Man korreliert keine Einstellungen miteinander. Das ist nicht nur schlechter Stil, das ist, als wollte man zwei Pflöcke in einen Sumpf hauen, ein Seil zwischen beiden aufspannen und die Entfernung als Umfang des Sumpfes verkaufen. Was ist die Erkenntnis, die daraus folgt, dass Menschen, die von sich sagen, im Vergleich zu anderen hätten sie weniger erreicht als ihnen zusteht, mehr besorgt sind, wenn es um Ein- oder Zuwanderung geht?

Aus diesem Zusammenhang kann man nur dann Sinn machen, wenn man schon mit einer Voreinstellung, einem Vorurteil an die Daten herangegangen ist. Ziel: Einen Zusammenhang Verbitterung und Sorgen um Einwanderung oder Zuwanderung finden. Nun hängt diese Interpretation alleine davon ab, wie die beiden Aussagen attribuiert werden. Die beiden Autoren sind hier schnell bei der Hand: Wer sich Sorgen um Ein- oder Zuwanderung macht, der muss Zuwanderung ablehnen, ein Ausländerfeind, ein Rechter sein. Aber muss er das wirklich? Darf man sich heute nicht einmal mehr Sorgen über eine Entwicklung machen, ohne als Rechter etikettiert und abgestempelt zu werden? Wenn ja, dann leben wir längst im Faschismus. Wenn nein, dann ist die Interpretation der Autoren Gewäsch. Tatsächlich ist die Interpretation Gewäsch, denn Sorgen um Zuwanderung kann man sich aus vielen Gründen machen, u.a. aus Gründen von Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit, das zur Erinnerung für diejenigen, die das Konzept ständig im Munde führen, aber nicht wissen, was es bedeutet, ist ein Konzept, das sich auf die Äquivalenz von Leistung und Auszahlung im Vergleich zu Leistung und Auszahlung anderer bezieht. Ein Steuerzahler, der seine Abgaben und Steuern regelmäßig steigen sieht und sieht, wie im gleichen Maße mit seinen Abgaben und Steuern die Zahl der System-Nutznießer, derer, die von staatlicher Alimentierung in Projekten bei „Demokratie leben!“ und anderen Formen der Sozialleistungen leben, steigt, kann schon auf die Idee kommen, seine Einkommen bleibe gemessen an seinen Leistungen hinter dem zurück, was ihm zustehe. Wollte man ihm sein Gerechtigkeitsempfinden zurückgeben, müsste man die Steuern senken, die Zahl derer, die vom Staat leben, massiv reduzieren und so weiter.

Das Problem mit Einstellungskorrelationen ist eben, dass man Korrelationen immer unterschiedlich interpretieren kann. Es sei denn, man ist ideologisch so verbohrt wie die Autoren und die Redakteure beim Deutschlandfunk, dann ist klar, dass sich nur Personen, die „spiteful“ (also gehässig) sind, die im Leben gescheitert sind, Sorgen um Zuwanderung machen können, denn, wie es so schön und so unsinnig im Text von Poutvaara und Steinhardt heißt: „An alternative intepretation behind the link between bitterness and attitudes towards immigration is that opportunities and potential success of others could make own failure hurt even more“ (11).

Nicht nur sind die Autoren außer Stande, die Zustimmung zur Aussage, man habe weniger erreicht als einem zustehe, als etwas anderes als ein Eingeständnis von eigenem Scheitern am Leben zu interpretieren, sie wollen ihren Lesern auch die aberwitzige Interpretation verkaufen, dass die Zuwanderer in jeder Hinsicht gebildeter, besser ausgebildet und leistungsfähiger sind als die Befragten in ihrer angeblich repräsentativen Stichprobe.

Wie ideologisch verbohrt kann man eigentlich sein?

Und wie viel kriminelle Energie kann man eigentlich an seine eigene Forschung herantragen? Dies ist eine Frage, die uns bewegt, seit wir das Werk von Poutvaara und Steinhardt gelesen haben.

Stellen Sie sich vor, Sie haben an der SOEP-Befragung teilgenommen. Dann wurden Sie gefragt wie sehr sie einer der folgenden Aussage zustimmen. Eine der folgenden Aussagen war: „Verglichen mit anderen habe ich weniger erreicht als mir zusteht“. Sie haben sieben Antwortalternativen, die von 1 „ stimme überhaupt nicht zu“ bis 7 „stimme voll und ganz zu“ reichen. Wie viele wird es wohl geben, die dieser Aussage „voll und ganz“ zustimmen?

Schätzen Sie. Denn etwas anderes als „Schätzen“ können wir auch nicht. Poutvaara und Steinhardt unterschlagen ein Datum, das für die Beurteilung ihrer angeblichen Ergebnisse von entscheidender Bedeutung ist: Die Anzahl derjenigen, die auf Extremkategorie „7“ entfallen, stimme voll und ganz zu“. Um genau zu sein: Die Autoren machen keinerlei Angaben dazu, wie sich die Antworten der Befragten zu dieser Aussage verteilen. Das ist eine so grundlegende Auslassung, dass es einen Grund dafür geben muss, warum ausgerechnet dieses Datum verschwiegen wird. Der gewöhnliche Grund dafür, dass vermeintliche Forscher ihre Fallzahlen verschweigen ist: Zu geringe Fallzahlen. In der Tat liegt die Vermutung, dass die Autoren hier eine Verteilung, die um die Werte 2 bis 4 ihre Höhepunkte hat, zu einem Ergebnis aufbauschen, das sie mit ihren Daten nicht belegen können, sehr nahe. Zudem entspricht die Vermutung der Erfahrung, denn kaum jemand in Deutschland wird zugeben, dass er hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Der Anteil derer, die das tun, rangiert in der Regel bei wenigen Prozent.

Kurz: Poutvaara und Steinhardt haben aus Wenig bis Nichts ein Ergebnis gemacht, das bei deutschen Medien gut ankommt: Willst Du in die Presse kommen, dann schreibe etwas Negatives, das die Rechten-Phantasien der Mainstream-Redakteure befriedigt. Der Deutschlandfunk hat das Wenige bis Nichts aufgenommen, aufgeblasen und auf rechte Parteien oder deren Wähler oder die, die eine Wahlabsicht für rechte Parteien haben oder AfD-Wähler oder wer auch immer gerade beim Deutschlandfunk diskreditiert werden soll, erweitert, quasi eine Orgie in Fake News.

Und wir halten die Wette, dass – Isomorphie und Phantasielosigkeit derer, die sich für Journalisten halten, in Rechnung gestellt – der Deutschlandfunk nicht der letzte Vertreter der a-Sozialen Medien ist, der diese Junk Studie unter seine Leser bringt.

Die Junk Studie von Poutvaara und Steinhardt stammt übrigens aus dem Jahre 2015. Der Bericht vom Deutschlandfunk ist vom 7. Mai 2018. Beim Deutschlandfunk gibt es offensichtlich eine Abteilung der verzweifelten Eiferer, die nach allem auf der Suche sind, das sich gegen “Rechte”, “rechte Parteien”, “Wähler rechter Parteien” verwenden lässt, alles, was man beim Deutschlandfunk so hasst, dass man Fake News darüber verbreitet. Das Ausmaß an Fiesheit oder krimineller Energie, das in die Produktion von Nachrichten fließt, die dazu dienen sollen, Menschen mit einer Meinung, die von der offiziellen Deutschlandfunk-Meinung abweichen, zu diskreditieren, ist unglaublich, aber historisch gesehen nicht einmalig.

Wir haben den Junk von Poutvaara und Steinhardt schon 2015 besprochen, weshalb wir uns hier im Hinblick auf die Junk Studie kurz fassen konnten. Wer nachlesen will, was wir 2015 geschrieben haben, der kann das hier tun.

Poutvaara, Panu & Steinhardt, Max Friedrich (2015). Bitterness in Life and Attitudes Towards Immigration.

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Bei Rundfunk(gebühren) hört die Demokratie auf!

Wir haben eine Rubrik, die wir intern „spitze Finger Forschung“ nennen. Das sind im Wesentlichen Themen, die im Kontext politischer Korrektheit nicht angefasst werden und wenn, dann mit spitzen, ganz spitzen Fingern.

Mit spitzen Fingern hat YouGov eine Befragung zum Thema „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ durchgeführt. Gegenstand: demokratische Teilhabe in Form einer Abstimmung über den öffentlichen Rundfunk – wie die Schweizer – und u.a. die gewünschte Höhe des Rundfunkbeitrags. YouGov führt derartige Befragungen immerhin durch, während andere Meinungsforschungsinstitute sich als Steigbügelhalter öffentlicher Rundfunkanstalten verdingen und Befragungen so konzipieren, dass Vertrauen und Zufriedenheit der Bevölkerung mit den Leistungen öffentlich-rechtlicher Anstalten dabei herauskommen (Wir haben über einige dieser „Umfragen“ auf ScienceFiles berichtet).

Die Jubel-Umfragen, die von den Chefs bei WDR, NDR oder SWR so gerne zitiert werden, sie stehen in einem krassen Gegensatz zu dem, was YouGov in seiner Befragung, an der 1.139 Personen ab 18 Jahren teilgenommen haben, herausgefunden hat.

Demnach wollen 76 Prozent der Befragten das gleiche Recht wie die Schweizer: Sie wollen über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abstimmen, also darüber, ob er abgeschafft werden soll. Ein Ergebnis bei dem 76 Prozent sich in einer Umfrage für etwas aussprechen, was auch immer, wird von Politikern, dann, wenn es ihnen in den Kram passt, bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten angeführt, um zu zeigen, wie sehr sie im Einklang mit der Bevölkerung sind, wie demokratisch doch alles in Deutschland ist, wie responsiv sie auf die Meinung der Bevölkerung reagieren, wie sehr sie sich an deren Meinung halten … Geht es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann ist das anders. Dann werden die 76 Prozent ignoriert, dann gibt es kein Loblied auf die Bürgerbeteiligung, niemandem fällt Partizipation als Stichwort ein… Es steht viel auf dem Spiel, denn Politiker scheinen der Ansicht zu sein, sie könnten über öffentlich-rechtliche Anstalten eine Kontrolle über ihre Bevölkerung ausüben. Nur so macht der „Bildungsauftrag“, den ausgerechnet öffentlich-rechtliche Anstalten haben sollen, Sinn.

Wie auch immer, die Befragung von YouGov ist ein eindrückliches Zeugnis der Unzufriedenheit mit dem, was öffentlich-rechtliche Anstalten tun und anbieten. Seine Kulmination findet diese Unzufriedenheit darin, dass 49% der Befragten nur bereit wären 1 bis 5 Euro pro Monat an Rundfunkgebühren zu bezahlen, wenn sie es entscheiden könnten. Aber sie gehören nur zum Souverän in einer Demokratie. Sie haben entsprechend nichts zu entscheiden und keine Absolventen weitgehend nutzloser Studienfächer davon abzuhalten, sich ein schönes Auskommen zu verschaffen.

Immerhin 25% der Befragten wären bereit, 6 bis 10 Euro pro Monat zu bezahlen, weitere 9% könnten sich mit 11 bis 15 Euro anfreunden. Somit sind 83% der Befragten die derzeitigen Rundfunkgebühren von 17.50 Euro im Monat zu hoch. Ein eindeutiges demokratisches Votum. Aber kein Politiker der Parteien, die in den Rundfunkräten sitzen, nimmt es auf. Sie wollen eben nur das Beste von ihren Wähler, möglichst hohe Gebühren.

Warum die große Mehrheit der von YouGov-Befragten, die alle Indikatoren erfüllen, um unter anderen Vorzeichen von Politikern als repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung bejubelt zu werden, die Rundfunkgebühren von 17.50 Euro pro Monat nicht in dieser Höhe bezahlen will, wenn überhaupt, machen weitere Ergebnisse von YouGov deutlich:

  • 44% finden 17.50 Euro Rundfunkgebühren zu hoch;
  • 43% wollen eigentlich gar keine Rundfunkgebühren mehr zahlen;
  • 30% finden sich mit ihren Interessen im Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht wieder;
  • 28% finden eine Rundfunkgebühr grundsätzlich in Ordnung, finden aber das derzeitige Angebot zu schlecht, als dass es Rundfunkgebühren rechtfertigen würde;
  • 23% nutzen das Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten überhaupt nicht;
  • 20% finden sich mit ihrer Meinung im Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht wieder

Das sind verheerende Zahlen, vor deren Hintergrund man es eigentlich nicht rechtfertigen kann, Deutsche weiterhin und ohne Ausnahme für öffentlich-rechtliche Sender bezahlen zu lassen. In einer Demokratie würden derartige Ergebnisse öffentlicher Meinung dazu führen, dass Politiker das Thema aufnehmen und letztlich eine Lösung in Form einer Volksabstimmung herbeiführen. Aber in Deutschland gibt es keine Demokratie. Hier herrscht die Parteienoligarchie, eine Autokratie, die sich wie eine Krake in alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche ausgebreitet hat und dort finanzielle Wohltaten für sich einsammelt. Parteivertreter sitzen in Aufsichtsräten von Unternehmen, in Vorständen von Vereinen und Stiftungen, sie sitzen in den Programmräten der öffentlich-rechtlichen Anstalten und erhalten für ihr aufopferungsvolles Handeln natürlich eine finanzielle Aufwandsentschädigung. Es ist geradezu naiv anzunehmen, ausgerechnet Politiker würden sich den finanziellen Ast, auf dem sie sitzen, abschneiden, indem sie demokratische Grundrechte wie eine Partizipation ernst nehmen und Zwang gegen eine Mehrheit der Bevölkerung vermeiden.

Von Arnim könnte sein Buch der Parteienkritik heute nicht mehr mit „Der Staat als Beute“ betiteln. Das ist eine Untertreibung. Die Parteien haben sich längst die Gesellschaft zur Geisel genommen und die saugen sie nun aus, finanziell, moralisch, körperlich …

Und am Beispiel von YouGov sieht man, was dabei herauskommt, wenn man die falschen Fragen stellt, Fragen, auf die man Antworten bekommen kann, die politisch Korrekte gar nicht hören wollen. Da hilft nur eins: YouGov sind Rechte.

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Propaganda für Arme: Deutschlandfunk macht Marketing für Amadeu-Antonio-Stiftung

1928 hat Edward Bernay ein Buch mit dem Titel „Propaganda“ veröffentlicht. Das Buch ist der Blueprint für das, was man heute, wegen der historischen Last des Begriffes “Propaganda”, Public Relation Management nennt, den gezielten Versuch, die öffentliche Stimmung zu beeinflussen, nicht mit Argumenten, sondern mit gezielten Angriffen auf Gefühl und Affekt, deshalb auch öffentliche Stimmung und nicht „öffentliche Meinung“.

Das Buch von Bernay ist bis heute ein Klassiker geblieben. Josef Goebbels hatte es ebenso in seinem Regal stehen wie viele derer, die heute versuchen, die öffentliche Stimmung in ihre Richtung zu kippen.

Stimmung machen, vielleicht auch kippen, wer weiß, will der Deutschlandfunk. „AfD will Demokratie-Vereinen Förderung entziehen“, so lautet die aufgebrachte Überschrift eines Beitrags, den man als Marketing für die Amadeu-Antonio-Stiftung bezeichnen muss, Marketing, das in der Tradition von Bernay steht, aber beileibe nicht so intelligent dargeboten ist wie die Propaganda, die Bernay in seinem Buch bebeispielt.

Der Beitrag des Deutschlandfunks hat keinen rationalen Gehalt. Er ist ausschließlich auf Affekt ausgelegt, zielt also auf die Magengrube, nicht das Gehirn derer, die ihn lesen sollen. Die Meldung, die der Deutschlandfunk unter die Leser bringen will, ist einfach:

Da gibt es gute Demokratie-Vereine, an anderer Stelle auch als zivilgesellschaftliche Organisationen bezeichnet, die versuchen, die Welt vor dem Bösen, dem anti-demokratischen bzw. dem, was sie dafür halten [unser Einschub], zu retten. Deshalb müssen diese Demokratie-Vereine gegen gewählte Parteien wie die AfD polemisieren und von Steuerzahlern finanziert werden, damit sie das tun können.

Das passt der bösen AfD und z.B. André Poggenburg, der „als Radikaler“ gilt, wie der Deutschlandfunk ohne Beleg behauptet, nicht. Deshalb will die AfD in Thüringen dem Verein „Miteinander e.V.“, den Geldhahn abdrehen, die AfD in Berlin will der Amadeu-Antonio-Stiftung den Geldhahn abdrehen, so der Deutschlandfunk.

236 Detailfragen, die z.B. die AfD in Thüringen zusammengetragen hat, um Licht in das Dunkel der Finanzierung eines Vereins wie „Miteinander e.V.“ zu bringen, gelten beim Deutschlandfunk als Alarmzeichen.

Da fragt man sich: Wofür?

In einer Demokratie sollte es selbstverständlich sein, dass diejenigen, die Steuergelder für eine bestimmte Aufgabe erhalten, die Verwendung dieser Steuergelder lückenlos nachweisen und auch den Nutzen belegen, den der Einsatz dieser Steuergelder hatte.

Der Nutzen der Demokratie-Vereine, das ist des Pudels Kern.

Ganz brachial bekommt man im Artikel des Deutschlandfunks untergeschoben, dass die Vereine, die der Deutschlandfunk als „Demokratie-Vereine“ bezeichnet, tatsächlich im Dienste der Demokratie stünden. Dass die Amadeu-Antonio-Stiftung oder Miteinander e.V., die zumindest im Bezug auf die AfD eine sehr seltsame Vorstellung vom „Miteinander“ haben, Vereine seien, die die Demokratie voranbrächten, deren Unterstützung daher wichtig und nützlich sei.

Woher nimmt man beim Deutschlandfunk diese Gewissheit?

Bislang gibt es nicht einmal die Spur eines Beleges dafür, dass die Amadeu-Antonio-Stiftung (AAS-Stiftung) einen angebbaren Nutzen hat, den man als demokratischen Nutzen ansehen kann. Es gibt nicht einen einzigen Hinweis darauf, dass der Verein Miteinander e.V. etwas Positives und Dauerhaftes für die Demokratie bewirkt hat. Im Gegenteil: Mit Blick auf Verein und Stiftung kann man feststellen, dass sie dazu beitragen, einen Graben auszuheben, der die Bevölkerung in zwei Lager teilt. Das ist mit Totalitarismus und mit Faschismus vereinbar, nicht aber mit Demokratie.

Im Marketingtext des Deutschlandfunks wird die Broschüre „Positionieren, konfrontieren, streiten: Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD“ der AAS-Stiftung hervorgehoben, die angeblich nicht durch Steuergelder finanziert wurde. Lassen wir letztere Behauptung einmal beiseite, dann ist diese Broschüre gerade ein Beleg für das, was wir oben geschrieben haben. Eine Demokratie lebt vom Diskurs, vom offenen Diskurs, davon, dass ALLE Gesellschaftsmitglieder miteinander reden können. Eine Organisation, die Handlungsempfehlungen herausgibt, weil die Herrschaften dieser Organisation der Ansicht sind, manche der Gesellschaftsmitglieder würden Grundvoraussetzungen des demokratischen Miteinanders nicht erfüllen, ist nicht nur ein Feind jeder Form von Demokratie, sie ist auch ein Beispiel für eine totalitäre Organisation, die sich das Recht nimmt, andere nicht nur in Gut und Böse einzuteilen, sondern auch noch darüber zu belehren, wie man mit den für böse Gehaltenen umzugehen hat. Die letzte Organisation, die derartigen Faschismus verbreitet hat, war die katholische Kirche.

Wir können bis hier also feststellen, dass die angeblichen Demokratie-Vereine bislang keinen Beleg dafür gebracht haben, dass sie einen Nutzen für die Demokratie erbringen. Aber man soll ja die Möglichkeit nicht ausschließen. Daher haben wir vier Fragen für den Deutschlandfunk, deren Beantwortung leicht sein sollte, wenn die positive Wirkung für die Demokratie z.B. der AAS-Stiftung belegt ist:

  • Welchen positiven Nutzen für die Demokratie haben die AAS-Stiftung oder der Verein Miteinander e.V. nachweisbar erbracht?
  • In welcher wissenschaftlichen Evaluation wird gezeigt, dass die AAS-Stiftung und der Verein Miteinander e.V. einen Nutzen für die Demokratie haben?
  • In welcher wissenschaftlichen Evaluation hat untersucht, ob die AAS-Stiftung oder der Verein Miteinander e.V. durch ihr Wirken der Demokratie keinen Schaden zufügen?
  • Wo gibt es eine Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen von AAS-Stiftung und Miteinander e.V. für die Demokratie?

Die Fragen muss man beim Deutschlandfunk beantworten können, denn die dortigen Redakteure sind sich doch ganz sicher, dass AAS-Stiftung und Miteinander e.V. Demokratie-Vereine sind.

Schließlich kommt der Beitrag zu dem Punkt, um den es wirklich geht. Bei der AAS-Stiftung hat man Angst, dass sich in der CDU eine Mehrheit finden könnte, die eine Mittelvergabe an eine Extremismusklausel koppeln will. Was diese Extremismusklausel besagt, darüber lässt man beim Deutschlandfunk seine Leser natürlich im Dunkeln, denn dem schwarz-weiß-gemalten Bild der guten Demokratie-Vereine, die sich gegen den Rechtsextremismus stemmen, soll kein Grauton beigefügt werden, und die Aufklärung der Leser, dass eine Extremismusklausel nichts anderes ist als der Versuch sicherzustellen, dass Steuermittel, die dem Kampf für die Demokratie gewidmet sein sollen, nicht in die Hände von Extremisten gelangen, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung unterwandern wollen, sie wäre ein solcher Grauton. Und offensichtlich hat man bei der Amadeu-Antonio-Stiftung Angst vor dem Ergebnis, das die Prüfung der Konformität aller angeblichen Kämpfer für die Demokratie mit den freiheitlich-demokratischen Grundlagen auf denen diese basiert, erbringen würde.

Denn diese Aufklärung sie weckt Zweifel: Zweifel daran, dass die Demokratie-Vereine tatsächlich so vorbehaltlos als Demokratie-Vereine bezeichnet werden können, wie dies beim Deutschlandfunk erfolgt. Am Ende sind die Demokratie-Vereine gar keine reinen und idealistischen Demokratie-Vereine sondern im besten Fall Vereinigungen von Gleichinteressierten, die ein Mittel gefunden haben, ein an sich wertloses Studium auf Kosten von Steuerzahlern in einen Lebensunterhalt umzuwandeln. Im schlimmsten Fall sind die sogenannten Demokratie-Vereine nicht nur Vereine, die von Steuergeldern leben, sondern Feinde der Demokratie, die versuchen, die Grundlagen des offenen Diskurses über alle möglichen Themen und den freien Zugang zum Markt der Ideen und zu Informationen zu beseitigen und das wiedereinzuführen, was das Ministerium für Staatssicherheit in der DDR so erfolgreich etabliert hatte: Ein Spitzelsystem, das dazu führt, dass kein öffentlicher Diskurs mehr stattfinden kann, weil eine Mehrzahl der Bürger der Ansicht ist, man müsse vorsichtig sein, was man in der Öffentlichkeit sagt.

Wie im Rahmen der Entwicklung der ersten deutschen Skala zur Messung von Kontrollüberzeugungen durch Dr. habil. Heike Diefenbach deutlich geworden ist, gibt es schon einen nicht unbeträchtlichen Teil der Bevölkerung, der in der Öffentlichkeit zurückhaltend und der Ansicht ist, dass man vorsichtig sein müsse, mit dem, was man sagt. Listen, die die AAS-Stiftung z.B. in einem Neue Rechte Wiki geführt hat, um die Bevölkerung in Gute und Böse zu teilen, sind eine Ursache dafür, dass das öffentliche Klima in Deutschland so vergiftet ist, dass eine beträchtliche Anzahl von Bürgern ihre Meinung nicht mehr öffentlich zum Ausdruck bringen will.

Dass der Deutschlandfunk von denen finanziert wird, die er zu manipulieren versucht, sei nur der Vollständigkeit halber angemerkt.

Wir wollen diesen Beitrag jedoch auf einem humoristischen Plateau beenden, auf das man nur mit AAS-Stiftung und Deutschlandfunk gelangen kann. Wird im Beitrag des Deutschlandfunks doch Anetta Kahane mit den folgenden Worten zitiert:

„Wann immer gegen den Geist und den Sinn des Grundgesetzes verstoßen wird, werden wir uns dagegen wehren.“

Das hat zu erheblicher Heiterkeit in der ScienceFiles-Redaktion geführt. Aber vielleicht sind wir ja einfach nur voreingenommen. Deshalb bitten wir unsere Leser, die AAS-Stiftung anzuschreiben und nach den vielen Publikationen zu fragen, mit denen die AAS-Stiftung gegen die Linksextremisten kämpft, die nicht nur im Verfassungsschutzbericht regelmäßig erwähnt werden, sondern Teil der Partei die LINKE sind.

Hier die eMail-Adresse:

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Wer gerne mit Formularen kämpft:

http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/kontakt/

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FakeNews oder Geschichtsfälschung? Deutschlandfunk feiert 300 Jahre Schulpflicht

Am 26. September 1717 hat nach Ansicht des Deutschlandfunks die Schulpflicht begonnen. Friedrich Wilhelm der I, mehr für seine Soldaten als seine Bildungsaspirationen bekannt, soll die Schulpflicht per Edikt eingeführt haben. Bis zum Edikt, so das Feindbild, das man beim Deutschlandfunk gerne pflegen will, seien nur „Kinder aus höheren Schichten“ und „Begabte – Jungen vor allem -„, in den Genuss von Bildung gekommen.

Daran habe sich nach dem Edikt von 1717 zwar nicht viel geändert, aber es sei der Anfang staatlicher Schulpflicht gewesen, jener Pflicht, auf die man – ginge es nach dem Deutschlandfunk – alle Segnungen dieser Welt zurückführen muss. Und wie bei sozialistischen Geschichtsfälschungen eben so üblich, ist diese Segnung von oben, vom Staat, von der Autorität in allgemeiner, gleicher und verpflichtender Weise auf die Menschen herniedergekommen und hat sie glücklich und gebildet gemacht. Ab 1919 dann als Segnung einer allgemeinen Schulpflicht, die, so der Abschluss der Geschichtsfälschung aus dem Deutschlandfunk, sich bis heute im Grundgesetz wiederfinde.

Wir bezeichnen diese Darstellung als Geschichtsfälschung, weil (1) die Schulpflicht nicht darauf zurückzuführen ist, dass gute Obrigkeiten ihrem Volk die Segnungen modernen Wissens zugänglich machen wollten, und (2) weil die Schulpflicht, die allgemeine Schulpflicht, keine Errungenschaft der Weimarer Verfassung ist, denn das Reichsschulgesetz, das in der Weimarer Republik ein Dauerbrenner auf der Tagesordnung des Reichstags war, es wurde nie durchgesetzt. Es scheiterte am Widerstand der Länder. Und so kommt es, dass die allgemeine Schulpflicht, auf die der Deutschlandfunk, Pädagogen und alle, die erziehen wollen, so stolz sind, wie so manches andere auch, von den Nazis eingeführt wurde. Am 6. Juli 1938 trat mit § 1 des Reichsschulgesetzes die „Allgemeine Schulpflicht“ in Kraft, die den Besuch einer „reichsdeutschen Schule“ vorsah. § 2 des Reichsschulgesetzes hat den Beginn der Schulpflicht auf das 6. Lebensjahr festgesetzt und § 4 deren Dauer auf acht Jahre bestimmt. Nix is, mit 300 Jahren Schulpflicht.

Es ist schon deshalb nichts mit Schulpflicht, weil vor der Weimarer Republik und Artikel 145 der Weimarer Verfassung, in dem es weitgehend wirkungslos aufgrund des Fehlens eines Reichsschulgesetzes hieß: „Es besteht allgemeine Schulpflicht. Ihrer Erfüllung dient grundsätzlich die Volksschule mit mindestens acht Schuljahren …“, zwischen der Unterrichts- und der Schulpflicht unterschieden wurde. Bis 1919 galt entsprechend in Preußen (da kann Friedrich Wilhelm I Edikte erlassen wie er will) das Preußische Landrecht, in dem es heißt: „Jeder Einwohner, welcher den nöthigen Unterricht für seine Kinder in seinem Hause nicht besorgen kann oder will, ist schuldig, dieselben nach zurückgelegtem fünften Jahre zur Schule zu schicken.” Bis 1919 war die Entscheidung über die Bildung der Kinder Zuständigkeit der Eltern. Erst ab 1919 wurden Eltern in dieser Hinsicht entmündigt.

Schließlich ist Schule, als Angebot der Bildung, nicht als staatliche Segnung per Schulpflicht auf die Kindlein gekommen, sondern, wie immer, als staatliche Notmaßnahme verordnet worden, um die Nachfrage nach Bildung, die es spätestens seit dem 17. Jahrhundert in organisiertem Ausmaß und entsprechenden privaten Schulen gab, zu kontrollieren und in Kanäle zu lenken, die staatlich überwacht werden können:

So schreibt Ricking: „Ohne ein Mindestmaß an Bildung in breiten Bevölkerungsschichten, so wuchs die Erkenntnis, wäre ein Staat den absehbar steigenden wirtschaftlich-technologischen Herausforderungen der Zukunft nicht gewachsen.“ (Ricking 2003: 28) Die zitierte Stelle zielt auf das frühe 17. Jahrhundert. Mit ihr versucht Ricking eine Begründung, für die ersten Schulordnungen auf deutschem Gebiet zu liefern. Es sind dies in einiger zeitlicher Entfernung zueinander die „Weimarische Schulordnung“ (1619), die „Gothaische Schulordnung“ (1642) und die „Braunschweigische Schulverordnung“ (1651). In der Weimarischen Schulordnung heißt es: „Es sollen, soviel möglich, alle Kinder, Knaben und Mägdelein, mit allem Ernst und Fleiß zur Schule gehalten werden, damit sie je zum wenigsten neben dem heiligen Katechismus, christlichen Gesängen und Gebeten recht lernen lesen und etwas schreiben…. Sollen demnach hinfürder die Pfarrherren und Schulmeister an einem jedem Ort über alle Knaben und Mägdelein, die vom 6. Jahr an bis ins 12. Jahr bei ihrer christlichen Gemeinde gefunden werden, fleißige Verzeichnisse und Register halten, auf dass mit den Eltern, welche ihre Kinder nicht wollen zur Schule halten, könne geredet werden; auch auf Bedarf durch Zwang der weltlichen Obrigkeit dieselben in diesem Falle, ihre schuldige Pflicht in acht zu nehmen, angehalten werden mögen…“ (Dietrich & Klink 1972: 37) Offensichtlich war das Bestreben der „Obrigkeit“ nicht die umfassende Bildung ihrer „Untertanen“, vielmehr sollten Letztere für eine gewisse Zeit an einem bestimmten Ort sein, um dort religiöse Inhalte, lesen und „etwas schreiben“ vermittelt zu bekommen und somit einen Grundstock an Bildung.

Die Initiative zur Errichtung von Schulen ist jedoch nicht von „oben“ ausgegangen, sondern eine Reaktion auf die Nachfrage von „unten“ gewesen: „In vielen Städten … waren bereits am Anfang des dreizehnten Jahrhunderts die alten innerhalb ihrer Mauern stehenden Schulanstalten … nicht mehr ausreichend für die Bedürfnisse der Bürgerschaft. Das Entstehen neuer Stadtteile und die Entfernungen zur bisherigen Schule waren es zumeist, welche die städtischen Behörden nötigten, ihre Aufmerksamkeit dem Unterrichtswesen zuzuwenden, das bisher ausschließlich eine Sache des Klerus gewesen war. Die Gemeindebehörden zeigten sich immer geneigt, die nötigen Mittel zur Gründung neuer Schulen … herbeizuschaffen.“ (Specht 1967: 248-249)

Bildung als Bürgerinteresse, so kann man formulieren, war die Triebkraft des mittelalterlichen Schulwesens. Die Stadtbürger fragten Bildung nach, die „Gemeindebehörden“ schufen die notwendigen Voraussetzungen, um die Nachfrage zu befriedigen. Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht im 20. Jahrhundert folgt einem anderen Interesse: Jetzt kommt die Nachfrage vom Staat, „er“ braucht einen in bestimmter Weise gebildeten Bürger und schafft dafür die Institutionen, die seine Bürger durchlaufen müssen (Schulpflicht), um den Anforderungen zu genügen. Mehr noch: Die Schulen nehmen wichtige Sozialisationsfunktionen war, sie passen den Einzelnen in die gesellschaftliche Wirklichkeit ein. Diesen Prozess hat Brian Jackson mit dem Begriff „the hidden curriculum“ bezeichnet: „The hidden curriculum refers to ways in which pupils learn to accept the denial and the interruption of their personal desires and wishes. Pupils, if they are to succeed within the educational system, have to “learn how to learn”. That is, they have to learn to conform not just to the formal rules of the school but also to the informal rules, beliefs and attitudes perpetuated through the socialisation process.”

Was es mit dem hidden curriculum auf sich hat, kann man heute kaum übersehen. Die Versuche politischer Akteure, das, was sie für ideologisch richtig halten, in die Köpfe von Schülern zu hämmern, sind allgegenwärtig, der Zweck der Schulpflicht, der nicht nur in Bildung, sondern auch in Kontrolle besteht, damit offenkundig.

Fazit:

  • Die Schulpflicht ist keine 300 Jahre alt.
  • Die Pflicht zur Bildung von Kindern als Teil elterlicher Erziehung besteht bis 1919 als Unterrichtspflicht, die keinerlei Schulpflicht voraussetzt.
  • Erst 1919 wird eine Schulpflicht formuliert und in der Weimarer Verfassung (Art 145) verankert.
  • Die Durchsetzung der Schulpflicht obliegt der NSDAP und erfolgt mit der Verabschiedung des Reichsschulgesetzes von 1938.
  • Die Einrichtung staatlicher Schulen ist keine Segnung, die die Obrigkeit über ihre Schäfchen verteilt, sondern eine Reaktion auf die Nachfrage nach Bildung.
  • Die Möglichkeiten, die Erziehung von Kindern zu kontrollieren, zu standardisieren und Eltern zum Teil aus den Händen zu nehmen, ist ein Grund für die Einführung der Schulpflicht.
  • Ach ja, Bildung war selbst im Mittelalter keine auf Jungen oder auf „Kinder aus höheren Schichten“ begrenzte Angelegenheit.
    Auch hier irrt oder lügt der Deutschlandfunk.

Somit muss man sich fragen, ob die Redakteure beim Deutschlandfunk FakeNews und Geschichtsfälschung aus Unwissenheit oder aus böser Absicht verbreiten. Keine der beiden Alternativen ist mit einer öffentlichen Finanzierung des Deutschlandfunks vereinbar.


Dietrich, Theo & Klink, Job-Günter (Hrsg.) (1972). Zur Geschichte der Volksschule. Band I. Bad Heilbrunn: Klinkhardt

Ricking, Heinrich (2003). Schulabsentismus als Forschungsgegenstand. Oldenburg: Biblio­thek- und Informationssystem der Universität Oldenburg.

Specht, Franz Anton (1967). Geschichte des Unterrichtswesens in Deutschland von den ältesten Zeiten bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Wiesbaden: Sändig (Neudruck der Ausgabe von 1885).

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Deutschlandfunk: Alle Ossis sind Rechtsextreme

Ein Meisterstück gruppenbezogener Menschfeindlichkeit, das der Deutschlandfunk schon vor einigen Tagen veröffentlicht hat, ist uns heute auf den Schreibtisch gekommen. Es stammt aus der Feder von Christoph Richter, der sich offensichtlich intellektuell und kompetent genug fühlt, um alle Ossis für rechtsextrem zu erklären.

Weil sein Text wirklich ein hervorragendes Beispiel eines Journalisten ist, der von nichts eine Ahnung haben, aber dennoch Aussagen in einer Unbekümmertheit und Reichweite trifft, die die Leser ob ihrer Falschheit atemlos zurücklassen, nehmen wir uns seinen Text absatzweise vor.

junk_scienceAbsatz 1:
„Kaum war die Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung zum Rechtsextremismus in Ostdeutschland verbreitet – mit dem Tenor: Der Rechtsextremismus hat ein ostdeutsches Gesicht – da waren die Abwiegler, die Relativierer zur Stelle. Es folgten die üblichen politischen Reaktionen: Nicht alle Ostdeutschen sind rechtsextrem, heißt es. Der Westen solle sich hüten, jetzt mit dem Zeigefinger auf die Ostdeutschen zu zeigen, als seien sie Schmuddelkinder, als würden in den Neuen Bundesländern permanent Flüchtlingsunterkünfte brennen.“

Die Prämisse des Absatzes lautet: Die Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung verkündet die Wahrheit über die Ostdeutschen. Sie sind alle rechtsextrem. Rechtsextremismus ist ein ostdeutsches Phänomen. Das behauptet Richter allen Ernstes (dazu kommen wir noch). Weil die Wahrheitsstudie aus Göttingen sofort „Abwiegler“ und „Relativierer“ auf den Plan gerufen hat, die darauf hingewiesen haben, dass „[n]icht alle Ostdeutschen rechtsextrem“ sind, muss man logisch schließen, dass Richter der Überzeugung ist, „Alle Ostdeutschen sind rechtsextrem“. Wäre er nicht dieser Überzeugung, er würde diejenigen, die darauf hinweisen, dass nicht alle Ostdeutschen rechtsextrem sind, nicht als Abwiegler und Relativierer bezeichnen. Richter relativiert nichts. Seine Überzeugung ist apodiktisch: Alle Ostdeutschen sind rechtsextrem. Und der Deutschlandfunk stellt Richter ein Forum bereit, um seinen Extremismus über die Ostdeutschen zu verbreiten. Denn Aussagen, die eine ganze Gruppe (die Ostdeutschen) abwerten, stellen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ dar. Wenn es Richter nicht glaubt, er kann es bei der Amadeu-Antonio-Stiftung oder bei Andreas Zick, dem Spiritus Mentor der AAS-Stiftung nachlesen. Apodiktische Aussagen wie „alle Ostdeutschen sind rechtsextrem“, sind übrigens das Kennzeichen dummer Menschen. Intelligente Menschen wissen, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Allaussagen sich als falsch erweisen, sehr hoch ist, sehr sehr hoch. Deshalb würden wir nie behaupten, kein Mitarbeiter des Deutschlandfunks ist willens oder in der Lage, seinen Job als Journalist zu machen. Wir würden zunächst von „manchen“ sprechen.

Nächster Absatz.
„Nein, das ist nicht so. Hat auch keiner gesagt. Aber man will auch denen, die sich sofort wie Ritter für die Ostdeutschen in die Bresche schlugen, vor Augen halten, dass der Alltagsrassismus im Osten sehr verbreitet ist, auf fruchtbaren Boden fällt.“

Das „hat auch keiner gesagt“, bezieht sich auf den Konjunktiv, „als würden in Ostdeutschland permanent Flüchtlingsunterkünfte brennen“. Immerhin ist Richter bereit, zuzugestehen, dass unser aller Eindruck, nachdem in Ostdeutschland nicht ständig Flüchtlingsunterkünfte brennen, richtig ist. Allerdings ändert das nichts an seiner apodiktischen Aussage, nach der alle Ostdeutschen rechtsextrem sind. Alltagsrassismus, nennt er den Rechtsextremismus nun. Und wer anderer Ansicht ist, als Herr Richter, der ist ein Ritter, der sich für die Ostdeutschen in die Bresche schlägt. Wir (und der Duden) dachten bislang, dass man für andere in die Bresche springt. Aber das ist Deutsch. Beim Deutschlandfunkt gilt eben ein anderes, sagen wir ein falsches Deutsch.

Und weiter geht es:
„So ist es immer wieder höchst irritierend, zu beobachten, mit welcher Nonchalance auf den Straßen in Magdeburg, Dresden oder Schwerin von Asylanten, Kanaken, gar von Fidschis gesprochen wird. Warum kleiden sich ostdeutsche junge Männer gern mit der neuesten Kollektion von Thor Steinar – einem bekannten Neonazi-Label? Warum tragen beispielsweise die Mitarbeiter eines Magdeburger Wurstimbiss T-Shirts auf denen in Frakturschrift Dönerjäger steht? Soll wohl ein Scherz sein, ist aber nicht lustig. Ganz im Gegenteil.“

Fidschis, Dönerjäger und Thor Steinar in Madgedurg, Dresen oder Schwerin sind für Richter die Insignien eines ostdeutschlandweiten Rechtsextremismus. Die Thor Steinar Litanei kommt regelmäßig als Indikator für rechts, was erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass der Eigentümer von Thor Steinar seit 2008 das Unternehmen Al-Zarooni Tureva mit Sitz in Dubai ist, oder wie es bei Wikipedia heißt: „Am 4. November 2008 wurde die MediaTex GmbH an die Al Zarooni Tureva mit Sitz in Dubai verkauft. Seitdem wird die Marke von mehreren Neonazi-Gruppen boykottiert.“

Fidschis ist übrigens die Bezeichnung für Vietnamesen, die in der DDR gängig war, denn in der DDR gab es etliche Migranten aus sozialistischen Bruderländern. Das weiß Herr Richter auch nicht (wenn man den Ostdeutschen hier etwas vorwerfen kann, dann ihre sozialistische Unbildung, die Fidji und Vietnam verwechseln lässt). Die Marke aus Dubai, die DDR-Bezeichnung für Vietnamesen und ein t-Shirt mit dem Aufdruck „Dönerjäger“ sind für Christoph Richter der Beleg dafür, dass es in Ostdeutschland eine „Überhöhung des Eigenen“ gibt, wie er im nächsten Absatz schreibt. Nun wissen wir, wie es zu derart unsäglichen Artikeln, wie dem von Richter beim Deutschlandfunk kommt. Diese Artikel stellen eine Überhöhung des Eigenen dar. Richter ist tatsächlich der Ansicht, er sei nicht nur kompetent, sondern auch intellektuell in der Lage, etwas über Rechtsextremismus in Ostdeutschland zu schreiben. Derartige Überhöhungen eigener Fähigkeiten müssen notwendig ins Unheil führen. Und so kommt es auch:

„An diesen Beispielen kommt die “Überhöhung des Eigenen”, wie die Forscher in der Studie ausführen, deutlich zum Ausdruck. Sie sagen: Der Rechtsextremismus ist ein Erbe der DDR, wo es keine Migranten gab, weshalb die Ostdeutschen mit Fremden nicht klar kommen beziehungsweise für extreme Tendenzen anfällig sind: Kein gerade neuer Befund, eine allseits bekannte Zustandsbeschreibung. Die x-te Studie zum Thema.”

sinus-studie“Der Rechtsextremismus als solcher ist ein Erbe der DDR, wo es keine Migranten gab, weshalb die Ostdeutschen mit Fremden nicht klar kommen …“ Das muss man sich nach rund 60 Jahren westdeutscher Rechtsextremismus-Forschung, bei der schon Ende der 1970er Jahre verkündet wurde, dass 5 Millionen WESTDEUTSCHE ihren Führer wiederhaben wollten, auf der Zunge zergehen lassen, vor allem, weil Westdeutsche, die mangels ostdeutscher Beschuldigter, so lange die DDR in situ war, der einzige Gegenstand der Forschung für westdeutsche Rechtsextremismuskundige waren: Westdeutschland mit seinen vielen Gastarbeitern, die damals als Ursache für den westdeutschen Rechtsextremismus angegeben wurden; Westdeutscher Rechtsextremismus schien den damals Forschenden gerade ein Ergebnis davon zu sein, dass es „Migranten gab“, mit denen Westdeutsche nicht klar kamen.

Aber wir lernen von Christoph Richter, dass es den westdeutschen Rechtsextremismus nie gegeben hat. Denn der Rechtsextremismus, er ist ein DDR-Erbe. Und es gibt Rechtsextremismus nur dort, wo man keine Fremden kennt, in Ostdeutschland. X-Studien, von denen Richter keine einzige nennen kann, haben dies angeblich gezeigt. Wir tendieren mit x Studien dazu, apodiktische Aussagen als Ergebnis einer Geisteskrankheit zu betrachten, auch ohne Quellenangabe.

Warum schreibt ein angeblicher Journalist wie Christoph Richter einen derartigen Blödsinn? Warum gibt ein Sender, der von Steuerzahlern, auch von ostdeutschen Steuerzahlern finanziert wird, Richter ein Forum, um für alle sichtbar zu machen, dass er das hat, was Milton Rokeach ein „closed mind“ genannt hat?

Die Antwort kommt im nächsten Absatz:
„Was es jetzt braucht, ist ein umfassendes Integrationsprogramm für die Ostdeutschen. Insbesondere auf dem platten Land fühlen sich die Ossis abgehängt, vergessen. Die Bahn, die Sparkasse, die Post, die Polizei, der Bäcker: Alle haben sich zurückgezogen. Gemeinden werden durch Gebietsreformen zu gesichtslosen Stadtgebilden, mit denen sich kaum einer identifizieren kann. Das Ergebnis: Der Politikverdruss greift um sich. Die Menschen öffnen sich den Extremisten, die da kommen und sagen, wir sind jetzt die Kümmerer.“

Die Ossis sollen für die offizielle Kümmer-Industrie als Behandlungsmasse erschlossen werden. Platt ausgedrückt könnte man sagen: Der Verdacht liegt nahe, dass der Deutschlandfunk oder Mitarbeiter des Deutschlandfunks von Vertretern der Kümmer-Industrie geschmiert wurden, um ihnen das ostdeutsche El-Dorado zu erschließen. Projekte, Maßnahmen, Aktionen, Schulungen, Tagungen, Selbsthilfegruppen, Studien, Interviews, Crash-Kurse und Workshops, das Herz der Kümmer-Industriellen es schlägt höher bei dem Gedanken, man könne alle Ostdeutschen zur Behandlungsmasse erklären, die man vom DDR-Erbe Rechtsextremismus entwöhnen müsse. Die Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg, sie ist Peanuts dagegen.

„Die Bahn, die Sparkasse, die Post, die Polizei, der Bäcker“, sie sich übrigens auch im Westen vom Land zurückgezogen. Aber das ist Richter nicht der Erwähnung wert. Er ist auf der Suche nach Dingen, die seine Überzeugung bestätigen und seinen Hass auf Ostdeutsche begründen können. Die Frage, ob denn der behauptete Einfluss, der erdachte Zusammenhang überhaupt vorhanden ist, sie interessiert ihn nicht. Er pickt ihm Passendes, nicht Korrektes. Er sucht nach Bestätigung, nicht nach Begründung. Er kommt gar nicht auf die Idee, seine angeblichen Einsichten einer Prüfung zu unterziehen. Er will nicht wissen. Er will diskreditieren!

Und dann kommt der letzte Absatz in diesem Marketing-Artikel für die Kümmer-Industrie, deren Masche darin besteht, Probleme zu erfinden, die erfundenen Probleme groß zu reden und dann Horden von Kümmerern lozuschicken, um die Probleme nicht nur flächendeckend zu verbreiten, sondern auch die Notwendigkeit dafür zu demonstrieren, dass man sich kümmert, denn: Die Probleme sind nun flächendeckend. Früher hat man das Schmarotzen genannt, heute ist es Einsatz für die Zivilgesellschaft.

Damit ist der Richter aber noch nicht am Ende.
Einen hat er noch:

„Die Landeszentralen für politische Bildung haben an dieser Stelle komplett versagt. Weshalb man jetzt auch kein weiteres Programm für Weltoffenheit und Toleranz braucht. Sondern eine groß angelegte Offensive für ein lebendiges Miteinander in der Provinz. Indem die Schulen vor Ort erhalten und nicht geschlossen werden, indem der Bus öfter als zweimal am Tag fährt. Egal ob in Tröglitz, Anklam oder Heidenau. Und da sind alle Kommunal-, und Landespolitiker gefragt, aber auch der Bund: Um aus leb- und gesichtslosen Ortschaften, aus strukturschwachen Regionen lebendige und bunte Zentren zu machen. Nur so können letztlich blühende Landschaften auch in den Herzen der Ostdeutschen entstehen.“

Wussten Sie, dass die Landeszentralen für Politische Bildung in Ostdeutschen gegründet wurden, um die Ossis vom DDR-Rechtsextremismus zu entwöhnen und sie an Fremde zu gewöhnen?

Wir auch nicht.
Savage chicken CatsScheinbar hat Richter seine ureigene Vorstellung vom Zweck der Landeszentralen für Politische Bildung. Sie sind nach seiner Ansicht Mittel zur Indoktrination. Agenten, die das, was die Richters Deutschlands für richtig halten, denen, die sich auf dem ostdeutschen Land verkrochen haben, in die Köpfe hämmern, denn das Volk ist eine tumbe Masse, die darauf wartet, von den Richtern der Welt geschröpft, beschimpft und dann behandelt zu werden, vor allem in den strukturschwachen Regionen.

Tatsächlich gibt es keinerlei Untersuchung, in der sich jemand gefragt hätte, welche Wirkung Landeszentralen für Politische Bildung überhaupt haben, sofern sie eine haben. Deshalb gibt es auch nicht einmal den Funken eines Beleges für das, was Richter hier so apodiktisch feststellt, dass Landeszentralen „komplett versagt“ hätten, und zwar im Hinblick auf eine Aufgabe, die sie gar nicht haben.

Wenn man also etwas feststellen muss, dann dass die Auswahlprozesse beim Deutschlandfunk komplett versagt haben. Dass Personen wie Richter ein Platz eingeräumt wird, an dem sie ihre Unkenntnis und ihre nicht vorhandene Kompetenz anderen apodiktisch als Wahrheit verkaufen können, ist eines der größten Versagen der öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft, deren Aufgabe die Verbreitung von zuverlässiger Information, nicht von FakeNews ist und auch nicht die Belehrung oder Erziehung ihrer Konsumenten.

Die Studie aus Göttingen, die Richter zum Aufhänger nimmt, ist eine Junk Studie, wie wir hier und hier begründet haben. Sie ist zudem eine Studie, bei der man über kurz oder lang den Verdacht bekommt, dass nicht alle Interviews geführt wurden, wie die Autoren es behaupten. Aber es ist eine Studie, die Vorurteile, die bei Christoph Richter so tief eingegraben sind, dass sie keiner Veränderung zugeführt werden können, bestätigt. Deshalb findet er die Studie gut und nicht etwa, weil er über Urteilsvermögen verfügen würde, das es ihm erlaubt, die entsprechende Studie aus Göttingen nach wissenschaftlichen Kriterien zu beurteilen. Hätte er dieses Urteilsvermögen, er würde sich in der Öffentlichkeit nicht positiv auf diese Junk Studie beziehen.


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